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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Всенощное бдение от Сергей Рахманинов

Dieses Wochenende hatte ich meine ersten Auftritte mit dem Skellefteå Kammarkör: Gestern in der großen Kirche in Burträsk, heute in Skellefteå in der Sankt-Olov-Kirche. Und ich bin gleich mit einem sehr anspruchsvollen Programm eingestiegen, den „Vespers von Sergei Rachmaninow“. Die 15 Stücke haben es wirklich in sich, denn zum einen haben die wenigsten feste Taktarten und teilen oft die Stimmen, und zum anderen ist das Kirchenslawisch auch mit lateinischer Umschrift schwer zu singen.

Burträsk vor dem AuftrittAuftritt in der Sankt-Olov-Kirche

Dafür, dass der Chor dieses Werk in kaum mehr als zwei Monaten einstudiert hat, können wir mehr als zufrieden mit dem Ergebnis sein. Ich war schon bei den Proben imponiert, wie gut viele Choristen vom Blatt singen. Ich finde es dennoch ein bisschen schade, dass wir nicht mehr Zeit zum Üben und Proben hatten, denn der Chor könnte das Stück noch wesentlich besser singen, wenn er sich sicherer fühlen würde.

Ein paar Dinge waren übrigens anders als meine früheren Chorauftritte in Deutschland oder England.

Positiv: Die Kirchen sind wohnzimmerwarm beheizt. Der dicke Rollkragenpullover, den ich wegen früherer Fröstelerfahrungen in eiseskalten deutschen Kirchen mitgenommen hatte, konnte getrost im Auto liegen bleiben.

Positiv: Die Kirchen haben passend zurechtgesägte Podeste für die Männer, die erhöht hinter den Frauen stehen und so alle problemlos den Dirigenten sehen (wenn sie nicht wieder ihre Nasen in die Noten vergraben).

Negativ und für mich extrem irritierend: Beide Male wurde das Werk durch eine Predigt unterbrochen. Ich habe schon in Gottesdiensten gesungen, dann ist man natürlich in den Ablauf eingebettet, aber dass bei einem richtigen Chorkonzert plötzlich mitten im Stück der Pastor kommt und von Heil und Jesus spricht und betet, finde ich extrem befremdlich. Heute wurde sogar mit dem Publikum ein Choral gesungen. Mit Orgelbegleitung! Und dann singen wir danach mit dem Kammerchor weiter, als wäre nichts gewesen. Für mich ist so eine christliche Werbeunterbrechung extrem störend und gehört meiner Meinung nach nicht in so ein Konzert! Ein Tenor, den ich darauf ansprach, fand das hingegen völlig normal. Es scheint aber auch so, dass die Kirche durch die unterbrechende Predigt irgendwelche Fördermittel bekommt, die ihr aus einem reinem Konzert nicht zuständen. Ja, das liebe Geld …

Mir haben die Konzerte auf jeden Fall großen Spaß gemacht und ich freue mich schon auf den nächsten Dienstag, denn dort wird die erste Probe für das Weihnachtskonzert sein. Ich hoffe, dass meine Basskollegen sich trauen, meine schwedische Aussprache zu verbessern, denn die klingt noch sehr deutsch.


Übrigens: Wer – so wie ich – den russischen Titel dieses Blogartikel nicht lesen kann, er bedeutet: „Vespers von Sergei Rachmaninow“

Übrigens: Wer wissen will, wo ich stehe und singe: Ich bin jener mit der am Abstand am schlechtesten gebundenen Krawatte.

Heute morgen vor der Arbeit

Sonnenaufgang bei Gåsören

Schön, wenn mal wieder blauer Himmel ist, die Sonne herauskommt und nachts die Sterne leuchten. Sogar ein bisschen Polarlicht war gestern Abend zu sehen. Leider geht die Sonne schon um zwanzig nach drei unter und ich muss mich wieder daran gewöhnen, nach der Arbeit im Dunkeln nach Hause zu fahren.

Das historische Dorf Gallejaur

Heute war ich fast den ganzen Tag mit Freunden zusammen unterwegs. Ein guter Tag! Erst habe ich meine ehemaligen Nachbarn in Klutmark besucht, dann bin ich weiter nach Kusfors gefahren, um dort Lasse und Martine zu besuchen. Wir haben uns dort mit einem Paar getroffen, welches diesen Sommer von Dubai nach Skellefteå gezogen ist und gerade einige Freunde aus ihrer alten Heimat zu Gast hatte. Mit zwei Autos sind wir kleine vereiste Kieswege entlanggefahren, an Rentieren und leicht weiß bepuderten Wäldern vorbei, bis wir unser Ziel Gallejaur erreicht haben. Gallejaur ist ein historisches Dorf, dessen noch gut erhaltenen Bauwerke bis 1800 zurückreichen.

In einigen Häusern kann man übernachten und das Geschirr, das Besteck, die Möbel sind alle noch aus dem originalen Hausstand und mindestens hundert Jahre alt. In einem der Häuser steht eine alte „Tramporgel“ (zu deutsch Harmonium), welche mit Hilfe von Lochscheiben selbst Stücke spielen kann.

Ein altes SchlafzimmerEin selbstspielendes Harmonium

Erst fand ich es ein bisschen schade, dass es schon früh dunkel wurde, doch schnell habe ich gesehen, dass das trübe Dämmerungslicht sehr schön ist und die Gebäude ein bisschen kalt, abweisend und unwirklich aussehen lässt. Ich habe mir vorgenommen, noch einmal wiederzukommen, wenn mehr Schnee liegt und der Mond scheint. Hoffentlich sind dann die netten Schafe noch draußen, die bei 1.3 Sekunden Belichtungszeit überraschend still gehalten haben.

Ein alter ErdkellerDie meisten Schafe halten stillWeg durch das Dorf GallejaurWohnhaus – ungefähr 100 Jahre alt

Nachdem ich noch bei Martine und Lasse zu Hause war, habe ich mich in mein Raumschiff gesetzt und bin mit Überlichtgeschwindigkeit (etwa Warp 8) nach Hause gedüst. Die Sterne zogen grell leuchtend an mir vorbei und Sternnebel umwaberten mein Schiff.

