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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Lucia

Alle, die schwedeninteressiert sind, wissen es längst: Heute ist Lucia. Wer nicht weiß, was es mit dem Luciafest auf sich hat, den verweise ich an den Wikipedia-Artikel, der kann das besser erklären als ich.

Ich bin heute nach der Arbeit am Fluss zur Landskyrka, zur Landeskirche gelaufen. Oder besser gesagt gestapft, denn auf den kleinen Wegen liegt trotz des leichten Tauwetters noch einiges an Schnee. Als ich eine halbe Stunde vor Beginn da war, war ich doch überrascht, wie voll die große Kirche schon war. Aber ich habe noch einen Sitzplatz bekommen.

Obwohl die „Krönung der Lucia“ in einen Gottesdienst eingebettet war, wurde hauptsächlich musiziert. Auf einige Stücke, die von einem kleinen Jugendorchester aufgeführt wurden, folgte eine kurze Predigt. Dann kam – von allen erwartet – der Luciazug: Sieben Sängerinnen kamen in weißem Linnen gekleidet in die nun abgedunkelte Kirche geschritten und sangen, jede eine Kerze in der Hand, „Santa Lucia“. Auf der Bühne wurde dann die Lucia mit einem Kerzenkranz gekrönt und weitere Lieder gesungen.

Ich war überrascht, wie viel die Sängerinnen gesungen haben. Sie begannen mit den typischen schwedischen Lucialiedern, sangen dann aber auch vom Klavier begleitet Stücke wie „When I wish upon a star“ und „Go tell it on the mountain“. Zum Schluss sangen sie dann wieder „Santa Lucia“ und schritten langsam aus der Kirche hinaus.

Als ich noch in Deutschland lebte, dachte ich bei jedem Luciafest an Schweden. Heute war es umgekehrt, denn als in München gelebt habe, habe ich mit dem Svenska Kören, dem Schwedischen Chor so manches Weihnachtskonzert gesungen. Und während ich heute beim Lucialied noch ein bisschen an Münchner Zeiten dachte und gute Freunde, die im fernen Süden leben, ging rumsbums! das Licht an, ein Teil des Publikums stand schon und alles steuerte auf die Ausgänge und die Autos zu. Das ging mir ein bisschen plötzlich.

Arbeitssamstag

Die Adventszeit bringt bei vielen hier nicht Ruhe und Besinnung mit sich, sondern viel Arbeit. Denn ganz plötzlich merken die Kunden, dass das Jahr zu Ende geht und man eigentlich Projekte abschließen möchte. Alle. Gleichzeitig.

Und so sitze ich heute am Rechner. Das macht michts, denn der Tag ist ohnehin feucht, dunkel und trübe. Aber kurz war ich mal draußen und habe ein paar Fotos von der Straße gemacht. Und dabei eine Überraschung gefunden: Mein Stiefmütterchen vor dem Haus blüht immer noch. Das nenne ich hart im Nehmen!

Da ich zu faul war für Stativ und wie gesagt wenig Licht da war, ist vor allem das Blumenfoto nicht scharf. Der Perfektionist in mir grummelt ein wenig. Der Rest sagt zu ihm: „Du spinnst doch! Und wegen Dir gehen wir jetzt nicht noch mal raus!“

Wasser aus allen Richtungen.

Wasser kommt aus allen Richtungen:

Von oben: Als Regen. Und heute hat es den größten Teil des Tages geregnet.

Von unten: Als Pfützen. In der langsam abtauenden Eisschicht auf der Fahrbahn sind große Löcher. Und tiefe Pfützen. In denen man sich spiegeln kann, wenn man unbedingt will.

Von der Seite: Als Wellen in der Bucht …


Wir hatten die letzten Tage einige Male Wasserstandswarnungen und die Ostsee stand teilweise über einen Meter höher als normal. Da ist es klar, dass allerhand Treibgut an den Strand gespült wird. Es ist interessant, wie allein durch die Wellen die angespülten Dinge sortiert und ausgerichtet werden: Die Hölzer liegen parallel, die Plastikfolie bleibt in den Bäumen hängen und das Styropor hat es am weitesten geschafft.

Da sieht man, wieviel Abfall der Mensch einfach in die Gegend wirft. Aber die Natur rächt sich: Heute habe ich in Skelleftehamn direkt am Ufer den ersten großen Hai gesichtet.

Hej då 2011, välkommen 2012

Ich schreibe nicht groß über das Jahr 2011, denn ich habe hier schon so viel geschrieben. Ich schreibe auch nicht groß über das Jahr 2012, denn über das weiß ich noch so wenig.

Über meine Silvesterfeier mit einigen Freunden und einigen Unbekannten berichte ich hier auch nur am Rande. Denn im Gegensatz zu dem Weihnachtsfest, welches in Schweden vor allem kulinarisch doch ganz anders gefeiert wird als in Deutschland, könnte das Silvesterfest in dieser Form auch genau so gut in einem kleinen deutschen Ort stattgefunden haben: Man sitzt zusammen, isst mehrere Gänge leckeres Essen, trinkt Sekt und anderes – gerne alkoholisch. Vor einem stehen Tuten, in die man mal herein tutet (dann macht es „Tuut“) und es dann wieder lässt und kurz vor Mitternacht gehen alle mit einem Sektglas heraus, man stößt an, wünscht sich ein „Gott nytt år“ und schaut dem kleinen Feuerwerk zu, welches einer der Gäste entzündet. Nur Luftschlangen und Wunderkerzen waren nicht dabei. Und dann ist plötzlich 2012. Ein neues Jahr!

Aber zurück zu gestern.

Der Sommer ist schön, aber der Winter ist meine Heimat.

ich

Diese Worte kamen mir gestern am Silvestertag in den Sinn, als ich mit dem Auto nach Kusfors zur Silvesterfeier gefahren bin. Selbst in Skelleftehamn hatte es geschneit und alles war weiß. Und je weiter ich ins Inland gefahren bin, desto winterlicher wurden die Eindrücke. Irgendwo bin ich dann abgefahren, um ein paar Fotos zu machen. Ich weiß bis heute nicht, woran es liegt, aber die winterlichen Landschaften berühren mich und machen, auch wenn ich auf Frühling, Sommer und Herbst nicht verzichten möchte, den Winter zu meiner bevorzugten Jahreszeit.

