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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Drumherum

Nein, mit dem herrlichen Sommerwetter in Deutschland können wir noch nicht mithalten. Aber am Nachmittag waren es hier immerhin so um +9 °C und die Sonne kam ein bisschen heraus. Also habe ich hier im Wald eine Runde gedreht.

Rund um manche Bäume ist der Schnee schon weg geschmolzen und man sieht wieder richtigen Waldboden. Um ein Foto davon zu machen, laufe ich durch den knietiefen, nassen Schnee. Aber Schnee macht ja nichts. Allerdings ist auch am Rand des Sees alles am Tauen und wupps – stand ich mit den Stiefeln in irgendeinem undefinierbaren Gemisch aus Schnee, Wasser und Schlamm. Gut, dass es nicht so tief war. Auf dem See selber liegt zwar noch dickes Eis, aber darauf hat sich eine Landschaft aus Riesenpfützen gebildet. Und der kleine Bach, der aus dem See gespeist wird, war schon offen.

Auch das Meereis ist von Rissen durchzogen und um die Steine wird bald offenes Wasser sein. Gut, dass das Wasser an der Stelle, an der ich fotografiert habe nicht tief ist, sonst wäre mir schon etwas mulmig zumute gewesen.

Nein, keine Frage, Frühling ist toll und ich freue mich so sehr darauf, dass ich schon heimlich ums Haus herum den Schnee wegkratze, um zu sehen, ob darunter wirklich Rasen ist. Und: Es ist. Braun, aber echtes Gras! Aber es wird jetzt wieder schwerer, einfach querfeldein durch die Natur zu laufen. Während man vor einigen Wochen noch überall langlaufen konnte – auf dem See, auf dem Sumpfgelände, auf dem Meer – ist diese Zeit bald wieder vorbei und bald muss man wieder drumherum laufen. Um den See und um den Sumpf. Und auf die meisten netten kleinen Ostseeinseln kommt man ohne Boot gar nicht mehr. So wird das sich in der Natur bewegen wieder ein bisschen schwieriger.

Einfach hingegen ist die Schuhwahl für heute und auch wohl für die nächsten Wochen: Gummistiefel.

Auf dem Rückweg sind es nur noch drei Grad und auf den Pfützen in der Straße bilden sich schon die ersten Eisnadeln. Der Winter ist halt noch nicht vorbei. Aber nächste Woche will ich definitiv wieder mit dem Rad zur Arbeit fahren, wenn auch vielleicht nicht jeden Tag.

Die Fahrradsaison ist eröffnet

Oh – war das herrlich, mal wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit in die Stadt zu fahren. Das erste Mal seit dem 8. November! Die schönen Abkürzungen durch den Wald sind noch zugeschneit, aber alle anderen Wege sind schon frei, auch der eine Fahrradweg am Ufer.

Auf dem Hinweg habe ich anfangs ein bisschen geflucht, da gab es nämlich steinhart gefrorenen Schneematsch mit tiefen Rillen, die einen überall hinführten, nur nicht geradeaus. Das war aber zum Glück schnell vorbei. Ich habe ganz schön lange für den Weg gebraucht, schiebe das aber einfach mal auf die langsameren Spikereifen, die Fotopausen und natürlich den ständigen Begleiter, den Gegenwind. Wie man sieht, bin ich nicht der einzige, der radelt.

Heute hat das Thermometer die Zehngradmarke geknackt und auf dem nachmittäglichen Rückweg war es noch so warm, dass ich ohne Mütze und ohne Handschuhe fahren konnte. Sogar die ersten Insekten schauen heraus und kleine Fliegen landen auf meinem hellen Hosenbein. Da kann man den Schnee ganz gut ignorieren und einfach beschließen, dass dies der erste Frühlingstag ist.

Ich war dann noch kurz bei ICA, um mir drei Flaschen Nygårda-Limonade zu kaufen. Ich mag diese kleinen Glasflaschen, das etwas alt wirkende Etikett und vor allem die herrlich unspektakulären Namen:

Das Hallon in „Hallonsoda“ bedeutet Himbeer und „Apelsin“ muss ich wohl kaum übersetzen. Mein absoluter Favorit in der Namensgebung ist aber „Sockerdricka“! Eine Limonade (in etwa) einfach Zuckergetränk zu nennen ist so erfrischend einfach und auch so entwaffnend ehrlich, dass mir Nygårda alleine dafür schon sympathisch ist.

Autowandern

Dieses Wochenende bin ich mit meinem neuen Auto kreuz und quer durch die Gegend gefahren. 311,5 Kilometer oder (klingt schwedischer) „so etwa 30 Meilen“. Das Wetter war herrlich: Blauer Himmel und vor allem gestern überraschend warm. (Ich finde knapp 10 Grad und Sonnenschein überraschend warm). Deshalb habe ich gestern Nachmittag einen Teil meiner Holzterrasse vom Schnee befreit und konnte tatsächlich im T-Shirt draußen sitzen. Das fühlte sich schon so sehr nach Sommer an, dass ich ein Foto – sagen wir ein wenig manipuliert habe, um meinem Der-Sommer-kommt-bald-Gefühl Ausdruck zu verleihen.

Aber wieder zurück zum Autowandern. Ich weiß nicht, ob irgendjemand von Euch dieses Wort in seinem aktiven Wortschatz hat. Hatte ich auch nicht. Aber ich fand, es trifft meine beiden Ausflüge ganz gut. Ich wusste gestern nur, dass ich in Richtung Kåge und heute, dass ich in Richtung Bureå aufbrechen wollte. Der Rest hat sich einfach ergeben, meist in dem Sinne „Oh, dort sieht‘s nett aus.“. Mein Auto ist jetzt pottendreckig, denn ein Teil der Straßen und Wege sind unbefestigt, zur Zeit ziemlich weich und mit tiefen dreckwassergefüllten Pfützen bestückt. Auf den meisten kleinen Straßen war ich allein unterwegs und da ich nicht immer in die Karte geschaut habe, war es immer spannend, ob man den Schotterweg nach einer Meile wieder zurückfahren muss oder nicht. Aber meistens geht es irgendwie weiter und wenn man dann plötzlich ein Vorfahrtschild und eine Asphaltstraße sieht, dann weiß man, dass man nicht umkehren muss.

