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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Winterspaziergang vor der Arbeit

Morgenstimmung am Meer

Vor SonnenaufgangDass ich heute morgen kurz zur Küste gefahren bin, weil das Wetter so schön ist, war freiwillig. Aber es lockt mich jedes Mal wieder, auf den Horizont zu blicken. Darüber ein Himmel in allen Sonnenaufgangsfarben mit rosa Wölkchen und Lichtsäule, darunter das kalt bläulich schimmernde schnee- und eisbedeckte Meer.

Unfreiwillig hingegen war der zweite Spaziergang. Er führte von der Autowerkstatt nach Hause. Dort hat man sich heute des Kofferraumschlosses angenommen, welches sich vor kurzem verabschiedet hat. Aber ich hatte meine Kamera dabei und bin ein paar mal stehengeblieben um zu fotografieren. Eigentlich ganz normale Dinge, die ich hier jeden Tag sehe: Schnee und Eis, kahle Bäume, rote Häuser und dies und das in Skelleftehamn.

Haus an der Bucht KurjovikenHäuser auf der Halbinsel KallholmenWolkenschleier über dem alten WasserturmBahnschienen und Stromleitungen führen nach Rönnskär

Und noch zwei Fotos, das erste auch vom Spaziergang mit dem neuen Tele geschossen (das muss ich ja ausprobieren), das andere mit dem Makro im Wintergarten fotografiert. Eisblumen abstrakt.

Raureif bedeckt die Äste der RoseEisblumen am Wintergartenfenster

Übers Meer, Eisfedern und Feuerfest

Heute morgen habe ich es ein bisschen ruhiger angehen lassen, denn die Woche war sehr voll. Um zehn bin ich aber doch zum Bootshafen „Tjuvkistan“ gefahren, nachdem der Nachbar mir eine Nachricht geschickt hat, dass das Meereis trägt. Ich bin dann mit Skier und Pulka zur Insel Bredskär gelaufen. Die Pulka müsste eigentlich nicht sein, aber ich ziehe Kamera, Proviant und Daunenjacke lieber hinter mir her, als dass ich sie auf dem Rücken trage.

Tierspur irgendwo auf dem MeerMeine Pulkaspur hinter der Insel Bredskär

Obwohl die Temperaturen von nachts -21 °C auf -11 °C angestiegen war, habe ich mich über die mitgenommene Daunenjacke sehr gefreut, denn ich kam an einigen Eisflächen vorbei und auf manchen hatte sich federartiger Raureif gebildet …

Ein „Eisfederwald“ auf dem Eis

… und die nächste halbe Stunde habe ich dann auf dem Eis gelegen und Eisfedern fotografiert.

EisfedernEisfedernGespiegeltGespiegelt

Gespiegelt

Ich bin dann um die Insel Bredskär herumgelaufen. Das war teilweise ein bisschen mühsam, weil kaum Schnee auf dem buckeligen Eis lag und sowohl meine Skier als auch die Pulka ihre eigenen Ideen hatten, wo es wohl langgehen sollte. Aber bald war ich wieder auf dem Meer und kurz darauf wieder zu Hause.

Um drei haben mich J. und T. von unserem Verein „Mörkrets och kylans glada vänner“ abgeholt, weil wir auf dem „Feuerfest“ in der alten Kirchenstadt Luleås Winterbaden vorzeigen sollten. Heute nacht habe ich geglaubt, dass das ein frostiges Vergnügen werden würde, da waren es nämlich in Luleå -29 °C. Doch heute um halb sechs, als J. über das Winterbaden erzählte und T. und ich in das kalte Wasser gestiegen sind, war es mit -10 °C geradezu lau.

Wir alle ziehen es vor, in einem gesägten Eisloch im See, im Fluß oder im Meer zu baden, als wie in Luleå in eine mit Eiswasser gefüllte Badetonne zu steigen, während das Publikum teilweise neugierig, teilweise kopfschüttelnd unserem Treiben zuschaut. Aber lustig war es trotzdem. Und wir haben sogar eine kleine Gage bekommen, die nicht nur die Reisekosten deckte (Luleå ist anderthalb Autostunden entfernt), sondern auch noch ein paar Kronen in die immer maue Vereinskasse spült.

Noch ist es leer auf dem EldfestAuch am offenen Feuer steht noch keiner

Doch zur „Feuershow“ sind viele Familien gekommen

Schneehasenjagd

Heute Nacht sind fünf Zentimeter Schnee gefallen. Wenig genug, um sich keinen Weg vom Haus zur Straße schaufeln zu müssen, aber viel genug, um alles rund und weich mit weißem Neuschnee zu überdecken und so nebenbei auch die vielen hundert Pissmarken der Hunde wieder zu verbergen.

Das wäre ein schöner Tag zum Skilaufen, denke ich und entscheide mich dagegen. Denn diese Woche war mit so vielen Aktivitäten angefüllt, dass ich es heute ruhig angehen lassen möchte. Aber kurz zum Fotografieren wollte ich doch raus. Ich bin mit dem Auto (dekadent) über den verschneiten Weg zum Strand gefahren und von dort aus über das Eis zur Insel Storgrundet gelaufen. Das war ein bisschen seltsam, denn das Licht war so diffus, dass das Auge keinen Halt auf der konturlosen Neuschneefläche fand und man nicht sehen konnte, ob der nächste Schritt auf- oder abwärts geht.

Die schmale Insel ist schnell durchquert und dann hatte ich freie Sicht auf die Ostsee. Ein bisschen kam die Sonne heraus, gerade genug, um das feine Wellenmuster der das Ostseeeis bedeckenden Schneedecke sichtbar zu machen.

Wellenmuster auf der Ostsee

An den dem offenen Meer ausgerichteten Ostufern der Inseln haben sich oft Eiswälle gebildet. Sie sind zwar keine fünf Meter hoch wie vor drei Jahren, aber dennoch immer wieder beeindruckend in ihrem Kontrast zwischen den harschen Figuren des Eises und den weichen Formen des Schnees.

Eiskante vor der Insel Brottören

Mein Plan war eigentlich, ein bisschen herumzuschauen, ein bisschen zu Fotografieren, alles ganz in Ruhe. Doch dann änderte ein flüchtender Schneehase meine Pläne: Gerade noch konnte ich das Tele hochreißen, welches aber leider gerade im Selbstauslösermodus war. So erwischte ich den Hasen nur weit weg und von hinten. Weg war er! Seine Spuren hingegen konnte man in dem Neuschnee ganz prima sehen. Einige Kilometer bin ich den Spuren gefolgt. Über die Insel Brottören, über das Meereis, zur Insel Storgrundet, durch den knietiefen Schnee, durch Gestrüpp, welches für kleine Hasen besser zu durchqueren war als für große Fotografen. Ich habe gelernt, dass Schneehasen in ihrer eigenen Spur zurücklaufen, um den Vorfolger (mich) zu verwirren und auch einmal einen zwei Meter langen Sprung dazwischensetzen. Immer weiter habe ich mich der Küste genähert und fast habe ich erwartet, dass der Hase neben meinem Auto sitzt und ruft „Wo bleibst Du denn so lange?“. Aber im Wald auf Storgrundet waren plötzlich mehrere Spuren zu sehen und das war das Zeichen für mich, dass heute nicht der Tag für ein Schneehasenportrait sein wird.