Glaubt Ihr nicht? Ist auch nicht ganz richtig! Bei +1 °C bin ich durch Nebel und Schneeschauer gefahren und als ich Fernlicht anhatte und gerade ein besonders starker Schneeschauer über der Straße hing, da irritierten die blendenden Schneeflocken, die strahlenförmig zu allen Richtungen wegschossen, so sehr, dass ich fast nicht mehr wusste, wo oben und unten ist. Das kam einem Flug mit Überlichtgeschwindigkeit schon recht nahe mit der Ausnahme, dass man im Auto gerne Bodenhaftung hat und weiß, wo die Straße ist. Ich war froh, dass es in Richtung Küste wieder wärmer wurde und bald der Schnee wieder als Regen herunterkam. In Skelleftehamn zeigte das Autothermometer dann +5 °C.

Links

Nachtrag

Samisches VorratshausEin Bild habe ich noch: Das vom samischen Vorratshaus. Es ist so konstruiert, dass die Ratten nicht hineinkommen, denn die können zwar mühelos die Stelzen, auf denen das Haus steht erklimmen, aber nicht kopfüber unter dem Boden weiterlaufen.

Auf norwegisch heißen diese Gebäude Stabbur, auf schwedisch (sagt Wikipedia) Härbre. Auf der iberischen Halbinsel gibt es Dinger auch unter dem Namen Hórreo, aber das hat mit meinem Blog nordwärts ja gar nichts mehr zu tun. Ich habe es auch nur erwähnt, damit der Text neben dem Bild nicht zu kurz ist.

Klebeschnee

Nasser, kalter KlebeschneeDa freut man sich über ein Wartehäuschen an der Bushaltestelle, wenn man nach der Chorprobe in der Stadt hinaustritt und von nassem Schneefall empfangen wird. Auf den Grünflächen bleibt er liegen, auf dem Asphalt bildet er sofort matschige Pfützen und an der westlichen Glasscheibe des Wartehäuschen bleibt er kleben. Ungemütlich. Doch fünf Minuten später kommt der Bus und fährt mich warm und trocken wieder zurück nach Skelleftehamn.

Nächtlicher Schneefall

Der Schnee, der gestern Abend in der Stadt fiel, kam in Skelleftehamn als Regen herunter. Später allerdings wurde ein bisschen kälter und es schneite auch bei mir zu Hause.

Heute morgen lagen fünf Zentimeter Schnee und hellten den dunklen Morgen auf. Heute in der Stadt schneite es weiter und taute gleichzeitig – Gummistiefelwetter – doch später sanken die Temperaturen unter Null, jetzt aktuell bei mir -3.5 °C.

Zwei Mal stand ich heute am Steinufer hinter der Lotsenstation. Einmal vor der Arbeit, einmal nach der Arbeit:

Schnee am MorgenSchnee am Abend

Sag nie „morgens“ zu einem Klempner!

Sage nie „morgens“ zu einem Klempner, denn das habe ich ihm am Mittwoch vorgeschlagen für die Miniarbeit, die noch zu machen war. In der Antwortmail stand nur:

Kan komma kl 6 imorgon. (Torsdag)

Jon M.

Kann morgen um 6 kommen. (Donnerstag). Nun gut dachte ich, sagte zu und stellte den Wecker auf 5:45. Und pünktlich um sechs stand er vor der Tür, hat den Ablauf des neuen Waschbeckens im Keller funktionstüchtig gemacht und mir gezeigt, wie ich in Zukunft die Heizung regeln soll. Und nun? Wieder ins Bett gehen? Nein, erst einmal frühstücken. Und wie schon am Vortag an die Küste fahren und Stativ und Kamera mitnehmen. Und dieses Mal kam ich rechtzeitig an, um am schneebedeckten Ufer ein wunderbares Morgenrot über der stillen Ostsee zu erleben. Ohne den Termin mit dem Klempner hätte ich eine Stunde länger geschlafen und dieses herrliche Licht verpasst.

Morgenrot

Eine Schattenseite der beiden längeren Klempnerbesuche gibt es allerdings: Von dem Geld, welches ich an den Klempner für Material und Arbeit bezahlt habe, hätte ich mir die neue wasserdichte Nikon AW1 kaufen können und hätte trotzdem noch 600 Euro übrig gehabt.

Wogen, Wind und weißer Schnee

Gestern sollte es eigentlich recht schön sein, statt dessen war es durchgängig trüb und ich habe meine Paddelpläne wieder beiseite gelegt. Erst am Abend kam die Sonne heraus.

Gestern: Sonnenuntergang am Sörfjärden

Dann bewölkte es sich wieder und smhi hatte für die Nacht und heute Regen und 3 °C vorhergesagt. Ich war deswegen erstaunt, als ich heute morgen sah, dass es schneite und die vereiste Straße wieder weiß bepudert war. Ich bin noch nie im Schneefall Kajak gefahren, dachte ich …

… eine halbe Stunde später war ich auf dem Weg zum Strand von Storgrundet, das Kajak im Schlepptau.

Auf dem Weg zum WinterpaddelnAm Strand von Storgrundet

Weil es doch ein wenig windig war, bin ich gegen den Wind in Richtung Nordwesten gepaddelt, damit ich es auf dem Rückweg bequem habe. Hinter der schützenden Insel ging das auch noch ganz gut, aber kaum, dass ich die Bucht verlassen habe, wurde es windiger, die Wellen höher und der Schnee pfiff mir ins Gesicht. Da wäre eine Skibrille schon praktisch gewesen, aber es gibt ja noch eine andere Möglichkeit: Umkehren.

Gegen Schnee und WindSelbstportrait im ruhigeren Wasser

Zwischen der Insel Storgrundet und Festland war es immer noch windig, aber wesentlich ruhiger. Also bin ich weitergepaddelt, bis ich an der Südostspitze der Insel war. Während der ganzen Fahrt hörte man schon die Brandung rauschen, jetzt sah man auch, wie sich die Wellen an der flachen Steinküste brachen.

