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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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kurz noch mal zum Winter …

… und dann schreibe ich auch wieder über andere Dinge.*

Seit fünf Tagen ist kein Schnee mehr herunter gekommen und die knapp 70 cm im Garten sind auf handliche 40 cm zusammengesackt. Im Vorgarten liegt noch etwas mehr, wie ich eben beim Fotografieren meines Hauses feststellen musste. Man konnte Tag für Tag zusehen, wie der Schnee vom Dach mehr und mehr überhängt und heute habe ich doch noch mal ein Bild gemacht, ehe die weiße Pracht herunterfällt.

Nach den Daten, die WetterOnline für den Flughafen Skellefteå bereitstellt, war dieser November sieben Grad kälter als im Vorjahr! Das ist eine große Differenz; zum Vergleich: München und Anchorage, Alaska z. B. unterscheiden sich im November durchschnittlich nur um acht Grad). Mich als Winterfan freut es natürlich, dass wir seit drei Wochen Dauerfrost haben und hoffe, dass das auch so bleibt. Bis Dienstag lagen auch die Tagestemperaturen unter -10 °C, jetzt ist es aber wärmer geworden und die große Kälte ist in Südschweden. Und Ihr, die Ihr in Deutschland und der Schweiz lebt, bekommt von Schnee und Kälte ja auch einiges ab.

Wie ich das schon aus Winterurlauben in Lappland kenne, so ist es auch hier tagsüber nicht notwendigerweise wärmer als nachts. Das scheint völlig unabhängig voneinander zu sein, denn manchmal kehrt sich das Ganze auch um. Ich habe die Temperaturen der letzten Novemberwoche mal aufgezeichnet und man sieht gut, dass manche Höchsttemperaturen nachts erreicht wurden. Das Absolute Minimum in der Woche lag bei -19.1, ich weiß aber nicht genau wann, deswegen taucht es im Diagramm auch nicht auf.

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* wenn nichts dazwischenkommt.

Nachtrag

Ich habe heute ein Thermometer mit Außenfühler im Büro aufgestellt und – ja es ist kälter in Skellefteå als bei mir. So zwei, drei Grad, schätze ich. Minimum seit heute morgen -14.5 °C, aktuell um 11:50 -12.4 °C.

Wo ist Weihnachten?

Heute morgen sonnig, -16 °C. Gestern zwei cm Neuschnee bei ± 10 °C.

Es sind noch drei Wochen bis Weihnachten und während man in Deutschland der allgegenwärtigen Vorweihnachtsstimmung kaum entkommen kann, bekomme ich hier wenig davon mit, dass wir uns mitten in der Adventszeit befinden. Aber halt, ein paar Sachen gibt es doch:

1. Musik

In einigen Läden hört man Weihnachtslieder; bevorzugt amerikanische im Frank-Sinatra-Stil. Schwedische Lieder (und da gibt es viele) habe ich noch nicht gehört.

2. Süßes

Meine Eltern haben mir ein riesiges Paket geschickt. Mit Lebkuchen, Spekulatius, Zimtsternen, Pfeffernüssen und hausgemachten Keksen. Toll! Hier gibt es in den Supermärkten neben den im ganzen Jahr erhältlichen Pfefferkuchen als einziges weihnachtlich angehauchtes Süßes nur „Mäusespeck“ und Fruchtgummis in Form von Jultomte, Schneemann, Baum und Glocke. Die schmecken zwar ganz OK, das war‘s dann aber auch. Und über den Brauch, Schmierkäse aus der Tube auf die Pfefferkuchen zu streichen, schreibe ich hier mal lieber nichts …

3. Licht

Ich weiß nicht, ob es der dunkle Winter oder die Adventszeit mit sich bringt; in vielen Fenstern ist Licht. Als Kerzenpyramide, in Sternform oder Lichterkette (gerne auch mal in blau, rot oder bunt), viele Häuser sind beleuchtet und das gibt eine sehr schöne Atmosphäre, wenn es um drei Uhr nachmittags schon dunkel ist.

Drei Mal Ostsee

Heute morgen -16 Grad, heute Mittag -13 Grad, jetzt um fünf nur noch -3.6 °C

1. Killingörviken

heißt die kleine Bucht gleich bei mir um die Ecke. Vor ein, zwei Wochen war sie noch größtenteils eisfrei, jetzt sitzen die Eisfischer auf der gefrorenen Ostseebucht, während einige hundert Meter hinter ihnen große Schiffe durchs Eis fahren.

2. Näsgrundet

ist eine kleine Halbinsel ganz im Osten. Hier bin ich heute morgen bei klarem Himmel mit dem Fahrrad hin gefahren und habe das schöne Licht bewundert. Ein Foto mit den Schiffen habe ich schon einmal am 25. April gemacht, als noch Eis auf dem Wasser war, jetzt sind die Boote schon wieder von Eis umgeben und lassen die ganze Zeit die Motoren laufen.

3. Storgrundet

ist eine schmale Insel gleich hinter dem kleinen Badestrand. Und heute bin ich das erste Mal die paar hundert Meter über das Meereis hinüber gelaufen. Das fand ich trotz der vielen Skooterspuren ganz schön aufregend und ich habe meine Is-Dubbar dabei gehabt. Auf der Insel: Tief verschneiter Wald und dahinter am Strand der Blick auf weitere Inselchen und schneebedecktes Packeis, welches von der tief stehenden Sonne in orangerosafarbigem Licht angestahlt wird. Wunderschön.

Schnee schieben

skotta snö – Schnee schaufeln oder Schnee schieben, das hört man hier sehr häufig. Und wenn sich, wie jetzt zum zweiten Mal in diesem Winter, ein kleines Schneefallgebiet just über Skelleftehamn vor Anker geht, so ist auch einiges zu tun.

Stufe 1: Die normale Schneeschaufel

Wie in Deutschland hat auch jeder in Schweden eine Schneeschaufel. Ich habe es allerdings noch nicht erlebt, dass die jemand benutzt. Die Eingangsstufe für att skotta snö ist hier:

Stufe 2: Die „Snösläde“

(zu deutsch in etwa Schneeschlitten). Dieses Ding ist schon eine Ecke breiter und auf die große Lade passt auch viel mehr Schnee. Ich durfte einen Nachbarn heute bei der Anwendung fotografieren.

Eine Snösläde benutze ich auch, aber da ich kein Auto habe, habe ich auf dem Grundstück auch nicht so viel zu tun. Viele, die mehr zu räumen haben, gehen deswegen über zu:

Stufe 3: Die Schneefräse

Wenn der Benzinmotor erst angeworfen ist, fräst sie sich buchstäblich durch den Neuschnee und wirft den Schnee im hohen Bogen auf das Grundstück. Der Nachbar war heute damit zu Gange und auch ihn durfte ich fotografieren. Tack!

Allerdings gibt es auch manche, die einfach mehr zu räumen haben oder vielleicht auch nur Spaß daran haben, Fahrzeuge zu besitzen und die gehen über zu:

Stufe 4: das eigene Räumfahrzeug

Das kaufe ich mir dann später …

Der letzte „Herbsttag“

Geht es nach den Astronomen, dann ist heute am 21. Dezember der letzte Herbsttag, denn in der kommenden Nacht um 0:58 ist Wintersonnenwende und damit morgen astronomischer Winteranfang. Ich finde das ein bisschen lustig, denn der erste Schnee ist hier vor knapp zehn Wochen gefallen und die letzten 40 Tage hatten wir pausenlos Dauerfrost und Temperaturen bis -20 °C.

