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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Das weite blaue Meer

Gestern nachmittag war so schönes Wetter, dass ich ein paar Sachen¹ gepackt habe, das Kajak aus der Garage geholt und nach Storgrundet gerollt habe. Mein Ziel war die Insel Flottgrundet, wo Nachbarn ihr Sommerhaus haben. Sie sagten, sie warteten darauf, dass ich mal mit dem Kajak vorbeikäme. Gerne doch!

Mein ursprünglicher Plan, am gleichen Tag wieder zurückzupaddeln, wurde von meinen Nachbarn schnell verworfen und durch einen besseren ersetzt: Ich solle doch einfach dableiben und im Gästehaus übernachten, dann könne ich auch wie sie Wein trinken. Gerne doch!

Bis spät in die Nacht haben wir Weißwein getrunken, über Menschen, Politik, das Universum und überhaupt alles diskutiert, Inselnachbarn besucht, den Hund gekrault und wir hatten es richtig schön. Auch wenn die Nächte schon ein bisschen dämmeriger werden, die Dunkelheit lässt noch auf sich warten und das nächtliche Licht über dem Meer ist wunderschön.

Heute habe ich mich nach einem gemeinsamen Frühstück wieder ins Kajak gesetzt und bin weiter gefahren. Im Schutz der Inseln war das Meer glatt, blank, klar und ruhig und ich konnte mich manchmal nicht entscheiden, ob ich einfach paddeln – ich mag diese Bewegungen, oder mich treiben lassen soll.

Auf der Außenseite der Inseln war dann das Wasser ein bisschen kabbeliger, aber immer noch ruhig genug, dass ich ohne Spritzschutz fahren kann. Das mache ich deswegen gerne, weil ich dann die Kamera in einer wasserdichten Tasche zwischen den Knien haben kann. Schon am morgen war es richtig warm² und mir war ganz schön warm im Kajak, als ich von den kleinen Wellen auf dem sonnenbestrahlten Meer hin- und hergeschaukelt wurde. Überraschend früh war ich schon am Nordufer der Insel Storgrundet angelangt und einige Minuten später war ich am Strand, wo mein kleiner Bootswagen³ schon auf mich wartete. Ein erfrischendes Bad hat diesen herrlichen Ausflug abgerundet.

Danke an meine Nachbarn für ihre großzügige Gastfreundschaft und die schönen Gespräche.

Ja, man könnte auch zu Google Maps oder Eniro verlinken, aber heute hatte ich Lust, eine kleine und herrlich ungenaue Skizze von meiner Kajakrunde zu zeichnen. Bitte schön:

¹ Paddel, Schwimmweste, Kappe, Ersatzkleidung, Kamera, Handy, Karte, Kompass, Wasser, Proviant, Spritzschutz, Neoprenfüsslinge, Jacke. Das meiste wasserdicht verpackt.

² Heute, 9:20. Skellefteå: 19 °C, Bremen und München: 13 °C – auch das kommt vor!

³ Ich hatte den Bootswagen in einem Gestrüpp geparkt. Als ich ankam, lag er mitten am Strand. Wie er da hinkam, ist mir allerdings schleierhaft.

Kurze Kajaktour

Heute hatte ich zwei Dinge, die mir das Leben im Kajak einfacher machen: Zum einen habe ich statt der unförmigen Bootsschwimmweste in Knatsch-Orange eine spezielle Kajakschwimmweste, die nur halb so groß ist und mehr Armfreiheit bietet. Zum anderen bin ich heute das erste Mal mit Steuerruder gefahren. Damit lässt sich vor allem Seitenwind sehr schön kompensieren.

Eigentlich wollte ich heute Gåsören ansteuern, aber zum einen war es ein bisschen welliger als erwartet, zum anderen kam es sehr grau daher. Die folgenden beiden Fotos habe ich direkt hintereinander gemacht:

Daher habe ich mich entschlossen, umzukehren. Auf dem Rückweg habe ich dann noch einige Fotos für ein Panoramabild gemacht. Erstaunlich, dass Photoshop die Einzelbilder zusammenfügen konnte.

Das Panorama ist scrollbar: Bewegt die Maus über dem Bild nach links, um zu sehen, wie dunkel es über der Halbinsel Rönnskär ankam.

Und wie es so ist – kaum war ich zu Hause, war der gesamte Himmel wieder blau.

Gåsören

Eine der ersten Sachen, die mir aufgefallen ist, als ich April 2010 das erste Mal in Skelleftehamn gewesen bin, war eine Insel mit einem Leuchtturm drauf. Nicht irgendein Leuchtfeuer, sondern so ein richtig weiß-roter Turm. Später habe ich gehört, dass die Insel Gåsören – zu deutsch die Gänseinsel heißt.

Nachdem ich im März nur einmal um die Insel herumgekayakt bin und ich vor zweieinhalb Wochen wegen schlechten Wetters umgekehrt bin, habe ich es heute endlich geschafft, mir die Insel mal anzuschauen. Und – was soll ich sagen – die Insel gefällt nicht nur mir, sondern auch so manch anderem, der entweder mit dem Boot oder dem Wasserskooter den kleinen Hafen ansteuert, um eine Pause zu machen.

Der Leuchtturm (1921 erbaut) ist winzig, aber doch immer noch um einiges höher als die Leuchtkuppel auf dem alten „Fyrhus“ von 1881. Sonst gibt es auf der Insel zwei(?) private Stugas, das alte Lotsenhaus, ein paar Schuppen, ein Dass (das ist das schwedische Wort für Außentoilette) und – eine Sauna. Die Sauna darf wohl jeder einfach benutzen und da genug Treibholz an den Kiesstränden der Insel herumliegt ist auch das Befeuern des Ofens kein Problem.

