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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Wir bauen ein Freibad

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

In der Nacht hat es leicht vor sich hin geschneit. Gleichzeitig wurde es kälter. Heute morgen lag trotz der Wolkendecke die Temperatur bei -15 °C. Mich freut‘s. Nicht nur, weil ich die kalten Temperaturen mag, sondern auch, weil am Samstag die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen in Skellefteå stattfindet. Und zum Winterschwimmen gehört auch Kälte dazu.

Der Verein der frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte organisiert die Veranstaltung, hat aber zum Glück viele Helfer. Nicht nur Rettungstaucher, Polizei und viele Freiwillige vom Schwimmverein, sondern zum Beispiel auch die technische Abteilung der Kommune, die uns von Sonntag bis heute das Eis für 4 Bahnen à 25 Meter aus dem Fluss geschnitten hat.

Das erste Bild habe ich am Montagmorgen gemacht. Das zweite heute, Mittwoch Mittag. Zwischen den Tagen hatten die Mitarbeiter der Kommune einiges an Arbeit.

Alles fängt mit der Kettensäge an: Große, quadratische Blöcke werden aus dem zwanzig Zentimeter dicken Eis geschnitten. Eine ziemlich kalt-nasse Angelegenheit. Dann werden die Eisblöcke getrennt, sie treiben dann langsam mit der Strömung flussabwärts und landen am anderen Ende des Eisschwimmbeckens. Dort werden sie mit einem Greifarm aus dem Wasser gehoben.

Und so wird die Bahn länger und länger, bis sie schließlich heute Mittag fertig geworden ist.

Nun sind es nur noch drei Tage bis zum Samstag, und ich bin gespannt, wie kalt es werden wird. Schon jetzt um kurz vor sechs ist die Temperatur in Skelleftehamn auf -20 °C gefallen.

Übrigens: Was macht man, wenn der Winter so mild war und das Eis zu dünn? Ganz einfach, man spült Wasser auf das Eis, welches friert und damit die Eisschicht dicker macht. Es gab also einen Anfang vor der Kettensäge.

Es wird noch kälter

… habe ich heute morgen festgestellt, denn das Thermometer zeigte -25 °C. Und heute ist es bei mir nicht wärmer als -22.2 °C geworden. In der Stadt war es vermutlich noch kälter und über Zentrallappland wollen wir gar nicht reden, da dürfte so mancher Wert unter -40 gelegen haben.

Ich bin heute mit dem Auto in die Stadt gefahren und habe unterwegs ein paar Bilder gemacht. Von der hohen Brücke, die zur Insel Degerön führt, von Örviken, der Stadt am Südufer dieser Insel und von einer Hütte (Schuppen? Scheune? Ich bin kein Bauer) bei Yttervik. Wieder ein herrlich schöner Tag mit blauem Himmel, kalt und ideal zum Winterschwimmen.

Vintersim SM – nur noch ein Tag

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Heute ist der letzte Tag vor dem Event: Die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen in Skellefteå. Und wieder ist es kälter geworden (Laut Kommune heute mittag -27 °C) und wieder war das Eisschwimmbecken am Morgen fast zugefroren. Ich bin aber erst um halb zwölf vor Ort gewesen (leider muss ich ja ab und zu auch mal arbeiten). Heute haben viele die Gelegenheit ergriffen, das Eisschwimmen mal auszuprobieren und eine 25-Meterbahn zu schwimmen. Dabei waren alle mit Gurt und Seil gesichert, weil wir heute keinen Rettungstaucher da hatten.

Bis auf Anna-Carin Nordin, Extremschwimmerin und Weltmeisterin im Winterschwimmen. Sie weiß, wie das geht und sie ist gleich zum „warm werden“ 500 Meter (!) geschwommen. Danach hat es allerdings auch ein bisschen gedauert, bis ihr wieder warm war.


Heute sah ich mehr so aus. Liegend mit Kamera im knallroten Daunenparka (Foto: Lasse Westerlund). Aber morgen gilt’s: Da schwimme ich im „Arrangörs kampen“ auch meine 25 Meter. Und wenn die experimentelle Temperaturvorhersage recht hat, dann könnten uns morgen Temperaturen unter -30 °C erwarten. Da bleibt man vielleicht lieber im Wasser, da ist es mit +0.5 °C wesentlich wärmer.

Kalt!

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Nein, wir hatten gestern keine -43 °C wie in Kvikkjokk, aber dass das Thermometer hier am Haus -32 °C anzeigt, habe ich noch nicht erlebt, seitdem ich hierher gezogen bin.

Die Frühtemperaturen waren innerhalb von vier Tagen um -25 °C gesunken: Dienstag -7 > Mittwoch -14 > Donnerstag -18 > Freitag -25 > gestern -32.

Im Auto auf dem Weg zur Winterschwimmmeisterschaft zeigte das Autothermometer schließlich -35 °C an. Das habe ich bloß einmal in Finnland 2003 erlebt und dann wieder bei einer Zelttour 2009. Da war es allerdings noch kälter. Kein Wunder, da war ja auch Kvikkjokk in der Nähe.

Wenn man bei -15 °C das Haus verlässt und einmal tief durch die Nase einatmet, dann kitzelt das, weil die Nasenhaare einfrieren. Wenn man bei -30 °C das Haus verlässt (ohne Handschuhe), dann sticht die Kälte direkt in die Fingerspitzen. Nach kurzer Zeit bildet sich Raureif an den Wimpern und sie frieren seitlich zusammen.

