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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Skitour auf den Dundret

Da auch heute alle Ballonplätze ausgebucht waren und es auch etwas bewölkt war, bin ich direkt nach dem Pilotenbriefing zu einem Parkplatz gefahren, habe meinen Rucksack gepackt, meine Skier untergeschnallt und bin auf den Dundret gelaufen.

von außen

Anfangs lief ich auf einem perfekt präparierten, sechs Meter breiten Weg. Das war fast ein bisschen langweilig. Doch nach einiger Zeit kam ein Abzweig zu einem kleineren Weg, der zu einer Hütte führte. Oberhalb der Hütte führte der Weg weiter und schon bald war ich über der Baumgrenze.

Wenig höher war ich auf der Hochebene des Dundret angelangt. Hier wachsen nur noch wenige kleine Bäumchen, die jetzt im Winter dick mit Schnee und Reif eingepackt sind.

Bis auf die kleinen aber auffälligen Bäume prägen Holzkreuze, die als Wegmarkierungen dienen, das Gelände. Der Rest ist Schnee.

Schnee, der vom Wind in Strukturen gepresst wurde und lockerer Schnee, der im Wind über die Ebene geblasen wird.

Ich laufe geradeaus, bis ich am Südende der Ebene ankomme. Es bewölkt sich und um die Sonne scheint ein Halo. Links in der Ferne sieht man einige weiße Gebäude.

Ich schwenke neugierig nach links und nähere mich den Hütten. Jedes Gebäude ist dick mit Eis und Schnee bepackt.

Inzwischen waren auch südlich des Dundret einige Ballone gestartet. Doch kaum waren sie in der Luft wurde das Wetter schlagartig schlechter, denn Wolken trieben über die Hochebene. Wenn es neblig wird, weiß man die Wegmarkierungen zu schätzen.

Doch in den Wolkenlücken konnte ich ab und zu ein paar der Heißlüfter erblicken

Ich hatte leider keine Karte dabei, aber mit den Wegmarkierungen, GPS mit Ersatzbatterien, Kompaß und Handy, ebenfalls mit Karte und GPS fühlte ich mich sicher genug, noch ein bisschen oben zu bleiben. Zwei dicke Paar Wollhandschuhe hielten meine Finger warm, in den Pausen auch die Daunenjacke, Studentenfutter hatte ich auch, nur Tee hatte ich leider nicht dabei und das Wasser, was ich dabei hatte, war zum Schluss mit Eiskristallen durchmischt.

Da man von den Ballonen nicht wirklich viel gesehen hat, habe ich mich dann aber bald auf den Rückweg gemacht (Zur Orientierung reichte die Sonne völlig aus, sie war noch nicht ganz in den Wolken verschwunden).

Auf dem Rückweg musste ich dann sehen, wie ich den Berg wieder herunterkomme. Ich bin kein toller Skiläufer und der Schnee war hart und damit schnell. Aber mit ein bisschen hin- und her fahren und einigen Bremsmanövern war ich bald wieder auf der breiten, schneebedeckten Straße angelangt. Die war zum Anfang noch recht steil und ich habe größere Teile der Strecke gebremst. Zum Schluss wurde es aber flacher und dann konnte ich die Ski einfach laufen lassen, mich ab und zu mit den Stöcken abstoßen, bis ich mit dem letzten Schwung am Kofferraum meines Autos zum Stehen kam.

von innen

Alles ist Reduktion: Man sieht Himmel, Schnee, Eis, weite Flächen und vom Wind geschaffene Strukturen und Texturen. Ohne die Landmarken, wie beispielsweise die typischen Holzkreuze, hätte man kein Gespür mehr für Entfernungen. Überall liegt Schnee, das Auge kommt zur Ruhe.

Dann der Klang. Auch hier: Reduktion. Man hört deutlich den Wind, der ab und zu an der Kapuze pfeift. Setzt man die Kapuze ab, so kann man das leise, kristallklare Rascheln des Schnees, der über die Ebene getrieben wird, hören. Aber wer setzt bei dem Wind schon die Kapuze ab. Der Wind bläst, das Ohr kommt zur Ruhe.

Dann die Bewegung. Man macht einen Schritt, noch einen, noch einen. Entweder von Holzkreuz zu Holzkreuz oder einfach quer über die weiten Schneeflächen. Schritt für Schritt. Die Bewegung hat etwas Ruhiges und Meditatives. Schritt für Schritt, der Körper kommt zur Ruhe.

