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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Lerneffekte

Heute Morgen habe ich gelernt, dass Eisblumen auch auf meiner Holztreppe gedeihen, wenn es feuchtkalt ist. Ob da die Schweden ihre schönen Tapetenmuster herhaben? Leider hatte ich nur zwei Minuten für ein paar Schnappschüsse ohne Stativ, denn ich wollte meinen Bus nicht verpassen.

Heute Abend habe ich gelernt, dass es nichts heißt, wenn der Schnee vom Sonntag wieder weggetaut ist. Um sieben begann es in dicken Flocken zu schneien und jetzt ist schon wieder alles weiß. Innerhalb von drei Stunden sind so etwa fünf Zentimeter Schnee gefallen und die Terrasse, die Straße, die Autos, die Dächer sind wieder schneebedeckt. Nachtrag: Der nächste Morgen – ca. 15 cm Schnee sind gefallen und es schneit weiterhin. Das zweite Schwarzweißfoto zeigt die Treppe zum Haus. Die gleiche Stelle übrigens, an der ich am Vortag die Holzeisblumen fotografiert habe.

Aber ich habe auch gelernt, dass die Fotos, die in Farbe die ganze Szenerie im orangen Licht der Neonlampen zeigen in schwarzweiß viel schöner aussehen.

Was sagt denn das Wetter bei Euch? Noch Winter, schon Frühling oder auch mittendrin?

Frühlingstag

Ist es wirklich erst eine Woche her, dass zwanzig Zentimeter Neuschnee gefallen sind und hier alles winterlich tief verschneit war? Der kleine Hund beim Gassi gehen kaum über den Schnee schauen konnte? Ich beim Fotografieren aufpassen musste, dass mein Objektiv nicht zuschneit?

Kaum zu glauben! Denn heute war es sonnig und mit 13 °C wirklich überraschend warm. Ich habe die ersten Blumen, die ersten Schmetterlinge, die ersten Menschen mit kurzen Hosen gesehen. Und viele saßen draußen und genossen Licht und Wärme. Auch wir haben nach dem Mittagessen einen kleinen Umweg gemacht und sind ein kleines Stück am Fluss entlang gelaufen.

Die meisten von uns haben heute um halb vier den Arbeitstag beendet, zu groß war die Verlockung, das schöne, warme Frühlingswetter zu geniessen. Ich habe mir zu Hause das Fahrrad geschnappt und bin ein bisschen herumgefahren. Zur Insel Storgrundet kann man jetzt herüber rudern und das restliche Eis hat sich vom Ufer gelöst und treibt nach Osten. In der Sonne war es so warm, dass ich die meiste Zeit im T-Shirt gefahren bin. Im Schatten merkte man allerdings, dass es gegen Abend wieder kühler wurde.

Es erstaunt mich jedes Mal wieder, wie schnell die Jahreszeiten hier wechseln können. Und ich freue mich, dass der Frühling da ist, selbst wenn es morgen wieder grau und kälter werden soll.

Zu Wasser und zu Lande

Während München heute mit Temperaturen von über 30 °C einen neuen Temperaturrekord für April aufgestellt hat, bin ich heute zwischen Eisschollen Kajak gefahren. Das heißt nicht, dass es hier wirklich kalt war, wir hatten heute mittag auch immerhin etwa 15 °C, aber der Wind hat – woher auch immer – wieder Eis in die Bucht geblasen.

Ich war ziemlich früh wach – Sonnenaufgang war ja schon um zehn nach vier – und war neugierig, ob man mit dem Kajak durch die Eisschollen zum offenen Wasser paddeln kann. Es ging, hat aber einige Zeit beansprucht. Da auch die geschützt liegenden kleinen freien Flächen zwischen den dicken Schollen einige Millimeter dick zugefroren waren, knirschte das Boot mit jedem Paddelschlag. Das neue Eis war immerhin dick genug, um das Paddel darauf abzulegen, aber leicht mit dem Kajak zu brechen. An manchen Stellen war es schwieriger, zwischen dem Eis durchzukommen. Manchmal half einfach Anlauf, um das Boot zwischen zwei Schollen zu bugsieren, manchmal habe ich mit den Händen kleinere Schollen weggedrückt oder mich am Eis entlang gehangelt. Nach einiger Zeit war ich dann tatsächlich auf dem offenen Wasser, aber schon so ausgepowert (Hallo Kondition, wo bist Du?), dass ich nur eine kleine Runde gedreht habe. Der Rückweg war einfacher, denn meine kleine Fahrtrinne war noch frei.

Ich hatte ohnehin meinen wasserdichten Anzug an, also habe ich der Neugier, ob man auch zu Fuß laufen kann nachgegeben. Ich musste ein paar Meter durch knietiefes Wasser waten, dann konnte ich auf das Eis steigen. Die großen Stücke halten einen locker und wackeln keinen Millimeter, wenn man auf ihnen läuft. Die kleinen Schollen hingegen sinken unter die Wasseroberfläche und es ist schwer, das Gleichgewicht zu halten. Schnell war allerdings der kurze Weg über das Eis zu Ende und ich bin zurückgelaufen. Die eine Eiszunge, die mich auf dem Hinweg getragen hat, ist allerdings auf dem Rückweg abgebrochen und ich stand im Wasser, welches dort allerdings nur hüfttief ist.