Während in Südschweden über 150 Jahre alte Tiefsttemperaturrekorde gebrochen wurden, ist es hier eher der Schnee, der dieses Jahr früh und viel kam.

Wir haben jetzt wieder eine ähnliche Situation wie vor vier Wochen. Vor fünf Tagen hat es angefangen zu schneien und seitdem sind fast pausenlos Flocken vom Himmel gefallen. Mal mehr, mal weniger; mal mit viel Wind, mal mit weniger. Ich habe ein hochwissenschaftliches Schneehöhenmessystem auf dem Grundstück installiert (Drei Zollstöcke stecken an unterschiedlichen Stellen im Schnee) und heute Abend lag die gemittelte Schneehöhe bei 107 cm (97 cm, 108cm, 116cm). Die 90 cm lange Metallstange, die ich vor dem Zollstockkauf zum Messen benutzt habe, habe ich heute morgen nicht mehr gefunden. Sie steckt noch irgendwo im Vorgarten.

Der Nachbar, der vorhin vorbei kam, kann sich nicht entsinnen, hier jemals soviel Schnee gesehen zu haben. Jetzt schneit es zwar mit mehr Pausen noch weiter, aber heute Abend hat der schwedische Wetterdienst zum ersten Mal seit sechs Tagen keine Wetterwarnung mehr für die Region herausgegeben. Aber wer weiß, was diesen Winter noch alles herunterkommt. Und ich frage mich langsam, wo der ganze Schnee bleiben soll.

Ich als extremer Schneefan versuche aber, meine Begeisterung nicht allzu offensichtlich zur Schau zu stellen¹, denn die meisten Schweden denken bei Schnee hauptsächlich an die zusätzliche Arbeit wie Schneeräumen oder die Probleme im Zug- und Flugverkehr. Ich hingegen sehe hauptsächlich tolle Motive (leider meist im Dunkeln) und viel Schnee für die nächste Ski- oder Schneeschuhtour. Und weiteren Schnee für Tiefsnow stapfing und Power snowangeling.

____
¹ Danke an Sonya für die schöne Formulierung.

Der „erste“ Wintertag

Heute war Wintersonnenwende, und damit der kürzeste Tag des Jahres. Für die Astronomen ist heute Winteranfang. Die Sonne ging um 9:42 auf, stand mittags gerade mal 2.1° über dem Horizont, um dann nach 3¾ Stunden Sonne um 13:27 wieder unterzugehen. Zum Glück ist die Dämmerung bei der flachen Sonnenbahn recht lang und verlängert die hellen Stunden, aber ich freue mich – so sehr ich Schnee und Kälte mag – dass die Tage wieder länger werden. Licht ist einfach etwas Tolles!

Vor einem halben Jahr hat mir Sonya die Idee gegeben, am längsten Tag mitten in der Nacht, wenn die Sonne am tiefsten steht, ein Foto zu machen. Da ich heute an meinem letzten Arbeitstag in diesem Jahr ohnehin nicht arg produktiv war, bin ich kurz vor dem Sonnenhöchststand um 11:35 zum Fluss gelaufen, um jetzt ein Foto am kürzesten Tag zu machen, wenn die Sonne am höchsten steht. Wenn man denn die Sonne sieht …

… aber ich hatte Glück: Nach dem tagelangen Schneefall ist heute die Sonne wieder herausgekommen und hat die Teile der Stadt, die sie erreichen konnte, in warmes Licht getaucht. Das meiste allerdings liegt im Schatten. Passend zu dem klaren Himmel ist die Temperatur in der Stadt von anfangs -17 °C auf -19.5 °C gesunken und jetzt zeigt das Alkoholthermometer -23 °C.

Wenn man einfach nur draußen ist, fühlen sich die Temperaturen gar nicht so kalt an, aber beim Schnee schippen habe ich schon durch die Nase geatmet, weil sich sonst die eiskalte Luft ziemlich unangenehm anfühlt. Ich frage mich, ob der Mann, der auf Dach des Nachbarhauses der Agentur Schnee geräumt hat, das auch so kalt fand, aber er macht das bestimmt öfter und kommt dabei nicht so ins Schwitzen wie ich.

Der Schnee auf meinem Grundstück ist übrigens schon gut 10 cm in sich zusammengesunken, der Meter ist also wieder unterschritten. Die nächsten Tage ist es wohl wieder sonniger und das sieht bestimmt toll aus nach dem vielen Neuschnee. Da morgen mein erster Urlaubstag ist, werde ich mir das mal genauer anschauen. Sonya, die gerade bei mir zu Gast ist, muss leider morgen noch einen Tag arbeiten.

Weihnachten in Båtfors

Den diesjährigen Heiligabend (auf schwedisch Julafton, also Weihnachtsnachmittag) hatten Sonya, die gerade zu Gast ist, und ich Gelegenheit, ein schwedisches Weihnachtsfest mitzuerleben. Annica und Martin hatten uns mit nach Båtfors eingeladen. Das liegt etwa 70 Kilometer landeinwärts direkt am Skellefteälven. Dort war ich schon einmal am 16. Mai und es war interessant, die beiden Aufenthalte zu vergleichen: Auch damals habe ich ein Thermometer fotografiert, aber es zeigte mit +22½ Grad fast fünfzig Grad mehr an. Der Fluss war frei, auch wenn noch Eisschollen auf ihm trieben. Die schöne, über den Fluss hängende Birke hatte noch keine Blätter, jetzt hat sie schon lange keine mehr. Frühling, Sommer und Herbst sind kurz hier in Nordschweden.

Ich war am Morgen des 24. schon früh wach und war kurz draußen, um bei herrlich, frostig-klarem Wetter ein paar Fotos zu machen. Nach einem kleinen Frühstück haben Sonya und ich einen herrlichen Spaziergang gemacht. Die Temperatur lag dabei die ganze Zeit um -25 °C und wir waren über unsere warmen Klamotten sehr froh. Bei der Kälte legt sich nach einiger Zeit Raureif auf Mütze, Pelzkapuze, Haare und Augenlider.

Mittags kamen wir zurück und haben noch von der heißen Risgrynsgröt – der traditionellen Weihnachts­grütze abbekommen. Sie ist vielleicht am ehesten mit Milchreis zu vergleichen. Später am Tag gab es dann das traditionelle Julbold, das schwedische Weihnachtsessen, zu dem eine ganze Reihe Leckereien gehören, unter anderem:

  • inlagd sill (eingelegter Hering)
  • julskinka (Weihnachtsschinken)
  • Janssons frestelse (Kartoffelgratin mit Anchovis)
  • prinskorv (in der Pfanne gebratene, kleine Würstchen)
  • revbensspjäll (Schweinerippchen)
  • köttbullar (die kennt ja jeder …)

Dazu noch Kartoffeln, Lachs, Brot, Salate, Eier mit Krabben, kalten Elchbraten und manches mehr. Wer es ganz traditionell macht, nimmt erst von den kalten Fischgerichten, dann von den kalten Fleischspeisen und zum Schluss von den warmen Gerichten. Wer Hunger hat – und das hatten wir alle – nimmt sich einfach, was er will. So sah der Tisch mit den kalten Gerichten aus (Elch fehlt noch):

Später kam dann der Jultomte, der für die Geschenkevergabe zuständig ist. Auf jedem Geschenk steht etwas wie „God Jul Lasse önskar Anna“ – zu deutsch „Frohe Weihnachten Lasse wünscht Anna“ – als Zeichen, dass Anna Lasse etwas geschenkt hat. Sonya und ich habe unsere gegenseitigen Geschenke falsch herum beschriftet und mussten tauschen. Erst werden alle Geschenke verteilt, dann wünscht Jultomte „God jul!“ – Frohe Weihnachten und verschwindet. Dann erst packen alle gleichzeitig ihre Geschenke aus.

