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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Midsommar i Hummelholm

Dieses Jahr habe ich Mittsommer in Hummelholm in der Nähe von Umeå verbracht. Dort war ich mit Martine und Lasse bei deren Freunden eingeladen und habe so eben mal das halbe Dorf kennengelernt, denn Hummelholm hat nur rund 60 Einwohner.

Es war ein schönes Fest, auch wenn es nicht so viel mit dem Klischee-Mittsommer zu tun hatte.

Zum Mittsommer gehört eingelegter Sill (Hering) in verschiedenen Variationen, Kartoffeln, Dünnbrot und Schnaps. In der Hummelholm-Variante gab es den Sill nicht wie üblich einfach nur eingelegt, sondern in Form von sehr leckeren Salaten und auch die Kartoffeln gab es in Salatform. (Nebenbei bemerkt mit der beste Kartoffelsalat, den ich je gegessen habe). Und zwei der Schnäpse waren selbstgemacht.

Trinkt man Schnaps in Schweden, so hebt man gemeinsam das Glas, meistens von einem Trinklied und einem „Skål“ begleitet. Oft ist es das Lied „Helan går“, denn das kennt jeder. In der Hummelholm-Variante gab es kein Helan går, sondern Verballhornungen schwedischer Volkslieder. Auf den Tischen lagen Texte, die dann auf bekannte Volkslieder gesungen wurden. So wurde aus „Uti vår hage där växa blåbär“ (Auf unserer Weide wachsen Blaubeeren) zum Beispiel „Uti vår mage där växa begär“. (In unserem Magen wächst Verlangen).

Zum Mittsommer gehört auch die Mittsommerstange, die mit dem deutschen Maibaum verwandt ist. Und natürlich die Mittsommertänze wie zum Beispiel „Små grodorna“, das Lied von den kleinen Fröschen. Und viele Mädchen und Frauen haben Blumenkränze im Haar. In der diesjährigen Hummelholm-Variante gab es allerdings keine Blumenkränze, stattdessen haben alle Hut getragen, eine kleine lokale Tradition.

Auch die Mittsommerstange fiel aus und daran war die Wettervorhersage schuld, die schon seit Tagen sehr nasses und ziemlich kaltes Schauerwetter prognostizierte. Und die Vorhersage hatte recht! Die Temperaturen erreichten gerade Mal sieben Grad und ein heftiger Hagelschauer tauchte Teile der Wiese in winterliches Weiß. Der Hagel blieb viele Stunden liegen, denn kalt war es ja auch. Immerhin schneite es nicht, wie zum Beispiel in Kiruna.

Ein heftiger HagelschauerKleine Birke im Hagel

Und so kam ich zu einem weiteren besonderen Erlebnis: Meinem ersten Mittsommerfest ohne eine einzige Mücke!

Später am Abend wurde dann aber doch noch kurz eine Mittsommertradition aufgegriffen: Die Mittsommertänze. Anlass war ein Gast aus England, der noch nie in Nordschweden war und für ihn wurden „Små grodorna“ und „Vi äro musikanter“ dargeboten, allerdings drinnen, wo es warm und trocken war und aufgrund der späten Stunde in einer leicht beschiggerten Variante.


Ein Foto noch aus dem Dorf: Dort steht das Amerikahaus, ein verwittertes mehrstöckiges Holzhaus, welches schon viele Jahre auf dem Buckel hat. Leider sind inzwischen Teile des Daches eingefallen und deswegen wird das Haus vermutlich irgendwann abgerissen werden (oder einfach verfallen gelassen – eine beliebte schwedische Variante). Als ich durch das kniehohe nasse Gras zum Haus watete, hörte ich ein lautes Ssst-rumms! Eine Dachlawine von Hagelkörnern kam heruntergeschossen. Gut, dass ich noch einiges vom Haus entfernt war, das hätte bestimmt gut weh getan.

Quellwolken über dem alten „Amerikahaus“

Sommerdämmerung

Nennt man das nun eigentlich Abend- oder Morgendämmerung, wenn es ohnehin nicht dunkel wird? Ich entscheide mich für Sommerdämmerung, das klingt am nettesten.

Heute Abend habe ich trotz Müdigkeit keinen Weg ins Bett gefunden und als es um ein Uhr nachts draußen so schön aussah, habe ich mich noch einmal ins Auto gesetzt und bin an den Ostsee-Bootshafen Tjuvkistan gefahren. Dort habe ich lange gestanden und mich an den schönen Dämmerungsfarben erfreut.

Sommerdämmerung

Die Sonne, die um zehn vor zwei aufging, hat sich allerdings hinter den aufziehenden lila-grauen Wolken versteckt und immer nur mal hier und dort einige rotorange Strahlen durch die Wolkenlücken auf die sanft wellige Wasseroberfläche geschickt. Ein völliger Kontrast dazu die Bucht des Bootshafens: Hier war die See spiegelglatt und das Licht immer noch fahl und wäre die Spiegelung der Bojen nicht dunkler als ihr Original über Wasser, so könnte man das Bild auch umdrehen.

Nächtliches WolkendramaSpiegelglatte Bucht

Erst kam ich mir ein bisschen albern vor. Hose und dicke Winterjacke über den Schlafanzug, ist das nicht viel zu warm? Nein, ist es nicht, denn schon seit Mittsommer ist es kalt: Lag die Höchttemperatur vor drei Wochen noch bei 26 °C, wurden heute gerade noch 12 °C erreicht. Und die Nacht war frisch. Irgendwann habe ich sogar die Kapuze aufgesetzt, weil mir kalt war. Als ich gegen halb drei wieder zu Hause war, zeigte das Thermometer gerade noch ein Grad an.

SommerfotografieSommerkälte

Nun hoffe ich, dass es die nächsten Wochen wärmer wird, denn ab Dienstag habe ich vier Wochen Urlaub und erwarte Gäste aus Deutschland. Denen möchte ich gerne schwedischen Hochsommer zeigen, nicht herbstliches Fröstelwetter. Nur einen kleinen Vorteil bietet das Ganze: Auch diese Nacht keine einzige Mücke!


Nachtrag: Das zweite Bilder ist wesentlich dunkler als die Wirklichkeit, so „finster“ wird es bei uns zur Zeit nicht. Aber wenn das Fotos die richtige Helligkeit hätte, wären die Farben zu blass. Fotografie ist oft ein Kompromiss.

Nachtfrost

Ein Bild noch von der letzten Nacht, welches ich gegen vier Uhr im Garten gemacht habe, im Schlafanzug auf dem leicht raufreif bedeckten Rasen kniend.

Raureif auf einem Blatt einer Schafgarbe – Ende Juni!

Man sollte dazu aber sagen, dass dies ein Ausschnitt aus einer Makroaufnahme ist. Mit bloßem Auge war der Raureif nur als weißer Schimmer auf der Rasenfläche erkennbar. Soo winterlich ist es dann auch wieder nicht.

Urlaub zu Hause

Wie jedes Jahr habe ich auch dieses Jahr vier Wochen Sommerurlaub im Juli, wie die meisten anderen Schweden auch. Die anderen Jahre habe ich diese Zeit oft genutzt, um herumzureisen und war so mehr in Norwegen oder Deutschland als in Skelleftehamn zu Hause.

Doch dieses Jahr bin ich die meiste Zeit hier, sozusagen eine ganz neue Erfahrung. Vorgestern am Montag flog meine Mutter, mit der ich eine herrliche Woche in Skelleftehamn und Umgebung verlebt habe, um 9:50 nach Deutschland. Um 14:20 kam Annika, die ich im Februar in Abisko persönlich kennengelernt hatte, aus Deutschland angeflogen.