Meinen dicken Winterparka hätte ich dieses Wochenende allerdings zu Hause lassen können, denn der Himmel zog sich zu und so stieg das Thermometer von gestern Abend -11 °C auf heute morgen -7 °C an.

Extrem war der Temperaturanstieg im Fjäll. In Hemavan ist das Thermometer innerhalb weniger Stunden von -26 °C auf -10 °C gestiegen.

So, jetzt komme ich noch mal auf Silvester zurück und wünsche Euch das, was mir schon vielfach auf Facebook, über Twitter, per E-Mail, in anderen Blogs und sogar per Brief(!) gewünscht wurde:

Ich wünsche Euch allen ein richtig Gutes neues Jahr 2012! Macht was daraus!

Winter

Macht die Musik aus und dimmt das Licht. Atmet langsam ein. Und wieder aus. Stellt Euch Stille vor. Einatmen. Ausatmen. Ihr seid allein. Draußen in der Natur.

Öffnet Eure Ohren. Lauscht. Ihr hört den Wind in den Bäumen rauschen und den Schnee, der auf die Kapuze prasselt. Ab und zu kommt eine Böe und schüttelt den Schnee vom Pelzrand. Ihr lauft. Die Skistöcke stechen in den Schnee, die Lederstiefel knarzen in der Riemenbindung. Die Skier gleiten mäßig, denn der warme Schnee klebt unter der Gleitfläche. Aber Ihr kommt vorwärts. Ihr verlasst den Fahrweg und folgt einer Skooterspur, die mitten durch den Wald führt. Die Stirnlampe ist aus, denn die tiefhängenden Schneewolken reflektieren genug Licht des nahen Skelleftehamn. Der verschneite Wald ist in dunkeloranges Licht getaucht. Ihr folgt der Skooterspur weiter und der Wald öffnet sich. Links liegt ein zugefrorener See. Die Bäume am anderen Ufer sind im Schneefall nur schemenhaft zu erkennen. Das Gelände ist offen, der Wind ist stärker. Die Spur ist verweht und irgendwann nicht mehr zu sehen. Ihr lauft einfach weiter. Mitten durch den Wald. Pock, der Skistock stößt auf einen Stein. Krzz, der Ski auf einen anderen. Der Wald wird dunkler. Ihr seid allein in der Natur. Ihr hört den Wind, den Schnee, Eure Bewegungen und Euren Atem. Bald stoßt Ihr wieder auf eine Skooterspur. Ihr folgt ihr und spürt, dass Ihr Euch wieder der Zivilisation nähert. Ihr stoßt auf einen geräumten Weg. Hier gleiten die Skier besser und mit Doppelstock-Zwischenschritt könnt Ihr schneller durch den Wald gleiten. Der Wald öffnet sich und gibt den Blick auf die Straße frei. Es duftet nach Holzofen. Die Straßenlaternen blenden Euch. Ihr gleitet die leicht abschüssige Straße herunter, biegt rechts in den Tallvägen ein und stoppt am drittletzten Haus. Es ist hellgrün. Ihr habt den Schlüssel. Drinnen ist es warm.

Davor: Ich schaufele 15-20 Neuschnee weg. Es schneit bei knapp unter Null Grad.

Davor: Ich sitze im Bus und fahre von der Arbeit nach Hause. Es schneit.

Davor: Mein erster Arbeitstag im neuen Jahr, es schneit den ganzen Tag. Mal mehr, mal weniger.

Davor: Ich wache auf und es sind gut fünf Zentimeter Neuschnee gefallen. Es schneit und es ist windig. Ein Streifen Schnee ist durch den Türspalt in den Wintergarten geweht. Das Auto ist weiß eingehüllt.

Davor: Neujahrsnacht. Wolken sind aufgezogen und es hat angefangen zu schneien. Laut smhi können bis zu 20 cm Neuschnee bis zum Montag Abend herunterkommen. Ich bin gespannt, wie viel wir in Skelleftehamn bekommen. Vielleicht kann ich ja bald meine Skier auspacken und durch den Wald gleiten. Dem Wind lauschen und dem Schnee, der auf meine Kapuze prasselt.


Nachtrag: Zwei Stunden später. Ich sitze gemütlich im Haus und arbeiten tun nur die Wasch- und die Spülmaschine. Der Wind und der Schneefall draußen haben noch zugenommen und es soll die ganze Nacht weiterschneien. Das Schneeräumen hätte ich mir sparen können und selbst auf der geschützten Treppe liegen einige Zentimeter Neuschnee. Es ist aber nur knapp unter Null und es steht auf des Messers Schneide, ob der Niederschlag morgen Vormittag als Schnee oder doch als Regen herunterkommt. Aber ich freue mich schon auf eine schöne Skitour im Inland am Wochenende. Da liegt bestimmt jetzt richtig viel!

Licht und Schatten

Heute hat es bei knapp ein Grad plus in großen Flocken weitergeschneit. In Skelleftehamn sind 5-10 cm heruntergekommen. Nun, die sind schnell weggeräumt, so dass ich danach noch Zeit für eine kleine abendliche Skitour habe. Ich bin zu meinem Sommerstrand Storgrundet gelaufen.

Heute ist es mir besonders aufgefallen: Das Wechselspiel zwischen hell und dunkel. Das gelb-orange Licht der vielen Natriumdampflampen wird von den schneebedeckten Straßen reflektiert und strahlt die tiefen Schneewolken an. Die wiederum werfen das abgeschwächte Licht zurück und strahlen andere Schneeflächen an. Deswegen kann man sich ein ganzes Stück von der Straßenbeleuchtung entfernen und dennoch ohne Lampe Ski laufen. Die Wolken über dem Wald und der Ostsee hingegen sind fast schwarz und oft ist der Himmel in orange und schwarze Bereiche unterteilt. Manchmal ist der Himmel hell und der Weg dunkler, manchmal ist es umgekehrt. Doch schaut selbst:

Vielleicht ist Euch aufgefallen, dass Äste und Zweige seltsam unscharf-neblig aussehen. Das liegt daran, dass es sehr windig war und bei Belichtungszeiten von mehreren Sekunden die bewegten Teile unscharf werden. Am meisten fiel mir das an der böig-windigen Küste auf, wo ein vom Scheinwerfer angestrahlter Baum mit funkelnden Tropfen in den Zweigen förmlich im Wind tanzte.