Man ist eins mit der Winterlandschaft, eins mit sich selbst. Man kümmert sich nur um das, was hier und jetzt wichtig ist. Orientierung. Essen. Warm bleiben. Alles andere existiert nicht mehr. Die Gedanken kommen zur Ruhe.

Die Seele jubelt, sie möchte schreien vor Glück. Doch auch sie – überall Schnee, der Wind bläst, Schritt für Schritt, Einssein – reduziert sich und kommt schließlich zur Ruhe.


Ich bin kein Eremit, der zwanzig Jahre in den Bergen meditiert. Und ich bin auch gerne wieder mit dem Auto zur momentanen Wohnung gefahren, habe gegessen und einen kleinen Mittagsschlaf gehalten. Doch wenn ich leise horche, so bin ich wieder oben auf dem Fjäll. Und komme zur Ruhe.

Ballone über dem See

Auch heute sind wieder acht Ballone gestartet. Allerdings waren die Winde mal wieder anders als vorhergesagt und so schwebten alle Ballone am angepeilten Startplatz, an dem ich stand, vorbei. Zwei Ballone sind direkt auf der E45 gelandet, einer auf einem Skooterweg, von den anderen weiß ich es nicht.

Grandioses Polarlicht

In der Webcam auf uk.jokkmokk.jp war es schon zu sehen, dann später auch in Gällivare. Das war bis jetzt mit das schönste Nordlicht, was ich je gesehen habe. Die Bilder sind im Vergleich zur Wirklichkeit miserabel. Weder sieht man die feinen Farbverläufe ins Gelbe und Rosafarbene, noch die Dynamik und Bewegung. Außerdem zeigt auch mein Weitwinkel nur einen kleinen Ausschnitt des Himmels.

Solberget

Wenn man von Gällivare nach Solberget möchte, nimmt man am Besten den Nattavaaravägen. Nach 50 Kilometern links abbiegen, nach sechs Kilometern rechts. Dann noch elf Kilometer fahren und man ist da.

Solberget, ein Wildnisdorf in Lappland, ist nicht ganz unschuldig daran, dass ich in Nordschweden gelandet bin. 2005 war ich das erste Mal hier, unter anderem, um am Kurs „Erste Hilfe Outdoor“ teilzunehmen. Seitdem war ich dort fast jeden Winter.

Ich mag nicht nur die hügelig-bergige Wald- und Moorlandschaft, die Solberget umgibt und in der man im Winter so schöne Skitouren unternehmen kann, sondern auch die gemütlichen Unterkünfte auf dem Hof, die man mit Holz heizt und mit Petroleumlampen beleuchtet. Denn Solberget ist nicht ans Stromnetz angeschlossen und auch das Wasser holt man von der Quelle oder aus dem Brunnen. Inzwischen komme ich allerdings nicht mehr als Tourist, sondern hauptsächlich, um Dirk und Silke, die Solberget betreiben, zu besuchen. Wer mehr über Solberget und die vielen Sommer- und Winteraktivitäten erfahren möchte, schaut am Besten direkt auf die Website www.solberget.com.

Am Donnerstag war recht trübes Wetter. Ich bin auf Skiern auf den Solberget gelaufen. (Solberget bedeutet „Der Sonnenberg“ und sowohl der Hof als auch der benachbarte, flache Berg heißen so.) Dort gibt es einen Turm, von dem man eine weiter Aussicht hat und eine gemütliche Berghütte, in der man mit vier Personen übernachten kann.

Jeder Gast auf Solberget bekommt im Winter Tegsnäs-Ski. Das sind breite und über zwei Meter lange Holzski, die auf dem lockeren Pulverschnee sehr gut tragen. Sie haben eine Universalbindung, so dass man sie mit jedem Stiefel benutzen kann.

Ich hatte dieses Mal aber meine eigenen schmaleren Fjällski dabei und diese benutzt, weil ich neugierig war, wie sie sich in diesem Gelände so machen. Auf dem Weg nach oben zum Solberget stand ich auch so manches Mal bis zum Knie im Schnee. Auf der Fahrt nach unten habe ich mich aber über die Beweglichkeit der Fjällski gefreut.


Am nächsten Tag war schönes Wetter und ich bin zu den ausgedehnten Moorgebieten gelaufen. Dieses Jahr war der Winter sehr warm und es gab so manche Stelle mit offenem Wasser. Hier wären die Tegsnäs definitiv die bessere Wahl gewesen, denn an einer Stelle stand ich plötzlich bis zur Hüfte im Schnee und meine Skier auf dem nassen Moorboden. Da durfte ich danach erst einmal Eis kratzen, damit ich weiterlaufen konnte.