Letzte Woche gab es hier noch einige heftige Regengüsse, doch seit Samstag zeigen sich Sonne und blauer Himmel, über zwanzig Stunden am Tag. Und die Sonne bringt Wärme: Samstag 22 °C, Sonntag 24 °C, Montag 27 °C, gestern und heute 28 °C! Wie schon letzten Freitag mit meiner Mutter bin ich gestern auch mit Annika nach Bjuröklubb gefahren. Das ist so eine schöne Ecke, dass ich da auch prima zwei Mal hinfahren kann. Und auch zwei Mal Räucherlachs mit Kartoffeln und Moltebeerencréme essen.

Doch welch ein Wetterkontrast: Letzten Freitag zogen schwarze Wolken auf und brachten heftige Regenschauer und meine Mutter und ich verbrachten den größten Teil der Zeit drinnen: Im Café, im Auto. Gestern waren Annika und ich nur draußen: An einem Felsstrand, im Garten des Cafés und an einem kleinen Sandstrand.

Bjuröklubb am Freitag: Blick über BjuröfjärdenBjuröklubb gestern: Sandstrand bei Grundskatan

Heute sind wir nach Kågehamn gefahren und haben von Hans zwei Kajaks ausgeliehen. (Ja, Hans hat wirklich einen Legoladen, aber er verleiht auch Kajaks.) Meine Packliste, die ich gestern gemacht habe, war recht lustig. „Ersatzkleidung“ stand an letzter Stelle und „Graved Lachs“ an erster. Das ist – so finde ich – die richtige Priorisierung, denn der Graved Lachs stammt von einem lokalen Fischer, der vor Bjuröklubb fängt und ist unfassbar lecker.

Annika saß vor 18 Jahren das erste und einzige Mal im Kajak. Da ist natürlich die erste Frage, wie man denn in dieses Ding überhaupt hereinkommt. Doch nach dieser kleinen Anfangshürde saß sie im Kajak, als hätte sie die letzten Wochen nichts anderes gemacht und wir konnten eine größere Runde drehen. Das war auch für mich schön, weil ich im Kågefjärden eigentlich nur die Insel Bastuholmen kenne und heute viel Neues gesehen habe.

Und so fuhren wir über kleine, seitlich kommende Zappelwellen über die Bucht: Kleinboothafen Kågehamn – Yttre Björkögrundet – Bastuholmen (kleiner Spaziergang) – Norra Bastuholmsgrundet – Billören – Flatgrundet – Ytterstholmen (Pause mit Zimtschnecken). Wir wären auch noch weiter ostwärts gefahren, doch die Wellen wurden zappeliger, wir fuhren ohne Spritzschutz (viel zu warm) und so sind wir umgekehrt, dieses Mal an den Südseiten der Inseln entlang und sind wieder in Bastuholmen angelandet. Dort haben wir erst einen größeren Teil des am Vortag gekauften Graved Lachs gegessen und haben dann zur Abkühlung im immerhin 23 °C warmen Ostseewasser geplanscht. Mehrmals.

Die Tour beginntDer öffentliche Boots- und Badesteg von Bastuholmen – noch leerAnnika auf der OstseeParallelfahrtMittagspause mit Graved LachsAbkühlung im Meer

Von Bastuholmen sind wir wieder nach Kågehamn gepaddelt, das ist ja nicht weit, und haben die Kajaks abgegeben. Ein herrlicher Sommer- und Urlaubstag, der mich darin bestärkt, doch auch einfach mal zu Hause zu bleiben und es hier schön zu haben.

Die weitere Wetterprognose: Vormittägliche Regenschauer in fünf Tagen, bis dahin Sonne bei Tagestemperaturen zwischen 22 und 28 Grad. Sommer in Nordschweden.

Sommer ist doof!

Sommer ist doof! Total doof! Also, nicht für mich – Sonnenbrand hin oder her – sondern fürs Blog. Man kann so früh aufstehen wie man will, die Sonne steht schon hoch und wirft genau diese Art Licht, die Fotografen nicht mögen. Kalt, grell und unpersönlich.

warmer Tag, kaltes Licht

Und dann die Aktivitäten: Am Steinstrand entlang spazieren, baden, Waffeln essen, die ersten Blaubeeren sammeln, im Schatten dösen, Freunde treffen. Was soll man denn da groß erzählen? Kajaktouren erzählen sich packender, wenn man zwischen Eisschollen paddelt. Schneesturm an der Küste klingt gleich viel spannender als eine leichte Brise, die bei Temperaturen über 25 °C angenehm kühlt. Ein Waldspaziergang wirkt dramatischer, wenn man vom metertiefem Schnee berichtet, als von hübschem, mit Blaubeerpflanzen bedecktem Waldboden.

Die ersten Blaubeeren

Aber zum Glück lebe ich nicht nur für das Blog, sondern geniesse die warme Sonne, das kühle Bad und die ersten süßen Blaubeeren. Und gestern, als Annika, die diese Woche zu Besuch ist, und ich an der Landzunge Långhällan Pause gemacht haben, gab es sogar noch ein schönes Fotomotiv. Mitten am Tage!

Landschaft ohne Relation

Ein Abend auf der M/S Stormvind

Gestern war ich bei Freunden aus Dubai eingeladen und als ich gefragt habe, ob Annika mit kann, kam direkt ein „Sure thing mein herr!“ als Antwort. Praktischerweise brauchten wir nicht nach Dubai fliegen, denn die Freunde sind vor einem Jahr von Dubai nach Skellefteå gezogen. Wir hatten es sogar noch besser, denn die Feier fand auf der M/S Stormvind in Skelleftehamn statt, das ist quasi gleich um die Ecke. Und die Feier war rundum schön!

Zum einen war diese Feier ein „knytkalas“, das bedeutet, dass jeder etwas zu essen mitbringt. Es waren nicht nur lokale Gerichte, sondern auch viele asiatische, zum Beispiel aus Indien oder Syrien vertreten und natürlich musste ich alles probieren. Denn wann bekommt man schon einmal solches Essen im kulinarisch eher konservativen Skellefteå. Puh, wie satt ich war!

Dann der Himmel! Die meisten von uns saßen auf dem Oberdeck des Schiffes und immer wieder schaute ich fasziniert auf die Wolken, die von Süden aufzogen und das sich minütlich ändernde Licht. Immer näher rückten die bauschigen Wolken und glühten in warmen Orangetönen, als sie seitlich von der tiefen Sonne angestrahlt wurden.

Abendsonne auf dem Ursviksfjärdenleuchtender Wolkenaufzug

Wolkenpanorama

Doch ehrlich gesagt war es nicht das Essen oder das phantastische Somernachtslicht, sondern es waren die vielen unglaublich netten Leute, die mit dabei waren. Mit der Truppe wäre ich sofort ein paar Tage zusammen weggefahren, um jeden ein bisschen besser kennen zu lernen. Mit Zweien habe ich das Vergnügen, denn ich fahre nächsten Donnerstag mit Martine und Lasse, die gestern auch dabei waren, auf die Lofoten, um gemeinsam Elisabet zu besuchen. Darauf freue ich mich schon riesig!

Und als ich mich heute (schön modern per Facebook) bei den beiden Gastgebern bedankt habe, schrieb ich:

It’s nature why I came to Northern Sweden. It’s people, why I stayed.

Das trifft es eigentlich ganz gut.

Thank you, N. und S., for the invitation, it was a great pleasure meeting you.

