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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Natur und Kunst

Seit gestern haben wir kaltes, aber herrlich sonniges Herbstwetter. Gestern morgen waren es -4.2 °C und heute sind das erste Mal die gefrorenen Pfützen den ganzen Tag nicht aufgetaut, denn hier bei mir hat es das Thermometer gerade mal kurz auf +2.6 °C gebracht, um schon am Nachmittag wieder in den Frostbereich abzusinken. Kaum vorstellbar, dass es in Deutschland heute zwanzig Grad wärmer ist.

Nach einem kurzen Frühstück habe ich meine Kamera geschnappt und bin eine Runde gelaufen. Die Sonne beschien den Raureif, die gefrorenen Pfützen und die letzten bunten Blätter des Herbstes. Auch am Rand des Sees bildeten sich schon die ersten Eisnadeln.

Einige der Bilder, die ich gemacht habe, sind mehr abstrakte Strukturen als Landschaftsfotografien, vor allem das Eis auf den ausgetrockneten Pfützen bildet wunderbare Formen und Strukturen. Ich habe mir bei den nächsten Bildern die Freiheit genommen, die Fotos bewusst zu verfremden und nicht die Wirklichkeit abzulichten.

Während man bei dem zweiten Foto noch klar Holz und Stein erkennen kann, sind die nächsten beiden Fotos schon abstrakt. Eines der beiden ist aber aus einem der oberen Eisfotos entstanden.

Noch ein bisschen kälter

Auch heute war es klar und schön und mit -6 °C Frühtemperatur schon recht frisch. Nur für einige Stunden lagen die Temperaturen knapp über null bei einem Maximum von +1.1 °C.

Der kleine sumpfige See „um die Ecke“ ist schon komplett mit Eis bedeckt und das vom Raureif bedeckte Sumpfgras leuchtet hell in der Sonne. Auch der größere See Snesviken beginnt zuzufrieren und man hört das helle Aneinanderschlagen des losen Eises an der Grenze zwischen Eisschicht und offenem Wasser.

Die Ostsee, die durch die lange Insel Storgrundet geschützt ist, trägt noch kein Eis. Lediglich an dem kleinen Sandstrand friert das Wasser ein bisschen fest und es ist glatt.

Während ich das untere Foto gemacht habe, kam eine Familie mit dem Auto an, spazierte mit Außenbordmotor und Sack und Pack zu dem hinteren Boot, um zu ihrem Häuschen auf der Insel herüberzufahren. Noch geht es, doch dann kommt die Zeit, wo das Eis zu dick für das Boot und zu dünn für den Skooter ist, und die Häuser auf den Inseln leer bleiben.

Ein freier (und ein fauler) Tag

Heute morgen war ich nach zehn Stunden Schlaf um halb acht wach. Eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang. Ich bin schnell mit dem Auto ans Meer gefahren und habe gesehen, die hinter der Insel Gåsören die Sonne aufging. Die Ostsee ist noch offen, der See Snesviken ist aber schon komplett zugefroren.

Den kurzen Tag habe ich mit Aufräumen, Essen, Einkaufen und noch einmal Schlafen zugebracht. Um halb drei ist die Sonne untergegangen. Ich muss mich wieder daran gewöhnen, nachmittags aus dem Haus zu gehen und es ist stockfinster.

Ich war bei meinen Nachbarn gegenüber, die während meiner Abwesenheit auf mein Haus aufgepasst haben, um mich zu bedanken. Sie haben erzählt, dass hier schon eine Woche lang Schnee lag, es dann aber wieder wärmer wurde und regnete.

Sie haben außerdem erzählt, dass sie Besuch aus dem Wald hatten: Eine Elchkuh war mit zwei Kälbern erst auf dem Nachbargrundstück und dann auf ihrem und hat die Apfelbäume leergefressen. Danach hat sie sich hinter dem Haus Schlafen gelegt. Ich glaube langsam, dass die Tiere so etwas nur dann machen, wenn ich weit weg bin, denn als vor zwei Jahren in der Parallelstraße plötzlich eine Robbe auftauchte, war ich auch nicht da.

Morgen beginnt die Arbeit wieder und auch wenn ich mit der Zeit anderes anzufangen wüsste, so freue ich mich auf die Projekte, mit denen ich es die nächste Zeit zu tun haben werde.

22:30

Halb elf ist eine prima Zeit, um das Licht auszumachen und zu schlafen. So der Plan. Als ich aber noch einmal kurz herausgeschaut habe, war der sternklare Himmel von Polarlicht bedeckt.

In der Zeit, in der ich mir Hose und Jacke übergeworfen habe, in die Winterstiefel geschlüpft bin, Objektiv gewechselt, Kamera eingepackt und mit dem Auto ans Meer gefahren bin (die gleiche Stelle wie heute), hat die Intensität aber leider schon stark nachgelassen und Schichtwolken sind aufgezogen. Nur die Langzeitbelichtung von 30 Sekunden verrät zeigt noch die typische Grünfärbung der Aurora.

Manchmal sollte man mal nicht ans Fotografieren (und seine Blogleser) denken, sondern sich einfach in den Garten setzen und schauen. Auch wenn’s schwerfällt. Aber jetzt: Gute Nacht.

Ein bisschen Winter

Eigentlich wollte ich Ende der Woche einen dramatischen Bericht über den vielen Schnee schreiben, der hier die Woche gefallen sein wird. Aber wie es aussieht, kann ich mir den sparen. Aber fangen wir mit dem Wochenanfang an:

Montag, 26. November

Die Temperatur sinkt auf 0 Grad und ab und zu fällt eine einzelne Schneeflocke, die sofort auf dem nassen Boden schmilzt. Es soll die ganze Woche kälter werden, am Wochenende 20 cm Schnee geben, am Samstag mit viel Wind und dann am Montag sonnig und kalt (Minimum: -15 °C) werden.

Dienstag, 27. November

Über Nacht ist ein Millimeter Schnee gefallen. Im Laufe des Tages fällt Schneestaub – sozusagen die kalte Variante des Sprühregens – aus trübem Himmel. 1 cm Schnee liegt am Abend. Das reicht aber schon aus, um einen dunklen November- in einen hellen Winterabend zu verwandeln: Der Schnee reflektiert alles Licht und plötzlich sieht man nicht nur ein dunkelgrauschwarzes Nichts wie noch letzte Woche, sondern den schneebedeckten Garten und die weiße Straße.

Mittwoch, 28. November

Heute ist der erste Tag mit Dauerfrost. Das ganze bei Wolken und ab und zu mal ein Schneestäubchen, das vom Himmel fällt. Auf den Straßen ist das bisschen Schnee zu Eis festgefahren. Nach der heutigen Vorhersage bleibt es wohl trüb. Am Wochenende sollen ein paar Zentimeter Schnee fallen und windig und kalt werden. Das mit dem Wind fänd ich schade, denn ich möchte gerne noch einmal Kajak fahren, eh die Ostsee zufriert.