Ich habe allerdings lieber in der warmen Augustsonne mir in Ruhe die Insel angeschaut, ehe ich mich wieder ins Kayak gesetzt und den Heimweg angetreten habe. Hoffentlich werde ich nicht ins Gefängnis geworfen, denn laut dem Schild auf dem letzten Foto ist das Fotografieren nach einem Gesetz vom 17. Mai 1940 verboten.


Gut übrigens, dass die Augustsonne so warm war, denn ich habe heute auch gebadet. Vom Kajak aus. Mit Klamotten.

Was ist passiert? Auf dem Weg zur Insel Gåsören habe ich zwei Zwischenstopps eingelegt, unter anderem auf der Insel Flottgrundet, auf der ich vor einigen Wochen zu Besuch war. Als ich an dem flachen Steinufer wieder ins Kajak gestiegen bin, habe ich mal eine andere Art probiert, wieder ins Kajak zu kommen. Daraufhin hat mich dieses kurzerhand abgeworfen wie ein Gaul seinen Reitschüler und ich saß im Wasser. Das war zwar nur ein paar handbreit tief, aber das reicht nicht nur zum nass werden, sondern auch dazu, ein Kajak sekundenschnell mit erstaunlichen Mengen Wasser zu füllen. Während ich das Kajak leergeschöpft habe, fing aber die Kleidung schon wieder an, in der Sommersonne zu trocknen und so habe ich die Ersatzkleidung in ihrem wasserdichten Packsack gelassen und bin einfach so, wie ich war, weitergefahren. Und außerdem: Nicht nur die Paddelbewegung, auch eine Schwimmweste wärmt.

Eisbrecher

Es ist Sommer und T-Shirtwetter. Dennoch habt Ihr richtig gelesen, nicht vom Eisbecher, sondern von Eisbrechern soll die Rede sein.

… ich war gerade von meiner Zugfahrt nach Bastuträsk am Hafen Skelleftehamn angekommen. Normalerweise darf man gar nicht das Gelände betreten, da dieser Hafen rein gewerblich genutzt wird. Es sei denn, es ist Tag der offenen Tür, so wie heute.

Staunend stand ich unter dem großen Kran und wurde dort direkt von einem Kranführer angesprochen. Ich könne gerne die Treppen hoch, um dort zu fotografieren. Ich muss schon sagen, auch wenn das kein Job für mich wäre, die Sicht ist schon schön, selbst wenn die Kabine nur in 14 Meter Höhe ist.

Von oben erspähte ich auch schon mein nächstes Ziel, das kleine Schiff „Baus“. Das wird wohl der Eisbrecher sein, von dem ein Kollege gestern erwähnt hatte, er sei am Wochenende zu besichtigen. Und richtig – im Winter hält das Schiff Baus hier die Fahrrinne frei. Auf der Brücke bin ich mit einem der Kapitäne ins Gespräch gekommen und habe angefragt, ob man im Winter wohl einmal mitfahren könne. Kein Problem, kam als Antwort und zwei Minuten später hatte ich Namen und Handynummer. Ich solle mich einfach melden. Toll – hoffentlich klappt das!

Nachdem ich meine Nase und Kamera in jede Ecke des Schiffes gesteckt habe, bin ich weiter gegangen. Weiter hinten lag noch ein ziemlich großer Pott vor Anker, den wollte ich mir auch noch gerne anschauen.

Was für ein Unterschied zur gemütlichen Baus. Durch das Schiff war ein Parcour mit Pfeilen und Absperrungen gelegt und man sah nur einen kleinen Teil. Dennoch bekam man ein Gefühl für die Größe der „Ymer“, ebenfalls ein Eisbrecher, Baujahr 1977. Alleine die Brücke war riesig.

Im Gegensatz zu der lokal in Skelleftehamn eingesetzten Baus wird die Ymer in ganz Schweden und teilweise in Finnland eingesetzt. Sie hat im Winter 20-30 Mann Besatzung und ist oft zwei Wochen am Stück auf dem Meer. Selbst bei 80 cm festem Eis fährt sie noch 8 Knoten, das sind etwa 15 km/h. Nach einem Besuch im Maschinenraum bin ich von Bord gegangen und zum Bahnhof zurückgelaufen, denn dort stand immer noch mein Fahrrad.

Rosen

Die Rosen in meinem Garten haben wirkliches Glück, dass sie so selbständig sind. Sie haben mich mit dem Hauskauf als neuen Gärtner bekommen und ich kümmere mich wirklich nicht um sie. (Immerhin hat mir meine Mutter letztes Jahr gezeigt, wie man Rosen beschneidet.)

Heute morgen schwankte so manche Blüte wie ein begossener Pudel am Stengel, denn es hat fast die ganze Nacht geregnet. In ein paar Tagen werden diese Blütenblätter wohl abgefallen sein. Aber es gibt noch viele Knospen, dass ich wohl auch noch im September etwas von meinen tapferen Rosen haben werde.

Der erste Frost

Seit einer knappen Woche bin ich wieder zu Hause. Es scheint, dass sich nach dem Sommer alle gleichzeitig entsinnen, dass man sich auch wieder mit anderen treffen könne. Und so war am Montag ein Treffen mit „Mörkrets och Kylans Glada Vänner“, um die Planung des Winterschwimmen 2013 zu beginnen, am Mittwoch ein Fest von Frostware, mit denen wir bei Hello Future zusammenarbeiten, am Donnerstag war das erste Mal wieder Diskussionsklub und am Freitag nach einem Workshop bei Hello Future Afterwork. Alles toll, aber viel auf Mal, wenn man auch noch 900 Fotos vom letzten Urlaub sichten und vier Blogartikel schreiben möchte. So war ich am Freitag Abend ganz schön müde und habe den Afterwork recht früh verlassen.