Später am Abend haben sich dann die meisten an den großen Tisch gesetzt, um Julklapp zu spielen. Erst darf sich jeder, der eine Eins oder Sechs würfelt ein Geschenk nehmen. Wenn alle Geschenke verteilt sind, werden sie ausgepackt und vorgestellt. Eine Prima Gelegenheit, Schwedisch zu lernen. Dann wird zwanzig Minuten lang gewürfelt und jeder, der eine Eins oder Sechs würfelt, darf ein Geschenk klauen. Sehr lustig und auch ein bisschen spannend, denn manche Geschenke sind nicht uninteressant und werden kräftig hin- und hergestohlen.

Es war interessant und toll, mit einer schwedischen Großfamilie mit vier Generationen Weihnachten zu verbringen. Vielen Dank noch einmal an Annica und Martin für die nette Einladung in ihren persönlichen Kreis.

Und heute am 26. hier in Skelleftehamn: Ein trüber Tag – kein Schneefall – keine Sonne bei -9 °C. Der Schnee ist auf 80 cm zusammengesackt. Schöne Schneeschuhtour mit kurzer Pause auf der Insel Storgrundet. Mittagpause · Einkaufen · Köttbullar · 3D-Kino · Fotos sortieren, Skypen und Blog schreiben.

Winter gibt es viele

Wie in Deutschland, so ist auch hier das Wetter recht sprunghaft, nur mit dem kleinen Unterschied, dass es durchschnittlich so zehn, zwölf Grad kälter ist. Auch hier ist dieser Winter früh gekommen, kälter und vor allem schneereicher als üblich. Ein kleiner Rückblick auf die erste Woche im neuen Jahr 2011, beginnend mit dem 3. Januar:

Montag

Grauer Himmel, recht windstill. Die Temperatur fällt von -6 auf -10 Grad. Das Wetter ist angenehm für Touren, aber die Landschaft wirkt ein wenig eintönig und farblos.

Dienstag

-13 °C bis -15 °C. Die tief stehende Sonne scheint durch die dünne Wolkenschicht und erinnert an Jupiter.

Mittwoch

Kalt und bedeckt. Schneestaub liegt in der Luft. In Luleå -22 °C bis -25 °C, in Skelleftehamn mit -17 °C bis -23 °C nicht wesentlich wärmer. Das ist schon ganz schön ungemütlich, sowohl vom Wetter als auch von der Optik. Dennoch ein schöner Ausflug.

Donnerstag

Weiterhin trüb, es wird wärmer. Morgens -11 °C, abends nur noch -6 °C und beginnender Schneefall. Ideales Wetter, um es sich zu Hause gemütlich zu machen.

Freitag

Der Himmel ist weiterhin bedeckt. Temperaturen um -4 °C. Starke Schneeschauer. Die eine fünfhundert Meter entfernte Insel war zeitweise nicht mehr auszumachen. Schwarzweißwetter. Manchmal auch nur weiß.

Samstag

Schlechtes Timing: Der erste Tag ohne Gäste und jetzt ist morgens der Himmel blau bei -15 °C. Tieforange geht die Sonne auf und beleuchtet immer größere Teile des kaltblauen Ostseeeises. Vor manchen Inseln leichte Nebelschwaden. Aber schon einige Stunden später zieht es sich wieder zu und das Thermometer steigt. Abends um zehn sind es nur noch -3 °C.

Sonntag

Schneefall bis zum Mittag. Seit Donnerstag Abend schätzungsweise 15 Zentimeter Neuschnee, der zum ersten Mal recht pappig ist. Damit liegen in meinem Garten jetzt etwa 80 cm. Um drei nur noch 0 °C, danach mit + 0.5 °C leichtes Tauwetter und der erste Tag mit Plustemperaturen seit dem 11. November. Hoffentlich wird es bald wieder kälter, dann werden die Ski bestimmt schön gleiten im Wald.

Was in dieser Woche eindeutig fehlte, waren klare und knackig-kalte Wintertage mit blauem Himmel, wie zum Beispiel am Heilig Abend in Båtfors. Aber der Winter dauert noch ein paar Monate an, da wird bestimmt auch wieder besseres Fotowetter kommen.

Ein herrlicher Wintertag

So mag ich das. Am Freitag klart es auf und es wird kälter. Der Samstag präsentiert sich dann in herrlichster Winterlaune: Das Thermometer zeigt -24 °C ¹, es ist windstill und über Skelleftehamn spannt sich ein klarer, blauer Winterhimmel. Um zehn vor neun sind meine üblichen Dinge im Rucksack verstaut und ich breche auf. Im und am Rucksack befinden sich neben Kleinkrams:

  • Mein Fotoapparat. Ersatzakkus sind in der Hosentasche
  • Erste Hilfe und Biwaksack. Zum Nichtbenutzen
  • Tee aus frischem Ingwer und Proviant
  • Ein Fotostativ
  • Meine Isdubbar
  • Heute mal ein GPS zum Weg mittracken
  • Karte und Kompaß. Benutze ich aber fast nie
  • Ersatzhandschuhe und -socken
  • Ein kleines Thermometer
  • Eine warme Daunenjacke (heute nicht gebraucht)

Im Wald sitzt ein Baum voller runder Vögel. Ich könnte ein Foto machen. Aber zum einen habe ich kein Tele dabei, zum anderen zieht es mich auf die Ostsee. Also laufe ich weiter und die Vögel fliegen auf. Bald bin ich schon am Ostseeufer und laufe quer über das Eis zur Insel Klubben, von da aus weiter nach Flottgrundet, ein bisschen weiter nach Gråsidan, dort nach einer kleinen Teepause am gesamten Nordostufer entlang und dann wieder auf dem Rückweg nach Bredskär.

Wie immer begeistert mich das Licht auf der Ostsee und die schneebedeckten Flächen, in die der Wind verschiedene Strukturen und Texturen hinein geblasen hat. Dieses Mal komme ich aber auch in Gebiete, wo die Inseln von bis zu zwei Meter hohen Eisformationen umgeben sind. An manchen Stellen haben sich kleine Tropfsteinhöhlen gebildet. Ich komme mir vor wie einer Ausstellung mit sorgfältig von der Natur geformten Skulpturen. Am Ufer von Gråsidan hat man Blick auf das zusammengefrorene Packeis und später auf weitere Eisformationen. Es erfordert einiges an Disziplin, nicht jede einzelne Skulptur, jeden Eiszapfen und jeden Felsen fotografisch zu kartografieren, sondern sich in der Motivanzahl zu beschränken. Nachdem ich zu Hause aber gerade fast 30 Gigabyte überflüssiger Fotos auf dem Rechner gelöscht habe, gelingt mir das recht gut. Zumal ich weiß, dass mir manche Motive auch nicht wegrennen.