Ich habe keine Ahnung, ob es damit zusammenhängt, dass ich Fahranfänger bin oder nicht, aber ich finde manche Geschwindigkeitsbegrenzungen nun ja … optimistisch. Gerne taucht das Tempo-70-Schild mit Warnung vor Bodenwellen und Warnung vor kurvenreicher Strecke auf, auf denen ich höchstens 50 fahre. Aber ich weiß, es sind ja Höchstgeschwindigkeiten.

Fotografieren

Eigentlich wollte ich ganz viele und ganz tolle Fotos machen. Und was passiert: Der nahe Adler ist wieder Weg, eh ich das Tele auf der Kamera hatte und übrig bleiben zwei Postkartenmotive von der Kirchen in Kåge und der Friedhofskapelle in Bureå. Na toll.

Ich finde es wirklich nicht einfach, mit dem Auto zum Fotografieren unterwegs zu sein. Sicher, es gibt manches schöne Motiv am Straßenrand, aber das sieht man immer erst, wenn man schon halb vorbei ist. Und es ist nicht immer einfach, das Auto irgendwo zu parken. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass ich mich bei so manchem Motiv frage, ob ich dafür das Auto parken, die Autofahrschuhe gegen Stiefel wechseln und die Kamera nehmen soll, um ein Foto zu machen. Und so bin ich an den drei verbeulten Milchkannen genau so vorbei gefahren wie an dem knallroten Auto, von dem nur die rechte Hälfte zu sehen war, weil die linke komplett im Schnee streckte. Und bei dem Hochsitz war ich so faul, dass ich das Foto sitzend durch die Windschutzscheibe gemacht habe. Dekadent, oder? Für die beiden nächsten Fotos vom Bootshafen in Kåge bin ich aber ausgestiegen …

Ich stelle fest, dass dieses Dinge-an-der-Straße-knipsen mit dem Fahrrad leichter ist. Man sieht noch mehr, da man langsamer ist und man muss nicht aussteigen, um ein Foto zu machen. Auf der anderen Seite erweitert sich der Aktionsradius im Auto natürlich erheblich. Und man kann so viele Sachen dabei haben. Gummistiefel, kein Problem. Schneeschuhe, ab in den Kofferraum. Stativ, na klar!

Beim Fahren habe ich nach einer Alternative zum Auto überlegt. Auch wenn er im Winter Nachteile haben mag, wäre mein derzeitiger Favorit ein fliegender Teppich. Hat zufällig jemand einen zu verkaufen?

Ist Frühling?

Es liegt noch Schnee. Aber es ist schön und recht warm. Ist das nun noch Winter oder schon Frühling. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, werde ich mich dieser entscheidenden Frage streng wissenschaftlich mit phänomenologischem Schwerpunkt annähern:

1. Meteorologischer Frühlingsanfang Der war am ersten März. Da war‘s aber noch ganz schön kalt hier. Aber egal – check!
2. Astronomischer Frühlingsanfang War auch schon vor ein paar Wochen. Check!
3. Kein Schnee mehr im eigenen Garten Oh jeh, noch bis zu 40 cm Schnee – das kann noch dauern
4. Ohne Handschuhe Fahrrad gefahren Morgens noch nicht, aber nachmittags auf dem Nachhauseweg ging das schon gut
5. Im T-Shirt Fahrrad gefahren Hallo? Wir reden von Frühling, nicht vom Hochsommer! Keine Wertung
6. Blumen im Garten gesehen Ja, aus dem Bus
7. Blumen im eigenen Garten gesehen leider noch nicht
8. Eisfreier Skellefteälven Teils ist der Fluss schon recht frei, teils noch komplett bedeckt
9. Eisfreies Meer Weiter draußen ja, direkt an der Küste ist noch alles eisbedeckt
10. Wasservögel Ja. Singschwan, Ente, Gänse und mir unbekannte Wasservögel
11. Insekten Ein paar kleine Fliegen und immerhin ein Schmetterling!
12. erstes Eis auf die Hand Ja!
13. Draußen Mittag gegessen Ich leider noch nicht (Aber andere schon)
14. Zu Hause auf der Terasse gesessen Ja. Sogar im T-Shirt. (Ein Mal)
15. Ohne Mütze und Winterstiefel ins Büro Ja
16. Man sieht wieder Waldboden Um die Bäume und auf allen Südhängen ist der Schnee weg. (Aber im schattigen Wald liegt noch einiges)

So, mal schauen. Zehn Mal und fünf Mal , das heißt eindeutig: Der Frühling ist da! Zudem – einige waren ja auch ein bisschen schwer.

Außerdem ist es doch immer schön, wenn noch Potential zur Verbesserung da ist.

Zum Schluss noch drei Fotos: Fluss · Wald · Meer.

Sonne, Strand und Meer …

… gab es an diesem Wochenende. Jetzt muss eigentlich nur noch das Eis weg und sowohl Luft- als auch Wassertemperatur kräftig steigen, ehe ich mich ohne Taucheranzug ins Wasser traue und barfuß am Strand laufe.

Ich habe mir am Wochenende ein paar Strände angeschaut, weil ich neugierig war, ob man schon Sand sieht, ob offenes Wasser bis an den Strand reicht oder meterhohe Eisberge im Meer treiben.

1. Byske

Byske ist gut 40 Kilometer entfernt und hat einen für hiesige Verhältnisse langen und breiten Sandstrand. Die ganze Bucht ins noch von Eis bedeckt, aber die offenen Bäche, die hier ins Meer münden, fräsen schon Mäander in das Eis. Kein Mensch weit und breit.

2. Boviken

Boviken ist mit dem Auto 26 Kilometer entfernt, mit dem Fahrrad nur 16. Wenn man ein Mountainbike hat. Diese Bucht ist noch komplett mit Eis bedeckt. Der weiche, nasse Sand federt unter den Stiefeln. Auch hier ist noch kein Strandleben in Sicht, aber immerhin Spaziergänger.

