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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Winter in Nordschweden 2014

Ein Gastbeitrag von meiner Schwester Katrin aus Augsburg.

Als wir uns Ende Februar in Augsburg auf den Weg zu Olaf machten, wollten wir diesmal vor allem eins erleben: Winter in Nordschweden und natürlich unseren Bruder/Schwager/Onkel sehen. Das hieß in unserer Vorstellung Berge voll von Schnee, meterhohes Eis, eine zugefrorene Ostsee, über die man zu zahlreichen Inseln wandern kann. Die Realität sah dann etwas anders aus: Nach langen Wochen warmen Wetters erschien es wie ein schmuddeliger bayerischer Winter. In den nächsten Tagen konnten wir trotzdem viel Winter erleben. Querfeldein durch den Wald laufend fanden wir noch genug Schnee, um bei jedem Schritt bis zu den Knien darin zu versinken. „Olafs Badebucht“ war noch so vereist, dass wir uns über das Eis zur vorgelagerten Insel wagen konnten, um dann nach kurzer Wanderung über die Insel an der offenen Ostseeküste zu stehen. Und ein Ausflug an eine felsige Küste mit einer Bucht gab uns eine kleine Vorstellung davon, wie Packeis aussieht. Wir sahen auch Eisfischer und ein riesiges Frachtschiff, das sich seinen Weg durch den vereisten Fluss bahnte. Fazit also: Für uns aus dem „Süden“ gab es noch genug Winter zu erleben!

Ein weiteres Highlight war wieder der Besuch bei Bodaborg. So etwas wie Bodaborg kennt man in Deutschland nicht und wir bekamen den Tipp dazu von Freunden. Was man in diesem Haus machen kann, lässt sich nur schwer erklären. Es geht darum, in kleinen Gruppen Aufgaben/Rätsel zu lösen. Mal mehr zum Nachdenken, mal sehr sportlich. Es hat wieder den ganzen Tag ausgefüllt und wir waren alle voll bei der Sache.

Wir alle, aber vor allem unsere Jungens hatten außerdem ihre Freude an einer Ausstellung über die Geschichte von Computerspielen. Rundherum war es eine sehr schöne Woche mit Ausflügen, Doppelkopf spielen und viel Schlaf.

Danke für die schöne Zeit, Olaf!

Wie schwer ist wohl diese Eisscholle?Es tautStein im SchneeEine SchneebrückeWo ist die Ostsee?Wasser oder Eis – manchmal kaum zu erkennen

Abschied vom Winter – die erste Kajakfahrt

Sollte es wirklich so sein? Dass ich frei habe und schönes Wetter ist und kein Sturm? Dann steht der ersten Runde mit dem Kajak ja nichts mehr im Wege, denn das Meer ist schon seit Ende Februar offen.

Es gibt einige Plätze, wo ich das Kajak einsetzen kann: Storgrundet (noch eisbedeckt), gleich um die Ecke (nur schön, wenn auch die Bucht Kurjoviken und der Fluss schon frei sind) oder bei der Lotsenstation, die etwas weiter weg ist. Ich habe mich für letzteres, die Lotsenstation entschieden. Mit dem Hüftgurt, mit dem ich sonst die Pulka ziehe, konnte ich mein Kajak bequem die zweieinhalb Kilometer zum Einsetzpunkt ziehen und dabei die Arme baumeln lassen.

Wenig später lag das Boot auf einer Eisscholle am Steinufer und eine Minute später war ich im Wasser. Mein Ziel war die Eiskante, denn ein geschützter Teil der Ostsee zwischen Festland und Inseln ist noch komplett eisbedeckt. Die Fahrt ging überraschend leicht und das kenne ich ja schon von Fahrradtouren: Geht es leichter als erwartet, dann hat man Rückenwind und muss das alles gegen den Wind wieder zurück.

Die erste Kajaktour 2014An der Eiskante

Ich bin dann in eine schmale Lücke im Eis hineingefahren und habe fest damit gerechnet, rückwärts wieder hinauszumüssen. Das Kajak hat stattdessen aber den Riss im Eis erweitert und eine große Eisscholle abgespalten und so konnte ich, vom Wind unterstützt, weiter geradeaus paddeln.

Geht’s da weiter? Ja!

Dicht am EisEine Eisscholle löst sich und treibt seewärts

Wieder bin ich in eine Lücke hineingefahren, aber dort ging es nicht weiter und ich musste rückwärts wieder hinaus.

Geht’s da weiter? Nö!

Bald war ich recht nah den Inseln Bredskär und Klubben. Ich wäre gerne um sie herumgepaddelt, um an der anderen Seite des eisbedeckten Teiles anzulanden, aber der ablandige Wind war doch ziemlich frisch und so bin ich an der Eiskante vor den Inseln umgekehrt. Und die Schokolade, die ich auf einer der Inseln essen wollte, kann man ja auch zu Hause naschen.

Eis vor BredskärEisschollen

Wendepunkt

Das paddeln gegen den Wind ging einfacher als erwartet und bald war ich wieder am Steinufer der Halbinsel Näsgrundet bei der Lotsenstation. Ich schaute einmal noch auf das Eis draußen und habe mich deutlich vom Winter verabschiedet. Jetzt soll der Frühling kommen! Dann bin ich mit dem Kajak im Schlepptau nach Hause gelaufen.

FrühlingsboteEs war überraschend warm und am Straßenrand habe ich kleine Kätzchen als Frühlingsboten gefunden. Es ist schon lustig, wie die Leute schauen, wenn man ein Fünfmeter-Kajak hinter sich herzieht. Auch meine Nachbarn kamen mir mit den Hunden entgegen und sagten, heute sei der wärmste Tag: Jetzt schon 10 °C. Na, das passt ja zum Frühling. Und morgen, nach der Zeitumstellung geht die Sonne erst kurz vor halb acht unter. Herrlich!

Huflattichblüte

Heute hatte ich Geburtstag. Deswegen habe ich zu Hause gearbeitet und dann, weil die Arbeit es erlaubte, einen halben Tag Urlaub genommen. Schön, wenn so etwas wie bei uns auf der Arbeit ohne Absprache geht. Und weil das Wetter recht schön war, bin ich einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nachgegangen: Ziellos draußen in der Natur herumlaufen. Die Straße entlang, die kleine Abkürzung und den Weg in den Wald hinein. Nach einer kleinen Weile kommt dann links immer eine kleine Felslandschaft. Da das ein Südhang ist, ist der meiste Schnee schon längst weggetaut.

In den schattigen Vertiefungen hält sich noch ein bisschen Altschnee

Auf den Felsen umher, dann nach rechts den Hang herunter über den trockenen Graben auf die Straße. Da leuchtet es gelb! Hurra, der Huflattich (schwedisch Tussilago) blüht! Die erste Frühlingsblume hier in Skelleftehamn, drei Wochen früher als normal (2011, 2012, 2013).

Das erste Tussilago 2014

Über die Straße auf die nasse und lehmige Brachfläche an der Bucht. Und dort blüht noch eine Blüte. Lange knie ich mit der Kamera und dem Makroobjektiv, ehe mir ein Bild gefällt.

Tussilago

Weiter über die matschigen Brachflächen und dann die kleine Straße bis zur Kurve und dann geradeaus. Und dort ist noch mehr Huflattich.

TussilagoknospeTussilago im Profil

Tussilago-GruppenbildUnd noch mehr … . Nach einigen „Huflattichportraits“ und „-gruppenbildern“ verlasse ich die schlammigen Flächen und betrete wieder den Wald. Dort scheint es kühler, denn dort liegt teilweise noch Eis und Schnee. Ich war länger unterwegs als beabsichtigt und so mache ich die letzten Fotos in der Abenddämmerung gegen viertel vor acht.

Altschneefeld auf einer LichtungEis und LehmSpiegelung in einer großen EispfützeAbenddämmerung

Fotospaziergang

Ein freies Wochenende. Und recht schönes Wetter. Zum Kajak zu faul. Also den Fotorucksack auf und einfach loslaufen. Und versuchen, andere Fotos zu machen, denn …

Gestern habe ich von der Insel Gåsören Fotos gemacht. Im Abendlicht. Mit weichen Wellen und rosa Wölkchen. Zu Hause habe ich mir die Fotos angeschaut und mich gefragt, was das soll. Denn dieses Motiv habe ich schon so oft fotografiert – morgens, mittags, abends, im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Zum Beispiel hier, hier, hier oder hier. Und ich war unzufrieden mit meiner Fotografiererei.