Auf Bredskär passiert es dann! Ich sehe einen anderen Skiläufer! Und ich dachte schon, dass ich der einzige bin, der bei jedem Wetter in der Natur unterwegs ist. Wir sind wohl beide neugierig und steuern aufeinander zu. Ich treffe auf einen Lehrer, der weiter draußen auf der See Blankeis suchen möchte, damit er dort Schlittschuh laufen kann. Nach fünf Minuten Gespräch lädt er mich schon im Sommer zu einer gemeinsamen Kajaktour ein, er hat zwei Seekayaks. Wir laufen dann gemeinsam einen guten Kilometer auf das offene Meer hinaus und man sieht nur Eis, Eis, Eis. Blankes Eis finden wir allerdings nicht und wir kehren um. Ich habe echte Mühe, Schritt zu halten, denn der Lehrer hat eine extrem gute Kondition, ist ziemlich schnell in diesem Gelände und benutzt dabei noch nicht einmal die Stöcke. Wie macht der das?

Bei einer Kaffeeeinlandung in sein Haus wird es mir klarer: Zum einen ist das Haus voller Sportgeräte und Outdoorausrüstung, zum anderen erzählt er von den vielen Touren, die er schon gemacht hat. Ich komme mir ziemlich unsportlich vor, freue mich aber riesig, dass es hier Gleichgesinnte gibt und dass man sie auch trifft. Und vielleicht ergibt sich ja wirklich mal etwas. Ich bin mir nämlich nicht immer so sicher, wie schnell man Einladungen zu einer eventuellen Kajaktour hier in Nordschweden auch annehmen darf.

Zu Hause ziehe ich mir erst einmal trockene Sachen an und hänge den Rest der Kleidung zum Trocknen auf. Heute hatte ich an:

  • Woll-Funktionsunterwäsche von Aklima. Genial! Das Oberteil hat eine Sturmhaube als Kapuze
  • Pullover aus Powerstretch-Fleece. Anfangs zu warm, später war ich froh, ihn anzuhaben
  • Dünne winddichte Mikrofaserjacke mit Kapuze und Fellrand. Hat man die Kapuze auf, vereist sie. Sonst vereisen Haare, Nase und Wimpern
  • Ein Schlauchschal (Buff) vor dem Mund
  • Zweilagige Fingerhandschuhe. Heute gerade noch warm genug. Nächstes Mal Fäustlinge
  • Eine x-beliebige Skihose
  • Warme Socken
  • Zur Skibindung passende Lederstiefel. Die sind leider nicht sehr warm und der schwächste Ausrüstungsgegenstand

Als ich dann um sechs einkaufen wollte, waren draußen immer noch -24 °C. Ich hatte aber eigentlich mehr Lust auf gemütliche Wärme und habe deshalb zum ersten Mal hier meine Canada Goose Daunenhose und den passenden antarktistauglichen Daunenparka dazu getragen. Das ist so, als ob man sein eigenes Heizkraftwerk mit sich herumträgt und man sollte keine großen Strecken laufen, weil es einem sonst zu warm wird. Egal bei welcher Temperatur! Jetzt sitze ich aber wieder schön im Warmen; das hat doch auch was!

¹ Wer meint, das sei kalt: Bei einem Freund, der 50 km landeinwärts wohnt, waren es heute -34 °C. Wem immer noch kalt ist: In der letzten Stunde ist die Temperatur hier um 5 Grad angestiegen. Morgen Nachmittag sollen es nur noch -6 °C sein und es soll 10-20 cm Neuschnee geben. Mal schaun …

Vårvinter

Vårvinter heißt auf deutsch Frühlingswinter. Und obwohl der Frühling noch weit weg ist, hatte der heutige Sonntag schon einen „frühlingswintrigen“ Charakter.

Die Wärme der letzten beiden Tage und der lebhafte Wind, der die letzte Nacht im Schornstein heulte, haben alle Bäume vom Schnee befreit. Da neben einigen kahlen Birken hier hauptsächlich Nadelbäume wachsen, wirkte der Wald lichter und grüner als sonst. Dort konnte ich bei Temperaturen um -5 °C auch ohne Mütze und Handschuhe laufen, bloß auf der Ostsee waren die Sachen doch sehr angenehm, da es doch immer ein bisschen windig ist.

Eigentlich wollte ich heute hinter den Inseln weiter auf das Meer hinauslaufen, aber zum einen war am Horizont ein breiter dunkelblauer Streifen zu sehen – offenes Wasser?, zum anderen war meine linke Wade vom Badmintonspiel am Mittwoch immer noch leicht beleidigt und wollte an einer längeren Tour nicht teilhaben. So bin ich nur ein bisschen um ein paar Inseln gelaufen und habe mich über das Licht und über hohen Eiswände vor den Inseln gefreut. Aber erst zu Hause ist mir beim Betrachten der Fotos bewusst geworden, wie hoch sich das Eis an manchen Stellen so aufgetürmt hat.

Einige Stunden später zu Hause: Was ist das? Ist da jemand im Schnee verschüttet? Muss jemand ausgebuddelt werden? Habe ich es beim Tiefsnow stapfing übertrieben?

Nein, ich kann beruhigen: Ich habe heute das Dach vom Wintergarten so weit es ging vom Schnee befreit. Ich habe mir vom Nachbarn eine Leiter geborgt und sie ringsherum angelehnt. Die ersten beiden Schritte haben nicht mich hoch befördert, sondern die Leiter in den tiefen Schnee gedrückt. Dann konnte ich hochklettern und mit dem Schneeschieber von der Leiter aus den meisten Schnee vom Dach wegräumen. Und das war doch eine Menge. Hm, mal ausrechnen: ca. 3 Meter × ca. 6 Meter × ca. 40 Zentimeter sind ca. 7 Kubikmeter. Bei einer angenommenen Dichte von 200 Kilo pro Kubikmeter sind das also knapp anderthalb Tonnen, von denen jetzt bestimmt eine Tonne um den Wintergarten herum liegt. Kein Wunder, dass ich ins Schwitzen geraten bin und die Jacke irgendwann in den Schnee geworfen habe. Ja, und da hat sie dann doch noch einigen Schnee vom Dach abbekommen. Also: Keiner verschüttet, alles ist gut! Und auch dem Kunststoffdach des Wintergartens tut es bestimmt gut, einen Großteil seiner Last losgeworden zu sein.

Jokkmokksmarknad · Teil 1

Heute gegen zehn bin ich in Jokkmokk angekommen, wo gestern von der Kronprinzessin Viktoria der 406. Jokkmokksmarkt eröffnet wurde.

Ich mag die Stimmung auf dem Markt schon sehr. Dieses kunterbunte Gemisch aus samischer und schwedischer Kultur –  ein Stand hat Kunsthandwerk, der nächste Fellmützen, der darauf kleine Plastikruten zum Eisfischen. Danach folgen Stände mit Messern, Lakritz, Wollunterwäsche, Küchenzubehör, Rentierfellen und handgefertigten Stiefeln, aber auch mit hässlichen T-Shirts, wie man sie auf jedem Markt Europas findet. Und dazwischen laufen, stehen, schauen Menschen vieler Nationen. Manche in samischer Tracht, die nächsten in aufgeplusterten Daunenjacken, andere im knöchellangen Pelzmantel oder im Skioverall – Hauptsache warm.