3. Storgrundet

Das ist quasi mein Hausstrand, denn er ist nur 1600 Meter vom Haus entfernt. Vor einigen Wochen bin ich noch über das Eis zur Insel Storgrundet gelaufen, dort ist jetzt offenes Wasser. Aber immer noch viel Eis.

Dann war ich aber auch neugierig, wie denn Killingörviken aussieht. Diese Bucht ist nur ein paar hundert von meinem Haus Meter entfernt. Und dort ergab sich ein lustiges Bild: Ein Großteil der Bucht ist schon offen. Am Nordufer der Bucht hält sich aber noch Eis und dort saßen und lagen tatsächlich noch drei Eisfischer in ihren knallbunten Overalls. Vielleicht die letzten, die ich diese Saison sehe, denn bald dürfte auch dort das Eis zu dünn sein.

Zum Abschluss noch zwei Fotos von Byske. Ich habe die kleinen Bäche einfach mal Eisprile getauft.

Drei Mal Wasser

1. Schön: Der Skellefteälven

Nun ist der Fluss nicht nur in der Stadt, sondern auch außerhalb offen. Es ist so schön, wieder Wasser fließen zu sehen und auch die Möwen und anderen Wasservögel, die zurückgekommen sind, scheinen es zu genießen. Nur vor dem Wehr in Bergsbyn stauen sich noch die Eisschollen.

2. Belanglos: Mein Outdoorpool

Ich habe es lange herausgezögert, aber heute ist es so weit. Ich lasse das Wasser im Outdoorpool ab. Es ist ja gechlort und kann daher lange im Pool bleiben, aber der Zeitpunkt, an dem ich das Wasser hätte wechseln sollen, ist eigentlich schon länger überschritten. So wie das Wasser jetzt gerade aus dem gelegten Schlauch heraustitschert, werden aber wahrscheinlich Stunden vergehen, ehe der Pool leer ist. Ich weiß noch nicht, wann ich ihn wieder neu fülle und chlore, denn alleine im Hellen macht mir das Baden keinen Spaß.

3. Alles andere als schön: Cryptosporidium

In der Stadt sind sieben Fälle von Menschen, die sich mit Kryptosporidien infiziert haben bekannt geworden. Das sind einzellige Parasiten, die sich im Wasser sehr wohl fühlen und fiese Magendarmerkrankungen auslösen. Es besteht der Verdacht, dass sich diese Parasiten über das Trinkwasser verbreitet haben. Und das heißt, dass sämtliches Wasser, welches zum Trinken, Kochen oder zum Zähneputzen verwendet wird, vorerst abgekocht werden sollte. Noch ist es nur ein Verdacht, dass das Leitungswasser von den Parasiten befallen sein könnte. Sollte sich dieser Verdacht aber bestätigen, wäre das schon ein großer Mist. Östersund hatte vor einigen Monaten das gleiche Problem und dort hat es zehn Wochen gedauert, bis das Leitungswasser wieder trinkbar war.

Drückt uns die Daumen, dass die Infektionen eine andere Ursache haben und das Wasser OK ist.

Das Mineralwasser wurde heute schon gehamstert und war sofort ausverkauft.

Nachtrag:

20. April, abends In den ersten Proben wurden keine Parasiten gefunden. Weitere Proben wurden heute entnommen. Es wird empfohlen, weiterhin das Trinkwasser abzukochen.
22. April, abends Auch in den am Mittwoch entnommenen Proben wurden keine Parasiten gefunden. Es wird weiterhin empfohlen, Trinkwasser abzukochen.

Ein Jahr Schweden

Heute vor einem Jahr bin ich in Schweden angekommen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich übermüdet von der langen Anreise mit Rucksack, großer Tasche und zwei Koffern hier ankam. Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter mir und ich bin ehrlich gesagt ganz froh, dass jetzt auch einfach mal ein bisschen Alltag einkehrt.

Dementsprechend habe ich den heutigen Tag – den ersten der vier freien Ostertage – weder gefeiert noch habe ich groß zurückgeschaut. Statt dessen habe ich einfach das schöne Wetter genossen und mit mir die gesamte Natur. Die Vögel haben getwittert, äh gezwitschert, die ersten Frösche waren draußen und die ersten wilden Blumen am Straßenrand blühen.

Nur mein Auto musste heute ein bisschen leiden. Gestern habe ich mit netter Nachbarshilfe Sommerreifen aufgezogen und heute bin ich ein bisschen gefahren. Dieser eine schöne Waldweg wurde allerdings immer schlechter und immer matschiger und nach einer Kurve sah er mehr aus wie ein Übungsgelände für Jeeps. Also musste ich rückwärts zurück. Um die Kurve. Mit Sommerreifen auf rutschigen Boden. Und prompt bin ich auch – so richtig schön Fahranfänger – ein bisschen vom Weg abgekommen und habe mich im weichen Straßenrand festgefahren. Na toll! Ich hatte aber (eigentlich eher für Schnee gedacht) vier schmale, alte Bretter dabei, die ich dann unter die Reifen gelegt habe. Und mit vielen Mal vorwärts und rückwärts rangieren, ungefähr zehn Mal den Motor abwürgen, durchdrehenden Reifen bei Motorgeheul und einigen Flüchen bin ich tatsächlich wieder auf den Weg gekommen und habe auch ganz schnell eine Stelle zum Wenden gefunden. War ich erleichtert! Es hat sich zwar beim Zurückfahren gezeigt, dass ich keine 100 Meter hätte laufen müssen, um Hilfe zu bekommen, aber ich war trotzdem sehr froh, das Auto alleine wieder frei bekommen zu haben. Heute gelernt: Sommerreifen haben ihre Grenzen und mein Auto ist kein Kettenfahrzeug.

Zum Schluss noch zwei kleine Winter-Frühjahrsvergleiche:

P.S.: Zum halbjährigen Jubiläum habe ich den hundertsten Beitrag geschrieben, heute zum einjährigen den zweihundertsten. Zufall oder deutsche Wertarbeit?