Nach einem warmen, sonnigen Tag hat sich der Himmel jetzt am Nachmittag zugezogen und es pladdert. Ich finde das allerdings schön, denn erstens muss ich heute nicht mehr raus und zweitens kann man wirklich zusehen, wie der Pladderregen den Schnee wegfrisst. Fast die Hälfte des Gartens hinterm Haus ist schon schneefrei und da lag vorgestern noch einiges.

Valborgsmässoafton

Gestern habe ich den Valborgsmässoafton – die schwedische Version der Walpurgisnacht – mit einigen Freunden in Kusfors im Café Ångloket verbracht.

Ich wusste, dass überall im Land große Feuer angezündet werden. Ich wusste aber nicht, wie existentiell es ist, große Stückchen Falukorv – eine schwedische Wurst – aufzuspießen und über dem Feuer zu grillen. Das Geschmackserlebnis hält sich in Grenzen, aber am Feuer sitzen und irgendwas hineinhalten macht ja immer Spaß.

Nichts mit Valborg zu tun hingegen hatte die Tipspromenad. An verschiedenen Bäumen kleben Zettel mit einer Frage und drei Antwortmöglichkeiten. Die richtige Antwort muss man auf seinem „Kontrollkupong“ ankreuzen. Ich wusste fast keine Frage, da mir dazu mehrere Jahrzehnte schwedischer Fernsehkonsum fehlten und ich habe mich an gewisse Klassenarbeiten zurückerinnert, als ich wild ratend 1, X oder 2 angekreuzt habe. (Warum das nicht 1–2–3 oder A–B–C, sondern 1–X–2 ist, weiß ich auch nicht).

Um halb elf, als es schon recht dunkel war, gab es dann ein richtiges professionelles Feuerwerk. Danach leerte sich das Café recht schnell und ich habe noch ein bisschen mit aufgeräumt, ehe wir den Abend in kleiner Runde bei Lasse und Martine fortgesetzt haben.

Besuch

Vor einigen Tagen ist Jan, mein großer Bruder zu Besuch gekommen. Er ist zum ersten Mal hier und ich habe für die Zeit Urlaub genommen, damit wir gemeinsam die für ihn unbekannte Umgebung erkunden können. Und auch entdecke so manches Neues.

I. Wintereinbruch

Am Samstag wurden wir von einem neuen Wintereinbruch überrascht. Wieder einmal kamen Unmengen vom Wasser vom Himmel – teils als Regen, teils als Schnee – die den Wald und dessen Wege in weite Seenlandschaften verwandelt haben. Auf dem Weg lag teilweise noch dicker Altschnee, der aber so tief vom Wasser unterspült war, dass wir an der fotografierten Stelle umgekehrt sind.

Am Nachmittag war das Gras, welches sich nach dem Winter langsam aufrichtet, wieder mit nassem Schnee bedeckt. Aber das war nichts im Vergleich zu Lappland, wo ein Schneesturm zwanzig Zentimeter Neuschnee und Schneeverwehungen brachte. Anfang Mai!

II. Strandpromenade

Am Sonntag waren wir in Byske am Strand. Dort gibt es eine etwas größere Bucht mit Sandstrand, die jetzt auch fast nach Sommer aussehen könnte. Wenn nicht im Windschatten der kleinen Sandhaufen noch Schnee vom Samstag kleben würde. Sich nicht noch Eisschichten unter dem Sand verbergen würden. Und – die Wetterprognose versprach blauen Himmel – es nicht einige sehr nasse, windige Regenschauer gegeben hätte. Aber schön war es trotzdem und am Strand liegen finde ich eh total langweilig.

III. Wasserwandern

Gestern wollten wir nach Bjuröklubb, einer sehr schönen Halbinsel, die südlich von Bureå in die Ostsee ragt. Da Jans Wanderstiefel kaputt gegangen waren, hatten wir die Gummistiefel dabei, die ich ihm als Ersatz geliehen hatte. Zum Glück, wie sich noch herausstellen sollte.

Am Burberget, einer Anhöhe mit Skihang haben wir Zwischenhalt gemacht, denn dort hat man einen sehr schönen Blick auf die ganze Umgebung. Und dieses Mal hatte die Vorhersage mit dem blauen Himmel auch recht. Hier haben wir den Entschluss gefasst, hinunter ans Meer zu laufen. Am Wasser sind wir einen Weg, der zu den Sommerhäusern am Meer führt, weitergelaufen. Ich habe auf der Karte auf dem Handy entdeckt, dass es einen kleinen Weg zurück zum Skihang gibt, so dass wir einfach einen großen Bogen laufen können.

Kurz vor dem Abzweig haben wir den Weg verlassen und sind ein Stück über die glattgeschliffenen Felsen gelaufen. Ich mag diese Landschaft sehr, auch wenn ich dort nicht Baum sein möchte. Die Kiefern krallen sich in irgendwelchen Ritzen fest, wachsen dann mit ihren flachen Wurzeln auf dem nackten Stein weiter und so manche wird irgendwann vom Sturm umgeworfen.