Und damit hier nicht nur Text steht, noch ein Foto von heute Abend. Eine sehr schöne Lage hat dieses Haus, vorne der zugefrorene See, hinten die Ostsee, die zur Zeit auch in den Buchten noch offen ist. Der vordere Teil des See ist übrigens blank, da der Wind den lockeren Schnee weggeblasen hat.

Die Ostsee – eisbedeckt

Es hat ja auch was Gutes, wenn man sich von Krankheit erholt: Man darf hemmungslos kurze Strecken mit dem Auto fahren. Einmal zur Lotsenstation, die Nase in den Wind halten, Fotos machen und wieder zurückfahren. Und wieder faul im warmen Haus erholen.

Heute schneit es mal wieder, es sind -3 °C, für halb Schweden sind Schneewarnungen ausgegeben, aber für hier (noch nicht). Und es ist ganz schön windig an der Küste. Die Insel Gåsören, die herrlich vom pastellfarbenen Licht diffus angestrahlt wurde – drei Minuten später war sie fast verschwunden, weil der nächste Schneeschauer, der sich im ersten Bild schon rechts als dunkelgraue Wolke ankündigte, vorbeifegte. Und innerhalb weniger Minuten auch meine tiefen Fußspuren wieder zuwehte.

Ich liebe diese Zeit, wo die Ostsee zufriert und der Winter alles mit Schnee und Eis zudeckt. Ich mag die Eisformationen vor den Ufern und ich mag den weiten Blick über die weiten, weißen Flächen des zugefrorenen Meeres.

Anmerkung für Fotografen: das vorherige Bild mit dem Titel „Ostseeeis“ ist kein Schwarzweißbild. Ich habe lediglich den Weißabgleich ein bisschen genauer gemacht. Und obwohl ich dann sogar spaßeshalber die Sättigung erhöht habe, konnte ich selbst im A-B-Vergleich kaum einen Unterschied zwischen Farbe und Schwarzweiß erkennen.


Auf der anderen Seite der Halbinsel liegt das Lotsenschiff PILOT778 SE. Es scheint das ganze Jahr im Einsatz zu sein, denn hinter dem Heck des Schiffes ist eine eisfreie Rinne zu sehen. Ob das Boot das Eis selber bricht oder ein Eisbrecher zur Hilfe kommt, weiß ich nicht.

Möchte man wieder zurückfahren, so nimmt man das kleine Stück Straße über den Damm. Hier ist links und rechts Wasser, auch wenn man das auf dem Foto nicht sieht, denn zum einen ist eh alles zugefroren und zum anderen – es schneit mal wieder.

Die erste Skitour

Skitour, finde ich, klingt immer ein bisschen verwegen und unglaublich sportlich. Ich habe fast ein schlechtes Gewissen, das Wort zu benutzen, aber Skispaziergang klingt ja auch ein bisschen doof. Und immerhin kann ich damit angeben, heute das erste Mal über die gefrorene Ostsee zur Insel Storgrundet gelaufen zu sein. Sind aber auch nur knapp hundert Meter über das Meereis.

Heute war wieder ein herrlicher Tag. Blauer Himmel, warmgelbe Sonne und minus 10 Grad. Da Delle es heute ruhig angehen lassen wollte, habe ich meine Skier geschnappt, Wasser, Nüsse, Kamera und Daunenjacke in meinen Rucksack gestopft und bin losgezogen. Auf der Straße ist das Skilaufen zwar möglich, aber zu Fuß ginge es ebenso gut. Aber im Wald ist es herrlich, da man auf dem vor einigen Tagen nassen und nun hart gefrorenen Schnee herrlich gleiten kann, wo man zu Fuß in den Schnee einbrechen würde. Einige Zeit bin ich durch den Wald gelaufen, bis ich schließlich am Ostseeufer stand.

Jetzt hatte ich zwei Alternativen: Auf dem Land irgendwo weiter oder auf dem Eis zur nächsten Landzunge abkürzen. Jedes Mal ist mir mulmig zumute, wenn ich das erste Mal aufs Eis gehe. Zwar ist das Wasser an der besagten Stelle meist flach, aber ein Stugabesitzer hat einen Hafen ausgehoben und da will ich definitiv nicht einbrechen. Aber nachdem überall auf dem Eis Skooterspuren zu sehen sind und das Eis auf den windgeschützten Buchten stabiler ist als auf dem offenen Meer, bin ich einer Skooterspur auf die gefrorene Wasserfläche gefolgt und war auch schon bald wieder an Land.

Nun war es nicht mehr weit zum Strand. Und von dort führten viele Ski-, Skooter- und Fußspuren zur nahen Insel Storgrundet. Für mich das Zeichen, dass auch ich trocken zur Insel komme. Wenige Minuten später war ich auf der Insel und bin zum östlichsten Punkt gelaufen. Von dort aus hatte ich einen herrlichen Blick über das Packeis, in der Ferne warm beleuchtet, in der Nähe kalt im Schatten der Insel liegend. Dafür, dass es nur so -10 °C, über dem Eis vielleicht -15 °C waren, fand ich es ganz schön kalt und ich war froh über meine Daunenjacke, die ich mir ziemlich schnell übergezogen habe. Ich habe eine kleine Pause gemacht, die ich zum Fotografieren, picknicken und einfach zum Schauen benutzt habe, ehe ich wieder über die Insel, das Eis und schließlich die Autostraße zurückgelaufen bin. Nach insgesamt zwei Stunden war ich wieder zu Hause.

Für die Statistik: Winter 2010/11 war ich am 5. Dezember zum ersten Mal mit Skiern oder zu Fuß auf der Insel Storgrundet, Winter 2011/12 am 22. Januar und Winter 2012/13 am 5. Januar.

Fahrt nach Östersund

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Fjälltour 2013.

Heute bin ich mit dem Auto nach Östersund gefahren, denn morgen treffe ich mich hier mit Jonas, mit dem ich eine einwöchige Skitour im Helagsfjäll geplant habe.

Die Fahrt fing ein bisschen mühsam an, denn ich bin erst lange Zeit im flotten Schritttempo hinter einer Schneefräse hinterher gezuckelt, die ausgerechnet für die linke Seite (Mittelstreifen und so) zuständig war. Eine halbe Stunde hat es gedauert, bis ich da vorbei gekommen bin.

Die restlichen der 500 Kilometer gingen besser. Kein einziges Rentier, dafür aber meine erste Alkoholkontrolle. Und da das Wetter herrlich war, Sonne pur, war die Fahrt auch nicht sonderlich anstrengend.