Also zeige ich hier nur das erste Foto: Schneehase, klein, von hinten. Ausschnittsvergrößerung.

Schneehase, klein, von hinten

Hailuoto

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Journalistenreise mit Boundless Bothnian Bay.

Samstag bis Montag hat „Boundless Bothnian Bay“, ein Projekt, welches die Küstenregion Nordschwedens und Nordfinnland stärken soll, eine Journalistenreise veranstaltet. Zehn Journalisten aus verschiedenen Ländern waren eingeladen, an dieser Reise teilzunehmen und ich war der offizielle Fotograf. So kam ich nicht nur zu einer erlebnisreichen Kurzreise, sondern auch zu meinem ersten bezahlten Fotografenjob.

Oulu: Skulpturen am RathausOulu: finnische Spezialitäten in der Markthalle

Einfach ein FahrradMontag morgen: heute stand eine Fahrradtour auf dem Programm. Oulu, die größte Stadt in Finnlands Norden, hat über 600 Kilometer Radweg und es ist völlig normal, auch im Winter Fahrrad zu fahren. Ob als Student zur Uni oder auch von Meeting zu Meeting. Eine kleine Gruppe von uns ist mit einem Fahrradguide und einer Stadtführerin dann vom Hotel zur Innenstadt geradelt. Man schaue sich das Rad des Fahrradguides an: Keine Handbremse, keine Gangschaltung, einfach ein Fahrrad. Das wäre in Deutschland vermutlich unvorstellbar. Es ist schön, eine Stadt mit dem Fahrrad zu erkunden. Man ist viel näher dran und es ist viel einfacher, kurz anzuhalten und sich umzuschauen als bei einer Stadtrundfahrt mit Bus. Leider hatten wir aber wenig Zeit, denn unser heutiger Plan galt der Insel Hailuoto, einer ganzjährig bewohnten Insel, die über eine kostenlose Fähre an das allgemeine Straßennetz angebunden ist.

Da ich aber eine dicke Kamera in der Hand hatte und Fotos machen sollte, durfte ich mit einigen anderen das Luftkissenboot der Küstenwache benutzten, um zur Insel herüberzuhovern. Das geht um einiges schneller als die Fähre und es war spannend, mal in so einem Fahrzeug drinzusitzen. Bloß mit den Fotos – auch an diesem Tag war es grau und trüb und dementsprechend sehen die Fotos aus.

Das Luftkissenfahrzeug der Küstenwache

Auf dem Weg nach HailuotoDer Antrieb: ein großer PropellerVor uns die AutofähreAngelegt

Großer Reichtum ist mir nicht sonderlich wichtig. Aber sollte mir ein Blogleser mal ein paar Millionen schenken, dann könnte ich mir vorstellen, ein Luftkissenfahrzeug zu kaufen. Ein verlockender Gedanke, das ganze Jahr auf der Ostsee unterwegs sein zu können, unabhängig von der Eislage. Aber verlassen wir meine etwas dekadenten Gedanken und kehren zur Insel Hailuoto zurück, wo bald auch unser Reisebus mit der Autofähre ankam.

Die erste Aktivität: Eisfischen. Davor gab es Suppe und natürlich Kaffee. Dann ging es mit Sampo, dem Eisfischer aufs Eis hinaus zu seinen unter dem Eis hängenden Netzen.

KaffeepauseSampo auf dem Weg zum Fisch

Sampo ist ein geborener Entertainer. Er strahlt in die Kamera, verbreitet direkt gute Laune und ist sich nicht zu schade, sein inniges Verhältnis zum Fisch auf seine eigene Weise zu präsentieren.

Sampo Marjaniemi

Viele Fische sind ins Netz gegangenFischen hinter dem selbstgebauten WindschutzEin Teil des heutigen Fanges

Fischkuss

Dann ging es weiter nach Marjaniemi, einem kleinen Fischerstädtchen, welches bestimmt fotogener wäre, hätte man nicht auf die Mole drei dicke Windräder gebaut und den Radarturm direkt neben den Leuchtturm. Wenn dann zudem noch der Schnee schmilzt, kann der Ort ganz schön trübe aussehen aber immerhin kam – irgendwo draußen am Horizont – ein bisschen die Sonne heraus und zauberte zum ersten Mal auf der ganzen Reise ein kleines bisschen Farbe an den grauen Himmel.

MarjaniemiMarjaniemiEine Außentoilette?Ein Hauch von Sonnenlicht

Weiter draußen auf dem Ostseeeis konnte man Eiswälle sehen, die ich liebend gerne fotografiert hätte, aber wir hatten nur eine halbe Stunde, denn die Autofähre wartet nicht auf uns.

Ich habe wieder nicht die Fähre genommen, sondern bin mit dem Auto mitgenommen worden. Denn wenn das Eis 40 cm beträgt, wird eine Straße auf dem Ostseeeis markiert. Mit Verkehrsschildern und allem. Man tut gut daran, sich an die Tempolimits zu halten, denn auch an der Eisstraße gibt es Radarkontrollen. Diese Fahrt war ganz schön hoppelig, denn das Tauwetter hat das Eis weich werden lassen. Und wir sind durch so manche Riesenpfütze gerollt, die letzte so groß, dass die Bugwelle kübelweise Wasser auf die Windschutzscheibe geworfen hat.

Die Eisstraße nach HailuotoEisstrasse im Gegenlicht

Wir haben noch einen Abstecher nach Liminka gemacht, wo sich ein großes Vogelschutzgebiet mit einem Beobachtungsturm und einem sehr schönen Museum befindet und sind dann wieder nach Oulu gefahren. Nach einer kurzen Pause gab es noch ein abschließendes Dinner. Während die meisten danach noch in eine Bar weitergezogen sind, hat mein Hotelbett laut nach mir gerufen und eine Taxifahrt später war ich im Hotel und bald auch schon am Schlafen.

Am Folgetag sind die meisten Journalisten zurück in ihre Heimatländer geflogen, während wir aus Skellefteå mit dem Bus zurückgereist sind.

Fazit: Eine schöne intensive Reise mit netten Leuten und fürchterlichem Fotowetter. Ein, zwei Programmpunkte weniger hätten der Reise aber ganz gut getan. Ein, zwei Nachtische weniger hätten meinem Bauch aber ganz gut getan, aber das Essen war einfach zu lecker.

Kurz vor dem Urlaub

Dass der Winter dieses Jahr nicht in Gang kommt, hatte ich schon geschrieben. Aber heute hatten wir tatsächlich wieder ein paar Minusgerade und sogar etwas wie Wolkenlücken, wenn man ganz genau hinschaute. Deswegen bin ich vor der Arbeit kurz ans Meer gefahren, mit Kamera und Stativ.

Zu meiner Überraschung war das Meer wieder offen, nur die geschützten Buchten waren noch eisbedeckt und an der Küstenlinie drifteten einige Eisschollen.