Der Weg entpuppte sich eher als theoretisches Konstrukt. An manchen Stellen lag noch eine dicke Schneedecke, dort war es einfach. Aber an vielen Stellen war der Weg überflutet und manches Mal reichten selbst die hohen Gummistiefel kaum aus, um trockenen Fußes weiterzukommen, zumal der Boden unter den tiefen Pfützen an einigen Stellen weich und schlammig war. Aber nach zwei Kilometer Wasser waten und Schnee rutschen sind wir tatsächlich wieder zum Skihang zurückgekommen. Eine schöne, wenn auch etwas abenteuerliche Wanderung.


Trotz des Wintereinbruchs am Samstag ist die ganze Natur am Aufwachen. Schmetterlinge flattern durch die Luft, Ameisen und Käfer krabbeln den Weg entlang. Von der Querstraße sieht man Rehe im Wald und einen Schneehasen im Fellwechsel, der gemütlich grast. In den Zweigen hüpfen Vögel und das Spatzenpärchen vom letzten Jahr bezieht wieder seine Wohnung unter meinen Dachziegeln. Gefällt mir!

Auf’s Dach gestiegen

Nachdem vorgestern am Sonntag endlich der allerletzte Schneerest auf meinem Grundstück weggeschmolzen ist, war es heute richtig schön sonnig und warm. Ein Kollege und ich haben heute das erste Mal draußen am Fluss zu Mittag gegessen. Das war zwar ziemlich windig, aber schön, einmal wieder ohne dicke Jacke im Freien zu sitzen.

Um drei gab es fika, die traditionelle Kaffeepause. Wir saßen zum ersten Mal auf dem Dach und auf der schwarzen Dachpappe konnte man die offizielle Temperaturmessung von elf Grad im Schatten lächelnd ignorieren und ein erstes Sonnenbad im T-Shirt nehmen.

Obwohl das Dach nur 10° Hangneigung hat (herrlich zum Liegen!), war mir ein bisschen mulmig zumute. Seitdem ich aus München weggezogen bin, bin ich einfach keine Berge und Hänge mehr gewohnt. Aber wenn das Wetter so bleibt, werde ich bestimmt immer wieder Gelegenheit haben, zu üben …

Frühlingskajak

Es ist kaum zu glauben. Vor vier Wochen bin stand ich noch in Neopren eingepackt auf den großen Eisschollen, die der Wind in die Bucht getrieben hat. Heute bin ich im T-Shirt (und mit Schwimmweste) Kajak gefahren. Das Wasser ist noch sehr kalt, also habe ich mich nie weit vom Ufer entfernt und hatte auch Ersatzkleidung für den Fall der Fälle dabei. Aber Luft und Wasser waren so herrlich ruhig, dass ich nicht nur Storgrundet und Brambärsgrundet umrundet habe, sondern auch einen kleinen Abstecher nach Norrskär gemacht und dort auf den glatten Felsen Abendbrot gegessen habe.

Stellt Euch folgende Soundscapes zu den Bildern vor:

Stille – leise Wassergeräusche: glucksen, gluckern – Das Paddel taucht mit leisen Plätschern ein.

Hundert Möwen steigen auf und schreien, kreischen und schrillen. Einige weitere hundert Möwen gesellen sich zu ihnen. Die vielen hundert Schreie überlagern sich und vereinigen sich zu einem starken, großem Dauerton, der nur langsam wieder verebbt.

Auf der Insel – Stille – zwei Graugänse fliegen laut trötend vorbei – Flügelschläge – in der Ferne ein Motorboot – leichter Wind flüstert in der Ohrmuschel.

Zurück mit dem Kajak – mehr Vögel – Zwei Singschwäne, Enten, Möwen und Vögel, die ich nicht kenne steigen platschend, planschend und rufend vom Wasser auf.

Der kleine Strand, an dem ich gestartet bin, ist in Sicht. Ich nehme Anlauf, das Wasser platscht, Boot knirscht auf Sand. Eine herrliche Feierabendtour ist zu Ende und ich freue mich schon auf die nächste Kajakrunde.

Sommeranfang

Für die Meteorologen ist heute Sommeranfang. Zum einen rechnen sie lieber in ganzen Monaten, zum anderen passt das besser zum Wetter. Zumindest in Mitteleuropa. Denn hier war es die Woche zwar trocken, aber ziemlich kalt. (In Lycksele – 300 Kilometer landeinwärts – hat es gestern geschneit, aber das lassen wir mal außen vor.)

Woran man aber merkt, dass der Sommer naht, ist das Licht. Das herrliche Licht, welches am späten Abend über Wald und See liegt. Und so habe ich, nachdem ich von einem Barbecue mit vielen netten Menschen aus Uganda, Schweden, Zimbabwe, Spanien, Südafrika und England wieder zu Hause war, noch einen kleinen Ausflug zum nahen See Snesviken gemacht und versucht, das Licht einzufangen. Wie immer gilt: In Natura ist’s schöner!

Drei Abendbilder

Heute – äh inzwischen gestern Abend bin ich mit dem Auto nach Holmsund, dem Hafen vor Umeå, gefahren, um dort eine gute Freundin abzuholen, die dort abends um halb zwölf mit der Fähre aus Finnland ankam.

Jetzt ist es Nacht und kurz vor halb drei, es ist schon wieder taghell und weil ich müde bin und morgen nicht ausschlafen kann, beende ich den Text hier und zeige nur drei Fotos, die heute – äh gestern entstanden sind. Ohne große Kommentare.