Wir hatten viel zu arbeiten gestern, dementsprechend atmet man tiefer und alle Feuchtigkeit friert sofort irgendwo am Körper fest. Bei mir (erstes Bild) hielt sich das noch in Grenzen, bei dem Schwimmer, der wohl schon einige Stunden draußen stand (zweites Bild), sah das schon ziemlich extrem aus.

Aber ich wusste ja, dass die Temperaturen tagsüber kaum die -30 °C übersteigen würden und ich hatte meinen Canada Goose „Snow Mantra“-Parka an, den ich 2002 bei Ebay ersteigert habe. Der ist so warm, dass ich den ganzen Tag draußen bleiben konnte ohne zu frieren. Außerdem hält der riesige Pelz Frost und Eis erfolgreich ab.

Nur Handschuhe und Fotografieren ist ein leidiges Thema im Winter – irgendwann hat man dann doch mal die Handschuhe aus und irgendwann piekst der Frost dann doch mal in die Fingerspitzen. Denen geht es heute wieder gut, aber das viele Fotografieren gestern fanden sie ziemlich doof.

Jetzt ist es übrigens wieder wärmer geworden bei Temperaturen um -23 °C.

Update (6. Februar):

Heute kamen Wetterdaten von Skellefteås Stadtzentrum vom Samstag:

Uhrzeit Temperatur Windchill
08:00 -32.2 °C -42.4
10:00 -31.8 °C -41.1
12:00 -29.2 °C -39.5
14:00 -27.5 °C -30.8

Die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Vorbereitungen

Ich hatte schon geschrieben, wie kalt es am Tag der Winterschwimmmeisterschaft war. Auch in der Stadt zeigte das Thermometer im Auto -31 °C und auf dem Fluss dürfte es eher noch kälter sein. Und so war das Eisschwimmbecken, in dem am Vortag Anna-Carin 500 Meter geschwommen ist, komplett und dick zugefroren. Und Jarkkos Kettensäge ging nicht. An ein Öffnen mit Eisbohrer und Axt war nicht zu denken. Zum Glück konnten wir noch schnell eine elektrisch betriebene Säge auftreiben. Jarkko und Lasse haben einmal um den gesamten Beckenrand gesägt. Nun konnte man zum Glück mit Eisenstangen als Hebel das Eis aufbrechen. Am Rand war es zwar gut 10 cm dick, aber ganz in der Mitte nur etwa 3 cm.

Ich bin zum Schluss mit dem Überlebensanzug ins Becken gestiegen, da sich die ganzen Eisschollen durch die Strömung am unteren Ende gesammelt und verkeilt haben. Einen paar habe ich herausgehoben, einen Teil konnte ich auch unter das Eis drücken. Gar nicht so einfach, im Wasser etwas zu machen, wenn man nichts hat, wo man sich gegenstemmen kann. Und über dem Wasser konnte ich mich nicht festhalten, denn innerhalb weniger Sekunden wären die nassen Neoprenhandschuhe am Eis festgefroren.

Aber irgendwann war das Becken wieder frei, die tief stehende Sonne tauchte alles in warmes, gold-gelbes Licht und die Meisterschaft konnte beginnen.

Die Meisterschaft

59 Schwimmer haben sich angemeldet und die meisten waren auch da und registrierten sich. Trotz der Eiseskälte standen etwa 250 Zuschauer am Ufer und warteten darauf, dass es los ging. Die Taucher besprachen sich mit dem Arzt und dann kamen auch die ersten Schwimmer.

Zuerst kleiden sich alle Schwimmer aus, das soll natürlich schnell gehen, es ist ja kalt. Dann gehen alle Schwimmer ins Wasser. Die Erfahrenen beeilen sich dabei, damit sie sich vor dem Start an die Kälte gewöhnt haben und wieder ruhig atmen können. Beim Startkommando schwimmen alle los – dies ist der einzige Teil, der fast im Schwimmbad stattfinden könnte, wären da nicht die bunten Mützen. Dann steigen alle so schnell wie möglich aus dem Wasser und bekommen Hilfe beim Abtrocknen und Anziehen. Und die ist nötig, denn in den Fingern und Zehen hat man jetzt kein Gefühl mehr. Und – hatte ich erwähnt, dass es saukalt war?

Erst kamen die Herren, dann die Damen und dann der Staffellauf, der wegen der Strömung ausschließlich flussabwärts stattfand. Das hat mit kleinen Pausen etwa zwei Stunden gedauert. Dann kam Anna-Carin und ist 450 Meter auf Zeit geschwommen – allerdings außer Konkurrenz. Sie hat zwei Wochen zuvor Gold mit einer Zeit von 6m59 gewonnen, dieses Mal aber aufgrund der Strömung acht Minuten gebraucht.

Ich finde ja, dass die gewinnen sollten, die am längsten im Wasser waren. (Bei meinem miserablen Brustschwimmen hätte ich bestimmt den ersten Platz gemacht.)