Größere Teil des gestrigen Samstags habe ich mit geschlossenen Augen verbracht und war deswegen heute schon recht früh wach. Das Thermometer zeigte drei Grad – schon die letzten Tage war es morgens recht frisch – und auf der Abdeckung von meinem Outdoorwhirlpool hatte sich über Nacht Raureif gebildet. Auf dem Stein, den ich als Türstopper verwende, hockte eine Wespe in Kältestarre. Sie tat mir ein bisschen leid, ins Haus kommt sie aber trotzdem nicht.

Mit dem ersten Bild bin ich nicht zufrieden. Zu wenig Schärfentiefe. Aber als ich herausging, um das Motiv nochmals zu fotografieren, hatte die Morgensonne die scharfen Eisstrukturen schon angetaut. Die Sonne hat eben noch einige Kraft und auch dieser Tag verspricht schön, wenn auch mit den vorhergesagten 12 Grad nicht übermäßig warm zu werden.

Baustellenbegehung

Es wird herbstlich. Die letzten Tage war ich viel mit dem Auto unterwegs und konnte sehen, wie die Birken und Espen gelbe Blätter bekommen und von der Sonne in goldenes Licht getaucht wurden.

Heute nachmittag war aber nix mit Sonne, stattdessen hüllte Sprühregen die Landschaft in die dunkle Seite des Herbstdaseins, während Windböen die ersten Blätter von den Bäumen fegten.

Ich habe die Gelegenheit genutzt, auf der 372 – der Verbindungsstraße Skellefteå—Skelleftehamn einmal anzuhalten. Dort ist nämlich eine große Baustelle, denn die eine Kreuzung soll aufgrund des Verkehrsaufkommens in einen Kreisel mit Fahrradunterführung verwandelt werden. Weitere Kreisel sollen folgen.

Ich muss ja ein bisschen lächeln, denn ich finde das Fahren auf der Straße ziemlich entspannt, da dort eigentlich nie viel los ist. Zumindest mit deutschem Maß gemessen. Es kann einem höchstens mal passieren, dass man hinter einem langsamen Auto hinterher tuckert, aber da hilft ein Kreisel ja auch nicht weiter.

Ich finde, Baustellen haben ihren Reiz beim Fotografieren. Das, was zuerst wie eine riesige Fläche aus nassem Lehm und Dreck aussieht …

… entpuppt sich bald als spannender Platz für eine eher abstrakte Motivsuche, …

… vor allem, wenn man Schwarzweißbilder macht.

Mit dem Kajak nach Skelleftehamn

Heute haben Tobbe, mein Nachbar und ich einen Plan in die Tat umgesetzt, der schon viele Wochen auf dem Programm stand: Nach der Arbeit mit dem Kajak nach Hause fahren. Nicht vor die Haustür, aber zumindest nach Skelleftehamn. Die Wettervorhersage sah ganz gut aus, das spielt aber keine Rolle, weil die schwedischen Prognosen im Internet unter aller Sau sind.

Um halb fünf haben wir uns in der Stadt an dem kleinen Bootsanleger „Strömsör“ getroffen, die Kajaks vom Auto gehoben, uns umgezogen, Schwimmwesten übergestreift und schon konnte es losgehen. Wenige Minuten nach unserem Start sind wir unter der Älvsbackabron, die erst letztes Jahr fertiggestellt wurde, hindurchgefahren. Die Sonne beschien die herbstlich gefärbten Bäume am Flussufer.

Dieses schöne Wetter sollte aber nicht lange anhalten, schon bald kam der erste Regenschauer und mit ihm das, was Kanuten und Radfahrer gleichermaßen lieben: Gegenwind. Ich musste mich ganz schön ins Zeugs legen, denn Tobbe ist nicht nur trainierter als ich, sondern hat auch die bessere Technik. Aber ich habe für jede Pause eine tolle Ausrede: Fotografieren.

Die Fotos stammen übrigens von der wasserdichten Canon D20, die mich außer, dass sie wasserdicht ist aber nicht überzeugt hat. Zu schlechte Bilder, zu langsam – da nehme ich lieber mein iPhone und eine wasserdichte Hülle.

Nach einer Dreiviertelstunde waren wir am Bergsbyndamm. Wenn man weiterleben möchte, dann fährt man nicht die Staustufe herunter, sondern trägt um. Es war aber gar nicht so einfach, ans Ufer zu kommen, da die Bootsstege schon an Land gebracht waren. Ich bin letztlich mich an einer Birke festhaltend aus dem Kajak herausgeklettert. (Davon gibt es leider keine Fotos.)

Auf der anderen Seite war es leicht, die Boote wieder ins Wasser zu setzen. Wir näherten uns der Bucht, an der auch der Kanuklub seinen Sitz hat. Es regnete, blies von vorne, kleine Wellen schlugen über den Bug und es wurde langsam dämmrig. Wir haben uns aber dagegen entschieden, die Tour schon in Ursviken zu beenden und sind noch ein Stück weitergefahren.

Die Wellen ließen in der Bucht nach und auch die Fahrt zu der Sundgrundsbron (über die fahre ich, wenn ich in Richtung Süden will) war recht ruhig. Mehrere Male überholten uns kleine Gruppen von Kanadagänsen, nur wenige Meter vom Boot entfernt. (Auch davon gibt es leider keine Fotos, ich war zu langsam.)

Nach der Brücke wurde das Wasser wieder etwas kabbliger, aber unser Ziel, die M/S Stormvind war schon in Sicht. Hier sind wir nach unserer zweieinhalbstündigen Tour wieder an Land gegangen, wo wir von Tobbes Familie in Empfang genommen wurden. Schnell waren die Kajaks wieder auf dem Auto festgezurrt und es ging nach Hause.