… also bin ich heute in den Wald gegangen, um mich ein bisschen herauszufordern. Denn ich finde es extrem schwierig, Fotos im Wald zu machen. Da ich aber vor dem Spaziergang beschlossen habe, vier Fotos zu zeigen, mache ich das auch. Bitteschön:

SchneekieferFrühlingsinselBirkenwandWegmarkierung

Ja, höre ich Euch rufen, nette Fotos, aber: Wo ist der Wald!? Ihr habt recht, ich habe zwar Motive im Wald fotografiert, aber nicht den Wald an sich. Wald motiviert mich einfach weniger zum Bilder machen. Warum das so ist, frage ich mich schon seit langem. Als ich heute hinter dem erhöht stehenden neuen Wasserturm über einige Felsen lief und Ausblick hatte, kam die Erleuchtung: Ich mag es, weit zu schauen! Über das Meer, die Hochebenen des Kahlfjälls, große Seen oder auch über eine hügelige Waldlandschaft. Dichter Wald ist einfach – rein optisch betrachtet – nicht so mein Ding. Versteht mich nicht falsch, ich liebe es, durch den Wald zu Laufen, den Klang des ersten Frühlingsregenschauers, den federnden Sommerboden, den Duft der Pilze im Herbst, aber wenn es ums Schauen geht, dann liebe ich den freien Blick.

Zwei Fotos vom Wald zeige ich doch noch. Das besondere am nächsten Bildpaar ist, dass sie vom gleichen Ort gemacht wurden, ich habe das Spätwinterbild gemacht, mich auf der Stelle umgedreht und dann das Frühlingsbild gemacht.

SpätwinterwegFrühlingsweg

So sieht es momentan auf in Skelleftehamns Wäldern: An manchen Stellen komplett schneebedeckt, an anderen Stellen barer Waldboden. Zwischen den Jahreszeiten.

Ich bin von meinen Aussichtsfelsen hinter dem Wasserturm abgestiegen und unter der Straße 372 nach Skellefteå durch zum Fluss Skellefteälven weitergelaufen. Dort fand ich es sofort leichter, Motive zu finden, zum Beispiel diese Holzgerippe, die ich von der anderen Seite vom Kajak aus schon gesehen habe aber keine Ahnung habe, was dies wohl ist. Ich tippe mal auf eine alten Bootsanleger, vielleicht für ein Sägewerk oder ähnliches.

Holz-Dingbums am FlussHolz-Dingbums am Fluss

Zum Schluss noch ein paar Fotos von heute, man könnte sagen „Aus jedem Dorf ein Hund“, denn jedes Bild steht ein bisschen für sich selbst und mit keinem anderen im Zusammenhang.

Gewusel auf allen AmeisenhaufenHolzbank am WasserturmMinihütte auf Miniinsel im FlussHej :-) – ein freundliches Graffito

Ich werde weiterhin So-sieht-es-gerade-in-Nordschweden-aus-Fotos machen. Aber nicht nur. Ich werde mir einige Themen stellen und dazu Bildserien machen. Ob ich die dann hier oder auf einer eigenen Webseite zeige, das weiß ich noch nicht.

Frühlingspaddeln

Heute habe ich zum ersten Mal mein Kajak wieder zum Strand von Storgrundet gezogen, denn auch dort ist das Meer seit kurzer Zeit eisfrei. Storgrundet hat als Startpunkt die Vorteile, dass man nur eine viertel Stunde läuft, einen herrlichen kleinen Sandstrand zum Kajak hineinschieben hat und dann sofort draußen ist und nicht erst noch an der Industrie der Halbinsel Rönnskär entlang paddeln braucht. Bald saß ich im Kajak, ließ das Steuerruder herunter und paddelte durch den kleinen Durchlass zwischen Festland und der Nordwestspitze der Insel Storgrundet. (Ja, es ist etwas verwirrend, sowohl der Strand am Festland als auch die Insel heißen Storgrundet.)

TourstartSelbstportraitAuf dem MeerVielleicht nach Medgrundet?

Heute bin ich in Richtung offenes Meer gefahren, denn Medgrundet lockte am Horizont. Eigentlich war mir die Insel mit drei Kilometern ein bisschen weit weg, denn selbst, wenn es so ruhig und windstill wie heute ist, dann frage ich mich immer, was passieren würde, wenn ich ins Wasser plumpse. Auch wenn die Sonne warm sein mag, das Wasser ist ja immer noch eiskalt. Deswegen würde ich zu dieser Jahreszeit nie alleine drei Kilometer weit aufs offene Meer paddeln.

Doch auf halber Strecke liegt die Insel Själagrundet, die eigentlich nur ein großer, von Möwen bewohnter Steinhaufen ist und das Meer war ja ruhig. Also habe ich mich auf den Weg gemacht. Doch kurz vor Själagrundet wurden die Wellen zappeliger und da der gebraucht gekaufte Trockenanzug, den ich heute anhatte, nicht komplett dicht ist – die eine Armmanschette ist kaputt – bin ich zwar noch nach Själagrundet gefahren, dann aber nicht weiter hinaus gepaddelt, sondern nach links zur Insel Djupskäret abgebogen, wo ich eine kleine Pause gemacht habe.

Am Ufer von Djupskär

Blick auf MedgrundetPause in der Frühlingssonne

Weiter bin ich in Richtung Harrbäckssand, einer flachen Bucht mit Sandstrand gepaddelt und auch dort wollte ich eine Pause machen. Das war gar nicht so leicht, in Richtung Ufer zu kommen, denn das Wasser ist auf weiter Strecke keine 30 Zentimeter tief. Also bin ich zum Schluss ausgestiegen, habe das Kajak auf eine kleine Kiesbank gezogen, die Kamera geschnappt und bin durch das flache Wasser ans Ufer gewatet.

„Schlurp!“ sagt der Boden und verschluckt mich. Ich stecke plötzlich bis zur Hüfte in einem grauen Schlickloch. Ich weiß zwar, dass der Untergrund vor Harrbäckssand teilweise ein bisschen lehmig ist, aber man überall laufen kann. Eigentlich! Vielleicht habe ich das einzige Schlickloch weit und breit gefunden, es würde passen. Schnell mache ich noch ein Foto fürs Blog, ehe ich mich wieder aus dem Schlick befreit habe. Das war nur eine Sache von Sekunden, denn das Zeugs war weich und rundherum war der Boden ja hart. Die nächste Viertelstunde war ich damit beschäftigt, den Anzug wieder sauber zu bekommen. Gar nicht so leicht, wenn das Wasser so flach und der Schlick so anhänglich ist.

Später sehe ich, dass Gewebematten unter der vermeintlichen Kiesbank hervorschauen. Vermutlich ist das Problem bekannt und man hat früher schon versucht, den Boden zu stabilisieren. Ich habe eine Mail an die Kommune geschrieben, mal schauen, ob die etwas unternehmen.

Bis zur Hüfte im SchlickSchlicküberzogen

Nachdem die Hosenbeine wieder mehr nach gelbem Nylon als nach grauem Schlamm aussahen, bin ich weitergepaddelt. Längst schon war es so warm, dass ich die Mütze nicht mehr auf dem Kopf hatte und die Neoprenhandschuhe unter einem der Gummizüge des Kajaks klemmten. Möwen kreisten leicht empört über mir – was, bitte schön habe ich auf ihrem Meer zu suchen?! – und die Sonne schuf gemeinsam mit den kleinen Wellen bizarre Muster auf dem sandig-welligen Meeresufer. Ich finde, dass das Unterwasserbild, bei dem ich die Kontraste stark erhöht habe, eher wie ein fremder Planet als wie die nordschwedische Ostsee aussieht.

Meeresboden

Nun musste ich nur noch geradeaus paddeln und zum ersten Mal überhaupt hatte ich den Eindruck, dass meine Bewegungen im Fluss sind und das Paddeln gar nicht mehr anstrengt. Das liegt natürlich auch daran, dass ich nicht mehr den dicken roten Neoprenoverall anhatte, der sich jeder Armbewegung widersetzt. Als ich wieder am Strand von Storgrundet ankam, hatte ich noch nicht genug. Nach einer kurzen Pause habe ich deswegen das Kajak wieder ins Wasser geschubst und bin noch um die Insel …

+++ Eilmeldung: Gerade eben ist Skellefteå AIK wieder schwedischer Eishockeymeister geworden. Nach 3–0, 6–2, 8–1(!) hat AIK gerade 3–0 gegen Färjestad BK gewonnen. Jetzt ist bestimmt ganz Skellefteå im Siegertaumel – wie schon im letzten Jahr +++

… also, ich bin noch um die Insel Brambärsgrundet gepaddelt. Dort ist das Wasser noch flacher und geschützter als zwischen Storgrundet und Festland und dort habe ich auch noch die letzten kleinen Eisschollen gefunden.