Für Fotografieinteressierte: Ich habe die Photos in Lightroom nachbearbeitet, aber keine Verlaufsfilter eingesetzt. Lediglich den von der Lampe angestrahlen Schnee auf dem Tanzender-Baum-Bild habe ich minimal abgedunkelt, damit er nicht ins Weiße absäuft


Nachtrag: 5. Januar, morgens. Es schneit noch immer, es ist noch immer windig. Auf der Straße schleicht ein Jeep vorbei. Wie letztes Jahr kommt der Schnee in Schüben. Vor einer Woche war es hier noch fast schneefrei, jetzt liegen gut 40 Zentimeter auf meinem Grundstück.

Es schneit

Es schneit, und das seit Tagen. Jetzt kommen zwar keine Massen mehr herunter, aber ein guter halber Meter Schnee liegt jetzt im Garten. Die Schneewehen nicht mit gerechnet. Die Temperatur lag tagsüber bei -8 °C und jetzt bei -5 °C, da brauche ich keine Angst mehr zu haben, dass der Schnee in Sprühregen übergeht. Wie schön!

Trettondedag jul

Hier ist der 6. Januar nicht unter dem Namen Heilige Drei Könige bekannt, sondern als dreizehnter Weihnachtstag, oder auf schwedisch „Trettondedag jul“. Das ist ein sogenannter „Röd dag“, ein roter Tag im Kalender, ein Feiertag.

Ich habe allerdings momentan jobmäßig sehr viel zu tun und habe heute gearbeitet. Den Tag kann ich dann ja ein andermal frei nehmen. Da ich zu Hause gearbeitet habe, habe ich eine Stunde einen Spaziergang gemacht, anstatt etwas zu essen.

Erst war ich am Kallholmsfjärden, der nächsten Ostseebucht. Dort beginnt jetzt langsam, die Ostsee zuzufrieren. Es bilden sich zum Anfang weiche Schneematschfladen, die durch die Wellenbewegung ständig aneinanderstoßen und deswegen rund sind. Diese werden später zu sogenanntem Pfannekucheneis zusammen frieren. Diese Eisstücke sind auch rund, daher der Name.

Dann bin ich ein Stück zurück gelaufen und in den Wald hinein. Man ahnt noch die letzte Traktorspur, doch jetzt gehört der Weg den Schneemobilen.

Auf der leicht felsig-hügeligen Lichtung bin ich querwaldein weitergelaufen, bis ich an den Rudtjärnen kam, einen kleinen See. See und Sumpf sind zugefroren und am Rand den Sees, wo die Schneemobile fahren, traue auch ich mich, entlang zu laufen.

Wenn man hier mitten durch die Natur läuft, vergisst man, dass man keine 500 Meter von seinem Haus entfernt ist. Es ist ein Gefühl, als laufe man durch die Wildnis. Zwei Tipps für Nachahmer:

  • Wintergummistiefel! Der Sumpf ist zwar gefroren, doch auf dem Eis ist Wasser und darauf Schnee. Das sieht man beim Laufen nicht wirklich und schnell steht man knöcheltief im Wasser, wie im Bild links.
  • Kompass! Hier sieht alles gleich aus und wenn man sich nicht gut orientieren kann, kann man entweder den Skooterpfaden oder den Stromleitungen folgen. Fragt sich bloß, in welche Richtung. Ein Kompass macht die Sache schon einfacher. Bei dem Bild rechts bin ich noch 50 Meter von dem Weg hinter den Häusern entfernt. Man sieht aber nichts davon und könnte ohne Orientierung selbst in diesem begrenzten Gelände ziemlich herumirren.

Ich finde, das war ein schöner Spaziergang und die Stunde Mittagspause war gut genutzt, auch wenn ich danach sehr hungrig war.

Einfach mal losfahren

Das dachte ich, als ich am Samstag nicht allzu früh aufwachte. Und begann mein Auto zu packen, als ob ich mindestens drei Monate wegbleibe, durch die kanadische Wildnis laufe und den Atlantik schwimmend überquere. Und dann bin ich in Richtung Inland gefahren. Weit bin ich dabei nicht gekommen, aber mir ging es ja um “Einfach mal losfahren” und nicht um Strecke machen.

Und ich bin losgefahren. Erst nach Skellefteå und dann geradeaus weiter. Kurz hinter der Stadt kam mir eine kleine Autoschlange entgegen. Vor ihr, schön an der Seite, liefen fünf Rentiere. Ganz gesittet, eines hinter dem anderen. Da hätte ich gerne meine Kamera auf dem Schoß gehabt.

Wer mich kennt, kennt vielleicht auch meine Leidenschaft für Schnee. Für tiefen Schnee. Sehr tiefen Schnee! Auf der 95 in Richtung Bodø gibt es viele Parkbuchten, die ebenso wie die Straße freigeräumt waren. Ich bin dann einfach ein Stück in den Wald gelaufen und dort lag Schnee: Im Wald etwa 80 cm, auf der freien Fläche zwischen 60 und 120 cm, je nachdem, wo man läuft. Das ist eine gute Höhe für Tiefsnow stapfing.

Ich bin dann weitergefahren und war plötzlich in Jörn. Den Ort kenne ich (und viele andere) deswegen, weil dort die Bahnlinie durchführt. Ich finde es extrem faszinierend, neben dem gemütlich wirkenden Bahnhofsgebäude zu stehen und auf die Gleise zu schauen. Denn hier kann man nonstop sowohl nach Göteborg und Stockholm, als auch nach Kiruna, Abisko oder sogar ins norwegische Narvik reisen. Ich finde es jammerschade, dass Skellefteå keinen Bahnhof mehr hat.

In Jörn werden die begehrten Jörnkängor, das sind handgefertigte Wander- und Tourenskistiefel hergestellt. Fährt man allerdings zu der Adresse, so sieht man nur ein Wohnhaus und ein Nebengebäude. Kein Name, kein Logo, keine Werbung. Das haben die Macher auch gar nicht nötig, selbst ohne Marketing betragen die Wartezeiten für ein paar Schuhe viele Monate.

