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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Endspurt

Ich sitze am Rechner und schreibe eine technische Dokumentation. Und das bei dem schönen Wetter! Aber das ist mein diesjähriger Endspurt vor den Sommerferien, denn Mitte nächster Woche soll die Dokumentation fertig sein. Und mein Urlaub beginnen.

Aber wenn es morgen wirklich den ganzen Tag regnen sollte, dann werde ich morgen arbeiten und vielleicht kann ich dann schon ab Montag freinehmen. Den ganzen Juli!

Mit mir haben so ziemlich alle zeitgleich frei, denn fast ganz Schweden nimmt um den Juli herum Urlaub, um den schwedischen Sommer zu geniessen und Licht und Wärme zu tanken. Irgendwann im August treffen sich dann alle wieder und erinnern sich daran, dass sie ja auch einen Job haben.

Drei Länder in 14 Tagen oder eine neue Anreisevariante nach Skelleftehamn

Ein Gastbeitrag von Christina Tüschen.

Ein Anruf im Januar 2012: Olaf, ich bin im Juni in Tallinn, da könnte ich doch mal eben … vorbeikommen.
Kein Problem.

In Tallinn verbringe ich 5 wunderbare Tage mit meinem Chor, dann fahre ich mit der Fähre zu einer 2-Tages-Besichtigung nach Helsinki. Von dort geht es weiter mit dem Zug nach Tampere, wo ich eine finnische Freundin nach 10 Jahren wiedersehe und das Muminmuseum besuche. Dann wieder mit dem Zug nach Vaasa, wo ich schließlich die Fähre nach Schweden besteige. Trotz Vorwarnung meine ich mit dem schweren Rucksack die Strecke zwischen Bahnhof und Fährhafen zu Fuß zurücklegen zu müssen.

Nach 14 Stunden (reiner Reisezeit von Tallinn gerechnet) und einer Zeitumstellung komme ich mitten in der Nacht in Umeå an. Aber was heißt mitten in der Nacht. Es ist noch so hell, dass man „auf der Straße Zeitung lesen kann“ (Ein Zitat meiner Großmutter, die Ende der 60er Jahre hier im Norden war). Und diese Helligkeit führt dazu, dass ich, die ich sonst gegen zehn Uhr müde werde, locker bis 3 Uhr nachts wach bleibe.

Die zwei Tage Creative Summit sind intensiv, interessant und „givande“, ich nehme viel mit, danke dafür! Besonders in Erinnerung geblieben ist mir (wie Olaf) Jonathan Harris. Sein Vortrag und die Ausstellung haben den Schubs gegeben, begonnene eigene Projekte fortzuführen.
Toll ist es auch Olafs Freunde und Arbeitskollegen kennen zu lernen, auf dem Dach von 10 Merchant Street die Sonne untergehen zu sehen und wieder richtig in die schwedische Sprache einzutauchen.

Drei wunderschöne Ferientage folgen, das sonnige Wetter hält sich – wie auf Bestellung. Für mich verlängert sich bei dieser Reise der Frühling, prima zu sehen am Flieder, der in München schon am Verblühen war, in Helsinki in voller Blüte stand und in Olafs Garten gerade erst loslegte.

Da ich zuletzt vor anderthalb Jahren hier war, habe ich den direkten Vergleich zur Midvinter-Zeit, mit viel Schnee, Eis und Dunkelheit. Da wo wir jetzt baden, haben wir damals unsere Winterwanderung auf der zugefrorenen Ostsee begonnen und ich habe ein Bild zu dem Begriff Packeis bekommen. Wo wir jetzt Bockkäfern bei der Eiablage zusehen, haben wir auf dem zugefrorenen See Kubb gespielt. Und um 14 Uhr, wo wir uns jetzt den ersten Sonnenbrand holen, ging im Winter schon die Sonne unter.

Verrückt und schön diese Gegensätze.
Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Besuch, mal eben, egal zu welcher Jahreszeit.

Und sonst: Wecken mit Klaviermusik – ein Musikhörnachmittag, fast wie ein Mixtape aus früheren Zeiten – Baden bei 15 Grad und etwas weniger – zur Beatles-Coverband auf den Felsen rocken – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – zwischen großen Steinen ein Kajak rückwärts ausparken – Flugübungen mit dem Kleinen Gelben Monster – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – Marienkäfer-Umsiedelung auf Blattlausrosen – Enten mit Punkfrisur heißen Gänsesäger (ja, Reisen bildet).

Ein Urlaubstag

Wieder ein schöner Urlaubstag mit meinen Eltern, die hier gerade zu Besuch sind und heute auch mit schwedischen Freunden. Vier Fotos von Bygdsiljum und Skelleftehamn, ehe ich ins Bett falle. Ein andermal mehr.

Wollgras

Gestern war ich draußen, ein bisschen die Umgebung bei mir erkunden und mitten auf einer Anhöhe entdecke ich eine kleine sumpfige Stelle mit Wollgras. Das wollte ich ohnehin schon einmal fotografieren und so habe ich meine Kamera ausgepackt und begonnen, Bilder zu machen. Über mir quollen dicke Kumuluswolken und bald darauf lag das Wollgras im Schatten. Noch während ich in den Himmel schaute, um zu schauen, wann die Sonne wieder hervorkommt, hörte ich es ordentlich rumpeln. Ein Gewitter – eine Seltenheit hier. Nun ist bei Gewittern eine kahle Anhöhe nicht der ideale Aufenthaltsort, also habe ich das Weite gesucht und bin durch den Wald nach Hause gelaufen, während dicke Tropfen herunter klatschten. Zu Hause angekommen war das kleine Gewitter aber schon wieder vorbei.