Eisschollen auf der OstseeOffenes Meer

Eiswall an Skelleftehamns Küste

Ich habe kurz überlegt, spontan frei zu nehmen und Kajak zu fahren, aber dafür war die Zeit zu knapp, denn ich nehme heute und morgen am Kongress „Attraktionskraft Skellefteå“ teil. Und da – jetzt am Nachmittag – sitze ich gerade. Das Kajak muss also noch ein bisschen warten, dann ab morgen habe ich Urlaub.

Mal schauen, ob ich wegfahren kann …

Journalistenreise
Fotos sortieren und bearbeiten
Proben und Aufführungen „Gömda men inte glömda“
Meetings mit Kammerchor und Dark & Cold
Vortrag bei „Attraktionskraft Skellefteå“ vorbereiten
Vortrag halten

Na gut, den halte ich erst morgen. Aber direkt danach beginnt mein Urlaub und ich steige ins gepackte Auto und fahre nach Abisko. Dort hoffe ich auf klaren Himmel, Dauerfrost, viel Schnee und Polarlicht.

Das Eis bricht

Ein ganzer Tag mit blauem Himmel ist nach den letzten trüben Wochen ein wirklicher Luxus. Die Sonne scheint und es ist recht warm. Der stürmische Wind der letzten Nacht hat große Teile des Meereises aufgebrochen und meerwärts getrieben, nun sind es wirklich nur noch einige geschützte Bereiche, auf denen noch Eis liegt. Das hat schon etwas von Frühling. Der aufweichende Lehmboden, in dem ich stehe, als ich letzten Eisschollen auf dem Kallholmsfjärden fotografiere allerdings auch.

Am Rand sitzen noch einige Eisschollen fest, doch die Bucht ist fast eisfreiDer Lehmboden weicht auf

Auf der Westseite des Dammes zur Lotsenstation liegt noch Eis

Der gleiche Wind, der das Meer eisfrei macht, verhindert allerdings auch, dass ich meine erste Kajaktour machen kann – es sei denn, ich wollte von dem immer noch stürmischen Westwind nach Finnland geblasen werden. Also habe ich geschaut, wie es auf dem geschützten Meerteil hinter der Insel Storgrundet aussieht. Dort bin ich letzten Sonntag noch mit Gästen über das Eis zur Insel gelaufen. Inzwischen sieht das Eis allerdings auch dort immer löcheriger aus und ohne den Rat von Einheimischen würde ich es nicht mehr betreten …

Eis und offenes Wasser vor Storgrundet

… es sei denn, ich bin wasserdicht angezogen.

Ich habe mir meinen knatschroten Neoprenoverall übergezogen und habe vom Eis und vom Wasser aus ein paar Aufnahmen mit der wasserdichten Kamera gemacht. Wenn der Kopf über und die Kamera unter Wasser ist, sieht man allerdings auf dem Display nur noch Spiegelungen und das Fotografieren gerät zur Glückssache. Aber es macht schon Spaß, ein bisschen im Eiswasser zu paddeln, trocken zu bleiben und ein paar nette Fotos sind auch dabei entstanden.

Eis unter WasserEis unter Wasser

Sonne, Himmel, Welle, Wasser, Eis, Meeresgrund: ganz schön viel für ein Photo

Eisfreier Kallholmsfjärden

Seit gestern ist der Kallholmsfjärden eisfrei, wenn man von ein paar kleinen unmotiviert dahindümpelnden Eisschollen absieht. Letztes Jahr hingegen saßen noch am 21. April Eisfischer auf dem ufernahen Eis, also noch 40 Tage später als dieses Jahr.

Allerdings müssen sich alle, die auf einer der Inseln ihre Stuga haben, noch ein bisschen gedulden, bis sie das Boot nehmen können, denn die Hafenbecken aller kleinen Bootshäfen Skelleffehamns sind noch eisbedeckt, so zum Beispiel Tjuvkistan.

Der Kallholmsfjärden ist fast eisfreiDas Hafenbecken von Tjuvkistan ist noch eisbedeckt

Auch ich muss sehen, wo ich das Kajak einsetzen kann, wenn ich am Wochenende paddeln möchte. Der nahe kleine Hafen Killingören ist noch zugefroren, ebenso das Meer bei Storgrundet, auch wenn es schon große Löcher aufweist. Der Skooterfahrer, den ich dort zur Sonnenuntergangszeit getroffen habe, ist optimistisch. Auf meine Frage „Håller isen?“ – hält das Eis? kam nur ein „Jag hoppas det!“ – Ich hoffe es! zurück. Während ich die Wathose ausgezogen und Kamera und Stativ verstaut habe, konnte ich noch das Knattern des Skootermotors hören, bis der Fahrer auf der Insel ankam.

Schwaches Eis bei Storgrundet

Am Strand von StorgrundetSkooterfahrt zur Insel

Steife Brise auf dem Meer

Heute habe ich zu Hause gearbeitet. Das war zumindest der Plan. Das Wetter war ein bisschen eigenartig: Blauer Himmel und Sonne und ein paar Plusgrade, aber sehr windig. Nicht umsonst hat der Wetterdienst vor Windböen bis 21 m/s gewarnt – das ist Windstärke 9: Sturm. Also habe ich meine Arbeit kurz unterbrochen, um an der Lotsenstation Wellen zu fotografieren, auch wenn die bei Westwind wahrscheinlich nicht sehr eindrucksvoll sind.

Gischt und Eisstücke fliegen durch die LuftDa stehe ich dann auf der kleinen Pier und versuche Gischt zu fotografieren. Erst zu Hause werde ich sehen, dass der Wind nicht nur Wasser, sondern auch Eisstückchen durch die Luft bläst. Da kommt ein Mann mit dem Auto angefahren, sieht mich und beginnt mir sofort, Zeichen zu geben und zu gestikulieren.

Mein erster Gedanke ist, dass er mich von der Pier scheuchen will, weil das (a) streng verboten, (b) seiner Meinung nach total gefährlich ist. Der zweite Gedanke: Erst mal fragen, worum es geht. Ja hej, sagt der Mann, ich wäre wohl am Fotografieren interessiert. Ob ich nicht mit dem Lotsenboot mitfahren wollte, welches gleich anlegt. Er arbeitet als Lotse, hat aber gerade frei.

Mein erster Gedanke ist, ich muss doch arbeiten. Der zweite Gedanke: Das kann ich auch später am Tag. Also habe ich ja gesagt. Der Lotse macht kurz alles klar und in einer halben Stunde, wenn das Lotsenboot Pilot 761 ablegt, darf ich mitfahren.

Ich bin kurz nach Hause gefahren, habe bei der Arbeit Bescheid gesagt, kurz was gegessen und getrunken und war zwanzig Minuten später wieder an der Pier. Die Pilot 761 nicht. Überall auf dem Wasser suche ich das kleine knallrote Schiff. Das kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben. Doch die Pilot 761 ist verschwunden und ich mache noch ein paar weitere Gischtfotos.

Da kommt aus der letzten Ecke der Bucht ein kleiner roter Fleck, kommt näher und näher und landet tatsächlich an der Pier an, um mich mit an Bord zu nehmen, wo ich auf einem der drei vorderen Plätze sitzen darf. Und los geht die Fahrt. Bald liegt Gåsören backbord voraus.