Valborg

„Der Frühling ist da“ – So könnte ich eigentlich die letzten Artikel alle nennen. Ob ich das erste Mal Boot mitfahre, den ersten Marienkäfer oder die erste Wildblume sehe, das Eis auf dem Fluss aufbricht und verschwindet oder auch mein Fahrrad wieder Sommerreifen bekommen hat, alles handelt davon, dass der Winter vorbei ist und der Frühling beginnt.

Gestern wurde in Schweden Valborg gefeiert, die schwedische Version der Walpurgisnacht. Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei ist das Valborgsbrasa, das Maifeuer, welches am Abend entzündet wird. Zwar ist es dann noch hell, aber so haben auch die vielen Kinder noch etwas davon. Sie springen hin und her, werfen kleine Zweige ins Feuer und schauen – wie die Erwachsenen auch – froh in die wärmenden Flammen.

Ich war um vier mit Freunden in der Stadt verabredet. Schon aus dem Bus in der Stadt konnte ich ein anderes Frühlingszeichen entdecken: Die Birken bekommen Blätter. Noch sind sie klein und zusammengefaltet, aber selbst dieser Hauch von Grün lässt die Natur weniger karg wirken.

Bei den Freunden wurde ich mit einem phantastischen Elchgeschnetzeltem verwöhnt. Um sechs sang draußen der Männerchor auf – man könnte sagen – einer öffentlichen Frühlingseröffnung. Alle Lieder handelten davon, den Frühling und den Mai zu begrüßen und der Redner ließ zum Schluss den Frühling hochleben. Daraufhin rufen alle „Hurra hurra hurra hurra“, denn in Schweden lässt man vier Mal hochleben.

Wir haben uns dann noch mit Freunden meiner Freunde getroffen und gemeinsam den Abend verbracht. Um halb neun haben wir uns das Feuer angeschaut, sind dann aber wieder ins Warme gegangen. Um kurz vor zwölf habe ich dann den Bus nach Hause genommen, denn nach fast acht Stunden schwedisch sprechen und verstehen versuchen bin ich einfach müde.

Nun warte ich noch auf mein letztes persönliches Winter-ist-vorbei-Zeichen: Dass auch der letzte Schneerest auf meinem Grundstück weg schmilzt. Aber es liegt im Schatten der Nachbarsgarage und hält sich hartnäckig. Aber in ein paar Tagen ist er verschwunden und ich kann darüber schreiben. Vielleicht nenne ich den Artikel dann „Der Frühling ist da“.

Ein Nachmittag – vier Jahreszeiten

Hier sind nicht die höchsten Berge Schwedens, nicht die längsten Sandstrände, nicht die wildesten Urwälder. Aber Abwechslung hat man genug. So hatte ich heute Nachmittag bei einem Querfeldeinspaziergang eigentlich Eindrücke aller Jahreszeiten, auch wenn die Fotos das nicht so deutlich herüberbringen:

Fast ein Sommertag

Gestern war doof, aber ich bin ja auch selber schuld. Ich wollte „mal eben schnell“ ein Betriebssystemupdate machen. Dabei sollte ich wissen, dass es „mal eben schnell“ bei Computern nicht gibt. Ach bei Macs nicht. Jetzt läuft aber hoffentlich alles wieder (ja, ich meine Dich, windowserver!) und ich kann mal wieder etwas schreiben.

Heute morgen habe ich in meinem Wintergarten gefrühstückt. Selbst wenn draußen nur sieben Grad sind, ist es dort schon richtig warm. Immerhin geht die Sonne um zwanzig vor vier auf und hat Zeit, vorzuheizen. Zwei Spatzen haben sich wohl entschlossen, unter den Dachziegeln ein Nest zu bauen. Mir soll‘s recht sein, wenn sie danach die Wohnung besenrein übergeben. Hoffentlich lassen sie sich durch meine Anwesenheit nicht stören.

Nach dem Frühstück bin ich dann mit dem Auto sieben, acht Meilen nach Kusfors gefahren und habe Lasse besucht. Wir haben dann eine Rundtour in der dortigen Umgebung gemacht. Die erste Etappe war „Älgjägersfolkets Viste“, ein touristisch genutztes Gelände mit einigen sehr urigen Hütten und Koten sowie einer Schaukel, die nur aus Holz und Rentierleder zusammengesetzt ist.

Die nächste Etappe war das Naturreservat „Svansele Dammängar“. Lasse hat mir erklärt, dass es hier in der Region eine einmalige Art gibt, Heu auf Feuchtwiesen zu ernten, aber ich habe nicht alles verstanden. Mich erinnerten die Holzhütten ein bisschen ans Alpenvorland. Da sieht‘s ähnlich aus, bloß dass das Gras da bestimmt schon grüner ist.

Danach sind wir nach Gallejaur gefahren. Hier haben „drei alte Tanten“ gewohnt, die alle Gebäude im alten Stil bewahrt haben. Heute kann man sich das anschauen. Schön!

Zum Schluss waren wir noch an dem Anfangs- und Endpunkt der weltlängsten Seilbahn. Sie wurde bis in die achtziger Jahre benutzt, um Erz zu transportieren. Heute wird nur noch ein Teilstück betrieben, um Touristen herumzufahren. Die bekommen dann allerdings eine richtige Kabine und müssen nicht in den Erzkesseln hocken.

Alle diese touristischen Ziele haben eines gemeinsam: Wenn ich nächste Woche Besuch aus Deutschland bekomme, sind sie noch alle geschlossen. Wenn ich Mitte August wieder Besuch bekomme, sind sie schon wieder geschlossen.

Liebe Nordschweden: Ihr könnt vieles gut! Tourismus zählt aber mal überhaupt nicht dazu. Es gibt Länder, wo nicht alle Menschen gleichzeitig „semester“ – zu deutsch Urlaub – haben. Und diese Menschen kommen gerne auch im Mai und Juni, Ende August und sogar im September. Mit und ohne Kinder. Das heißt, sie kämen, wenn Ihr offen hättet. Und wenn ihr besser darin wärt, allen zu erzählen, wie schön es hier ist. Leider seid Ihr nämlich viel zu bescheiden, um auch nur einmal vorsichtig anzudeuten, dass es sich vielleicht lohnen könne, möglicherweise hierher zu kommen. Und so erfahre auch ich, der hier schon ein Jahr lebt, von den meisten Plätzen eher zufällig. Schade eigentlich!