Siegerehrung

Nach einer kurzen Pause kam dann die Siegerehrung. Viele haben Medaillen bekommen, was daran liegt, dass sowohl nach Herren/Damen, als auch nach Altersklassen gruppiert wird. Da konnte es schon einmal geschehen, dass in einer Klasse nur ein Schwimmer teilgenommen hat und dann die Medaille für den ersten Platz überreicht bekam. Dagegen wurde es bei der Ehrung der Teams ein bisschen eng auf dem Siegertreppchen.

Nach der Siegerehrung leerte sich die Veranstaltung schnell. Auch wenn die Temperatur inzwischen auf -26 °C angestiegen war, warm ist anders. Und so endet der Tag wie er angefangen hat, mit einem Blick auf ein Eisschwimmbecken im Skellefteälven.

Einige Impressionen von der Veranstaltung


Eigentlich wollte ich auch schwimmen, aber …

Arctic Ballon Adventure

Einige, die mich schon länger kennen, wissen, dass ich ein großer Ballonfan bin. Seitdem ich in Nordschweden lebe, ist diese Leidenschaft allerdings eine passive geworden: Gesichtete Ballone in Nordschweden bis gestern: 0. Letztes Jahr habe ich es verpasst, doch dieses Jahr habe ich es geschafft, zum Arctic Ballon Adventure in Gällivare nach Lappland zu fahren.

Gestern habe ich mich ins Auto gesetzt und bin hierher nach Gällivare gefahren. Die Autofahrt war ruhig. Sehr ruhig. Temperaturen um 0 °C. Erst zwei Stunden E4, dann zwei Stunden E10. Polarkreis. Zwei Elche. Zwei Rentiere. Dann war ich in Gällivare/Malmberget, der Doppelstadt, die stark durch ihre Gruben geprägt ist. (Malmberget bedeutet Der Erzberg.)

Ich hatte mich die ganze Zeit schon gefragt, wie die Ballonpiloten das machen. Man kann ja nicht mitten im Tiefschnee oder gar im Wald landen, da kriegt man die Ballone so leicht nicht mehr raus. Deswegen geht das hier andersherum: Man startet außerhalb der Stadt und fährt dann mit dem Ballon in Windrichtung (hoffentlich) nach Gällivare und landet dort. Um acht bin ich bei knallblauem Himmel zum Hotel Björnfällan im Skigebiet gefahren, denn dort war um halb neun Pilotenbriefing: Ein guter Tag zum Ballonfahren und Winde aus 290 °C war die Wetterprognose in Kurzform. Bis zum gemeinsamen Start des Autokonvois Richtung Westen um elf hatte ich noch ein bisschen Zeit zum herumschauen. (Auf einen Platz im Korb hatte ich am Sonntag leider keine Chance.)

Um elf wurden dann die Passagiere auf die Piloten aufgeteilt und wir fuhren im Konvoi gefühlte drei Stunden etwa zwanzig Kilometer Richtung Westen. (Das ist zwischen Allavaara und Latnivaara, sprich mitten im großen Nichts). Da links und rechts Wald war, musste auf der Straße gestartet werden. Es war gar nicht so leicht, die Autos so zu verteilen, dass jeder genug Platz zum Aufbau hatte.

Ich will nicht groß darüber schreiben, wie Heißluftballone starten. Es gibt genug davon in Deutschland, schaut selber mal bei einem Start zu. Statt viel Text (ich bin müde) zeige ich lieber einige Bilder.

Zugegebenermaßen war das Fotografieren ziemlich schwer. Ein Ballon steht hinter dem anderen, man kriegt nicht diese typisch-schönen Aufnahmen mit vielen bunten Hüllen am Boden und dann als eigentlich alle Ballone gestartet waren, hat der letzte mit dem Aufbau begonnen und alle Autos dahinter – so auch meines – mussten warten. Bei der Fahrt zurück sah ich dann nur noch bunte Punkte im Winterhimmel und von irgendeiner Landung habe ich gar nichts mitbekommen. Bloß dass so mancher Ballon Gällivare verpasst hat, konnte ich sehen. Wer fliegt mich das nächste mal mit dem Hubschrauber umher?

Das Arctic Ballon Adventure geht noch einige Tage und ich versuche wohl, für Mittwoch noch eine Mitfahrt zu bekommen, denn da soll es nach zwei wolkigen Tagen wieder schön werden. Meint zumindest das Internet. Und das hat ja immer recht, wie wir alle wissen.

Skitour auf den Dundret

Da auch heute alle Ballonplätze ausgebucht waren und es auch etwas bewölkt war, bin ich direkt nach dem Pilotenbriefing zu einem Parkplatz gefahren, habe meinen Rucksack gepackt, meine Skier untergeschnallt und bin auf den Dundret gelaufen.

von außen

Anfangs lief ich auf einem perfekt präparierten, sechs Meter breiten Weg. Das war fast ein bisschen langweilig. Doch nach einiger Zeit kam ein Abzweig zu einem kleineren Weg, der zu einer Hütte führte. Oberhalb der Hütte führte der Weg weiter und schon bald war ich über der Baumgrenze.

Wenig höher war ich auf der Hochebene des Dundret angelangt. Hier wachsen nur noch wenige kleine Bäumchen, die jetzt im Winter dick mit Schnee und Reif eingepackt sind.

Bis auf die kleinen aber auffälligen Bäume prägen Holzkreuze, die als Wegmarkierungen dienen, das Gelände. Der Rest ist Schnee.

