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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Drei Länder in 14 Tagen oder eine neue Anreisevariante nach Skelleftehamn

Ein Gastbeitrag von Christina Tüschen.

Ein Anruf im Januar 2012: Olaf, ich bin im Juni in Tallinn, da könnte ich doch mal eben … vorbeikommen.
Kein Problem.

In Tallinn verbringe ich 5 wunderbare Tage mit meinem Chor, dann fahre ich mit der Fähre zu einer 2-Tages-Besichtigung nach Helsinki. Von dort geht es weiter mit dem Zug nach Tampere, wo ich eine finnische Freundin nach 10 Jahren wiedersehe und das Muminmuseum besuche. Dann wieder mit dem Zug nach Vaasa, wo ich schließlich die Fähre nach Schweden besteige. Trotz Vorwarnung meine ich mit dem schweren Rucksack die Strecke zwischen Bahnhof und Fährhafen zu Fuß zurücklegen zu müssen.

Nach 14 Stunden (reiner Reisezeit von Tallinn gerechnet) und einer Zeitumstellung komme ich mitten in der Nacht in Umeå an. Aber was heißt mitten in der Nacht. Es ist noch so hell, dass man „auf der Straße Zeitung lesen kann“ (Ein Zitat meiner Großmutter, die Ende der 60er Jahre hier im Norden war). Und diese Helligkeit führt dazu, dass ich, die ich sonst gegen zehn Uhr müde werde, locker bis 3 Uhr nachts wach bleibe.

Die zwei Tage Creative Summit sind intensiv, interessant und „givande“, ich nehme viel mit, danke dafür! Besonders in Erinnerung geblieben ist mir (wie Olaf) Jonathan Harris. Sein Vortrag und die Ausstellung haben den Schubs gegeben, begonnene eigene Projekte fortzuführen.
Toll ist es auch Olafs Freunde und Arbeitskollegen kennen zu lernen, auf dem Dach von 10 Merchant Street die Sonne untergehen zu sehen und wieder richtig in die schwedische Sprache einzutauchen.

Drei wunderschöne Ferientage folgen, das sonnige Wetter hält sich – wie auf Bestellung. Für mich verlängert sich bei dieser Reise der Frühling, prima zu sehen am Flieder, der in München schon am Verblühen war, in Helsinki in voller Blüte stand und in Olafs Garten gerade erst loslegte.

Da ich zuletzt vor anderthalb Jahren hier war, habe ich den direkten Vergleich zur Midvinter-Zeit, mit viel Schnee, Eis und Dunkelheit. Da wo wir jetzt baden, haben wir damals unsere Winterwanderung auf der zugefrorenen Ostsee begonnen und ich habe ein Bild zu dem Begriff Packeis bekommen. Wo wir jetzt Bockkäfern bei der Eiablage zusehen, haben wir auf dem zugefrorenen See Kubb gespielt. Und um 14 Uhr, wo wir uns jetzt den ersten Sonnenbrand holen, ging im Winter schon die Sonne unter.

Verrückt und schön diese Gegensätze.
Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Besuch, mal eben, egal zu welcher Jahreszeit.

Und sonst: Wecken mit Klaviermusik – ein Musikhörnachmittag, fast wie ein Mixtape aus früheren Zeiten – Baden bei 15 Grad und etwas weniger – zur Beatles-Coverband auf den Felsen rocken – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – zwischen großen Steinen ein Kajak rückwärts ausparken – Flugübungen mit dem Kleinen Gelben Monster – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – Marienkäfer-Umsiedelung auf Blattlausrosen – Enten mit Punkfrisur heißen Gänsesäger (ja, Reisen bildet).

Ein Urlaubstag

Wieder ein schöner Urlaubstag mit meinen Eltern, die hier gerade zu Besuch sind und heute auch mit schwedischen Freunden. Vier Fotos von Bygdsiljum und Skelleftehamn, ehe ich ins Bett falle. Ein andermal mehr.

Wollgras

Gestern war ich draußen, ein bisschen die Umgebung bei mir erkunden und mitten auf einer Anhöhe entdecke ich eine kleine sumpfige Stelle mit Wollgras. Das wollte ich ohnehin schon einmal fotografieren und so habe ich meine Kamera ausgepackt und begonnen, Bilder zu machen. Über mir quollen dicke Kumuluswolken und bald darauf lag das Wollgras im Schatten. Noch während ich in den Himmel schaute, um zu schauen, wann die Sonne wieder hervorkommt, hörte ich es ordentlich rumpeln. Ein Gewitter – eine Seltenheit hier. Nun ist bei Gewittern eine kahle Anhöhe nicht der ideale Aufenthaltsort, also habe ich das Weite gesucht und bin durch den Wald nach Hause gelaufen, während dicke Tropfen herunter klatschten. Zu Hause angekommen war das kleine Gewitter aber schon wieder vorbei.

Heute war ich noch einmal unterwegs und habe Wollgras fotografiert. Die Aufnahmen entstanden an anderen Stellen, denn fast überall, wo es nass ist, wächst diese Pflanze.

In den Ritzen, die sich in den großen Felsen gebildet habe, wachsen oft junge Birken. Ob sie genug Platz finden, um starke Wurzeln zu bilden, genug Wasser zu finden und groß und alt werden?

Aufruf an die Botaniker: Weiß jemand, welche Blume auf dem letzten Foto abgebildet ist? Ich habe keine Ahnung und leider auch vergessen, die ganze Pflanze zu fotografieren.

Teichrosenteiche

Die Gelbe Teichrose (Nuphar lutea, Syn.: Nuphar luteum), auch Gelbe Teichmummel, Mummel, Teichmummel oder Teichkandel genannt, wobei sie manchmal auch mit Nuphar luteum tituliert wird, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Seerosengewächse (Nymphaeaceae). […] Der wissenschaftliche Name Nuphar wurde schon von Dioskurides gebraucht und geht vermutlich auf das ägyptische „nu-far“ zurück.

wikipedia

Der kleine Teich, der gleich um die Ecke im Wald liegt, ist jetzt voll mit den leuchtend-gelben Teichrosenblüten und den großen, schwimmenden Blättern.

Die Frösche, die man sonst immer auf den großen Teichrosenblättern vermutet, habe ich statt dessen auf dem Rückweg im Wald gesehen. Auf den feuchten Stellen hüpften hunderte der diesjährig geborenen zentimetergroßen Frösche umher und ich musste aufpassen, dass ich nicht auf einen drauftrete.

Smultronställe

Wenn ein Schwede hört, dass wir Smultron mit Walderdbeere übersetzen, schüttelt er wahrscheinlich leicht verwundert den Kopf. Denn für die Schweden sind Erdbeeren (Jordgubbe) und Walderdbeeren (eben Smultron) völlig unterschiedliche Früchte.