So habe ich heute zwei Rollen eingenommen: Ich war Tourist und habe mir die schönen und interessanten Plätze angeschaut. Alles eher klein als pompös, aber durchaus lohnenswert. Und gleichzeitig haben Lasse und ich überlegt, wie man den Tourismus in Nordschweden stärken kann. Mal schauen, was ich in einigen Jahren beruflich so mache …

P.S.: Leider ist der windowserver wieder abgestürzt und hat so einiges mit sich gerissen. Da muss ich wohl mal morgen die Hardware testen. So‘n Schiet!

Sommerradeln

(So, schnell einen Artikel schreiben, eh der Rechner wieder abstürzt. Ich fürchte, ich brauche nach dreieinhalb Jahren Nutzung doch mal ein neues Laptop).

Der gestrige Tag war eigentlich viel zu schade, um zu arbeiten. Die Internetverbindung im Büro fand das auch und war den halben Tag nicht vorhanden. Gestern vor einer Woche hatten wir noch Schneeschauer, gestern hingegen Temperaturen bis 24 °C. Da macht das Fahrrad fahren richtig Spaß, zumal man mit den spikelosen Sommerreifen viel schneller von der Stelle kommt. Und auch der Waldweg zwischen Skelleftehamn und Ursviken ist wieder frei. Schon auf dem Hinweg habe ich mir die Jacke ausgezogen und bin im T-Shirt gefahren. Auf dem Rückweg brauchte ich in den Sandalen auch keine Strümpfe mehr und hatte sogar ausnahmsweise mal keinen Gegenwind. Da macht das Fahrrad fahren richtig Spaß. Habe ich schon geschrieben? Egal, das kann man ruhig zwei Mal schreiben.

Auch wieder aufgefallen sind mir einige Eigenarten des schwedischen Straßenverkehrs, die mir immer noch nicht ganz begreiflich sind. Aber ich habe eine wissenschaftliche Theorie. Aber darüber schreibe ich ein andermal.

Alltag

Nachdem meine Eltern wieder nach Deutschland gefahren sind, hat sich hier wieder eine Art Alltag eingestellt. In Stichpunkten (da müde):

  • Es wird nicht mehr richtig dunkel. Die Abenddämmerung geht nahtlos in die Morgendämmerung über, ehe um zwanzig vor drei die Sonne aufgeht.
  • Das Leitungswasser muss weiterhin abgekocht werden. Man kann wohl Parasiten im Wasser erst nach dem Einbau von UV-Filtern mit Sicherheit ausschließen. Und das kann noch ein paar Monate dauern. Aber – man gewöhnt sich dran.
  • Mein Computer spinnt ziemlich, aber ein neuer ist bestellt. Der hat dann eine mit 750 GB eine größere Festplatte und ich habe wieder Platz für neue Fotos.
  • Das Spatzenpärchen ist unter meinem Dach wohnen geblieben. Ich glaube, sie sind noch am Brüten.
  • Ich werde diese Woche wohl komplett mit dem Bus fahren, da ich keine Lust habe, 18, 19 Kilometer gegen Windgeschwindigkeiten um 40 km/h zu radeln. Nennt mich ruhig faul, damit kann ich leben.
  • Heute war ich zum zweiten Mal in der Ostsee baden und bin nicht sofort wieder hinaus gesprungen. Lange im Wasser war ich aber dennoch nicht.

So, mehr schreibe ich jetzt nicht, dann ich bin müde. Ich war heute morgen um kurz nach halb sechs wach, also drei Stunden nach Sonnenaufgang.

Sommer

Und plötzlich ist es warm. 25 °C. Blauer Himmel. Alle essen draußen. Mittag oder Eis. Und sonnen sich. Von der Wasserfontäre weht ein bisschen feuchte Luft herüber. Und erfrischt.

Nur die Blaskapelle (NB: Wer hat bloß dieses Arrangement von Birdland verbrochen!) auf dem Marktplatz muss arbeiten. Ich nicht. Ich hole mir Sushi und setze mich zu den anderen an den Fluss.

Das vorherrschende heutige Thema: Früher Feierabend. Die Ostsee zum Baden habe ich nachher wahrscheinlich doch für mich allein. Selbst schuld, die anderen.

Entschuldigt die Bildqualität. Die Photos stammen vom iPhone und der Bildschirm im Büro kann so manches, aber keine Farben

Nachtrag:

Später stieg die Temperatur auf 27 °C und nur ein kleiner Regenschauer am Abend hat etwas abgekühlt, ehe es wieder aufklarte. Die Ostsee hat inzwischen 17 °C und ich fühle mich auch eine halbe Stunde nach dem Baden noch herrlich frisch.

Ryssvärme

Ryssvärme – So heißt das auf schwedisch, wenn von Russland warme kontinentale Luft nach Schweden gelangt. Und dann ist es plötzlich warm bis heiß. Skellefteå war gestern beim SMHI – dem schwedischen Wetterinstitut – mit 28.8 °C Maximum auf Platz vier von Schwedens wärmsten Orten. Auch heute Mittag waren es wieder über 25 Grad. Wir saßen barfuß draußen am Fluss und haben Lunch gegessen und es ist überhaupt nicht vorstellbar, dass vor dreieinhalb Monaten hier die Temperaturen unter -25 °C lagen.

Fährt man mit dem Rad von Skellefteå nach Skelleftehamn, dann kommt man fast sicher an einem Kiosk in Bergsbyn vorbei, der legendär für sein Softeis ist (Hier ist Eis immer Softeis, denn Italien ist weit weg) und zwar nicht nur für den Geschmack, sondern auch für die Portionen. Heute habe ich das erste Mal Eis gekauft und, obwohl ich von den großen Portionen schon gehört habe, dennoch leicht ungläubig gefragt, ob dies denn wirklich die kleine Waffel sei. Zum Softeis sucht man sich eine Soße oder Streusel aus, von eher traditionellen Dingen wie Erdbeersoße bis hin zu für Mitteleuropäer eher ungewohnten Zutaten wie Salmiaklakritzkrümel.