Hitzewelle

Ich bin zurück von einer Kurzreise zu den Lofoten. Eigentlich würde ich jetzt normalerweise Fotos sichten und bearbeiten und ein paar Blogartikel schreiben, denn die Reise war wieder wirklich schön. Aber es ist mir einfach zu warm. Seit einer Woche sind die Temperaturen in Nordschweden und -norwegen sehr hoch. So hoch, dass der schwedische Wetterdienst wegen der Hitze erst Warnstufe eins und seit heute sogar Warnstufe zwei ausgegeben hat. Das liest sich dann so:

Västerbottens län kustland. Varning klass 2 extremt höga temperaturer
Minst fram till på lördag väntas maxtemperaturen kunna nå 30 grader. dvs totalt under minst 5 dagar.

Zu deutsch: Västerbotten Küstengebiet. Warnung Klasse 2 extrem hohe Temperaturen. Mindestens bis Samstag können die erwarteten Maximaltemperaturen 30 Grad erreichen. Das heißt insgesamt mindestens fünf Tage lang.

Gestern wurden hier am Flugplatz 32.4 °C Maximum gemessen. Und da mein Haus dankbar jede Art von Wärme aufnimmt, zumindest im Sommer, habe ich auch im Haus 30 °C. Zu warm, um ernsthaft Bilder zu bearbeiten. Das ist noch nichts gegen meinen unisolierten Wintergarten, der heute Mittag mit 41 °C punktete.

Zeitung: „Costa del Norge!“Und wie war es auf den Lofoten? In Nordnorwegen? Vom Europäischen Nordmeer umgeben? Selbst dort hatten wir warmes bis heißes Sommerwetter mit oft wolkenlosem Himmel und haben immer wieder im Meer gebadet.

Da ich das meteorologisch wechselhafte Norwegen kenne, hatte ich Wolljacke und Gummistiefel dabei. Gebraucht hätte ich dieses Mal aber eine kurze Hose und mein Schnorchel-Set. Die Zeitungen schrieben über die Wärme, gaben mehr oder minder dumme Tipps, die vielen kleinen Strände auf den Lofoten waren voll und die Tiere dösten in der Sonne. Die armen Schafe taten mir leid; so eine Wolle möchte ich bei dieser Hitze nicht am Körper tragen.

Dösender HundDösende Schafe

Noch einige Tage soll die Hitzewelle anhalten. Von mir aus darf es dann gern wieder ein bisschen kühler werden, denn mit Hitze, selbst moderater, habe ich es nicht so.

Lofoten 2014 – Teil 1: Von Kabelvåg bis Å

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Lofoten 2014.

Wie schon letztes Jahr war ich auch diesen Sommer wieder auf den Lofoten, um Elisabet zu besuchen, die auch dieses Jahr wieder einige Monate dort arbeitet. Doch dieses Mal bin ich nicht alleine gefahren, sondern zusammen mit meinen Freunden Martine und Lasse, die ich am Donnerstag Nachmittag aus Kusfors abgeholt habe. Wir sind am Abend bis Kiruna gefahren und konnten Dank der Vermittlung eines Freundes in einer schönen kleinen Hütte am See übernachten. Das letzte Stück Weg hat es dermaßen gepladdert, dass man kaum noch etwas sehen konnte. Doch am Morgen bei der Weiterfahrt begann es schon aufzuklaren. Wir sind immer weiter der E10 gefolgt, bis wir am Nachmittag in Kabelvåg waren, wo Elisabet zur Zeit wohnt und arbeitet.

Am Abend sind wir drei und unsere Gastgeber nach Hov auf der Insel Gimsøy gefahren und haben dort am Strand gegrillt. Inzwischen war der Himmel blau, nur an den Bergen klebten noch einige Haufenwolken. Und kühl und windig war es, so dass ich über meine Wolljacke froh war. Das war dann auch ihr letzter Einsatz in diesem Urlaub. Während Elisabet mit Tochter und deren Freund Essen gemacht haben, konnte ich schon ein paar Mal auf den Auslöser drücken.

Berg und Strand bei Hov, Gimsøy

Wellen IWellen II

Den nächsten Tag haben wir in Ruhe begonnen: Erst ein gemütliches Frühstück unter blauem Himmel auf der Terrasse, dann noch einen Kaffee (ohne mich), danach sind Martine, Lasse, Elisabet, ihr Sohn J. und ich ins Auto gestiegen und losgefahren. Ziele waren Eggum und eine Glashütte, beides für mich neue Ziele auf den nicht mehr ganz unbekannten Lofoten. Ganz nach Eggum sind wir nicht gekommen, da mussten wir schon anhalten und ein paar Fotos machen. Da wir hauptsächlich mit dem Auto unterwegs waren und meistens dann, wenn die Sonne am höchsten stand, stehen die meisten meiner Bilder dieses Mal unter dem Motto „Postkarte“. Hier habe ich aber absichtlich die Straße mit drauf genommen, denn solche Ausblicke wie hier bekommt man fast überall auf den Lofoten zu sehen. Keine dramatische Landschaftsaufnahme, sondern ein völlig normaler x-beliebiger Blick auf diesen Inseln.

Blick vom Torvdalsveien

In Eggum gibt es ein altes Gemäuer, aus rohen Steinen zusammengesetzt. Ich hätte diese Ruine auf mindestens tausend Jahre alt geschätzt, doch da hätte ich gut daneben gelegen, denn es handelt sich um eine Radarstation, die die Deutschen 1943/44 gebaut haben. Und natürlich ist auch hier die Landschaft einmalig.

Borga Eggum, eine deutsche RadarstationWolken am Berg Tindan

Berg und See bei Eggum auf der Insel Vestvågøy

Weiter ging es zur „Glassblåserhytte“ in Vikten auf der Insel Flakstadøya, wo wir erst den beiden Glasbläsern bei ihrer Arbeit zugeschaut und dann einen Kaffee getrunken haben.

Die Glassblåserhytte in ViktenIn der Glassblåserhytte

Vikten auf der Insel Flakstadøya

Von da aus wollten wir eigentlich eine kleine Wanderung unternehmen. J. hatte sich am Vortag das Bein überstreckt und Martine kurierte einen Bänderriss aus. Da war es klar, dass der Weg einfach und eben sein muss. Der in einem Lofotenführer beschriebe Weg war aber nicht auffindbar und so sind wir nicht weit gekommen, bis wir an einer Steinwüste zwischen steilem Berg und Meer angelangt waren. Dort haben wir eine Pause gemacht, denn den ganzen Tag schon war das Wetter warm und sonnig und dies sollte sich bis auf zunehmende Temperaturen auch den Rest des Urlaubes nicht mehr groß ändern. Ich habe mich über die Pause gefreut, denn dort konnte ich auf den riesigen runden Felsen, die mit grünen Algen bewachsen waren herumklettern und so auch mein Lieblingsfoto des Tages machen.

Steinstrand bei Vikten

Da die Wanderung ausfiel, hatten wir mehr Zeit als erwartet und sind so weiter südwärts gefahren. Ziel war Å, welches nicht nur der letzte Buchstabe im norwegischen Alphabet ist, sondern auch der südlichste Ort der Lofoten. Vor Reine wurden unsere Geduld noch auf die Probe gestellt: Wegen Bauarbeiten war ein Weg nur einspurig und wir mussten bestimmt 20 Minuten fahren, ehe wir weiter durften. Aber die Stadt Reine ist es wert. Sie gehört zu meinen Lieblingsplätzen auf den Lofoten und am liebsten wäre ich wieder wie letztes Jahr auf den Reinebringen gestiegen. Aber lecker Fish and Chips draußen am Wasser hat ja auch etwas. Von Reine aus ist es nicht mehr weit bis Å, wo man einen schönen Blick auf die Insel Værøy hat. Sie ist bewohnt, aber im Gegensatz zu den Lofoten nur mit den Schiff erreichbar.