Eigentlich wollten wir noch ein paar Kilometer weiter fahren. Aber dann wäre es mindestens eine halbe Stunde später gewesen, Tobbes Tochter hätte ins Bett gemusst, damit hätte Tobbes Frau zu Hause bleiben müssen, also wir das Auto holen … . Das wäre alles irgendwie gegangen, aber so war es einfacher. Und – es war bestimmt nicht das letzte Mal, dass wir nach Hause gepaddelt sind.

Danke, Tobbe, für die schöne Tour.

Farbbad

Wikipedia bringt das Wort „Farbbad“ mit Batik und Pelzreinigung in Verbindung. Für mich hingegen ist Farbbad so ein Herbsttag wie heute.

Nach mehreren trüben und warmen Tagen, an denen aus einer öden Hochnebeldecke Nieselregen schwebte, klarte es heute vormittag auf. Da ich heute zu Hause gearbeitet habe, bin ich wie meistens zum Mittagessen zu „Din Fest“ gelaufen. Mit dem Weg habe ich mir aber Zeit gelassen, denn der blaue Himmel, die warmgelben Birken und das tiefblaue Wasser waren einfach wunderbar und ich spürte, wie sich mein ganzer Körper mit Licht und Farbe auftankt. Und das kann er für den langen Winter auch gut brauchen.

Wie gut, dass ich gestern Abend vorgearbeitet habe und heute sehr früh begonnen. So hatte ich kein schlechtes Gewissen, den Nachmittag frei zu nehmen und ein bisschen in der Natur unterwegs zu sein. Ich bin zum Bureberget gefahren und wollte noch einmal den Weg nehmen, den ich im Mai mit meinem Bruder gelaufen bin und der damals völlig überflutet war. Ich dachte, dass ich jetzt einen schön trockenen Weg vor mir habe, aber Pustekuchen! Das Wasser schien fast noch tiefer zu sein. Ich bin dann durch den dichten Wald nordwärts abgebogen. Bald lichtete sich der Wald, denn hier gibt es große, blanke Granitfelsflächen, die immer wieder von kleinen Waldstücken unterbrochen werden.

Immer wieder öffnete sich der Blick nach Norden auf die drei Windräder beim Städtchen Bureå, auf Skelleftehamn, die Ostsee mit ihren Inseln und auf Wald, Wald, Wald. Im Westen konnte man weit am Horizont die ersten flacheren Berge erahnen.

Nach einiger Zeit hatte ich mich an der Ferne sattgesehen und habe mich der Nähe zugewendet. Auch hier – Farben. Vor allem das tiefe Glutrot einiger Heidelbeersträucher ist fast nicht zu glauben. Das letzte Foto ist fast ein Zufallstreffer. Ich habe das Motiv gesehen, die Kamera direkt auf den Fels gestellt und Knips gemacht. Das Motiv war nur halb drauf also noch einmal Knips! Und das war das Foto.

Weniger Glück hatte ich bei dem Birkhuhn; da war ich viel zu langsam mit dem Fotografieren.

Und sonst:+++ Letzte Woche hatte ich Besuch von deutschen Internetbekannten, die aber in ihrem großen Wohnwagen geschlafen haben +++ Ich arbeite an einer neuen Webseite für „Dark & Cold“, unseren Verein, der unter anderem die Winterschwimmmeisterschaft in Skellefteå ausrichtet +++ Am Sonntag hat ein Freund bei mir übernachtet, der von Kiruna nach Hamburg unterwegs war +++ Ich organisiere meine Zeit in Deutschland, dort spiele ich zwischen dem 25.10. und dem 10.11. acht Jazzkonzerte, doch dazu später mehr.

Nach der Party

Die Bierflaschen und -dosen auf dem Sofatisch – die habe nicht ich geleert. Ich trinke kein Bier. Die graue Strickjacke (Größe XS – passt mir nicht) gehört mir ebenso wenig wie der Spielzeuglaster, der vor kurzem noch über das Parkett geschoben wurde.

Heute war „Jazzknytkalas på Flygelvillan“. Nehmen wir das mal auseinander:

  • „Jazz“ ist klar, oder?
  • „Kalas“ heißt Fest oder Party auf Schwedisch.
  • „Knytkalas“ ist ein Fest, wo jeder irgendetwas zu Essen mitbringt.
  • „På“ heißt je nach belieben „auf“, „in“, „bei“, „zu“, „für“ … . Sozusagen die schwedische Präposition!
  • „Flygel“ ist „Flügel“ auf Schwedisch.
  • „Villa“ ist nicht die große Villa für reiche Leute, sondern einfach ein freistehendes Haus.
  • Und „Villan“ heißt „Die Villa“.

Auf Deutsch hieße das also in etwa „Jazzparty-jeder-bringt-was-mit-in-dem-Flügel-freistehendes-Haus“. Das klingt ja mal richtig doof! Entweder ist Schwedisch manchmal die schönere Sprache oder ich brauche dringend jemanden, der mir Deutsch lernt.

Aber ich schweife ab. Ich habe viele Leute für heute zu einem kleinen Fest eingeladen. So etwas macht man hier oft ganz locker bei Facebook, denn im Gegensatz zu Deutschland nutzen hier die meisten diese Plattform. Ich mag „Knytkalas“. Nicht nur, weil ich dem Kochen nicht viel abgewinnen kann, sondern auch weil es – wie Programmierer sagen würden – so schön skaliert. Egal, ob drei Leute oder vierzig kommen, das Essen wird reichen und man muss auch nichts wegwerfen, weil man es nicht schafft. Nur vom Bier, welches ich gekauft habe, ist noch einiges übrig.