Da ich unterwegs eine längere Mittagspause gemacht habe, mehrmals zum Fotografieren angehalten habe und noch bei Östersund eine gebrauchte Pulka für Jonas erstanden habe, war ich erst nach achteinhalb Stunden bei unseren gemeinsamen Freunden, die seit letztem Jahr in Östersund leben. Aber das macht ja nichts, ich hatte ja den ganzen Tag Zeit. Morgen um 6:30 kommt Jonas mit dem Zug an.

Zwei kurze Fotos von heute:

Skitour – Schlussettappe

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Fjälltour 2013.

Als wir morgens im offenen Winterraum der Gåsenstugorna aufwachen, ist von klarem Himmel nichts mehr zu sehen. Es ist windig und es schneit. Aber abgesehen davon, dass uns beiden der Sinn nach Frischluft und Bewegung steht, gibt es zwei Argumente, die für einen Aufbruch sprechen: Zum einen kommt der Wind von hinten, zum anderen hat der smhi für den Folgetag eine Windwarnung Klasse 1 herausgegeben, es soll also wieder richtig stürmisch werden.

Also packen wir unsere Sachen und machen uns auf den Weg. Nach einem kleinen Anstieg, der uns auf 1200 Meter führt, liegt eine lange Abfahrt vor uns. Jonas macht seine Felle ab, ich lasse sie an, denn ich bin ein schlechter Abfahrtläufer und freue mich über die Bremswirkung der Felle. Nun geht es stetig bergab, manchmal so sanft, dass wir beide laufen, manchmal so schnell, dass Jonas vorweg saust, während ich manchmal sogar Bögen in den Schnee schreibe, um nicht so schnell zu werden.

Manchmal klart es auf und die Sonne legt ein geheimnisvolles Leuchten auf die voraus liegenden Berghänge. Leider habe ich heute eine andere Kamera-Objektiv-Kombination vor meinem Bauch geschnallt und als ich das Weitwinkel parat habe, sind die schönen Lichtstimmungen schon wieder vorbei. Es ist nicht das erste Mal auf der Tour, dass ich mit dem Fotografieren zu langsam bin. Schon nach kurzer Zeit sind wir an der nächsten Schutzhütte „Sjtähtja“, wo wir eine kurze Pause machen.

Schon bald setzen wir die Tour fort, denn nach dem tagelangen Aufwärtslaufen ist es schön, mühelos durch den Schnee hinab zu gleiten. Nur manchmal müssen wir uns einen Weg suchen, denn auf dem baumlosen Kahlfjäll sind manche Stellen so windexponiert, dass kaum Schnee liegt und Gestrüpp und Fels sichtbar sind. Doch bald sind die ersten Bäume in Sicht.

Jetzt beginnt ein herrlicher Teil: Der von Holzkreuzen markierte Weg windet sich talwärts und wir gleiten durch den unberührten Schnee. Hier scheint es meistens windstill zu sein, denn die meisten Birken wachsen sehr gerade und es gibt keine verblasenen Stellen. Statt dessen gibt es immer wieder kleine Abfahrten, die meistens im Tiefschnee enden. Das Skifahren hat hier so viel Spaß gemacht, dass ich erst zum Schluss wieder die Kamera ausgepackt habe. Aber die Freude an der Bewegung kann man eh nicht fotografieren.

Wir laufen, gleiten und sind bald schon an der nächsten STF-Hütte, den Stensdalsstugorna angelangt. Aber wir laufen ohne Pause an den Hütten vorbei, denn wir wollen zelten. Wir laufen noch ein paar Kilometer, ehe wir ein kleines Seitental finden, in dem wir zwischen den Bäumen unser Zelt aufbauen. Die Nacht ist klar und Jupiter und die hellen Wintersternbilder leuchten am Himmel.

Aber kaum liegen wir, da holt uns der vorhergesagte Wind ein. Wieder wird das Zelt vom stürmischen Wind gerüttelt und gebeutelt und dieses Mal sind die Böen sogar noch heftiger. In der Nacht stehe ich auf, denn zwei Heringe haben sich losgerissen und ich ramme zwei Skier in den Schnee, um das Zelt daran festzumachen. Doch auch diese Sturmnacht übersteht das Zelt ohne Probleme. Nur Jonas und ich fanden es in unseren dicken Daunenschlafsäcken mit -2 °C viel zu warm. Auch diesen Morgen lässt der Wind nach und die Sonne scheint durch die immer größeren Wolkenlücken, während die letzten Schneeschauer abziehen.

Den letzten Teil der Tour fand ich ehrlich gesagt etwas langweilig, denn größere Teile der Route lagen auf einer breiten Skooterpiste. Anstatt aktiv meinen Weg zu suchen und die Natur um mich herum wahrzunehmen, schlurfe ich nun einfach nur geradeaus. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Tour fast vorbei ist, doch hauptsächlich daran, dass das Schlussstück eher dem Loipennetz eines Wintersportortes ähnelt und damit nach den starken Eindrücken der letzten Tage ein wenig fad wirkt.

Bald schon stoßen wir auf unseren alten Weg und sehen den kleinen Teich, auf dem wir die erste Pause gemacht haben, den kleinen, gemeinen Abstieg, der nun Abfahrt ist und die erste Abfahrt, die Jonas nun mit V-Schritten hochsteigt. Und nur wenige Minuten später stehen wir auf der Ebene und blicken in die Zivilisation. Ein High-Five beendet diese gar nicht so lange, aber schöne, spannende und ereignisreiche Tour.

Tack för turen, Jonas!

Auf dem Weg nach Burträsk

Wintermarkt in Burträsk – das wäre doch was für heute. Und da ich zu früh losgefahren bin, habe ich ein paar Umwege genommen. Und bin einige Mal stehengeblieben, um zu schauen oder zu fotografieren. So zum Beispiel hier in Yttervik, keine 10 Kilometer hinter Skelleftehamn:

Dieses schöne Haus steht in Vikfors direkt am Bureälven. Was für eine schöne Lage!

In Ljusrotet, zehn Kilometer vor Burträsk, gab es zwei Anzeichen für Rentiere: Zum einen die offiziellen Verkehrsschilder, die dort fest stehen, zum anderen schwarze Müllsäcke. Diese binden die Sámi an Holzstecken und stecken sie in den Schnee, um den Autofahrern zu signalisieren, dass hier Rentiere in der Nähe sind. Und das waren sie. Eine kleine Herde von zwanzig Tieren äste auf den tief verschneiten Weiden. Das sieht ein bisschen lustig und auch ein bisschen dämlich aus. Da die Rentiere vom Boden äsen, sind Kopf und Vorderrumpf im Schnee verschwunden und nur die Hintern schauen hervor. Irgendwann schauen dann aber auch die Tiere selber, denn während ihnen die Autos selber egal sind, haben sie vor Menschen – also auch vor mir, der mit dem Teleobjektiv am Straßenrand steht – eine gewisse Scheu.