Was für eine Woche

Juni ist der Monat, in dem der Nordschwede – also der Nordschwede an sich – merkt, dass bald Juli ist. Und Juli ist die Zeit, in der die meisten Urlaub nehmen und in ihre Sommerhäuser am See, im Fjäll oder auf der Insel fahren. Deshalb versuchen alle, in den Juniwochen das unterzubringen, was andere Nationen in einem halben Jahr veranstalten.

Neben dem Creative Summit, auf dem ich zwei Tage war, hätte ich letzte Woche unter anderem den Bootstag in Kåge besuchen, drei (!) bezahlte Klavierjobs spielen, und am Sommerfest meines Diskussionsclubs teilnehmen können. Ich hatte allerdings besseres vor, denn Christina, eine liebe Freundin aus München war seit Dienstag Nacht zu Besuch und so habe ich den Freitag freigenommen und die vielen Veranstaltungen den Schweden überlassen.

Über den Creative Summit selbst will ich gar nicht so viel schreiben. Es ist sehr schwer, die teils hervoragenden Vorträge von Rednern aus Schweden, Norwegen, Trinidad, den USA und Kanada gut zusammenzufassen und das soll auch nicht Thema dieses Artikels sein. Ich möchte bloss auf die hervorragenden Arbeiten von Jonathan Harris hinweisen und jedem Programmierer ans Herz legen, den Artikel Cold + Bold zu lesen, und zwar mindestens zwei Mal im Jahr.

Zum Creative Summit gehören allerdings nicht nur die Vorträge, sondern auch die Feste am Abend, bei denen man bis in die helle Nacht hinein (dunkel wird es ja nicht mehr) mit vielen unglaublich netten und interessanten Menschen ins Gespräch kommt.


Am Freitag Abend haben Christina und ich auf der Halbinsel Kallholmen gepicknickt, dabei hatten wir Sicht auf die Insel Kalkgrundet, die ich auch noch nicht kenne. Später hatten wir auch noch Livemusik, denn auch der Bootshafen hat den Juni genutzt, um ein Fest zu organisieren.

Am Tag darauf haben wir ein zweites Kajak vom Nachbarn geliehen und eine schöne Tour zur Insel Kalkgrundet gemacht. Dort haben wir alles aufgegessen, was vom Picknick des Vorabends übrig geblieben ist und ich habe mir den ersten Sonnenbrand geholt. (Man soll sich nie auf die Wettervorhersage verlassen, die Wolken ab 13:00 vorhergesehen hat.)

Gestern nachmittag habe ich Christina zum Flugplatz gebracht. Nichts liegt mir ferner, als hier eine deutsche Siedlung zu gründen, aber ich bin jedes Mal traurig, wenn ich wieder einen guten Freund, eine gute Freundin nach Deutschland entlassen muss. Vor mir aus können alle gerne hierbleiben – und ich meine, was hat München schon zu bieten …

Nun bin ich wieder alleine und nutze diesen Zustand, um die nächsten zwei Wochen viel zu arbeiten, denn dann gibt es eine gute Chance, dass auch ich – wie so der Nordschwede an sich – den ganzen Juli freinehmen kann.

Nachtrag: Was sonst noch war: Das erste Mal im Sommer baden · warmes Sommersonnenwetter · Spaghetti mit Elchbolognese · nächtliches Baustellenchaos rund um Umeå · der Flieder beginnt zu blühen · mitgebrachte Mozartkugeln

Midsommarafton

Und dann war er da – Midsommarafton, der Tag, an dem alle Schweden das Mittsommerfest feiern. Als ich nach dem Frühstück auf der sonnenbeschienenen Terrasse stand, habe ich einen Vogel singen hören, sonst war alles still. Denn fast die gesamte Straße ist verreist und verbringt das Fest mit Freunden auf ihren Sommersitzen. Und genau das habe ich auch vor.

Wie letztes Jahr habe ich wieder mit Annica und Martin gefeiert, dieses Mal bei Freunden von ihnen. Wir haben uns um elf bei deren Sommerstuga in Boviken getroffen und sind kurze Zeit später mit dem Motorboot in den Kågefjärden zur Insel Bastuholmen gefahren. Dort lagen am Anleger schon einige andere Boote und die Midsommarstång, eine nordische Verwandte des Maibaums, war auch schon aufgestellt und mit Laub geschmückt.

Bastuholmen – was für eine schöne Insel! Unter den hohen Kiefern leuchten grün die Blaubeerblätter und kleine Trampelpfade führen an großen Granitblöcken durch den Wald, der immer wieder Blick auf die blaue Ostseebucht freigibt.

Zum Mittsommer gehört zuerst das Mittsommeressen, das wir an einer langen Tafel einnehmen. Es besteht aus neuen gekochten Kartoffeln, hartgekochten Eiern, Knäckebrot, gesalzener Butter und vielen Arten Sill – eingelegtem Hering, den man in den Geschmacksrichtungen Dill, Zwiebel, Senf oder „Mittsommer“ kaufen kann. Dazu gehört ein Aquavit, den man nie für sich alleine trinkt, sondern immer dann, wenn ein Toast ausgebracht oder ein Trinklied gesungen wird. Zum Nachtisch gibt es Erdbeeren, die man zu dieser Zeit überall literweise kaufen kann.