Begonnen hat alles mit einem Rätsel: J hat mir das auf dem Photo abgebildete Objekt mitgebracht und ich sollte das auf dem Klavier spielen. Erst dachte ich, dass sei einer von J’s surreal-dadaistischen Scherzen, aber nein, das ist ganz klar ein spezieller Jazzsong. (Jazzfans: Welcher?). Nach und nach kamen knapp zwanzig Freunde, Kollegen und Bekannte im Alter zwischen 0.8 und gut 50 und wir hatten es richtig schön zusammen. So viel Klavier gespielt habe ich gar nicht, und wenn, dann gerne mit Unterstützung:

Ein Stück dreihändig mit A, Sohn von J und A – P sang „I can get along without you very well“ (wunderschön) und ich habe begleitet – P, J, A, L und P haben Percussion auf Cajón, Shaker und Wein-Tetrapak gespielt und ich habe dazu improvisiert.

Aber meist habe ich mit irgendjemand gesessen oder gestanden und wir haben uns unterhalten. Von der Vermarktung Norrlands bis hin zu den logischen Problemen bei Reisen mit Zeitmaschinen.

Für C und O: Ich hatte mein „Ach“-T-Shirt an. Also wart Ihr auch dabei, selbst wenn ihr rein physisch weit, weit weg wart.

Um elf gingen die letzten Gäste, denn es ist ja Donnerstag und morgen müssen die meisten wieder Arbeiten.

Auch ich.

Aber ein bisschen später als sonst tuts auch.

Ein kurzes Winterintermezzo

Gestern früh hat es wieder geregnet. Laut den Nachbarn von gegenüber sind bis gestern, 16. Oktober, bei uns schon 109 mm Regen heruntergekommen. Das ist etwa so viel, wie in Bremen im Oktober und November zusammen herunterkommt.

Ich saß im Büro und der Regen prasselte auf die Dächer. Im Gegensatz zu den letzten Wochen war es aber kälter und die Temperatur sollte den ganzen Tag sinken. Um halb elf mischte sich Schnee in den Regen, und nach der Mittagspause schneite es. Selbst in Skelleftehamn, welches wegen der Ostsee zu dieser Jahreszeit oft wärmer ist, schneite es den ganzen Abend. Allerdings blieb fast nichts liegen, dazu ist der ganze Boden einfach zu warm und nass.

Heute morgen waren die Regenwolken weggezogen und mit minus vier Grad war es der kälteste Morgen dieses Herbstes. Die dicken Pfützen waren zugefroren und auf dem Gras und den Autodächern haben sich tatsächlich ein paar Schneeflocken halten können.

In der Stadt lag ebenfalls ein kleines bisschen Schnee auf dem Gras und an den abgefallenen Blättern wuchs Raureif. Die Vogelbeeren aber trugen noch buntes Laub und zeigten klar und deutlich, dass noch Herbst ist.

Das bläuliche Licht am Fluss, gepaart mit dem Raureif auf den Holzpodesten hingegen ließ den Fluss schon sehr winterlich und kalt aussehen. Kalt ist das Wasser vermutlich auch, nur die dicke Eisdecke fehlt noch für die Skandinavische Meisterschaft im Winterschwimmen, die dort am 9. und 10. Februar stattfinden wird.

Aber bis zum Winter ist es noch ein bisschen hin. So wie die Temperaturen gestern gefallen sind, stiegen sie heute wieder an und seit Mittag regnet es auch wieder. Auf die 109 mm kommt diesen Monat wohl noch einiges drauf.

Nachtrag: Der schwedische Wetterdienst hat auch gerade gebloggt: In Piteå sind vom 1. Oktober bis heute 167,5 mm Niederschlag gefallen, 104 mm davon vom 4. bis zum 7. Oktober. Damit ist der Oktoberrekord von 1942 schon jetzt gebrochen.

Natur und Kunst

Seit gestern haben wir kaltes, aber herrlich sonniges Herbstwetter. Gestern morgen waren es -4.2 °C und heute sind das erste Mal die gefrorenen Pfützen den ganzen Tag nicht aufgetaut, denn hier bei mir hat es das Thermometer gerade mal kurz auf +2.6 °C gebracht, um schon am Nachmittag wieder in den Frostbereich abzusinken. Kaum vorstellbar, dass es in Deutschland heute zwanzig Grad wärmer ist.

Nach einem kurzen Frühstück habe ich meine Kamera geschnappt und bin eine Runde gelaufen. Die Sonne beschien den Raureif, die gefrorenen Pfützen und die letzten bunten Blätter des Herbstes. Auch am Rand des Sees bildeten sich schon die ersten Eisnadeln.

Einige der Bilder, die ich gemacht habe, sind mehr abstrakte Strukturen als Landschaftsfotografien, vor allem das Eis auf den ausgetrockneten Pfützen bildet wunderbare Formen und Strukturen. Ich habe mir bei den nächsten Bildern die Freiheit genommen, die Fotos bewusst zu verfremden und nicht die Wirklichkeit abzulichten.

Während man bei dem zweiten Foto noch klar Holz und Stein erkennen kann, sind die nächsten beiden Fotos schon abstrakt. Eines der beiden ist aber aus einem der oberen Eisfotos entstanden.

Noch ein bisschen kälter

Auch heute war es klar und schön und mit -6 °C Frühtemperatur schon recht frisch. Nur für einige Stunden lagen die Temperaturen knapp über null bei einem Maximum von +1.1 °C.

Der kleine sumpfige See „um die Ecke“ ist schon komplett mit Eis bedeckt und das vom Raureif bedeckte Sumpfgras leuchtet hell in der Sonne. Auch der größere See Snesviken beginnt zuzufrieren und man hört das helle Aneinanderschlagen des losen Eises an der Grenze zwischen Eisschicht und offenem Wasser.

Die Ostsee, die durch die lange Insel Storgrundet geschützt ist, trägt noch kein Eis. Lediglich an dem kleinen Sandstrand friert das Wasser ein bisschen fest und es ist glatt.