Kurze Pause an Storgrundets SüdostspitzeBrandung an der Südostspitze von Storgrundet

Nach einer kurzen Pause, in der ich auf der kleinen Inselspitze herumgewatet bin (normalerweise ist der Wasserstand hier um einiges flacher), habe ich mich wieder ins Kajak gesetzt und beschlossen, dass ich versuchen will, hinter der Insel Brambärsgrundet wieder zurück zu paddeln. Dazu musste ich aber durch eine kleine ungeschützte Passage, in der die Wellen, die vom offenen Meer herein drückten, doch recht hoch aussahen. Ich habe erst einmal in Ruhe geschaut, wo ich zwischen den großen Steinen hindurch komme. Na gut dachte ich, dann los!

Eieiei – für einen erfahrenen Kanuten wäre das bestimmt leicht gewesen, aber ich fand es ganz schon ungemütlich, zuerst quer zu den kräftigen Wellen in Richtung Durchlass zu paddeln und dann in der mir doch etwas zu rauen See nach rechts zu wenden und …

… rausch – wumms – platsch – kommt der Brecher des Tages von hinten angerauscht, schüttet mir einen Eimer Wasser ins Kajak (Kein Spritzschutz wegen Kameratasche) und schiebt mich mit großem Schwung durch den Durchlass. Hinter mir höre ich es wieder rauschen. Ich glaube, so schnell bin ich noch nie gepaddelt! „Nur weg hier!“, dachte ich. Aber der große Brecher hat mir genug Schwung gegeben, dass mich die nächste große Welle schnell, aber ruhig in ruhigere Fahrwasser schiebt.

Dort habe ich erst einmal in Ruhe mit dem Schwamm das Kajak entleert. Merke: Die Lenzpumpe, mit der man Wasser wieder aus dem Kajak pumpen kann, gehört so ans Kajak befestigt, dass man auch unterwegs drankommt!

Der Rest der Fahrt war zwar gegen den Wind, aber zwischen Insel und Festland war dieser doch wesentlich ruhiger. Bloss beim Fotografieren wurde man sofort wieder zurückgetrieben. Bald war der schneebedeckte Bootsanleger von Storgrundet in Sicht, den ich nach einem Foto umrundet habe, um dann mit Schwung wieder am Sandstrand anzulegen. Dort habe ich dann den schützenden, aber unbequemen Neoprenoverall gegen Stiefel, Hose und Winterjacke gewechselt und bin mit dem Kajak wieder nach Hause gelaufen.

Jetzt – mittags – hat es aufgehört zu schneien. Sechs Zentimeter Neuschnee liegen in Skelleftehamn und nur noch wenige Grasspitzen schauen vereinzelt aus der Schneefläche im Garten heraus. Eindeutig die schönere Alternative zu drei Grad und Regen.

Bootssteg bei StorgrundetFertig für den Rückweg nach Hause

Skellefteå bei Nacht

Wer kennt sie nicht, die Postkarten „Mallorca bei Nacht“, „Paris bei Nacht“, „Oer-Erkenschwick bei Nacht“. Meistens sind das pechschwarze Hochglanzkarten, mit einem fürchterlichen Schriftzug „Irgendwas bei Nacht“ garniert. Das haben viele Städte nicht verdient. Auch Skellefteå nicht!

Gestern hatte ich abends ein bisschen Wartezeit am Südufer des Flusses und schaute auf die Silhouette der Innenstadt herüber. Das sah hübsch aus, vor allem, weil jetzt alles schneebedeckt ist. Deswegen habe ich mir heute nachmittag eine halbe Stunde freigegeben und bin an der gleichen Stelle wieder gewesen, aber mit einem wesentlichen Unterschied: Ich hatte eine Kamera und Stativ dabei.

Skellefteå bei Nacht

Skellefteå bei Nacht – oder, wenn ich wirklich ehrlich sein sollte: Skellefteå um fünf nach vier.

Nachtrag

Das Ganze als skrollbares Panorama:

Stadtpanorama

Besuch von Hilde

Letzte Nacht kam die Hilde zu Besuch, heulte herum, pfiff durch’s Fenster, kegelte mit leeren Mülltonnen und machte noch einiges anderes. Das ist das erste Mal, seitdem ich hier lebe, dass für das Festland eine Sturmwarnung der Stufe zwei ausgegeben wurde. Und in der Nacht hörte ich Hilde auch am Haus rappeln und durch das nicht ganz dichte Schlafzimmerfenster pfeifen. Und da es bis zu 9 Grad warm war, hat der Sturm auch den meisten Schnee geschmolzen und die Nebenstraßen zu nassen Eispisten verwandelt, die dermaßen glatt sind, dass man selbst mit Spikes mit dem Auto ins Schlingern kommt.

Ich hatte das Auto so geparkt, dass es von keinem Baum oder Dachziegel getroffen werden konnte, aber in unserem „Kleinhausgebiet“ lagen nur leere Mülltonnen kreuz und quer auf der Straße, sonst war kein Schaden zu sehen. Eine Bekannte hat hingegen ein Foto von der großen Kiefer bei Facebook gepostet, die der Sturm in der Nacht entwurzelt und umgeworfen hat, zum Glück in Richtung Park und nicht auf deren Haus. Und in der Onlinezeitung habe ich entdeckt, dass auf der Wiese hinter der nächsten Hausreihe eine Birke in drei Meter Höhe abgeknickt wurde. Da kann man sich vorstellen, wie viel Kraft der Sturm hatte, denn eine kahle Birke hat ja nicht so viel „Segelfläche“. Aber der Sturm hat so manchen Baum in Västerbotten umgeknickt und 12000 Kunden von Skekraft sind auch heute Nachmittag noch ohne Strom.

Gestürzte Fichte am ParkvägenGeknickte Birke vor dem Tallvägen

Eigentlich dachte ich, dass ich heute am Meer bestimmt tolle Wellen fotografieren kann, aber der Wind kam von Nordwesten, also vom Land und das Meer war überraschend ruhig. Die Wellen auf dem Fluss hingegen waren groß genug, um das gesamte Ufereis, in welches wir gestern noch ein Loch zum Baden geschlagen haben, kaputt zu brechen.

Die Ufer sind heute eisfreiDie Badestelle heute

Die Wellen ließen das Brucheis in der Badestelle klirren und klingen. Auch die drei Bojen, die gestern noch fest eisumschlossen waren, schwammen heute wieder im offenen Wasser und kleine, glitzernde Eisstückchen trieben vorbei.