Ich habe mein Fahrrad erst einmal geschoben und Eis gegessen, Eis gegessen und Eis gegessen.

Gleich fahre ich an die Ostsee und springe ins Wasser, aber erst wenn ich das Softeis verdaut habe. Und das kann noch ein paar Minuten dauern …

Sommerwoche

Ich sitze in meinem Haus und alle Fenster und Türen sind geöffnet. Denn über Nacht hat sich kühleres Wetter mit Wolken und Regen angeschlichen. Gestern wurden am Flugplatz noch 30 Grad gemessen, heute morgen um halb zehn sind es gerade noch zwölf. Ich bin ehrlich gesagt gar nicht so böse, denn gestern hatte ich auch im Wohnzimmer 28 Grad (im Wintergarten sogar 35) und ich freue mich, wieder etwas angenehmere Temperaturen in die Zimmer zu bekommen.

Aber schön ist es, wenn man unter dem duftenden Flieder – endlich, endlich blüht er – sitzen und lesen kann, während am klarblauen Himmel die Möwen kreischen. In der Nachbarschaft ist es ruhig, die meisten sind wohl in Ihren Sommerhäusern. Am kleinen Strand von Storgrundet war gestern Betrieb, das heißt, etwa fünf Personen saßen dort und drei Jugendliche planschten im Wasser. Und zum ersten Mal setzen bei mir keine Fluchtreflexe ein, als ich Baden ging, denn nun war das Wasser einfach erfrischend und nicht nur schweinekalt wie noch vor ein paar Wochen.

Abends habe ich erst mit ein paar Leuten gegrillt und dann haben wir in der Bonnstan Kubb gespielt.

Bonnstan ist das Kirchendorf in Skellefteå. In dessen kleinen Holzhäusern konnten früher die Bauern übernachten, wenn der Weg zur Kirche zu weit war, um an einem Tag hin und zurück zu reisen. Man vermutet, dass das erste Kirchendorf in Skellefteå um 1600 entstand. Heute kann man die Häuser als Sommerwohnung mieten.

Kubb ist ein Spiel mit zwei Mannschaften, die mit Holzstöcken Holzblöcke umwerfen müssen. Diese Blöcke werden zurückgeworfen um wieder umgeworfen zu werden. In der Mitte steht der König. Verwirrt? Kein Problem, denn ein größerer Teil des Spiels wird von der Diskussion der Regeln eingenommen.

Erster Erfolg stellt sich ein: Jetzt habe ich angenehme 22 Grad im Wohnzimmer und ich mache mal schnell Fenster und Tür zu, denn sonst ist der Flügel beleidigt.

Feste feiern

Ich habe schon nicht über den 6. Juni berichtet, da war Nationalfeiertag. Dies ist ein „roter Tag“, also ein gesetzlicher Feiertag. Abgesehen von ein paar gehissten Flaggen merkt man aber nicht wirklich viel von irgendwelchen Festivitäten. Eher ein ruhiger Extrasonntag.

Ich habe auch nichts über das „Studentexamen“ geschrieben, am ehesten mit „Abifeier“ zu umschreiben, wenn auch nicht zu vergleichen. Das Studentexamen fanden letzte Woche statt. Am auffälligsten: Überall sind Mädels im weißen Kleid und Jungens im schwarzen Anzug, die weiße Mützen – irgendwo zwischen deutschem Polizeikäppi und Kleinbootsführerkapitänsschirmmütze – tragen. Entweder stehen sie kreischend und juchzend auf einem großen Partywagen, der dann mit lauter Schlagermusik durch die Straßen der Innenstadt kurvt oder sie laufen in kleinen Rudeln zu Fuß durch das Zentrum. Aber ehe ich die Kamera zücken konnte, war das alles schon wieder vorbei, vielleicht war es letzte Woche auch einfach zu heiß um lange zu Feiern. Das Ergebnis: Kein Foto, kein Artikel.

Aber jetzt: Heute war der Abschluss des „Miljöfestivalen“, des Umweltfestivals. Zum einen fand ein Fahrradkorso statt. Über 600 „Cyklister“ waren mit am Start. Man hätte gerne die 917 Teilnehmer in Umeå getoppt, aber das hat nicht geklappt. Umeå ist aber auch mehr als doppelt so groß.

Aber das Hauptthema des Tages war die Elmopedturnén 2011, die heute Skellefteå erreicht hat. Dies ist eine Tour mit elektrisch betriebenen Mopeds von Tommarp in Südschweden bis nach Haparanda an der finnischen Grenze im Norden. (Fahren die das wirklich alles selber …?). Anlässlich dieser Tournee waren der Meteorologe Pär Holmgren und die Musiker/Künstler Staffan Lindberg und Fredrik Swahn auf der Bühne, sowohl, um zu unterhalten als auch um Informationen zum Klimawandel zu geben.

Ebenfalls auf der Bühne: Eine Verlosung unter allen Fahrradfahrern, eine Rede und ein kurze und ziemlich durchgeknallte Varieté-Nummer des Theaters. Den Abschluss haben Martin (Gesang) und ich (Klavier) mit einigen Sommer- und einigen Kinderliedern gemacht. Der Auftritt hat zwar gut geklappt, war aber trotzdem undankbar, weil wir zum einen gegen die professionellen Entertainer der Elmopedturné nicht anstinken konnten, zum anderen, weil fast alle Kinder und auch die meisten erwachsenen Zuschauer schon nach Hause gegangen waren. So nett das ganze war, die Programmplanung ist definitiv verbesserungswürdig.

Nach einem Abendessen mit den Beteiligten ging dieser Tag zu Ende. Morgen und übermorgen findet zum wiederholten Male der Creative Summit statt, auf dem verschiedene Sprecher über Themen aus der Kreativbranche sprechen. (was für ein fürchterlicher Satz, aber ich bin müde und der bleibt jetzt einfach so stehen. Man muss nicht alles korrigieren). Das wird bestimmt extrem interessant aber wahrscheinlich auch ein bisschen anstrengend.