Während ich das untere Foto gemacht habe, kam eine Familie mit dem Auto an, spazierte mit Außenbordmotor und Sack und Pack zu dem hinteren Boot, um zu ihrem Häuschen auf der Insel herüberzufahren. Noch geht es, doch dann kommt die Zeit, wo das Eis zu dick für das Boot und zu dünn für den Skooter ist, und die Häuser auf den Inseln leer bleiben.

Zu Hause

Nach drei Wochen Jazztour in Deutschland bin ich wieder zu Hause. Ich bin ganz schön platt. Das Anstrengende am Musik machen ist nicht das Musik machen an sich, sondern die Autofahrten, das Warten und das Fehlen jeglichen Tagesrhythmus. Die letzten vier Tage haben wir in Hamburg, Düsseldorf, Köln und Mannheim gespielt. Dann bin ich wieder mit dem Auto nach Recklinghausen mitgefahren, um heute früh nach viereinhalb Stunden Schlaf den Regionalzug zum Flughafen Düsseldorf zu nehmen. Von dort bin ich erst nach Stockholm und dann weiter nach Skellefteå geflogen.

Als ich heute den 14:25-Flug von Stockholm nach Skellefteå genommen habe, bin ich nicht nur in den Norden, sondern auch in die Dunkelheit geflogen, denn hier geht die Sonne jetzt schon um kurz nach halb drei unter. Leider liegt kein Schnee, sondern es ist nass (und glatt). Dadurch wirkt es auch viel dunkler, als wenn der helle Schnee alles Licht reflektiert.

Wenn es nach mir ginge, läge hier jetzt mindestens ein halber Meter Schnee und die Ostsee wäre kilometerweit gefroren. Erzählt das aber bloß nicht weiter, denn wenn meine Nachbarschaft das erfährt, dann jagt sie mich womöglich davon. Hier verbindet man mit Schnee vor allem Arbeit, keine Naturromantik.

Ein freier (und ein fauler) Tag

Heute morgen war ich nach zehn Stunden Schlaf um halb acht wach. Eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang. Ich bin schnell mit dem Auto ans Meer gefahren und habe gesehen, die hinter der Insel Gåsören die Sonne aufging. Die Ostsee ist noch offen, der See Snesviken ist aber schon komplett zugefroren.

Den kurzen Tag habe ich mit Aufräumen, Essen, Einkaufen und noch einmal Schlafen zugebracht. Um halb drei ist die Sonne untergegangen. Ich muss mich wieder daran gewöhnen, nachmittags aus dem Haus zu gehen und es ist stockfinster.

Ich war bei meinen Nachbarn gegenüber, die während meiner Abwesenheit auf mein Haus aufgepasst haben, um mich zu bedanken. Sie haben erzählt, dass hier schon eine Woche lang Schnee lag, es dann aber wieder wärmer wurde und regnete.

Sie haben außerdem erzählt, dass sie Besuch aus dem Wald hatten: Eine Elchkuh war mit zwei Kälbern erst auf dem Nachbargrundstück und dann auf ihrem und hat die Apfelbäume leergefressen. Danach hat sie sich hinter dem Haus Schlafen gelegt. Ich glaube langsam, dass die Tiere so etwas nur dann machen, wenn ich weit weg bin, denn als vor zwei Jahren in der Parallelstraße plötzlich eine Robbe auftauchte, war ich auch nicht da.

Morgen beginnt die Arbeit wieder und auch wenn ich mit der Zeit anderes anzufangen wüsste, so freue ich mich auf die Projekte, mit denen ich es die nächste Zeit zu tun haben werde.

22:30

Halb elf ist eine prima Zeit, um das Licht auszumachen und zu schlafen. So der Plan. Als ich aber noch einmal kurz herausgeschaut habe, war der sternklare Himmel von Polarlicht bedeckt.

In der Zeit, in der ich mir Hose und Jacke übergeworfen habe, in die Winterstiefel geschlüpft bin, Objektiv gewechselt, Kamera eingepackt und mit dem Auto ans Meer gefahren bin (die gleiche Stelle wie heute), hat die Intensität aber leider schon stark nachgelassen und Schichtwolken sind aufgezogen. Nur die Langzeitbelichtung von 30 Sekunden verrät zeigt noch die typische Grünfärbung der Aurora.

Manchmal sollte man mal nicht ans Fotografieren (und seine Blogleser) denken, sondern sich einfach in den Garten setzen und schauen. Auch wenn’s schwerfällt. Aber jetzt: Gute Nacht.

Novemberwetter

Novemberwetter, das können wir hier auch. Im Gegensatz zu vor zwei Jahren, wo der Schnee Anfang November kam und ein halbes Jahr liegen blieb, zeigt sich der diesjährige November von seiner nass-kalten und grauen Seite. Während heute Dauerregen das Eis wegschmolz und die Wege auftaute und matschig werden ließ, war es gestern zumindest noch so kalt, dass man über den gefrorenen Boden durch den Wald laufen konnte. Manche Senken sind noch mit Eis bedeckt, unter dem Eis hängen lauter gefrorene Wassertropfen. Überraschenderweise sind trotz des nicht sonderlich kalten Wetters einige flache Bereiche einer geschützten Ostseebucht schon zugefroren und sogar an einem steileren Ufer vor Storgrundet zeigt sich das erste dünne Eis.

Eigentlich wollte ich heute ja Kajak fahren, aber der smhi, der schwedische Wetterdienst, hat vor Wind auf der Ostsee gewarnt. Warnstufe 1. Das bedeutet Windgeschwindigkeiten von 50 km/h und mehr. Da bleibt das Kajak in der Garage und ich lasse mich lieber auf dem Festland nass regnen.

Und weil es gestern so grau war, noch zwei Schwarzweißbilder von gestern. So groß ist der Unterschied nicht.