Heute war ich noch einmal unterwegs und habe Wollgras fotografiert. Die Aufnahmen entstanden an anderen Stellen, denn fast überall, wo es nass ist, wächst diese Pflanze.

In den Ritzen, die sich in den großen Felsen gebildet habe, wachsen oft junge Birken. Ob sie genug Platz finden, um starke Wurzeln zu bilden, genug Wasser zu finden und groß und alt werden?

Aufruf an die Botaniker: Weiß jemand, welche Blume auf dem letzten Foto abgebildet ist? Ich habe keine Ahnung und leider auch vergessen, die ganze Pflanze zu fotografieren.

Das weite blaue Meer

Gestern nachmittag war so schönes Wetter, dass ich ein paar Sachen¹ gepackt habe, das Kajak aus der Garage geholt und nach Storgrundet gerollt habe. Mein Ziel war die Insel Flottgrundet, wo Nachbarn ihr Sommerhaus haben. Sie sagten, sie warteten darauf, dass ich mal mit dem Kajak vorbeikäme. Gerne doch!

Mein ursprünglicher Plan, am gleichen Tag wieder zurückzupaddeln, wurde von meinen Nachbarn schnell verworfen und durch einen besseren ersetzt: Ich solle doch einfach dableiben und im Gästehaus übernachten, dann könne ich auch wie sie Wein trinken. Gerne doch!

Bis spät in die Nacht haben wir Weißwein getrunken, über Menschen, Politik, das Universum und überhaupt alles diskutiert, Inselnachbarn besucht, den Hund gekrault und wir hatten es richtig schön. Auch wenn die Nächte schon ein bisschen dämmeriger werden, die Dunkelheit lässt noch auf sich warten und das nächtliche Licht über dem Meer ist wunderschön.

Heute habe ich mich nach einem gemeinsamen Frühstück wieder ins Kajak gesetzt und bin weiter gefahren. Im Schutz der Inseln war das Meer glatt, blank, klar und ruhig und ich konnte mich manchmal nicht entscheiden, ob ich einfach paddeln – ich mag diese Bewegungen, oder mich treiben lassen soll.

Auf der Außenseite der Inseln war dann das Wasser ein bisschen kabbeliger, aber immer noch ruhig genug, dass ich ohne Spritzschutz fahren kann. Das mache ich deswegen gerne, weil ich dann die Kamera in einer wasserdichten Tasche zwischen den Knien haben kann. Schon am morgen war es richtig warm² und mir war ganz schön warm im Kajak, als ich von den kleinen Wellen auf dem sonnenbestrahlten Meer hin- und hergeschaukelt wurde. Überraschend früh war ich schon am Nordufer der Insel Storgrundet angelangt und einige Minuten später war ich am Strand, wo mein kleiner Bootswagen³ schon auf mich wartete. Ein erfrischendes Bad hat diesen herrlichen Ausflug abgerundet.

Danke an meine Nachbarn für ihre großzügige Gastfreundschaft und die schönen Gespräche.

Ja, man könnte auch zu Google Maps oder Eniro verlinken, aber heute hatte ich Lust, eine kleine und herrlich ungenaue Skizze von meiner Kajakrunde zu zeichnen. Bitte schön:

¹ Paddel, Schwimmweste, Kappe, Ersatzkleidung, Kamera, Handy, Karte, Kompass, Wasser, Proviant, Spritzschutz, Neoprenfüsslinge, Jacke. Das meiste wasserdicht verpackt.

² Heute, 9:20. Skellefteå: 19 °C, Bremen und München: 13 °C – auch das kommt vor!

³ Ich hatte den Bootswagen in einem Gestrüpp geparkt. Als ich ankam, lag er mitten am Strand. Wie er da hinkam, ist mir allerdings schleierhaft.

Gåsören

Eine der ersten Sachen, die mir aufgefallen ist, als ich April 2010 das erste Mal in Skelleftehamn gewesen bin, war eine Insel mit einem Leuchtturm drauf. Nicht irgendein Leuchtfeuer, sondern so ein richtig weiß-roter Turm. Später habe ich gehört, dass die Insel Gåsören – zu deutsch die Gänseinsel heißt.

Nachdem ich im März nur einmal um die Insel herumgekayakt bin und ich vor zweieinhalb Wochen wegen schlechten Wetters umgekehrt bin, habe ich es heute endlich geschafft, mir die Insel mal anzuschauen. Und – was soll ich sagen – die Insel gefällt nicht nur mir, sondern auch so manch anderem, der entweder mit dem Boot oder dem Wasserskooter den kleinen Hafen ansteuert, um eine Pause zu machen.

Der Leuchtturm (1921 erbaut) ist winzig, aber doch immer noch um einiges höher als die Leuchtkuppel auf dem alten „Fyrhus“ von 1881. Sonst gibt es auf der Insel zwei(?) private Stugas, das alte Lotsenhaus, ein paar Schuppen, ein Dass (das ist das schwedische Wort für Außentoilette) und – eine Sauna. Die Sauna darf wohl jeder einfach benutzen und da genug Treibholz an den Kiesstränden der Insel herumliegt ist auch das Befeuern des Ofens kein Problem.

Ich habe allerdings lieber in der warmen Augustsonne mir in Ruhe die Insel angeschaut, ehe ich mich wieder ins Kayak gesetzt und den Heimweg angetreten habe. Hoffentlich werde ich nicht ins Gefängnis geworfen, denn laut dem Schild auf dem letzten Foto ist das Fotografieren nach einem Gesetz vom 17. Mai 1940 verboten.