Nachdem ich in zwei Second-Handläden war und eine herrliche gusseiserne Bratpfanne für 50 Kronen erstanden habe, bin ich mit dem Auto weitergefahren. Nun wurde es langsam dämmrig und dann dunkel und Zeit, das Fernlicht zu benutzen, vor allem um Elche und Rentiere rechtzeitig zu sehen. Ich finde es ein Erlebnis, mit Fernlicht durch den schwedischen Winter zu fahren. Durch den Schnee ist alles so hell und wirkt viel plastischer als tagsüber, wo die weiße Straße auch oft übergangslos in den weißen Himmel übergeht. Ich habe meinen Orientierungssinn ausgeschaltet und bin einfach gefahren. Dann war ich plötzlich in Petiknäs, welches der Nachbarort von Kusfors ist. Und da wollte ich am nächsten Vormittag ohnehin sein. Zufall?

Jedes Mal schaffe ich es, an dem Weg zur Kraftstation vorbei zu fahren. Gestern habe ich es das erste Mal geschafft, den Abzweig zu nehmen und mir die große Mauer anzuschauen, die den Skellefteälven staut. Ich dachte, man könne über die Staumauer drüberfahren, aber die war bis zum oberen Ende der Leitplanke zugeschneit. Vermutlich darf man aber so oder so nicht drüber.

Danach habe ich erst im Café Ångloket vorbeigeschaut und dann bei Lasse und Martine den Autotag beendet und mit den beiden einen sehr netten Abend verbracht. Die Skier, der Schlafsack und manches mehr blieben ungenutzt im Auto liegen. Den wasserdichten Überlebensanzug habe ich am nächsten Tag für ein paar kleine Unterwasserfotos sogar tatsächlich benutzt, aber das ist eine andere Geschichte, die erzähle ich morgen.

Winterbaden

Die Nacht war klar und der Himmel verspricht einen schönen Tag. Die tief stehende Sonne strahlt die Schäfchenwolken rosa an. Auf dem Eis des zugefrorenen Flusses steht ein Mann. Er hat eine Kettensäge in der Hand.

Er sägt große Blöcke aus einer Stelle, die wohl schon einmal offen war, aber jetzt wieder zehn Zentimeter dick von Eis bedeckt ist. Als die Eisblöcke aus dem Wasser gehoben sind, gähnt einem ein Loch im Eis entgegen. Das Wasser ist dunkel, fast schwarz, Grund ist nicht zu sehen.

Doch verlassen wir die morgendliche Szene und drehen die Zeit ein wenig zurück.

Ich bin ja seit letztem Winter Mitglied der Föreningen för Mörkrets och Kylans Glada Vänner, auf deutsch Verein der frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte, der positive Erlebnisse rund um die hier im Norden herrschende Dunkelheit und Kälte schafft. Unsere erste Veranstaltung ist die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen, die am 4. Februar hier in Skellefteå stattfinden wird.

Die Standarddisziplin ist 25 Meter Brustschwimmen, es kommt aber auch eine Extremsportlerin,die 450 Meter (sic!) in dem eiskalten Wasser schwimmt. Wir wollen aber nicht nur Supersportler, sondern auch Normalpersonen als Teilnehmer. Und für die hat Jarkko gestern in Kusfurs einen Workshop im Winterbaden angeboten. Nach einer theoretischen Einführung sollte jeder, der will, das ganze natürlich ausprobieren können. Und dafür braucht man eben ein Loch im Eis.

Bevor der Workshop begann, habe ich versucht Unterwasseraufnahmen zu machen. Dabei hatte ich aber einen Survivalanzug an, der komplett wasserdicht ist und schön warm hält. Einige Stunden später später bin ich wieder in das Loch gestiegen, dieses Mal nur mit Badehose und lustiger Mütze bekleidet. Insgesamt zehn Teilnehmer haben das Winterschwimmen ausprobiert. Frauen, Männer und auch ein elfjähriger Junge.

Wie geht das ganze vor sich? Zuerst wärmt man sich auf, dazu reicht schon ein kurzer flotter Spaziergang. Dann zieht man sich aus, stellt sich auf die oberste Sprosse, nimmt einen tiefen Atemzug und steigt, langsam ausatmend und mit dem Rücken zuerst ins Wasser. Dabei setzt ein gewisser Fluchtreflex ein, der dazu führt, dass man schnappatmet. Ich habe also versucht, ganz bewusst ruhig ein- und auszuatmen. Nach fünf bis zehn Sekunden beruhigt sich die Atmung und dann ist es richtig schön in dem kalten Wasser. Ich war vorher so mit der Atmung beschäftigt, dass ich keinen Moment die Kälte gespürt habe. Wenn man wieder aus dem Wasser aussteigt, ist es wichtig, sich schnell abzutrocknen und warm anzuziehen. Extra dafür habe ich meinen warmen kanadischen Daunenparka mitgenommen. Der hielt mich danach auch schön warm, aber über die warme Gulaschsuppe, die es anschließend im Café gab, habe ich mich doch sehr gefreut.

Das Gefühl danach ist herrlich. Man fühlt sich nicht nur bis in die letzte Pore erfrischt und wach, sondern der ganze Körper richtet sich auf und man steht viel gerader da. Eine Wohltat für Büroarbeiter wie mich.

Als ich nach der Suppe noch einige Sachen hereingeholt habe, war das Eisloch schon wieder am Zufrieren. Am nächsten Samstag findet ein Workshop in Ursviken statt, gleich um die Ecke. Da bin ich wieder dabei.


Einige Tipps zum Winterbaden:

  • Wärme Deine Muskulatur auf, bevor Du in das Eisloch gehst.
  • Trage eine Mütze
  • Bade nicht direkt nach der Sauna
  • Atme ruhig wenn Du ins Wasser gehst, das kalte Wasser kann die ersten Male zu einem ungefährlichen Atemkrampf führen
  • Bleibe die ersten Male nur kurz im Wasser
  • Ziehe Dich warm an nach dem Bad und trinke etwas lauwarmes
  • Bade nie alkoholisiert oder wenn Du krank bist
  • Nimm einen Freund mit
  • Falls Du unsicher bist, sprich mit Deinem Arzt
  • Höre auf Deinen Körper

Da ist das Eis!

Ja, träume ich denn! Gestern war die Bucht komplett eisfrei und heute, nach einer Nacht mit Temperaturen um -15 °C ist sie mit Eis bedeckt – die ganze Bucht bis zum Horizont. Für mich ist das unglaublich, wie schnell sich das hier ändern kann.