Die Plätze, an denen es viele Smultron gibt, werden oft geheim gehalten oder nur wirklich guten Freunden gezeigt. Die oft ein wenig verborgenen Plätze heißen auf schwedisch Smultronställe und dieses Wort wird inzwischen auch im übertragenden Sinne für besonders schöne Plätze, die nicht jeder kennt, benutzt.

Diese kleine Sammlung Smultron – die ich heute schon auf meine Speisekarte gesetzt habe – wuchsen allerdings nicht sonderlich versteckt, sondern direkt am Wegrand. Dies ist die Ausbeute von zwanzig Metern und ich habe nicht besonders gründlich gesucht.


Dies ist übrigens der allererste Blogartikel, den ich vom Zelt aus schreibe. Ich besuche Freunde in Norwegen und bin im Gegensatz zu diesen – die Freunde sind noch bis heute Abend unterwegs – schon angekommen. Praktischerweise reicht das WLAN bis ins Zelt, welches ich im Garten aufgeschlagen habe.

Über alles andere schreibe ich aber mal in Ruhe, vor allem auch, weil Fotos sortieren und editieren am kleinen Laptopschirm überhaupt keinen Spaß macht. In einer Woche bin ich wieder zu Hause, dann geht’s hier im Blog weiter.

Reise nach Norwegen

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Die letzte Juliwoche bin ich nach Norwegen gefahren, um Astrid und Hein, Fridtjof und Fredrik zu besuchen. Sie waren im März letztes Jahres bei mir und es wurde Zeit für einen Gegenbesuch. Die Freunde leben in Nord-Trøndelag in der Kommune Inderøy und damit recht genau westlich von mir. Auf dem Hinweg bin ich aber nicht quer rüber gefahren, sondern erst einmal auf der E4 in Richtung Süden.


Den ersten Zwischenhalt habe ich in Salusanden, einer kleinen Strandstelle südlich von Umeå gemacht. Ich war erstaunt, den Strand an einem warmen und sonnigen Sommersamstag mitten in der Ferienzeit so leer zu finden. Am Ufer lagen einige Tellmuschelnschalen, bei mir ist die Ostsee zu salzarm für Muscheln.

Der nächste Halt war der bekannte Fjällräven-Outlet in Örnsköldsvik, ein gefährliches Pflaster für Outdoorfans. Ein Klassenkamerad in der Fünften hatte nicht wie wir alle Tornister, sondern einen himmelblauen Kånken-Rucksack von Fjällräven. Ich erinnere mich noch gut, wie ich damals diesen Buchstabensalat aus Fj, V und zwei Ä-s bestaunt habe.

Der Küstenabschnitt südlich von Örnsköldsvik nennt sich die Höga kusten, die hohe Küste. Hier habe ich eine mehrstündige Wanderung durch diese herrliche Landschaft gemacht, aber davon erzählt ein anderer Artikel.

Nach der Wanderung, die länger als geplant wurde, habe ich mich ins Auto schlafen gelegt. Das nächste Mal klappe ich die ganze Rückbank um, denn beim Umdrehen war es ein bisschen eng, aber sonst war ich überrascht, wie viel Platz ich in meinem Auto habe. Sollte ich noch zum Saab-Fan werden, oder bin ich es schon ein bisschen?


Was passiert, wenn man nicht so gut schläft und früh wach wird? Man wird mit einer wunderbaren Morgenstimmung am Norrfjärden belohnt. Zu dem Blick gab es Apfelschorle und Nusskuchen zum Frühstück. Lecker! Ein guter Start in den zweiten Anreisetag.

Danach habe ich mich wieder ins Auto gesetzt. Nun ging es in Richtung Westen, dem schlechten Wetter entgegen. Nach einer Mittagspause im grau verhangenen Östersund war ich sehr auf Åre, das größte schwedische Skigebiet gespannt. Aber zumindest bei diesem trüben Regenwetter machte es einen extrem hässlichen Eindruck und ich habe nicht einmal angehalten. Von Åre war es gar nicht mehr so weit zur norwegischen Grenze. Hier gab es viele große offene Moorflächen. Schade, dass die Moltebeeren noch nicht reif waren. Parallel zur Autostraße gab es vermutlich einen alten Weg. Übrig geblieben sind die alten Steinbrücken, die jeden größeren Bach überspannen.

Nun war es gar nicht mehr so weit zu meinem Ziel. Ich wusste, dass meine Freunde nach in Oslo sind und erst am späten Abend des Folgetages wieder zu Hause waren, aber man kann ja auch ein Zelt im Garten aufschlagen und so hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Zeltplatz mit drahtlosem Internet. Daran kann man sich gewöhnen.

Meine Route: Skelleftehamn – Umeå – Örnsköldsvik – Docksta – Ullånger – Nyland – Bollstabruk – Bispgården — Hammarstrand – Östersund – Åre – Stormoen (Norwegen) – Verdal – Røra – Straumen – Utøya – Venneshamn.

Höga kusten

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Auf meiner Reise nach Norwegen habe ich einen Zwischenstopp an der Höga kusten gemacht. Diese Region ist mir schon mehrmals empfohlen worden und nun, wo ich es endlich geschafft habe, im Skuleskogen Nationalpark eine kleine Tour zu machen, kann ich nur sagen, dass die Höga Kusten einen Besuch wert ist.

Nachdem ich mein Auto am „Entré Syd“ abgestellt habe, bin ich den orange/roten Wegmarkierungen gefolgt. Am Anfang lief ich über Holzstege, bald über Baumwurzeln. Dann bin ich abgebogen, um auf den Slåttdalsberget zu gehen. Der blau markierte Weg führt über den roten Granitfels, der die Landschaft hier prägt.

Von den riesigen Granitformationen hat man herrliche Blicke über die Ostsee und die Inseln. Am Gipfel habe ich eine Pause gemacht. Gut, dass außen an meinem Fotorucksack auch eine Wasserflasche und eine Tüte mit Nusskuchen befestigt werden können.

Bekannter als der Slåttdalsberget ist die Slåttdalsschlucht, die sich tief in den Granit einschneidet. Wenn man die dunkle Schlucht durchquert, denkt man an Abenteuerromane, Räuber, Hinterhalte und hofft, dass einem kein Troll Felsen auf den Kopf wirft.