Gut übrigens, dass die Augustsonne so warm war, denn ich habe heute auch gebadet. Vom Kajak aus. Mit Klamotten.

Was ist passiert? Auf dem Weg zur Insel Gåsören habe ich zwei Zwischenstopps eingelegt, unter anderem auf der Insel Flottgrundet, auf der ich vor einigen Wochen zu Besuch war. Als ich an dem flachen Steinufer wieder ins Kajak gestiegen bin, habe ich mal eine andere Art probiert, wieder ins Kajak zu kommen. Daraufhin hat mich dieses kurzerhand abgeworfen wie ein Gaul seinen Reitschüler und ich saß im Wasser. Das war zwar nur ein paar handbreit tief, aber das reicht nicht nur zum nass werden, sondern auch dazu, ein Kajak sekundenschnell mit erstaunlichen Mengen Wasser zu füllen. Während ich das Kajak leergeschöpft habe, fing aber die Kleidung schon wieder an, in der Sommersonne zu trocknen und so habe ich die Ersatzkleidung in ihrem wasserdichten Packsack gelassen und bin einfach so, wie ich war, weitergefahren. Und außerdem: Nicht nur die Paddelbewegung, auch eine Schwimmweste wärmt.

Die Woche

Ich komme aus einem langen Meeting mit viel Mathematik und wenig Sauerstoff bei 35 °C Raumtemperatur. Mein Kopf qualmt immer noch von der Hitze und linearen Regression über kumulierten Wertetupeln, deswegen gibt es heute einen Blogartikel zum selber machen. Mehr nicht. Bitte schön:

Bei Sommerwärme und blauem Himmel draußen essen ·:· einige letzte Moltebeeren finden und am gleichen Tag mit Eis verputzen ·:· einen Tag in Skelleftehamn arbeiten, mit einem Kollegen Doku schreiben und eine mehrstündige Mittagspause machen ·:· mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, auf dem Rückweg beim Kanuverein den Kids beim Training zuschauen und dann selbst ein bisschen Kajak fahren ·:· selbstgesammelte Himbeeren mit A-Fil essen ·:· In der Ostsee und nach dem Kajak fahren baden und es gar nicht so kalt finden ·:· auf dem Bürodach sitzen und zum Eis eingeladen sein ·:· Den Jugendlichen zuschauen, die sich in leeren Planschbecken sitzend auf dem Skellefteälven flussabwärts treiben lassen ·:· erstaunt feststellen, dass es um halb zehn schon ganz schön dämmerig ist

So geht’s:
Schneide die Textbausteine und die Fotos aus. Bringe die Textbausteine in eine Reihenfolge. Fasse den Inhalt der Textbausteine mit Deinen eigenen Worten zusammen. Füge die Fotos in den Text ein. Fertig ist der Blogartikel.

Zusatzrätsel für Fotografen:
Zwei Bilder habe ich mit der Nikon D300, zwei mit dem iPhone gemacht. Welche?

Kurz mal nach Bureå

Nach einem Regensamstag klarte der Himmel heute am Sonntag wieder auf und nur einige weiße Wattewolken schwebten über den blauen Himmel. Das allerdings mit Tempo, denn es war ganz schön windig und gleichzeitig im Gegensatz zum heißen Deutschland (Saarbrücken: 38.5 °C!) mit knapp 15 °C erfrischend kühl.

Heute Nachmittag habe ich mich kurz noch mal ins Auto gesetzt und bin in das nahe Bureå gefahren. Schon als ich die Fahrertür aufgemacht habe, konnte ich die Meeresbrandung hören. Und wenig später konnte ich auch sehen, wie der frische Wind die Wellen in die flache Sandbucht drückte, wo sie dann ruhig ausliefen. Außer zwei Surfern, die gerade ihr Equipment auf das Autodach verluden, war der öffentliche Strand menschenleer.

Der Strand ist eigentlich ganz schön, aber vermutlich so flach, dass man ewig laufen muss, bis man mal in schwimmtiefes Wasser kommt. Deswegen habe ich die Badehose im Auto gelassen und bin um die Bucht herum nach Landskär gefahren. Dort bin ich schon einmal Anfang Mai mit meinem Bruder gelaufen und ich musste wieder feststellen, dass das hügelige Gelände dort seinen Reiz hat. Ich mag sowohl diese Felder mit seinen flechtenbewachsenen runden Steinen als auch die vom Gletscher abgeschmirgelten Felsen.

Ich habe mir fest vorgenommen, noch einmal hierher zu kommen, am liebsten in der Dämmerung. Heute hatte ich aber noch etwas anderes vor, was mal so gar nicht mit Schweden, Natur und meinen sonstigen Passionen zu tun hat: In Skelleftehamn lief der Film „Madagaskar 3“ und den wollte ich mir gerne anschauen. Obwohl – das hatte doch etwas mit Schweden zu tun: Während selbst Filme für Jugendliche grundsätzlich im O-Ton mit schwedischen Untertiteln gezeigt werden, wurde dieser an Kinder gerichtete Film synchronisiert. Ich hatte böse Mühe, das Schwedisch zu verstehen, denn natürlich haben alle Tiere irgendwelche besonders überzeichneten Stimmen, die mich vor unerwartete Probleme stellten. Bei den ersten drei Sätzen dachte ich noch, der Film wäre auf Französisch!

Sommerwarm

Meteorologisch unkorrekt: Thermometer in der SonneSommerwarm war es heute in Skellefteå. 21 °C wurden heute Mittag in Skelleftehamn gemessen und in meinem hauptsächlich aus Fenstern bestehenden Wintergarten waren es 32 °C.