Bojen und EisstückchenEisblumen auf Holz

Ein kleiner Teil des Holzsteges war mit Eisblumen bedeckt. Das letzte Schwarzweißphoto zeigt die filigranen Figuren, die Wasser und Frost auf das Holz gezeichnet haben.


Links (schwedisch):

Ein Preis für Mörkrets och Kylans Glada Vänner

Seit fast drei Jahren bin ich Mitglied bei „Mörkrets och Kylans Glada Vänner“ – Die Frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte. Unser kleines Team hat zwei Winterschwimmmeisterschaften in Skellefteå durchgeführt und wir organisieren gerade die dritte. Wir betreiben Winterbadestellen und haben viele weitere Ideen, die wir leider nicht durchführen können, weil uns schlichtweg die Zeit und das Geld fehlt.

Die Urkunde – Fotograf: unbekanntVor kurzen wurden wir zum „Årets marknadsförare i Skellefteå 2013“ nominiert. Übersetzt heißt das in etwa „Vermarkter des Jahres in Skellefteå 2013“. Mit uns dabei waren der Veranstaltungsort Folkparken und – welch illustre Konkurrenz! – Skellefteå AIK, die Hockeyliga, die letzten Winter die schwedischen Meisterschaften gewonnen hat.

Heute war die Preisverleihung und – tjoho! – wir haben gewonnen! Nicht schlecht, vor allem wenn man unser kaum vorhandenes Budget mit dem einer professionellen Hockeymannschaft vergleicht. Martine und Lasse haben den Preis heute entgegengenommen.

Die Frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte – Sie haben unter eisigen Wintern Schwedische Meisterschaften im Winterschwimmen im Skellefte-Fluss durchgeführt. Und standen hinter der phantastischen Idee, Winterschwimmen in Uganda durchzuführen. Die Frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte haben Skellefteå rund um die Welt „auf die Karte gesetzt“.

Die Preisverleihung passt gut zum heutigen Tag, denn es ist nicht nur früh dunkel, sondern mit -9 °C auch das erste Mal recht kalt.


Ein kalter Tag

Die Nacht war klar, die Temperatur sank kontinuierlich und heute morgen zeigte das Thermometer -9.6 °C an. Bis um drei pendelte die Temperatur um -10 °C, jetzt, gegen vier, bezieht es sich und es wird ein kleines bisschen wärmer.

Die geschützten Buchten der Ostsee fangen jetzt an zuzufrieren, aber der kleine Bootshafen „Tjuvkistan“ ist noch fast eisfrei.

Tjuvkistan vor Sonnenaufgang

Das geschützte Meer hinter der Insel Storgrundet ist hingegen schon komplett eisbedeckt. Ich finde es jedes Mal wieder erstaunlich, wie schnell das geht – manchmal von einem Tag auf den anderen. Immerhin war die gleiche Stelle am Sonntag noch von zappeligen Wellen bedeckt, nachdem sich Sturm Hilde ausgetobt hatte. Heute morgen, keine vier Tage später sah es hingegen so aus:

Storgrundet in Richtung SüdostStorgrundet in Richtung Nordwest

An dem Stein sieht man gut, dass der Wasserspiegel mehrmals seine Höhe gewechselt hat und jedes Mal ist an der Oberfläche das Wasser festgefroren.

Jetzt bin ich ein bisschen unschlüssig: Soll ich eher darauf hoffen, dass ich noch einmal paddeln kann oder lieber darauf, dass ich bald zu Fuss über das Eis laufen kann. Vermutlich muss ich für einige Zeit sowohl auf das Eine als auch auf das Andere verzichten. Daher hoffe ich auf Schnee, denn auf die erste kleine Runde mit Skiern freue ich mich auch schon.

Eisumkranzter Grashalm

Winteranfang

Heute, am ersten Dezember, ist für die Meteorologen Winteranfang. Gleichzeitig ist Skyltsöndag in Skelleftehamn. Doch dazu später.

Zeitungsartikel in der NorranAm Freitag berichtete mir ein Bekannter von dem Zeitungsartikel über mich. Über mich? Ach ja, richtig. Ich wurde ja vor anderthalb Monaten von der Norran interviewt, das hatte ich völlig vergessen. Thema war dieses Mal nicht „Der Deutsche, der freiwillig nach Nordschweden zieht“, sondern „Der Angestellte, der neben seiner Arbeit noch ein Hobby hat“. Während ich das nicht so außergewöhnlich finde, hat Norran aus der Tatsache, dass ich im Kammerchor mitsinge, eine Doppelseite gezaubert.

Gestern morgen war ich kurz an der Küste und habe dort G., den Fischer getroffen. Er hatte ein bisschen zu tun, bis er das Boot erst mit dem Auto an Land gezogen und dann freigeschaukelt hat. Seine Hündin fand das eher doof und hat laut gebellt, bis sie von ihm an Bord gehievt wurde. Eine Minute später hörte man den Außenborder und sah, wie G. sein Boot durch das dünne Eis zum offenen Meer steuerte.

G. wackelt sein Boot frei„Ich bin soo einsam!“

Ruisleipä – RoggenbrotNachmittags war ich bei meinen Nachbarn von gegenüber, um eine Zeitung zu holen, denn ich habe die Norran nicht und war schon ein bisschen neugierig, was man über den Chor und mich so schreibt. Das war ein guter Zeitpunkt, denn ich habe nicht nur die Zeitung bekommen, sondern noch etwas ganz besonderes: E. und ich sind uns einig, dass die Schweden kein Brot können! E. kommt aus Finnland und hatte frisches Roggenbrot gebacken. Da durfte ich probieren und habe gleich ein Stück geschenkt bekommen. Das war so lecker, dass sogar ich Koch- und Backmuffel jetzt beschlossen habe, auch Roggenbrot zu backen. Den Link zum Rezept habe ich, aber ich lasse mir das lieber von E. persönlich zeigen, denn das Rezept ist auf finnisch.