Ein wenig später gehen alle zur Mittsommarstång, bilden Kreise und tanzen singend um diese herum. Es gibt eine Reihe von diesen Liedern, die jeder kennt und keiner ist sich zu schade, die Hände an die Ohren zu legen, mit den Fingern zu wackeln und das Lied von den kleinen Fröschen zu singen:

|: Små grodorna, små grodorna är lustiga att se. :|
|: Ej öron, ej öron, ej svansar hava de! :|
|: Ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-ack-ack-a. :|

|: Die kleinen Frösche, die kleinen Frösche sind lustig anzusehen :|
|: Keine Ohren, keine Ohren, keine Schwänze haben sie :|
|: Ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-ack-ack-a. :|

Während es sich die meisten Erwachsenen an den vielen schönen Plätzen gemütlich gemacht haben, interessierten sich die Kinder mehr für „Godisregnet“ – den Bonbonregen.

Nach einiger Zeit sind wir mit dem Boot zurückgefahren und haben bis tief in die Nacht zusammengesessen, gespielt, geredet, gegrillt, gegessen und Rotwein getrunken. Wobei – was heißt schon Nacht. Die folgenden zwei Bilder habe ich um zwanzig vor elf und um zwanzig vor eins gemacht:

Nach den letzten Fotos wurde es wieder heller, aber ich habe schon bald das Bett angesteuert und auch die anderen Gäste verschwanden nach und nach im Haus, der kleinen Hütte, ihrem Boot oder dem großen Wohnmobil. Was für ein herrliches Mittsommerfest. Mittsommer feiert man nicht alleine und mein Dank geht an die Freunde, Freundesfreunde, Freundesfreundfreunde, Freundesfreundfreundesschwestern und überhaupt allen, die da waren. Es war schön mit Euch!

(Und auch, wenn ihr das nicht lest, die Gegeneinladung im Herbst steht. Dann zwar drinnen, aber mit Klaviermusik)

Endspurt

Ich sitze am Rechner und schreibe eine technische Dokumentation. Und das bei dem schönen Wetter! Aber das ist mein diesjähriger Endspurt vor den Sommerferien, denn Mitte nächster Woche soll die Dokumentation fertig sein. Und mein Urlaub beginnen.

Aber wenn es morgen wirklich den ganzen Tag regnen sollte, dann werde ich morgen arbeiten und vielleicht kann ich dann schon ab Montag freinehmen. Den ganzen Juli!

Mit mir haben so ziemlich alle zeitgleich frei, denn fast ganz Schweden nimmt um den Juli herum Urlaub, um den schwedischen Sommer zu geniessen und Licht und Wärme zu tanken. Irgendwann im August treffen sich dann alle wieder und erinnern sich daran, dass sie ja auch einen Job haben.

Drei Länder in 14 Tagen oder eine neue Anreisevariante nach Skelleftehamn

Ein Gastbeitrag von Christina Tüschen.

Ein Anruf im Januar 2012: Olaf, ich bin im Juni in Tallinn, da könnte ich doch mal eben … vorbeikommen.
Kein Problem.

In Tallinn verbringe ich 5 wunderbare Tage mit meinem Chor, dann fahre ich mit der Fähre zu einer 2-Tages-Besichtigung nach Helsinki. Von dort geht es weiter mit dem Zug nach Tampere, wo ich eine finnische Freundin nach 10 Jahren wiedersehe und das Muminmuseum besuche. Dann wieder mit dem Zug nach Vaasa, wo ich schließlich die Fähre nach Schweden besteige. Trotz Vorwarnung meine ich mit dem schweren Rucksack die Strecke zwischen Bahnhof und Fährhafen zu Fuß zurücklegen zu müssen.

Nach 14 Stunden (reiner Reisezeit von Tallinn gerechnet) und einer Zeitumstellung komme ich mitten in der Nacht in Umeå an. Aber was heißt mitten in der Nacht. Es ist noch so hell, dass man „auf der Straße Zeitung lesen kann“ (Ein Zitat meiner Großmutter, die Ende der 60er Jahre hier im Norden war). Und diese Helligkeit führt dazu, dass ich, die ich sonst gegen zehn Uhr müde werde, locker bis 3 Uhr nachts wach bleibe.

Die zwei Tage Creative Summit sind intensiv, interessant und „givande“, ich nehme viel mit, danke dafür! Besonders in Erinnerung geblieben ist mir (wie Olaf) Jonathan Harris. Sein Vortrag und die Ausstellung haben den Schubs gegeben, begonnene eigene Projekte fortzuführen.
Toll ist es auch Olafs Freunde und Arbeitskollegen kennen zu lernen, auf dem Dach von 10 Merchant Street die Sonne untergehen zu sehen und wieder richtig in die schwedische Sprache einzutauchen.

Drei wunderschöne Ferientage folgen, das sonnige Wetter hält sich – wie auf Bestellung. Für mich verlängert sich bei dieser Reise der Frühling, prima zu sehen am Flieder, der in München schon am Verblühen war, in Helsinki in voller Blüte stand und in Olafs Garten gerade erst loslegte.