Schnee scheint weiterhin nicht in Sicht zu sein. Es bleibt vermutlich weiterhin trüb-grau-nass-feucht-kaltes Gummistiefelwetter. Ich glaube, ich werde noch ein Fan der Schwarzweißfotografie.

Ein bisschen Winter

Eigentlich wollte ich Ende der Woche einen dramatischen Bericht über den vielen Schnee schreiben, der hier die Woche gefallen sein wird. Aber wie es aussieht, kann ich mir den sparen. Aber fangen wir mit dem Wochenanfang an:

Montag, 26. November

Die Temperatur sinkt auf 0 Grad und ab und zu fällt eine einzelne Schneeflocke, die sofort auf dem nassen Boden schmilzt. Es soll die ganze Woche kälter werden, am Wochenende 20 cm Schnee geben, am Samstag mit viel Wind und dann am Montag sonnig und kalt (Minimum: -15 °C) werden.

Dienstag, 27. November

Über Nacht ist ein Millimeter Schnee gefallen. Im Laufe des Tages fällt Schneestaub – sozusagen die kalte Variante des Sprühregens – aus trübem Himmel. 1 cm Schnee liegt am Abend. Das reicht aber schon aus, um einen dunklen November- in einen hellen Winterabend zu verwandeln: Der Schnee reflektiert alles Licht und plötzlich sieht man nicht nur ein dunkelgrauschwarzes Nichts wie noch letzte Woche, sondern den schneebedeckten Garten und die weiße Straße.

Mittwoch, 28. November

Heute ist der erste Tag mit Dauerfrost. Das ganze bei Wolken und ab und zu mal ein Schneestäubchen, das vom Himmel fällt. Auf den Straßen ist das bisschen Schnee zu Eis festgefahren. Nach der heutigen Vorhersage bleibt es wohl trüb. Am Wochenende sollen ein paar Zentimeter Schnee fallen und windig und kalt werden. Das mit dem Wind fänd ich schade, denn ich möchte gerne noch einmal Kajak fahren, eh die Ostsee zufriert.


Und damit hier nicht nur Text steht, noch ein Foto von heute Abend. Eine sehr schöne Lage hat dieses Haus, vorne der zugefrorene See, hinten die Ostsee, die zur Zeit auch in den Buchten noch offen ist. Der vordere Teil des See ist übrigens blank, da der Wind den lockeren Schnee weggeblasen hat.

Winteranfang

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

Heute ist für die Meteorologen Winteranfang. Und das schwedische Wetter hält sich daran. So kalt wie in Vittangi im Norden, wo in der letzten Nacht -33,5 °C gemessen wurde, ist es hier mit fünf Grad unter null zwar nicht, aber der kräftige Wind, der schon die ganze Nacht am Haus gerüttelt hat, lässt einen draußen die Kälte deutlich spüren. Dieser Wind bringt Wolken mit sich und die haben Schnee im Gepäck. Erst fegte der Neuschnee nur die Straßen und Wege entlang, jetzt – um ein Uhr mittags – bleibt er auch überall liegen. Es ist schon ganz schön dämmrig, mit Schnee, Wolken und der Sonne gerade noch 1.5 °C überm Horizont. Daher mache ich die nächsten Fotos erst morgen.

Ein paar Fotos vom Vormittag:

Bei den Wetterwarnungen des smhi liest sich das so:

Warnstufe 1 Schneefall […] An der Küste Schneeschauer die kräftig sein können. Es kommen 10-20 cm Neuschnee und es besteht Gefahr von Schneewehen […] · Warnstufe 1 mäßige Eisbildung (auf der Ostsee) · Warnstufe 1 Starker Wind. Ost oder Nordost ca. 15 m/s[…]

Drei Einleitungen zum Sonntag

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

1.

– Papa, was is’n Läikefekt?
– Ein Lake Effekt, weißt Du, das ist englisch. Der kalte Wind streift über das warme Meer und zieht feuchte Luft …
– Och nö, Papa, kein Geo!
– … also auf jeden Fall gibt’s dann an der Küste total viel Schnee. Schau einfach mal in das Blog Nordwärts, da siehst Du, was dann passiert.

2.

Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee, Schnee! Für jeden Zentimeter einmal.

3.

Ja hallo, bin ich denn in Kanada? War das jetzt ein Blizzard oder was? Gestern noch grün und heute … . 10 – 20 cm Schnee hat das Wetter gestern vorhergesagt, am Sonntag vormittag abnehmend. Ha, ha, ha! Abnehmend! – man konnte ja teilweise keine 20 Meter mehr schauen! Und windig war es auch noch ganz schön. So viel Schnee in 24 Stunden, das hat auch der Nachbar von gegenüber noch nicht erlebt. Und alle Nachbarn sind auf der Straße und schaufeln Schnee, schaufeln Schnee, schaufeln Schnee.


Geduld, liebe Blogleser, Fotos und ein Bericht kommen noch, aber jetzt muss ich mich ein bisschen ausruhen vom Schnee schaufeln. Und ich habe noch nicht einmal die Hälfte geschafft.

Im Schnee versunken

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

Nur zur Erinnerung: Gestern mittag konnte man noch überall den Rasen sehen, denn es war zwar kalt, aber Schnee lagen nur ein paar Millimeter. Dann fing es an zu schneien, mehr zu schneien, noch stärker zu schneien. Entgegen der Vorhersage (10-20 cm Schnee, lässt vormittags nach), schneite es die ganze Nacht durch und auch heute vormittag kamen mit jeder weiteren Stunde fünf Zentimeter dazu. Und da kommt eine Menge zusammen …


Als ich heute aus dem Haus blickte, war alles tief verschneit und es schneite noch immer. Die Straße war eine einzige weiße Fläche und von meinem Auto schauten nur noch ein Teil der Scheiben, Dachreling und Rückspiegel hervor. Bis zum Oberschenkel ging mir das fluffige Weiß auf dem Weg zur Garage. Denn dort standen die Skier, die ich heute nehmen wollte. Inzwischen war der Schneepflug gekommen und hat zusätzlichen Schnee von der Straße vor das Grundstück geworfen. Da musste ich erst einmal durchwaten, um überhaupt auf die Straße zu kommen.