Auf der Bucht KallholmsfjärdenGåsören backbord

Ich bin verwundert, wie ruhig die Fahrt doch trotz der Sturmböen ist, aber der Wind liegt uns im Rücken und das Schiff rollt nur ein bisschen nach links und rechts.

Schräglage nach links …… und nach rechts

Das ändert sich, als wir auf offener See auf das Schiff Sunnanhav warten. Es liegt noch an der Kai Rönnskärs und wird drei Lotsen mit an Bord nehmen. Diese sollen wir dann vom Schiff abholen und wieder zurückbringen. Wir wenden und kaum fahren wir gegen den Wind, beginnt das Schiff zu stampfen und große Ladungen Ostseewasser werden gegen die Frontscheiben geschleudert.

nordwärts – das gefällt mir ;-)Gischt und Seewasser prasseln

Kurze Zeit später kommt die Sunnanhav in Sicht, die wir direkt ansteuern. Das Beidrehen, Anlegen und Lotsen an Bord nehmen geht so schnell, dass ich kaum dazu komme, das Schiff zu fotografieren.

Hinter der Gischt: Die SunnanhavDrei Lotsen wollen an Bord

Jetzt fahren wir wieder zurück in die Bucht nach Skelleftehamn. Ich finde es extrem schwierig, die Bewegung und die Gischt in ein stilles Foto einzufangen und habe deswegen ein kleines Video mit dem iPhone gemacht:

Eher zufällig habe ich direkt hintereinander zwei sehr unterschiedliche Fotos gemacht, die ich beide sehr mag, auch wenn vor allem das zweite technisch ziemlich daneben ist.

Gischt auf der FensterscheibeGåsören-Traumland

Wir steuern erst den Hafen Rönnskärs an, wo ein Lotse von Bord geht. Direkt vor uns liegt die norwegische Rystraum. Einmal schnell über die Bucht und die beiden anderen Lotsen und ich springen von Bord.

Vor uns die norwegische RystraumWieder an Land

Heute habe ich zu Hause gearbeitet. Das war zumindest der Plan. Pläne darf man ändern und nun muss ich bloß am Sonntag ein bisschen nacharbeiten. Aber das war es wert.

Wie kommt man rüber?

Wile E. Coyote hätte viele Tricks gehabt, um vom Festland zur Insel Storgrundet zu kommen: Mit dem Katapult oder mit mit Stelzen durchs Wasser, mit Bettfedern unter den Füßen springend oder schwebend mit einem selbst aufgeblasenen Luftballon in der Hand. Und höchstwahrscheinlich wäre alles schief gelaufen: Die Stelzen wären im Schlamm versunken und den Luftballon hätte eine Möwe kaputtgepiekst.

Da stehe ich also am Ufer, schaue zur Insel herüber und geniesse die Sonne. Letzte Nacht sind zwei Zentimeter Schnee gefallen und es blieb den ganzen Tag unter null – das erste Mal wieder seit über einem Monat. Und natürlich mache ich Fotos.

Niedrigwasser bei StorgrundetHalboffenes Meer

Der Wasserstand ist sehr niedrig. Überall schauen Felsen und Steine heraus und man hat fast den Eindruck, man könne zur Insel herüberwaten. Das ist aber falsch gedacht, denn nicht überall ist es so flach wie die ersten zwanzig Meter und zwischen den Steinen ist der Grund ziemlich schlammig.

Das Boot? Das liegt auf dem Eis, denn nicht überall ist das Meer offen und noch kommt man nicht zur der Insel, zumindest nicht von hier aus.

Weiter rechts ist aber die Ostsee eisbedeckt und dort sind auch einige zur Insel unterwegs. Einige mit dem Skooter, dem Lieblingsgefährt vieler Schweden.

Das Boot liegt noch auf dem EisMit dem Skooter zur Insel

Und wenn ich von Skooter rede, dann meine ich natürlich den Schneeskooter und keinen Motorroller. Aber nicht alle sind motorisiert unterwegs, so mancher geht auch einfach herüber. Und wenn man etwas transportieren möchte, dann zieht man das einfach in einer Plastikwanne hinter sich her. Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit: Den Spark.

Der Spark besteht aus einem Stuhl, unter dem zwei lange flexible Metallkufen angebracht sind. An der Stuhllehne sind Handgriffe befestigt. Man kann zwischen den Kufen spazieren gehen und sich an den Griffen festhalten oder auch wie beim Tretroller auf einer Kufe stehen und sich mit dem freien Fuß abstoßen. Das sagt auch schon ein bisschen das schwedische Wort, denn Spark bedeutet Tritt. Oft sieht man im Winter ältere Leute mit dem Spark vom Einkaufen kommen, die Plastiktüte auf dem Stuhl, doch auch Schulkinder habe ich schon zur Schule sparken sehen. Und in Nattavaara in Lappland habe ich einmal eine alte Dame auf ihrem Spark den abschüssigen Weg zu ihrem Haus abfahren und dabei ohne zu Bremsen locker die Kurve nehmen sehen.

Zu FußMit dem Spark

Die Schwedin, die mir entgegenkam, hat mir direkt erzählt, wie schön es auf der Außenseite der Insel sei. Wir sollten kurz dahinsparken, das dauert ja nur drei Minuten und ich könne ja dort fotografieren. Eine nette Einladung, die ich gerne annehme. Als ich der Frau erzählt habe, dass ich noch nie einen Spark benutzt habe, schaute sich mich völlig fassungslos an. Sie konnte sich wohl nicht vorstellen, dass jemand freiwillig auf so ein bequemes Gefährt verzichtet. Aber Sparken ist ja nicht schwer und nach ein paar Minuten Fahrt gingen wir bei der südlichsten Stuga an Land, wo wir erst mal einen langen Plausch mit dem Paar, welches die Stuga letztes Jahr gekauft hat hielten.

Ich habe noch ein paar Erinnerungsfotos vom Steinstrand gemacht, aber so richtig nichts gefunden. Zum einen waren die Steine eisumhüllt und sauglatt, zum anderen wollte ich nicht nass werden. Außerdem wollte ich die Schweden nicht zu lange warten lassen.

Die Steine sind eisumhülltDas Südostufer von Storgrundet

Nach ein paar Minuten waren wir wieder am Festland. Wenig später war ich wieder zu Hause. Auf den Straßen und meiner Holzterrasse ist der Schnee weggeschmolzen, denn die Märzsonne hat schon einiges mehr an Kraft als die Sonne im Januar. Ein paar Tage soll es noch kalt bleiben und ich bin gespannt, ob Teile des Meeres wieder zufrieren werden.

Ich bin Winter, spielt mit mir!

