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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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3:44

3:44 ist keine Matheaufgabe für Nordwärts-Blogleser.
3:44 ist auch nicht das Spielergebnis des letzten Eishockeyspiels.
3:44 ist erst recht kein Musikstück von John Cage.

3:44 ist die Länge des heutigen Tages in Skelleftehamn: Drei Stunden, einundvierzig Minuten. Um 9:41 ging die Sonne auf, um 13:25 ging sie wieder unter. Gerade mal 2.2 °C hat sie es über den Horizont geschafft. Das sind etwa zwei Finger breit bei ausgestrecktem Arm.

Das ist nicht gerade viel Licht, aber ich mag den heutigen Tag. Das liegt nicht nur daran, dass heute mein erster Ferientag ist, sondern auch an der Wintersonnenwende. Denn die sagt mir, dass heute der kürzeste Tag ist und damit die Tage wieder länger werden. Und das gefällt mir.

Und so sah es heute gegen halb zwölf aus, als die Sonne „hoch“ im Süden stand.

Eiswall am Kallholmen

Blick über den Sörfjärden

Dieser Dezember war nicht nur milder und windiger als gewöhnlich, sondern auch der Wasserstand war größeren Schwankungen ausgesetzt. Deswegen wurde das Eis an vielen geschützten Stellen wieder kaputt gebrochen und liegt jetzt an manchen Stellen in langen Haufen am Ufer. Die Eisschollen auf dem Wasser sind noch nicht zusammengefroren und treiben frei auf dem Wasser. Ich bin gespannt, wann hier alles so fest zugefroren ist, dass man aufs Eis gehen kann, ohne Angst haben zu müssen, einzubrechen.

Nachtrag:

Ursprünglich hieß der Artikel 3:41, denn ich habe mich verrechnet. Evi hat das im ersten Kommentar sofort entlarvt und ich habe mich nun entschlossen, den Fehler zu korrigieren.

Auf dem Meer

Gestern stand ich am kleinen Strand und beäugte misstrauisch das Eis, welches das Meer zwischen dem Strand und der Insel Storgrundet bedeckte. Auf dem nassen Eis konnte man Skooterspuren ausmachen, aber das sagt nicht, dass das Eis auch mich trägt.

Heute das gleiche Bild: Ich, der Strand, die Insel, dazwischen Eis. Und mein misstrauischer Blick. Den Unterschied machte B., der dort seine Stuga hat und der Einzige ist, der mich nicht sofort fragt: „Ska du fiska?“ – Willst Du angeln?

Denn B. weiß, dass ich gerne fotografiere und fragte mich stattdessen, ob ich auf’s Eis wollte. Ich: „ja, aber …“ . Er: „Kein Problem, das Eis ist 20 cm dick, da kann man mit dem Auto drüber fahren.“ Ich (gedacht): „Aber bitte nicht mit meinem!“

B. hat zwei Netze draußen unter dem Eis und war ohnehin mit einem Freund auf dem Weg dorthin, da bin ich gleich mitgekommen. Das Eis war recht klar, denn auch gestern hat es erst dicke Flocken geschneit und dann bei Plusgraden geregnet. Jetzt aber war es schön und leicht frostig.

Auf dem Weg zu den Netzen

Das Eisloch wird vom Eis befreitDas erste Netz wird hochgezogen

Im ersten Netz hatte sich nur eine „simpa“, eine kleine Groppe verfangen. Also weiter zum zweiten Netz.

Zum zweiten Netz

Und dort hatten B. und sein Freund mehr Erfolg. Vier Quappen (schwedisch: Lake) zog er aus dem Wasser.

Eine Quappe im NetzEine Quappe wird aus dem Netz gepult

Ich habe erfahren, dass man aus den Quappen im Winter „Rom“, also Fischrogen gewinnen kann. Die Quappen selbst hat man früher als „Lakesoppa“ in Milch zu Suppe gekocht, doch das ist außer Mode gekommen und viele mögen das nicht mehr.

Ich bin dann weiter über das Eis zu der Insel gegangen. Ich bin manchmal ganz schön zusammengezuckt, wenn das Eis unter meinen Füßen das Eis peitschenähnlich knallte, so stark, dass ich das Beben spüren konnte.

Überall knackste und rumste, krachte und tönte das Eis, denn in der Nacht hatten wir hier sehr hohen Wasserstand und jetzt senkte sich der Meeresspiegel wieder, zusammen mit der Eisschicht. Aus dem gleichen Grund war auch der letzte Meter zur Insel der Schwerste, denn dort ist das Eis aufgebrochen und so schwach, dass man dort schauen muss, wo man seine Füße (und Hände) hinsetzt, um an Land zu kommen.