Storgrundet

Erst war ich zu faul, aber dann habe ich doch meine Skier genommen und eine kleine Tour gemacht. Der Himmel ist seit Tagen bewölkt und es schneit ein wenig.

Im Wald ist das Skilaufen eher ein Stapfen, da die Fjällski immer wieder 20, 30 cm in den lockeren Schnee einsinken. Ein kleiner Wink der Natur, dass ich mir doch einmal die praktischen und schönen Holzski von Tegsnäs kaufen sollte.

In kleinen Bächen und in Zu- und Abflüssen von Seen kann das Wasser noch offen sein, denn fließendes Wasser braucht wesentlich länger, bis es fest zufriert. So sprudelte auch dieser Bach noch munter vor sich hin und ignorierte den Dauerfrost. Gemein sind die Stellen, wo das Wasser unter der Schneedecke fließt und man sollte genau hinschauen, wo die Schneedecke abgesenkt ist, wenn man keine nassen Füße bekommen möchte.

Bald stand ich am Ufer der Ostsee und hatte Blick auf die langgezogene Insel Storgrundet. Im Sommer und Herbst habe ich hier gebadet, doch jetzt ist das geschützte Ostseewasser zwischen Festland und Insel dick zugefroren. Und es gab mehrere Anzeichen, dass ich das Eis betreten und hinüber zur Insel laufen kann:

  • An mehreren Stellen waren Wege zur Insel mit Zweigen markiert
  • Eisfischer waren auf dem Eis
  • Skooter und Skispuren waren auch zu sehen

Das reicht mir als Sicherheit. Doch auch wenn das Eis dick ist, hänge ich mir immer die Isdbubbar um, sozusagen ein Springseil mit dicken Nägeln am Ende, mit deren Hilfe man sich, falls man eingebrochen ist, wieder aus dem Eis herausziehen kann. Einige Minuten später stand ich auf dem Ostseeeis und bald war ich auf der schmalen Insel Storgrundet angelangt. Die Insel ist nur zwei- bis dreihundert Meter breit und bietet dennoch drei völlig verschiedene Eindrücke:

  • Sommerhäuser Das dem Festland zugewandte Ufer ist teilweise mit Sommerhäusern bebaut. Sommerhaus heißt mindestens ein größeres Haupthaus, Nebengebäude, Sauna und Bootshaus. Es ist windgeschützt und ich fühle mich der Zivilisation nahe, selbst, wenn die Häuser gerade nicht bewohnt sind.
  • Wald Hundert Meter stehe ich mitten im Wald. Ich sehe die Häuser nicht mehr und das andere Ufer noch nicht. Ich habe kaum den Eindruck, dass ich auf einer Insel bin. Nur einige parallele Schneeverwehungen zeigen, dass es hier recht windig sein kann.
  • Offenes Meer Noch einmal hundertfünfzig Meter weiter stehe ich am Meer. Es gibt noch ein paar unbewohnte Inselchen, ansonsten ist fast alles mit Eis bedeckt. Etwas weiter weg ist offenes Wasser und auch das Eis am Ufer trägt noch nicht. Es ist sehr windig und der Schnee weht waagerecht vorbei. Ich bin über die zwei Kapuzen von Funktionshemd und Norrøna-Jacke genau so froh wie über die dicken Fäustlinge, die ich über die dünnen Handschuhe ziehe und die meine Hände wieder aufwärmen, nachdem ich ein Minivideo mit dem iPhone gedreht habe. Hier bin ich alleine in der rauh wirkenden Winterlandschaft und kann mir kaum vorstellen, dass ich kaum mehr als zwei Kilometer von meinem Haus entfernt bin.

Die gute Seite: Entsprechend schnell bin ich auch wieder zu Hause. Die ganze Tour hat vielleicht zwei Stunden gedauert und das auch nur, weil ich es ruhig angegangen bin. Ich hoffe darauf, dass irgendwann diesen Winter auch mal wieder die Sonne heraus schaut und freue mich auf die erste längere Tour bei blauem Himmel und glitzerndem Schnee.


Hier noch ein kleines Video, welches ich mit dem iPhone gemacht habe. Danach musste ich erst einmal meine Finger wieder auftauen.


Heute ist trotz des bewölkten Himmels die Temperatur, von keinem Wetterdienst vorausgesehen, von -3 auf -8 Grad gesunken. Hinten im Garten liegen jetzt 60 cm Schnee und man hat den Eindruck, der Winter ist jetzt wirklich angekommen. Letzten Winter war ich allerdings am 5. Dezember das erste Mal mit Skiern auf der Insel, also sieben Wochen früher und wir hatten schon im Dezember mehr als einen Meter Schnee. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Das verratet aber nicht meinen Nachbarn; es sind nicht alle solche Schneefans wie ich

Pimpelfiske

„Pimpelfiske“, so nennt man hier das Eisfischen. Ich finde ja, dass das Wort ein bisschen lustig klingt und wenn man sich die kleine Plastikangel anschaut, dann erinnert die auch eher an ein Gimmick aus einem Yps-Heft als an ein ernstzunehmendes Angelgerät. Aber man irrt, denn mit dieser Angel kann man Fische fangen, ab und zu so große, wie mir ein Angler erzählt, dass sie nicht durch das Eisloch passen, welches man vorher mit dem großen Eisbohrer gebohrt hat. Heute hingegen gingen die meisten Angler leer aus, die Fische waren woanders. Das kann man tatsächlich sehen, denn der Grund ist sandig, das Wasser extrem klar und keinen Meter tief. Und viele Angler legen sich bäuchlings auf eine Isomatte aufs Eis, um zu schauen, ob vielleicht ein Flussbarsch (abborre) oder ein sik vorbeischwimmt.

Im Grunde braucht man wenig, um Eisfischen zu betreiben: Die meisten haben einen knallbunten Floating Suit an, das ist ein gefütterter Overall, der nicht nur warm hält sondern einem auch im Wasser Auftrieb gäbe, falls man doch einmal einbrechen sollte. Dann kommt als nächstes der Eisbohrer, mit dem man ein Loch ins Eis bohrt. Das ging heute in der Bucht recht schnell, denn das Eis ist nur 20 cm dick. Die meisten Eisangler haben eine Isomatte, in die ein kreisrundes Loch geschnitten ist, so dass sie im Liegen fischen können.