Schnee, der vom Wind in Strukturen gepresst wurde und lockerer Schnee, der im Wind über die Ebene geblasen wird.

Ich laufe geradeaus, bis ich am Südende der Ebene ankomme. Es bewölkt sich und um die Sonne scheint ein Halo. Links in der Ferne sieht man einige weiße Gebäude.

Ich schwenke neugierig nach links und nähere mich den Hütten. Jedes Gebäude ist dick mit Eis und Schnee bepackt.

Inzwischen waren auch südlich des Dundret einige Ballone gestartet. Doch kaum waren sie in der Luft wurde das Wetter schlagartig schlechter, denn Wolken trieben über die Hochebene. Wenn es neblig wird, weiß man die Wegmarkierungen zu schätzen.

Doch in den Wolkenlücken konnte ich ab und zu ein paar der Heißlüfter erblicken

Ich hatte leider keine Karte dabei, aber mit den Wegmarkierungen, GPS mit Ersatzbatterien, Kompaß und Handy, ebenfalls mit Karte und GPS fühlte ich mich sicher genug, noch ein bisschen oben zu bleiben. Zwei dicke Paar Wollhandschuhe hielten meine Finger warm, in den Pausen auch die Daunenjacke, Studentenfutter hatte ich auch, nur Tee hatte ich leider nicht dabei und das Wasser, was ich dabei hatte, war zum Schluss mit Eiskristallen durchmischt.

Da man von den Ballonen nicht wirklich viel gesehen hat, habe ich mich dann aber bald auf den Rückweg gemacht (Zur Orientierung reichte die Sonne völlig aus, sie war noch nicht ganz in den Wolken verschwunden).

Auf dem Rückweg musste ich dann sehen, wie ich den Berg wieder herunterkomme. Ich bin kein toller Skiläufer und der Schnee war hart und damit schnell. Aber mit ein bisschen hin- und her fahren und einigen Bremsmanövern war ich bald wieder auf der breiten, schneebedeckten Straße angelangt. Die war zum Anfang noch recht steil und ich habe größere Teile der Strecke gebremst. Zum Schluss wurde es aber flacher und dann konnte ich die Ski einfach laufen lassen, mich ab und zu mit den Stöcken abstoßen, bis ich mit dem letzten Schwung am Kofferraum meines Autos zum Stehen kam.

von innen

Alles ist Reduktion: Man sieht Himmel, Schnee, Eis, weite Flächen und vom Wind geschaffene Strukturen und Texturen. Ohne die Landmarken, wie beispielsweise die typischen Holzkreuze, hätte man kein Gespür mehr für Entfernungen. Überall liegt Schnee, das Auge kommt zur Ruhe.

Dann der Klang. Auch hier: Reduktion. Man hört deutlich den Wind, der ab und zu an der Kapuze pfeift. Setzt man die Kapuze ab, so kann man das leise, kristallklare Rascheln des Schnees, der über die Ebene getrieben wird, hören. Aber wer setzt bei dem Wind schon die Kapuze ab. Der Wind bläst, das Ohr kommt zur Ruhe.

Dann die Bewegung. Man macht einen Schritt, noch einen, noch einen. Entweder von Holzkreuz zu Holzkreuz oder einfach quer über die weiten Schneeflächen. Schritt für Schritt. Die Bewegung hat etwas Ruhiges und Meditatives. Schritt für Schritt, der Körper kommt zur Ruhe.

Man ist eins mit der Winterlandschaft, eins mit sich selbst. Man kümmert sich nur um das, was hier und jetzt wichtig ist. Orientierung. Essen. Warm bleiben. Alles andere existiert nicht mehr. Die Gedanken kommen zur Ruhe.

Die Seele jubelt, sie möchte schreien vor Glück. Doch auch sie – überall Schnee, der Wind bläst, Schritt für Schritt, Einssein – reduziert sich und kommt schließlich zur Ruhe.


Ich bin kein Eremit, der zwanzig Jahre in den Bergen meditiert. Und ich bin auch gerne wieder mit dem Auto zur momentanen Wohnung gefahren, habe gegessen und einen kleinen Mittagsschlaf gehalten. Doch wenn ich leise horche, so bin ich wieder oben auf dem Fjäll. Und komme zur Ruhe.

Ballone über dem See

Auch heute sind wieder acht Ballone gestartet. Allerdings waren die Winde mal wieder anders als vorhergesagt und so schwebten alle Ballone am angepeilten Startplatz, an dem ich stand, vorbei. Zwei Ballone sind direkt auf der E45 gelandet, einer auf einem Skooterweg, von den anderen weiß ich es nicht.

Solberget

Wenn man von Gällivare nach Solberget möchte, nimmt man am Besten den Nattavaaravägen. Nach 50 Kilometern links abbiegen, nach sechs Kilometern rechts. Dann noch elf Kilometer fahren und man ist da.

Solberget, ein Wildnisdorf in Lappland, ist nicht ganz unschuldig daran, dass ich in Nordschweden gelandet bin. 2005 war ich das erste Mal hier, unter anderem, um am Kurs „Erste Hilfe Outdoor“ teilzunehmen. Seitdem war ich dort fast jeden Winter.