Hallo Rentiere, viele meine Leser finden Rentiere toll. Schaut doch bitte noch mal her. Cheeeeese! Danke schön!

Nun wollte ich eigentlich direkt zum Markt, wurde aber von einem Schild ausgebremst. Auf dem Schild stand „Loppis“, kurz für Loppmarknad – Läusemarkt und das bedeutet natürlich Flohmarkt. Ich liebe Flohmärkte! An diesem Flohmarkt war das Gebäude das Besondere. Ich habe erfahren, dass diese Bauart einer Scheune – 1820 oder 1830 erbaut – für Burträsk typisch ist, in Skellefteå wurden diese anders konstruiert. Ich habe zwar verstanden, dass oben das Heu lagerte, Kühe da waren und außen Pferde im Kreis herumgingen, aber den Rest, den mir die beiden Frauen erzählten, habe ich nicht wirklich verstanden, denn meine Schwedischkenntnisse, was Landwirtschaft anbelangt, halten sich sehr in Grenzen … . Eine blaue Glasschale „Made in Spain“ und ein Buch mussten mit. 40 Kronen.

Heute gelernt: Wenn man mit dem Fischauge („Dachkonstruktion“) fotografiert, immer die Fotos auf Lichtreflexe kontrollieren.

Schließlich bin ich aber – nach über 80 statt 50 Kilometern – in Burträsk angekommen. Und dort habe ich – glaubt es oder nicht – bestimmt zehn Minuten einen Parkplatz gesucht. So etwas habe ich hier in Nordschweden noch nie erlebt! An alle Straßenrändern, auf allen Parkplätze, vor der Kirche, in der Kurve am Rand – überall standen Autos. Aber dann habe ich doch noch einen Parkplatz gefunden, der gar nicht so weit weg war vom Markt. (Und leicht einzuparken, das kann ich nämlich nicht gut, weil ich es hier nie brauche.)

Da es hier kaum Gemüse gibt, sind Wochenmärkte hier unbekannt und deswegen ist ein Markt immer etwas besonderes. Und so kommt Volk von nah und fern, um zu schauen, zu essen und zu kaufen. Es gibt eine erstaunlich große Anzahl von Ständen, die warme Strümpfe oder Handschuhe und Mützen haben, Stände, an denen man Lachs, Elchwurst oder Rentierfleisch kaufen kann und Stände mit Godis – Süßigkeiten. Zwei Händler und ihre Stände kannte ich schon vom Jokkmokksmarkt. Einer verkauft warme Wollkleidung. Ich trage gerne Wolle und bin auch nicht besonders empfindlich, aber die langen Unterhosen, die ich hier fotografiert habe, möchte ich nicht auf der nackten Haut tragen. Der andere Händler handelt mit Fellen und mit Fellprodukten. Vor allem die Fellmützen und die unfassbar riesigen Fellhandschuhe sind sehenswert. Und wer dort kein fertiges Produkt kaufen möchte, der kann auch eines der Felle kaufen und sich die Sachen selber nähen.

Nach einem ausgiebigen Rundgang habe ich mich wieder auf dem Rückweg gemacht. Als ich durch Ljusrotet fuhr, waren die Rentiere immer noch dort. Sie lagen in der Sonne und schienen die Wärme zu geniessen, immerhin war es mit +3 °C heute wärmer als im frostigen Deutschland.

Valborg

Gestern war Walpurgisnacht. Während ich das deutsche Wort hauptsächlich aus Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ kenne, ich das schwedische Wort „Valborgsmässoafton“, oder kurz „Valborg“ hier in aller Munde. Denn für die meisten hier ist das ein wichtiges Fest und symbolisiert den Frühlingsanfang.

Was gehört für mich zu einer typischen Valborg-Feier?

Das ist 5. Aprilwetter. Und das hatten wir gestern. Von wärmender Sonne und blauem Himmel bis hin zu Regen- und Graupelschauern war alles dabei. Nummer 4. Ein schöner Platz. Die Stuga meiner Freunde liegt wunderschön am Göksjön – zu deutsch Kuckuckssee. Für das Foto brauchte ich keine zweihundert Meter weit zu laufen.

Aprilwetter – Regenschauer über dem GöksjönEin schöner Platz. Blick auf den Göksjön

Nummer 3. Frühling bedeutet Blumen. Und neben dem Huflattich, der überall blüht, wo es lehmig ist, zeigten sich gestern auf dem Komposthaufen die ersten Krokusse. Und Nummer 2. Ein Maifeuer, denn das gehört auch mit dazu.

Die ersten KrokusseFunken sprühen aus dem Maifeuer

Doch das wichtigste ist natürlich Nummer 1. Freunde. Ich bin sehr froh, wieder so nett von A. und M. eingeladen wurden zu sein und jede Stunde Zeit, die ich mit ihnen verbringe ist mir eine Freude. Was täte ich nur ohne Freunde! Die Gegeneinladung ist schon ausgesprochen.

Nebendarsteller: Gutes Essen, Rotwein, Frühlingslieder, mit dem Hund toben, Vogelstimmen, am Bach entlang waten, sich freuen, dass es Mitternacht immer noch nicht richtig dunkel ist.


Nach einer Übernachtung und einem guten und späten Frühstück bin ich auf Umwegen wieder nach Hause gefahren. Die nicht asphaltierten Straßen sind recht spannend zu fahren und ich fragte mich bei der Fahrt, was wohl neue Stoßdämpfer kosten, wie leicht man sich im Lehm festfährt und wer mein Auto wohl aus dem Graben zieht, denn die Wege sind manchmal so weich und mit Spurrillen versehen, dass das Auto meine Steuerei recht frei interpretiert hat. Aber – ich bin gut zu Hause angekommen und die schönen Aussichten, an denen man vorbeifährt, rechtfertigen ein bisschen Eierei.

Besonders schön fand ich es am Bodträsket, einem der Seen, durch die der Fluss Bureälven fließt. Der blaue Himmel spiegelte sich im Wasser und ein frischer Wind blies kleine Wellen, auf denen leise raschelnd und klingelnd die letzten Eisstückchen trieben, an das überflutete Ufer.

Am Bodträsket – einem Teil des Bureälven

Über Valborg und den ersten Mai habe ich übrigens auch schon 2010, 2011 und 2012 geschrieben.

Roadtrip nach Bodø

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Bodø 2013.

Ich liebe spontane Aktionen! Und als am Freitag Martine angerufen hat, ob ich nicht mit ihr und ihren Gästen aus Australien das Wochenende nach Bodø fahren (und einen größeren Teil am Steuer sitzen) möchte, habe ich begeistert zugesagt. Ich habe ein bisschen früher Feierabend gemacht, zu Hause Kamera und Klamotten ins Auto geworfen und bin nach Kusfors gefahren, wo ich übernachtet habe.