Dann setzt man einen Wurm auf den Haken und lässt ihn an der dünnen Nylonschnur hinunter in das Eiswasser. Da man direkt über dem Wasser ist, braucht die Angelrute auch nicht besonders lang zu sein. Praktisch ist eine kleine Plastikkelle, mit der man das Eis wegmachen kann, welches sich schnell immer wieder auf der Wasseroberfläche bildet.

Wenn man keinen Fisch fängt, dann hält man eben Fika und trinkt Kaffee. Zwei der Angler hatten einen kleinen Grill dabei, auf dem sie Würstchen warm gemacht haben. Sie haben dann Geschichten von den Tagen erzählt, wo sie besonders große oder viele Fische gefangen haben und von Angelplätzen in Storuman und an der norwegischen Atlantikküste.

Zum Schluss hat dann aber eine Anglerin doch noch einen kleinen Barsch gefangen. Nun hofft sie, dass ihr zwölfjähriger Enkel, der noch vorbeischauen will, auch Glück hat und etwas fängt. Das ist eine Sache, die mir schon vorher aufgefallen ist: In Schweden angeln Jungen und Mädchen, Großmütter und Großväter und in den Angelzeitschriften sieht man nicht nur Bilder von heroisch dastehenden Männern im Tarnanzug, die ihren Riesenfisch präsentieren, sondern auch von achtjährigen Mädchen mit ihrem ersten kleinen Fang an der Angel. Angeln – ein Volkssport in Schweden.

Mein Dank geht an die Angler, dafür, dass ich Bilder von ihnen machen und veröffentlichen durfte.


Zum Wetter: Wieder ein grauer Tag. Die Sonnenstunden der letzten zwei Wochen kann man an einer Hand abzählen. Und da es ständig bewölkt ist, ist es mit -7 °C auch recht warm.

Wenn Ihr meint, das sei kalt, dann nehmt einen Globus, legt Euren Finger auf Skellefteå und drehe die Erdkugel langsam nach rechts. Der Finger zieht eine Linie bis nach Norwegen, taucht in den Atlantik und führt nördlich des Vatnajökull über Island. Nach einer Grönlanddurchquerung nördlich von Nuuk und dem Anlanden in Nordkanada werdet Ihr nach einer Durchquerung des Yukon Territory in Alaska ankommen. Inzwischen reist nicht der Finger, Ihr seid es, die hinten auf dem Hundeschlitten steht und Eure Huskies anfeuert. Haltet Euch ein bisschen rechts, bald kommt der Flugplatz von Fort Yukon in Sicht. Der liegt nur zweihundert Kilometer weiter im Norden als Skellefteå. Ich hoffe, Ihr seid warm angezogen und habt die Hunde gut gefüttert, denn just an diesem Flughafen liegen die Temperaturen heute bei -49 °C. Das ist kalt!

Wir bauen ein Freibad

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

In der Nacht hat es leicht vor sich hin geschneit. Gleichzeitig wurde es kälter. Heute morgen lag trotz der Wolkendecke die Temperatur bei -15 °C. Mich freut‘s. Nicht nur, weil ich die kalten Temperaturen mag, sondern auch, weil am Samstag die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen in Skellefteå stattfindet. Und zum Winterschwimmen gehört auch Kälte dazu.

Der Verein der frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte organisiert die Veranstaltung, hat aber zum Glück viele Helfer. Nicht nur Rettungstaucher, Polizei und viele Freiwillige vom Schwimmverein, sondern zum Beispiel auch die technische Abteilung der Kommune, die uns von Sonntag bis heute das Eis für 4 Bahnen à 25 Meter aus dem Fluss geschnitten hat.

Das erste Bild habe ich am Montagmorgen gemacht. Das zweite heute, Mittwoch Mittag. Zwischen den Tagen hatten die Mitarbeiter der Kommune einiges an Arbeit.

Alles fängt mit der Kettensäge an: Große, quadratische Blöcke werden aus dem zwanzig Zentimeter dicken Eis geschnitten. Eine ziemlich kalt-nasse Angelegenheit. Dann werden die Eisblöcke getrennt, sie treiben dann langsam mit der Strömung flussabwärts und landen am anderen Ende des Eisschwimmbeckens. Dort werden sie mit einem Greifarm aus dem Wasser gehoben.

Und so wird die Bahn länger und länger, bis sie schließlich heute Mittag fertig geworden ist.

Nun sind es nur noch drei Tage bis zum Samstag, und ich bin gespannt, wie kalt es werden wird. Schon jetzt um kurz vor sechs ist die Temperatur in Skelleftehamn auf -20 °C gefallen.

Übrigens: Was macht man, wenn der Winter so mild war und das Eis zu dünn? Ganz einfach, man spült Wasser auf das Eis, welches friert und damit die Eisschicht dicker macht. Es gab also einen Anfang vor der Kettensäge.

Vintersim SM – noch zwei Tage

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Noch zwei Tage bis zur Schwedischen Meisterschaft im Winterschwimmen. Pünktlich zu diesem Event wird es richtig kalt hier. Gestern lag die Höchsttemperatur in Skelleftehamn bei -13.4 °C, heute bei -16.4 °C. Und ich war gespannt, wie das Becken, welches gestern geöffnet wurde, wohl heute aussieht. Es war, trotz Umwälzpumpe, schon weitestgehend wieder zugefroren und Mitarbeiter der Technik mussten erst einmal das Eis aufschlagen und mit Harken an Land befördern. Über der Stadt spannte sich ein herrlich blauer Himmel bei kalten Wintertemperaturen um rund -20 °C.

Schließlich ist das Becken vom Eis befreit und sieht fast wie ein normales Freibad im Sommer aus. Wenn da nicht das Eis drumherum wäre. Und ich nicht im dicken Daunenparka da stände. Und das Wasser nicht vor Kälte rauchen würde.

Mikael misst die Tiefe: Mindestens zwei Meter, stehen kann man also nicht.

Wieder ist das Fernsehen da, wieder werden Interviews geführt und wieder springen Mikael und Hans ins Wasser, damit das Fernsehen auch etwas zu zeigen hat. Bei diesen Temperaturen fühlt man die Kälte nicht im Wasser, sondern wenn man klatschnass an Land klettert.