Ich bin dann weiter um den See Tärnättvattnen gelaufen. Hier war auch einer der Plätze, an denen man im Nationalpark sein Zelt aufstellen und übernachten darf. Weiter ging der Weg an der Küste – mal etwas höher, mal fast direkt am Meer. Das letzte Stück zog sich ganz schön, zum einen, weil es schon recht spät – wenn auch noch lange nicht dunkel – war, zum anderen, weil der Proviant längst aufgefuttert war und ich einen Bärenhunger hatte. Nach vier Stunden nach Tourbeginn war ich wieder am Parkplatz und habe erst einmal etwas gegessen. Dabei wurde ich leider ziemlich von Knott umschwärmt, kleinen Mücken, die alle gerne mein Blut wollten. Aber bald habe ich mich ins Auto geflüchtet, wo ich auch geschlafen habe, ehe ich am nächsten Tag weiter nach Norwegen gefahren bin.

Mosvik

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Nach einer zweitägigen Anreise bin ich in Norwegen angekommen. Da meine Gastgeber noch gar nicht da waren, habe ich mein Zelt aufgebaut und bin noch einmal an die Küste gefahren. Was für ein schönes Gefühl, mal wieder an der Nordsee zu sein, wo es nicht nur Ebbe und Flut gibt, sondern im Gegensatz zur nördlichen Ostsee auch Muscheln, Meeresschnecken und Seetang.

Am nächsten Tag habe ich eine kleine Runde mit dem Auto gedreht. An einer Bucht habe ich angehalten und fotografiert. Dabei musste ich feststellen, dass diese Bucht nicht sandig war, sondern sehr, sehr schlickig. Gut, wenn man nicht nur sich, sondern auch die Kamera wasserdicht eingepackt hat und vor allem auch weiß, wie man aus dem Zeugs wieder herauskommt.

An dieser Stelle – weiter oben, an der Straße – habe ich übrigens auch die Walderdbeeren gefunden.

Weiter ging der Weg per Auto zum Ende des Verrasundets, wo Sonne und Regenschauer sich abwechselten. Aber ich will mich nicht beschweren, denn zum Reisebeginn sagte der norwegische Wetterdienst yr sieben Tage Dauerregen vorher.

In der Nacht kamen Astrid, Hein und ihre Kids wieder und am nächsten Morgen sind wir gleich in den Wald gegangen. Denn wenn man mit Astrid und Hein unterwegs ist, dann immer auch, um Pfifferlinge, Blau- oder Moltebeeren zu pflücken oder Fische zu fangen. Am Abend haben wir aber nichts von den Funden gegessen, sondern Walfleisch gegrillt. Der Geschmack ist schwer zu beschreiben, aber man schmeckt, dass es sich um ein Säugetier handelt.

Norwegen ist eines der Länder, in denen Wal gefangen und verkauft wird. Die Quote liegt bei etwa 1000 Tieren pro Jahr, wird allerdings nie ausgeschöpft. Da der Bestand des Zwergwales sich in den letzten Jahren vermehrt hat und der Zwergwal im Gegensatz zu seinen Verwandten nicht bedroht ist, habe ich ehrlich gesagt ein besseres Gefühl, Wal zu essen als Schwein oder Huhn im Restaurant, welches vor seinem Tod vermutlich kein artgerechtes Leben führen durfte.

Die folgenden Tage waren ein schönes Gemisch aus Spielen mit den Kindern (und sie auseinander pflücken, wenn sie wieder das gleiche Spielzeug haben wollen), Beeren im Wald sammeln, mit Hein herumfahren, um französischen Käse vom katholischen Kloster(!) und Kartoffeln vom Bauern zu kaufen, sehr gut zu essen (von Elch mit Pfifferlingsoße bis hin zu Moltebeereneis) und abends zusammensitzen, bis ich irgendwann müde ins Bett fiel. Den Elch, der auf der Wiese hinter dem Haus graste, musste ich natürlich noch fotografieren. Schade, dass es schon so dunkel war und der Elch so scheu.

Viel zu früh musste ich wieder zurückfahren, aber am Montag geht die Arbeit wieder los und ich hatte ja auch wieder einiges an Strecke vor mir. Ich gehöre halt nicht zu den Typen, die gerne sieben-, achthundert Kilometer am Stück fahren und ein bisschen was auf der Fahrt sehen wollte ich ja auch.

Danke, Hein, Astrid, Fridtjof und Fredrik für Eure Gastfreundschaft. Jetzt seid Ihr wieder dran mit kommen ;-)

Rückreise nach Schweden

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Nach einem guten Frühstück auf der Terrasse habe ich mich von meinen Freunden in Norwegen verabschiedet und bin mit dem Auto zurück nach Hause gefahren. Schön in Ruhe und mit Pausen, man will ja auch was sehen.

Die erste Pause habe ich südlich des Sees Snåsavatnet gemacht. Dort in Bøla gibt es eine alte Felszeichnung eines lebensgroßen Rens zu bewundern. Das Alter wird auf sechstausend Jahre geschätzt.

Noch in Norwegen lagen oft Schafe auf der Straße, sie dösten auf dem warmen Asphalt und öffneten noch nicht einmal die Augen. Der Rotfuchs, der später auf der Fahrt einen Rastplatz nach Essbaren durchsucht hat, war wachsamer, ließ sich aber doch noch gerne aus dem Auto heraus fotografieren.

Dann bin ich die Straße südlich des Sees weitergefahren, bis ich auf der E6 war, die ich aber schnell verlassen habe, um auf der E74 nach Gäddede in Schweden zu fahren. Dort bin ich in den nach Norden führenden Vildmarksvägen abgebogen. Am Anfang führte die Straße noch an Seen vorbei durch kleine Ortschaften, dann wieder durch Wald, doch die Straße wand sich immer höher und die ersten schneebedeckten Gipfel, die man schon seit Norwegen sehen konnte, kamen näher und näher. Bald lichtete sich auch der Birkenwald und ich fuhr durch das Kahlfjäll über der Baumgrenze. Am und zu lugte die Sonne durch die aufgezogenen Wolken und beschien einen Teich oder ein Schneefeld. Ich beschloss, mir bald einen Zeltplatz zu suchen.

Ich bin sehr empfänglich für diese etwas kargen Landschaften und habe bald einen schönen Parkplatz im Nirgendwo gefunden und beschloss, dort mein Zelt aufzubauen. Schon beim Kochen – ich hatte noch Dorsch mit Basmatireis und Hummersoße von Astrid und Hein vom Vortag – umschwärmte mich eine Wolke von Mücken und ich habe die Kapuze festgeschnürt, um den kleinen Blutsaugern möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Gegessen habe ich dann im Gehen …

Wie gut, dass so ein Innenzelt mückendicht ist (nur einige Knott haben sich anscheinend durchmogeln können), denn schon beim Zeltaufbau schauten mir sämtliche Mücken der Umgebung zu. Pünktlich nachdem ich im Zelt zum Schlafen verschwunden war, fing es an zu regnen, mal leicht und mal heftig und so manche Mücke suchte mein Zelt als warmes und trockenes Plätzchen mit Chance auf ein Frühstück auf. Als ich morgens das Zelt verließ, war das Außenzelt voll: Schätzungsweise achthundert Mücken saßen trocken und lauschig unter dem Außenzelt und warteten auf mich.