Heute war ja Skyltsöndag, so eine Art kombiniertes Advents-Weihnachtsmarkt-geöffnete-Läden-und-alle-haben-wieder-beleuchtete-Sterne-in-ihren-Fenstern-Fest. Vor zwei Jahren fand es bei Regen statt, letztes Jahr hingegen fiel es aus, weil innnerhalb 24 Stunden 83 Zentimeter Schnee gefallen waren. Und das nach einer Warnstufe 1 (10-20cm). Das räumen auch die Nordschweden nicht mal so eben weg. Ich musste schon ein bisschen lachen, als der smhi gestern wieder Warnstufe 1 Schnee (10 cm) ausgegeben hat.

Als ich heute morgen aufwachte, war auch alles weiß, aber mehr als fünf Zentimeter waren nicht gefallen. Das sieht schön aus, aber das es grau war und auch noch kleinere Schauer herunterkamen, habe ich nur ein paar Photos gemacht.

Reifenspur vorm HausSchneegestöber auf dem kleinen Damm

Die Crystal Topaz in Skelleftehamn„Crystal Pool“ klingt schön. Da denkt man an Urlaub im Süden, türkisblaue Pools mit warmen Wasser, von Palmen umgeben. Und wenn das groß auf einem Schiff steht, dann ist der Gedanke an Kruezfahrten nicht weit. Das Schiff „Crystal Topaz“, welches zur Crysal Pool Group gehört und heute an dem verschneiten Ufer des Ölhafens „Oljehamn“ vertäut war, ist allerdings kein Kreuzfahrtschiff, sondern ein Öltanker. Das erklärt auch die über­dimen­sionale Beschriftung „No smoking“.

SkyltsöndagSpäter war ich dann auch noch auf dem Skyltsöndag, habe ein paar Freunde getroffen, die Verkaufsstände angeschaut und war schnell wieder zu Hause. Allerdings noch mit einem kleinen Umweg nach Ursviken, zur „Kanotudden“, der Kanubucht. Der Fluss ist hier allerdings schon komplett zugefroren und der böige Wind treibt Schnee über die Eisflächen, während die Sonne, die schon um viertel vor zwei unterging, die Wolken in Bonbonfarben taucht.

Eisbedeckte Bucht des Skellefteälven

Geschäftsreise

Vor dem AbflugEines hat mir mein Stoffhund Bello voraus: Er kann schon auf eine große Anzahl Geschäftsreisen zurückblicken, die er gemacht hat, als ich Kind war. Was eine Geschäftsreise ist, hätte ich damals keinem erklären können. Inzwischen habe ich eine leise Ahnung, um was es sich handeln könnte. Mit meinem Arbeitgeber Hello Future war ich schon ein paar Mal in Umeå (130 km) und in Lycksele (170 km), aber in Stockholm war ich noch nie. Gestern bin ich zusammen mit Leif nach Stockholm geflogen und war so nicht nur seit langem mal wieder in der schwedischen Hauptstadt, sondern konnte auch die Anzahl „so richtiger“ Geschäftsreisen mit Flugzeug von Null auf Eins erhöhen.

Besonderheit eins: Noch nie bin ich ohne schweren Koffer geflogen. Dieses Mal kam nur ein kleiner Rucksack mit ein bisschen Kleidung, Zahnbürste, Laptop und neuer Kamera als Handgepäck mit.

Besonderheit zwei: Noch nie habe ich Stockholm von Norden aus als Ziel gehabt. Das letzte Mal bin ich im Frühjahr 2008 von München aus für einige Tage dorthin geflogen.

Besonderheit drei: Stockholm ist ein anderer Planet! Wie riesig die Stadt verglichen mit dem eher beschaulichen Skellefteå wirkt. Die Geräusche sind anders, die Gerüche sind anders und sogar das Licht ist anders.

Ausblick vom Observatorielunden

Wir mit Hello Future haben den Luxus, ein Büro mitten in der Kungsgatan zu haben, noch zentraler geht eigentlich nicht. Und da nicht die ganze Zeit Meeting war und ich keine dringenden Aufgaben hatte, konnte ich gestern und heute mal zwischendurch aus dem Büro herauswitschen und mir ein bisschen das große, große Stockholm anschauen. Zum Beispiel die Schaufenster aller Geschäfte, in denen man zum Beispiel nur Schlipse, uralte Bücher, richtiges Brot oder 70er-Jahre-Klamotten kaufen konnte …

Ein SchlipsgeschäftEine richtige Bäckerei!

… oder einfach die Fußgängerzonen an sich …

Gemüsestand auf dem „Hötorget“Steinlöwe in der Drottningsgatan

… oder das Wechselspiel zwischen der kompakten Architektur in den Straßen und den weiten Blicken über das Wasser …

Mitten in der StadtAussicht über das Wasser

… oder die vielen Weihnachtsdekorationen draußen und drinnen …

Weihnachtsdekoration am Sergels TorgEin Kind verguckt sich in einen großen Stoffhusky

… doch am besten gefiel mir Stockholm nach Sonnenuntergang (der siebzig Minuten später als in Skellefteå ist) und es erst dämmrig und dann dunkel wurde.

Stockholm in der AbenddämmerungStockholm in der Abenddämmerung

Vierunddreißig Stunden und fünf Meetings später saßen wir wieder im Flugzeug, dieses Mal im Landeanflug auf den Flugplatz Skellefteå. Und als ich über den beleuchteten Orten Bureå, Skellefteå und Skelleftehamn nicht nur den Sternenhimmel, sondern auch ein schwaches Nordlicht gesehen habe, wusste ich, dass ich wieder auf meinem Heimatplaneten gelandet bin.

Alle Fotos stammen von der neuen Nikon AW1, die ich mir der Wasserdichtigkeit wegen gekauft habe, die sich aber auch gut als handliche Reisekamera verwenden lässt. Die Qualität ist gemessen an dem kleinen Sensor ordentlich bis gut, aber Wunder darf man natürlich nicht erwarten, vor allem wenn man sie mit einer mehrfach teureren Vollformatkamera vergleicht.

Ein Montag – drei Welten

Es kommt selten vor, dass ich an einem Tag in drei Welten zu Hause bin. Heute war so ein Tag.