Ich mag nicht nur die hügelig-bergige Wald- und Moorlandschaft, die Solberget umgibt und in der man im Winter so schöne Skitouren unternehmen kann, sondern auch die gemütlichen Unterkünfte auf dem Hof, die man mit Holz heizt und mit Petroleumlampen beleuchtet. Denn Solberget ist nicht ans Stromnetz angeschlossen und auch das Wasser holt man von der Quelle oder aus dem Brunnen. Inzwischen komme ich allerdings nicht mehr als Tourist, sondern hauptsächlich, um Dirk und Silke, die Solberget betreiben, zu besuchen. Wer mehr über Solberget und die vielen Sommer- und Winteraktivitäten erfahren möchte, schaut am Besten direkt auf die Website www.solberget.com.

Am Donnerstag war recht trübes Wetter. Ich bin auf Skiern auf den Solberget gelaufen. (Solberget bedeutet „Der Sonnenberg“ und sowohl der Hof als auch der benachbarte, flache Berg heißen so.) Dort gibt es einen Turm, von dem man eine weiter Aussicht hat und eine gemütliche Berghütte, in der man mit vier Personen übernachten kann.

Jeder Gast auf Solberget bekommt im Winter Tegsnäs-Ski. Das sind breite und über zwei Meter lange Holzski, die auf dem lockeren Pulverschnee sehr gut tragen. Sie haben eine Universalbindung, so dass man sie mit jedem Stiefel benutzen kann.

Ich hatte dieses Mal aber meine eigenen schmaleren Fjällski dabei und diese benutzt, weil ich neugierig war, wie sie sich in diesem Gelände so machen. Auf dem Weg nach oben zum Solberget stand ich auch so manches Mal bis zum Knie im Schnee. Auf der Fahrt nach unten habe ich mich aber über die Beweglichkeit der Fjällski gefreut.


Am nächsten Tag war schönes Wetter und ich bin zu den ausgedehnten Moorgebieten gelaufen. Dieses Jahr war der Winter sehr warm und es gab so manche Stelle mit offenem Wasser. Hier wären die Tegsnäs definitiv die bessere Wahl gewesen, denn an einer Stelle stand ich plötzlich bis zur Hüfte im Schnee und meine Skier auf dem nassen Moorboden. Da durfte ich danach erst einmal Eis kratzen, damit ich weiterlaufen konnte.

Hier ein paar Bilder von der kleinen Tour:

Gestern am Samstag bin ich wieder nach Hause gefahren. Ich hätte gerne noch Bekannte auf dem Weg besucht, doch der Schwedische Wetterdienst hatte eine Wetterwarnung Stufe 2 wegen starker Schneefälle und starkem Wind ausgerufen. Deswegen bin ich direkt nach dem Frühstück aufgebrochen und auch wenn es noch nicht geschneit hat, so war die Rückfahrt bei dem starken und böigen Wind recht anstrengend. Jetzt beruhigt sich das Wetter allerdings ein wenig und die bis zu 30 cm Schnee mit starken Verwehungen werden Skelleftehamn wohl nicht treffen.

Danke, Silke und Dirk, für Eure Gastfreundschaft. War wieder schön bei Euch.

Noch ein Wort an die drei Elche von gestern: Das sah schön aus, wie ihr in einer Reihe durch den Schnee gelaufen seid. Aber warum bitteschön an der Hauptstraße, wo ich nicht bremsen kann, um auch endlich mal ein Elchfoto zu machen.

Und noch ein Wort an die vielen Rentiere auf der Straße: Danke fürs Vorbeilassen, aber was knabbert ihr eigentlich so gerne an dem vereistem Straßenboden herum? Sind Euch die Flechten zu langweilig geworden?

Kein Schneesturm

Der Schwedischen Wetterdienst warnte vor heftigen Schneefällen und Winden, die für Schneeverwehungen sorgen sollen. Es kam wesentlich weniger Schnee herunter, als angekündigt, aber windig war es tatsächlich. Sowohl im Garten hatte ich einige Schneewehen (die Schuppentüren rechts hatte ich am Vorabend noch freigeräumt), als auch auf den Bahnschienen der Güterbahn.

Überraschender war für mich, dass der starke, böige Wind das gesamte Ostseeeis aufgebrochen hat und ich bis zum Horizont auf offenes Wasser schauen konnte. Das wird wohl dauern, wenn es diesen Winter überhaupt noch klappt, bis ich Skitouren zu den anderen Inseln machen kann.

Solberget hingegen, wo ich am Vortag noch war, hat wohl einiges an Schnee abbekommen („Heute war eigentlich nur Schneeschippen angesagt, nach dem verheerenden Schneesturm von gestern nacht. Und auch heute nacht sollen noch mal 10-20cm Neuschnee kommen…..mit Wind und Sturm.“). Nun weiß ich nicht, ob es gut war, dass ich am Samstag früh zurückgefahren bin oder ob ich einfach hätte bleiben und mich und das Auto gemütlich auf Solberget hätte einschneien lassen sollen …

Mein Garten

In meinem Garten liegt Schnee. Gerade so viel, dass die Spitzen des Zauns noch eine Chance haben, herauszuschauen. Die Wäschespinne des Nachbarn stakt hervor, aber nur ein kleiner Schneebuckel verrät die Stelle, wo ich im Herbst den großen Busch zurückgeschnitten habe. Dazu fällt leichter Schnee vom Himmel und ab und zu kommt eine Bö und wirbelt das Ganze zu einer großen weiße Schneestaubwolke auf. Winter.