Ich habe aber mein Zelt nicht sofort verpackt, sondern erst eine kleine Runde gedreht und den Raavre (932 m) bestiegen. Doch darüber schreibe ich später.

Erst habe ich mein nasses Zelt nur so ins Auto schmeißen wollen, aber der Gedanke an viele hundert Mücken, die im Auto herumschwirren haben mich meinen Plan ändern lassen und ich habe das Zelt in seine Tasche gestopft und diese – glaubt mir! – sehr, sehr gut verschlossen. Dann ging die Fahrt weiter. Ich wusste noch nicht genau, wie ich weiterfahren sollte, da ich nicht wusste, ob mein Benzin für den direkten Weg nach Storuman reichen würde oder ich nach Vilhelmina fahren müsste. Eine kleine Tankstelle in Saxnäs hat mich dann aber gerettet. Auf Schleichwegen habe ich mich über Stensele bei Storuman über die Käffer in Richtung Heimat bewegt.

Es gab allerdings noch zwei Hindernisse auf dem Weg nach Hause, die waren allerdings willkommen: Zwei kleine Rentierherden. Während die erste noch die Straße überquerte, stand die andere nur da und ließ Autos nur widerwillig durch. Kein Problem für mich, schnell das Tele draufgesetzt und Rentiere fotografiert. Ist ja schön, wenn diese schönen Tiere mal nicht gleich in den Wald flüchten.


Hier noch ein Video, welches ich vom Auto aus gemacht habe. Schade, dass ich vergessen habe, den Blinker auszumachen und sofort die Fenster zu öffnen, damit man die Geräusche, die die Rentiere machen, besser hören kann.


Bald war ich wieder in bekanntem Gelände: Die 370 führt fast an Kusfors vorbei, wo ich gute Freunde habe. Ich wollte aber nur noch nach Hause und die letzte Stunde hinter mich bringen. Um vier war ich zu Hause – todmüde, aber sehr zufrieden. Die Reise nach Norwegen war toll, aber wieder zu Hause in Skelleftehamn zu sein, war auch schön.

Norwegen, ich komme gerne wieder!

Die Route: Mosvik – Steinkjer – Snåase – Sandvika – Gäddede (Schweden) – Stekenjokk – Saxnäs – Skarvsjöby – Stensele – Gunnarn – Norrbyberg – Kristineberg – Bjurträsk – Boliden – Skellefteå – Skelleftehamn. Hin und zurück: 1663,3 km.

Auf dem Kahlfjäll

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Wo war ich – ach ja, auf der Rückreise nach Schweden. Nach einer Zeltnacht mitten im Kahlfjäll (aber an der Straße) habe ich noch den Raavre (932m) bestiegen. Leider hingen die Wolken so tief, dass man zwischendurch nicht viel gesehen hat. Aber dafür war es so windig, dass mich die vielen Mücken in Ruhe gelassen haben. Lieber Mütze als Mücke!

Wunderschön ist es auf dem Fjäll und während Nebel in der Stadt eher nervt, verleiht er hier der Landschaft etwas Geheimnisvolles. Mal blickt man nur in ein weißgraues Nichts, dann geben die tiefen Wolken plötzlich den Blick frei. Auf eine Bergkuppe, eine Wiese, einen Bach oder ein vom späten Winter übrig gebliebenes Schneefeld. Dann plötzlich hat man weite Sicht auf die karge Berglandschaft, ehe die nächsten Wolken durch das Tal heranziehen. Doch seht selbst.


Liebes Fjäll, wenn ich das nächste Mal zurückkomme, dann mit mehr Zeit. Versprochen! Du bist einfach zu schön, als dass man nur zwei Stunden durch Dich durchwandert. Doch jede Reise hat ein Ende und so auch meine Norwegentour. Morgen sitze ich wieder im Büro und arbeite. Und es gibt viel zu tun. Aber in drei, vier Wochen habe ich noch einmal eine Woche frei und dann geht es wieder nach Solberget in Lappland.

Kurz mal nach Bureå

Nach einem Regensamstag klarte der Himmel heute am Sonntag wieder auf und nur einige weiße Wattewolken schwebten über den blauen Himmel. Das allerdings mit Tempo, denn es war ganz schön windig und gleichzeitig im Gegensatz zum heißen Deutschland (Saarbrücken: 38.5 °C!) mit knapp 15 °C erfrischend kühl.

Heute Nachmittag habe ich mich kurz noch mal ins Auto gesetzt und bin in das nahe Bureå gefahren. Schon als ich die Fahrertür aufgemacht habe, konnte ich die Meeresbrandung hören. Und wenig später konnte ich auch sehen, wie der frische Wind die Wellen in die flache Sandbucht drückte, wo sie dann ruhig ausliefen. Außer zwei Surfern, die gerade ihr Equipment auf das Autodach verluden, war der öffentliche Strand menschenleer.

Der Strand ist eigentlich ganz schön, aber vermutlich so flach, dass man ewig laufen muss, bis man mal in schwimmtiefes Wasser kommt. Deswegen habe ich die Badehose im Auto gelassen und bin um die Bucht herum nach Landskär gefahren. Dort bin ich schon einmal Anfang Mai mit meinem Bruder gelaufen und ich musste wieder feststellen, dass das hügelige Gelände dort seinen Reiz hat. Ich mag sowohl diese Felder mit seinen flechtenbewachsenen runden Steinen als auch die vom Gletscher abgeschmirgelten Felsen.

Ich habe mir fest vorgenommen, noch einmal hierher zu kommen, am liebsten in der Dämmerung. Heute hatte ich aber noch etwas anderes vor, was mal so gar nicht mit Schweden, Natur und meinen sonstigen Passionen zu tun hat: In Skelleftehamn lief der Film „Madagaskar 3“ und den wollte ich mir gerne anschauen. Obwohl – das hatte doch etwas mit Schweden zu tun: Während selbst Filme für Jugendliche grundsätzlich im O-Ton mit schwedischen Untertiteln gezeigt werden, wurde dieser an Kinder gerichtete Film synchronisiert. Ich hatte böse Mühe, das Schwedisch zu verstehen, denn natürlich haben alle Tiere irgendwelche besonders überzeichneten Stimmen, die mich vor unerwartete Probleme stellten. Bei den ersten drei Sätzen dachte ich noch, der Film wäre auf Französisch!

Rosen

Die Rosen in meinem Garten haben wirkliches Glück, dass sie so selbständig sind. Sie haben mich mit dem Hauskauf als neuen Gärtner bekommen und ich kümmere mich wirklich nicht um sie. (Immerhin hat mir meine Mutter letztes Jahr gezeigt, wie man Rosen beschneidet.)