Dabei ist es heute mit Temperaturen von knapp über -10 °C gar nicht so kalt und es schneit die ganze Zeit vor sich hin. Wer aber doch fröstelt, der geht in die Schulen, denn auch dort sind Stände, vor allem mit Kunsthandwerk. Unter Basketballkörben und neben Sprossenwänden findet man elegante Mode, Schmuck mit alten samischen Motiven, sehr schöne – und lange – Holzski, naturgetreue Vogelmodelle aus Holz und manches mehr.

Um zwei startet das Rentierrennen auf dem See. Jeweils zwei Teams treten gegeneinander an: Ein Ren zieht einen Schlitten, auf dem ein Mensch kniet oder liegt und rennt eine kleine Runde, ehe es dann mit ein bisschen Mühe wieder zur Ruhe gebracht hat. Vielleicht mache ich morgen einen kleinen Film, denn es sieht zu lustig aus, wenn Rens galoppieren.

Mit dabei ist Kronprinzessin Viktoria, die der Mittelpunkt vor allem aller Kamerabesitzer ist. Als das Rennen zu Ende ist, läuft sie einfach an allen Menschen vorbei, winkt hier, sagt dort „Hej“ und auch später auf dem Markt sieht man sie wieder.

Eigentlich stelle ich ja keine Fotos von Personen ohne deren Genehmigung online. Zum einen wäre das hier aber ein bisschen schwierig, zum anderen findet man aber schon jetzt so viele Fotos von Ihr heute auf dem Jokkmokksmarkt, dass ich mal eine Ausnahme mache. Ich denke, Kronprinzessinnen sind das gewöhnt.

Gegen vier ist es dunkel und obwohl die Stände alle noch aufhaben, leert sich der Markt spürbar. Später am Abend sind noch einige kulturelle Veranstaltungen in Restaurants, Schulen und den großen samischen Zeltkoten, aber viel ist auf den Straßen nicht mehr los.

Meine Pläne für morgen:

  • Die alte, kleine Kirche anschauen
  • Zum Joik-Workshop ins Aitte-Museum
  • Rentierfelle kaufen
  • Und davor: Ausschlafen

Danke an Cecilia, die mir hier für zwei Tage eine nette Privatunterkunft bei einer Freundin besorgt hat.

Im Garten zelten?

Im Zelt im Garten: Gestern um 23:00 -25 °C, jetzt um 2:45 -27 °C.

Gestern habe ich nicht nur meine Pulka getestet, sondern auch bei ICA ein Paket abgeholt. Darinnen war ein Zelt, ein Tatonka Alaska 2. Das musste ich natürlich gestern noch aufbauen, und da Tunnelzelte nicht von alleine stehen, sondern abgespannt werden müssen, bot sich der Garten natürlich als Testgelände an. Leider habe ich keine Schneeheringe, also mussten neben zwei paar Skiern auch diverse Skistöcke und Schneeschaufeln zum Abspannen herhalten. Aber bei der Windstille brauchte ich nicht viel zu machen.

Ins Zelt kamen dann das in Jokkmokk gekaufte Rentierfell, darüber eine Isomatte und mein ganz warmer Schlafsack, denn ich habe mir die bislang kälteste Nacht des Winters ausgesucht: Um 23:00 waren draußen im Zelt -25 °C. Dazu kamen dann noch Tee und Kopfkissen, schließlich soll es gemütlich sein.

Gemütlich? Und warum sitze ich jetzt drei Stunden später drinnen im Computer und schreibe einen Blogeintrag?

Zum einen: In der ersten Zeltnacht schlafe ich nie sehr gut. Ich bin Seitenschläfer und das geht mit dickem Schlafsack irgendwie so gar nicht. Und das Kopfkissen rutscht auch immer weg. Zudem fehlte mir nach dem Bürotag auch die Bewegung, die einem auf Tour sonst dennoch gut schlafen lässt.

Zum zweiten: Ich hatte Hunger. Zu wenig Abendbrot.

Zum dritten: Man mag es glauben oder nicht, aber obwohl im Zelt kaum über -20 °C waren – ein bisschen isoliert das Zelt ja schon – war mein dicker Schlafsack „Mountain Equipment Everest“ zu warm! Beim Einschlafen war das ja noch angenehm, dass man überhaupt nicht fror, aber ich kam mir zum Schluss wie im Backofen vor. Wenn ich mal auf Tour gehe, dann brauche ich vielleicht doch zwei Schlafsäcke, wenn die Temperaturem im Fjäll zwischen 0 °C und -40 °C wechseln können.

Jetzt, wo die Tage länger werden – heute steht die Sonne erstmalig wieder mehr als acht Stunden über dem Horizont – werde ich bestimmt ein Wochenende eine schöne Zweitagestour machen und dann auch die Nacht im Zelt verbringen. Aber jetzt ziehe ich zumindest den Luxus des Bettes meinem Zeltplatz vor. Als Erinnerung nehme ich Schlafsackdaunen und Rentierhaare mit ins Bett.

Kalte Woche

Diese Woche ist die bislang kälteste in diesem Winter. Am Montag war lag das Tagesmaximum bei meinem Haus noch bei -18.7, seit dem sind die Temperaturen nicht mehr über -20 °C gestiegen. In Skellefteå ist es zwar ein paar Grad wärmer, aber auch dort haben sich die meisten auf die Kälte mit Kleidung à la „Hauptsache dick und warm“ eingestellt.

Wer genau wissen will, was ich die letzten Tage hier gemessen habe, kann sich das unter dem Menüpunkt Temperaturen anschauen. Schaut ab dem 12.2.2011.

Der Himmel war die Woche nur manchmal klar, meistens war es leicht bewölkt. Oft rieselt ganz feiner Eisstaub aus dem Nichts, der im Sonnen- und Mondlicht gold-silbern glitzert und am Montag gab es in der Stadt auch ein, zwei handfeste Schneeschauer bei -18 °C.

Am Montag Abend habe ich wieder in meinem Outdoorpool gebadet. Ein lustiges Gefühl, wenn man im herrlich warmen Wasser sitzt und die Ohren von der Mütze mit Ohrenklappen warm gehalten werden, einem aber gleichzeitig die Nasenhaare bei -27 °C Lufttemperatur einfrieren. Zudem hat der Pool ordentlich gedampft und viel von Mond und Sternen habe ich beim Baden nicht mehr gesehen.

Gestern bin ich bei -24 °C mit dem Fahrrad zum ICA gefahren. Und fand das wahnsinnig anstrengend. Ich weiß nicht, ob das an der Kälte lag, an dem dicken Wollschal, den ich mehrfach um Hals, Mund und Nase gewickelt habe oder ob ich einfach keine Kondition mehr habe. Ich mag den Winter ja besonders gerne, aber ich freue mich doch schon sehr darauf, wieder längere Strecken mit dem Fahrrad fahren zu können, ohne mich wie zu einer Expedition kleiden zu müssen. Und irgendwann – in ferner Zukunft – vielleicht sogar wieder ohne Handschuhe radeln zu können.

Tiefsttemperaturen 15. Februar 2011

Quelle: SMHI

Allerdings sind die hiesigen Temperaturen noch gemäßigt gegen einige Orte im Fjäll oder weit oben in Nordschweden, denn dort hat man regelmäßig Temperaturen von unter -40 Grad gemessen. Und heute schrieb der Norwegische Wetterdienst yr.no über -49.9 Grad in der Finnmarksvidda. Also was schreibe ich hier überhaupt, eigentlich ist es warm.