Mikael und Hans schwimmen auch versuchsweise gegen den Strom, aber selbst gegen diese schwache Strömung ist es schwer gegenan zu schwimmen. Also werden am Samstag bei der Staffel alle Schwimmer der Teams auf der gleichen Seite starten und durch eine Flagge ihren Start mitgeteilt bekommen.

Nun ist es halb zehn Abends, ich messe draußen -24 °C, am Flugplatz werden -29 °C gemessen und die neue experimentelle Temperaturvorhersage des Schwedischen Wetterdienstes sagt für Samstag 10 Uhr -34 °C vorher. Das nenne sogar ich richtig kalt. Und ich werde schwimmen! Nicht beim Wettbewerb, sondern anschließend beim Schwimmen der Ausrichter (der „Arrangörerna“).

Vintersim SM – nur noch ein Tag

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Heute ist der letzte Tag vor dem Event: Die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen in Skellefteå. Und wieder ist es kälter geworden (Laut Kommune heute mittag -27 °C) und wieder war das Eisschwimmbecken am Morgen fast zugefroren. Ich bin aber erst um halb zwölf vor Ort gewesen (leider muss ich ja ab und zu auch mal arbeiten). Heute haben viele die Gelegenheit ergriffen, das Eisschwimmen mal auszuprobieren und eine 25-Meterbahn zu schwimmen. Dabei waren alle mit Gurt und Seil gesichert, weil wir heute keinen Rettungstaucher da hatten.

Bis auf Anna-Carin Nordin, Extremschwimmerin und Weltmeisterin im Winterschwimmen. Sie weiß, wie das geht und sie ist gleich zum „warm werden“ 500 Meter (!) geschwommen. Danach hat es allerdings auch ein bisschen gedauert, bis ihr wieder warm war.


Heute sah ich mehr so aus. Liegend mit Kamera im knallroten Daunenparka (Foto: Lasse Westerlund). Aber morgen gilt’s: Da schwimme ich im „Arrangörs kampen“ auch meine 25 Meter. Und wenn die experimentelle Temperaturvorhersage recht hat, dann könnten uns morgen Temperaturen unter -30 °C erwarten. Da bleibt man vielleicht lieber im Wasser, da ist es mit +0.5 °C wesentlich wärmer.

Kein Schwimmen für mich

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Nur eine kurze Notiz für die Neugierigen.

Obwohl ich es mir fest vorgenommen hatte, bin ich heute keine 25 Meter geschwommen. Wir, die den Event ausgerichtet haben, waren seit halb acht bei Temperaturen um -30 °C draußen, haben Eis gesägt, gehackt und aus dem Wasser geholt, organisiert und waren fast die ganze Zeit draußen. Mittags waren Jarkko und Lasse so durchgefroren, dass sie beschlossen haben, nicht zu schwimmen, weil das einfach nicht gut für den Körper ist.

Und ich? Alleine? Das war mir irgendwie unangenehm, als schlechter Schwimmer (ausgerechnet nach den 450 Meter Freistil von Anna-Carin, die Weltmeisterin ist und Strecken bis 42 Kilometer am Stück schwimmt) 25 Meter Brustschwimmen zu simulieren. Also habe ich mitgezogen und bin ebenfalls nicht geschwommen. (Nun ärgere ich mich, dass ich es gestern nicht probiert habe.)

Im Nachhinein war das klug. Ich habe zwar einen arktistauglichen Daunenparka und Daunenhose von Canada Goose angehabt, die mich die ganze Zeit herrlich warm gehalten haben. Aber die Fingerspitzen waren dennoch ein bisschen beleidigt, weil ich oft nur mit fingerlosen Handschuhen fotografiert habe (sonst hatte ich bis zu drei Paar Handschuhe übereinander an) und tun ein bisschen weh. Da war es bestimmt besser, auf das Eisschwimmen zu verzichten, auch wenn ich jetzt damit nicht angeben kann, ausgerechnet am kältesten Tag seit meinem Umzug nach Schweden meine 25 Meter geschwommen zu sein.

Die Pläne für heute: Badewanne · Trinken · Bett
Die Pläne für morgen: Ausschlafen · Wettbewerbsergebnisse im Netz publizieren · Fotos sichten · Zwei, drei Blogartikel schreiben. Das muss reichen für einen Sonntag.

Die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Vorbereitungen

Ich hatte schon geschrieben, wie kalt es am Tag der Winterschwimmmeisterschaft war. Auch in der Stadt zeigte das Thermometer im Auto -31 °C und auf dem Fluss dürfte es eher noch kälter sein. Und so war das Eisschwimmbecken, in dem am Vortag Anna-Carin 500 Meter geschwommen ist, komplett und dick zugefroren. Und Jarkkos Kettensäge ging nicht. An ein Öffnen mit Eisbohrer und Axt war nicht zu denken. Zum Glück konnten wir noch schnell eine elektrisch betriebene Säge auftreiben. Jarkko und Lasse haben einmal um den gesamten Beckenrand gesägt. Nun konnte man zum Glück mit Eisenstangen als Hebel das Eis aufbrechen. Am Rand war es zwar gut 10 cm dick, aber ganz in der Mitte nur etwa 3 cm.

Ich bin zum Schluss mit dem Überlebensanzug ins Becken gestiegen, da sich die ganzen Eisschollen durch die Strömung am unteren Ende gesammelt und verkeilt haben. Einen paar habe ich herausgehoben, einen Teil konnte ich auch unter das Eis drücken. Gar nicht so einfach, im Wasser etwas zu machen, wenn man nichts hat, wo man sich gegenstemmen kann. Und über dem Wasser konnte ich mich nicht festhalten, denn innerhalb weniger Sekunden wären die nassen Neoprenhandschuhe am Eis festgefroren.

Aber irgendwann war das Becken wieder frei, die tief stehende Sonne tauchte alles in warmes, gold-gelbes Licht und die Meisterschaft konnte beginnen.

Die Meisterschaft

59 Schwimmer haben sich angemeldet und die meisten waren auch da und registrierten sich. Trotz der Eiseskälte standen etwa 250 Zuschauer am Ufer und warteten darauf, dass es los ging. Die Taucher besprachen sich mit dem Arzt und dann kamen auch die ersten Schwimmer.