Wie ein kleines Kind beim Verstecken, welches ein besonders gutes Versteck gefunden hat und stundenlang nicht herauskommt, um dann plötzlich, wo längst alle anderen Kinder schon auf dem Heimweg zum Abendessen sind, aufzutauchen und „Buh! Da bin ich, spielt mit mir!“ zu schreien, so ist dieser Winter. Fünf Wochen hat er sich gründlich versteckt und nun, wo sogar ich auf den Frühling hoffe, da wird es plötzlich wieder frostig kalt. Schon gestern waren die freien Wasserflächen bei Storgrundet, wo ich zwei Tage zuvor fotografiert habe, wieder überfroren und selbst der Kallholmsfjärden war gestern schon wieder großflächig mit neuem Eis bedeckt. Das geht schnell, denn kalt genug ist das Wasser ja noch und auch der stürmische Wind, der uns die letzte Woche begleitet hat und das Eis aufbrach, hat sich gelegt.

Gestern: Storgrundet ist wieder komplett eisbedecktHeute: Pfannkucheneis auf dem Kallholmsfjärden

Eisschollen am Damm zur Lotsenstation

Heute hätte ich gerne freigenommen und das herrliche Sonnenwetter ausgenutzt, um meine erste Kajaktour dieses Jahr zu machen. Aber zum einen habe ich gerade mehr als genug zu tun bei Hello Future, zum anderen habe ich für verschiedene Aktivitäten schon den Freitag freigenommen und auch am Montag nachmittag werde ich nicht am Computer sitzen.

Frühlingsanfang

Liebe Blogleser, heute um 18:32 ist Tag- und Nachtgleiche und damit astronomischer Frühlingsanfang. Und der sieht hier so aus:

Schneefall an der Küste

Deswegen hält sich meine Frühlingsstimmung noch ein wenig in Grenzen. Die Temperatur ist von nächtlichen -13.8 °C auf -3.5 °C gestiegen, es ist grau, windig und es schneit. Einzelne Windböen rappeln am Plastikdach des Wintergartens, fegen den Schnee durch die Straßen und der smhi warnt vor 10-20 cm Neuschnee bei lebhaften Südostwinden. Nicht gerade Frühling!

Morgen fahre ich mit einigen anderen Mitgliedern von Dark & Cold nach Rovaniemi in Finnland, um dort bei den Winterschwimmweltmeisterschaften als Zuschauer dabei zu sein. Auch nicht gerade eine Frühlingsaktivität.

Winter in Nordschweden 2014

Ein Gastbeitrag von meiner Schwester Katrin aus Augsburg.

Als wir uns Ende Februar in Augsburg auf den Weg zu Olaf machten, wollten wir diesmal vor allem eins erleben: Winter in Nordschweden und natürlich unseren Bruder/Schwager/Onkel sehen. Das hieß in unserer Vorstellung Berge voll von Schnee, meterhohes Eis, eine zugefrorene Ostsee, über die man zu zahlreichen Inseln wandern kann. Die Realität sah dann etwas anders aus: Nach langen Wochen warmen Wetters erschien es wie ein schmuddeliger bayerischer Winter. In den nächsten Tagen konnten wir trotzdem viel Winter erleben. Querfeldein durch den Wald laufend fanden wir noch genug Schnee, um bei jedem Schritt bis zu den Knien darin zu versinken. „Olafs Badebucht“ war noch so vereist, dass wir uns über das Eis zur vorgelagerten Insel wagen konnten, um dann nach kurzer Wanderung über die Insel an der offenen Ostseeküste zu stehen. Und ein Ausflug an eine felsige Küste mit einer Bucht gab uns eine kleine Vorstellung davon, wie Packeis aussieht. Wir sahen auch Eisfischer und ein riesiges Frachtschiff, das sich seinen Weg durch den vereisten Fluss bahnte. Fazit also: Für uns aus dem „Süden“ gab es noch genug Winter zu erleben!

Ein weiteres Highlight war wieder der Besuch bei Bodaborg. So etwas wie Bodaborg kennt man in Deutschland nicht und wir bekamen den Tipp dazu von Freunden. Was man in diesem Haus machen kann, lässt sich nur schwer erklären. Es geht darum, in kleinen Gruppen Aufgaben/Rätsel zu lösen. Mal mehr zum Nachdenken, mal sehr sportlich. Es hat wieder den ganzen Tag ausgefüllt und wir waren alle voll bei der Sache.

Wir alle, aber vor allem unsere Jungens hatten außerdem ihre Freude an einer Ausstellung über die Geschichte von Computerspielen. Rundherum war es eine sehr schöne Woche mit Ausflügen, Doppelkopf spielen und viel Schlaf.

Danke für die schöne Zeit, Olaf!

Wie schwer ist wohl diese Eisscholle?Es tautStein im SchneeEine SchneebrückeWo ist die Ostsee?Wasser oder Eis – manchmal kaum zu erkennen

Abschied vom Winter – die erste Kajakfahrt

Sollte es wirklich so sein? Dass ich frei habe und schönes Wetter ist und kein Sturm? Dann steht der ersten Runde mit dem Kajak ja nichts mehr im Wege, denn das Meer ist schon seit Ende Februar offen.

Es gibt einige Plätze, wo ich das Kajak einsetzen kann: Storgrundet (noch eisbedeckt), gleich um die Ecke (nur schön, wenn auch die Bucht Kurjoviken und der Fluss schon frei sind) oder bei der Lotsenstation, die etwas weiter weg ist. Ich habe mich für letzteres, die Lotsenstation entschieden. Mit dem Hüftgurt, mit dem ich sonst die Pulka ziehe, konnte ich mein Kajak bequem die zweieinhalb Kilometer zum Einsetzpunkt ziehen und dabei die Arme baumeln lassen.

Wenig später lag das Boot auf einer Eisscholle am Steinufer und eine Minute später war ich im Wasser. Mein Ziel war die Eiskante, denn ein geschützter Teil der Ostsee zwischen Festland und Inseln ist noch komplett eisbedeckt. Die Fahrt ging überraschend leicht und das kenne ich ja schon von Fahrradtouren: Geht es leichter als erwartet, dann hat man Rückenwind und muss das alles gegen den Wind wieder zurück.

Die erste Kajaktour 2014An der Eiskante

Ich bin dann in eine schmale Lücke im Eis hineingefahren und habe fest damit gerechnet, rückwärts wieder hinauszumüssen. Das Kajak hat stattdessen aber den Riss im Eis erweitert und eine große Eisscholle abgespalten und so konnte ich, vom Wind unterstützt, weiter geradeaus paddeln.

Geht’s da weiter? Ja!

Dicht am EisEine Eisscholle löst sich und treibt seewärts

Wieder bin ich in eine Lücke hineingefahren, aber dort ging es nicht weiter und ich musste rückwärts wieder hinaus.

Geht’s da weiter? Nö!

Bald war ich recht nah den Inseln Bredskär und Klubben. Ich wäre gerne um sie herumgepaddelt, um an der anderen Seite des eisbedeckten Teiles anzulanden, aber der ablandige Wind war doch ziemlich frisch und so bin ich an der Eiskante vor den Inseln umgekehrt. Und die Schokolade, die ich auf einer der Inseln essen wollte, kann man ja auch zu Hause naschen.