Am nächsten Tag ging es früh raus, denn um kurz nach sieben sind wir aufgebrochen. Schließlich sind es fast 500 Kilometer bis nach Bodø, in Norwegen darf man oft nur 70 fahren und Pause machen möchte man ja auch mal.

Ich bin die Strecke schon zwei Mal gefahren, einmal mit dem Auto im Juli, einmal im Oktober mit dem Bus und ich bin jedes Mal wieder begeistert, wie unterschiedlich die Klimate und die Landschaften auf der Strecke sind. Um halb neun standen wir an dem kleinen, tiefblauen See in Arvidsjaur, keine zwei Stunden Fahrt später an einem mit Eisschollen bedeckten Stausee im Fjäll.

Der Nyborgstjärnen in ArvidsjaurDer Ringosavvun im schwedischen Fjäll

Erstaunlich, wie wenig Wasser in dem Stausee war. Und ebenfalls erstaunlich, dass wir später noch weiter oben im Fjäll an zugefrorenen Seen vorbeikamen, auf denen die Eisfischer saßen. Bald waren wir an dem höchsten Punkt (740m) angelangt. Hier gibt es hauptsächlich kleine, krüppelige Birken und Fels, Schnee und Eis. Und die Asphaltstraße, die links und rechts mit hohen neongelben Stecken markiert ist. Ab der norwegischen Grenze ist Martine gefahren und ich konnte mich entspannt zurücklehnen und den Blick auf die norwegischen Berge geniessen. Vor allem der markante Solvågtinden begeistert mich, auf dem Berg möchte ich gerne mal stehen aber er ist vermutlich viel zu schwierig zu besteigen. Ich bin kein Bergsteiger.

Auf dem KahlfjällSolvågtinden voraus

In Norwegen verliert die Straße an Höhe und bald ist man wieder im Tal, die Bäume sind grün und nur die schneebedeckten Berge am Horizont bleiben. Und schon bald, nachdem man rechts auf die E6 abgebogen ist, hat man einen schönen Blick auf den Saltdalsfjorden. Wenn man nicht gerade durch einen der kilometerlangen Tunnel fährt. Und irgendwann, so siebeneinhalb Stunden später, waren wir in Bodø.


Unser erstes Ziel: Essen! Frühstück war um sechs und eine kleine Zimtschnecke unterwegs macht nicht satt. Wir konnten schön draußen sitzen und unsere leckeren Fish and Chips geniessen. Kaum sind wir gegangen, hörten wir wüstes Möwengeschrei hinter uns. Die Vögel balgten sich um die nicht nennenswerten Reste auf unserem Tisch; eine hat sich sogar den kleinen Glasnapf mit einem Rest Remoulade geschnappt.

Die Möwen lauern schonFish und Chips in der Sonne

Nach einer kleinen Pause in unserem Hostel sind wir durch Bodø gelaufen. Dieses Mal hat mir die Stadt sehr gut gefallen, vor allem am Wasser. Große Schiffe und kleine Boote gleiten durch das Wasser, Möwen kreischen, der Hafen ist voller Boote und Schiffe. Und überall sind Inseln. Von kleinen Felsbuckeln bis zu fernen Inseln am Horizont. Ein kleines Fischerboot kommt genau auf mich zu. Zwei Frauen warten schon am Kai, um zu schauen, was der Fischer anzubieten hat. Ich weiß allerdings nicht, was das für Fisch ist. Angler und Fischexperten: Habe Ihr einen Tipp?

Ein Fischerboot kommtDer Fisch ist fast so orange wie das Ölzeugs des Fischers

Wir haben nach einem Bummel am Wasser in einer Pizzeria gegessen, die norwegischen Preise ignoriert und zur Pizza eine Flasche Wein bestellt. Danach sind die anderen ins Hostel gegangen aber ich wollte noch ein bisschen draußen sein, habe mir zum Glück das Stativ geschnappt und bin an der zentralen Bucht Rønvikleira weitergelaufen. Ich bin dann auf einen Hügel gestiegen, von dem ich einen schönen Blick auf Bodø hatte. Die Sonne stand schon tief und hat die Häuser und die am blassen Bergketten am Horizont in warmes Licht getaucht.

Blick auf BodøBlick auf Bodø

Blick auf Bodø und die Bucht Rønvikleira

Ich wollte unbedingt noch auf das offene Meer schauen. Ich bin die Straße 834 weitergelaufen, bis ich an einem Grashang über dem Meer stand. Wenn ich nicht so müde gewesen wäre und auch ein bisschen gefroren hätte, wäre ich wohl die ganze helle Nacht dort geblieben, so wunderschön war die Landschaft dort und vor allem das Licht! Das Licht! Schaut selbst. Die Fotos sind nur blasse Kopien der Wirklichkeit, aber das ist ja fast immer so.

Die tiefe Sonne taucht alles in goldoranges Licht

Nächtlicher Blick auf das europäische Nordmeer

Wenn andere in Blogs schreiben „Ich habe mich verliebt“, dann sprechen sie meistens von Hundewelpen oder Osterlämmern. Ich habe mich aber wieder einmal frisch in Norwegen verliebt. Und wenn ich nicht so gute Freunde in Schweden hätte, ein Haus, einen interessanten Job, und, und, und …, wer weiß, vielleicht würde ich dann schon die Jobannoncen in Bodø studieren. Allerdings weiß ich, dass Bodø bei Regen ganz schön trist sein kann, und ebenso, dass dies das dort vorherrschende Wetter ist.

Um halb zwölf war ich wieder am Hostel. Und bin ins Bett gefallen.

Und sonst? Zwei Elche in den Morgenstunden · immer wieder Rentiere, aber keine Herden · Hurtigrutenschiff in der Bucht · 51 NOK (6,80 Euro) für eine Halbliterflasche Wasser und einen Schokoriegel am Kiosk

Frühlingsgrün

Eine der schönsten Farben im Mai ist das frische Grün der Blätter, die in den letzten Tagen aus den Birken schießen. Hat man dann noch blauen Himmel dazu, hebt das die Laune erheblich. Und so habe ich mich nach dem „Lunch“ schnell in eine große verzweigte Birke gestellt und mit dem iPhone nach oben geknipst.

Birkenblätter

Wenn ich das mit vor anderthalb Monaten vergleiche …

Starker Strom und starke Blume

Tja.

Vom Kajak fahren heute Abend kann ich nicht erzählen, denn ich war zu müde. Das lag daran, dass ich schon um 6:05 (sic) im Büro war und mit dem Programmieren begann. Dass ich so früh wach war, lag auch daran, dass es nicht mehr dunkel wird. Also, keine Kajakgeschichte. Wird nachgeholt.