Blick auf die Stadt ReineDie Insel Værøya

Auf dem Rückweg wäre ich am Liebsten noch häufiger stehengeblieben, denn fotografisch gesehen begann jetzt die schönste Tageszeit, erst mit warmen Gelb- und dann mit leuchtenden Orangetönen. Aber ich war nicht alleine, wir alle waren schon lange unterwegs und auch etwas müde. Und die Baustelle mussten wir vor elf Uhr passieren, da die Straße dann für ein paar Stunden gesperrt wird. Erst gegen ein Uhr nachts waren wir wieder zu Hause. Zwei Fotos bleiben aber noch von der spätabendlichen Rückfahrt:

Reine im AbendlichtSonnenuntergang

Morgen oder übermorgen schreibe ich den zweiten Teil. Gute Nacht!

Lofoten 2014 – Teil 2

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Lofoten 2014.

Sonntag

Nach der Autotour bis nach Å am Vortag sind wir heute nach Henningsvær gefahren, ein sehr schönes Städtchen auf einer Insel, die durch zwei einspurige Brücken mit dem Festland verbunden ist. Henningsvær ist beliebtes Ziel vieler Kletterer, die sich ohnehin auf den Lofoten mit seinen schroffen und steilen Bergen sehr wohl fühlen. Überhaupt ist Henningsvær touristischer als die meisten anderen Plätze auf den Lofoten, mit dem Nachteil, dass man nicht allein ist und dem Vorteil, dass es mehrere Restaurants gibt. In einem haben wir Mittag gegessen – im Schatten, denn in der Sonne war uns zum Sitzen zu heiß.

HenningsværHenningsvær

Nach einem kürzeren Gang durch die kleine Stadt sind wir zum Parkplatz gelaufen und sind nach Rørvik gefahren. Das liegt am Weg und ist vor allem wegen seines schönen Strandes ein beliebtes Ausflugsziel, sowohl der Touristen als auch der Einheimischen. Dort haben wir alle unser erstes Bad im Europäischen Nordmeer genossen und das Wasser war überraschend warm, wenn auch vermutlich immer noch unter 20 °C.

Abends haben wir im Restaurant „Du verden“ gegessen. Ich glaube, ich habe noch nie in einem Restaurant so viel Chaos erlebt wie dort an jenem Abend. Ein Teil der Gerichte und Getränke war aus, man musste ewig warten, um überhaupt an der Theke eine Bestellung aufgeben zu dürfen und die Angestellten rannten ziellos hin- und her. Ein Teil sprach übrigens überhaupt kein Norwegisch, was ich schon ein bisschen lustig fand. Aber das Wichtigste ist natürlich das Essen selbst, und das war sehr gut. Gegen neun sind Martine und ich zum nahen Anleger gelaufen, um die Hurtigruten zu fotografieren, denn die gehört ja zu Norwegen irgendwie fest dazu.

SvolværDas Hurtigrutenschiff Polarlys

In einem der Postkartenständer hat Martine eine Ansichtskarte gefunden, wo jemand von einem steilen Felsen zu einem anderen springt. Elisabet kannte die Stelle, denn die „Svolværgeita“, die Svolvær-Ziege, ist quasi gleich um die Ecke. Als wir mit dem Auto zu einem kleinen Friedhof gefahren sind, von dem man diese Stelle gut sehen kann, waren tatsächlich auch zwei Kletterer oben. Elisabet hat den einen noch springen gesehen, als ich das Teleobjektiv auf der Kamera hatte, konnte ich nur noch fotografieren, wie ein anderer Kletterer mit breitem Schritt hinüberstieg.

Kletterberge bei SvolværBergsteiger auf der Svolværgeita

Der Artikel „Kletter-Eldorado im hohen Norden“ der Neuen Zürcher Zeitung zeigt ein Bild aus wesentlich besserer Perspektive. Also – ich hätte vermutlich viel zu viel Angst, um dort hinüberzuspringen.

Montag

Elisabet musste arbeiten und so haben Lasse, Martine und ich uns zu dritt auf den Weg gemacht. Dieses Mal wollten wir eine Nebenroute nach Leknes fahren und dann nach Uttakleiv an den Strand. In Valberg haben wir Halt gemacht. Auf der einen Straßenseite liegt die Kirche, auf der anderen Seite der Strand.

Valberg KircheValberg Strand

Weiter in Richtung Uttakleiv. Der „Haukelandstrand“ vor dem Autotunnel war wie erwartet voll mit Menschen. Hinter dem Tunnel liegt Uttakleiv und vermutlich, weil das letzte Stück Weg privat ist und der Besitzer 20 Kronen per Auto haben möchte, ist dort der Strand wesentlich leerer. Ich finde ihn zudem auch noch schöner. Hier war ich schon 2013 und habe 2011 gezeltet, aber zum ersten Mal habe ich diese Bucht bei schönem Wetter gesehen. Wenn man diese hellen Sandstrände und das klare, türkisfarbene Wasser sieht, glaubt man sich eher in der Karibik als in Nordnorwegen. Das kalte Wasser belehrt einen aber sofort des Besseren. Gebadet haben wir aber trotzdem.

Sommerhimmel über UttakleivUttakleiv vom Meer aus

Das haben wir Abends dann gleich noch einmal, als wir abends mit Elisabet und J. zu einer nahen Badebucht gefahren sind und Pfannkuchen über offenem Feuer gemacht haben. Das braucht schließlich Zeit und da kann man gut zwischendurch noch ein, zwei Mal ins Wasser hüpfen, welches hier auch wieder etwas wärmer war als das Meer in Uttakleiv. Ich bin dann vor neun auf einen kleinen Hügel gelaufen, um nochmals ein Hurtigrutenschiff zu fotofgrafieren. Dieses Mal die Midnatsol, die von Svolvær ausgelaufen ist.

PfannkuchenMein Pfannkuchen kurz vor dem VerspeisenStille Badebucht bei KabelvågHurtigrutenschiff Midnatsol

Dienstag

Wieder strahlende Sonne, wieder ein warmer bis heißer Tag. Wir haben uns gemeinsam Kabelvåg angeschaut, aber mein Gehirn war ein bisschen zu sehr gedünstet, als dass ich das wirklich frisch und frei geniessen konnte. Ich war über jeden Schatten froh, und wenn es nur war, den Kopf mal schnell in einen alten Holzschuppen zu stecken.

Durchsicht in Kavelvåg

Ich glaube, im Sommer Südeuropa, oder in Dubai, oder in der Sandwüste wäre ich aufgeschmissen. Wärme und Hitze ist nicht meins. Fünfunddreißig Grad finde ich schöner mit einem Minus davor. Da kann sich wenigstens richtig anziehen …

Aber was soll’s, zum einen waren wir nicht immer nur in der Sonne, zum anderen hat das Auto Klimaanlage. Wir sind nordwärts gefahren und in Sildpollen links abgebogen, um eine Nebenstrecke zu fahren. Zwischen manchen Bergen hingen dicke Wolken und als wir einen kurzen Abstecher nach Laukvik gemacht haben, hingen die dicken Wolken plötzlich über uns und es kühlte sich auf 15 °C ab. Das Zentrum von Laukvik – wenn es eines gibt – scheint hauptsächlich aus einer Schotterfläche zu bestehen. Darum einige Häuser. Ein Restaurant, zu verkaufen, geschlossen. Ein Lebensmittelladen, zu verkaufen, aber immerhin geöffnet. Wir bekamen sogar warmen Kaffee geschenkt, den man als Tourist im Ort sonst wohl vergeblich sucht. Das Ende der Welt. So fühlt sich dieser Ort für mich an, der an diesem Tag sogar sein eigenes Wetter hatte.