Eis vor BredskärEisschollen

Wendepunkt

Das paddeln gegen den Wind ging einfacher als erwartet und bald war ich wieder am Steinufer der Halbinsel Näsgrundet bei der Lotsenstation. Ich schaute einmal noch auf das Eis draußen und habe mich deutlich vom Winter verabschiedet. Jetzt soll der Frühling kommen! Dann bin ich mit dem Kajak im Schlepptau nach Hause gelaufen.

FrühlingsboteEs war überraschend warm und am Straßenrand habe ich kleine Kätzchen als Frühlingsboten gefunden. Es ist schon lustig, wie die Leute schauen, wenn man ein Fünfmeter-Kajak hinter sich herzieht. Auch meine Nachbarn kamen mir mit den Hunden entgegen und sagten, heute sei der wärmste Tag: Jetzt schon 10 °C. Na, das passt ja zum Frühling. Und morgen, nach der Zeitumstellung geht die Sonne erst kurz vor halb acht unter. Herrlich!

Kurz mal zwei Photos

Ein Photo vom Mittwoch. Es zeigt die gleiche Eisfläche, an der ich gestern morgen noch entlang gepaddelt bin von der Landseite. Im Hintergrund liegt Gåsören. Da hätte ich heute hinpaddeln können, aber ich habe mir lieber einen faulen Tag gemacht. Im übrigen war ich genau heute vor einem Jahr auch auf Gåsören, aber da bin ich mit Skiern hingelaufen! So unterschiedlich können die Winter hier sein.

Eis bei Tjuvkistan. Im Hintergrund die Inseln Klubben und Gåsören

Ein Photo noch von gestern, da war mit gut 11 °C der wärmste Tag des Jahres. Auf dem Weg in die Stadt habe ich am Strand von Harrbäckssand angehalten. Am Ufer lagen noch einzelne Eisschollen und der Strand war noch komplett eisbedeckt aber auch hier ist die Ostsee komplett offen und die ersten beiden Schwäne flogen über die See.

Eisreste bei Harrbäckssand. Im Hintergrund die Inseln Djupskäret und Björkskär

Heute sah es ein bisschen anders aus, denn als ich aufwachte, war es unter Null und alles war weiß. Aber der Schnee taute schnell wieder weg, denn der Boden war noch warm.

Osterbesuch

Kann man bei drei Jahren schon von Tradition sprechen? Wenn ja, dann ist es bei mir Tradition, die Ostertage zu Hause zu sein und hauptsächlich nichts zu tun. Und dann habe ich diese Tradition dieses Jahr gebrochen, als ich Elisabet in Umeå besucht habe.

Auf der Hinfahrt habe ich mir Zeit gelassen und bin mit dem Auto ab Sikeå die kleinen Wege gefahren. Gleich bei „Hemmesmarken“ habe ich angehalten, weil ich über das schöne Schild „Gammellandsvägen“ – sozusagen „Der alte Landsweg“ – gestolpert bin. Von dort aus konnte man schnell auf die bewaldeten Granitfelsen klettern. Dort hätte ich noch lange umherlaufen können, aber ich wollte ja nach Umeå.

Der „Gammellandsvägen“Fels und Wald

Wasserlache auf dem Granitfels

Über kleine Waldwege bin ich weitergefahren. Einige waren so weich vom Tauwetter, dass sich tiefe Spurrillen gebildet haben, denen mein Auto mehr als meinen mehr oder minder kunstvollen Lenkmanövern gehorcht hat. Aber trotz meiner Befürchtungen mich festzufahren ging es doch immer weiter. Den kleinen vereisten Schneerest auf dem nächsten Bild habe ich an der kleinen Bucht von Storsand nördlich von Ratan gefunden.

Schneerest am Meer

Ich hatte fast damit gerechnet: inzwischen habe ich so viel Zeit vertrödelt, dass ich spät dran war. Deshalb bin ich ohne weitere Zwischenstopps weiter nach Umeå gefahren, wo Elisabet und ich dann einen langen Spaziergang um den schönen See Nydalasjön gemacht haben.


Am nächsten Tag sind wir zusammen mit J. in das Naturreservat „Strömbäck-Kont“ gefahren, welches nicht nur alte Wälder, klare Seen, blanke Felsbuckel mit Meerblick und kleine Sandbuchten bietet, sondern auch viele Wanderwege, einen kleinen Bootshafen, der noch im Winterschlaf war und Grillplätze. Nach einer größeren Zickzackrunde sind wir wieder an der ersten Grillstelle angekommen, wo wir das große Glück hatten, von einer aufbrechenden Familie eine Feuerstelle übernehmen zu können. Während Elisabet schon einmal neues Feuer machte, sind J. und ich zum nahen Parkplatz gelaufen, um den Proviant zu holen. Das Menu: Dreierlei Wurst, Stockbrot – (schwedisch: pinnbröd)und geschmorte Schokobanane. Und selbst wenn pinnbröd rein kulinarisch nicht der größte Genuss sein mag, so macht es doch schon großen Spaß, seinen Holzspieß in ein Stück Wurst zu rammen oder mit Teig zu umhüllen und dann über das Feuer zu halten. Und danach hatte ich auch ein bisschen Zeit, auf den glattgeschliffenen Felsen herumzulaufen oder den großen sich brechenden Wellen am Felsstrand zuzuschauen.

Wurst schmort über offenem FeuerNeues Feuer für die Schokobananen„Upside down“ – SpiegelungBrandung an den Klippen vor Kont

Heute am Ostersonntag habe ich mich auf den Rückweg gemacht. Während es in Umeå noch bewölkt war, konnte man im Norden schon blauen Himmel ahnen und bald kam auch die Sonne heraus. Am See Högfjärden habe ich noch ein letztes Foto geschossen, ehe ich mich nach Hause gefahren bin um dort das zu tun, was ich auch die letzten drei zu Ostern hauptsächlich gemacht habe:

Nichts.

Letzte Eisreste auf dem See Högfjärden

Frühlingspaddeln

Heute habe ich zum ersten Mal mein Kajak wieder zum Strand von Storgrundet gezogen, denn auch dort ist das Meer seit kurzer Zeit eisfrei. Storgrundet hat als Startpunkt die Vorteile, dass man nur eine viertel Stunde läuft, einen herrlichen kleinen Sandstrand zum Kajak hineinschieben hat und dann sofort draußen ist und nicht erst noch an der Industrie der Halbinsel Rönnskär entlang paddeln braucht. Bald saß ich im Kajak, ließ das Steuerruder herunter und paddelte durch den kleinen Durchlass zwischen Festland und der Nordwestspitze der Insel Storgrundet. (Ja, es ist etwas verwirrend, sowohl der Strand am Festland als auch die Insel heißen Storgrundet.)

TourstartSelbstportraitAuf dem MeerVielleicht nach Medgrundet?

Heute bin ich in Richtung offenes Meer gefahren, denn Medgrundet lockte am Horizont. Eigentlich war mir die Insel mit drei Kilometern ein bisschen weit weg, denn selbst, wenn es so ruhig und windstill wie heute ist, dann frage ich mich immer, was passieren würde, wenn ich ins Wasser plumpse. Auch wenn die Sonne warm sein mag, das Wasser ist ja immer noch eiskalt. Deswegen würde ich zu dieser Jahreszeit nie alleine drei Kilometer weit aufs offene Meer paddeln.