Welt 1

Angefangen hat alles wie ein gewöhnlicher Montag mit meiner Arbeit als Programmierer. Heute habe ich zum Beispiel ein PlugIn begonnen, welches Tweets von der neuen Twitter-API 1.1 mithilfe von OAuth liest. Für die, die es wissen wollen. Aber ich habe heute nur einen halben Tag für Hello Future gearbeitet und auch von zu Hause aus, denn

Welt 2

heute nachmittag war ich als Musiker gebucht: Bei einer Veranstaltung „Skelleftehamn 1913-2013“ habe ich im „Sävenäs Maskinhus“ einige Stunden Klavier gespielt. Das war fast wie früher: Man spielt alte Musicalsongs, Bossa Novas und Balladen so knapp über der Hörschwelle. Selbst ich habe mehr gesehen als gehört, was ich gespielt habe, doch den Leuten hat es gefallen. Fast wie früher, aber doch so anders: Man spricht alle mit Du an, ich kenne Johan, den Organisator und auch Pär, den Koch persönlich und auch einen der Gäste kannte ich privat. Eine kleinere Welt. Und noch etwas war anders: Als ich alles wieder ins Auto geräumt habe, zeigte das Thermometer -14 °C an. Und fünf Minuten später war ich wieder zu Hause. Heimspiel.

Normalerweise, wenn ich zu Hause arbeite, gehe ich immer zu Din Fest, meinem Lieblings­restaurant, doch heute nicht, denn heute Mittag war ich

Welt 3

draußen lunchen. Denn es hat die ganze Nacht und den halben Tag geschneit und alles war weiß. Ich habe zum ersten Mal meine Skier untergeschnallt und bin mit gepacktem Rucksack zum Meer gelaufen. Erst auf der Wohnstraße, keine zehn Minuten später im Wald.

Skipremiere 2013/14Mit Skiern im Wald

Dort ist der Schnee aber noch zu locker und flach und man schrappt immer auf den Felsen herum, also bin ich hauptsächlich die verschneiten Wege entlang gelaufen. Es ist immer wieder schön, wenn man der erste ist, der eine frische Spur durch den Schnee zieht und noch kein Skooter vor einem den Weg planiert hat.

Winterlandschaft

Bald war ich am Meer, dort schneite es heftiger und es lag auch mehr Schnee. Das Meer zwischen Festland und der nahen Insel Brambärsgrundet ist fest von Eis gedeckt, doch weiter draußen ist das Meer offen und man hört die Brandung an die Außenseite der Insel rauschen. Ein schöner Picknickplatz, und -8 °C mit Schnee ist auch „wintriges“ Wetter für ein erstes Schneepicknick. (Wer meint, -8 °C sind kalt: In Nikkaluokta gab es letzte Nacht -40.8 °C. Da sind Picknicks erfahrungsgemäß meist etwas kürzer.)

Am MeerSchneeschauer vor der Insel Brambärsgrundet

Bloß mit den Selbstauslöseraufnahmen vom Picknick hat es nicht geklappt. Denn ich hatte meine neue Kamera mit halbvollem Akku dabei, der in der Kälte schnell leer war und Ersatz habe ich noch nicht. Und mein iPhone ist ohnehin eine Memme, die lieber in der warmen Stube bleibt: Obwohl der Akku noch 50% Kapazität hatte, hat sich das iPhone einfach ausgeschaltet. Aber zumindest zwei Fotos gibt es: Eins vom Picknickplatz, eins vom „ersten Gang“.

Der heutige PicknickplatzDagens lunch

Der schwedische Wetterdienst smhi ist ziemlich schlecht darin, Schnee für Skelleftehamn vorauszusagen: statt der prognostizierten ein, zwei Zentimeter Schnee kamen 15 und im Garten liegen jetzt 20 Zentimeter Pulverschnee. Das wird aber nicht lange bleiben, denn ab übermorgen sagt der smhi warmes Wetter mit Temperaturen um +7 °C voraus und Temperaturen kann der smhi leider ziemlich gut.

Aber heute habe ich meine Skipremiere gehabt. Wie schön, dass ich heute in gleich drei meiner Welten zuhause sein durfte.

Der Winter lässt sich Zeit

Es ist schon ein ziemlicher Zickzackkurs, den der Winter dieses Jahr fährt. Vorgestern gab es Pladderregen bei +10 °C, dann ging es in der Nacht in Schnee über mit einem kurzen Sturm. Heute morgen war es klar und -10 °C und jetzt geht es gerade wieder gegen null. Kein Wetter für Schnee, aber die Ostsee zeigt doch immer mehr Winteranzeichen.

Bei der Lotsenstation ist das Meer offen und die Steine sind eisüberzogen.

Winterfelsen am Strand von NäsgrundetWinterfelsen am Strand von Näsgrundet

Doch in den geschützteren Bereichen – keine 150 Meter entfernt – bildet sich eine dünne Eisschicht, die von den Wellen wieder gebrochen wird. Die Eisschollen stoßen sich aneinander rund und bilden das sogenannte Pfannkucheneis. Der halbe Himmel ist in rosa-violette Pastellfarben getaucht, ich nenne ihn „Bonbonhimmel“.

Pfannkucheneis

Ortswechsel. Ich stehe jetzt einer offeneren Stelle unweit der Insel Storgrundet. Erst dachte ich, das Meer sei komplett eisbedeckt, aber nein, die Wasseroberfläche ist nur so ruhig und klar. Ich stehe auf einem Wall von Eisschollen, die vermutlich der letzte kurze Sturm an Land geblasen hat. Einige Meter weiter ist das flache Meer offen.

An der EiskanteBlick aufs Meer

Die kleine Bucht ist restlose mit Pfannkucheneisbedeckt, der Rest des Meeres ist noch offen.

PfannkucheneisPfannkucheneis auf einer kleinen Bucht

Schaut man an die Eiskante, so sieht man hunderte kleine, rubbelige Eiszapfen, die von der Gischt der kleinen Wellen genährt werden. Schaut man mit dem Teleobjektiv hinaus aufs Meer, so sieht man, dass die Oberfläche mit unzähligen kleinen Eisstückchen bedeckt ist, die irgendwann zusammenfrieren werden, wenn es mal ein paar Tage ruhig und kalt ist. Und das da am Horizont, sind das Eisschollen? Ich weiß es nicht.