Wenn man von hier aus nach Norden segeln würde, an den Inseln Litløya und Gaukværøya vorbei, dann könnte man nach 1100 Kilometern in Longyearbyen auf Spitzbergen an Land gehen. Würde man nach Westen segeln, so würde man auf Grönland treffen. Doch unsere Pläne waren weitaus prosaischer: Zurück zur Nebenstraße und weiter nach Fiskebøl. Und schon nach wenigen Kilometern waren wir wieder in der Sonne.

Graues LaukvikBlick über den Grunnfjorden

Wir sind dann weiter zum Raftsundet gefahren, jenen Sund, der die Lofoten vom Festland abgrenzt. Auf der Festlandseite haben wir wieder herrliche Ausblicke auf die Lofoten gehabt. Schade, dass vor dem berühmten Trollfjord eine Insel liegt. Er ist von der Straße aus nicht zu sehen. Inzwischen war ich aber ein bisschen fotomüde, was auch daran lag, dass wir immer tagsüber im eher kontrastharten Sommerlicht unterwegs waren. Ein Postkartenmotiv zeige ich aber dennoch.

Postkartenmotiv Raftsundet

In Digermulen kam gerade eine Fähre an. Sollte das die Fähre nach Svolvær sein? Das wäre ja toll, diese Tagestour mit einer Fährfahrt zu beenden und dann fast wieder in Kabelvåg, dem Ort unserer Unterbringung zu sein. Aber kein Auto fuhr auf die Fähre, kein Mensch war zu sehen. Im Lädchen, welches gerade schloss, wurde mir dann berichtet, dass diese Fähre schon 2008 stillgelegt wurde. Sehr schade. Also sind wir den ganzen Weg mit dem Auto zurückgefahren. Oder ehrlicher gesagt, Lasse ist gefahren, denn ich hatte es gut und konnte mich auf den Lofoten kutschieren lassen. Da war ich bei den engen und kurvenreichen Strässchen alles andere als böse.

Abends haben wir wieder in Svolvær gegessen, dieses Mal im Bacalao, wo die Küche noch ein bisschen besser war, der Service sehr gut und man sogar noch schöner saß. Ein schöner Abschiedsabend, denn für den nächsten Tag war die Rückreise geplant.

Mittwoch

Und die bedeutete, früh aufzustehen, denn wir wollten unbedingt die 8:15-Fähre von Svolvær nach Skutvik bekommen. Eine Stunde vorher standen wir schon da und das war gut so, denn groß war die Fähre nicht und die nächste würde erst um 16:00 fahren. Wir sind mitgekommen, aber nicht alle hatten so viel Glück. So standen wir draußen auf der Fähre, die mit Zwischenstopp an der Insel Skrova gut zwei Stunden unterwegs ist. Ha det bra, Lofoten, jag kommer tillbake.

Ha det bra, Lofoten!

Jetzt saß ich wieder im Auto und bin gefahren. Norwegen bedeutet ja vor allem kurvige Straßen und steile Straßen. Und Tunnel, viele, viele Tunnel. Manche unterqueren Fjorde und sind dementsprechend steil. Und wirklich breit sind die auch nicht. Wir haben in Røkland getankt. Da bin ich vor fünf Jahren im Winter ausgestiegen, um meine erste Ski- und Hundetour mit Jonas zu machen. Kurz hinterm Saltdal turistcenter bog ich links ab und war nun auf der 95, die nach Schweden führt. Irgendwann waren wir in Arjeplog – inzwischen fuhr Lasse wieder – und dort sieht man den Unterschied zu Norwegen: Die Straßen sind breit, führen geradeaus und links ist Wald und rechts ist Wald. Auch schön, aber verglichen mit der grandiosen und abwechslungsreichen Landschaft auch ein wenig eintönig und langweilig.

Um halb zehn war ich wieder zu Hause. Eine schöne Reise. Nächste Woche fange ich wieder an zu arbeiten. Mal sehen, ob ich nach vier Wochen Urlaub noch weiß, wie das geht.

Noch mehr Hitze

32.5 °C im Schatten31.5 °C in Skelleftehamn. Im Haus hatte ich ähnliche Temperaturen. Im Wintergarten mehr als 40 °C. Sauna mit Solarantrieb.

Am Wasser gibt es ein bisschen Wind und Abkühlung, im Wasser noch mehr. Mit dem Fahrrad fahre ich an die Badestelle, dort liegt in einer kleinen Privatbucht mein Kajak, welches ich dort parken darf.

Auf dem Wasser ist es schön, aber warm. Immer wieder lasse ich die Arme ins gar nicht mehr so kalte Meerwasser hängen, um mich ein wenig abzukühlen.

Natürlich hatte ich wieder eine Kamera dabei, diesmal die kleinere Nikonspiegelreflex mit dem 70-300mm-Tele. Denn heute wollte ich gerne Wasservögel fotografieren, vor allem die Jungvögel, die in großen Gruppen, oft nur von einem ausgewachsenen Vogel begleitet unterwegs sind. Die Vögel fanden die Idee mit dem Fotografieren eher doof und beäugten mich misstrauisch. Wirklich nah herangelassen haben sie mich nicht. Meistens setzte irgendwann der Fluchtreflex ein, der darin besteht, dass die noch flugunfähigen Jungvögel anfangen, auf dem Wasser zu rennen, was urkomisch aussieht, aber bestimmt viel Energie kostet. Deswegen habe ich alle Vögel, die einmal vor mir und meinem Kajak geflohen sind, anschließend in Ruhe gelassen.

Viele Fotos sind unscharf geworden, so lichtstark ist das alte Tele nicht, aber ein paar sind doch ganz nett geworden. Die ersten beiden Bilder zeigen Samtenten, die beiden danach Gänsesäger. Danke an die Facebooker Maria und Tore, die mir beim Bestimmen der Samtente geholfen haben.

Samtenten

Samtenten im Gegenlicht

Gänsesäger

Gänsesäger auf der Flucht

zu langsam

Zwei Mal zu langsam innerhalb weniger Tage, das finde ich schon ein wenig ärgerlich. Das erste Mal am Donnerstag nachmittag, als hier ein kräftiges Gewitter durchzog. Ein herrlicher Regenbogen wölbte sich vor den immer noch dunkelgrauen Wolken. Ich mag Regenbögen, aber da mir Regenbogen über Wohnstraße ein bisschen langweilig erschien, bin ich schnell zur Lotsenstation zu fahren, um dort ein schöneres Bild zu machen. Aber ich schaffte es lediglich noch, ein Bild von einem Stück Regenbogen zu machen, ehe er sich bald darauf ganz auflöste. Die tiefen Gewitterwolken zogen einfach zu schnell.

Ein Stück vom Regenbogen

Das zweite Mal war gestern. Da war „Broarna runt“, eine Kulturveranstaltung in den Dörfern Kusfors, Gumboda, Petiknäs och Rengård. In Rengård war ein Auftritt von Clara Gustavsson alias „Curly Lou“ unter freiem Himmel und dort sah ich, als ich mich einmal kurz umschaute, die Nebensonne meines Lebens. Nicht nur ein kleines Stück Farbspektrum, das sieht man ja immer mal, sondern einen gleißend hellen Fleck, wenig dunkler als die Sonne selbst. Ich stand praktischerweise hinten und konnte daher unbemerkt zum Auto joggen, um die Kamera zu holen. Doch kaum hatte ich die Kamera in der Hand, noch über Belichtungskorrekturen nachdenkend, da war der strahlende Fleck auch wieder verschwunden. Die hohen Eiswolken zogen einfach zu schnell.

Verblassende Nebensonnen

Vielleicht sollte ich mich in Zukunft mehr unbelebten Objekten widmen, wie zum Beispiel Bergen, die sich im allgemeinen ja recht langsam bewegen. Aber auch dort kann das Licht entscheidend sein und den Unterschied zwischen einem netten und einem guten Foto ausmachen.