Die letzten kleinen Eisschollen

Als ich zu Hause ankam war T-Shirt-Wetter: 16 °C im Schatten, der erste warme Tag. Und wem das nicht reicht: Die Sonne hat meinen Wintergarten auf 28 °C aufgeheizt. Hochsommertemperaturen!

Valborg 2014

Wie schon im Vorjahr habe ich dieses Jahr Valborg wieder bei Annica und Martin in ihrer Stuga in Bygdeträsk gefeiert. Zur Erinnerung: Valborg steht für Valborgsmässoafton, der schwedischen Variante der Walburgisnacht, und wird jedes Jahr am 30. April gefeiert. Wie praktisch, dass dann der erste Mai frei ist.

Nach einem halben Tag Arbeit habe ich mich gestern also ins Auto gesetzt und bin nach Bygdeträsk gefahren. Warm war es nicht gerade, das Thermometer zeigte nur 3-4 °C an. Normalerweise fahre ich zum Schluss den kleinen Holperweg direkt zur Stuga hinunter, doch seitdem dort im letzten Herbst Wasserleitungen verlegt wurden, ist dieser Weg eine einzige klebrige Lehmpampe. Deswegen habe ich mein Auto oben stehen gelassen. Annica schrieb heute auf Facebook, dass ihre Nachbarin einen Spontanbesuch gemacht hat und sich dort prompt festgefahren hat.

Das Grundstück liegt wunderschön am „Göksjön“, dem Kuckuckssee, dem ich erst einmal einen kurzen Besuch abstatten musste. An einigen Stellen am Rand lag noch ein bisschen Eis, doch im großen und ganzen war der See frei und es juckte mir in den Fingern, mich ins Kanu zu setzen und eine kleine Tour zu machen.

Am Göksjön

Schilfstengel im EisAltes Eis am steinigen Ufer

Bald war auch unser gemeinsamer Freund Lasse gekommen, und Martin fing mit dem Grillen an. Schon länger brannte ein großes „Majbrasa“ – ein Maifeuer, welches fest zu Valborg dazugehört. Stundenlang könnte ich am Feuer stehen, in die Flammen schauen und kleine und große Äste hineinwerfen.

Martin grillt Schwein, Hühnchen, Champignons und Spargel – lecker!Es ist immer wieder schön, ins Feuer zu schauen

Noch während ich mich über die Sonne freute, trudelte eine kleine Schneeflocke vorbei. Und noch eine. Es fing an zu schneien! Immer wieder hatten wir kleine Schneeschauer, doch sie waren von kurzer Dauer. Wenn dann gleichzeitig die Sonne scheint, ist das einfach wunderschön anzusehen, wie jede einzelne Schneeflocke leuchtet und funkelt. Das Bild gibt es nur unzulänglich wieder, vermutlich müsste ich ein Video drehen, damit man das Gefunkel sehen kann.

Schneeflocken funkeln in der Nachmittagssonne

Nach einem ausgiebigen Drei-Gänge-Dinner haben wir am Feuer gestanden, uns es dann drinnen in der kleinen kamingeheizten Stuga gemütlich gemacht und ganz zum Schluss sogar – es war schon dunkel – noch gebadet. Das allerdings nicht im eiskalten Seewasser, sondern in der holzbeheizten Badetonne, in der man es bei +37 °C Wassertemperatur lange aushalten kann, selbst wenn es frisch um die Ohren ist. Erst nach zwei Uhr nachts – alles andere als meine Zeit – bin ich müde auf die große Matratze im Schuppen geplumpst und war sehr froh, dass ich einen warmen Schlafsack dabei hatte, denn der Raum ist nicht isoliert und draußen war inzwischen schon ganz schön frostig.

Genau vier Jahre kenne ich Annica und Martin jetzt, doch meine ältesten Freunde in Skellefteå sind es nicht, denn Lasse (und Martine) kenne ich genau 8 Tage länger. Vielen Dank, Ihr drei, für den wunderschönen Tag.

Majbrasa – hier später am Abend

Um elf habe ich mich heute auf den Rückweg nach Hause gemacht. Statt einer Stunde habe ich sieben Stunden gebraucht. Ich habe eben noch ein paar Umwege gemacht, doch davon später …

Maischnee

Gestern habe ich Valborg in Bygdeträsk gefeiert, heute gegen elf sitze ich im Auto und fahre wieder nach Hause. Allerdings nicht direkt. Erster Mai, ein freier Tag! Das Wetter ist schön, die Sonne scheint, ein paar Plusgrade hat es wieder nach frostiger Nacht, vielleicht gibt es noch irgendwo etwas zu sehen.

Das gibt es. Zum Beispiel eine ansteigende Straße, noch nass, in der sich grell die Sonne spiegelt.

Blauer Himmel und Sonnenspiegelung

Doch das Wetter ändert sich. Dunkle Wolken ziehen auf, aus denen es graupelt und schneit, an manchen Stellen überraschend heftig. Ich fahre viele kleine Straßen, viele sind nur sogenannte „Grusvägar“ – Kieswege. Doch die Nadel der Tankanzeige steht schon auf R, also fahre ich nach Lövanger, welches an der E4 liegt und damit eine auch am Feiertag geöffnete Tankstelle hat. Auch hier schneit es und so mancher Passant läuft ziemlich winterlich gekleidet vorbei. Vollgetankt fahre ich weiter und nun nehmen die Schneeschauer zu und werden stärker.

Winterlich gekleidet am 1. MaiEiner der stärkeren Schneeschauer

Und so fotografiere ich noch einmal eine Straße: Dieses mal nicht mit Sonne und blauem Himmel, sondern mit dichtem Schneefall.

Starker Schneeschauer

Die Schneeschauer werden dichter und es kühlt sich ab. Irgendwann zeigt das Autothermometer nur noch 1 °C an und der Schnee beginnt, liegen zu bleiben. Und als ich irgendwo kurz vor Uttersjöbäcken aus dem Wald komme, liegt genug Schnee auf dem Acker, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass heute der erste Mai ist.

Nur noch 1 °CVerschneiter Acker

Es war kein Zufall, dass ich nach Uttersjöbäcken gefahren bin, denn dort ist das schöne Naturreservat „Bjuröklubb“, eine große Landzunge, die in der Ostsee ragt, gleich um die Ecke. Dort wollte ich jetzt den Leuchtturm im Schneeschauer fotografieren. Aber nochmals hat sich das Wetter geändert und plötzlich war es wieder sonnig. Genau das richtige Wetter, um über die Felsen zum 50 Meter tiefer liegenden Felsstrand hinabzusteigen. Ich war ganz froh, in meiner Münchner Zeit so manche Bergtour gemacht zu haben, sonst hätte ich mich an manchen Stellen nicht entlang getraut.

Bjuröklubb Fyr, der alte LeuchtturmGranitfelsen im GegenlichtHoher FelsquaderManche Felsen sind ziemlich hoch

Als ich unten angekommen war, schaute ich über das klare Meer, welches den leuchtend blauen Himmel widerspiegelte. Kleine Wellen plätscherten an die Felsen, sonst war es still und ruhig. Was für ein Kontrast zu der winterlich anmutenden Autofahrt hierher.

Felsküste bei Bjuröklubb

So, Winter, Du hast Dein Gastspiel gehabt, jetzt darf es gerne auch wieder Frühling werden.

Die Route: Bygdeträsk – Andersvattnet – Söderby – Korssjön – Flarken – Gammbyn – Kålåboda – Brände – Vebomark – Lövanger (Volltanken) – Fjälbyn – Uttersjöbäcken – Bjuröklubb – Uttersjöbäcken – Risböle – Burvik – Bureå – Örviken – Skelleftehamn

Zurückdatiert vom 02. Mai 2014 00:32 auf den 01. Mai 2014 23:59

Eigentlich ist ja Frühling …

… doch dann schaue ich um halb vier – es ist schon recht hell – aus dem Fenster und sehe das:

Schnee am Morgen

Es hat also wieder geschneit! Am 4. Mai! Ich will keinen Schnee mehr, so etwas will ich sehen:

Es grünt so grün

Ich muss aber noch ein bisschen warten, bevor ich dieses zweite Foto machen kann. Zum einen stehe ich nicht freiwillig um halb vier Uhr nachts auf, zum anderen war das Vormittagswetter nicht viel besser: Nur knapp über null Grad, grau und ein bisschen Schnee und Graupel. Aber am Nachmittag klarte es auf und ich habe einen Spaziergang am Norrfjärden bei Bureå gemacht.