Ich habe heute zu Hause gearbeitet, weil wir gerade viel zu tun haben, aber jetzt mache ich Feierabend und werde noch ein bisschen das schöne warme Sommerwetter geniessen.

Rote SchlüsselblumeDas gleiche Sommerwetter hat den Blüten der Sumpfdotterblumen, die ich vorgestern in der Bucht „Kurjoviken“ entdeckt habe schon ziemlich zugesetzt. Aber ein paar Blüten waren noch ganz. Ich mag dieses kräftige Gelb. Eine Schlüsselblume, die auf meiner Kieseinfahrt blüht, hat sich hingegen für ein kräftiges Rot entschieden. Ich kenne die Blumen eigentlich nur in blassgelb.

Sumpfdotterblume in Skelleftehamn

Starker Strom und starke Blume

Tja.

Vom Kajak fahren heute Abend kann ich nicht erzählen, denn ich war zu müde. Das lag daran, dass ich schon um 6:05 (sic) im Büro war und mit dem Programmieren begann. Dass ich so früh wach war, lag auch daran, dass es nicht mehr dunkel wird. Also, keine Kajakgeschichte. Wird nachgeholt.

Ich könnte auch davon erzählen, dass bei uns eigentlich nur schönes Wetter ist. Seit Wochen. Sonne satt, angenehm warm. T-Shirtwetter und mal eine laue, mal eine frische Brise. Draußenwetter. Aber ich weiß bei dem Wetter, welches zur Zeit in Deutschland herrscht – vor ein paar Tagen war Deutschland Europas Kältepol! – mache ich mir damit keine Freunde. Also, keine Sommergeschichte.

Ich könnte auch davon erzählen, dass ich am Sonntag das erste Mal den Rasen gemäht habe und heute einen Strauch ausgegraben. Der war ohnehin schon morsch und die hohen Schneehaufen des letzten Winters haben ihm den Rest gegeben. Da war leider nichts mehr zu retten. Aber das ist mir zu keingärtnerisch, da habe ich keine Lust drüber zu Schreiben. Also, auch keine Held-des-Gartens-Geschichte.

Tja. Was nun.

Na gut, zwei Geschichten habe ich:

Nummer eins:

Als ich heute recht früh nach Hause gekommen bin, stellte ich fest, dass der Bildschirm nicht ging. Ebenso wenig wie die Steckerleiste, die Klimaanlage für den Flügel, der Kühlschrank und die Steckdosen. Licht ging lustigerweise. Nachdem ich einen Freund, der Elektriker ist, angerufen habe und so ziemlich jede Sicherung herausgedreht und ausgewechselt (Ja, ein Teil meiner Sicherungen sind noch die alten Keramikteile zum drehen) und immer noch nichts ging, habe ich dann bei SkellefteKraft angerufen. Sehr netter Kundendienst, muss ich sagen.

Meine Stromversorgung (und die meiner Nachbarn)Und vielleicht eine Stunde später (inzwischen konnte ich den Strauch ausgraben, aber das wollte ich ja gar nicht erzählen) kam einer vom Kundendienst und stellte fest, dass im Schaltkasten auf der Straße zwei Phasen weggeknallt waren. Das ließ sich ja zum Glück schnell beheben. Im Winter hätte man den Kasten erst mal ausbuddeln müssen. Schön, wieder Strom zu haben, vor allem für den Gefrierschrank. Und fürs Smartphone aufladen.

Nummer zwei:

Viola PippilottaAls ich wieder aus dem Wald zurückkam (dort hatte ich meinen Strauch zu den Gartenabfällen … . Ach nein, kein Thema. Stimmt ja.) Wie auch immer, vor meiner kleinen Treppe zum Haus blüht wieder Viola Pippilotta. Das ist das stärkste Veilchen der Welt. Es hat schon letztes Jahr zwischen Schnee und Eis geblüht. Jetzt ist es zurück – vermutlich vom Taka-Tuka-Land – und blüht wieder. Dieses Mal aber weiß statt blau, aber hellblond ist hier ohnehin gerade stark angesagt, vielleicht hat es sich die Blütenblätter gebleicht. Ich habe mich auf jeden Fall gefreut, eine alte Blumenbekannte wiederzutreffen, auch wenn ich sie vielleicht mit einer anderen Blume verwechselt habe (Das geht mir mit Menschen aber manchmal ebenso).

Wie viel Kraft in den Pflanzen hier steckt, zeigt sich im dicken Asphalt des Fußweges, der für einen kleinen grünen Keim, der ans Licht möchte, kein weiteres Problem darzustellen scheint, wie das folgende Foto zeigt. Ganz schön viel Power. Ich hingegen bin in Schweden ein bisschen fauler und ein bisschen dicker geworden, aber auch das soll hier nicht weiter thematisiert werden.

Eine Pflanze bricht durch den Asphalt

Abendbrot am Meer

Nach einem schönen Sonnentag, den ich bis auf das Mittagessen im Büro verbracht habe, war ich einkaufen, habe Essen, Kamera und Ersatzkleidung gepackt und bin mein Kajak hinter mir herziehend zum kleinen Strand von Storgrundet gelaufen. Dort war ein bisschen Strandbetrieb und ein Junge hat sogar gebadet. Das Wasser ist tatsächlich gar nicht mehr so eisig, nächstes Mal nehme ich auch die Badehose mit. Aber mein heutiges Ziel war die Insel Norrskär, denn dort wollte ich in der Sonne sitzen, aufs Meer schauen und abendessen. Und da ich hungrig war, war ich auch bald da. Wir haben seit Tagen sehr wenig Wasser in der Ostsee und an Stellen, wo ich sonst problemlos paddeln kann, schauen jetzt Steine oder ganze Kiesrücken aus dem Wasser. So musste ich das Kajak zehn Meter durchs seichte Wasser ziehen, ehe ich es an Land ziehen konnte.