Hund, Katze, Vogel, Krebs

Letzte Woche hatte ich noch einmal Besuch von Annika, die schon einige Wochen zuvor hier war. Unter der Woche musste ich leider arbeiten, aber am Wochenende waren wir zusammen in Kusfors, um dort den Geburtstag von Lasse – einem meiner besten Freunde hier – zu feiern. Da wir am Freitag hinein gefeiert haben, aber auch am Samstag Abend Gäste da waren, kamen wir in den Genuss von gleich zwei Geburtstagsfeiern.

Am Freitag wurde es erwartungsgemäß ziemlich spät, daher wurde aus dem gemeinsamen Frühstück eher ein Brunch. Dabei haben Lasse und wir einige Pläne für seinen Geburtstagstag gemacht und den Rest des Tages dann damit verbracht, die Pläne zu ignorieren. Sehr entspannend!

Erst haben wir kurz bei Flarken vorbei geschaut, einem Hof unweit von Kusfors. Diesen Hof haben Daphne und Fabien, die ebenfalls aus Frankreich stammen, vor zwei Jahren gekauft, um hier Hundeschlittentouren und mehr anzubieten. Die Aufregung war groß bei den 40 Huskys. Gäste, da kann man auch schon mal ein bisschen heulen! Und wie die meisten Huskys waren auch diese hier echte Schmusebacken, die sich wohl stundenlang hätten streicheln lassen können.

Einer der auf Flarken lebenden HuskysSehr lieb und verschmust

Auf Flarken steht auch ein Achtung-Warnschild. Es warnt allerdings nicht vor den Hunden, sondern vor Mücken mit großen, scharfen Zähnen!

Achtung Mücke!

Wieder in Kusfors zeigte Bacchus, der Kater Zähne. An diesem Tag hat er eine Ratte (oder ein ähnlich großes Nagetier) und eine Maus erlegt und ratzeputz aufgefressen. Er hat auch versucht, Vögel zu fangen, aber dafür waren die Vögel zu schnell, auch wenn es einige Male ziemlich knapp war. Aber Bacchus kann auch faul sein, genau so wie manchmal ich …

Bacchus als JägerFaul mit Kater (Foto: Annika Kramer)

Das freut die Vögel bestimmt, denn hier gibt es gutes Futter und die kleinen Piepmätze sind so zutraulich, dass auch ich mich an sie nah heran robben kann, ehe sie dann doch ein Stückchen weg flattern. Der Vogelsenior war allerdings sehr müde und hatte die Augen meistens geschlossen. Ihn fand Bacchus zum Glück völlig uninteressant.

Ein munterer Grünfink (oder?)Ein sehr müder Vogelsenior

Wir wollten zu einem Badesee, haben aber an einem anderen See angehalten, da dort Freunde grillten. Dort haben wir ebenfalls gegrillt und einige von uns auch gebadet. Schwimmen war toll, beim Stehen steckte man allerdings tief im moorigen Seeboden.

MoorseeSteg am Moorsee

Zu Hause sind wir zu dritt in den Wald gegangen, um Heidelbeeren zu sammeln. Wir haben aber fast keine gefunden. Ich hatte schon gehört, dass es wegen der Trockenheit wenige Blaubeeren gibt dieses Jahr, aber vielleicht waren auch einfach die gewerblichen Beerenpflücker schon da. Nun, da kann man nichts machen, dachte ich und legte mich faul auf das Gras.

„Faul sein ist wunderschön“

Am Abend kamen ja noch andere Gäste und die haben Krebse mitgebracht. Das Krebsessen im August ist ein schwedischer Brauch, der meistens von lustigen Papierhütchen und nicht unwesentlichen Mengen Schnaps begleitet ist. Schnaps gab es nicht und Partyhütchen ebenso wenig. Ehrlich gesagt hätten von mir aus sogar die Krebse fehlen dürfen, die ich nun zum ersten Mal gegessen habe. Was für ein Aufwand, um an ein paar Gramm Fleisch zu kommen und auch auf das Aussaugen kann ich verzichten. Mit sind Garnelen lieber, denn sie sind leichter zu pulen und schmecken mir auch besser. Als ich von all den anderen leckeren Dingen satt war, habe ich mir lieber den fast vollen Mond angeschaut, der warm leuchtend zwischen den Bäumen aufging.

KrebseFast Vollmond

An diesem Wochenende habe ich mir übrigens das erste Mal seit drei Wochen wieder etwas über das T-Shirt gezogen, weil es mir sonst ein bisschen frisch war. Die heißen Hochsommertage sind wohl vorbei und dunkel wird es auch wieder. Es darf gerne noch warm bleiben, aber ich freue mich schon aufs erste Polarlicht.

Mit dem Kajak nach Långhällan

Mit dem Fahrrad war ich schon da, mit dem Auto war ich schon da, im Sommer und im Winter. Auf Skiern war ich schon da und sogar Teile schon zu Fuß. Aber mit dem Kajak bin ich noch nie nach Långhällan gefahren. Heute war der Tag dafür: Schönes ruhiges Wetter und nicht zu heiß. Da ich doch einiges Zeugs brauchte, bin ich mit dem Auto zum Strand gefahren und habe dann das Kajak rückwärts von seinem momentanen Liegeplatz ausgeparkt. Wenig später lasse ich das Festland hinter mir und steuere Själagrundet an, eine Erhebung irgendwo zwischen Insel und Kiesbank.

Rückwärts ausparkenTourstart

Själagrundet gehört den Möwen. Wäre ich dort in der Nistzeit angelandet, wäre das Geschrei vermutlich groß gewesen, aber jetzt sind wohl alle Möwen flügge und die kleine Insel verlassen. Doch deutlich sieht man, wo die Möwen gerne hocken, vor allem mancher großer Felsen ist fast vollständig weiß.

SjälagrundetMöwenfelsen

Bis jetzt bin ich im T-Shirt und mit Schwimmweste gepaddelt. Da zwischen Medgrundet, der nächsten Insel und Snusan, der übernächsten fast zwei Kilometer liegen, ziehe ich jetzt den Trockenanzug an, sicher ist sicher. Bei Medgrundet werden die Wellen ein bisschen höher, sind aber so lang, dass die Fahrt weiterhin ruhig ist. Nun ist mir auch wieder warm, denn T-Shirt war bei 12 °C Frühtemperatur doch ein bisschen wenig und die Sonne hat sich noch nicht groß gezeigt. Große Wolkenfelder werfen ihren Schatten. Zwei, drei Paddelkilometer später lege ich am Südufer von Snusan an.

SchichtwolkenmeerAngelandet

Bestand Själagrundet noch aus einem Haufen runder Steine und Felsen, hat Snusan soliden Felsen zu bieten und am Nordufer bricht sich die Gischt. Hoch ist die Insel nicht, aber als ich auf einen großen Stein klettere, habe ich Ausblick über die flache Insel und auch auf mein nächstes Ziel – die Insel Kågnäshällan mit ihrem weißen Leuchtturm.

Gischt am NorduferFelsinsel Snusan

Blick über Snusan und auf Kågnäshällan, die nächste Insel

Auf Kågnäshällan mache ich Mittagspause und bereue, dass ich vor kurzem wieder aufgehört habe, Süßigkeiten zu essen. Schokolade wäre jetzt toll! Aber Käsebrot und Joghurt machen auch satt. Natürlich muss ich den Leuchtturm fotografieren.