Hier ein paar Bilder von der kleinen Tour:

Gestern am Samstag bin ich wieder nach Hause gefahren. Ich hätte gerne noch Bekannte auf dem Weg besucht, doch der Schwedische Wetterdienst hatte eine Wetterwarnung Stufe 2 wegen starker Schneefälle und starkem Wind ausgerufen. Deswegen bin ich direkt nach dem Frühstück aufgebrochen und auch wenn es noch nicht geschneit hat, so war die Rückfahrt bei dem starken und böigen Wind recht anstrengend. Jetzt beruhigt sich das Wetter allerdings ein wenig und die bis zu 30 cm Schnee mit starken Verwehungen werden Skelleftehamn wohl nicht treffen.

Danke, Silke und Dirk, für Eure Gastfreundschaft. War wieder schön bei Euch.

Noch ein Wort an die drei Elche von gestern: Das sah schön aus, wie ihr in einer Reihe durch den Schnee gelaufen seid. Aber warum bitteschön an der Hauptstraße, wo ich nicht bremsen kann, um auch endlich mal ein Elchfoto zu machen.

Und noch ein Wort an die vielen Rentiere auf der Straße: Danke fürs Vorbeilassen, aber was knabbert ihr eigentlich so gerne an dem vereistem Straßenboden herum? Sind Euch die Flechten zu langweilig geworden?

Kein Schneesturm

Der Schwedischen Wetterdienst warnte vor heftigen Schneefällen und Winden, die für Schneeverwehungen sorgen sollen. Es kam wesentlich weniger Schnee herunter, als angekündigt, aber windig war es tatsächlich. Sowohl im Garten hatte ich einige Schneewehen (die Schuppentüren rechts hatte ich am Vorabend noch freigeräumt), als auch auf den Bahnschienen der Güterbahn.

Überraschender war für mich, dass der starke, böige Wind das gesamte Ostseeeis aufgebrochen hat und ich bis zum Horizont auf offenes Wasser schauen konnte. Das wird wohl dauern, wenn es diesen Winter überhaupt noch klappt, bis ich Skitouren zu den anderen Inseln machen kann.

Solberget hingegen, wo ich am Vortag noch war, hat wohl einiges an Schnee abbekommen („Heute war eigentlich nur Schneeschippen angesagt, nach dem verheerenden Schneesturm von gestern nacht. Und auch heute nacht sollen noch mal 10-20cm Neuschnee kommen…..mit Wind und Sturm.“). Nun weiß ich nicht, ob es gut war, dass ich am Samstag früh zurückgefahren bin oder ob ich einfach hätte bleiben und mich und das Auto gemütlich auf Solberget hätte einschneien lassen sollen …

Zwei Jahre Jobzusage

Heute vor zwei Jahren war Dienstag. Für mich ein ganz besonderer Dienstag, denn am Vortag hatte ich in Skellefteå ein vierstündiges Vorstellungsgespräch bei Artopod, das jetzt Hello Future heißt. Und an diesem besonderen Dienstag um zehn Uhr hatte ich ein weiteres Treffen. Dort habe ich (a) den Job als Programmierer bekommen und (b) diesen Job zugesagt. Also ist heute Jubiläum: Heute vor zwei Jahren war klar, dass ich nach Skellefteå gehen werde, auch wenn ich damals noch nicht wusste, für wie lange.

Inzwischen habe ich so manches gemacht und manches erlebt. Und viel fotografiert und geschrieben, wie man in der Artikelübersicht deutlich sehen kann.

Hello Future sucht übrigens dringend Verstärkung. Einen Graphikdesigner, einen Programmierer und einen Producer/Projektmanager. Doch schaut selbst unter www.hellofuture.se/workwithus/, falls Euch das interessiert.

Mein Garten

In meinem Garten liegt Schnee. Gerade so viel, dass die Spitzen des Zauns noch eine Chance haben, herauszuschauen. Die Wäschespinne des Nachbarn stakt hervor, aber nur ein kleiner Schneebuckel verrät die Stelle, wo ich im Herbst den großen Busch zurückgeschnitten habe. Dazu fällt leichter Schnee vom Himmel und ab und zu kommt eine Bö und wirbelt das Ganze zu einer großen weiße Schneestaubwolke auf. Winter.