Kurze Zeit später saß ich auf dem Fels in der Sonne, schaute aufs Meer und aß. Und das war ja auch ungefähr der Plan. Danach habe ich noch ein bisschen dagesessen und – natürlich – noch ein bisschen umher geschaut und fotografiert.

Lachs, Salat und SprudelwasserAbendbrot am MeerFels am Meer IFels am Meer IIKleine GischttropfenFrühe Abendsonne über der Ostsee

Dann habe ich aber wieder meine Sachen zusammengepackt, die Schwimmweste angezogen und bin mit einen Mini-Umweg an Inseln mit roten Sommerhäusern und frischgrün belaubten Birken wieder zurück zum Strand gepaddelt, wo ich von einigen Jugendlichen, die in und auf ihrem Schrottauto saßen, leicht apathisch begafft wurde. Vermutlich war ich total uncool.

Sommerhäuser am Meer

Vor dreieinhalb Wochen saß ich noch mit dickem Neopren eingepackt im Kajak, heute haben T-Shirt und Schwimmweste gereicht. Allerdings habe ich keine große Lust, so ins Wasser zu fallen, denn das ist weiter draußen natürlich noch ganz schön kalt. Aber das Meer war ruhig, nur bei den kleinen Zappelwellen am flachen Kiesufer muss man ein bisschen aufpassen.


Und nun nutze ich noch die Gelegenheit, mich bei meinen Münchner Freunden unbeliebt zu machen:

Skellefteå heute mittag: 21 °C, Wind 3 m/s, Sonne
München heute mittag: 8 °C, Wind 7 m/s, Sprühregen

Ich schreibe hier im Blog aber auch, wenn es hier bei uns scheußlich ist. Versprochen!

Nachtrag

Ich wollte den Artikel gerade veröffentlichen, da schaue ich noch einmal raus. Keine zehn Minuten später stehe ich mit dem Stativ am Meer, um diese herrlichen Abendfarben zu fotografieren. Elf Uhr ist es, als ich dieses Foto mache, zwanzig Minuten nach Sonnenuntergang. Kurz vor halb drei wird die Sonne wieder aufgehen.

Sonnenuntergang bei Storgrundet

Sommeranfang

Heute, am ersten Juni, ist für die Meteorologen Sommeranfang. Sie rechnen gerne mit ganzen Monaten, das macht die Statistiken einfacher.

Für die Nordschweden ist schon seit Wochen Sommer. In Lappland war es gestern bis 30 °C warm, wärmer als in Italien, von Deutschland ganz zu schweigen. Aber ich bin mit den gut 20 °C, die wir hier haben, mehr als zufrieden.

Nach dem langen Winter frage ich mich den ganzen Mai schon: Wird in Skelleftehamn am ersten Juni noch Schnee liegen? Irgendwo? Die ganzen Schneehaufen, die vor zwei Wochen noch den Weg zum Bus gesäumt haben sind verschwunden. Aber an der Norra Hamngatan – der nördlichen Hafenstraße – wurde ich noch fündig. Dort liegen tatsächlich noch Schneereste unter den leuchtend grün belaubten Birken. Woran das liegt? Schaut selbst, wie es dort vor zwei Monaten aussah. (Das letzte Bild ist an der gleichen Stelle gemacht.)

Der letzte Schnee in Skelleftehamn

Heute morgen hat es übrigens geregnet. Kurz, aber – geregnet. Ihr Deutschen werdet müde abwinken und sagen „Regen, das kennen wir! Zur Genüge!“. Ich habe mich aber gefreut, weil jetzt alles nach Erde und Natur duftet.

Weiße Nächte

Heute war Sommerfest von Mores, dem Diskussionsklub. Ich bin im Hellen nach Hause gefahren, was kein Kunststück ist, denn es wird viele Wochen dauern, bis es in der Nacht wieder richtig dunkel wird. So sah es heute Nacht um halb eins am Ursviksfjärden aus:

Weisse Nacht am Ursviksfjärden

Bjuröklubb und Kyrkholmen

Nur zwischendurch – heute bin ich schreibfaul – ein paar Fotos von Bjuröklubb …

Der Leuchtturm von BjuröklubbMeine Lieblingskiefer auf Bjuröklubb

… und der Flußhalbinsel Kyrkholmen.

BachstelzeBonnstan

Liebe Eltern,
vielen Dank für die schöne Woche, die wir hier gemeinsam verbracht haben.
Und eine gute Heimreise!

Semester

Hurra, ich habe Sommerferien! Auf schwedisch „semester“. Und „Semester“ heißt auf schwedisch „termin“. Und „Termin“ auf schwedisch heißt „tid“, aber ich schweife ab.

Hurra, ich habe Sommerferien! Wenn keine dringenden Bugfixes dazwischen kommen, habe ich jetzt viereinhalb Wochen Urlaub; erst am ersten August sitze ich wieder im Büro.