Nach Finnland · Teil 2: Winterschwimmmeisterschaft in Joensuu

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

Besonders gut geschlafen habe ich nicht in dem Hotel. Das lag nicht daran, dass man die Straße so gut hörte und auch das Zimmer war alt, aber OK. Aber irgendein Möchtegernpianist meinte, um halb zwei Uhr nachts auf dem kleinen Yamahaklavier herumdonnern zu müssen. Ich meine, er konnte schon spielen, aber eigentlich nur laut und das mitten in der Nacht. Aber weiter im Text …

Nach einem Frühstück in einem netten Café sind wir leicht verspätet über die Autobrücke zur Flussinsel Niskassari gelaufen. Dort hatte der Wettbewerb schon angefangen. In das Eis auf der runden Bucht war ein rechteckiges Loch mit sieben Bahnen à 25 Meter Länge hineingeschnitten worden. Um das Loch standen bestimmt vierzig Personen mit neongelben Warnwesten. Die haben den Schwimmern beim Entkleiden geholfen oder im Laufschritt die Kleidung zum anderen Ende gebracht, damit dort die Schwimmer sich schnell wieder ankleiden konnten. Sie haben mit langen Harken das Eis von der immer wieder anfrierenden Wasseroberfläche entfernt oder mit roten Fahnen signalisiert, wann die Schwimmer so weit waren. Am Rand standen auch zwei Taucher, die aber zum Glück keine größeren Rettungsaktionen durchführen mussten.

Der Wettbewerb geht im Grunde so von statten: Wenn alle Schwimmer am Start sind, wird das Kommando „Riisukaa vaatteet“ – das heißt „Zieht Euch aus“ gegeben. Sind alle fertig, kommt „Veteen“ – das heißt „Steigt ins Wasser“. Das letzte Kommando heißt „Paikoillenne“ und bedeutet, „Auf Eure Plätze“. Direkt danach wird der Startschuss gegeben.

Was mir gefällt ist, wie gemischt die Teilnehmer sind. Manche sind athletisch gebaut, die meisten nicht. Die Hälfte sind Frauen, die Hälfte Männer. Viele Teilnehmer sind über 60, der Älteste war 86.

Jeder Teilnehmer ist verpflichtet Mütze (und natürlich Badehose oder -anzug) zu tragen. Handschuhe oder Socken sind nicht erlaubt. Die Schwimmart ist Brustschwimmen, wobei der Kopf nie ganz untertauchen darf. Vor allem bei den Mützen leben die Schwimmer Ihre Kreativität aus. Wer außerhalb des Wettbewerbs teilnimmt, ist an diese Regeln nicht gebunden und wer keine 25 Meter schwimmen möchte, kann auch einfach einmal ins Wasser eintauchen. Ich hatte eine gute Ausrede: Fotografieren. Aber nächstes Jahr will ich zumindest mit ins Wasser.

Mikael (links) und Jarkko (rechts) haben es sich nicht nehmen lassen, 25 Meter zu schwimmen. Tapfer! Danach haben sie es sich, wie manche anderen vor ihnen, im warmen Wasser des Hot-Tubs gut gehen lassen.

Der neu gegründete Verein „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ – auf deutsch in etwa: „Verein der frohen Freunde von Kälte und Dunkelheit“, dem ich quasi schon angehöre, möchte das Winterschwimmen auch in Schweden populär zu machen und hat sich zur Aufgabe gesetzt, im nächsten Winter die erstmalig schwedische Meisterschaften auszurichten – natürlich in Skellefteå. Das Feedback der finnischen Organisatoren, mit denen wir nach dem Wettbewerb und abends gesprochen haben war ausgesprochen positiv und uns wurde umfangreiche Hilfe zugesagt neben dem Tipp, dass 2015 ein tolles Jahr sei, um nordische oder auch europäische Meisterschaften auszurichten. Zum Glück ging das alles auf schwedisch oder englisch, denn außer Jarkko spricht keiner von uns finnisch bis auf Worte wie beispielsweise „Kitoos“ für „Danke“.

Abends fand dann eine Gala statt. Es war glaube ich die erste Gala, bei der ich war, ohne selber Musik zu machen. Erstaunlich: Kaum erklingen zwei Noten Musik, schon ist das Parkett voll tanzender Finnen. Und die Musik ist wirklich melancholischer als auf deutschen Galas. Ja, und es gab auch finnischen Tango.

Währenddessen hatten einige draußen Nachtschicht: Die ganze Nacht muss das Wasser immer wieder von Eis befreit werden. Wir sind um elf wieder ins Hotel gegangen und haben dort noch einige Zeit gesessen. Dabei haben wir dann beschlossen, nicht am Montag, sondern direkt nach den letzten Wettkämpfen am nächsten Tag zurückzufahren.

Nach Finnland · Teil 3: letzte Winterschwimmwettkämpfe

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

Der nächste Morgen war kalt. Am Flugplatz wurden -29 °C gemessen und bei meinem kleinen Morgenspaziergang fühlte es sich in der Stadt auch nicht wärmer an und ich war über meinen Parka froh. Ich bin ein paar Meter am Fluss Pielisjoki entlanggelaufen, habe unter der Brücke die netten Streetart-Holzobjekte gefunden und bin dann mehr zufällig auf einem Platz mit Schnee- und Eisskulpturen gelandet. Dann bin ich zum Packen ins Hotel zurückgekehrt.

Wir haben dann in einem Hotel gefrühstückt, aber es war sehr schwer, in diesem riesigen, von Treppen, Türen, Korridoren und Fahrstühlen durchzogenen Komplex den Frühstücksraum zu finden und wir waren nicht die einzigen, die sich verlaufen haben. So sind wir ein bisschen verspätet zu den letzten Wettkämpfen gekommen.

Dieses Mal war die Wettkampf Staffelschwimmen (heißt das so?) mit vier Teilnehmern pro Team. Das Wasser hat vor Kälte gedampft und sehr gemütlich sah das ganze nicht aus. Plötzlich (man versteht ja nichts von den finnischen Ansagen) zogen die warnwestenbekleideten Helfer die Schnüre heraus, die die Bahnen trennen, die Taucher verschwinden, das Publikum ist wie vom Erdboden verschluckt und wir stehen halb alleine da. Der Wettbewerb war vorbei. Das ging aber schnell … vielleicht der Kälte wegen. Wir sind aber nicht böse, denn vor uns liegen 800 Kilometer Fahrt durch halb Finnland und ein Stück Schweden und so kommen wir schon eine Stunde eher als geplant los. Um halb elf bin ich zu Hause und froh, mich wieder bewegen zu können, denn für fünf Personen war der kleine Mitsubishi ganz schön eng auf der langen Fahrt.

(Die ganze Zeit war der Himmel blau und wo fängt es an zu schneien? Richtig, kurz vor Skellefteå. Auf meinem Grundstück lag dann auch 10 cm fluffiger Neuschnee auf dem Weg.)

Noch einige Impressionen vom zweiten Wettkampftag der finnischen Meisterschaft im Winter­schwimmen. Ohne große Bearbeitung und Reihenfolge.