Spaziergang ist allerdings relativ, denn alle Wege sind nur dafür gemacht, damit die Schweden bequem zu ihren Stugas – den Sommerhäusern kommen. Und deswegen besteht das Wegenetz an See und Meer nur aus einem großen Bündel Stichwegen und Sackgassen irgendwo im Wald. Am Ufer selbst gibt es fast keine Wege. Also bin ich querfeldein gelaufen. Entweder über die großen runden Steine am Ufer oder mitten durch den Wald, durch flaches Wasser, über matschige Wiesen oder auch über die letzten dicken Eisflächen im Schatten des Waldes. Wohl zwanzig Mal setze ich die Mütze in der Sonne ab und ebenso oft im Schatten des Waldes wieder auf.

Am NorrfjärdenDer Oxviken

Insel im Norrfjärden

Doch das Eis am Ufer ist nur noch Dekoration. Die Natur auf Frühling eingestellt: Vögel singen, Spechte klopfen, zwei Schneehasen im Fellwechsel springen vorbei, die ersten Blätterknospen an manchen Bäumen gehen auf und zeigen das erste Grün (siehe Bild oben) und in einer Wasserlache entdecke ich den ersten Froschlaich.

Dort entdecke ich aber auch etwas anderes: Mückenlarven und zwar jede Menge davon. Bald werden sie sich verpuppen, schlüpfen und dann wird jede Aktivität außer Haus wieder von vielstimmigem Mückengesumm begleitet sein. Ich hoffe, dass aus den Froscheiern – links unten im Bild – erst kleine Kaulquappen und dann kleine Frösche werden. Denn kleine Frösche haben die Mücken bestimmt zum Fressen gerne. Guten Appetit, Ihr Vögel und Frösche – bedient Euch. Wohl bekomm’s!

Mückenlarven

Vor drei Tagen habe ich übrigens eine Kreuzotter gesehen, die erste überhaupt in Nordschweden. Sie lag zusammengeringelt da und schien recht zufrieden, bis ich kam, das Teleobjektiv auspackte und sie fotografieren wollte. Da hat sie sich schnell hinweg geschlängelt und in ein Loch verkrochen. Auch die Schneehasen heute hätten sich ruhig ein bisschen Zeit lassen können. Schade, dass die meisten Tiere immer so scheu sind. Nur die Mücken sind zutraulicher als man sie sich wünscht.

Freuen auf den Regen?

Eisbedeckter SeeWarm war es die letzten Tage ja wirklich nicht. Morgens immer ein paar Grad plus, aber auch nur, weil die Sonne schon vor vier Uhr aufgeht. Einmal war ich um halb vier wach, da zeigte das Thermometer -4.5 °C. Und heute, als wir zu einem Meeting nach Lycksele (150 Kilometer Richtung Inland) fuhren, kam wieder ein bisschen Schnee bei leichten Plusgraden herunter und auch manche großen Seen waren noch eisbedeckt.

Die Birken tragen schon grüne Knospen und vermutlich braucht es bloß einmal Regen und dann ein bisschen Wärme, dass plötzlich alles wieder grün ist. Am Wochenende soll es regnen und danach Sonne und zehn Grad geben, das sollte ausreichen.

Rund um eine Norwegenkurzreise

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Mo i Rana 2014.

Wenn man verreist, dann erlebt man was. Und wenn man von der schwedischen Ostseeküste über das Fjäll nach Norwegen reist, dann gibt es immer viel zu sehen.

Elisabet und ich sind letztes Wochenende für drei Tage nach Mo i Rana gefahren, um dort 17. Mai, den norwegischen Nationalfeiertag mitzufeiern. Darüber habe ich gestern im Artikel Syttende mai schon geschrieben.

Von Skelleftehamn nach Mo i Rana sind es gut 500 Kilometer. Die Stadt liegt in Norwegen am Ende des Ranfjorden, der tief in das Land einschneidet. Deswegen muss man nicht noch stundenlang kurvenreiche Küstenstraßen entlanggurken und ist relativ schnell da. Elisabet und ich sind die Strecke am Freitag gefahren, haben es aber ein bisschen ruhiger angehen lassen und auch Pausen gemacht. So konnte ich auch auf dem Hinweg fotografieren. Den Elch habe ich nicht mehr erwischt und die Rentiere am Straßenrand fand ich nicht so fotogen, also habe ich mich auf die Landschaft gestürzt.

Die erste Hälfte der Strecke ist frühlingsbunt: Blaue Seen, rote Häuser, dunkelgrüne Fichtenwälder und rotbraune Moore. Da das so aussieht wie bei mir zu Hause, blieb die Kamera im Rucksack. Doch dann steigt die Straße an, man fährt über das Fjäll und fast ist es so, als ob man in einer Zeitmaschine sitzt und wieder zurück in den Winter fährt. Seht selbst:

Eisschollen am GardikenEisschollen am GardikenFels, Eis, See und BergWeiße Winterweite bei Rukkon, Umasjö

Selfie an der GrenzeBald ist die Grenze erreicht und Elisabet und ich machen ein obligatorisches „Grenzselfie“. Doch wir sind nicht alleine an der „Riksgräns“. Dort steht auch ein Bus. An der Seite steht „Matbussen. Välkommen in“ – Der Essensbus, willkommen. Ein mobiler Lebensmittelladen – so etwas kenne ich eigentlich nur aus uralten Jugendbüchern.

MatbussenMatbussen von innen

Szenenwechsel: Es ist Samstag vormittag. Es ist grau, aber der Regen hat aufgehört. Wir machen einen Spaziergang mit unserer Gastgeberin. Fünfzig Meter die Straße hoch und man ist im Wald. Der wächst allerdings an einem Hang, der nach oben hin immer steiler wird, bis blanker Fels beinahe senkrecht ansteigt. Die Schneeschmelze ist noch im vollen Gang, überall gluckert und plätschert es und große wie kleine Bäche bahnen sich ihren Weg durch den Hang und bilden überall Wasserfälle. Irgendwann wird der Weg so nass, dass meine stiefellosen Mitwanderer nicht mehr weiterkommen und wir umkehren.

Holzsteg auf dem HinwegAltes Eis am Bach auf dem Rückweg

Das passt aber ohnehin ganz gut, denn wir wollen ja in die Stadt zu den Feierlichkeiten des 17. Mai. Nach einer Pause machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Dort haben aber nicht nur in der Fußgängerzone gestanden, sondern auch einen Gang ans Ufer des Ranfjorden gemacht.

Blick auf den Fjord und den „Havmannen“Bunte Holzhäuser in Mo i Rana

Wir schaffen es gerade noch, trocken nach Hause zu kommen, dann geht der Regen los. Welch ein Glück, dass wir die ganze Feier trocken und teilweise sogar sonnig erleben durften. Das ist alles andere als selbstverständlich in den oft ziemlich verregneten norwegischen Fjord- und Küstenstädten. Aber Regen kann auch sehr gemütlich sein, wenn man drinnen im Warmen sitzt, nett bekocht wird und nicht mehr raus muss.

Regenwetter

Gegen neun hört der Regen auf und ich mache mich doch noch einmal auf den Weg nach dreußen, um Wasserfälle zu fotografieren. Das richtige „Hammermotiv“ finde ich den Abend nicht, aber Spaß macht es trotzdem.

Wasserfall in drei Blickwinkeln – IWasserfall in drei Blickwinkeln – III

Wasserfall in drei Blickwinkeln – II

Neben anderen kleinen Wasserläufen habe ich noch einmal die Stadt fotografiert.

Kleiner Wasserfall und altes EisMo i Rana um 23:00

Szenenwechsel: Es ist Sonntag, gegen neun und wir haben uns gerade auf den Rückweg gemacht. Auf dem Kahlfjäll muss ich diese schönen Hütten fotografieren. Ich möchte selbst keine Hütte besitzen, da ich finde, dass sie einen zu sehr bindet, aber es gibt schon sehr schöne Lagen, vor allem in Fjäll.