Mit Skiern bin ich dann bergauf die Straße in Richtung Storgrundet gelaufen, bin aber schnell wieder umgekehrt, denn im Wald trug der Schnee nicht und der Weg war schon geräumt, so dass die Skier auf dem Kies kratzten.

Mit den Winterstiefeln (gefüttert – wasserdicht – bequem) ging es dann viel besser. Bei der Skooterspur habe ich den Weg verlassen und bin die Waldwege entlanggelaufen. Oder das, was von den Waldwegen übrig war, denn überall lag der Schnee knie bis hüfthoch. Genau das Richtige, um sich an die alten Trendsportarten von vor zwei Jahren zu erinnern: Tiefsnow stapfing und Power snowangeling! Beim letzten Foto bin ich einfach die verschneiten Felsen heruntergerutscht und weitergerutscht und weitergerutscht. Keine Angst, so tief ist der Schnee dann doch nicht, ich liege hier halb auf den großen schrägen Felsen. (Beim Power snowangeling habe ich mich übrigens einfach rückwärts fallen lassen. Kein Anlauf oder so …)

Die Natur präsentierte sich hauptsächlich in Schwarzweiß. Eigentlich hauptsächlich in Weiß, denn der Schneefall wurde immer stärker und ich war froh, zur Sicherheit einen Kompass dabei zu haben, auch wenn ich die Umgebung inzwischen ganz gut kenne. Vor allem an dem kleinen See Rudtjärnen war alles weiß in weiß und das gegenüberliegende Ufer war nicht zu sehen.

Nach einer recht anstrengenden Runde zu Fuß durch den Tiefschnee bin ich wieder auf den geräumten Weg gekommen. Hier lag schon neuer Schnee. An dem (anderen) kleinen See, an dem ich vor ein paar Tagen noch fotografiert habe, ist es meistens sehr windig. So auch heute. Ich bin kaum zum Ufer gekommen, um ein Vergleichsfoto zu machen, denn der Wind hat die Schneeverwehungen schon hart werden lassen. Eingesunken ist man aber doch bis zum Bauch.

Nun war es bis zur Ostsee nicht mehr weit. Zu meinem Erstaunen war die Ostsee zwischen Insel und Festland zugefroren, auch wenn einige braune Stellen verrieten, dass das Eis noch lange nicht tragfähig ist. Hier habe ich eine Tee- und Esspause gemacht, die war aber bei dem Küstenwind trotz zweiter Jacke ganz schön ungemütlich. Die Insel Storgrundet war im Schneefall und Schneetreiben nicht einmal zu erahnen und auch die Nikon wollte nicht mehr so richtig. Zeit für den Rückweg …

Der Rückweg ging schnell, selbst wenn die geräumte Straße inzwischen wieder zugeschneit war. Als ich wieder in meine Straße einbog, sah ich alle Nachbarn auf einmal. Und alle schaufelten Schnee. Oder unterhielten sich über das Wetter. Manche hatten eine Schneefräse und später kam auch jemand mit einem alten Traktor dazu. Mein Auto war inzwischen bis auf den rechten Außenspiegel komplett unter den Schneemassen verschwunden und auch mein Trampelpfad von vor einigen Stunden war wieder zugeschneit.

Mittags – genau 24 Stunden später – hörte der Schneefall wieder auf. Und in diesen Stunden haben die Wolken 83 cm Neuschnee in meinen Garten geladen. 83 cm in 24 Stunden! Das hat auch der Nachbar von gegenüber noch nicht erlebt! Ich ahnte, dass ich den Rest des Tages mit Schneeschaufeln beschäftigt sein würde. Schon der Pfad zur Haustür hat seine Zeit gebraucht und danach kam das Auto dran, und der Schnee davor. Das ganze war ein bisschen wie Ostereier suchen: Oh, ich habe ein Auto, einen Briefkasten, eine Treppe, ein Kellerfenster! Bloss der Zaun zum Nachbarn ist immer noch im Schnee versteckt.

Ich schätze, ich habe 10 Kubikmeter, also etwa eine Tonne Schnee über meine Schulter geworfen und dementsprechend groggy bin ich jetzt. Richtig groggy! Aber während die meisten Nachbarn nur die Arbeit sehen, freue ich mich, dass der Winter mit einem Paukenschlag pünktlich zum ersten Advent (Stimmt, den haben wir ja heute auch) gekommen ist. Und so viel Schnee bleibt lange liegen, zumal die nächsten zehn Tage Dauerfrost sein soll. Winter wonderland!

Anmerkungen

Eigentlich war heute wieder Skyltsöndag in Skelleftehamn. Da war aber nichts, denn auch der Marktplatz war unter Schnee begraben.

Es hat wohl wieder einen „Lake effect“ gegeben, denn schon zehn Kilometer landeinwärts liegt ungleich weniger Schnee. Und den Lake effekt konnte das smhi vor zwei Jahren auch schon nicht vorhersagen.

Fotografen wird auffallen, dass manche Bilder vignettiert sind. Das liegt daran, dass um die Linse herum ständig Schnee klebte. Zum Schluss war die Hälfte der Bedienelemente an der Nikon eingefroren und das Fotografieren wurde immer schwieriger. Ich werde das nächste Mal die Nikon vorher schon herunterkühlen in der Hoffnung, dass der Schnee dann nicht so leicht am Gehäuse schmilzt und festfriert.