Tauwetter

So phantastisch das Polarlicht in der vorletzten Nacht war, sonst sieht es draußen momentan nicht so schön aus. Schuld daran ist das Tauwetter. Vor einer Woche lag die Morgentemperatur noch bei -20 °C, aber seit einigen Tagen haben wir Plusgrade und gestern hatten wir sogar leichten Regen – das erste Mal wieder seit Oktober! Heute war es zwar wieder klar, aber so windig, wie ich es hier noch nicht erlebt habe. Bäume haben sich gebogen, Mülltonnen lagen umgeworfen auf der Straße und in der Nacht wurde eine Geschwindigkeit von 20 m/s gemessen, das ist knapp am Sturm vorbei. Und überall auf den verharschten Schneeflächen lagen heute Staub, Blätter, Samen, kleine Aststückchen und mehr.

Auf den meisten Fahrbahnen sieht man wieder Asphalt. Das liegt aber auch daran, dass Spezialfahrzeuge auch auf den kleinen Straßen die vereiste Schneedecke weggefräst haben. Das Zeugs liegt jetzt vor den Häusern, ist getaut und wieder zusammen gefroren und mit einer normalen Schneeschaufel auch beim besten Willen nicht wegzuräumen. Das Foto links habe ich gestern gemacht, heute ist der meiste Schnee von der Straße schon verschwunden.

In der Stadt war gestern Pfützen- und Schneematschwetter. Der nasse Schnee ist so richtig dreckig-braun; also das Weiß vor einer Woche hat mir besser gefallen. Und zum ersten Mal seit langem haben die Winterstiefel meine Füße nicht nur warm, sondern auch trocken gehalten.

Aber ich mache mir nichts vor, der lange Winter macht zwar eine Pause und zwei Grad Plus und blauer Himmel wirken wirklich frühlingshaft, aber vorbei ist der Winter noch lange nicht. Es dauert bestimmt noch vier bis sechs Wochen, bis der Schnee im großen Maße weg schmilzt und wahrscheinlich lache ich dann über diese Fotos.

Vårvinter

Dieses Wochenende war ich nach sechs Wochen mal wieder in der nahen Umgebung unterwegs.

Gestern am Samstag habe ich meinen Rucksack gepackt, meine Skier untergeschnallt und bin quer durch den Wald zur Ostsee gelaufen. Erst war ich auf Norrskär. Von dieser hügeligen Insel konnte man am Horizont einen breiten dunkelblauen Steifen ausmachen. Blankes Eis oder offenes Wasser? Ich beschloss, in die Richtung zu laufen um näher zu schauen, musste aber bald feststellen, dass diese Stelle viele Kilometer entfernt lag. Statt weiter auf die See hinaus zu laufen, bin ich dann nach links abgebogen und habe erstmalig die Insel Medgrundet angesteuert. Mit einem Abstand von 2400 Metern liegt diese Insel in der Hålfjärden genannten Bucht am weitesten vom Festland entfernt. Nach einer längeren Pause habe ich dann den Rückweg angetreten und war um kurz vor drei wieder zu Hause.

Was war nun anders als die Skitour vor sechs Wochen?

  • Die Sonne hat viel mehr Kraft. Sie wärmt und ich bin teilweise ohne Jacke gelaufen.
  • Es ist viel länger hell. Man muss nicht sofort nach dem Frühstück losbürsten und als ich zu Hause war, war es immer noch ein paar Stunden hell.
  • Sonnenbrille und -creme gehören jetzt in den Rucksack. Die dicke Daunenjacke kann zu Hause bleiben.
  • An manchen Stellen ist der Schnee weggeweht und das blanke Meereis zu sehen.
  • Pausen machen mehr Spaß, weil es einfach wärmer ist.

Ja, ich mag auch den knackigkalten Winter im Januar und Februar, aber der Vårvinter, auf deutsch Frühlingswinter ist auch toll. Und ich kann mir kaum noch vorstellen, dass ich vor drei Wochen noch mit meinem Canada-Goose-Parka herumgelaufen bin.

Heute war ich kurz in der Stadt und habe mit Elisabet einen Abendspaziergang auf den Huvudberget gemacht, der jetzt nicht dramatisch hoch ist, aber eine schöne Aussicht über die Stadt bietet. Nun bin ich wieder zu Hause und es hat sich leider ein bisschen zugezogen. So wird es also auch diese Nacht mit nicht mit Polarlichtbeobachtung. Macht aber nichts, denn so kann ich mein Kinderbuch „Agaton Sax och den ljudlösa sprängämnesligen“ weiterlesen.

Tag- und Nachtgleiche

Heute war Tag- und Nachtgleiche. Theoretisch gesehen sollte es also heute an jedem Punkt der Erde zwölf Stunden Tag und zwölf Stunden Nacht geben.

Weil aber weder Sonne, noch Erde sich an so einfache Regeln halten, war heute in Skelleftehamn die Sonne schon zwölf Stunden und zwanzig Minuten über dem Horizont. Und sie hatte genug Kraft, um in der Stadt die Luft auf acht, neun Grad aufzuheizen und weißen Schnee in braune Pfützen zu verwandeln. Aber das ist ja für einen guten Zweck: Den Frühling, der heute astronomisch gesehen mit der Tag- und Nachtgleiche begonnen hat.

Ätschmodus an:
So – jetzt haben wir ein halbes Jahr lang mehr Licht als Ihr, Ihr Deutschen.
Ätschmodus wieder aus.

Hemavan – ein Wochenende im Fjäll

Skelleftehamn gefällt mir – hab ich schon geschrieben, oder? – sehr gut. Was mir hier aber manchmal fehlt, sind die Berge, oder wie man in Schweden sagt, das Fjäll. Und dorthin sind Elisabet und ich letzten Freitag Mittag gefahren. Unterwegs haben wir noch Sohn und Tochter von ihr aufgegabelt und um halb sieben haben wir unser Ferienhaus in Hemavan erreicht.

Man muss ein bisschen Geduld haben, wenn man 40 Meilen (400 Kilometer) in Richtung Westen fährt. Anfangs wollen die verschneiten Nadelwälder kein Ende nehmen, doch dann sieht man am Horizont die ersten Hügel und dann irgendwann das Kahlfjäll, also den Teil der Berge, der über der Baumgrenze liegt. In Hemavan habe ich dann an den Häusern gesehen, dass es doch Regionen gibt, wo noch einiges mehr an Schnee liegt als bei mir zu Hause (laut schneewelt.de 155cm). Würde man jetzt noch 50 Kilometer weiter fahren, wäre man in Norwegen.

Samstag: Skitour ins Fjäll: Ein kleines Stückchen Kungsleden

Am Samstag morgen haben sich Sohn und Tochter mit alpinen Tourenski auf eine Gipfeltour gemacht. Elisabet und ich wollten gerne in Richtung Viterskalsstugan, der ersten (oder letzten) Hütte auf dem 450 Kilometer langen nördlichen Kungsleden. Wir hatten „Backcountry-Ski“, das sind robuste Langlaufski mit Stahlkanten, die für lange Skiwanderungen ideal sind und ich hatte zum ersten Mal meine Pulka dabei. Gleich anfangs ging es ein gutes Stück bergauf und ich habe ganz schön geflucht, denn ich wollte hoch, die Pulka aber zurück ins Tal. Aber damit hatte ich gerechnet und deshalb hatte ich Steigfelle dabei. Damit gleitet es sich nicht mehr so schön, aber man kann auch mit Pulka einfach geradeaus laufen.

Anfangs sind wir noch durch das Skigebiet gelaufen doch bald verschwand der letzte Schlepplift hinter einem Bergrücken und wir waren auf dem Kahlfjäll.