Ich könnte auch davon erzählen, dass bei uns eigentlich nur schönes Wetter ist. Seit Wochen. Sonne satt, angenehm warm. T-Shirtwetter und mal eine laue, mal eine frische Brise. Draußenwetter. Aber ich weiß bei dem Wetter, welches zur Zeit in Deutschland herrscht – vor ein paar Tagen war Deutschland Europas Kältepol! – mache ich mir damit keine Freunde. Also, keine Sommergeschichte.

Ich könnte auch davon erzählen, dass ich am Sonntag das erste Mal den Rasen gemäht habe und heute einen Strauch ausgegraben. Der war ohnehin schon morsch und die hohen Schneehaufen des letzten Winters haben ihm den Rest gegeben. Da war leider nichts mehr zu retten. Aber das ist mir zu keingärtnerisch, da habe ich keine Lust drüber zu Schreiben. Also, auch keine Held-des-Gartens-Geschichte.

Tja. Was nun.

Na gut, zwei Geschichten habe ich:

Nummer eins:

Als ich heute recht früh nach Hause gekommen bin, stellte ich fest, dass der Bildschirm nicht ging. Ebenso wenig wie die Steckerleiste, die Klimaanlage für den Flügel, der Kühlschrank und die Steckdosen. Licht ging lustigerweise. Nachdem ich einen Freund, der Elektriker ist, angerufen habe und so ziemlich jede Sicherung herausgedreht und ausgewechselt (Ja, ein Teil meiner Sicherungen sind noch die alten Keramikteile zum drehen) und immer noch nichts ging, habe ich dann bei SkellefteKraft angerufen. Sehr netter Kundendienst, muss ich sagen.

Meine Stromversorgung (und die meiner Nachbarn)Und vielleicht eine Stunde später (inzwischen konnte ich den Strauch ausgraben, aber das wollte ich ja gar nicht erzählen) kam einer vom Kundendienst und stellte fest, dass im Schaltkasten auf der Straße zwei Phasen weggeknallt waren. Das ließ sich ja zum Glück schnell beheben. Im Winter hätte man den Kasten erst mal ausbuddeln müssen. Schön, wieder Strom zu haben, vor allem für den Gefrierschrank. Und fürs Smartphone aufladen.

Nummer zwei:

Viola PippilottaAls ich wieder aus dem Wald zurückkam (dort hatte ich meinen Strauch zu den Gartenabfällen … . Ach nein, kein Thema. Stimmt ja.) Wie auch immer, vor meiner kleinen Treppe zum Haus blüht wieder Viola Pippilotta. Das ist das stärkste Veilchen der Welt. Es hat schon letztes Jahr zwischen Schnee und Eis geblüht. Jetzt ist es zurück – vermutlich vom Taka-Tuka-Land – und blüht wieder. Dieses Mal aber weiß statt blau, aber hellblond ist hier ohnehin gerade stark angesagt, vielleicht hat es sich die Blütenblätter gebleicht. Ich habe mich auf jeden Fall gefreut, eine alte Blumenbekannte wiederzutreffen, auch wenn ich sie vielleicht mit einer anderen Blume verwechselt habe (Das geht mir mit Menschen aber manchmal ebenso).

Wie viel Kraft in den Pflanzen hier steckt, zeigt sich im dicken Asphalt des Fußweges, der für einen kleinen grünen Keim, der ans Licht möchte, kein weiteres Problem darzustellen scheint, wie das folgende Foto zeigt. Ganz schön viel Power. Ich hingegen bin in Schweden ein bisschen fauler und ein bisschen dicker geworden, aber auch das soll hier nicht weiter thematisiert werden.

Eine Pflanze bricht durch den Asphalt

Weiße Nächte

Heute war Sommerfest von Mores, dem Diskussionsklub. Ich bin im Hellen nach Hause gefahren, was kein Kunststück ist, denn es wird viele Wochen dauern, bis es in der Nacht wieder richtig dunkel wird. So sah es heute Nacht um halb eins am Ursviksfjärden aus:

Weisse Nacht am Ursviksfjärden

Späte Ankunft

Gestern Abend sind meine Eltern mit dem Flugzeug angekommen. Sie besuchen mich jetzt zum dritten Mal, seitdem ich hier lebe, und ich freue mich, dass sie wieder den etwas mühsamen Weg aus Deutschland zu mir angetreten haben und nicht einfach sagen: Selber schuld, dass Du weggezogen bist.

Leider gibt es nicht nur keine Direktflüge von Bremen nach Stockholm (meiner Meinung nach schon ein Unding!), sondern zur Zeit auch noch nicht einmal von Bremen nach Kopenhagen. Also reisten meine Eltern erst mit dem Zug nach Hamburg, dann mit dem Flugzeug nach Kopenhagen, weiter nach Stockholm, und dann mit dem letzten Flug des Tages nach Skellefteå. Und der war dann auch noch eine gute halbe Stunde verspätet. So kam das Flugzeug um zehn vor elf kurz vor Sonnenuntergang an. Bald darauf standen meine Eltern wieder auf nordschwedischen Boden. Wenige Minuten später war auch schon das Gepäck da – der Flugplatz ist klein – und ich konnte mit meinen Eltern nach Hause fahren. Das ist nicht weit, aber auf der hohen Brücke, die die Insel Örviken mit Skelleftehamn verbindet, musste ich spontan eine kurze Pause machen, zu schön waren die Farben, die die untergegangene Sonne an den Nachthimmel und auf die Landschaft malte.

Ankunft Flug SK1018Nachtdämmerung über dem Skellefteälven

Im Meer der Himmelsfarben

Oh, Ihr lieben Blogleser! Ich kann es einfach nicht in Worte fassen, wie es ist, am späten Abend mit dem Kajak durch das stille Meer zu schweben und alle Farben des Himmels spiegeln sich in der samtig-glatten Oberfläche. Wunderwunderschön! Ich habe sogar versucht, zu dichten …

Im Licht der tiefen Spätabendsonne nahm ich die Wellen nicht mehr als ein Auf und Ab wahr, sondern nur noch als ein Spiel von den reflektierten Farben des Himmels. Als ich das Kielwasser eines kleinen Bootes geschnitten habe, sah ich keine Heckwellen auf mich zukommen, sondern leuchtende Streifen in allen Farbtönungen des Sonnenuntergangshimmels.