Morgen fliege ich für eine gute Woche nach München, um Freunde zu besuchen und am nächsten Wochenende eine Hochzeit zu feiern. Dazu muss ich den Bus nach Skellefteå nehmen, und dort auf den Flugbus warten, der nicht nach einem festen Fahrplan fährt, sondern eine Stunde vor Abflug in der Stadt losfährt. Wenn der nicht pünktlich kommt, macht mich das immer ein bisschen nervös …

Aber bevor ich in den Flieger steige, muss ich packen: „Lagom¹“ feine Klamotten für die Hochzeit, Kamera, Laptop, Klamotten für eine Bergtour und eine Wathose zum mit der Post zurückschicken. Außerdem warme und regendichte Kleidung, um den deutschen Sommer 2013 zu überleben. Der Koffer wird also voll.

Mein Wunschwetter für die Reise sieht etwa so aus (netterweise kam gerade eine kleine Wolke an und wollte mit aufs Foto):

Sonne über Skellefteå

Am meisten freue ich mich darauf, einige meiner besten Freunde wiederzusehen. Abgesehen davon freue ich mich auch auf:

  • Kaiserschmarrn
  • Die Alpen
  • Ein richtiges Fotogeschäft
  • Bäcker und richtiges Brot
  • Die Hochzeit
  • Biergärten
  • Kleine Zugfahrten
  • Ballone²
  • Stadtbummel
  • Indische Restaurants³

Hurra, ich habe Sommerferien!


¹lagom = schwedisch für gerade recht. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Nicht zu heiß, nicht zu kalt. Nicht zu oft, nicht zu selten. Lagom eben.
²wenn ich welche sehe
³@soschy: Bollywood Sonntag Abend?

Ein Tag in den Bergen

Schön ist es in der Natur, herrlich in den Bergen und wirklich toll, wenn man nicht alleine unterwegs ist.

Als klar wurde, dass ich eine Woche in Deutschland sein würde, haben Sonya und ich uns gleich den Sonntag reserviert, um in die Berge zu fahren. Sonya hat den Seebergkopf herausgesucht, einen Gipfel, der mit 1538 Metern und 750 Höhenmetern auch gut zu machen ist, wenn man – wie ich – lange nicht mehr in den Bergen unterwegs war. Außerdem lässt sich der Berg auch mit der Bahn gut zu erreichen und man ist schon nach wenigen Minuten aus der kleinen Stadt heraus mitten in der Natur.

Ich mag die eher karge schwedische Natur und fühle mich in Nordschweden sehr wohl. Aber von der Natur auf unserer Wanderung war ich völlig begeistert. Ob es die großen, mächtigen Buchen sind, die vielen Wildblumen am Wegesrand, die bunten Schmetterlinge, oder aber die Ausblicke auf andere Gipfel, manche baumbewachsen, manche blanker Fels mit dem Gipfel in den Wolken, manche schneebedeckt, ich konnte mich kaum sattsehen. Gut, dass Sonya auch gerne fotografiert, so hatte ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich wieder und wieder stehen blieb, um Kleines und Großes digital abzulichten. Den Anfang machte diese Weinbergschnecke, die unseren Wanderweg kreuzte.

Eine Weinbergschnecke kreuzt unseren Weg

Der Weg wand sich im Zickzack den Wald hinauf. Ein Stückchen nach links, ein Stückchen nach rechts, ein Stückchen nach links, ein Stückchen nach rechts. Bald bekam ich Durst und – wie im Märchen – eine Minute fanden wir eine Quelle, wo wir unseren Durst löschen konnten. Die Wasserflaschen blieben im Rucksack.

Die „Sankt Josephs Deliciusquelle“

Weiter führte der Weg, immer höher, bis sich der Wald lichtete und der Weg über lichte Almwiesen führte.

Weg durch den HangwaldWeg über die Bergalm

Und dort standen weißbraun gefleckte Kühe, schauten uns neugierig an und hatten überhaupt nichts dagegen, in Ruhe von uns fotografiert zu werden. Wie professionelle Models schauten sie in die Kamera.

Kuhbild IKuhbild II

Der Weg führte immer höher und schließlich über einen Sattel zum Gipfel. Überraschend war, dass wir den Gipfel für uns alleine hatten. Lag es am wolkigen Wetter oder daran, dass wir so spät losgekommen sind, es war auf jeden Fall etwas Besonderes und lange saßen wir oben und schauten talwärts. Das mag aber auch an den Unmengen von guten Essen liegen, die wir in unseren Rucksäcken hochgeschleppt haben.

Reichliche BrotzeitBlick auf Bayrisch Zell

Zu einem Gipfel gehört natürlich auch ein Gipfelfoto, welches Sonya gemacht hat:

Unser Gipfelfoto (Foto: Sonya)

Doch nach einer Stunde wurde uns langsam kalt, man sollte in den Bergen auch im Sommer immer Handschuhe dabei haben, und nach noch ein paar Fotos machten wir uns an den Abstieg. An der zutraulichen Schafsherde mussten wir natürlich noch eine Pause machen.

Schafsblicke

Irgendwann waren wir wieder im Tal und der Himmel klarte auf. Ich: „Sonne! Sollen wir noch mal hoch?“ Wir beide: „Och, nö!“. Der nächste Halt war das Hotel Alpenrose, wo wir sehr leckeren Kaiserschmarrn gegessen und einen kleinen Aperol Sprizz getrunken haben.

Aperol SprizzLeckerer Kaiserschmarrn!

Dann ging es nach Hause und sogar ein paar Heißlüfter habe ich Ballonfan in der Ferne erspähen können.

  • Alpen: Check!
  • Kaiserschmarrn: Check!
  • Ballone: Check!
  • Kleine Zugfahrten: Check!

Und sonst? Schöne Graffitis gab’s zu sehen: In München eher modern, in Bayrisch Zell ein wenig traditioneller.