Heute morgen schwankte so manche Blüte wie ein begossener Pudel am Stengel, denn es hat fast die ganze Nacht geregnet. In ein paar Tagen werden diese Blütenblätter wohl abgefallen sein. Aber es gibt noch viele Knospen, dass ich wohl auch noch im September etwas von meinen tapferen Rosen haben werde.

Nasser geht’s nicht

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Solberget/Narvik 2012.

Regen. Pladderregen. kalter, fieser Pladderregen. So empfing uns der Montag, zwei Tage nach dem Fest auf Solberget. Doch ich hatte schon eine Tour im Hinterkopf. Angefangen hatte die Idee mit Sandras Hinweis, auf der topografischen Karte sei ein Pfad über das Moor eingezeichnet. Moor finde ich immer spannend, und die Aussicht, auch im Sommer zum Hof Tiurevaara zu laufen, zu dem ich im Winter 2006 mal mit Skiern unterwegs war, verlockte mich. Und der Regen – nun, nass wird’s im Moor wahrscheinlich ohnehin.

Bald waren ich, Kamera und Handy wasserdicht verpackt und ich bin losgelaufen. Anfangs führte ein klar erkennbarer Weg durch den Wald. Der erste Graben ließ sich mit einem großen Schritt überqueren und mit ein bisschen Handynavigation habe ich nach knapp zwei Kilometern die Stelle gefunden, wo der Weg ins Moor führen soll. Zuerst sah ich nur eines der roten Holzkreuze, mit denen in Schweden typischerweise die Winterwege markiert sind. Dann dann sah ich einige vermoderte Bohlen, die geradeaus ins Moor führten. Der Weg schien irgendwo im Nichts zu enden. Na gut – dann mal los, umkehren kann ich immer noch.

Ich habe nur Handyfotos durch die wasserdichte Hülle geschossen, die große Kamera wäre mir wahrscheinlich bei diesem Regen abgesoffen.

Bei der Überquerung des Baches auf dem unter der Wasser liegenden Bohle war Balancieren angesagt, denn wie tief das Wasser war, ließ sich nicht erkennen und auch die Wathose, die ich anhatte geht „nur“ bis zur Brust. Aber hier kam ich noch bequem rüber. Danach glich die Wanderung mehr einem Suchspiel. Wo ist die nächste Bohle? Teile waren unter Wasser, auf manchen wuchs schon Sumpfgras und Sonnentau und manche lagen einen halben Meter daneben. Bei manchem Fehltritt oder Ausrutscher landete ich tief im Matsch, wie praktisch, dass immer eine Bohle in der Nähe ist, obwohl auch sonst das Freikommen leichter ist als oft hin angenommen.

Auch im Wald lag der Pfad manchmal unter Wasser und die Markierungen wurden immer spärlicher, bis der Weg zum Schluss im Nichts verschwand. Aber im Wald ist das ja nicht so wild. Mit dem iPhone ist es sehr bequem zu navigieren, wenn man Netz hat und so waren auch die zweite und dritte Sumpfstelle schnell gefunden. Dort lagen keine Bohlen, aber der Boden war trittfest. Und das Schöne: Ich konnte mich auf dem ganzen Weg an Blau- und Moltebeeren sattessen.

Nach etwa sechs Kilometer waten, wandern und Wege suchen habe ich den Hof Tiurevaara gefunden. Während das Haupthaus noch in Gebrauch ist und sogar über ein Thermometer verfügt (5 °C – brrr!), ist manches Nebengebäude völlig verfallen und die Natur erobert sich das Gelände wieder zurück. Unter dem Vordach habe ich eine Pause gemacht und ein bisschen Schokolade gegessen. Während das Handy trocken geblieben ist, war ich selbst am ganzen Körper klatschnass. Deswegen habe ich mich bald auf den Rückweg gemacht.

Auf dem Rückweg musste ich mehr mit Kompass und (nasser) Karte navigieren, da der Ladezustand meines iPhones schon nach drei Stunden von 98% auf „Ich schalte mich jetzt aus“ abgesunken war. GPS + Internet (Kartendarstellung) + Fotografieren ist für so ein Schönwettersmartphone einfach zu viel. Aber egal, man kommt auch ohne nach Hause. (Und zugegeben, ein „normales“ GPS hatte ich auch noch mit dabei.)

Für ein letztes Foto ließ sich das Handy sogar noch einmal wieder anschalten: Diese schöne Kaffeekanne habe ich schon auf dem Hinweg bewundert und jetzt signalisierte sie mir, dass Solberget nicht mehr weit ist.

In der gemütlichen Holzfällerhütte habe ich mich umgezogen, ein Feuer gemacht, alles, was unterwegs mit war, zum Trocknen aufgehängt. Inklusive Karte und Rucksack.

Teilweise mögen Schweiß und Kondenswasser dafür gesorgt haben, dass ich so klatschnass war. Teilweise lief mir das Wasser aber auch einfach am Kinn unter die Jacke oder in die Jackenärmel, wenn der Unterarm mal eine zehntel Sekunde nach oben oder in Richtung Wind zeigte. (Auch supertoll-konstruierte Outdoorjacken haben ihre Grenzen.) Die Wathose hätte ich mir also echt sparen können, zumal ich mir bei der Wanderung auch das Knie etwas aufgescheuert habe. Einen Vorteil hatte das „Overdressing“ aber: Die meisten Sachen blieben sauber.

Besuch in Narvik – Teil 1

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Solberget/Narvik 2012.

Nach dem schönen Jubiläumsfest in Solberget habe ich mich nach Nattavaara zum Bahnhof bringen lassen und bin mit dem Zug nach Narvik gefahren, wo ich Elisabet, eine Freundin besuchen wollte.

Die vierstündige Bahnfahrt ist wirklich sehenswert: Man fährt erst durch Wald und Moor, dann hat man immer mehr Blick auf die Bergwelt und auf den Torneträsk, den siebtgrößten See Schwedens. In Abisko steigen die meisten rucksackbepackten und gutbestiefelten Reisenden aus, denn hier beginnt neben einigen anderen Wegen auch der Kungsleden, der wohl bekannteste Wanderweg Skandinaviens. Einige kleine Bahnhöfe weiter hält man in „Riksgränsen“, der Landesgrenze. Und dann ist man auch schon in Norwegen und hat bald Blick auf den ersten Fjord.

Kurz gesagt finde ich, dass Narvik eine der hässlichsten norwegischen Städte ist, die ich kenne, mit einer der schönsten Umgebungen, die ich kenne. Was für ein Kontrast! Wenn man klug ist, lässt man bei den Norwegern allerdings nichts über die Hässlichkeit Narviks verlauten, schließlich war es die deutsche Wehrmacht, die 1940 fast die ganze Stadt zerstört hat. Aber wenn man nur ein bisschen das Zentrum verlässt oder das Abendlicht die Stadt illuminiert, gefällt mir auch Narvik wieder ganz gut.