Tourstart

Himmelsfarben

Gegen neun habe ich am kleinen Strand von Storgrundet mein Boot ins Wasser gelassen und bin an der Außenseite der Inseln Storgrundet und Brottören entlang gepaddelt. Hinter mir leuchtete gelborange die Sonne. Auf der Insel Norrskärsgrundet habe ich trotz Protest der Möwen und Seeschwalben kurz gehalten und mir eine Jacke angezogen, im T-Shirt war es doch zu kalt. Danach bin ich um die Inseln Norrskär und Bredskär herumgefahren und den kleinen Kanal zwischen Vorrgrundet und Festland entlang gepaddelt. Dort habe ich den Seeschwalben bei der Jagd nach Insekten zugeschaut. Von dort war es nicht mehr weit nach Storgrundet, wo ich gegen halb zwölf ankam. Wie immer habe ich das Kajak auf dem kleinen Wägelchen festgeschnallt und habe es nach Hause gezogen. Schnell habe ich die Kapuze aufgesetzt, nicht nur, weil es recht frisch war, sondern auch, um den Mücken nicht zu viel Appetit zu machen. Das ist das Schöne auf dem Meer, das ist im Grunde mückenfrei.

WassertropfenKurz vor Sonnenuntergang

Das war bis jetzt meine schönste Kajaktour hier in Skelleftehamn. Und irgendwann werde ich auch mal die Nacht hindurchpaddeln – von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang.

Skelleftehamn—Skibotn: Autoreise mit Tücken und Mücken

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

Gestern um halb eins bin ich gestartet, mit vollem Tank und vollem Kofferraum. Von der ersten Etappe gibt es nicht viel zu berichten: Die E4 bis Haparanda, das sind 260 Kilometer Strecke machen, um in Gang zu kommen. Innerhin sind es 1172 Kilometer bis Kabelvåg auf meiner gewählten Route.

Erster Halt: Kukkola

Stromschnellen im Torne älv, eine alte Wassermühle, Wohnwagen, Eis, blauer Himmel. Touristisch, aber schön.

Ein alter Steg – nur für Fischer (und Fotografen?)

Kleines BlockhüttchenHolzgetriebe in der alten Wassermühle

Zweiter Halt: Hietaniemi

Hüben Schweden, drüben Finnland, dazwischen der breite Torne älv. Ein Pärchen lässt Steine springen. Von Övertorneå bis Pello werde ich auch auf der finnischen Seite fahren.

Eine internationale Fähre fürs ViehBlick über den Torneälven

Letzter Halt des Tages: Kaunisjoki Rastplats, 20 km nördlich von Pajala

Alles ist klar für die Nacht: Ich habe noch einmal voll getankt und werde langsam müde. Viertel vor zehn sehe ich einen leeren Rastplatz mit Grillhütte. Einmal durchfegen und fertig ist mein Übernachtungsdomizil. Ich breite Isomatte, Schlafsack und Kopfkissen aus und hole als nächstes eine Jacke und die Wathose aus dem Kofferraum. Ich möchte die schönen Hütten im späten Abendlicht vom Nahen fotografieren, aber der Untergrund sieht sehr nass aus. Ich mache den Kofferraum zu und kurze Zeit später höre ich

* klack *

Sch****, denke ich! Und meine Befürchtungen bewahrheiten sich: Leicht übermüdet habe ich den Autoschlüssel im Kofferraum abgelegt. Da liegt er schön sichtbar. Vorne war das Auto schon abgeschlossen, der Kofferraum schließt automatisch und der Ersatzschlüssel ist im Kamerarucksack, denn den nehme ich immer als erstes raus. Außer dieses Mal, da liegt der Rucksack auf dem Beifahrersitz!

Da stehe ich nun: Zehn Uhr Abends, mitten in der Pampa an der leeren Straße 99. Und mein Auto lässt mich nicht rein.


Wie ging es weiter:

  • Ich habe mein Handy und Empfang. Ich rufe einen Freund in Delmenhorst an, der mir Mut macht: Pappendienst kann so was.
  • Ich rufe die Versicherung an
  • Die hört sich meine Panne an und lacht mich nicht aus, wie schön
  • Ein paar Minuten später ruft mich ein Pannendienst aus Övertorneå an
  • Er wird kommen, um mir zu helfen, braucht aber anderthalb Stunden, bis er da ist
  • Ich warte, mache ein paar iPhonephotos, habe Durst und sehe dem Sonnenuntergang zu
  • Gut geschätzt: Anderthalb Stunden später ist der Pannendienst da
  • Keine zwei Minuten braucht er, um die Fahrertür mit Keil und Luftdruck aufzuhebeln …
  • … und mit einem Haken die Fahrertür zu entriegeln
  • Ich bin so erleichtert, ich sah mich schon mit großen Steinen wahllos Autoscheiben zerdeppern
  • Der Pannendienst bekommt meine Unterschrift und macht sich auf den Rückweg: Wieder 130 Kilometer

So viel zu den Tücken einer Autoreise. Die Mücken kamen etwas später, sie umsummten mich freudig die ganze Nacht, als ich in der Grillhütte übernachtet habe.

Resumé: Eigentlich ist das Ganze gut gelaufen: Ich hatte Handy und Empfang. Ich hatte sogar Schlafsack und Isomatte. Es hat nicht geregnet, es gab keinen Schneesturm. Der Pannendienst war schnell da. Und – Luxus! – ich hatte eine Hütte vor Ort, was will man mehr.

(Mäkel-Olaf: Was will man mehr: die Kamera und Stativ! Es war so tolles Licht!)
(Ein anderer Olaf: Haha, das sagst Du nur, weil im Fotorucksack der Ersatzschlüssel gewesen wäre. Depp!)
(Mäkel-Olaf: Selber Depp!)

Hier noch ein paar Bilder von der Nacht:

Rosa Wölkchen (Bravo, iPhone!)

Mitternachthimmel über der Straße 99Bäumchen im nächtlichen Nebel

Und vom Morgen:

Meine Übernachtungshütte – eigentlich zum Grillen gedacht


Noch ein paar Bilder von heute. Stichworte: Rentiere – Bootsfahrt – Dreiländereck – Weite Sumpfflächen – Moltebeeren – Regen – Skibotn – Gletscherblick – Zimmer mit Dusche und WLAN.

Ein Rentier kommt mir entgegenKaresuando: Links Finnland, rechts SchwedenMeine ersten Moltebeeren (Mjam!)Ziel für heute erreicht: Das norwegische Skibotn

Von der Bootsfahrt und dem Dreiländereck (Treriksröset) schreibe ich später einmal. Vielleicht …

Fotonotizen: Das Display vom MacBook Pro ist nicht zu dolle. Je nachdem, aus welchem Winkel man schaut, ändern sich Farben und Kontrast. Daher werden einige Fotos mehr oder weniger daneben sein. Überrascht hat mich das iPhone mit seinem Rosa-Wolken-Bild. Ich habe in Photoshop noch minimalst nachbearbeitet, aber das Original ist schon überraschend gut.

Es wird wieder dunkel

Das war vielleicht der stärkste Kontrast zu meinem Urlaub in Nordnorwegen und Lappland: Dort war es die ganze Nacht hell, hier zu Hause wird es wieder dunkel. Und wenn ich nach oben schaue, kann ich die Wega, den hellsten Stern des Nordhimmels sehen.