An der Eiskante

Eigentlich wollte ich heute mit Pulka und Ski über das Eis zu einer der Inseln laufen und dort vielleicht auch übernachten. Aber daraus wurde nichts, denn seit dem letzten Wochenende sind große Teile der Ostsee wieder eisfrei und dem Eis, das noch liegt, traue ich nicht über den Weg. (Und auf die nahe Insel Storgrundet hatte ich keine Lust.) Statt dessen habe ich auf der Halbinsel Näsgrundet Fotos von der Eiskante gemacht. Einige vom Land aus, einige mit Wathose vom Wasser aus.

Bei dem Aufnahmen vom Wasser aus hatte ich ein bisschen Schiss um meine Kamera, aber zum Glück ist nichts passiert. Allerdings muss man schauen, wohin man tritt, denn das Wasser ist so klar, dass man die Tiefe leicht unterschätzen kann. Ich habe dann noch ein paar Unterwasseraufnahmen mit iPhone und wasserdichter Hülle gemacht. Auf dem zweiten Foto kann man ein Stück vom knallroten Neoprenanzug sehen. Das ist aber eher lustig als zielgerichtet, denn das iPhone ist unter, mein Gesicht über Wasser und ich sehe erst zu Hause, was die Handykamera vor die Linse bekommen hat.

Und heute war wohl der erste Wintertag, wie ihn die Schweden hier lieben: Knallblauer Himmel, wenig Wind und mit Mittagstemperaturen um minus zwei Grad recht mild. Sonst sieht man Schweden im Winter entweder mit Helm auf dem Skooter oder Schnee schaufelnd vor ihrem Haus, heute hingegen waren so viele zu Fuß in Skelleftehamn unterwegs, wie sonst nur zur Reichstagswahl.

Mondnacht

Die eine Vorhersage hat gestimmt: Zwei Stunden nahezu klaren Himmel hatten wir heute Abend. Bloß vom Nordlicht war fast nichts zu sehen. Dafür, dass uns gerade der größte „Sonnensturm“ seit Jahren treffen soll, ein bisschen enttäuschend. Na gut, Warten ist langweilig, also habe ich ein bisschen den Mond fotografiert. Und ich komme früh ins Bett, denn jetzt hat sich alles zugezogen.

Schneeschuhtour

Heute habe ich das schöne Wetter genutzt, um meine nächsten Nachbarn zu besuchen. Also habe ich meinen Rucksack gepackt, die Schneeschuhe untergeschnallt, und los gings.

Der Wald sieht jetzt trotz des Schnees schon ein bisschen nach Frühling aus. Um manche Baumstämme herum ist der Schnee schon weggetaut und man sieht den nadelbedeckten Waldboden. An anderen Stellen steht man aber manchmal trotz der Schneeschuhe bis zu den Knien im Schnee, vor allem wenn man nicht auf den Skooterspuren läuft.

Ich war bald an dem kleinen Bootshafen, der Tjuvkistan heißt. Das heißt auf deutsch Diebessarg und klingt sehr nach alten Seeräubergeschichten. Während man links und rechts schon offenes Meer sehen konnte, lag geradeaus zwischen Bootshafen und der Insel Bredskär noch dickes Eis, so dass man gefahrlos zur Insel herüberlaufen konnte. Am rechten Horizont sah man auch die Insel Gåsören mit ihrem Leuchtturm, die ich letzten Samstag mit dem Kajak umrundet habe.

Die Sonne wärmte nicht nur, sondern tauchte alles auf dem weißen und dem blanken Eis in gleißend helles Licht. Gut, dass ich meine Sonnenbrille dabei hatte. Bald war ich am Ufer der Insel Bredskär, wo meine Nachbarn mich zur Fika eingeladen haben – Kaffee und Kanelbullar.

Nun sollte ich vielleicht die Einleitung ein bisschen zurecht rücken: Natürlich brauche ich normalerweise keine Schneeschuhe, um meine Nachbarn zu besuchen, denn sie wohnen in der gleichen Straße direkt nebenan. Dieses Wochenende waren sie aber mit dem Schneeskooter zu ihrer Stuga – dem Freizeithaus – gefahren und dort habe ich sie besucht.

Nach der Fika habe ich dann die Insel Bredskär und die verbundene Nachbarinsel Norrskär auf dem Land umrundet und an der Eiskante habe ich mich über die bis dahin eher überflüssigen Schneeschuhe sehr gefreut, denn vor allem auf den zu blanken Eis gefrorenen Eisformationen hatte man mit den Harscheisen guten Halt. Ohne hätte ich dort kaum laufen können.

Dort, an der Uferkante, stoßen zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite das klare, blaue Meer, welches schon nach Frühling aussieht und die Vorfreude auf den schwedischen Sommer erhöht.