Doch auf halber Strecke liegt die Insel Själagrundet, die eigentlich nur ein großer, von Möwen bewohnter Steinhaufen ist und das Meer war ja ruhig. Also habe ich mich auf den Weg gemacht. Doch kurz vor Själagrundet wurden die Wellen zappeliger und da der gebraucht gekaufte Trockenanzug, den ich heute anhatte, nicht komplett dicht ist – die eine Armmanschette ist kaputt – bin ich zwar noch nach Själagrundet gefahren, dann aber nicht weiter hinaus gepaddelt, sondern nach links zur Insel Djupskäret abgebogen, wo ich eine kleine Pause gemacht habe.

Am Ufer von Djupskär

Blick auf MedgrundetPause in der Frühlingssonne

Weiter bin ich in Richtung Harrbäckssand, einer flachen Bucht mit Sandstrand gepaddelt und auch dort wollte ich eine Pause machen. Das war gar nicht so leicht, in Richtung Ufer zu kommen, denn das Wasser ist auf weiter Strecke keine 30 Zentimeter tief. Also bin ich zum Schluss ausgestiegen, habe das Kajak auf eine kleine Kiesbank gezogen, die Kamera geschnappt und bin durch das flache Wasser ans Ufer gewatet.

„Schlurp!“ sagt der Boden und verschluckt mich. Ich stecke plötzlich bis zur Hüfte in einem grauen Schlickloch. Ich weiß zwar, dass der Untergrund vor Harrbäckssand teilweise ein bisschen lehmig ist, aber man überall laufen kann. Eigentlich! Vielleicht habe ich das einzige Schlickloch weit und breit gefunden, es würde passen. Schnell mache ich noch ein Foto fürs Blog, ehe ich mich wieder aus dem Schlick befreit habe. Das war nur eine Sache von Sekunden, denn das Zeugs war weich und rundherum war der Boden ja hart. Die nächste Viertelstunde war ich damit beschäftigt, den Anzug wieder sauber zu bekommen. Gar nicht so leicht, wenn das Wasser so flach und der Schlick so anhänglich ist.

Später sehe ich, dass Gewebematten unter der vermeintlichen Kiesbank hervorschauen. Vermutlich ist das Problem bekannt und man hat früher schon versucht, den Boden zu stabilisieren. Ich habe eine Mail an die Kommune geschrieben, mal schauen, ob die etwas unternehmen.

Bis zur Hüfte im SchlickSchlicküberzogen

Nachdem die Hosenbeine wieder mehr nach gelbem Nylon als nach grauem Schlamm aussahen, bin ich weitergepaddelt. Längst schon war es so warm, dass ich die Mütze nicht mehr auf dem Kopf hatte und die Neoprenhandschuhe unter einem der Gummizüge des Kajaks klemmten. Möwen kreisten leicht empört über mir – was, bitte schön habe ich auf ihrem Meer zu suchen?! – und die Sonne schuf gemeinsam mit den kleinen Wellen bizarre Muster auf dem sandig-welligen Meeresufer. Ich finde, dass das Unterwasserbild, bei dem ich die Kontraste stark erhöht habe, eher wie ein fremder Planet als wie die nordschwedische Ostsee aussieht.

Meeresboden

Nun musste ich nur noch geradeaus paddeln und zum ersten Mal überhaupt hatte ich den Eindruck, dass meine Bewegungen im Fluss sind und das Paddeln gar nicht mehr anstrengt. Das liegt natürlich auch daran, dass ich nicht mehr den dicken roten Neoprenoverall anhatte, der sich jeder Armbewegung widersetzt. Als ich wieder am Strand von Storgrundet ankam, hatte ich noch nicht genug. Nach einer kurzen Pause habe ich deswegen das Kajak wieder ins Wasser geschubst und bin noch um die Insel …

+++ Eilmeldung: Gerade eben ist Skellefteå AIK wieder schwedischer Eishockeymeister geworden. Nach 3–0, 6–2, 8–1(!) hat AIK gerade 3–0 gegen Färjestad BK gewonnen. Jetzt ist bestimmt ganz Skellefteå im Siegertaumel – wie schon im letzten Jahr +++

… also, ich bin noch um die Insel Brambärsgrundet gepaddelt. Dort ist das Wasser noch flacher und geschützter als zwischen Storgrundet und Festland und dort habe ich auch noch die letzten kleinen Eisschollen gefunden.

Die letzten kleinen Eisschollen

Als ich zu Hause ankam war T-Shirt-Wetter: 16 °C im Schatten, der erste warme Tag. Und wem das nicht reicht: Die Sonne hat meinen Wintergarten auf 28 °C aufgeheizt. Hochsommertemperaturen!

Die dritte Kajaktour

Fünf Uhr morgens: Die Helligkeit weckt mich. Ich blinzele durch die Jalousien auf klaren Himmel und weiß: Jetzt sollte ich die Kajaktour machen, wenn ich schönes Licht zum Fotografieren haben möchte. Es sind nicht die drei Grad minus, die mich davon abhalten, aufzustehen, sondern mein innerer Schweinehund, der mit zwei Doppelzentnern auf meinem Bauch liegt und mich nicht aus dem Bett lässt.

Acht Uhr morgens: Die Helligkeit weckt mich wieder. Ich blinzele durch die Jalousien auf klaren Himmel und weiß: Jetzt kann ich mir Zeit lassen, denn das warme Morgenlicht ist eh weg und schönes Wetter ist es sowieso.

Ich hole die Neoprenschuhe aus dem Wintergarten. Dort stehen auch meine Skier. Die Tourenski mit den Stahlkanten und die ewig langen Holzski für Wald und Tiefschnee. Ganze drei Mal habe ich diesen Winter auf Skiern gestanden. Das ist definitiv zu wenig. Das will ich nächsten Winter anders machen, selbst wenn er wieder so kurz ist wie dieser. Aber bis dahin dauert es noch mindestens ein halbes Jahr und ich bringe die Skier in die Garage. Weg damit – jetzt Frühling bitte!

Irgendwann so um halb zehn: Ich stehe draußen, das Kajak auf dem Bootswägelchen festgezurrt und treffe meine Nachbarn. Ein dumpfes Grollen lässt uns innehalten. „Was war das“ – fragt sie. „Tåme“ – sagt er. Tåme, das ist weiter nördlich, etwa 35 Kilometer Luftlinie und dort übt das schwedische Militär schießen. Man hört es bis hierhin.

Bald schiebe ich das Kajak am Strand von Storgrundet ins Wasser und paddele los. Immer wieder höre ich die dumpfen Schläge der Schießübungen, so laut, dass ich meine, die Druckwellen auch am Körper zu spüren.

Weiter paddele ich. Nun ist es ruhig. Haben die Soldaten fertiggeknallt oder halten sie nur Fika, die schwedische Kaffeepause? Storgrundet liegt inzwischen hinter mir. Rechts liegen die Außenseiten der Inseln Norrskär und Bredskär, Gråsidan und Nygrundet, links nur das Meer und weit der Horizont.