Der Leuchtturm auf KågnäshällanDer Leuchtturm auf Kågnäshällan

Am Horizont schweben halbe Schiffe und gespiegelte Baumwipfel. Auch auf dem Meer gibt es Luftspiegelungen. Wie gut, dass ich mein Tele dabei habe. (Als ich vom Kajak aus den Adler gesehen habe, war das Tele natürlich unerreichbar in einem Packsack in einer Packluke verstaut. Typisch!) Doch genug Pause gemacht, jetzt will ich noch einmal mit dem Kajak am Leuchtturm vorbei und dann das kleine restliche Stück nach Långhällan.

Fata MorganaKågnäshällan vom Boot aus

Ein bisschen aufpassen muss ich, denn hier gibt es viele Untiefen und überall brechen sich die Wellen. Gut, dass sie nicht so hoch sind. Doch Långhällan, welches eine meiner Lieblingsstellen ist, enttäuscht vom Wasser aus. Die Felsen sind keine zwei Meter hoch und nur halbherzig mache ich ein Beweisfoto. Da faszinieren mich die unterschiedlichen Farben des Meeres wesentlich mehr. Jetzt ist das Meer richtig zweigeteilt: Links strahlend blau und rechts diesig grau.

Blick auf LånghällanZweigeteilte See

Nun bin ich auf dem Rückweg. Der wird eine Ecke länger sein, denn ich will nicht wie beim Hinweg quer übers Meer von Insel zu Insel paddeln, sondern gemütlich an der Küste zurück. Schnell kommt das Fischerdorf Kågnäsudden, deren Häuser nur im Sommer als Freizeithäuser genutzt werden, in Sicht. Ich werde ein bisschen fotofaul. Meine Rücken- und Schultermuskeln sind ein bisschen beleidigt, sie haben sonst so selten etwas zu tun und kennen es noch nicht, dass ich auch mal eine etwas längere Paddeltour mache. Erst bekomme ich einen kleinen Schreck: noch 16 Kilometer nach Hause! Aber mir fällt schnell ein, dass meine Karte 1:50000 und nicht 1:100000 als Maßstab hat. Trotzdem kürze ich an manchen Stellen ab, man muss nicht in jede Bucht hineinfahren. Trotzdem dauert es ein bisschen, bis ich die Insel Björkskär erreiche.

KågnäsuddenBjörkskär voraus

Von dort aus sind es noch etwa drei Kilometer bis zum Startpunkt. Etwa sieben Stunden nach dem Aufbruch bin ich wieder an Land und wenig später zu Hause. Ein guter Tag.

Seele baumeln lassen in Skelleftehamn

Ein Gastbeitrag von Annika.

Dank meines Jobwechsels und damit verbundener kurzer (und gewollter) Arbeitslosigkeit hatte ich dieses Jahr für den Sommerurlaub sagenhaft sechs Wochen Zeit. Die erste sollte mich nach Skelleftehamn führen. Olaf hatte nach unserem Kennenlernen in Abisko im März ja gesagt, wir dürften ihn besuchen. Ralf hatte leider keinen Urlaub, also fuhr ich allein. Etwas aufgeregt war ich schon wieder, wir hatten uns ja erst einmal gesehen, und da gings zwischen Ralf und Olaf immer viel um Fotografie, wovon ich ja nunmal nix verstehe. Aber dann wurde es doch eine sehr tolle Woche.

Wieder war es merkwürdig, all das zu sehen, was ich aus dem Blog „kannte“ – letztes Mal den Menschen Olaf, jetzt sein Zuhause, das grüne Haus, den weißen Flügel, den Keller, der immer getrocknet wird – nach kurzer Zeit war alles schon so vertraut!

Wir hatten durchgehend Traumwetter, so dass wir jeden Tag draußen sein konnten und auch erste Blaubeeren gefunden haben. 30°C-Sommer mit Meer und Baden, das war bislang nie meine Vorstellung von Urlaub, hier habe ich es so genossen.Von meiner Quasi-Premiere im Kajak hat Olaf ja schon erzählt – ich bin gerne wieder dabei!!!

Steinstrand bei BjuröklubbBlumenfotografieStrand bei GrundskatanGiraffenmuster

Paddeltour auf dem Kågefjärden

Und auch von meinem Abschiedsabend auf der M/S Stormvind gibt es ja schon einen Bericht. Dass es die Menschen waren, die Olaf dazu bringen hier zu bleiben, das konnte ich schon nach einem Abend auf dem Boot verstehen. Und so leckeres Essen gabs :-).

Einen Abend war ich dann noch in Skellefteå zum Tango tanzen am Fluss. Auch das war einfach schön und unkompliziert. Die Tangoskällskap Skellefteå schien ziemlich stolz zu seine, dass ich sie extra via google gesucht hatte, aber es war auch wirklich ein toller Abend, und ich habe jetzt zahlreiche neue Tango-Bekanntschaften in Skellefteå, Umeå und Piteå (und die wichtigste Lektion des Abends an eine Tango-Argentino-Anfängerin wie mich: „Never do travel without your tango shoes!“)

Tango am Skellefteälven

Ansonsten bleiben in meiner Erinnerung:

  • Endlich weiß ich, wie Österreich wirklich ist („The hiiiills are alive with the sound of muuuuusic“)
  • meine ersten beiden Intensiv-Lehrstunden in Musiktheorie am weißen Flügel. Jederzeit mehr davon
  • Ich weiß jetzt, wen alle Klavierlehrer in ihren riesigen Kellern eingesperrt haben („The 5000 fingers of Dr. T“)
  • Auch zu Lupinen habe ich jetzt ein völlig neues Verhältnis („Dennis Moore, Dennis Moore …“)
    und Vielesvielesvieles mehr
LånghällanAuf dem Weg zur Fotostelle

Långhällan

Blick auf den SkellefteälvenKatzenfotografie in KusforsNach meinem Besuch in Skelleftehamn bin ich dann vier Wochen durch Schweden (und auch kurz Norwegen) gereist, bin gewandert, habe noch mehr Menschen kennengelernt und meine Zeit sehr genossen. Anschließend durfte ich noch mal nach Skelleftehamn kommen zum Akkus aufladen, Geburtstag feiern undundund. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Ich danke Dir für die schöne Zeit. Und ich käme gerne wieder, schon allein aus zwei Gründen:
1) Ein Gästezimmer, in dem an drei von vier Wänden Bücher über absolut alles zu finden sind, was einen immer schonmal interessiert hat … . Lesestoff für lange Winter.
2) Olaf. Immer eine Reise wert ;-)

Strand von SorgrundetGästezimmer und Bibliothek

Mit dem Kajak in den Wald?

Sonne, warm, Wochenende und keinen Termin, da blieb der Vormittag faul, doch am Nachmittag war ich mit dem Kajak unterwegs. Außen an Storgrundet vorbei paddelnd habe ich die Idee, vielleicht nach Gåsören zu paddeln schnell verworfen, dazu war mir das Meer zu zappelig. Statt dessen habe ich wie schon oft die Insel Norrskär angesteuert. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich außer im Winter noch nie richtig auf dieser Insel war und bin deswegen an Land gegangen.

Mit dem Kajak auf der OstseeLandgang auf die Insel Norrskär

Da sind erst einmal zehn Meter Fels- und Steinufer und dann steht man im Wald. Dort zeigen sich schon vorsichtig die ersten Herbstfarben und die Fliegenpilze spriessen um die Wette.

Im Wald von NorrskärDie ersten Herbstfarben

Vor allem Flechten und Pilze haben es mir dieses Mal angetan, manche bilden Miniaturlandschaften, manche abstrakte Formen, andere zeigen kreisrunde Motive.