Heute = warm

Am ersten März ist für die Meteorologen Frühlingsanfang. Das wusste auch das Wetter und hat uns einen außergewöhnlich warmen Tag mit leichten Regenschauern beschert. In Skelleftehamn waren es gut acht Grad, in der Stadt wohl noch etwas wärmer und dieses Wetter hat die wunderbare, weiße Schneelandschaft in ein schmutziges Etwas verwandelt. Wasser tropft auf rutschige Eisflächen und matschig-weicher Schnee grenzt an riesige Pfützenlandschaften voll mit trübem Wasser. Und alles bekommt dieses spezielle Braun, das man sonst nur erhält, wenn eine ganze Schulklasse ihre Tuschpinsel in dem gleichen kleinen Glas Wasser auswäscht.

Von vielen Dächern ist der Schnee heruntergerutscht. Ich habe das gestern mitbekommen: Ein Geräusch ließ mich aufspringen und ich konnte mit ansehen, wie der gesamte Schnee vom Dach des Nachbarhauses ins Rutschen kam und unter mittelgroßem Getöse einen meterhohen Schneewall aufschüttete. So funktioniert also eine Nassschneelawine. Da möchte ich nicht drunterstehen, denn der Schnee ist klatschnass und sackschwer.

In der Stadt wird jetzt so manches Hausdach vom Eis befreit. Denn auf manchem schlecht isolierten Dach liegt eine bis zu zwanzig Zentimeter dicke Eisschicht, und wenn einem die aus dem vierten Stock auf dem Kopf knallt, dann gute Nacht.

Versteht mich nicht falsch, auch wenn ich Winterfan bin, so mag ich den Frühling. Aber nicht am ersten März, wenn übermorgen die Temperaturen wieder in den deutlichen Frostbereich fallen sollen.

Ekelwetter

Auf dem Weg vom Winter in den Frühling kann man entweder herrlichen blauen Himmel haben und eine Sonne, die den weißen Schnee bescheint und den Körper wärmt. Wie letzten Samstag zum Beispiel.

Oder man kann einen dicken grauen Wolkenbrei über sich haben, aus dem bei einem Grad Plus öder Sprühregen auf einen fällt und der böige Wind einen frösteln lässt.

So ein Tag war heute. Die Busscheiben sind mit unzähligen kleinen Matschspritzern bedeckt und auf den Straßen liegt ein Gemisch aus buckeligem Eis, flachen Pfützen und Kies.

Nun hoffe ich, dass zwei Vorhersagen für den Abend stimmen:

  • Wolkenfreier Himmel, zumindest für zwei Stunden
  • Aktive Nordlichter

Denn die Polarlichtvorhersage aus Alaska sagt für heute „Extreme+“ voraus, und so eine hohe Stufe habe ich noch nie erlebt. Ich bin gespannt …

Die beiden Fotos oben habe ich mit meinem neuen iPhone gemacht und dafür, wie klein das Teil ist, macht sich die Kamera wirklich gut.

Schneeschuhtour

Heute habe ich das schöne Wetter genutzt, um meine nächsten Nachbarn zu besuchen. Also habe ich meinen Rucksack gepackt, die Schneeschuhe untergeschnallt, und los gings.

Der Wald sieht jetzt trotz des Schnees schon ein bisschen nach Frühling aus. Um manche Baumstämme herum ist der Schnee schon weggetaut und man sieht den nadelbedeckten Waldboden. An anderen Stellen steht man aber manchmal trotz der Schneeschuhe bis zu den Knien im Schnee, vor allem wenn man nicht auf den Skooterspuren läuft.

Ich war bald an dem kleinen Bootshafen, der Tjuvkistan heißt. Das heißt auf deutsch Diebessarg und klingt sehr nach alten Seeräubergeschichten. Während man links und rechts schon offenes Meer sehen konnte, lag geradeaus zwischen Bootshafen und der Insel Bredskär noch dickes Eis, so dass man gefahrlos zur Insel herüberlaufen konnte. Am rechten Horizont sah man auch die Insel Gåsören mit ihrem Leuchtturm, die ich letzten Samstag mit dem Kajak umrundet habe.

Die Sonne wärmte nicht nur, sondern tauchte alles auf dem weißen und dem blanken Eis in gleißend helles Licht. Gut, dass ich meine Sonnenbrille dabei hatte. Bald war ich am Ufer der Insel Bredskär, wo meine Nachbarn mich zur Fika eingeladen haben – Kaffee und Kanelbullar.

Nun sollte ich vielleicht die Einleitung ein bisschen zurecht rücken: Natürlich brauche ich normalerweise keine Schneeschuhe, um meine Nachbarn zu besuchen, denn sie wohnen in der gleichen Straße direkt nebenan. Dieses Wochenende waren sie aber mit dem Schneeskooter zu ihrer Stuga – dem Freizeithaus – gefahren und dort habe ich sie besucht.

Nach der Fika habe ich dann die Insel Bredskär und die verbundene Nachbarinsel Norrskär auf dem Land umrundet und an der Eiskante habe ich mich über die bis dahin eher überflüssigen Schneeschuhe sehr gefreut, denn vor allem auf den zu blanken Eis gefrorenen Eisformationen hatte man mit den Harscheisen guten Halt. Ohne hätte ich dort kaum laufen können.