Heute Abend war ich draußen, um Fotos zu machen. Weit bin ich aber nicht gekommen, denn schon an dem ersten Platz an der Bucht hinter der Insel Brämbärsgrundet wurde ich vom Sommerhausbesitzer direkt zu einem Bier eingeladen. Ich habe noch schnell ein paar Fotos gemacht, so auch dieses …

Abendsonne

… dann saß ich im Garten der Stuga mit einer netten Runde unbekannter Leute und bekam sofort ein gekühltes Dosenbier aus dem Brunnen hochgezogen. Nach einem zweiten Bier sind die anderen zu einer anderen Feier aufgebrochen, ich habe die Einladung dazu aber abgeschlagen und bin wieder nach Hause gelaufen. Das schöne Fotografierlicht war jetzt weg, aber das war mir egal, denn es war einfach nett, draußen zu sitzen und sich zu unterhalten. Der Herbst und der Winter, wo sich alle wieder drinnen verkriechen, kommt früh genug.

Eine herrliche Nacht auf Bastuholmen

Vor zwei Wochen hat Hans mich gefragt, ob ich mit zur Insel Bastuholmen paddeln möchte. Das wollte ich gerne, aber ich hatte leider keine Zeit. Anfang der Woche fragte er mich wieder und dieses Mal passte es mir.

Gestern Nachmittag um sechs saßen Hans, fünf Freunde von ihm und ich in unseren knallbunten Kajaks und starteten vom kleinen Bootshafen in Kåge zur Insel Bastuholmen. Da das nicht weit ist und das Wetter zwar windig aber schön war, sind einige von uns noch um die schöne Insel herum gepaddelt.

Start im BootshafenIm Gegenlicht

Als wir an der Insel anlegten und unsere Kajaks an Land zogen, hatten die anderen schon Feuer gemacht und hielten Stockbrot in die Glut. Hans hatte Hamburger eingekauft und bald saßen wir alle ums Feuer, grillten und aßen.

Hamburger und Stockbrot über dem FeuerWasser und frischer Hamburger

Es ist immer schön, um ein Feuer herumzusitzen, über dies und das zu sprechen, mit Freunden oder noch Unbekannten. Die meisten wollten am gleichen Tag noch zurück und machten sich kurz nach Sonnengang auf dem Weg, um im letzten Abendlicht noch Kåges Hafen zu erreichen.

Sonnenuntergang auf BastuholmenMit dem Kajak zurück ans Festland

Hans und ich wollten hingegen auf der Insel übernachten. Davor haben wir uns es gut gehen lassen, denn die Insel heißt nicht von ungefähr Bastuholmen und wer schon einmal in Schweden oder Norwegen war, weiß, dass Bastu Sauna heißt.

Während die Sauna noch geheizt hat, war ich auf der anderen Seite der Insel, wo auf der linken Seite die Farben der Abenddämmerung zu sehen waren und auf der rechten Seite der fast noch volle Mond aufging.

Bootssteg auf BastuholmenMondaufgang

Bald danach saßen wir zu dritt in der kleinen Sauna, die gar nicht so heiß war. Na ja, dachte ich, Sauna für Anfänger halt. Dachte ich. Denn bald schaufelten die anderen dermaßen viel Wasser auf den heißen Ofen, dass ich dachte, mein Gesicht fängt an zu kochen. Selbst mit vornüber beugen und das Gesicht mit den Händen bedecken war es mir noch zu heiß und ich habe mich schnell eine Etage weiter nach unten gesetzt. Anfänger halt.

Aber wenn man schon auf einer Insel sauniert, dann muss man natürlich auch im Meer baden und das haben wir gemacht. Drei Mal. Das Wasser hat nur noch 14 °C, so richtig warm ist das nicht mehr, aber immer noch herrlich.

Fladenbrot – heiß, heiß!Bald haben wir mit einem Paar, welches mit einem Katamaran da war gemeinsam am Feuer gesessen und den herrlichen Spätsommer­abend genossen. Es wurde schon recht frisch und war froh über meine warme zottelige Fleecejacke. Und um halb zwölf habe ich mich verabschiedet und mich schlafen gelegt. Hans hatte zwar ein Zweimann-Zelt, aber ich wollte lieber auf der riesigen Holzterrasse vor der Sauna unter freiem Himmel schlafen. Schließlich gab es eine Chance auf ein erstes Nordlicht …


Hier könnte der Bericht enden, Olaf schlafen und es wäre ein rundum schöner Ausflug mit Übernachtung gewesen. Aber …

Kaum hatte ich die Isomatte aufgepumpt, mich hingelegt, den Schlafsack zu- und mir es gemütlich gemacht, da blinzelte ich noch einmal kurz vor dem Einschlafen mit den Augen und sah das erste Nordlicht.

Erstes Polarlicht der SaisonSofort bin ich aus dem Schlafsack gerobbt, habe Kamera und Stativ geschnappt – Mist, ich muss noch die Stativplatte ranschrauben, oh, und das Weitwinkel drauf, oh, und manuell fokussieren – da war das erste Polarlicht schon fast wieder verschwunden.

Aber der Mond, aber der Mond! So etwas habe ich noch nie gesehen. Der Mond war von einem leuchtenden Halo umgeben, hatte rechts einen ausgeprägten Nebenmond und vor allem über mir fast im Zenith einen ausgeprägten Zirkumzenitalbogen, der in allen Regenbogenfarben leuchtete. Was für ein Naturerlebnis.

Halo mit Nebenmond und Zirkumzenitalbogen

Irgendwann zogen die hohen Wolken, die diese Haloerscheinungen verursachen weiter und der Zirkumzenitalbogen verblasste nach und nach. Zeit wieder in den Schlafsack zu kriechen. Aber …

Jetzt kam noch einmal Polarlicht und zwar richtig schönes! Ich mag es, wenn das Meer noch offen ist und sich die Aurora auf dem Wasser spiegelt.

Polarlicht auf Bastuholmen

Polarlicht auf Bastuholmen

Gegen eins war lag ich wieder im Schlafsack und habe bis fünf geschlafen. Dann wurde ich von der Sonne geweckt. Über mir flog eine V-förmige Formation von Gänsen rufend über die Insel, von der frühen Sonne warmorange angestrahlt. Aber fünf war mir zu früh und ich habe mich noch mal für zwei Stunden umgedreht.

Ausblick am nächsten MorgenHans und ich haben dann auf einem Aussichtsfelsen im Norden der Insel gefrühstückt, ehe wir unsere Sachen gepackt und uns mit den Kajaks wieder auf den Rückweg gemacht haben. Kurz vor zehn waren wir wieder in Kåge.

Ich bin immer noch hin und weg von den Erlebnissen dieses Ausflugs. Kaum vorstellbar, dass dieser keine 16 Stunden gedauert hat.


Tack för Turen, Hans!