Die Insel Storgrundet ist schmal und schnell war ich am äußeren Ufer. Dort sah es so aus:

Eisschollen vor Storgrundets Ostufer

Dort ist das Meer noch offen, nur einige Eisschollen schwimmen vor der teilweise überschwemmten Bucht. So ganz entspannt war ich nicht, denn ich wusste ja, dass ich wieder aufs Eis muss. Ich habe mich deswegen schnell wieder auf den Rückweg gemacht und wieder den ersten Meter erfolgreich und dank der hohen Gummistiefel trockenen Fußes überwunden. Die tief stehende Mittagssonne leuchtete orange über das Eis.

Die Sonne scheint über das MeereisAuf dem Eis

Ans Festland zu kommen war hingegen einfach, denn dort ist ja B.’s Bootssteg. Ich liebe es, über’s Eis zu laufen und doch bin ich jedes Mal wieder erleichtert, wieder auf dem Land zu stehen. Nach einem Kaffee bei B. habe ich mich auf den Rückweg gemacht.


Der Heizlüfter im Auto hat den Eispanzer des letzten Eisregens erfolgreich von den Fensterscheiben geschmolzen, so bin ich noch kurz zur Bucht „Kallholmsfjärden“ direkt bei mir um die Ecke gefahren. Diese Bucht, gestern noch komplett offen, war heute vollständig mit dünnem Eis bedeckt. Erstaunlich, wie schnell das manchmal geht. Etwa 5 mm stark war das Eis schon. Wer weiß, vielleicht sitzen dort nächste Woche schon die ersten Eisfischer.

Klares, neues EisDer Kallholmsfjärden ist eisbedeckt

Als ich wieder aus dem Wasser stieg (Merke: Unterwasseraufnahmen ohne viel Licht sehen langweilig aus), kam Nebel auf. Es wurde wärmer, der Nebel dichter, die Dämmerung kam. Und mit ihr erneuter Regen …


Für die Statistik: Wann bin ich das erste Mal über das Eis auf die Insel Storgrundet gelaufen?: 5. Dezember 2010 / 22. Januar 2012 / 5. Januar 2013 / 22. Dezember 2013. Also war ich gar nicht so spät dran dieses Jahr.

µ = 0

Und da kam er gestern wieder: der Regen. Einiges kam runter. Bei Minusgraden auf die gefrorene Straße. Ich wollte nur kurz über die Straße zum Nachbarn gegenüber, und …

lägger in ny definition av „halkigt“ i balansdatabasen. Nu är det inte halkigt ute, det är friktionsfritt….

Per-Anders Fjellström

… schrieb Per-Anders heute bei Facebook. Danke, Per-Anders, besser hätte man das nicht beschreiben können. Auf deutsch:

„Ich füge eine neue Definition von „rutschig“ zur Balance-Datenbank hinzu. Jetzt ist es nicht rutschig da draußen, es ist reibungsfrei …“

Es klingt vielleicht wie Nordlandslatein, aber ich bin auf der anderen Straßenseite nicht wieder auf den Fußweg gekommen. Dort gibt es keine richtige Kante, sondern es geht minimal aufwärts, zehn Zentimeter vielleicht. Und die bin ich nicht hochgekommen, sondern kläglich wieder auf die Fahrbahn zurückgerutscht. Ich bin den Meter dann gekrabbelt. Das nenne ich glatt!

Im übrigen würde ich momentan keinen Empfehlen, meine Holztreppe zu benutzen, ohne sich anzuseilen. Blödes Glatteis!

µ ist unter anderem die Einheit für den Reibungskoeffizienten. Den geringsten (zusammen mit PTFE) hat nasses Eis auf nassem Eis mit 0.02. Ich halte es hier aber mit Per-Anders und vergebe eine glatte 0.

Eisflächen

„Leise rieselt der Schnee, still und starr liegt der See.“ Finde die beiden Fehler!

Vieles ist eisbedeckt

Fehler eins: Aus den Wolken fällt Sprühregen, kein Schnee. Fehler zwei: Die Eisfläche auf dem Bild ist kein See, sondern ein Parkplatz!

Er ist dick mit nassem, glatten Eis bedeckt. Genauso wie viele Straßen und Wege, der Strand, Teile meines Gartens und natürlich auch die Seen. Bloß die Ostsee ist noch offen.

Wegen der Plusgrade und des Nieselregens ist das Eis nass. Und genau so sauglatt wie eigentlich die meiste Zeit seit Ende November. Zwischen der Insel Storgrundet und der Ostsee liegt zwar Eis auf dem Meer, aber so richtig vertrauenserweckend finde ich das nicht mehr. Damit ich überhaupt vom Parkplatz zum Strand komme, schnalle ich mir Spikes unter die Stiefel und gehe nur dort über das Eis, wo das Meer wirklich flach ist.