Schon im Skigebiet ist wenig los. Kein Vergleich zu den Menschenmassen, die die Alpen jedes Winterwochenende heimsuchen. Ist man aber erst wirklich im Fjäll, so ist man völlig allein. Fast …

… denn in Schweden darf man auch im Fjäll Schneeskooter fahren. Und das machen viele. Ziemlich viele. In Gruppen rauschen behelmte Personen auf ihren Maschinen laut lärmend vorbei und hinterlassen vor allem den für Zweitakter typischen Gestank. Auch wenn man sich als Skifahrer über die Spuren freut, die machen das Laufen nämlich einfacher, wünscht man sich bei jedem Überholen, die Dinger wären wie in Norwegen größtenteils verboten.

Dazu eine Anekdote, die Elisabet erzählt hat: Eine Bekannte arbeitet im Kindergarten und war mit einer Gruppe Kinder draußen. Zwei nahe Mopedfahrer haben ordentlich Gas gegeben und die Kinder standen in einer Qualmwolke. Daraufhin meinte das eine „Det luktar fjället!“ – auf deutsch: Das riecht nach den Bergen. Da sind mir ehrlich gesagt lila Kühe als Bergklischee lieber!

Nachdem wir dann auch einen Skooter aus dem Schnee mit ausbuddeln durften – nicht alle Schweden können fahren – haben wir die Viterskalsstugan, eine bewirtschaftete Hütte, erreicht. Dort standen schon viele Schneeskooter, aber in der Hütte war es dennoch ziemlich ruhig. Wie in viele Hütten so hat auch diese einen Lebensmittelverkauf. So ist es möglich, lange Touren von Hütte zu Hütte zu machen, ohne für mehrere Wochen Proviant dabei haben zu müssen. Eine tolle Einrichtung!

So gemütlich es auch war – irgendwann muss man wieder zurück, auch wenn der Wind zunimmt und es zu schneien beginnt. Auch wenn wir beide ein bisschen müde waren, so ging der Rückweg doch schneller, da es größere Strecken abwärts ging. Als ich nach dem letzten Gegenanstieg die Felle abgenommen habe, konnte ich auch wieder richtig mit den Ski gleiten – herrlich. Nur auf dem allerletzten Stück ging es doch ganz gut abwärts und ich habe gebremst wie ein Weltmeister, um nicht mit der Pulka ins Tal zu schießen. Verzeiht mir diese Übertreibung. So steil war es nicht, aber ich bin kein toller Skiläufer und lasse es auf Abfahrten lieber ruhig angehen.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Nach Hause fahren · duschen · Essen machen · Abend essen · kurz nach neun ins Bett · Schlafen.

Mein kurzes Fazit: Das war ein toller Tag. Auch wenn die Anreise lang war, so ist es doch toll, dass man so eine Tour „eben mal“ an einem Wochenende unternehmen kann.

@Peter: Du, siehst, die Pulka, die ich gebraucht von Dir gekauft habe ist im Einsatz, wenn auch ohne Hund.

Sonntag: Slalom

… so heißt hier der Abfahrtslauf. Und nachdem ich mir Ski, Stöcke und Schuhe geliehen und meinen Eintages-Skipass bezahlt habe, sind Elisabet und ich mit dem Lift zu einer leichten Piste gefahren. Das war auch gut so, denn ich habe in meinem Leben kaum Abfahrtslauf gemacht und bin anfangs immer ängstlich, bis ich mich wieder an einige Grundlagen erinnere. Die meisten Fünfjährigen hier fahren zwar um Längen besser als ich, aber zumindest reicht mein Niveau aus, um auf einfachen Pisten Spaß zu haben und keinen Stress. Wie auch am Vortag war das Wetter eher bescheiden und auf der Abfahrt vom höchsten Punkt aus hat man nur noch ein paar rote Stecken und ein großes weißes Nichts gesehen. Das war dann wieder ein bisschen anstrengend, weil ich nicht sehen konnte, wie steil es wird.

Was ich hier einfach mag, ist wie ruhig es hier ist. Man muss fast nie am Lift anstehen, auf den Pisten ist man fast alleine und es gibt auch keine Außenlautsprecher, die einen mit volkstümelnden Alpenschlagern vollbrüllen. Das ganze kommt meiner Mentalität schon viel näher als so ein großer Skizirkus in den Alpen. In den Osterferien hingegen ist halb Schweden im Fjäll, dann wird es auch in Hemavan voll.

Vielen Dank an Elisabet, die mit mir so manchen „Idiotenhügel“ gefahren ist, mir Skiabfahrt wieder gezeigt hat und auch die gesamte Strecke Skellefteå—Hemavan—Skellefteå gefahren ist.

(NB: Über die Erfahrungen mit der Pulka)

Über die Pulka ist man mit einem Zuggestänge verbunden, daher läuft sie im gleichen Tempo mit einem mit.

Auf ebenem Gelände und wenn der Schnee nicht zu tief ist, ist das Ziehen phantastisch leicht. Hier spielt der Schlitten ganz klar seine größten Stärken aus.

Geht es aufwärts, möchte die Pulka abwärts. Wenn man nicht zickzack laufen oder die ganze Zeit im V-Schritt laufen möchte, so sind hier Steigfelle extrem praktisch.

Geht es abwärts, so kann man ohne Anstrengung bergab gleiten. Allerdings hat man mehr Schwung und ist nicht so manövrierfähig wie ohne.

Geht es steiler abwärts, so könnte man die Steigfelle benutzen, die ein bisschen bremsen (nicht probiert) oder einfach die kleine Etappe abschnallen und ohne Skier gehen (probiert). Steiles und vereistes Gelände ist glaube ich extrem eklig!

Quert man – also läuft man parallel zum Berg – so kann die Pulka schon mal umkippen. Einmal konnte ich sie mühelos aufrichten, das andere Mal hat sie sich ein bisschen in den Schnee eingegraben und ich musste mich aus dem Gestänge ausklinken, um sie wieder aufzustellen. Kein Drama, aber kostet Zeit.

Das Laufen mit Pulka macht aber Spaß und Lust auf mehr, zumal man ja auch Zelt und Schlafsack mitnehmen kann, Proviant, alle Objektive und ein schweres Stativ, fünf Jacken und … und … . Bei der ersten Tour mit Pulka wird es bestimmt nicht leicht, vernünftig zu bleiben, denn es passt einfach so viel hinein.

Erste Osterboten

Diese Woche habe ich in zwei Jahreszeiten gelebt. Im Garten hinter dem Haus liegen noch 80 cm Schnee und morgens war es mit Temperaturen um -10 °C noch ganz schön frisch. Aber tagsüber fühlen sich auch wenige Plusgrade schon richtig warm an. Vor allem wenn es windstill ist und die Sonne scheint.

So hat sich diese Woche auch der erste Schmetterling – ein Kleiner Fuchs – in die Innenstadt verirrt. Vielleicht haben ihn die Osterglocken des Blumenladens gelockt und ihm vorgegaukelt, der Frühling sei schon voll da.

Auch der ICA in der Innenstadt zeigt, dass sich Ostern nähert: Mit großen Plastikeiern, die knallbunt mit Süßigkeiten gefüllt sind. Das hat ja auch was, aber als hier geschrieben habe, dass ich mich auf den Frühling auch der Farben wegen freue, hatte ich nicht so etwas im Sinn.

Und wenn schon Süßes, so hoffe ich stark, dass man auch in Schweden Nougateier bekommt …