Sommeranfang

Der schwedische Sommer ist da, jetzt auch astronomisch und damit quasi offiziell. Jeder, der ein Sommerhaus auf einer der Ostseeinseln hat, verbringt jetzt die meiste Zeit dort. Die Busse fahren nur noch halb so oft, die ersten Geschäfte haben eingeschränkte Öffnungszeiten und mancher Kunde verabschiedet sich bis Mitte August, denn er hat jetzt „semester“. Das mag verwirren, aber „semester“ ist einfach das schwedische Wort für Urlaub. (Semester auf schwedisch heißt hingegen „termin“, um die Verwirrung komplett zu machen.)

Viele Schweden verreisen nicht, sondern verbringen die gesamte Zeit in ihrer „stuga“ – ihrem Sommerhaus. Das heißt aber nicht, dass sie den ganzen Tag faul im Gras liegen, denn schließlich möchte man ja noch den Zaun erneuern, die Sauna ausbauen, den neuen Bootssteg ins Wasser lassen, das alte Haus streichen oder ein neues Haus bauen …

Die Hauptfrage, die zur Zeit in Schweden diskutiert wird: Wie wird das Wetter zum Mittsommerfest jetzt am Wochenende? Mittsommer ist schließlich ein wichtiger Feiertag und den möchte man draußen verbringen. Mit leckerem Essen! Letztes Jahr war es herrlich warm und sommerlich – wohl so schön wie lange nicht mehr, denn manche erinnern sich auch an ein Mittsommerfest mit Schneeregen. Brrr! Dieses Jahr wird es eher wechselhaft werden, aber das finde ich nicht so wichtig. Denn ich werde mit Freunden in deren neuem Sommerhaus feiern, und ich bezweifele stark, dass wir singend um die Mittsommerstange tanzen werden. Und lecker essen kann man ja auch drinnen.

Obwohl ich südlich des Polarkreises lebe, ist es vierundzwanzig Stunden am Tag hell, und vorgestern war der längste Tag. Jetzt werden theoretisch die Tage wieder kürzer, aber es wird zum Glück noch dauern, bis man davon etwas merkt.

Gestern Abend klarte es ein bisschen auf und ich bin zu einem der beiden Bootshafen Skelleftehamns gefahren. Die Parkplätze waren voll, denn – wie schon erwähnt – die meisten leben jetzt in ihren Sommerhäusern und verlassen die Insel nur noch für die letzten Arbeitstage, zum Einkaufen, oder um kurz zu Hause den Briefkasten zu leeren.

Die Fotos sind zwischen zehn und halb zwölf entstanden. Das Foto mit dem halben Boot gibt das spätabendliche Licht ganz gut wieder. Von den herrlich schönen Seeschwalben hätte ich gerne noch bessere Fotos gemacht. Aber die Vögel fanden meine Anwesenheit höchst unnütz und begannen immer mehr, Scheinangriffe auf mich zu fliegen (Mit voller Geschwindigkeit tief auf mich zufliegen und schreien, kurz vorher hochziehen, um dann von der anderen Seite noch einmal auf mich hinabstoßen, kurz vorher abdrehen und schnell wegfliegen schien ein beliebtes Muster zu sein.)

Belehrung für den aufmerksamen Leser: Dieser Artikel geht am Donnerstag Vormittag online – mitten an meiner Arbeitszeit. Ich lerne zur Zeit eine neue Programmiersprache namens „Objective C“ und lese viel darüber. Und da die Materie ziemlich schwierig ist, braucht mein Verstand immer wieder Erholungspausen. Und so eine kann man prima zum Veröffentlichen eines Blogartikels verwenden. Finde ich.

Midsommarafton

Ich hatte schon geschrieben, dass Mittsommer ein wichtiges Fest in Schweden ist. Mir war aber bis gestern nicht klar, dass schon gestern am Freitag gefeiert wurde, obwohl „midsommar“ erst heute am Samstag ist. Dabei ist das eigentlich ganz einfach und logisch:

Neujahr heißt auf schwedisch „nyår“ oder genauer „nyårsdagen“ (Neu-Jahrs-Tag). Gefeiert wird am Vortag: nyårsafton (Neu-Jahrs-Abend). Weihnachten heißt „jul“, das traditionelle Weihnachtsessen und die Geschenke gibt es am „julafton“ (Weihnachts-Abend). Mittsommer heißt „midsommar“ und wann wird gefeiert? Richtig, am Tag zuvor, dem „midsommarafton“.

Und der war wie gesagt gestern. Ich habe mit Freunden in deren neuem Sommerhäuschen gefeiert. Wir saßen hauptsächlich auf der überdachten Veranda, den es hat ziemlich viel geregnet. Abends waren wir noch in der Sauna und haben uns zwischendurch zur Kühlung im Regen stehend mit dem Gartenschlauch abgespritzt. Irgendwann – wenn es immer hell ist, habe ich die Tageszeiten nicht mehr so richtig im Griff – habe ich dann das Gästezimmer abgedunkelt und mich schlafen gelegt. Und heute war auch schon wieder schönes Wetter.

Ganz wichtig übrigens beim Mittsommer ist das Essen: Hering („sill“), Lachs, Dünnbrot und neue Kartoffeln müssen dabei sein. Und Aquavit! Eigentlich. Denn Schnaps hatten wir zwar keinen, aber ein kleines Trinklied kann man ja auch zum Rotwein singen. Die gleichzeitig gegrillten Fleischstücke waren so groß, dass wir alle pappsatt waren und sogar ich – kaum zu glauben – nicht mehr viel von der Erdbeertorte geschafft habe. Aber die hat heute zum Frühstück auch gut geschmeckt.

Nun habe ich noch fünf Tage zu arbeiten und dann habe ich vier Wochen Urlaub! Ich frage mich, ob ich den Freitag jetzt „semesterafton“ nennen darf, denn immerhin ist es der Tag vor meinem Urlaubsanfang, und das – finde ich – ist ein Grund zum Feiern!

Brückenbau-Arbeits-Sommer-Bade-Stadtfest-Panorama

Manche Tage sind dichter als andere. Von so einem Tag komme ich gerade zurück.