Auf dünnem EisSchwaches Eis

Auch der Weg nach Storgrundet ist eine einzige Eispiste und ohne das feine „Traction Control System“ meines Saabs könnte ich solche Straßen kaum entlangfahren, denn auch die Spikes der Winterreifen kommen hier an ihre Grenzen, vor allem beim Anfahren.

Der Weg nach Storgrundet – eine Eispiste

Und so sieht es bei mir im Garten und auf der Straße aus.

Eisflächen im GartenEin Weihnachtsstern spiegelt sich

Ich will ehrlich sein: Mich nervt dieses Wetter! Seit Wochen kommt immer wieder Regen aus tiefen, grauen Wolken gefallen. Und wenn es hier schneit, dann ist der Schnee am übernächsten Tag weggeregnet. Und zu noch mehr nassem Eis geworden. Von der Dunkelheit bei diesen trübem Wetter fange ich erst gar nicht an. Momentan ist keine grundliegende Änderung in Sicht und in einem schwedischen Wetterblog wird angedeutet, dass ein richtiger Winter auch schon einmal ausfallen kann.

Dann werde ich mir wohl Schlittschuhe kaufen und statt über das Meer über die Wege und Plätze gleiten. Und vielleicht das Abfahrtsschlittschuhlaufen erfinden, wenn ich mich nur traue …

Grummel …

Schneekanonen

Dieser Artikel ist Teil der achtteiligen Serie Schneekanonen 2014.

Heute Mittag bin ich nach Hause gefahren. In der Stadt war es wolkig, aber ruhig. Nach 6 Kilometern fiel der erste Schneestaub herunter, nach 10 Kilometern Schneeflocken. Und die letzten Kilometer vor Skelleftehamn ging es richtig ab, es war windig und heftig am Schneien. Sogar der Wetterdienst smhi hat vor 20-30 cm Neuschnee gewarnt.

Näsuddsvägen – fast zu Hause

Das hat es die letzten Male schon einige Male gegeben, dass ein Lake Effect direkt an der Küste für große Schneemengen gesorgt hat, während zehn Kilometer landeinwärts fast nichts herunterkam. Hier wird dieser Effekt „Snökanon“ genannt, wie die Schneekanone, mit der Pisten künstlich beschneit werden. Ich glaube, damit hat irgendein Journalist mal begonnen, denn eigentlich heißt der Effekt „Sjösnö“ (Seeschnee).

Eine kleine Herausforderung war es heute, mit dem Auto auf das Grundstück zu kommen, denn dort lagen bestimmt 30 cm Schnee. Aber mit einem bisschen Schwung ging das gut. Auch die Treppe vor dem Haus war schon gut zugeschneit und neben dem Zaun haben sich Schneewehen gebildet. Vor anderthalb Tagen lag gerade ein Millimeter!

Mit Schwung um die EckeSchneeverwehungen auf der Treppe

Eh es dunkel wurde, bin ich noch zum Strand von Storgrundet gelaufen. Mit dem Auto wäre ich da vermutlich nicht durchgekommen, denn vor allem an der einen Stelle bilden sich oft hohe Schneewehen. Es war etwa -10 °C und heftig windig. Bei guter Kleidung spielt die Kälte keine große Rolle, aber der Wind pfefferte mir den Schnee frontal ins Gesicht und ich bin zum Test mal mit Skibrille gelaufen. Die sperrt zwar den Schnee aus, aber irgendwann beschlägt sie und dann frieren die Wassertröpfchen und irgendwann sieht man nichts mehr.

Die Kamera hat keine Skibrille und zeigt den monochromen Weg zum Strand nicht orange sondern weiß:

Im Schneesturm zum Strand

Am Strand hat man zeitweise gar nichts gesehen, dann wiederum zeigte sich die Insel Storgrundet ein wenig und ich war ziemlich überrascht, dass ein Teil der Meeres zwischen Insel und Festland wieder offen ist.

Am winterlichen StrandOffenes Meer bei Storgrundet

Es schneit weiter, vermutlich das ganze Wochenende und ich nehme an, dass wir hier recht große Mengen bekommen könnten. Bureå, zehn Kilometer weiter südlich, scheint großen Vorsprung zu haben, ein Facebooker schrieb heute Mittag schon von 80 – 100 cm Schnee. Ich muss zugeben, dass ich ein wenig eifersüchtig bin, denn (psst, nicht den Nachbarn verraten) ich will hier auch noch mehr Schnee! Mehr davon! Und vor allem mehr als im Nachbarstädchen!