Zuerst kleiden sich alle Schwimmer aus, das soll natürlich schnell gehen, es ist ja kalt. Dann gehen alle Schwimmer ins Wasser. Die Erfahrenen beeilen sich dabei, damit sie sich vor dem Start an die Kälte gewöhnt haben und wieder ruhig atmen können. Beim Startkommando schwimmen alle los – dies ist der einzige Teil, der fast im Schwimmbad stattfinden könnte, wären da nicht die bunten Mützen. Dann steigen alle so schnell wie möglich aus dem Wasser und bekommen Hilfe beim Abtrocknen und Anziehen. Und die ist nötig, denn in den Fingern und Zehen hat man jetzt kein Gefühl mehr. Und – hatte ich erwähnt, dass es saukalt war?

Erst kamen die Herren, dann die Damen und dann der Staffellauf, der wegen der Strömung ausschließlich flussabwärts stattfand. Das hat mit kleinen Pausen etwa zwei Stunden gedauert. Dann kam Anna-Carin und ist 450 Meter auf Zeit geschwommen – allerdings außer Konkurrenz. Sie hat zwei Wochen zuvor Gold mit einer Zeit von 6m59 gewonnen, dieses Mal aber aufgrund der Strömung acht Minuten gebraucht.

Ich finde ja, dass die gewinnen sollten, die am längsten im Wasser waren. (Bei meinem miserablen Brustschwimmen hätte ich bestimmt den ersten Platz gemacht.)

Siegerehrung

Nach einer kurzen Pause kam dann die Siegerehrung. Viele haben Medaillen bekommen, was daran liegt, dass sowohl nach Herren/Damen, als auch nach Altersklassen gruppiert wird. Da konnte es schon einmal geschehen, dass in einer Klasse nur ein Schwimmer teilgenommen hat und dann die Medaille für den ersten Platz überreicht bekam. Dagegen wurde es bei der Ehrung der Teams ein bisschen eng auf dem Siegertreppchen.

Nach der Siegerehrung leerte sich die Veranstaltung schnell. Auch wenn die Temperatur inzwischen auf -26 °C angestiegen war, warm ist anders. Und so endet der Tag wie er angefangen hat, mit einem Blick auf ein Eisschwimmbecken im Skellefteälven.

Einige Impressionen von der Veranstaltung


Eigentlich wollte ich auch schwimmen, aber …

13 Grad in zwei Meilen.

Das habe ich auch noch nicht erlebt: In der Bonnstan, der alten Kirchenstadt in Skellefteå zeigte mein Autothermometer -22 °C und so fühlte sich das auch an (inklusive Frost auf den Wimpern). Auf der Fahrt nach Skelleftehamn wurde es draußen immer wärmer. Und zu Hause, zwanzig Kilometer weiter, zeigte das Thermometer nur noch -9 °C an und beim Aussteigen hatte die Luft fast etwas Mild-Erfrischendes.


Und weil es zu diesem Artikel überhaupt keine Fotos gibt, zeige ich einfach ein paar Fotos der letzten Monate, die es nicht ins Blog geschafft haben.

Arctic Ballon Adventure

Einige, die mich schon länger kennen, wissen, dass ich ein großer Ballonfan bin. Seitdem ich in Nordschweden lebe, ist diese Leidenschaft allerdings eine passive geworden: Gesichtete Ballone in Nordschweden bis gestern: 0. Letztes Jahr habe ich es verpasst, doch dieses Jahr habe ich es geschafft, zum Arctic Ballon Adventure in Gällivare nach Lappland zu fahren.

Gestern habe ich mich ins Auto gesetzt und bin hierher nach Gällivare gefahren. Die Autofahrt war ruhig. Sehr ruhig. Temperaturen um 0 °C. Erst zwei Stunden E4, dann zwei Stunden E10. Polarkreis. Zwei Elche. Zwei Rentiere. Dann war ich in Gällivare/Malmberget, der Doppelstadt, die stark durch ihre Gruben geprägt ist. (Malmberget bedeutet Der Erzberg.)

Ich hatte mich die ganze Zeit schon gefragt, wie die Ballonpiloten das machen. Man kann ja nicht mitten im Tiefschnee oder gar im Wald landen, da kriegt man die Ballone so leicht nicht mehr raus. Deswegen geht das hier andersherum: Man startet außerhalb der Stadt und fährt dann mit dem Ballon in Windrichtung (hoffentlich) nach Gällivare und landet dort. Um acht bin ich bei knallblauem Himmel zum Hotel Björnfällan im Skigebiet gefahren, denn dort war um halb neun Pilotenbriefing: Ein guter Tag zum Ballonfahren und Winde aus 290 °C war die Wetterprognose in Kurzform. Bis zum gemeinsamen Start des Autokonvois Richtung Westen um elf hatte ich noch ein bisschen Zeit zum herumschauen. (Auf einen Platz im Korb hatte ich am Sonntag leider keine Chance.)

Um elf wurden dann die Passagiere auf die Piloten aufgeteilt und wir fuhren im Konvoi gefühlte drei Stunden etwa zwanzig Kilometer Richtung Westen. (Das ist zwischen Allavaara und Latnivaara, sprich mitten im großen Nichts). Da links und rechts Wald war, musste auf der Straße gestartet werden. Es war gar nicht so leicht, die Autos so zu verteilen, dass jeder genug Platz zum Aufbau hatte.

Ich will nicht groß darüber schreiben, wie Heißluftballone starten. Es gibt genug davon in Deutschland, schaut selber mal bei einem Start zu. Statt viel Text (ich bin müde) zeige ich lieber einige Bilder.

Zugegebenermaßen war das Fotografieren ziemlich schwer. Ein Ballon steht hinter dem anderen, man kriegt nicht diese typisch-schönen Aufnahmen mit vielen bunten Hüllen am Boden und dann als eigentlich alle Ballone gestartet waren, hat der letzte mit dem Aufbau begonnen und alle Autos dahinter – so auch meines – mussten warten. Bei der Fahrt zurück sah ich dann nur noch bunte Punkte im Winterhimmel und von irgendeiner Landung habe ich gar nichts mitbekommen. Bloß dass so mancher Ballon Gällivare verpasst hat, konnte ich sehen. Wer fliegt mich das nächste mal mit dem Hubschrauber umher?

Das Arctic Ballon Adventure geht noch einige Tage und ich versuche wohl, für Mittwoch noch eine Mitfahrt zu bekommen, denn da soll es nach zwei wolkigen Tagen wieder schön werden. Meint zumindest das Internet. Und das hat ja immer recht, wie wir alle wissen.