Auf den Reinnes

Elisabet hat sich zwei Tage freigenommen und so konnten wir zwei schöne gemeinsame Touren unternehmen. Am Donnerstag führte uns der Weg auf das Reinnesfjellet bei Elvegård. Der Weg dauerte länger als ich vermutet hatte, aber das ist kein Wunder, denn die Wege in Norwegens Norden führen selten geradeaus, sondern winden sich durch die von tiefen Fjorden und hohen Bergen geformten Landschaft. (Über die Verkehrsschilder „Kurvenreiche Strecke“ musste ich lachen, da reicht eigentlich ein Schild für ganz Nordnorwegen.)

Ganz auf den Gipfel haben wir es nicht geschafft, zum einen war das Gelände recht steil und nur eine große Steinfläche, zum anderen war es sehr stürmisch. Aber weiter unten war es ohnehin leichter, eine windgeschützte Stelle für unsere Mittagspause zu finden. Und die Aussicht war dort auch grandios. Bloß um den Gletscher Frostisen zu sehen, mussten wir aufstehen.

Auf dem Rückweg sind wir noch einige Kieswege gefahren. Es gibt wohl kaum ein Tal dort, wo nicht irgendwo ein kleines Wasserkraftwerk ist. Und zu Wasserkraftwerken gehören Stromleitungen und ein Kiesweg dorthin. Manche Wege führen viele Kilometer durch die karge Berglandschaft, einige davon bis nach Schweden.

Nach Harstad

Für den nächsten Tag war in Narvik Dauerregen vorhergesagt. Genau wie für Tromsø, für Abisko, für Bodø. Elisabet mutmaßte, dass weiter westlich in Richtung Atlantik das Wetter besser sein könnte. Als Ziel haben wir uns die Stadt Harstad auf der Insel Hinnøya ausgesucht. Und tatsächlich, auf der Autofahrt hörte der Regen auf und irgendwann kam sogar die Sonne heraus.

Ich finde, dass Harstad das ziemliche Gegenteil von Narvik ist. Hier habe ich mich sofort wohlgefühlt. Der Blick auf den Hafen, die Fußgängerzone mit verschiedenen Geschäften und das ganze Flair haben mir gut gefallen. Und – kann eine Stadt mit eigenem Kajakgeschäft schlecht sein?

Nach einem Mittagessen (Chili con Carne für 99 Kronen, also 13,50 Euro fand ich überraschend günstig für Norwegen) sind wir in den Nordwesten der Insel weitergefahren, um eine kleine Wandertour auf den Keipen zu machen. Es war nicht einfach, nach der Beschreibung in der Werbebroschüre den Weg dorthin zu finden, da diese es mit links—rechts oder erster See—dritter See nicht ganz so genau nahm. Aber wir hatten Glück (und GPS) und haben den Weganfang gefunden.

Über ein kleines Moor führte ein Weg erst durch einen Birkenhain, dann über das baumlose Fjell an einem See vorbei auf den überraschend nahen Gipfel, der dort steil in den Kasfjorden abfällt. So hat man dort wunderschöne Blicke über Fjell und Fjord.

Der Rückweg nach Narvik hat lange gedauert, auch weil ich uns durch Nebenstrecken gelotst habe. (Wunderschön!) Außerdem habe ich eine kleine Muschelsammelpause an einer großen Sandbucht gemacht. Ein Paradies für Sammler: 10 Zentimeter große Island- und Kammmuscheln liegen dort zuhauf herum. Dort hätte ich Stunden zubringen können. Gegen halb elf waren wir wieder in Narvik. Und im Regen.

Besuch in Narvik – Teil 2

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Solberget/Narvik 2012.

Heute am Samstag musste Elisabet, mit der ich die letzten zwei Tage schöne Touren in Narviks Umgebung unternommen hab, arbeiten und so habe ich mich bei sonnigem Wetter alleine auf den Weg gemacht.

Zuerst war ich an zwei benachbarten Buchten, die sich gut zu Fuß erreichen ließen. Die erste Bucht Taraldsvika war steinig und extrem schlickig, hatte aber ihre Reize mit dem kleinen Flüsschen Taraldsvikelva, dass dort in den Fjord mündet.

Die zweite Bucht war das genaue Gegenteil. Hier gab es Sandstrand und sogar einen Sprungturm, der allerdings gefühlt 50 Meter hoch war. Im flachen Wasser tummelten sich Einsiedlerkrebse und man musste aufpassen, dass man nicht auf einen der Seeigel trat.

Ich habe dann in der Wohnung gefrühstückt und die Gummi- gegen die Wanderstiefel gewechselt, da ich mit der Seilbahn auf den Fagernestoppen, den „Hausberg“ Narviks fahren wollte. Dort war aber schon eine halbe Stunde vor der ersten Fahrt so viel los, dass ich die Lust aufs Warten verloren habe und stattdessen lieber selbst gewandert bin, allerdings in Richtung Rombakstøtta, einen imposanten Gipfel, der sich schroff von seinen Nachbarn abhebt. Das war eine gute Wahl, auch wenn ich nicht sehr weit gekommen bin. Am Forsnesvatnet, einem Gebirgssee habe ich Pause gemacht. Nach kurzer Rast bin ich wieder abgestiegen. Wenn ich das nächste Mal dort sein sollte, laufe ich aber weiter.

Auf dem Rückweg hatte ich noch eine Begegnung der dritten Art: Eine große Spinne, von einer anderen Familie auf dem Weg gefunden. Sie war zwar etwas unwillig, sich fotografieren lassen, aber zwei Schnappschüsse zeige ich doch. (Kaum eine Wandertour, bei der ich ohne dreckige Hosen nach Hause komme.)


Am nächsten Tag haben Elisabet und ich die Fahrt auf den Hausberg nachgeholt. Das war zwar ein etwas eiliges Unterfangen, da die erste Seilbahn um zwölf geht und um halb drei schon mein Zug fuhr, doch es hat alles gut geklappt. Erst fährt man mit der Seilbahn auf die Bergstation. Dort ist auch ein Restaurant. Nach kurzem Weg führt ein Sessellift fast bis auf den ersten Gipfel, wo wir in einer windgeschützten Mulde allen Proviant aufgegessen haben. Und die Aussicht auf Stadt, Fjell, Berge, Gletscher und Wälder bewundert. Wahrscheinlich ist es völlig egal, wohin man mit der Kamera zielt, es sieht überall schön aus. Oder man trifft einen Strommasten. Viel zu früh mussten wir aufbrechen und wieder mit Sessellift und Seilbahn hinabfahren.