Gråsidan und Nygrundet voraus

Wie weit weg wohl der Horizont ist? Die Insel Skötgrönnan kann ich mühelos sehen. Sie ist elf Kilometer entfernt, verrät mir zu Hause die Seekarte. Ich bin erstaunt, dass ich vom Kajak, gerade einen Meter über dem Meeresspiegel, doch so weit schauen kann.

Nygrundet ist die östlichste Insel vor Skelleftehamn. Ich fahre um sie herum und habe Wind und Sonne im Rücken. Ich lasse mich ein bisschen treiben. Auch die Gedanken treiben. Das geht gut auf dem Meer. Bald nähere ich mich Bredskärs Innenseite, dort, wo Nachbarn ihr Sommerhaus haben. Und richtig, meine Nachbarin ist da und wir unterhalten uns, sie auf dem Bootssteg stehend, ich im Kajak sitzend. Nach zehn Minuten verlegen wir unser Gespräch auf die Terrasse, wo ich natürlich – wir sind in Schweden – zu einem Kaffee eingeladen werde. Nach kurzer Zeit verabschiede ich mich aber, denn mir wird kalt in meinen klammen Klamotten unter dem Trockenanzug, der weit davon entfernt ist, atmungsaktiv zu sein.

Karte und Kompass sind immer dabeiNygrundet – wo ist das Haus?

Ein Stück paddele ich noch, sehe die Kanadagänse mich misstrauisch beäugen, sehe einen Mann bauchtief im Wasser stehen, er richtet seinen Bootssteg, der vermutlich im Winter an Land lag, damit er vom Eis nicht zerstört werde. Ich sehe Gänsesäger, die immer ein bisschen wie Punk-Enten aussehen und viele Möwen. Nur eines sehe ich nicht mehr: Eisschollen.

Vor dem Strand von Storgrundet ziehe ich am Seilzug, der mein Steuerruder aus dem Wasser hebt und nehme Anlauf. Mit Schwung landet das Kajak auf dem Sandstrand. Bald ist das Boot wieder auf seinem Wägelchen festgezurrt und ich laufe nach Hause. Aber nicht direkt, denn auch B., der sein Sommerhaus um die Ecke hat, lädt mich noch zu einem Kaffee ein.


Ausgelöst durch die Schießübungen enthielt dieser Artikel ursprünglich einige Gedanken zum Konflikt in der Ukraine und andere recht persönliche Gedanken. Beim Lesen hatte ich aber den Eindruck, dass sie zu unausgegoren für eine Veröffentlichung im Blog sind. Daher habe ich die Textteile wieder entfernt. Vielleicht nehme ich mir irgendwann mal Zeit, ein bisschen über andere Themen als Ich-In-Schweden zu schreiben. Ob das dann hier oder in einem neuen Blog sein wird, weiß ich noch nicht.

Maischnee

Gestern habe ich Valborg in Bygdeträsk gefeiert, heute gegen elf sitze ich im Auto und fahre wieder nach Hause. Allerdings nicht direkt. Erster Mai, ein freier Tag! Das Wetter ist schön, die Sonne scheint, ein paar Plusgrade hat es wieder nach frostiger Nacht, vielleicht gibt es noch irgendwo etwas zu sehen.

Das gibt es. Zum Beispiel eine ansteigende Straße, noch nass, in der sich grell die Sonne spiegelt.

Blauer Himmel und Sonnenspiegelung

Doch das Wetter ändert sich. Dunkle Wolken ziehen auf, aus denen es graupelt und schneit, an manchen Stellen überraschend heftig. Ich fahre viele kleine Straßen, viele sind nur sogenannte „Grusvägar“ – Kieswege. Doch die Nadel der Tankanzeige steht schon auf R, also fahre ich nach Lövanger, welches an der E4 liegt und damit eine auch am Feiertag geöffnete Tankstelle hat. Auch hier schneit es und so mancher Passant läuft ziemlich winterlich gekleidet vorbei. Vollgetankt fahre ich weiter und nun nehmen die Schneeschauer zu und werden stärker.

Winterlich gekleidet am 1. MaiEiner der stärkeren Schneeschauer

Und so fotografiere ich noch einmal eine Straße: Dieses mal nicht mit Sonne und blauem Himmel, sondern mit dichtem Schneefall.

Starker Schneeschauer

Die Schneeschauer werden dichter und es kühlt sich ab. Irgendwann zeigt das Autothermometer nur noch 1 °C an und der Schnee beginnt, liegen zu bleiben. Und als ich irgendwo kurz vor Uttersjöbäcken aus dem Wald komme, liegt genug Schnee auf dem Acker, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass heute der erste Mai ist.

Nur noch 1 °CVerschneiter Acker

Es war kein Zufall, dass ich nach Uttersjöbäcken gefahren bin, denn dort ist das schöne Naturreservat „Bjuröklubb“, eine große Landzunge, die in der Ostsee ragt, gleich um die Ecke. Dort wollte ich jetzt den Leuchtturm im Schneeschauer fotografieren. Aber nochmals hat sich das Wetter geändert und plötzlich war es wieder sonnig. Genau das richtige Wetter, um über die Felsen zum 50 Meter tiefer liegenden Felsstrand hinabzusteigen. Ich war ganz froh, in meiner Münchner Zeit so manche Bergtour gemacht zu haben, sonst hätte ich mich an manchen Stellen nicht entlang getraut.

Bjuröklubb Fyr, der alte LeuchtturmGranitfelsen im GegenlichtHoher FelsquaderManche Felsen sind ziemlich hoch

Als ich unten angekommen war, schaute ich über das klare Meer, welches den leuchtend blauen Himmel widerspiegelte. Kleine Wellen plätscherten an die Felsen, sonst war es still und ruhig. Was für ein Kontrast zu der winterlich anmutenden Autofahrt hierher.

Felsküste bei Bjuröklubb

So, Winter, Du hast Dein Gastspiel gehabt, jetzt darf es gerne auch wieder Frühling werden.

Die Route: Bygdeträsk – Andersvattnet – Söderby – Korssjön – Flarken – Gammbyn – Kålåboda – Brände – Vebomark – Lövanger (Volltanken) – Fjälbyn – Uttersjöbäcken – Bjuröklubb – Uttersjöbäcken – Risböle – Burvik – Bureå – Örviken – Skelleftehamn

Zurückdatiert vom 02. Mai 2014 00:32 auf den 01. Mai 2014 23:59

Abendrunde mit dem Kajak

Das ist schön, wenn die Sonne erst um viertel nach neun untergeht – man kann nach der Arbeit noch eine kleine Runde mit dem Kajak drehen. So wie heute bei glatter See und blauem Himmel. Von der kleinen Bucht Killingörviken durch ein kleines Stück Hafen (groß ist er ja nicht), durch den Kejsar Ludvigs kanal einmal um die Halbinsel Kallholmen und durch den kleinen Tunnel Lappstrupen wieder zurück. Noch bevor die Sonne ganz untergegangen ist, bin ich wieder zu Hause.

Glattes Meer auf der BuchtAm Hafen vorbeiSpiegelungBald geht die Sonne unter