Auf der anderen Seite die zerfurchte Eiskante, die einem klar zeigt, dass der schwedische Winter noch nicht vorbei ist.

Gerade als ich umkehren wollte, bewölkte sich der Himmel und es briste auf. Ich bin noch gemütlich zurück gelaufen, und eine halbe Stunde, nachdem ich angekommen bin, kam ein ziemlich nasser Schneeschauer herunter.

Fazit: Eine schöne Vierstundenrunde mit vielen Eindrücken und Fika. Danke an Lena und Staffan für die Einladung zur Fika!

Schlitterpartie

Seit längerer Zeit benötige ich zu Fuß doppelt so viel Zeit zur Bushaltestelle wie gewöhnlich. Es ist einfach nur sauglatt. In Deutschland wären vermutlich die Schulen seit Wochen wegen Glatteis geschlossen oder große Kipplader würden tonnenweise Salz abladen.

Hier wartet die Kommune einfach mal ab – sind ja nur Nebenstraßen. Irgendwo da draußen in Skelleftehamn.

Die Sámi haben über 100 Worte für Schnee; ich hingegen beginne einen großen Wortschatz für vereiste Straßenbeläge zu entwickeln. Da gibt es zum Beispiel:

ochjag Milchiges Eis mit glatter Oberfläche recht glatt, oft große Flächen
såfanns Eis mit losem Rollsplit obenauf recht gut begehbar
attnär Eis mit halb festgefrorenem Rollsplit sehr rutschfest, aber selten
vaddu Eis mit eingeschmolzenem Rollsplit häufig anzutreffen, glatt
salotta Buckeliges glattes Eis schwer begehbar
domser Eisschicht mit tiefen Löchern trocken, wassergefüllt oder vibara
vibara Dünnes Eis mit tiefer Wasserpfütze darunter nur mit Gummistiefeln
dåsa Tiefe Reifenspuren im gefrorenen Schneematsch Stoßdämpferkiller
föratt Nasses, blankes Eis sehr glatt!
honfår Nasses, glattes Eis am Hang fast unpassierbar

Zugegeben, die Namen sind alle erfunden*, aber alle Straßenbeläge bis auf honfår habe ich gestern und heute selber erlebt.

Vor allem das tiefe dåsa in unserer Straße ließ mich noch heute morgen wünschen, einen Jeep oder Monstertruck gekauft zu haben, aber – oh Überrraschung – heute Abend war unsere Straße freigefräst. Also hat die Kommune doch beschlossen, die Wege wieder begehbar zu machen, eh Mitte Mai ist. Allerdings habe ich gerade vom Nachbarn gehört, dass er und ein anderer Nachbar die Kommune angerufen haben, damit die Wege freigeräumt werden.


* Ich habe ein Buch genommen, eine Seite aufgeschlagen und das zweite und dritte Wort zusammengeklebt. Wenn es zu lang war, habe ich eine neue Seite aufgeschlagen. Die von Euch, die Schwedisch können, bekommen jetzt ein schwieriges Rätsel zu lösen: Welches schwedische Buch habe ich verwendet?

Superblume!

Vor meinem Haus wächst das stärkste Stiefmütterchen der Welt. Sozusagen die Pippi Langstrumpf unter den Blumen. Bis weit in den kalten November hinein hat das Stiefmütterchen geblüht und heute – ich traute meinen Augen kaum – öffnet es die erste Knospe. Bei Temperaturen um Null Grad, umgeben von Kies und Eis.

Eine wahre Superblume!

Genug Tageslicht hat die Blume jetzt auf jeden Fall. Denn während die offizielle Tag- und Nachtgleiche eigentlich erst morgen ist, war hier die Sonne heute schon 12 Stunden und 12 Minuten über dem Horizont. Da hier die Dämmerung doppelt so lange dauert wie in (Süd-)Deutschland, liegen wir jetzt wieder vorne mit dem Tageslicht – für ein langes, halbes Jahr.


An dieser Stelle verlinke ich noch einmal den Artikel Hell und Dunkel, wo ich die Tageslängen im Jahresverlauf für Skellefteå und München zeige und man die Unterschiede gut sehen kann.

Nach Kiruna

Ich sitze gerade inspiriert und auch ein wenig erschöpft in einem kleinen Apartment in Kiruna. Heute war TEDx Kiruna und ich habe acht sehr unterschiedliche und sehr inspirierende Vorträge gehört. Aber dazu später mehr. Drehen wir die Uhr zwei Tage zurück.