Dann ging alles ganz schnell. Elisabet hat mich zum Bahnhof gebracht und ist direkt zur Arbeit weitergefahren. Eine Viertelstunde später setzte sich der Zug in Bewegung und brachte mich in achteinhalb langen Stunden nach Bastuträsk, wo ich müde, aber sehr zufrieden über meine Reise mich ins Auto gesetzt habe und nach Hause gefahren bin.

Liebe Elisabet, danke für Deine Gastfreundschaft und die schöne gemeinsame Zeit.

Am Fluss entlang

Drei Mal war ich diese Woche in Kusfors, 7 Meilen¹ landeinwärts. Am Mittwoch habe ich mit Lasse die neue Website für unser Team Dark and Cold (ehemals „Mörkrets och Kylans Glada Vänner“) geplant. Am Samstag war die Einweihungsparty von FlarkenAdventure: ein Paar aus Frankreich ist mitsamt 46 Schlittenhunden nach Kusfors gezogen, um dort Hundeschlittentouren anzubieten. Am Samstag war ich dann bei dem 30. Geburtstag eines Bekannten. Mir wurde empfohlen, doch gleich nach Kusfors zu ziehen, so oft, wie ich da sei. Meinen Gegenvorschlag, gesamt Kusfors solle einfach nach Skelleftehamn ziehen, so viele seien das ja nicht, wurde allerdings ignoriert. Komisch eigentlich.


Gestern bin ich über kleinere Nebenstrecken nach Kusfors gefahren. Dabei habe ich vor allem gelernt, wie viele Kraftwerke es im Skellefteälven gibt. An jeder zweiten Kreuzung steht ein Wegweiser „Kraftstation“ und wenn man sich das Ganze auf der Karte anschaut, dann sieht man, wie stark der Mensch in den Flusslauf eingegriffen hat, ihn gestaut hat, ihn kanalisiert hat, um Strom zu gewinnen.

Länger stehengeblieben bin ich bei der Kvistforsens kraftstation, um den Lachsen² zuzusehen. Sie schnellen aus dem Wasser und springen dabei ein Vielfaches ihrer Körperlänge, um den Wasserfall an der Seite der Staustufe zu überwinden. Manche schwimmen sogar den Wasserfall hoch, ich kann aber nicht erkennen, ob sie es schaffen, da ich viel zu weit weg stehe. Das 300-er Tele zeigt zumindest einen kleinen Eindruck dieser Höchstleistungen.

Weiter stromaufwärts ist der Fluss geteilt, ein vermutlich ursprünglicher Teil, der wenig Wasser führt und ein Kanal, der das Kraftwerk speist.

An vielen der Staustufen stehen Warnschilder, die vor gefährlichen Strömungen und schwachem Eis warnen. Der Designer des Schildes hat gute Arbeit geleistet: Was für eine gruselige Vorstellung, vor einer Staustufe unter Wasser gezogen zu werden!

Die Birken zeigen ihre herbstlichen Blätter. Da es in der vorigen Nacht recht windig war, sehen einige Birken auch schon recht kahl aus. Dagegen ist es in Skelleftehamn noch richtig grün.

Heute auf dem Rückweg habe ich angehalten und die eine Insel im Gillervattnet fotografiert. Auf dem dritten Foto im Artikel Drei Zwischenstopps könnt Ihr sehen, wie es dort im Winter aussieht. Das Gillervattnet ist allerdings kein normaler See, sondern ein großer Absetzteich der nahen Grube. Wenn man das Gelände dort betritt und in die Gegenrichtung fotografiert, dann sieht man nur Sand- und Schlammflächen. Welch Kontrast.

¹ eine schwedische Meile sind genau 10 Kilometer.
² Ich hoffe, es sind Lachse. Mit Fischen kenn ich mich nicht aus.

Blåbär

Als ich letzte Woche im Wald nach Blaubeeren geschaut habe, dachte ich schon, ich sei zu spät gekommen. Bis auf ein paar vertrocknete und sauer schmeckende Schrumpelbeeren war keine Blaubeere mehr zu finden. So viel können die anderen gar nicht gepflückt haben, die Saison war wohl einfach zu Ende. Da hat sich die Faulheit in mir ein bisschen gefreut.

Letzte Woche habe ich aber festgestellt, dass auf dem Südhang eines bewaldeten Hügels noch einige Blaubeeren wuchsen. Also bin ich heute sammeln gegangen und mein Gefrierschrank ist um ein knappes Kilo Blaubeeren reicher.

Natürlich habe ich einen gewissen Hintergedanken beim Sammeln gehabt: Zu Silvester kommen kochbegeisterte Freunde und die können auch so tolle Dinge wie Blaubeer-Crumble. Oder Blaubeer-Muffins. Oder Blaubeereis. Manchmal wird eben meine Faulheit von meiner Verfressenheit besiegt.

Farbbad

Wikipedia bringt das Wort „Farbbad“ mit Batik und Pelzreinigung in Verbindung. Für mich hingegen ist Farbbad so ein Herbsttag wie heute.

Nach mehreren trüben und warmen Tagen, an denen aus einer öden Hochnebeldecke Nieselregen schwebte, klarte es heute vormittag auf. Da ich heute zu Hause gearbeitet habe, bin ich wie meistens zum Mittagessen zu „Din Fest“ gelaufen. Mit dem Weg habe ich mir aber Zeit gelassen, denn der blaue Himmel, die warmgelben Birken und das tiefblaue Wasser waren einfach wunderbar und ich spürte, wie sich mein ganzer Körper mit Licht und Farbe auftankt. Und das kann er für den langen Winter auch gut brauchen.

Wie gut, dass ich gestern Abend vorgearbeitet habe und heute sehr früh begonnen. So hatte ich kein schlechtes Gewissen, den Nachmittag frei zu nehmen und ein bisschen in der Natur unterwegs zu sein. Ich bin zum Bureberget gefahren und wollte noch einmal den Weg nehmen, den ich im Mai mit meinem Bruder gelaufen bin und der damals völlig überflutet war. Ich dachte, dass ich jetzt einen schön trockenen Weg vor mir habe, aber Pustekuchen! Das Wasser schien fast noch tiefer zu sein. Ich bin dann durch den dichten Wald nordwärts abgebogen. Bald lichtete sich der Wald, denn hier gibt es große, blanke Granitfelsflächen, die immer wieder von kleinen Waldstücken unterbrochen werden.

Immer wieder öffnete sich der Blick nach Norden auf die drei Windräder beim Städtchen Bureå, auf Skelleftehamn, die Ostsee mit ihren Inseln und auf Wald, Wald, Wald. Im Westen konnte man weit am Horizont die ersten flacheren Berge erahnen.