Dort, an der Uferkante, stoßen zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite das klare, blaue Meer, welches schon nach Frühling aussieht und die Vorfreude auf den schwedischen Sommer erhöht.

Auf der anderen Seite die zerfurchte Eiskante, die einem klar zeigt, dass der schwedische Winter noch nicht vorbei ist.

Gerade als ich umkehren wollte, bewölkte sich der Himmel und es briste auf. Ich bin noch gemütlich zurück gelaufen, und eine halbe Stunde, nachdem ich angekommen bin, kam ein ziemlich nasser Schneeschauer herunter.

Fazit: Eine schöne Vierstundenrunde mit vielen Eindrücken und Fika. Danke an Lena und Staffan für die Einladung zur Fika!

Schlitterpartie

Seit längerer Zeit benötige ich zu Fuß doppelt so viel Zeit zur Bushaltestelle wie gewöhnlich. Es ist einfach nur sauglatt. In Deutschland wären vermutlich die Schulen seit Wochen wegen Glatteis geschlossen oder große Kipplader würden tonnenweise Salz abladen.

Hier wartet die Kommune einfach mal ab – sind ja nur Nebenstraßen. Irgendwo da draußen in Skelleftehamn.

Die Sámi haben über 100 Worte für Schnee; ich hingegen beginne einen großen Wortschatz für vereiste Straßenbeläge zu entwickeln. Da gibt es zum Beispiel:

ochjag Milchiges Eis mit glatter Oberfläche recht glatt, oft große Flächen
såfanns Eis mit losem Rollsplit obenauf recht gut begehbar
attnär Eis mit halb festgefrorenem Rollsplit sehr rutschfest, aber selten
vaddu Eis mit eingeschmolzenem Rollsplit häufig anzutreffen, glatt
salotta Buckeliges glattes Eis schwer begehbar
domser Eisschicht mit tiefen Löchern trocken, wassergefüllt oder vibara
vibara Dünnes Eis mit tiefer Wasserpfütze darunter nur mit Gummistiefeln
dåsa Tiefe Reifenspuren im gefrorenen Schneematsch Stoßdämpferkiller
föratt Nasses, blankes Eis sehr glatt!
honfår Nasses, glattes Eis am Hang fast unpassierbar

Zugegeben, die Namen sind alle erfunden*, aber alle Straßenbeläge bis auf honfår habe ich gestern und heute selber erlebt.

Vor allem das tiefe dåsa in unserer Straße ließ mich noch heute morgen wünschen, einen Jeep oder Monstertruck gekauft zu haben, aber – oh Überrraschung – heute Abend war unsere Straße freigefräst. Also hat die Kommune doch beschlossen, die Wege wieder begehbar zu machen, eh Mitte Mai ist. Allerdings habe ich gerade vom Nachbarn gehört, dass er und ein anderer Nachbar die Kommune angerufen haben, damit die Wege freigeräumt werden.


* Ich habe ein Buch genommen, eine Seite aufgeschlagen und das zweite und dritte Wort zusammengeklebt. Wenn es zu lang war, habe ich eine neue Seite aufgeschlagen. Die von Euch, die Schwedisch können, bekommen jetzt ein schwieriges Rätsel zu lösen: Welches schwedische Buch habe ich verwendet?

Ruhiges Wochenende

Wenn es wie jetzt am Wochenende draußen sonnig und schön ist, so hat man die Wahl: (1) Über das Eis zur Insel Bredskär laufen – (2) mit dem Kajak auf der Ostsee paddeln – (3) Im Wald Skilaufen – (4) an der noch vereisten Küste entlang kraxeln. Ich habe dieses Wochenende (5) gewählt und war intensiv mit Faulsein beschäftigt.

Gestern habe ich vormittags im Wintergarten, den die Märzsonne auf 20 °C geheizt hat, gesessen und ausgiebig gefrühstückt. Dann habe ich draußen auf der schneegeräumten Holzterrasse gesessen und nach langer Zeit mal wieder „Kalle Anka“ (Donald Duck) gelesen. Danach habe ich einen Spaziergang an der Küste gemacht und gesehen, wie der auffrischende Wind wieder Eisschollen auf die offene See getrieben hat. Auf dem einen großen Kieshaufen hält sich noch hartnäckig Schnee unter dem „Gipfel“ und spielt Gletscher.

Heute habe ich bei Nachbarn im Schnee im Garten gesessen und wir haben über offenem Feuer Würstchen gegrillt und die Sonne genossen – überhaupt sitzt jetzt so mancher mit geschlossenen Augen auf seiner Terrasse und tankt Licht und Wärme.

Der Weg zu meinem Haus ist größtenteils blankes Eis und jeden Tag haue ich einen Teil des Eises mit der Axt weg. Dabei trage ich eine Skibrille, weil man jede Menge Eis ins Gesicht bekommt. Also ein bisschen produktiv war ich doch. Mal so kurz zwischendurch.

Aber das meiste Eis ist schon weg. Und irgendwann werden auch das Eis und die großen, halb gefrorenen Pfützen von der Straße verschwunden sein und ich kann mich für (6) entscheiden. Eine Fahrradtour in den Frühling.