Teil 1 – Die Anreise

Am späten Sonntag Vormittag bin ich mit wie üblich voll gepacktem Auto in Richtung Norden losgefahren. Die geplante Route für den Tag: Skelleftehamn – Piteå – Älvsbyn – Vidsel – Harads – Vuollerim – Murjek – Solberget.

In Vidsel bin ich erst am Abzweig Harads vorbei gefahren, um einen Zwischenhalt am Storforsen, den größten Stromschnellen Skandinaviens, zu machen. Das sah trotz des extrem trüben Wetters sehr beeindruckend aus, da muss ich unbedingt mal bei schönem Wetter zum Fotografieren hin.

Dann bin ich weitergefahren. Vor allem die Strecke von Vidsel nach Harads war erlebnisreich: Da ist mir nach 30 Kilometern doch tatsächlich ein Auto entgegengekommen! Kurz vor Murjek wurde es dann ein bisschen langsamer, da die Straße voller Rentiere stand. In Murjek selbst habe ich Bekannte besucht, die sich damals, als ich im Februar 2012 von Murjek aus einen Job gesucht und ja auch gefunden habe, um mich gekümmert haben. Nach einem gemütlichen Plausch habe ich dann auf den Weg nach Solberget gemacht.

Nach einer Nacht im Bauwagen – da schlafe ich immer hervorragend – habe ich noch gefrühstückt und eines von Dirks zahmen Rens (Ob ich wohl Flechten dabei habe?) und einen Fuchs fotografiert. Der Fuchs kommt jeden Tag, hat sich aber an diesem Tag nicht sehr weit vorgetraut.

Bald habe ich mich bald auf den Weg gemacht, denn die Wettervorhersage sagte ziemliches Mistwetter voraus. Und die Fahrt über Gällivare nach Kiruna war auch alles andere als spaßig: Die meiste Zeit hat es geregnet, geschneeregnet, gepladdert und geschneeregenpladdert. Das Wasser hat sich in den tiefen Spurrillen der alten Straße gesammelt und jedes Mal, wenn einem ein Auto, gerne auch mal ein Laster entgegen kam, musste man sich irgendwie an die Seite drücken, während man eine Fuhre Dreckwasser auf die Windschutzscheibe geschmissen bekam. Ich war froh, als ich gestern in Kiruna angekommen bin und habe mich erst einmal ausgeruht.

Teil 2 – der Dinner Event zur TEDxKiruna

Um halb fünf bin ich gemütlich zum Turistbyrå gelaufen, wo die Taxis uns abholen sollten. Uns, das waren wir alle, die das Dinner Event am Vorabend der TEDx-Konferenz mitgebucht haben. Da stand ich nun. Wer nicht kam, waren die anderen. Und ein Taxi war auch nicht da. Bald stellte sich heraus, dass ich der einzige war, der überhaupt ein Taxi bestellt hatte. Das kam dann auch später und hat mich dann zum Eishotel nach Jukkasjärvi gebracht, wo der Treffpunkt zum Dinner Event war. Dort habe ich dankend darauf verzichtet, mir dort einen Winteroverall auszuleihen, denn wir hatten immer noch leichte Plusgrade.

Wenig später stellte sich dann heraus, dass nur zwölf Personen überhaupt an dem Dinner teilgenommen haben: Einige Organisatoren und sechs der acht Redner. Und ich! Wir sind die Straße zur alten Kirche Jukkasjärvis gelaufen, um dort einen Samen zu treffen, der uns erst einmal Rentiere hat füttern lassen. Die waren vielleicht heiß auf die Flechten.

Dann sind wir in das große Zelt gegangen, in dem ein großes Feuer brannte und haben ein hervorragendes samisches Dreigängemenu genossen, während ich unter anderem mit einem Testpiloten, einem Künstler und einem Astronauten über dieses und jenes geplaudert habe. Schade, dass das Dinner nur kurz war und man nicht die Gelegenheit hatte, sich ein bisschen besser kennenzulernen. Aber auf der anderen Seite war ich auch froh, als ich früh zu Hause war und ich bin kurz nach zehn ins Bett gefallen.

Kiruna – Licht und Schatten

Nach dem die TEDxKiruna vorbei war und ich sicher wieder auf der Erde gelandet war, brauchte ich erst einmal Bewegung. Ich bin in Richtung Stadt gelaufen, habe wie wohl alle Touristen die alte Holzkirche fotografiert und im Zentrum wie wohl alle Touristen auch das Backsteinrathaus mit seinem markanten Turm fotografiert. Auch wenn ich das Stadtbild von Kiruna nicht gerade schön finde, so sah das in der untergehenden Sonne doch hübsch aus.