Eiszapfen unter der EiskanteFernblick

Notiz an mich selber: Wenn man mit der neuen wasserdichten Kamera Unterwasserbilder vom Ufer aus machen will, dann das nächste Mal unbedingt Neoprenhandschuhe mitnehmen! Das Wasser ist viel zu kalt, um in Ruhe die Kamera unter Wasser zu halten und nasse Hände bei -10 °C Lufttemperatur sind nur mäßig gemütlich.

Nachtrag

21:05, gerade habe ich den Artikel veröffentlicht. Plötzlich heult Wind ums Haus und es hat angefangen zu schneien. Mal sehen, wie viel herunterkommt. Morgen Abend soll es regnen :-(

Pilot 791 SE

Das Wetter heute: naja! Windig und ±0 °C. Alles andere als schönes Kajakwetter. Aber heute hatte ich es gut und bequem, denn ich hatte einen Lift und musste nicht selbst paddeln.

Um neun Uhr war ich – wie schon oft vorher zum fotografieren – auf der Halbinsel Näsgrundet und kurze Zeit später auf dem Lotsenboot Pilot 791 SE. Unser Ziel war die Insel Gåsören, wo sich beim Sturm, der Donnerstag Nacht kam, der Bootssteg losgerissen hat.

Kurz nach neun kam L., einer der beiden Stugabesitzer, mit zwei Männern vom Sjöfartsverket und wir gingen an Bord. Nach einem Maschinencheck ging es los, erst in Richtung Hafen, dann mit Kurs auf Gåsören. Die kurze Fahrt war ein bisschen zappelig und schnell wurden die Scheibenwischer in Gang gesetzt, um die Gischt der Wellen wegzuwischen. Kurze Zeit legte das Lotsenboot mit dem Bug außen an der Mole an und wir sprangen von Bord.

Auf der Pilot 791 SEEisbrecher Baus vorausAuf dem MeerGåsören voraus

Mitten in dem kleinen Hafen trieb der Bootsanleger. Man kann sich vorstellen, welche Kraft die Sturmböen haben müssen, um die Vertäuung auf der einen Seite zu zerfetzen und den Anleger teilweise zu zerstören. Mit einem Lassowurf hat L. den Anleger eingefangen und wir haben ihn mit einem breiten Spannriemen so fixiert, dass er stabil mitten im Hafenbecken trieb, wo er im Winter festfrieren soll.

LassowurfDie Insel Gåsören

Wir haben dann eine kleine Kaffeepause gemacht, doch bald schon kam das Lotsenboot, um uns wieder abzuholen und wir kletterten an Bord. Klettern ist das richtige Wort, denn wir hatten heute einen sehr hohen Wasserstand, etwa ein Meter über normal. Nach einem kurzen Zwischenstopp am Hafen waren wir schnell wieder am Anleger und gingen mit einem „Tack“ von Bord.

Das Lotsenboot kommt, um uns abzuholenHejdå, Gåsören

Angefangen hat das Ganze übrigens gestern, als ich auf Näsgrundet fotografiert habe und dort zwei Männer wartend neben ihren Autos standen. Das waren T. und L., die schon gestern auf die Insel wollten, es dann aber auf heute verschoben wurde. Da habe ich einfach mal gefragt, ob ich vielleicht mitkommen kann. Ja – vielleicht. Heute war es zum Glück überhaupt kein Problem, mitzufahren. Toll!

Grautöne

Ungemütlich ist es: Selbst tagsüber ist es dämmerig-trübe, da dicke graue Wolken über der Region hängen. Aus denen fällt aber kein klarer, weißer Schnee, sondern kalter Sprühregen auf die nassen, vereisten Straßen. Die Sonne geht zwanzig vor zehn auf und kurz vor halb zwei unter und um drei ist es duster. Nur die tiefen Wolken reflektieren ein bisschen das Licht Skelleftehamns. Nicht mein Wetter.

Am Kallholmsfjärden

Heute vor drei Jahren sah es bei uns so aus:

Kontrast: Genau heute vor drei Jahren

Das gefällt mir deutlich besser, auch wenn man einiges mit dem Schneeräumen zu tun hat. Ich bin gespannt, ob und wann der richtige Winter hier Einzug hält.

3:44

3:44 ist keine Matheaufgabe für Nordwärts-Blogleser.
3:44 ist auch nicht das Spielergebnis des letzten Eishockeyspiels.
3:44 ist erst recht kein Musikstück von John Cage.

3:44 ist die Länge des heutigen Tages in Skelleftehamn: Drei Stunden, einundvierzig Minuten. Um 9:41 ging die Sonne auf, um 13:25 ging sie wieder unter. Gerade mal 2.2 °C hat sie es über den Horizont geschafft. Das sind etwa zwei Finger breit bei ausgestrecktem Arm.

Das ist nicht gerade viel Licht, aber ich mag den heutigen Tag. Das liegt nicht nur daran, dass heute mein erster Ferientag ist, sondern auch an der Wintersonnenwende. Denn die sagt mir, dass heute der kürzeste Tag ist und damit die Tage wieder länger werden. Und das gefällt mir.

Und so sah es heute gegen halb zwölf aus, als die Sonne „hoch“ im Süden stand.

Eiswall am Kallholmen

Blick über den Sörfjärden

Dieser Dezember war nicht nur milder und windiger als gewöhnlich, sondern auch der Wasserstand war größeren Schwankungen ausgesetzt. Deswegen wurde das Eis an vielen geschützten Stellen wieder kaputt gebrochen und liegt jetzt an manchen Stellen in langen Haufen am Ufer. Die Eisschollen auf dem Wasser sind noch nicht zusammengefroren und treiben frei auf dem Wasser. Ich bin gespannt, wann hier alles so fest zugefroren ist, dass man aufs Eis gehen kann, ohne Angst haben zu müssen, einzubrechen.

Nachtrag:

Ursprünglich hieß der Artikel 3:41, denn ich habe mich verrechnet. Evi hat das im ersten Kommentar sofort entlarvt und ich habe mich nun entschlossen, den Fehler zu korrigieren.

Auf dem Meer

Gestern stand ich am kleinen Strand und beäugte misstrauisch das Eis, welches das Meer zwischen dem Strand und der Insel Storgrundet bedeckte. Auf dem nassen Eis konnte man Skooterspuren ausmachen, aber das sagt nicht, dass das Eis auch mich trägt.