Hütten am See

Wenig später rufe ich: „Weiße Rentiere!“ und Elisabet bremst und setzt sofort zurück. Die Rentiere sind weit weg und ich habe sie nur gesehen, weil zwei auf dem braunen Gras liegen und nicht auf dem Schnee. Ich steige aus und möchte ein bisschen näher kommen, aber sofort stehen die Rentiere auf und traben weg.

Weiße Rentiere bringen Glück, sagen die Samen – so erzählt mir Elisabet. Nur kurze Zeit später sehen wir wieder zwei weiße Rentiere. Dann wieder einige, zwei davon weiß. Wir sind mitten in einer Nordlands-Safari. Viele Rentiere, ein Elch (wieder zu schnell für mich und meine Kamera) und auch ein Auerhuhn lassen sich blicken. Elisabet erzählt, dass es auch Albinos unter den Rentieren gibt und dass deren Horn rosa ist. Kurze Zeit später stehen wieder zehn Rentiere an der Straße und es ist tatsächlich ein Albino dabei. Im Gegensatz zu den anderen eher scheuen Gesellen lässt es sich ruhig fotografieren.

Weiße Rentiere auf dem Fjäll (Ausschnittsvergrößerung)Auerhuhn (Ausschnittsvergrößerung)

Ein zutrauliches Albino-Rentier

Gegen zwei sind wir in Lycksele, wo Elisabet ihr Auto gelassen hat. Sie fährt weiter nach Umeå und ich nach Skelleftehamn. Und das ganz in Ruhe und mit vielen kleinen Pausen, denn es ist der erste warme Tag des Jahres: Über 20 °C! Als ich im T-Shirt ein Stück am Vindelälven entlanggehe, kann ich mir kaum vorstellen, dass ich morgens noch in Mo i Rana war und dann an zugefrorenen Seen vorbeigefahren bin, auf dem einen saß sogar noch ein Eisfischer. Die Zeitmaschine spult also wieder auf Frühling vor. Schön!

Am Vindelälven

Noch bis Boliden (50 km von zu Hause) sehe ich immer wieder Rentiere. Die letzten fünfzehn Kilometer sinken die Temperaturen kräftig: Von +21 °C auf +11 °C. Denn der Wind weht vom Meer und das ist noch richtig kalt. Aber die Birken öffnen ihre maigrünen Blätterknopsen und das ist so schön, dass mir die Temperaturen eigentlich völlig egal sind.

Vielen Dank, Elisabet, für eine schöne Kurzreise. Vielen Dank, O und M, für Eure herzliche Gastfreundschaft!

Frühlingsfarben

Warme 20 °C und Sonne satt – das mögen die Birken, die ihre Blätter um die Wette sprießen lassen. Und ich mag das auch. Sowohl das barfuß und im T-Shirt am Fluss Mittagspause machen, als auch die herrlichen Farben, die die sinkende Abendsonne auf Birkenstamm und -blätter zaubert.

„Frühlingsfarben“„Durchlicht“„Sonnenlücke“„Leuchtkraft“

Was für ein Kontrast zu den eisbedeckten Seen, an denen ich noch am Wochenende bei der kurzen Norwegenreise vorbeifuhr.

Nachtrag

Auf Facebook schrieb eine Schwedin, ich könne genauso gut gleich auf „Sommer“ aktualisieren und schickte einen Link zur Jahreszeitenkarte des smhi. Vorgestern, am 20. Mai war Skellefteå auf der Karte rot eingefärbt und das bedeutet „Sommar sedan minst 5 dygn, enligt meteorologisk definition (Dygnsmedeltemperatur över 10°C 5 dygn i följd)“ – Sommer seit mindestens 5 ganzen Tagen, laut meteorologischer Definition (Tagesmitteltemperatur über 10 °C 5 Tage in Reihe).

Sieben Kurzartikel

Heute kann ich mich nicht entscheiden,worüber ich schreiben soll, also schreibe ich über siebenerlei Dinge, aber versuche mich, kurz zu halten. Mal schauen, ob’s klappt …

Über das deutsche Brot

Diese Woche habe ich Brot gekauft. Bei Lidl. Deutsches Brot. Seitdem esse ich drei Mal täglich Brot mit Käse und bin einfach begeistert. So lecker und so ungleich dem labbrig-süßem Schwedenbrotersatz! Mit nationalen Identitäten habe ich es ja nicht so, aber wenn ich etwas mit Deutschland verbinde, dann sind es die unzähligen Varianten von gutem Brot. Sollte ich einmal ein heroisches Nationallied für die Deutschen dichten müssen, so käme vermutliches in etwa folgendes heraus.

Oh, tu Teutscher von teutschen Lanten,
Tu bist wie Brot – ganz ohne Scherz!
Tie Kruste hart bis hin zum Kanten,
doch innen frisch und sanft Dein Herz.

Über Flugreisen

Aber wenden wir uns von schlechten Dichtungen aus deutschen Landen ab und Italien zu. Da hätte ich ein paar Wochen sein können. Und da wäre ich auch gerne hingereist, denn Freunde aus München haben dort ein Haus gemietet und nette Menschen eingeladen. Doch eine Flugreise nach New York scheint leichter, schneller und günstiger als eine Reise von Skellefteå nach Florenz zu sein. Unter zwei Mal umsteigen geht ohnehin gar nichts. Dann darf ich mir aussuchen, ob ich in 35 Minuten umsteigen möchte (wie denn?) oder doch lieber 29 Stunden unterwegs sein. Als Alternative darf ich auch gerne 750 Euro zahlen und mehr, dann werden die Verbindungen ein klein wenig besser. Und die meisten Rückflüge starten vor dem Aufstehen, also müsste ich noch eine Hotelnacht in Florenz buchen.

Es ist sehr schade, dass man in Skellefteå so weit weg von Zentraleuropa ist und viele Verbindungen sehr umständlich, zeitaufwändig und teuer sind. Ich habe die Italienreise wieder abgesagt. Doof das, sehr doof!

Über einen Auftritt in Jörn

Nah hingegen ist das schwedische Inland. Jörn beispielsweise (ca. 800 Einwohner) ist nur eine Autostunde entfernt. Dort war ich gestern Abend und habe Musik gemacht. Ein Tenor aus dem Kammerchor hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, mit ihm (plus Bass und Schlagzeug) dort zu spielen. Normalerweise nehme ich als Pianist keine unbezahlten Jobs an, aber hier habe ich eine Ausnahme gemacht. Wir haben in einem kleinen Zelt gespielt und obwohl der Auftritt nicht gerade ein musikalisches Glanzlicht darstellte, hat es doch Spaß gemacht, für das kleine Publikum, welches dieses Konzert wirklich zu schätzen wusste, zu spielen. Und bei „Fever“ bemühten sich auch alle redlich, auf zwei und vier zu klatschen, wie es sich gehört. Eine lange Pause gab es, in der Hamburger verkauft wurden, so kam ich auch noch zu meiner Gage: Einen Hamburger für 30 Kronen ;-).

Rudi Kreuzkamm […] hatte behauptet, der Nichtraucher spiele abends, bis in die Nacht hinein, in der Vorstadtkneipe „Zum letzten Knochen“ Klavier, und er kriege eine Mark fünfzig Pfennig dafür und ein warmes Abendbrot.

Erich Kästner: Das fliegende Klassenzimmer

Ich sollte dazu sagen, dass ich freiwillig auf jegliche Gage verzichtet habe, weil die anderen auch keine bekommen haben und ich es doof fand, als „special guest“ behandelt zu werden.

Über das leere Inland

In den anderen Pausen bin ich ein bisschen durch Jörn gelaufen. Ich beneide das kleine Städtchen um seinen Bahnhof! 21:33: Umeå Stockholm, 4:25 Luleå Boden Narvik steht an der digitalen Anzeigetafel, die so gar nicht zu dem schönen alten Bahnhofsgebäude passt. Stell Dir vor, Du wohnst in einem Kaff und kannst, ohne umzusteigen, nach Berlin, in die Alpen und an die Nordsee fahren. So ein Bahnhof ist das. Wie gesagt, beneidenswert!

Weniger beneidenswert ist der Ort an sich – so viele Häuser stehen leer. In manchen hängt ein Schild „Zu verkaufen“, bei manchen sind die Fenster mit Brettern vernagelt und einige rotten einfach vor sich hin. Wie muss das sein, in einem halbleeren Ort zu wohnen und zu ahnen, dass vielleicht nie wieder alle Häuser mit Leben gefüllt sein werden. Denn Arbeit im Inland zu finden ist schwer und die aktuelle schwedische Regierung tut auch nicht gerade viel dafür, um das schwedische Inland am Leben zu erhalten. Schulen werden geschlossen, Krankenstationen verschwinden, Straßenbeleuchtungen werden abgeschaltet. Eine der weniger schönen Facetten Schwedens.