Eigentlich wollte ich früh ins Bett gehen, aber bei schönem Polarlicht macht man dann doch gerne eine Ausnahme. Und es hat sich gelohnt, auch wenn die Fotos dieses Erlebnis wie immer nur unzulänglich wiedergeben.


Heute, am Tag danach, bin ich nicht aus dem Bett gekommen. Teils, weil ich doch ein bisschen erkältet bin, teils, weil draußen alles grau war, wenn es zum Glück auch nicht geregnet hat. Irgendwann habe ich mich dann aber doch aufgerafft und bin durch die Stadt gebummelt.

Vielleicht ist Kiruna als Bergbaustadt zu neu, um Entstehungslegenden zu haben. Hier ist meine:

Ein einjähriges Kind hat auf hügeligem Gelände einen großen Sack mit Häusern aller Art ausgeschüttet. Sein dreijähriger Bruder hat dann alle Häuser an Ort und Stelle hingestellt. Dann kam die Kommune und hat die Zwischenräume mit Straßennamen bedacht.

Mir erscheint die ganze Stadt als sinnloses Chaos von verschiedenen Häusern, die sich gegenseitig im Wege stehen zu scheinen und nur dann zusammenpassen, wenn sie sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der modernen Architektur, den Quader reduziert haben. Farbe versucht vergeblich, dem ganzen ein bisschen Alltagsästhetik überzustülpen und die wenigen roten Klischee-Holzhäuser wirken deplaziert und verloren.

Auf der anderen Seite: Das Stadtzentrum Kirunas wird ohnehin bald fünf Kilometer nach Osten verlegt werden, da die Schächte und Stollen, die bei der Eisenerzförderung entstehen, sich dem alten Zentrum immer weiter nähern und die Gefahr von Einbrüchen zu hoch wird. Das muss ein seltsames Gefühl sein, in einer Stadt zu wohnen, die umzieht. Die Bahnlinie wird jetzt schon verlegt.

Ihr merkt, wenn das Wetter doof ist und ich erkältet, dann kommen Städte wie beispielsweise Kiruna nicht sonderlich gut weg bei mir. Was ich hier allerdings verlockend finde, sind die vielen Wegweiser: Nikkaluokta, das am Kebnekaise, dem höchsten Berg Schwedens liegt, ist nicht mehr weit. Abisko, Ausgangspunkt für viele Streckenwanderungen, zum Beispiel auf dem Kungsleden, ebenfalls nicht. Und auch die norwegische Hafenstadt Narvik ist keine 200 Kilometer mehr entfernt.

Und man muss nur ein paar Kilometer aus der Stadt herausfahren und schon hat man den Blick auf weite schneebedeckte Moorflächen und weiße Bergrücken, die zu langen Skitouren einladen. Da die Wettervorhersage aber eher mäßig ist, werde ich vermutlich morgen wieder nach Hause fahren. Denn da ist es auch schön!

P.S.: Ich finde die meisten Städte in Nordskandinavien nicht wirklich schön. Die einzige Ausnahme ist Tromsø, welches mir extrem gut gefällt. Bevor ich nach Skellefteå kam, war ich drauf und dran, mich auf einen Job in Tromsø zu bewerben. Doch während ich noch das Anschreiben formulierte, habe ich den Plan verworfen, denn mein Bauch meinte, dass zwei Monate Polarnacht jedes Jahr vielleicht doch ein bisschen zu lange sind.

Abends an der Ostsee

Leise plätschern die Wellen und während die Sonne sich langsam niedersenkt, wird das Licht wärmer und wärmer. Welch wunderschöne Abendstimmung.

noch mal Nordlicht

Heute Abend, als ich gegen elf nach Hause kam, war tatsächlich noch einmal Polarlicht am Himmel. Ich habe nicht mehr damit gerechnet, noch welches vor dem nächsten Winter zu sehen, denn jetzt ist es in der Nacht nur noch einige Stunden richtig finster und in ein paar Wochen wird es gar nicht mehr richtig dunkel.

Normalerweise hätte ich mich ins Auto gesetzt, um zu einem schöneren Ort zu fahren, aber ich hatte in der Stadt etwas getrunken und dann setze ich mich grundsätzlich nicht mehr ans Steuer.

Auf der anderen Seite ist es auch ein schöner Luxus, der Aurora im eigenen Garten zusehen zu können. Also habe ich heute mal Haus, Garten und einen Teil der Garage mit dem Nordlicht abgelichtet. So oder so – wenn man erst Stativ und Kamera startklar hat, ist so manches Mal der schönste Teil schon wieder vorbei.