Da ich zuletzt vor anderthalb Jahren hier war, habe ich den direkten Vergleich zur Midvinter-Zeit, mit viel Schnee, Eis und Dunkelheit. Da wo wir jetzt baden, haben wir damals unsere Winterwanderung auf der zugefrorenen Ostsee begonnen und ich habe ein Bild zu dem Begriff Packeis bekommen. Wo wir jetzt Bockkäfern bei der Eiablage zusehen, haben wir auf dem zugefrorenen See Kubb gespielt. Und um 14 Uhr, wo wir uns jetzt den ersten Sonnenbrand holen, ging im Winter schon die Sonne unter.

Verrückt und schön diese Gegensätze.
Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Besuch, mal eben, egal zu welcher Jahreszeit.

Und sonst: Wecken mit Klaviermusik – ein Musikhörnachmittag, fast wie ein Mixtape aus früheren Zeiten – Baden bei 15 Grad und etwas weniger – zur Beatles-Coverband auf den Felsen rocken – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – zwischen großen Steinen ein Kajak rückwärts ausparken – Flugübungen mit dem Kleinen Gelben Monster – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – Marienkäfer-Umsiedelung auf Blattlausrosen – Enten mit Punkfrisur heißen Gänsesäger (ja, Reisen bildet).

Life saver system

Seit gestern habe ich zwei Klimaanlagen. Eine im Auto und eine im … Flügel!

Im Laufe des Jahres schwankt die Luftfeuchte in den Häusern Nordschwedens erheblich. In der Heizperiode im Winter liegt sie teilweise unter 30%, im Sommer hingegen steigt die Feuchte rapide an und ein kleiner Luftentfeuchter¹ im Keller holt jeden Tag einen Liter Wasser aus der Luft in meinem Bibliotheks-Gästezimmer.

Diese Schwankungen beeinträchtigen nicht nur die Stimmung des Flügels, die vorgestern noch eher an ein Honkytonk-Klavier aus einem Westernsaloon erinnerte, sondern es besteht auch die Gefahr, dass der Resonanzboden Risse bekommt. Ein Alptraum für jeden Pianisten.

Um das zu verhindern ist gestern Per Blind, ein Klaviertechniker vorbeigekommen und hat ein sogenanntes Life Saver System eingebaut. Die meiste Zeit lag er dazu unter dem Flügel und war damit beschäftigt, Löcher zu bohren, Komponenten festzuschrauben und alles zu verkabeln.

Nun habe ich am Flügel eine Stange zum Entfeuchten, ein System zum Befeuchten, eine überraschend große Zentraleinheit, die alles steuert und eine Anzeige, die mir sagt, wann ich Wasser ins Befeuchtungssystem nachfüllen muss. Ich fühle mich sehr beruhigt, dass mein Flügel jetzt den nordischem Klima nicht mehr ungeschützt ausgesetzt ist und bin auch gespannt, ob dieses Mal die Stimmung länger hält.

Apropos Stimmung: Der Flügel ist gestern auch gestimmt worden, dieses Mal nach einer anderen Philosophie, die nicht die Reinheit der Oktaven als oberste Priorität hat, sondern darüber hinaus die Frequenzen noch etwas mehr spreizt, um einen größeren Klang zu bekommen. Und was soll ich sagen – ich muss mich noch ein bisschen daran gewöhnen, aber es funktioniert. Vor allem der Bassbereich klingt jetzt größer, bauchiger und voller.

¹Na gut, also habe ich fast drei Klimaanlagen. Nobody expects the Spanish Inquisition!

Ein Urlaubstag

Wieder ein schöner Urlaubstag mit meinen Eltern, die hier gerade zu Besuch sind und heute auch mit schwedischen Freunden. Vier Fotos von Bygdsiljum und Skelleftehamn, ehe ich ins Bett falle. Ein andermal mehr.

Wollgras

Gestern war ich draußen, ein bisschen die Umgebung bei mir erkunden und mitten auf einer Anhöhe entdecke ich eine kleine sumpfige Stelle mit Wollgras. Das wollte ich ohnehin schon einmal fotografieren und so habe ich meine Kamera ausgepackt und begonnen, Bilder zu machen. Über mir quollen dicke Kumuluswolken und bald darauf lag das Wollgras im Schatten. Noch während ich in den Himmel schaute, um zu schauen, wann die Sonne wieder hervorkommt, hörte ich es ordentlich rumpeln. Ein Gewitter – eine Seltenheit hier. Nun ist bei Gewittern eine kahle Anhöhe nicht der ideale Aufenthaltsort, also habe ich das Weite gesucht und bin durch den Wald nach Hause gelaufen, während dicke Tropfen herunter klatschten. Zu Hause angekommen war das kleine Gewitter aber schon wieder vorbei.

Heute war ich noch einmal unterwegs und habe Wollgras fotografiert. Die Aufnahmen entstanden an anderen Stellen, denn fast überall, wo es nass ist, wächst diese Pflanze.

In den Ritzen, die sich in den großen Felsen gebildet habe, wachsen oft junge Birken. Ob sie genug Platz finden, um starke Wurzeln zu bilden, genug Wasser zu finden und groß und alt werden?

Aufruf an die Botaniker: Weiß jemand, welche Blume auf dem letzten Foto abgebildet ist? Ich habe keine Ahnung und leider auch vergessen, die ganze Pflanze zu fotografieren.