Nach einiger Zeit hatte ich mich an der Ferne sattgesehen und habe mich der Nähe zugewendet. Auch hier – Farben. Vor allem das tiefe Glutrot einiger Heidelbeersträucher ist fast nicht zu glauben. Das letzte Foto ist fast ein Zufallstreffer. Ich habe das Motiv gesehen, die Kamera direkt auf den Fels gestellt und Knips gemacht. Das Motiv war nur halb drauf also noch einmal Knips! Und das war das Foto.

Weniger Glück hatte ich bei dem Birkhuhn; da war ich viel zu langsam mit dem Fotografieren.

Und sonst:+++ Letzte Woche hatte ich Besuch von deutschen Internetbekannten, die aber in ihrem großen Wohnwagen geschlafen haben +++ Ich arbeite an einer neuen Webseite für „Dark & Cold“, unseren Verein, der unter anderem die Winterschwimmmeisterschaft in Skellefteå ausrichtet +++ Am Sonntag hat ein Freund bei mir übernachtet, der von Kiruna nach Hamburg unterwegs war +++ Ich organisiere meine Zeit in Deutschland, dort spiele ich zwischen dem 25.10. und dem 10.11. acht Jazzkonzerte, doch dazu später mehr.

Vom Herbst in den Winter

Heute war ich mal wieder in Kusfors, um dort zusammen mit Lasse an der neuen Website unseres Vereines „Dark & Cold“ zu arbeiten. Als ich ins Auto stieg, war es wie meist die letzten Wochen: Fünf Grad und graue Wolken.

Als ich Skellefteå hinter mir gelassen habe, konnte man sehr schön erkennen, dass der Herbst nun fortgeschritten ist. Prägten vor anderthalb Wochen noch das leuchtend bunte Laub die Landschaft, so sind jetzt viele Laubbäume schon kahl oder tragen braun-welke Blätter.

Am Varuträsket konnte man sehr schön sehen, wie viel es in letzter Zeit geregnet hat: Die Uferregionen waren landunter und die Birken standen im halbmeterhohen Wasser.

Nachdem ich mich nassgeregnet, wie ich war, wieder ins Auto gesetzt habe und weitergefahren bin, fuhr ich langsam von einer Jahreszeit in die andere: Dass die rot-weißen Wintermarkierungen wieder gesteckt waren, war mir schon vorher aufgefallen. Nun sah ich aber auch, dass die Außentemperatur mit jeder Meile landeinwärts sank und bald nur noch bei 2 °C lag. Ein Auto mit einem Hundeschlitten auf dem Dach kam mir entgegen. Ein anderes Auto verlor eine Ladung Schnee vom Dach, als es mir entgegen kam. In den Regen mischten sich dicke nasse Flocken, die auf die Windschutzscheibe klatschten. Und dann schneite es. Und plötzlich war alles hell und weiß. Was 40 Kilometer Abstand zur Ostsee so ausmachen.

Noch bevor ich eine schöne Stelle zum Schnee fotografieren gefunden habe, bin ich an einem kleinen, bewaldeten Moor vorbei gefahren. Und dort standen zwei Elche. Netterweise war keine hundert Meter weiter ein kleiner Parkplatz. Ich habe schnell das Tele auf die Kamera geschraubt und bin am Straßenrand durch den nassen Schnee zurück gelaufen. Die Elche – Mutter und Kind – haben aber, statt sich in den Wald zu verdrücken, die Straße überquert, und so habe ich nach zweieinhalb Jahren Schweden tatsächlich das erste Mal ein Elchfoto machen können, welches nicht nur unscharfe und verrauschte Schemen zeigt. Natürlich hätte das Kind sich gerne noch im Profil zeigen können, aber man kann nicht alles haben.

Nachdem die beiden Elche im Wald verschwunden waren, habe ich die Fahrt fortgesetzt. Bald lag die Temperatur bei 0 °C und es schneite heftig. Mir war ein bisschen mulmig zumute, denn ich war noch mit Sommerreifen unterwegs. Einige leichte Bremstests haben aber gezeigt, dass der Kontakt zum Asphalt dennoch gut war und so bin ich, wenn auch langsamer als sonst weitergefahren.

Ich bin dann auch gut in Kusfors angekommen. Immerhin ist der Boden noch warm genug, dass der Schneematsch nicht festfriert. Weil ich aber Angst hatte, dass es über Nacht kalt genug wird und morgen richtig glatt ist, bin ich heute Abend wieder zurück nach Hause gefahren. Und habe das erste mal erlebt, dass ich 70 statt der erlaubten 90 gefahren bin und die Schweden hinter mir mich nicht überholt haben. Die hatten eben auch nur Sommerreifen. Aber nun ging alles umgekehrt. Zuerst lagen auf der 95 noch einige Zentimeter nasser Schnee, doch dann stieg die Temperatur Grad für Grad und bei drei Grad konnte ich schon wieder normal fahren. Nach nur unwesentlich längerer Fahrt bin ich wieder in Skelleftehamn angekommen. Dort war das Wetter wie meist die letzten Wochen: Fünf Grad und graue Wolken.

Und als ich am Rechner sitze, sehe ich, was ich heute vor genau zwei Jahren in diesem Blog geschrieben habe: „Und der erste Schnee Teil 1 und Teil 2“. Aber da hatte es sogar in Skellefteå geschneit.

Natur und Kunst

Seit gestern haben wir kaltes, aber herrlich sonniges Herbstwetter. Gestern morgen waren es -4.2 °C und heute sind das erste Mal die gefrorenen Pfützen den ganzen Tag nicht aufgetaut, denn hier bei mir hat es das Thermometer gerade mal kurz auf +2.6 °C gebracht, um schon am Nachmittag wieder in den Frostbereich abzusinken. Kaum vorstellbar, dass es in Deutschland heute zwanzig Grad wärmer ist.

Nach einem kurzen Frühstück habe ich meine Kamera geschnappt und bin eine Runde gelaufen. Die Sonne beschien den Raureif, die gefrorenen Pfützen und die letzten bunten Blätter des Herbstes. Auch am Rand des Sees bildeten sich schon die ersten Eisnadeln.

Einige der Bilder, die ich gemacht habe, sind mehr abstrakte Strukturen als Landschaftsfotografien, vor allem das Eis auf den ausgetrockneten Pfützen bildet wunderbare Formen und Strukturen. Ich habe mir bei den nächsten Bildern die Freiheit genommen, die Fotos bewusst zu verfremden und nicht die Wirklichkeit abzulichten.

Während man bei dem zweiten Foto noch klar Holz und Stein erkennen kann, sind die nächsten beiden Fotos schon abstrakt. Eines der beiden ist aber aus einem der oberen Eisfotos entstanden.