Für Fotointeressierte. Die beiden Aufnahmen oben habe ich mit dem neuen iPhone gemacht: Vorteil: es ist leicht, klein und immer dabei. Nachteil: sobald ein Bild kontrastreich ist (so zum Beispiel der dunkle Kieshaufen vor dem hellen Himmel), so muss man viel mehr tricksen, um ein halbwegs akzeptables Photo zu erhalten. Bei diesem Bild sieht man ganz gut, wie flau der aufgehellte Kies wirkt und wie das Blau des Himmels auf der rechten Seite ins Cyan übersteuert. Bei solchen harten Kontrasten stößt die iPhone-Kamera ganz schnell an ihre Grenzen.

Ideal wäre dort eine kleine, kompakte Kamera mit gutem Sensor und RAW-Format. Aber dazu ist mir momentan das Geld zu schade. Wer noch eine Fujifilm X10 oder X100 übrig hat, der darf sie mir gerne schicken …

Neuschnee zur Sommerzeit

Pünktlich zur Zeitumstellung haben Wolken 7 cm Neuschnee über Skelleftehamn abgeladen und aus dem trübgrauen Einerlei wurde wieder eine weiße Winterlandschaft.

Mir ist das hiesige Wetter aber relativ egal, da ich gleich erst nach Solberget und morgen weiter nach Kiruna fahre. Die Vorhersagen sehen momentan mäßig aus, aber gerade in der Nähe des Fjälls kann sich das schnell ändern.

Der April, macht was er will.

Heute bin ich das erste Mal wieder Fahrrad gefahren, wenn auch nur in Skelleftehamn. Die Straßen sind frei, der Himmel blau und sogar die erste Ameise habe ich herumkrabbeln sehen.

Als ich wieder zu Hause war, lese ich im neuesten Artikel von Lussekatt – sie lebt in Südschweden – dass sie heute Schneesturm hatten, wenn auch nur kurz. Ha, dachte ich, da haben wir aber mehr Frühling hier oben. Eine viertel Stunde später sah es dann so bei uns aus:

Dicker Schnee fegte von Westen herbei und überschüttete mich und meine Kamera mit großen weißen Flocken. Nach zehn Minuten war alles vorbei, aber auch alles wieder weiß.

Jetzt ist ein großer Teil des Himmels wieder wolkenlos, die Sonne scheint, aber aus irgendeiner Wolke schneit es noch immer, wenn auch nur sanft und leicht.

Die Singschwäne sind da

Heute bin ich zur nahen Bucht Harrbäckssand gefahren. Ich war neugierig, ob die Bucht noch eisbedeckt ist. Aber nur am Ufer waren noch einige Meter Eis, der größte Teil der Bucht war offen.

Das hat die Singschwäne gefreut, die nach ihrer Überwinterung in Mitteleuropa wieder in den Norden gezogen sind und jetzt offenes Wasser suchen. Knapp dreißig dieser Vögel, die ein wenig kleiner als der in Deutschland heimische Höckerschwan sind, schwammen auf dem Wasser und gründelten nach Nahrung.

Wenn sie sich ungestört fühlen, machen sie ziemlichen Lärm (Ich hätte diese Schwäne eher Trötschwäne genannt, aber nun ja). Leider sind die Vögel recht scheu und fliehen vor dem Menschen, daher war das Fotografieren trotz des Teleobjektivs nicht so leicht.


Diese Woche war das Wetter recht wechselhaft. Morgens war es meistens klar und mit Frühtemperaturen um -10 °C so kalt, dass sich in geschützten Lagen der Meeresbuchten wieder eine dünne Neueisdecke bilden konnte. Tagsüber gab es meistens blauen Himmel und obwohl die Temperaturen nur knapp über null steigen, hat die Sonne schon viel Kraft. Man sollte sich bloß nicht darauf verlassen, denn der nächste kleine und heftige Schneeschauer lauerte so manches Mal am Horizont und das, was die Sonne an Schnee weggeschmolzen hat, fiel wieder neu vom Himmel. Abends hingegen wurde es meistens wieder klar und der Vollmond strahlte über der ruhigen Ostsee.

Vier Bildpaare

Heute hat den ganzen Tag die Sonne geschienen und es war überraschend warm. Als ich nach Hause gekommen bin, habe ich meine Gummistiefel angezogen und einen Spaziergang gemacht.

Wald

Auf den Skooterspuren liegt noch ein bisschen Eis und Schnee, aber die südwärts gerichteten Felsen sind schon schneefrei und werden von warmen Licht der Nachmittagssonne angestrahlt.

Schlamm

Die Wärme hat den Boden aufgeweicht und meine Stiefel hinterließen eine tiefe Schlammspur. Auf dem Rückweg wurde es ein bisschen kühler und die ersten Eisnadeln wuchsen auf den Pfützen.

Bagger

Weiter hinten werden Steine weiterverarbeitet. Die von der Abendsonne stehende Baggerschaufel hat es mir angetan. Abstrakte Muster und Strukturen.

Meer

Von dem Erd- und Steinhaufen hatte man einen schönen Blick auf die Halbinsel Näsgrundet und die Insel Gåsören dahinter. Den Bootsanleger habe ich kurz vorher von „unten“ fotografiert.

Mein heutiger Dank geht an die französische Firma Aigle, von denen ich seit fast sechs Jahren ein und dasselbe Paar Gummistiefel trage. Sie sind bequem, extrem robust und – heute sehr praktisch – sehr leicht zu reinigen und zu trocknen.