Über die Russenwärme

Bald sitze ich wieder am Digitalpiano im Zelt. Schwitze und trinke Wasser. Denn es ist richtig warm. 27 °C! In Skellefteå waren es schon morgens über zwanzig Grad und mittags haben ein Kollege und ich barfuß am Fluss gesessen und Mittagspause gemacht, während die ersten Sommerschwimmer den immer noch eiskalten Fluss entlang schwammen.

Um zehn Uhr ist unser Konzert in Jörn vorbei und wir fahren wieder zurück in die Stadt und ich nach Hause weiter. Als ich um zehn nach elf in Skelleftehamn ankomme, zeigt das Thermometer immer noch 20 °C an. Solche warmen Tage werden hier „Ryssvärme“ – Russenwärme genannt, weil wir diese Wärme meist dem kontinental geprägtem russischen Klima zu verdanken haben. Im Winter gibt es dann das Gegenstück: „Rysskylan“.

Über das gegen den Wind segeln

Jetzt ist es schon um einiges kühler und morgen wird jede Menge Regen bei Temperaturen von unter 10 °C erwartet. Damit fällt meine vormittägliche Paddeltour wohl aus, aber ich bin gar nicht so böse, denn morgen Abend haben wir unser Frühjahrskonzert mit dem Kammerchor und wenn das Wetter zu schön ist, dann kommt ja keiner.

Wir haben ein gemischtes Programm mit einigen sehr jazzigen Stücken (unter anderem „Waltz for Debby“), da wir zwei Solisten mit dabei haben: Den Jazzpianisten Mathias Algotsson und die Jazzsängerin Margareta Bengtson. Margareta Bengtson ist übrigens ein winzig-kleines Puzzleteil in meiner Schwedengeschichte und das kommt so:

In Essen habe ich damals ein Duo gehabt. Eine Sängerin und ich am Klavier: Die Sängerin hatte Bezug zu Schweden und kam mit einigen schwedischen Volksliedern an: „Kristallen den fina“, „Uti vår hage“ und „Vem kan segla förutan vind“ (Wer kann gegen den Wind segeln). Von dem letzten Lied gibt es eine Einspielung mit dem schwedischen A-Capella-Quintett „The Real Group“ zusammen mit Toots Thielemans. Eine unfassbar schöne Aufnahme, fand ich schon damals und ich habe direkt meine Liebe für die schwedischen Volkslieder, die so viel anmutiger ankamen als so manches deutsche Volkslied, entdeckt. Das war – neben Pippi Langstrumpf aus Kinderzeiten – einer meiner ersten Anknüpfungspunkte mit Schweden. Und bei genau dieser Aufnahme sang Margareta Bengtson Sopran. Es ist wirklich eine tolle Erfahrung, sie jetzt persönlich kennenzulernen – wieder schließt sich ein kleiner Kreis.

Über das Rasenmähen

Natürlich hoffe ich, dass morgen viele Zuhörer kommen und deswegen freue ich mich ja auch über den Regen, der diese Nacht losgehen soll. Davor musste ich aber noch etwas erledigen: Das Rasen mähen! Als ich den Rasenmäher betankt und gestartet habe, war das gleichsam entrüstete wie lustlose Röhren des Benzinmotors selbst durch meinen Gehörschutz deutlich zu hören. Ich glaube fast, mein Rasenmäher mag das Rasen mähen nicht sonderlich. Nun, da haben wir etwas gemeinsam. Ich finde es auch nur mäßig inspirierend, den Mäher über eine lang Stunde kreuz und quer durch den Garten zu schieben. Dass das Ganze so lange dauerte, war meine Schuld: Wieder war ich zu spät dran mit dem ersten Frühjahrsmähen und im sonnigen Vorgarten war das Gras schon bis zu dreißig Zentimeter lang. Da kommt man oft nur zentimeterweise vorwärts. Doch bald war der Rasen gemäht, eine große Schubkarre Gras in den Wald gefahren und wenn es eine Medaille für das späteste Rasenmähen in Skelleftehamn gäbe, so dürfte ich sie mir wohl zum vierten Mal in Folge abholen.


Das waren sieben Kurzartikel. Mit dem kurz halten hat es nicht so recht geklappt, es ist halt leichter, mittellange als kurze prägnante Texte zu schreiben.

Schwedischer Nationaltag

Gestern war der 6. Juni, das ist der schwedische Nationalfeiertag. Im Gegensatz zum 17. Mai in Norwegen wird der aber eher ruhig angegangen. Natürlich ist hier und dort eine Flagge gehisst, aber das war es dann auch schon. Glaube ich zumindest.

Gestern war ich mit dem Auto unterwegs und der kurvige Kiesweg, den ich von Kåge aus genommen habe, hat mich schon halb nach Kusfors geführt, wo Lasse und Martine leben. Die waren aber nicht zu Hause, sondern in Norsjö, um dort für das Dorf Kusfors den Preis „Årets by“ – Dorf des Jahres – der Kommune entgegenzunehmen. Ich bin deswegen über kleine Nebenwege (Åliden – Stöverfors – Krångfors – Finnfors – Bastuträsk) nach Norsjö gefahren, um mich dort mit meinen Freunden zu treffen und bin mitten in die Nationaltagsfeier geplumpst.

Dies hätte fast ein x-beliebiges Sommerfest sein können, mit Hüpfburg, Rede, Fika für alle (die kalten Getränke waren eine willkommene Erfrischung bei 27 °C) und Preisverleihung. Einige liefen tatsächlich in Tracht umher, aber das waren vermutlich die Mitglieder der Volkstanztruppe, deren Aufführung ich verpasst habe. Doch zwei Dinge waren schon ein bisschen nationalfeierig. Zum einen wurde die Nationalhymne gesungen. Das habe ich in Schweden noch nie erlebt. Aber weil ein Sänger am Mikrophon laut vorsang, hatte ich den Eindruck, dass die Schweden eher ein bisschen mitmurmelten, anstatt inbrünstig mitzuschmettern. Und dann die Flaggen: Die große Flagge war gehisst, an den alten Häusern wehten die Flaggen und auch die Tortenstückchen waren mit kleinen Schwedenflaggen geschmückt. Das sieht schön aus, denn die blau-gelben Flaggen fügen schöne, bunte Farbtupfer zu den frühlingsgrünen Birken und den roten Holzhäusern hinzu.

Fika: Kaffe und KuchenDie schwedische Flagge ist gehisst

Die Schweden sind angenehm integrierend, was den Nationaltag angeht: Nicht nur Volkstänze sind gezeigt worden, sondern auch Tänze aus Afrika (habe ich ebenfalls verpasst) – immerhin leben in Norsjö auch viel Zugezogene aus vielen verschiedenen Ländern. Und an der Hauptstraße hingen nicht nur schwedische, sondern auch dänische, norwegische und finnische Flaggen.


Anschließend haben wir noch Freunde von Lasse und Martine besucht und uns anschließend ein altes Gehöft angeschaut, welches seit 30 Jahren unbewohnt ist. Eine Traumlage direkt am Fluss, aber wer diese Häuser wieder komfortabel bewohnbar machen möchte, hat viel Arbeit vor sich. Für mich, der sich zum einen in Skelleftehamn sehr wohl fühlt und zum anderen kaum einen Nagel gerade einschlagen kann, wäre das nichts.

Verlassenes Haus …… auf großem Grundstück direkt am Fluss

Bis spätabends saßen wir dann noch draußen in Kusfors, bis wir irgendwann vor den Mücken nach drinnen geflohen sind, denn jetzt geht es langsam los mit dem Gesirre und Gepiekse diese kleinen Plagegeister.

Sommerpaddeln

Wie soll ich es bitte schön schaffen, noch drei Wochen zu arbeiten, wenn sich alles jetzt schon so schön sommerig anfühlt. Wenn die Schweden nur noch Bilder von Booten und Sommerhäusern posten und sich die Gesprächsthemen nur noch um das schöne Wetter oder eventuelle Urlaubspläne drehen.