Das weite blaue Meer

Gestern nachmittag war so schönes Wetter, dass ich ein paar Sachen¹ gepackt habe, das Kajak aus der Garage geholt und nach Storgrundet gerollt habe. Mein Ziel war die Insel Flottgrundet, wo Nachbarn ihr Sommerhaus haben. Sie sagten, sie warteten darauf, dass ich mal mit dem Kajak vorbeikäme. Gerne doch!

Mein ursprünglicher Plan, am gleichen Tag wieder zurückzupaddeln, wurde von meinen Nachbarn schnell verworfen und durch einen besseren ersetzt: Ich solle doch einfach dableiben und im Gästehaus übernachten, dann könne ich auch wie sie Wein trinken. Gerne doch!

Bis spät in die Nacht haben wir Weißwein getrunken, über Menschen, Politik, das Universum und überhaupt alles diskutiert, Inselnachbarn besucht, den Hund gekrault und wir hatten es richtig schön. Auch wenn die Nächte schon ein bisschen dämmeriger werden, die Dunkelheit lässt noch auf sich warten und das nächtliche Licht über dem Meer ist wunderschön.

Heute habe ich mich nach einem gemeinsamen Frühstück wieder ins Kajak gesetzt und bin weiter gefahren. Im Schutz der Inseln war das Meer glatt, blank, klar und ruhig und ich konnte mich manchmal nicht entscheiden, ob ich einfach paddeln – ich mag diese Bewegungen, oder mich treiben lassen soll.

Auf der Außenseite der Inseln war dann das Wasser ein bisschen kabbeliger, aber immer noch ruhig genug, dass ich ohne Spritzschutz fahren kann. Das mache ich deswegen gerne, weil ich dann die Kamera in einer wasserdichten Tasche zwischen den Knien haben kann. Schon am morgen war es richtig warm² und mir war ganz schön warm im Kajak, als ich von den kleinen Wellen auf dem sonnenbestrahlten Meer hin- und hergeschaukelt wurde. Überraschend früh war ich schon am Nordufer der Insel Storgrundet angelangt und einige Minuten später war ich am Strand, wo mein kleiner Bootswagen³ schon auf mich wartete. Ein erfrischendes Bad hat diesen herrlichen Ausflug abgerundet.

Danke an meine Nachbarn für ihre großzügige Gastfreundschaft und die schönen Gespräche.

Ja, man könnte auch zu Google Maps oder Eniro verlinken, aber heute hatte ich Lust, eine kleine und herrlich ungenaue Skizze von meiner Kajakrunde zu zeichnen. Bitte schön:

¹ Paddel, Schwimmweste, Kappe, Ersatzkleidung, Kamera, Handy, Karte, Kompass, Wasser, Proviant, Spritzschutz, Neoprenfüsslinge, Jacke. Das meiste wasserdicht verpackt.

² Heute, 9:20. Skellefteå: 19 °C, Bremen und München: 13 °C – auch das kommt vor!

³ Ich hatte den Bootswagen in einem Gestrüpp geparkt. Als ich ankam, lag er mitten am Strand. Wie er da hinkam, ist mir allerdings schleierhaft.

Gåsören

Eine der ersten Sachen, die mir aufgefallen ist, als ich April 2010 das erste Mal in Skelleftehamn gewesen bin, war eine Insel mit einem Leuchtturm drauf. Nicht irgendein Leuchtfeuer, sondern so ein richtig weiß-roter Turm. Später habe ich gehört, dass die Insel Gåsören – zu deutsch die Gänseinsel heißt.

Nachdem ich im März nur einmal um die Insel herumgekayakt bin und ich vor zweieinhalb Wochen wegen schlechten Wetters umgekehrt bin, habe ich es heute endlich geschafft, mir die Insel mal anzuschauen. Und – was soll ich sagen – die Insel gefällt nicht nur mir, sondern auch so manch anderem, der entweder mit dem Boot oder dem Wasserskooter den kleinen Hafen ansteuert, um eine Pause zu machen.

Der Leuchtturm (1921 erbaut) ist winzig, aber doch immer noch um einiges höher als die Leuchtkuppel auf dem alten „Fyrhus“ von 1881. Sonst gibt es auf der Insel zwei(?) private Stugas, das alte Lotsenhaus, ein paar Schuppen, ein Dass (das ist das schwedische Wort für Außentoilette) und – eine Sauna. Die Sauna darf wohl jeder einfach benutzen und da genug Treibholz an den Kiesstränden der Insel herumliegt ist auch das Befeuern des Ofens kein Problem.

Ich habe allerdings lieber in der warmen Augustsonne mir in Ruhe die Insel angeschaut, ehe ich mich wieder ins Kayak gesetzt und den Heimweg angetreten habe. Hoffentlich werde ich nicht ins Gefängnis geworfen, denn laut dem Schild auf dem letzten Foto ist das Fotografieren nach einem Gesetz vom 17. Mai 1940 verboten.


Gut übrigens, dass die Augustsonne so warm war, denn ich habe heute auch gebadet. Vom Kajak aus. Mit Klamotten.