Graffiti in MünchenGraffiti in Bayrisch Zell

Einen besonderen Fund habe ich noch gemacht. Als kleines Kind, mit vier oder fünf, fand ich Insekten ganz toll. Und unseren kleinen Kosmos-Insektenführer konnte ich fast auswendig. Darin gab es auch den „Gebänderten Pinselkäfer“, einen Käfer, der mich schon des Namens wegen begeistert hat. Den Käfer, den ich gestern auf der Margarite gesehen habe, hatte ich stark im Verdacht, zu dieser Spezies zu gehören und richtig! – danke Internet – es ist tatsächlich ein Gebänderter Pinselkäfer!

Ein Gebänderter Pinselkäfer

Nachtrag (11. Juli)

Sonya hat in ihrem Blog auch über diese Tour berichtet:
soschyontour.de/wanderung-auf-den-seebergkopf-1-538m

Im Meer der Himmelsfarben

Oh, Ihr lieben Blogleser! Ich kann es einfach nicht in Worte fassen, wie es ist, am späten Abend mit dem Kajak durch das stille Meer zu schweben und alle Farben des Himmels spiegeln sich in der samtig-glatten Oberfläche. Wunderwunderschön! Ich habe sogar versucht, zu dichten …

Im Licht der tiefen Spätabendsonne nahm ich die Wellen nicht mehr als ein Auf und Ab wahr, sondern nur noch als ein Spiel von den reflektierten Farben des Himmels. Als ich das Kielwasser eines kleinen Bootes geschnitten habe, sah ich keine Heckwellen auf mich zukommen, sondern leuchtende Streifen in allen Farbtönungen des Sonnenuntergangshimmels.

Tourstart

Himmelsfarben

Gegen neun habe ich am kleinen Strand von Storgrundet mein Boot ins Wasser gelassen und bin an der Außenseite der Inseln Storgrundet und Brottören entlang gepaddelt. Hinter mir leuchtete gelborange die Sonne. Auf der Insel Norrskärsgrundet habe ich trotz Protest der Möwen und Seeschwalben kurz gehalten und mir eine Jacke angezogen, im T-Shirt war es doch zu kalt. Danach bin ich um die Inseln Norrskär und Bredskär herumgefahren und den kleinen Kanal zwischen Vorrgrundet und Festland entlang gepaddelt. Dort habe ich den Seeschwalben bei der Jagd nach Insekten zugeschaut. Von dort war es nicht mehr weit nach Storgrundet, wo ich gegen halb zwölf ankam. Wie immer habe ich das Kajak auf dem kleinen Wägelchen festgeschnallt und habe es nach Hause gezogen. Schnell habe ich die Kapuze aufgesetzt, nicht nur, weil es recht frisch war, sondern auch, um den Mücken nicht zu viel Appetit zu machen. Das ist das Schöne auf dem Meer, das ist im Grunde mückenfrei.

WassertropfenKurz vor Sonnenuntergang

Das war bis jetzt meine schönste Kajaktour hier in Skelleftehamn. Und irgendwann werde ich auch mal die Nacht hindurchpaddeln – von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang.

Skelleftehamn—Skibotn: Autoreise mit Tücken und Mücken

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

Gestern um halb eins bin ich gestartet, mit vollem Tank und vollem Kofferraum. Von der ersten Etappe gibt es nicht viel zu berichten: Die E4 bis Haparanda, das sind 260 Kilometer Strecke machen, um in Gang zu kommen. Innerhin sind es 1172 Kilometer bis Kabelvåg auf meiner gewählten Route.

Erster Halt: Kukkola

Stromschnellen im Torne älv, eine alte Wassermühle, Wohnwagen, Eis, blauer Himmel. Touristisch, aber schön.

Ein alter Steg – nur für Fischer (und Fotografen?)

Kleines BlockhüttchenHolzgetriebe in der alten Wassermühle

Zweiter Halt: Hietaniemi

Hüben Schweden, drüben Finnland, dazwischen der breite Torne älv. Ein Pärchen lässt Steine springen. Von Övertorneå bis Pello werde ich auch auf der finnischen Seite fahren.

Eine internationale Fähre fürs ViehBlick über den Torneälven

Letzter Halt des Tages: Kaunisjoki Rastplats, 20 km nördlich von Pajala

Alles ist klar für die Nacht: Ich habe noch einmal voll getankt und werde langsam müde. Viertel vor zehn sehe ich einen leeren Rastplatz mit Grillhütte. Einmal durchfegen und fertig ist mein Übernachtungsdomizil. Ich breite Isomatte, Schlafsack und Kopfkissen aus und hole als nächstes eine Jacke und die Wathose aus dem Kofferraum. Ich möchte die schönen Hütten im späten Abendlicht vom Nahen fotografieren, aber der Untergrund sieht sehr nass aus. Ich mache den Kofferraum zu und kurze Zeit später höre ich

* klack *

Sch****, denke ich! Und meine Befürchtungen bewahrheiten sich: Leicht übermüdet habe ich den Autoschlüssel im Kofferraum abgelegt. Da liegt er schön sichtbar. Vorne war das Auto schon abgeschlossen, der Kofferraum schließt automatisch und der Ersatzschlüssel ist im Kamerarucksack, denn den nehme ich immer als erstes raus. Außer dieses Mal, da liegt der Rucksack auf dem Beifahrersitz!

Da stehe ich nun: Zehn Uhr Abends, mitten in der Pampa an der leeren Straße 99. Und mein Auto lässt mich nicht rein.