Der Morgen

Knallblauer Himmel – schon am Morgen zwanzig Grad – das schreit danach, mit dem Fahrrad zu fahren. Es ist immer herrlich, wenn man schon morgens oben herum nur ein T-Shirt braucht und in den Sandalen mit den Zehen wackeln kann. Kurz vor der Stadt mache ich eine kurze Fotopause, denn da wird eine neue Brücke über den Skellefteälven gebaut. Da habe ich noch nichts von mitbekommen, da ich diese Strecke nicht so oft fahre. Zum Schluss schlängele ich mich durch das Zentrum, denn heute beginnt das Stadtfest und überall stehen Zäune, Autos, Zelte, Menschen und nochmal Autos.

Arbeit

Ich hätte ja jetzt schon gerne Urlaub, aber bis zum Ende der Woche muss ich noch durchhalten. Im Büro ist es überraschend kühl und die Hitze schlägt uns ins Gesicht, als wir zum Mittagessen aufs Stadtfest gehen. Kein Wunder, denn mit 30.4 °C ist Skellefteå heute laut SMHI-Messungen der wärmste Ort Schwedens.
Das Stadtfest? Wie alle Stadtfeste, aber dazu später mehr.

Danach arbeite ich noch ein bisschen, aber die Konzentration geht gegen null und ich beschließe, eine Badepause zu machen.

Badesee

Kurz darauf sitze ich bei einer Freundin im Auto, sie hat ihren Lieblingsbadesee wiedergefunden. Für schwedische Verhältnisse ist dort einiges los. Ich kann das nicht ernst nehmen, die fünfzehn Leute. Die Luft ist warm, das Wasser des kleinen Waldsees herrlich erfrischend kühl, man möchte gar nicht mehr aus dem Wasser heraussteigen. Und zum Schluß sind wir fast alleine da. Aber … noch habe ich keinen Urlaub, die Arbeit wartet.

Arbeit

Die Kollegen gehen nach Hause, ich bleibe noch. Zum einen habe ich ja eine sehr lange Badepause eingelegt, zum anderen bin ich mit Freunden zum Stadtfest verabredet. Aber irgendwann ist es sechs und ich verlasse als letzter das Bürogebäude.

Stadtfest

Und nachdem alle am Treffpunkt eingetrudelt sind, ziehen wir zu neunt über das Stadtfest. Ich bin – wie schon im letzten Jahr – geneigt zu schreiben, dass alle Stadtfeste gleich sind: Fressgassen mit internationaler Imbissküche, die immer gleichen hässlichen Sweater mit Reggaemotiven, billige Taschen, Losbuden und dazwischen Menschen, Menschen, Menschen. Wo kommen die bloß alle her? Von den Menschen hört man allerdings gar nicht so viel, denn was gehört zu jedem Stadtfest dazu? Richtig, lokale Partybands, die unfassbar schlecht abgemischt sind. Die Musik dröhnt und wummert in Lautstärken nah der Schmerzgrenze durch das Stadtzentrum. Wer etwas mitteilen will, der muss halt schreien.

Aber halt, ein paar Sachen sind ein bisschen anders: Alle Festzelte sind abgeriegelt und alle müssen an der Security vorbei, vermutlich damit keine Minderjährigen Bier oder Wein kaufen können. Da es mehrere Festzelte gibt, besteht die Innenstadt eigentlich nur aus Zäunen, die ein gigantisches Labyrinth bilden, denn jede zweite Straße und fast alle Fußwege enden irgendwann vor einem hohen Drahtzaun.

Das Essen wie oft: Von Fast food (amerikanisch bis asiatisch) bis zu den unvermeidbaren ungarischen Langos wird das ganze Stadtfestessen gut abgedeckt. Aber es gibt auch Toast mit Pfifferlingen und dem lokalen Käse überbacken. Oder Ren als chinesisches Wokgericht. Und knatsch-buntes Gebäck, welches vermutlich im Dunkeln leuchtet. An dem unten abgebildeten Gebäck stand „Blåbär“, aber ich vermute eher, dass dort jede Menge Schlumpf mit drin war.

Auf dem Dach

Ich gehe ins Büro, um meine Sachen zu holen und nutze die Gelegenheit, auf dem Dach des Gebäudes die iPhone-Applikation „Photosynth“ auszuprobieren. Dafür, dass das Programm nichts kostet und ich mir auch nicht wirklich Mühe gegeben habe, ist das Panorama eigentlich ganz gut geworden, auch wenn man teilweise deutlich sieht, wo die vielen Einzelfotos aneinanderstoßen.

Nach Hause

Ich bin immer schon lärmempfindlich gewesen und das ist heute nicht anders. Und so verabschiede ich mich als erster und radele um kurz vor elf wieder nach Hause. Ich genieße die Stille und das herrliche Licht auf dem Heimweg. Und um zehn vor zwölf bin ich auch wieder zu Hause.

Und jetzt geht‘s ins Bett. Aber nicht das im Schlafzimmer, sondern das im Gästerzimmer im Keller, denn da ist es dunkel und herrlich kühl.

Nachtrag

  • Laut Norran, der lokalen Zeitung war gestern mit 31,1 °C der wärmste Tag des Jahres.
  • Gestern war auch ein Drachenbootrennen auf dem Fluss. Da habe ich allerdings nur die Rufe durch den Lautsprecher gehört. Man kann nicht überall sein.

Ferien

Was herrlich, ich habe Ferien! Vier Wochen! Und das sind meine ersten richtigen Sommerferien, denn den letzten Sommer war ich hauptsächlich mit Umziehen beschäftigt.

Gestern war es grau und ich faul. Heute war wieder blauer Himmel und ich immer noch faul. Aber einen kleinen Gang in den Wald habe ich gemacht, und dabei diesen wunderschönen Fischadler vor die Linse bekommen, der über mir seine Kreise zog.

Heute gelernt: 1/400 reicht bei einer umgerechneten Brennweite von 450mm nicht aus, um den Vogel scharf abzulichten. Das nächste Mal werde ich hoffentlich dran denken, eine größere Blende zu benutzen und eventuell schnell noch den ISO-Wert ein bisschen heraufschrauben. Vielleicht gibt es hier ja demnächst noch ein besseres Bild.