Der helle Fleck ist übrigens der Planet Venus, der – wenn ich richtig geschätzt habe – zur Zeit gar nicht untergeht.

… und wenn wir schon bei der Venus sind: Sie ist so hell, dass man sie auch am Tag sehen kann – vorausgesetzt, man weiß, wo sie ist. Die größte Helligkeit wird am 1.5. erreicht. Und am 6. Juni ist nicht nur der schwedische Nationaltag, sondern es gibt ein besonderes astronomisches Ereignis, einen Venustransit.

Vier Bildpaare

Heute hat den ganzen Tag die Sonne geschienen und es war überraschend warm. Als ich nach Hause gekommen bin, habe ich meine Gummistiefel angezogen und einen Spaziergang gemacht.

Wald

Auf den Skooterspuren liegt noch ein bisschen Eis und Schnee, aber die südwärts gerichteten Felsen sind schon schneefrei und werden von warmen Licht der Nachmittagssonne angestrahlt.

Schlamm

Die Wärme hat den Boden aufgeweicht und meine Stiefel hinterließen eine tiefe Schlammspur. Auf dem Rückweg wurde es ein bisschen kühler und die ersten Eisnadeln wuchsen auf den Pfützen.

Bagger

Weiter hinten werden Steine weiterverarbeitet. Die von der Abendsonne stehende Baggerschaufel hat es mir angetan. Abstrakte Muster und Strukturen.

Meer

Von dem Erd- und Steinhaufen hatte man einen schönen Blick auf die Halbinsel Näsgrundet und die Insel Gåsören dahinter. Den Bootsanleger habe ich kurz vorher von „unten“ fotografiert.

Mein heutiger Dank geht an die französische Firma Aigle, von denen ich seit fast sechs Jahren ein und dasselbe Paar Gummistiefel trage. Sie sind bequem, extrem robust und – heute sehr praktisch – sehr leicht zu reinigen und zu trocknen.

Schnee

Wie ich schon heute morgen geschrieben habe, sind innerhalb von zwölf Stunden gut 15 cm Schnee waren gefallen und bis heute Mittag schneite es kräftig und mit dicken Flocken weiter. Ich schätze, dass seit gestern Abend gut 20 cm heute gefallen sind und wäre es nicht so warm gewesen und der Schnee nicht so pappig, dann läge jetzt bestimmt ein halber Meter.

Ich habe mich dem Bus in die Stadt schlingern lassen und bin dort zwei Haltestellen vorher ausgestiegen, um am Fluss noch ein bisschen durch die weiße Winterlandschaft zu stampfen.

Ich hocke mich ja auch für manches Foto in den tiefen Schnee, aber ich traute meinen Augen kaum, als ich fünf Menschen im Neuschnee Sit-Ups machen sah. Da die Warnweste des Trainers, der sie kommand … ah … motiviert hat, mit dem Logo eines bekannten Fitnessstudios in Skellefteå bedruckt war, haben sie für dieses Training vermutlich auch noch bezahlt.

P.S.: Dies ist übrigens die Woche, in der ich eigentlich wieder in die Stadt radeln wollte …

Das letzte Mal Schnee?

Zum dritten Mal in Folge kam ordentlich Schnee vom Himmel. Den ganzen Tag, die ganze Nacht. Davon haben Lasse, den ich gestern in Kusfors besucht habe, und ich uns aber nicht abhalten lassen, draußen zu grillen.

In Kusfors liegt noch mehr Schnee als bei uns. Bis über die Knie brach ich teilweise durch die verharschte Zwischenschicht, als ich heute morgen vor dem Frühstück eine Runde im Wald machte.

Jetzt hoffe ich, dass der Schnee bald wegschmilzt und ich bald Frühlingsartikel schreiben kann. Mit Frühlingsfotos. Das sieht aber gut aus, denn die Prognosen versprechen wärmere Temperaturen für die nächste Woche.

Kleine Milchmädchenrechnung für Winter- und Schneefans: Wir hatten drei Mal Schneefall: 15cm, 20cm, 10cm. Macht zusammen 45cm. Plus vielleicht 5 cm, die nicht liegengeblieben sind: 50cm. Nassschnee hat etwa die dreifache Dichte von Pulverschnee. Das wäre dann 150cm. Plus 10cm Altschnee von vorher. Wäre also alles als Pulverschnee heruntergekommen und liegengeblieben, würde ich jetzt im Garten bis zur Nase im Schnee stehen.