Was ist passiert? Auf dem Weg zur Insel Gåsören habe ich zwei Zwischenstopps eingelegt, unter anderem auf der Insel Flottgrundet, auf der ich vor einigen Wochen zu Besuch war. Als ich an dem flachen Steinufer wieder ins Kajak gestiegen bin, habe ich mal eine andere Art probiert, wieder ins Kajak zu kommen. Daraufhin hat mich dieses kurzerhand abgeworfen wie ein Gaul seinen Reitschüler und ich saß im Wasser. Das war zwar nur ein paar handbreit tief, aber das reicht nicht nur zum nass werden, sondern auch dazu, ein Kajak sekundenschnell mit erstaunlichen Mengen Wasser zu füllen. Während ich das Kajak leergeschöpft habe, fing aber die Kleidung schon wieder an, in der Sommersonne zu trocknen und so habe ich die Ersatzkleidung in ihrem wasserdichten Packsack gelassen und bin einfach so, wie ich war, weitergefahren. Und außerdem: Nicht nur die Paddelbewegung, auch eine Schwimmweste wärmt.

Eisbrecher

Es ist Sommer und T-Shirtwetter. Dennoch habt Ihr richtig gelesen, nicht vom Eisbecher, sondern von Eisbrechern soll die Rede sein.

… ich war gerade von meiner Zugfahrt nach Bastuträsk am Hafen Skelleftehamn angekommen. Normalerweise darf man gar nicht das Gelände betreten, da dieser Hafen rein gewerblich genutzt wird. Es sei denn, es ist Tag der offenen Tür, so wie heute.

Staunend stand ich unter dem großen Kran und wurde dort direkt von einem Kranführer angesprochen. Ich könne gerne die Treppen hoch, um dort zu fotografieren. Ich muss schon sagen, auch wenn das kein Job für mich wäre, die Sicht ist schon schön, selbst wenn die Kabine nur in 14 Meter Höhe ist.

Von oben erspähte ich auch schon mein nächstes Ziel, das kleine Schiff „Baus“. Das wird wohl der Eisbrecher sein, von dem ein Kollege gestern erwähnt hatte, er sei am Wochenende zu besichtigen. Und richtig – im Winter hält das Schiff Baus hier die Fahrrinne frei. Auf der Brücke bin ich mit einem der Kapitäne ins Gespräch gekommen und habe angefragt, ob man im Winter wohl einmal mitfahren könne. Kein Problem, kam als Antwort und zwei Minuten später hatte ich Namen und Handynummer. Ich solle mich einfach melden. Toll – hoffentlich klappt das!

Nachdem ich meine Nase und Kamera in jede Ecke des Schiffes gesteckt habe, bin ich weiter gegangen. Weiter hinten lag noch ein ziemlich großer Pott vor Anker, den wollte ich mir auch noch gerne anschauen.

Was für ein Unterschied zur gemütlichen Baus. Durch das Schiff war ein Parcour mit Pfeilen und Absperrungen gelegt und man sah nur einen kleinen Teil. Dennoch bekam man ein Gefühl für die Größe der „Ymer“, ebenfalls ein Eisbrecher, Baujahr 1977. Alleine die Brücke war riesig.

Im Gegensatz zu der lokal in Skelleftehamn eingesetzten Baus wird die Ymer in ganz Schweden und teilweise in Finnland eingesetzt. Sie hat im Winter 20-30 Mann Besatzung und ist oft zwei Wochen am Stück auf dem Meer. Selbst bei 80 cm festem Eis fährt sie noch 8 Knoten, das sind etwa 15 km/h. Nach einem Besuch im Maschinenraum bin ich von Bord gegangen und zum Bahnhof zurückgelaufen, denn dort stand immer noch mein Fahrrad.

Die Woche

Ich komme aus einem langen Meeting mit viel Mathematik und wenig Sauerstoff bei 35 °C Raumtemperatur. Mein Kopf qualmt immer noch von der Hitze und linearen Regression über kumulierten Wertetupeln, deswegen gibt es heute einen Blogartikel zum selber machen. Mehr nicht. Bitte schön:

Bei Sommerwärme und blauem Himmel draußen essen ·:· einige letzte Moltebeeren finden und am gleichen Tag mit Eis verputzen ·:· einen Tag in Skelleftehamn arbeiten, mit einem Kollegen Doku schreiben und eine mehrstündige Mittagspause machen ·:· mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, auf dem Rückweg beim Kanuverein den Kids beim Training zuschauen und dann selbst ein bisschen Kajak fahren ·:· selbstgesammelte Himbeeren mit A-Fil essen ·:· In der Ostsee und nach dem Kajak fahren baden und es gar nicht so kalt finden ·:· auf dem Bürodach sitzen und zum Eis eingeladen sein ·:· Den Jugendlichen zuschauen, die sich in leeren Planschbecken sitzend auf dem Skellefteälven flussabwärts treiben lassen ·:· erstaunt feststellen, dass es um halb zehn schon ganz schön dämmerig ist

So geht’s:
Schneide die Textbausteine und die Fotos aus. Bringe die Textbausteine in eine Reihenfolge. Fasse den Inhalt der Textbausteine mit Deinen eigenen Worten zusammen. Füge die Fotos in den Text ein. Fertig ist der Blogartikel.

Zusatzrätsel für Fotografen:
Zwei Bilder habe ich mit der Nikon D300, zwei mit dem iPhone gemacht. Welche?