Fliegenpilz von obenRunde FlechtenformationFast abstraktes FlechtenmusterKleine Flechtenkolonie

Es ist kaum zu glauben, dass mein Kajak keine 50 Meter entfernt an der Ostsee steht. Auch die letzten Mücken der Saison können kaum glauben, dass sich ein Mensch bei ihnen im Wald herumtreibt, finden es es aber durchaus begrüßenswert. Deswegen habe ich den Wald wieder verlassen und bin weitergepaddelt. Um Norrskär und Bredskär herum und wieder zurück, jetzt mit dem Wind, zum Anlegeplatz. Eine kurze, aber schöne Samstagnachmittagstour.

Das Kajak wartetWieder auf der Ostsee

Kühler Morgen

Glockenblume in der MorgenkälteHeute morgen zeigte das Thermometer 2 °C, ganz ungewohnte Temperaturen für den warm bis heißen Sommer und milden Herbst. Die Blüte der einzigen Glockenblume in meinem Rasen hing matt auf ihrem Stengel und war mit winzigen gefrorenen Wassertröpfchen bedeckt und auf einer Abdeckung schimmert der erste Reif.

Heute mittag soll die Sonne scheinen und die Temperatur auf etwa 15 °C ansteigen, dass ist in der Sommer immer noch ziemlich warm. Jetzt beginnt wieder die Zeit der zwei Jacken. Und irgendwann greift man wohl wieder wie selbstverständlich zu Mütze und Schal, wenn man aus dem Haus geht. Sommerabschied.

Zwei morgendliche Schnappschüsse

Die Nacht war sternenklar. Man konnte sogar Nordlicht sehen, einen breiten Bogen am Nordhimmel, aber das war ziemlich blass und verschwand bald.

Die Temperatur fiel auf -5 °C, die kälteste Nacht seit dem Frühling. I wachte um halb sieben auf, gerade ein paar Minuten zu spät für den Sonnenaufgang, aber ich gang trotzdem raus. Es war immer noch frostig heute morgen und der Himmel war klar.

Zu meiner großen Überraschung gab es kein Eis, noch nicht einmal auf der kleinsten Pfütze. Ich vermute, dass der Boden immer noch zu warm ist, als dass das Wasser über Nacht friert. Wie auch immer, wenn ich draußen bin, dann will ich auch fotografieren. Zwei der heutigen Schnappschüsse.

HerbstfarbenMooskissen

Kommentar des Fotografen: Die Kontraste auf diesen Gegenlichtaufnahmen sind ziemlich extrem, deswegen ist der Himmel weiß statt farbig. Ich hätte meine Verlaufsfilter mitnehmen sollen, um die Belichtung zu verbessern.


English version on way-up-north.

Momentaufnahme

Sonne und Reif

Achter Dezember, halb elf: Die Sonne steht tief am südöstlichen Horizont und bescheint die mit Eisblumen besetzte Windschutzscheibe meines Autos. Hörer als 2.8 °C wird die Sonne heute nicht über den Horizont steigen und um kurz nach halb zwei wieder untergehen. Das ist schon recht winterlich – jetzt fehlt bloß noch der Schnee und eine richtige Frostperiode für einen nordschwedischen Winter.

Auf den Kopf gestellt

Eine Freundin ist den ganzen Winter in Neuseeland. Dort steht, wie man schon alles kleines Kind gelernt hat, alles und alle auf dem Kopf.

Auch hier steht einiges auf den Kopf. Ich war die Feiertage über in Süddeutschland, wo es seit einigen Tagen immer wieder schneit und inzwischen Dauerfrost herrscht. Heute fliege ich wieder nach Hause in Skelleftehamn, wo es gestern noch -20 °C hatte. Morgen soll es jedoch warm werden und regnen. Winter im Süden und Tauwetter im Norden, das ist schon ein bisschen doof.

Es ist doof, dass es in Nordschweden so warm ist. Denn dort bin ich die nächsten Tage nicht alleine, sondern drei Freunde aus Deutschland sind bei mir. Denen würde ich schon sehr gerne einen richtigen Nordwinter mit viel Schnee und Kälte präsentieren und nicht Tauwetter mit Regenschauern.

Es ist auch doof, dass es in Mitteleuropa so kalt ist, allem voran in Zürich. Denn während meine Freunde schon am Vormittag den Flieger nach Stockholm genommen haben, stand für mich noch ein Umweg über Zürich im Programm. Doch wegen des Schneefalls in Zürich ist dieser Flug ausgefallen.

Nach ein bisschen hin und her wurde ich zum Ticketservice geschickt. Dort durfte ich dann trotz einer nicht allzu langen Schlange anderthalb Stunden anstehen. Als ich endlich drankam, war es für die einzige Alternative, heute noch nach Hause zu kommen, zehn Minuten zu spät. Die weitere Beratung, wann ich über wo nach wohin fliege und ob vielleicht ein Hotel in Arlanda bezahlt wird, hat auch fast eine halbe Stunde gedauert.

Nun hocke ich hier auf dem Flughafen München, während A schon nach Skellefteå fliegt und C + O wenige Stunden später nachfolgen. Der Nachbar in Skelleftehamn weiß Bescheid und hält den Schlüssel bereit.

Mein Flug geht voraussichtlich in einer knappen Stunde, dann bin ich immerhin schon einmal in Stockholm. Dort geht ich zum Schalter mit Swiss, die zugesagt haben, mir ein Hotelzimmer zu bezahlen. Nach einer Übernachtung werde ich morgen den ersten Flug nehmen und um halb zehn ebenfalls in Skellefteå landen. Wenn alles klappt.

Denn auch hier kommt so manches an Schnee herunter:

„Schneedach“„Schneebesen“„Schneepflug“„Schneeturbine“

München—Stockholm

In einer viertel Stunde ist Boarding time für den Flug nach Hause nach Skellefteå. Da wollte ich eigentlich schon gestern sein aber wegen des Schneefalls war der Flugverkehr gestern ein wenig auf den Kopf gestellt und so bin ich gestern nur bis Stockholm gekommen.

Auch die Maschine nach Stockholm hatte gestern eine Stunde Verspätung, da sich erst wegen des Schneefalls die Gepäckabfertigung verzögert hat und dann das Flugzeug zum Enteisen musste. Auf dem Weg dahin konnte man fast Landschaftsfotografie vom Flugzeug aus machen. Das De-Icing hingegen erinnerte fast an die alten Star-Wars-Filme.

Landschaftsfotografie durchs Flugzeugfenster

Der Flughafen MünchenDeicing

Der Flug selber war ruhig, zuerst schwebten wir über einem bläulichen Wolkenmeer, doch später, als es dunkler wurde, klarte es auf und man konnte auf die beleuchteten Orte und Straßen hinunterschauen. Das Stadtfoto ist kurz vor dem Landeanflug gemacht.

Sonnenuntergang„Nachtflug“

Erst um 19:06 landeten wir. Da die letzte Maschine nach Skellefteå für 17:50 angesetzt war, brauchte ich nicht einmal schauen, ob ich vielleicht doch noch einen Anschluss bekomme. Nach einigem Gerenne im Terminal 5 habe ich aber schließlich, wie schon in München zugesagt, ein Hotelzimmer bezahlt bekommen, sogar mit Abendbrot und Frühstück.

Hamburger im Terminal 5Hotelbadezimmer

Und so konnte ich über dem langen Gang von Terminal 5 zu den anderen Terminals sitzen und meinen bestellten Hamburger essen und danach direkt ins große Bett gehen. Nur warum die Hotelkopfkissen immer halbmeterhoch sind, werde ich nie begreifen. Wer kann mit so etwas schlafen?

Korrigiert wird dieser Artikel später oder gar nicht, denn jetzt steht auf der Anzeigetafel „Go to gate“. Und das werde ich tun. In gut zwei Stunden bin ich zu Hause.