Heute das gleiche Bild: Ich, der Strand, die Insel, dazwischen Eis. Und mein misstrauischer Blick. Den Unterschied machte B., der dort seine Stuga hat und der Einzige ist, der mich nicht sofort fragt: „Ska du fiska?“ – Willst Du angeln?

Denn B. weiß, dass ich gerne fotografiere und fragte mich stattdessen, ob ich auf’s Eis wollte. Ich: „ja, aber …“ . Er: „Kein Problem, das Eis ist 20 cm dick, da kann man mit dem Auto drüber fahren.“ Ich (gedacht): „Aber bitte nicht mit meinem!“

B. hat zwei Netze draußen unter dem Eis und war ohnehin mit einem Freund auf dem Weg dorthin, da bin ich gleich mitgekommen. Das Eis war recht klar, denn auch gestern hat es erst dicke Flocken geschneit und dann bei Plusgraden geregnet. Jetzt aber war es schön und leicht frostig.

Auf dem Weg zu den Netzen

Das Eisloch wird vom Eis befreitDas erste Netz wird hochgezogen

Im ersten Netz hatte sich nur eine „simpa“, eine kleine Groppe verfangen. Also weiter zum zweiten Netz.

Zum zweiten Netz

Und dort hatten B. und sein Freund mehr Erfolg. Vier Quappen (schwedisch: Lake) zog er aus dem Wasser.

Eine Quappe im NetzEine Quappe wird aus dem Netz gepult

Ich habe erfahren, dass man aus den Quappen im Winter „Rom“, also Fischrogen gewinnen kann. Die Quappen selbst hat man früher als „Lakesoppa“ in Milch zu Suppe gekocht, doch das ist außer Mode gekommen und viele mögen das nicht mehr.

Ich bin dann weiter über das Eis zu der Insel gegangen. Ich bin manchmal ganz schön zusammengezuckt, wenn das Eis unter meinen Füßen das Eis peitschenähnlich knallte, so stark, dass ich das Beben spüren konnte.

Überall knackste und rumste, krachte und tönte das Eis, denn in der Nacht hatten wir hier sehr hohen Wasserstand und jetzt senkte sich der Meeresspiegel wieder, zusammen mit der Eisschicht. Aus dem gleichen Grund war auch der letzte Meter zur Insel der Schwerste, denn dort ist das Eis aufgebrochen und so schwach, dass man dort schauen muss, wo man seine Füße (und Hände) hinsetzt, um an Land zu kommen.

Die Insel Storgrundet ist schmal und schnell war ich am äußeren Ufer. Dort sah es so aus:

Eisschollen vor Storgrundets Ostufer

Dort ist das Meer noch offen, nur einige Eisschollen schwimmen vor der teilweise überschwemmten Bucht. So ganz entspannt war ich nicht, denn ich wusste ja, dass ich wieder aufs Eis muss. Ich habe mich deswegen schnell wieder auf den Rückweg gemacht und wieder den ersten Meter erfolgreich und dank der hohen Gummistiefel trockenen Fußes überwunden. Die tief stehende Mittagssonne leuchtete orange über das Eis.

Die Sonne scheint über das MeereisAuf dem Eis

Ans Festland zu kommen war hingegen einfach, denn dort ist ja B.’s Bootssteg. Ich liebe es, über’s Eis zu laufen und doch bin ich jedes Mal wieder erleichtert, wieder auf dem Land zu stehen. Nach einem Kaffee bei B. habe ich mich auf den Rückweg gemacht.


Der Heizlüfter im Auto hat den Eispanzer des letzten Eisregens erfolgreich von den Fensterscheiben geschmolzen, so bin ich noch kurz zur Bucht „Kallholmsfjärden“ direkt bei mir um die Ecke gefahren. Diese Bucht, gestern noch komplett offen, war heute vollständig mit dünnem Eis bedeckt. Erstaunlich, wie schnell das manchmal geht. Etwa 5 mm stark war das Eis schon. Wer weiß, vielleicht sitzen dort nächste Woche schon die ersten Eisfischer.

Klares, neues EisDer Kallholmsfjärden ist eisbedeckt

Als ich wieder aus dem Wasser stieg (Merke: Unterwasseraufnahmen ohne viel Licht sehen langweilig aus), kam Nebel auf. Es wurde wärmer, der Nebel dichter, die Dämmerung kam. Und mit ihr erneuter Regen …


Für die Statistik: Wann bin ich das erste Mal über das Eis auf die Insel Storgrundet gelaufen?: 5. Dezember 2010 / 22. Januar 2012 / 5. Januar 2013 / 22. Dezember 2013. Also war ich gar nicht so spät dran dieses Jahr.

µ = 0

Und da kam er gestern wieder: der Regen. Einiges kam runter. Bei Minusgraden auf die gefrorene Straße. Ich wollte nur kurz über die Straße zum Nachbarn gegenüber, und …

lägger in ny definition av „halkigt“ i balansdatabasen. Nu är det inte halkigt ute, det är friktionsfritt….

Per-Anders Fjellström

… schrieb Per-Anders heute bei Facebook. Danke, Per-Anders, besser hätte man das nicht beschreiben können. Auf deutsch:

„Ich füge eine neue Definition von „rutschig“ zur Balance-Datenbank hinzu. Jetzt ist es nicht rutschig da draußen, es ist reibungsfrei …“

Es klingt vielleicht wie Nordlandslatein, aber ich bin auf der anderen Straßenseite nicht wieder auf den Fußweg gekommen. Dort gibt es keine richtige Kante, sondern es geht minimal aufwärts, zehn Zentimeter vielleicht. Und die bin ich nicht hochgekommen, sondern kläglich wieder auf die Fahrbahn zurückgerutscht. Ich bin den Meter dann gekrabbelt. Das nenne ich glatt!

Im übrigen würde ich momentan keinen Empfehlen, meine Holztreppe zu benutzen, ohne sich anzuseilen. Blödes Glatteis!

µ ist unter anderem die Einheit für den Reibungskoeffizienten. Den geringsten (zusammen mit PTFE) hat nasses Eis auf nassem Eis mit 0.02. Ich halte es hier aber mit Per-Anders und vergebe eine glatte 0.