Aber – es hilft nichts, drei Wochen muss ich noch durchhalten, ehe Hello Future in die Sommerpause geht und ich vier Wochen frei habe. Heute hatte ich schon einen kleinen Vorgeschmack: Eine kleine Paddeltour. Aber nicht wie vor zehn Tagen mit Handschuhen, Mütze und Trockenanzug, sondern barfuß und mit T-Shirt (und Schwimmweste). Was für ein herrlicher Kontrast. Ein bisschen vor mich hinträumend paddelte ich gemütlich vorwärts oder ließ mich treiben. Es ist absolut unvorstellbar, dass hier im Winter alles dick zugefroren ist. Überhaupt – Winter, was ist das? Doch nicht hier? In Sommerschweden?

Als ich nach der Tour wieder an Land wollte, musste ich aufpassen, dass ich keinen mit meinem Kajak überfahre, denn zwei Familien badeten im Wasser. Wenige Minuten später planschte auch ich in Badehose im kühlen Wasser der Ostsee. Mein erstes Sommerbaden – herrlich!

Quellwolken über dem LandUnter- und Überwasser

Der Tag, an dem ich vielleicht Fan des Inlandes wurde

Im Juni, da kommen alle Einladungen auf Mal, denn im Juli wird Schweden geschlossen. Und so kam es, dass ich sowohl am Samstag als auch am Sonntag eingeladen war. Erst eine Geburtstagseinladung bei Annica und Martin in ihr Sommerhaus in Bygdeträsk. Eine wunderschöne Feier mit netten Freunden und Bekannten, viel gutem Essen, Baden in der geheizten Badetonne und im kaltem See, Gitarre und Gesang und vielem mehr, was aus einem Samstag einen schönen Samstag macht. Hier zeige ich dieses Mal nur zwei Fotos, eines von elf Uhr abends, eines von Mitternacht:

Späte Abendstimmung über dem GöksjöMitternacht

Ich habe in Bygdeträsk übernachtet und um neun Uhr morgens, als die meisten anderen noch schliefen, habe ich mich ins Auto gesetzt und bin über die Dörfer ins Inland gefahren. Wenn ich zur Zeit durch die Landschaft fahre, komme ich mir vor wie ein Schwamm, der Sommerfarben aufsaugt. Das Hellblau des Himmels, das Dunkelblau des Sees. Das Hellgrün der Birkenblätter, das Dunkelgrün des Nadelwalds. Dazwischen das Rot der Häuser und das Blau-gelb der Schwedenfähnchen. Und überall blühen die Wiesenblumen um die Wette. Wunderschön!

Mein Ziel war Åmträsk, welches im Inland genau mitten im Nirgendwo liegt. Dorthin hat Birgit, Autorin der Erzählung Gömda men inte glömda diejenigen, die an dieser Produktion maßgeblich beteiligt waren, auf ihr Sommerhaus eingeladen. Da ich die Musik geschrieben habe und als Pianist mit auf der Bühne bin, durfte auch ich mit dabei sein.

Nach gut zwei Stunden Fahrt bin ich in Åmträsk angekommen und schaue mich begeistert um. Eigentlich fand ich Inland ja immer ein bisschen langweilig: Wald, Wald, Wald, Moor, Wald. Und wieder von vorne. Was ich aber vergessen habe, ist, wie viele Seen es hier gibt. Und auf einer riesigen Wiese, direkt am See Åmträsket, dort haben Birgit und Robert ihr Sommerhaus. Sommerhaus – haha! Das Ganze ist ein riesiger Hof mit mehreren Wohnhäusern, jedes davon größer als mein Haus, mit großen Schuppen, kleiner Hütte am See, Bootshaus und vielem mehr. Ein ganzes Anwesen, nur für die Sommermonate! Ich fühle mich sofort wohl, nicht nur, weil ich weiß, dass ich gleich nette Menschen treffen werde, sondern weil speziell dieser Ort mit positiver Energie getränkt zu sein scheint.

Zuerst saßen wir in der geräumigen ofengeheizten Küche und haben – richtig gedacht! – geschlemmt.

„Könnt Ihr Euch die Küche ohne Frau denken – Ich kann das nicht“Gemütliches Kaminfeuer

Dann zerstreute sich das Ganze ein bisschen: Der dreijährige Sohn der Regisseurin war selig. Er durfte Traktor fahren! Dann sind wir durch den Wald zur kleinen Hütte am See gelaufen. Haben Feuer gemacht. Einige liefen zurück, um kurze Zeit später angelnd im Boot vorbeizufahren. Ich habe meine Nase in die verschiedenen Schuppen gesteckt (ausdrücklich erlaubt!), die kleinen Hunde gestreichelt, noch mehr gegessen und noch etwas für mich ganz Besonderes gemacht:

Ich habe mir das erste Mal in meinem Leben freiwillig Kaffee nachgegossen. Dabei mag ich das Zeugs doch eigentlich gar nicht! Mutiere ich jetzt etwa zu einem Schweden? Oder übertragen manche Mücken ein Ich-mag-Kaffee-Virus? Das könnte den hohen Kaffeekonsum im Norden gut erklären.

Eine der alten ScheunenKaffee kochen

Später – nach dem Grillen und damit noch mehr leckerem Essen – habe ich noch eine Bootstour mit Robert gemacht. Durch den See führt ein wunderschönes Flüsschen, welches man vor einigen Jahren noch weite Strecken bepaddeln konnte. Seit der Renaturierung kann man nur noch ein Stück in die Arme hineinfahren, aber auch diese kürzere Strecke war schon wunderschön. Das Stück Regenbogen am Himmel war dann schon fast zu viel der Schönheit, aber die Natur kennt zum Glück keinen Kitsch. Den erzeugen nur Maler und Fotografen, die Regenbögen abbilden … 

Nach einer Stunde kehrten wir um, ich mit Fotos, Robert mit einem frisch geangeltem Hecht, so waren beide zufrieden!

Mit dem Boot durch den Sommer

RegenbogenSchräglage

Flusswandern – dort vorne ist leider der schiffbare Teil zu Ende

Schwer nur konnte ich mich losreißen, so gut hat mir dieser Platz gefallen. Und so wurde gestern der Sonntag zu dem Tag, an dem ich vielleicht ein bisschen Fan des Inlandes wurde. Aber Skelleftehamn mag ich immer noch lieber, denn dort ist das Meer!

Heute hat es hier übrigens geschüttet und gehagelt und die Temperaturen sanken auf 5 °C. Und eben gerade lese ich von K. aus Nattavaara in Lappland den Facebook-Eintrag, auf den ich schon den halben Tag warte: „It’s snowing!“. (Nachtrag: Hier dazu der Blogartikel von Kevin).

Midsommar i Hummelholm

Dieses Jahr habe ich Mittsommer in Hummelholm in der Nähe von Umeå verbracht. Dort war ich mit Martine und Lasse bei deren Freunden eingeladen und habe so eben mal das halbe Dorf kennengelernt, denn Hummelholm hat nur rund 60 Einwohner.

Es war ein schönes Fest, auch wenn es nicht so viel mit dem Klischee-Mittsommer zu tun hatte.

Zum Mittsommer gehört eingelegter Sill (Hering) in verschiedenen Variationen, Kartoffeln, Dünnbrot und Schnaps. In der Hummelholm-Variante gab es den Sill nicht wie üblich einfach nur eingelegt, sondern in Form von sehr leckeren Salaten und auch die Kartoffeln gab es in Salatform. (Nebenbei bemerkt mit der beste Kartoffelsalat, den ich je gegessen habe). Und zwei der Schnäpse waren selbstgemacht.

Trinkt man Schnaps in Schweden, so hebt man gemeinsam das Glas, meistens von einem Trinklied und einem „Skål“ begleitet. Oft ist es das Lied „Helan går“, denn das kennt jeder. In der Hummelholm-Variante gab es kein Helan går, sondern Verballhornungen schwedischer Volkslieder. Auf den Tischen lagen Texte, die dann auf bekannte Volkslieder gesungen wurden. So wurde aus „Uti vår hage där växa blåbär“ (Auf unserer Weide wachsen Blaubeeren) zum Beispiel „Uti vår mage där växa begär“. (In unserem Magen wächst Verlangen).

Zum Mittsommer gehört auch die Mittsommerstange, die mit dem deutschen Maibaum verwandt ist. Und natürlich die Mittsommertänze wie zum Beispiel „Små grodorna“, das Lied von den kleinen Fröschen. Und viele Mädchen und Frauen haben Blumenkränze im Haar. In der diesjährigen Hummelholm-Variante gab es allerdings keine Blumenkränze, stattdessen haben alle Hut getragen, eine kleine lokale Tradition.