Wie ging es weiter:

  • Ich habe mein Handy und Empfang. Ich rufe einen Freund in Delmenhorst an, der mir Mut macht: Pappendienst kann so was.
  • Ich rufe die Versicherung an
  • Die hört sich meine Panne an und lacht mich nicht aus, wie schön
  • Ein paar Minuten später ruft mich ein Pannendienst aus Övertorneå an
  • Er wird kommen, um mir zu helfen, braucht aber anderthalb Stunden, bis er da ist
  • Ich warte, mache ein paar iPhonephotos, habe Durst und sehe dem Sonnenuntergang zu
  • Gut geschätzt: Anderthalb Stunden später ist der Pannendienst da
  • Keine zwei Minuten braucht er, um die Fahrertür mit Keil und Luftdruck aufzuhebeln …
  • … und mit einem Haken die Fahrertür zu entriegeln
  • Ich bin so erleichtert, ich sah mich schon mit großen Steinen wahllos Autoscheiben zerdeppern
  • Der Pannendienst bekommt meine Unterschrift und macht sich auf den Rückweg: Wieder 130 Kilometer

So viel zu den Tücken einer Autoreise. Die Mücken kamen etwas später, sie umsummten mich freudig die ganze Nacht, als ich in der Grillhütte übernachtet habe.

Resumé: Eigentlich ist das Ganze gut gelaufen: Ich hatte Handy und Empfang. Ich hatte sogar Schlafsack und Isomatte. Es hat nicht geregnet, es gab keinen Schneesturm. Der Pannendienst war schnell da. Und – Luxus! – ich hatte eine Hütte vor Ort, was will man mehr.

(Mäkel-Olaf: Was will man mehr: die Kamera und Stativ! Es war so tolles Licht!)
(Ein anderer Olaf: Haha, das sagst Du nur, weil im Fotorucksack der Ersatzschlüssel gewesen wäre. Depp!)
(Mäkel-Olaf: Selber Depp!)

Hier noch ein paar Bilder von der Nacht:

Rosa Wölkchen (Bravo, iPhone!)

Mitternachthimmel über der Straße 99Bäumchen im nächtlichen Nebel

Und vom Morgen:

Meine Übernachtungshütte – eigentlich zum Grillen gedacht


Noch ein paar Bilder von heute. Stichworte: Rentiere – Bootsfahrt – Dreiländereck – Weite Sumpfflächen – Moltebeeren – Regen – Skibotn – Gletscherblick – Zimmer mit Dusche und WLAN.

Ein Rentier kommt mir entgegenKaresuando: Links Finnland, rechts SchwedenMeine ersten Moltebeeren (Mjam!)Ziel für heute erreicht: Das norwegische Skibotn

Von der Bootsfahrt und dem Dreiländereck (Treriksröset) schreibe ich später einmal. Vielleicht …

Fotonotizen: Das Display vom MacBook Pro ist nicht zu dolle. Je nachdem, aus welchem Winkel man schaut, ändern sich Farben und Kontrast. Daher werden einige Fotos mehr oder weniger daneben sein. Überrascht hat mich das iPhone mit seinem Rosa-Wolken-Bild. Ich habe in Photoshop noch minimalst nachbearbeitet, aber das Original ist schon überraschend gut.

Am Abend wird es dunkel

Wie schnell das geht! Gestern vor einem Monat hatte ich in Svolvær noch Polartag, will sagen, die Sonne war Tag und Nacht über dem Horizont, und heute ging sie schon um zwanzig vor neun unter. Ich bin erst kurz nach acht mit dem Auto zur nahen Lotsenstation gefahren und habe es nicht einmal mehr geschafft, einen schönen Platz zu finden und das Stativ aufzubauen, ehe ich die Insel Gåsören fotografierte. Aber das Tele hat einen Bildstabilisator und bei ISO 800 waren die Verschlusszeiten auch noch kurz genug, um scharfe Fotos aus der Hand zu schießen.

Gåsören in der Abendsonne

Bei Tagestemperaturen von über zwanzig Grad wie heute mag ich nicht an den nahen Herbst denken, aber die frühen Sonnenuntergänge zeigen, dass der Hochsommer vorbei ist. Etwas Gutes hat das Ganze: Ich kann nicht nur wieder Sterne sehen, sondern vielleicht auch bald wieder das erste Polarlicht. Ich bin gespannt, wann!

Abendlicher Blick

Vitberget

Einige Fotos von gestern. Eigentlich wollte ich nochmals auf den überraschend großen Sonntagsflohmarkt in der Stadt, auf dem ich vor einigen Wochen war. Aber da hatte sich wohl der Veranstaltungskalender geirrt, der Fohmarkt fand nicht statt. So war ich statt dessen gleich nebenan ein bisschen auf dem Vitberget unterwegs. Auf diesen Hügel führt Skellefteås Skilift.

Auf dem Vitberget

Auf dem VitbergetAuf dem Vitberget

An dem einen hölzernen Flutlichtmast beim Skilift hat unermüdlich ein Buntspecht gehämmert. Er hat einen Zapfen in einen von ihm vergrößerten Spalt geklemmt und war eifrig am herumhacken und -picken. Diese Plätze werden Spechtschmiede genannt, sagt Wikipedia.

Buntspecht an einer „Spechtschmiede“

Am Parkplatz ließ eine Espe ihre ersten herbstlich gefärbten Blätter fallen. Aber abgesehen davon haben wir noch sommerliche Verhältnisse. Bis auf den Frühnebel. Und die dicken Äpfel an den Apfelbäumen. Und die kühleren Nachttemperaturen. Aber sonst: Sommer.

Ein EspenblattNoch ein Espenblatt