Auch die Mittsommerstange fiel aus und daran war die Wettervorhersage schuld, die schon seit Tagen sehr nasses und ziemlich kaltes Schauerwetter prognostizierte. Und die Vorhersage hatte recht! Die Temperaturen erreichten gerade Mal sieben Grad und ein heftiger Hagelschauer tauchte Teile der Wiese in winterliches Weiß. Der Hagel blieb viele Stunden liegen, denn kalt war es ja auch. Immerhin schneite es nicht, wie zum Beispiel in Kiruna.

Ein heftiger HagelschauerKleine Birke im Hagel

Und so kam ich zu einem weiteren besonderen Erlebnis: Meinem ersten Mittsommerfest ohne eine einzige Mücke!

Später am Abend wurde dann aber doch noch kurz eine Mittsommertradition aufgegriffen: Die Mittsommertänze. Anlass war ein Gast aus England, der noch nie in Nordschweden war und für ihn wurden „Små grodorna“ und „Vi äro musikanter“ dargeboten, allerdings drinnen, wo es warm und trocken war und aufgrund der späten Stunde in einer leicht beschiggerten Variante.


Ein Foto noch aus dem Dorf: Dort steht das Amerikahaus, ein verwittertes mehrstöckiges Holzhaus, welches schon viele Jahre auf dem Buckel hat. Leider sind inzwischen Teile des Daches eingefallen und deswegen wird das Haus vermutlich irgendwann abgerissen werden (oder einfach verfallen gelassen – eine beliebte schwedische Variante). Als ich durch das kniehohe nasse Gras zum Haus watete, hörte ich ein lautes Ssst-rumms! Eine Dachlawine von Hagelkörnern kam heruntergeschossen. Gut, dass ich noch einiges vom Haus entfernt war, das hätte bestimmt gut weh getan.

Quellwolken über dem alten „Amerikahaus“

Sommerdämmerung

Nennt man das nun eigentlich Abend- oder Morgendämmerung, wenn es ohnehin nicht dunkel wird? Ich entscheide mich für Sommerdämmerung, das klingt am nettesten.

Heute Abend habe ich trotz Müdigkeit keinen Weg ins Bett gefunden und als es um ein Uhr nachts draußen so schön aussah, habe ich mich noch einmal ins Auto gesetzt und bin an den Ostsee-Bootshafen Tjuvkistan gefahren. Dort habe ich lange gestanden und mich an den schönen Dämmerungsfarben erfreut.

Sommerdämmerung

Die Sonne, die um zehn vor zwei aufging, hat sich allerdings hinter den aufziehenden lila-grauen Wolken versteckt und immer nur mal hier und dort einige rotorange Strahlen durch die Wolkenlücken auf die sanft wellige Wasseroberfläche geschickt. Ein völliger Kontrast dazu die Bucht des Bootshafens: Hier war die See spiegelglatt und das Licht immer noch fahl und wäre die Spiegelung der Bojen nicht dunkler als ihr Original über Wasser, so könnte man das Bild auch umdrehen.

Nächtliches WolkendramaSpiegelglatte Bucht

Erst kam ich mir ein bisschen albern vor. Hose und dicke Winterjacke über den Schlafanzug, ist das nicht viel zu warm? Nein, ist es nicht, denn schon seit Mittsommer ist es kalt: Lag die Höchttemperatur vor drei Wochen noch bei 26 °C, wurden heute gerade noch 12 °C erreicht. Und die Nacht war frisch. Irgendwann habe ich sogar die Kapuze aufgesetzt, weil mir kalt war. Als ich gegen halb drei wieder zu Hause war, zeigte das Thermometer gerade noch ein Grad an.

SommerfotografieSommerkälte

Nun hoffe ich, dass es die nächsten Wochen wärmer wird, denn ab Dienstag habe ich vier Wochen Urlaub und erwarte Gäste aus Deutschland. Denen möchte ich gerne schwedischen Hochsommer zeigen, nicht herbstliches Fröstelwetter. Nur einen kleinen Vorteil bietet das Ganze: Auch diese Nacht keine einzige Mücke!


Nachtrag: Das zweite Bilder ist wesentlich dunkler als die Wirklichkeit, so „finster“ wird es bei uns zur Zeit nicht. Aber wenn das Fotos die richtige Helligkeit hätte, wären die Farben zu blass. Fotografie ist oft ein Kompromiss.

Urlaub

Heute hatte ich den letzten Arbeitstag. Jetzt beginnen vier Wochen Sommerferien. Das gibt mir das Recht auf ein bisschen Faulheit. Die schlägt sich schon in diesem Blogartikel nieder: Kein großer Text und das Foto habe ich kurzerhand barfuß vor der Haustür gemacht.

Eine mittelkleine Urlaubswolke

Dies werden die ersten Sommerferien sein, in denen ich nicht die ganze Zeit herumreise. In einer Stunde landet mein erster Besuch, in einer Woche der zweite. Die dritte Woche wird ruhig und die vierte fahre ich mit Freunden auf die Lofoten, denn ganz ohne Reisen geht es doch nicht.

Ich wünsche Euch einen schönen sonnigen Juli, ob Ihr nun arbeitet oder urlaubt.

/Olaf

Sommerurlaubsfoto

Was gehört auf ein Sommerurlaubsfoto? Alles! Oder zumindest möglichst viel auf ein Bild. Und alles scharf. Hier mein Versuch vom heutigen Vormittag:

Ein Sommerurlaubsfoto

Da haben wir zumindest Blumen, Ostsee, Bootssteg, blauen Himmel, rote Schwedenhäuser. Fehlen nur noch kleine Wattewölkchen, Strand und eine blau-gelbe Schwedenflagge. Vielleicht noch ein Elch. Es gibt also noch Potential zur Verbesserung dieser idealen Postkartenabbildung.

Zwei Fotos von gestern: Das erste zeigt Glockenblumen, die verbinde ich nach wie vor noch mehr mit Alpenwiesen als mit nordschwedischen Felsinseln. Das zweite zeigt einen Ausschnitt eines riesigen Mückenschwarmes. Der war zum Glück nicht auf Blut aus, sondern schwebte recht friedlich über mir im Windschatten einer großen Birke.

Glockenblumen im GegenlichtEin riesiger Mückenschwarm (Ausschnitt)

Skellefteå und Umgebung erleben

Ein Gastbeitrag von meiner Mutter aus Bremen.

Vier Jahre wohnt Olaf in Schweden – drei Mal waren wir zu zweit, nun ich in diesem Jahr leider allein bei ihm. Die Freude ist doch groß, ihn hier zu erleben, wie selbstverständlich er Schwedisch schnackt, ich verstehe kein Wort, trotzdem schön. Schön, wie viele Freunde und Bekannte er hier gefunden hat, er fühlt sich hier sehr wohl.

Meine Urlaubswoche war ausgefüllt mit Ausflügen und Besichtigungen und fragt man sich, wo sind die Highlights: Sie sind überall. Der Sommermarkt in Burträsk, Spaziergang über die Hängebrücke, Loppis (schwedische Flohmärkte), mal kurz zum Badestrand mit Blick auf die Insel Storgrundet und einmal kurz ins Wasser tauchen (in die eiskalte Ostsee), Skellefteå mit Spaziergang am Skellefteälven, Besuch des Museums mit interessanten Exponaten, Fototouren zu den großen Felsen, Köttbullar essen, mit Auto nach Bjuröklubb zum Aussichtspunkt und den drohenden, fast schwarzen Wolken, fotografieren, am Hafen Graved Lachs kaufen (allerhöchste Qualität), zwei Aufführungen mit einer Erzählung von und mit Birgit Andersson und Olaf am Klavier, Treffen bei lieben Freunden mit vielen anderen netten Menschen und Unmengen an Essen, Waffeln mit Moltebeeren auf einer kleinen Flussinsel.

Fototour abstrakt IFototour abstrakt II

Fototour abstrakt III

Bjuröklubb: leuchtende LupinenBjuröklubb: flechtenbewachsene Steine

Bjuröklubb Hafen: Prasselregen

Gåsören in der SonneWellenmusterAuf der Bühne IAuf der Bühne IINoten lesenFreilichtbühne mit Entenfamilie

So würde ich noch viele weitere Highlights erleben wollen, doch sorry, meine Urlaubszeit hier ist um.

Ich denke, weiter geht es im nächsten Jahr. Olaf, vielen lieben Dank für die schöne gemeinsame Zeit.

Pusteblume