Wie viel hier runterkommt und wie lange? Wie viel in Bureå? Ich halte Euch auf dem Laufenden, hoffentlich auch mit Bildern. Dafür werde ich vielleicht am Montag frei nehmen, denn am Wochenende probe ich mit dem Chor.

Selbstportrait am „Strand“

Schneekanonen – Zwischenstand

Dieser Artikel ist Teil der achtteiligen Serie Schneekanonen 2014.

Seit zwei Tagen schneit es ununterbrochen. Auch diese Nacht war stürmisch und mit unverminderter Stärke schneit es weiter. Das Thermometer zeigt -11.5 °C. Wie viel Schnee liegt, weiß ich nicht. Direkt auf der Fahrbahn liegen 40 cm Neuschnee, die Schneewehen sind mehr als meterhoch.

Meine Garage ist halb zugeschneitDas, was vom Zaun noch sichtbar ist

40 cm Neuschnee auf der Fahrbahn

Eigentlich ist heute Chorwochenende mit dem Kammerchor, doch momentan ist an eine Fahrt in die Stadt nicht zu denken. Und selbst, wenn ich wirklich in die Stadt komme, weiß ich nicht, ob ich zurückkomme. Daher vermute ich, dass ich heute zu Hause bleibe, wenn sich die Situation nicht beruhigt. Einen kleinen Vorteil hat das, ich werde gleich erst mal eine Runde auf meinen Skiern machen.

Expeditionsbericht

Dieser Artikel ist Teil der achtteiligen Serie Schneekanonen 2014.

Der heftige Wind riss an seiner fellbesetzten Kapuze. Es schneite ohne Unterlass. Schritt für Schritt stapfte er weiter, trotz der Skier immer wieder knietief durch Schneewehen watend. An der exponierten Stelle längs des kleinen Sees nahm der Wind noch zu: 10 m/s Durchschnitt, Böen bis 16 m/s. -12 °C. Er wusste, er konnte nicht ewig hier draußen bleiben. Irgendwann würde er Wärme und Nahrung brauchen. Schlafsack, Kocher und Zelt waren schon lange nicht mehr im Gepäck und er hatte nur noch ein wenig Wasser und einige salzige Hartkekse in seinem Rucksack.

Das drahtlose Telefon – gerade eben noch 80 % Akkuleistung anzeigend – kam mit der Kälte nicht zurecht und hat sich kurze Zeit später ausgeschaltet. Hier draußen war keine Menschenseele unterwegs, nur er allein, kein Kontakt zur Welt. Gebeugten Hauptes, dem eisigen Schnee trotzend, schob er seine mit Stahlkanten umrahmten Skier weiter – mal über blankes Eis, dann wieder durch tiefen Pulverschnee. Schritt für Schritt. Schritt für Schritt. Bald stand er am Meer.

Eigentlich sollte es um diese Zeit schon dicht zugefroren sein und ihn zuverlässig tragen, doch ihm schien, als bewegte sich das Wasser auf und ab, als sei die offene Oberfläche von kleinen Wellen bedeckt. Oder war es nur der Schnee, den der Wind in Schüben über die grau-diffuse Ebene trieb? Die Sicht war schlecht, das Tageslicht war begrenzt und für das Wetter schien keine Besserung in Sicht. Er beschloss, umzukehren, seine alte Spur zurück zu verfolgen.

Die alte Spur war schon längst wieder zugeweht, nur noch in Fragmenten erkennbar, immer wieder im Nichts verschwindend. Doch er kannte den Weg. Er wusste, die Strecke, die er auf dieser Expedition schon zurückgelegt hatte, würde er jetzt noch einmal laufen müssen. Und er musste ankommen, ehe das Essen alle ist, das Wasser gefroren. Auf dem Eis hatten die Skier kaum Halt und im Schnee versanken sie bis zum Grund. War die Expedition richtig geplant? Hätte er nicht lieber zu Hause bleiben sollen?

Er bekam Hunger und beschloss, ihn zu ignorieren. Weiterlaufen. Ganz allein. Schritt für Schritt. Schritt für Schritt. Würde er das Basislager erreichen? Doch schließlich fiel das Gelände ab, er wusste, dass die Hütte nicht mehr weit sein konnte. In langen Schritten glitt er bergab und änderte am Fuße des Hanges seinen Kurs nach Südsüdost.

Dann bog er beim dritten Haus links ein, schnallte die Skier ab, schloss auf und genoss die Wärme, einen gefüllten Kühlschrank, Strom, Internet und Kleidung zum Wechseln. Olaf war von seiner kurzen Skitour zum Meer zu Hause.

Mein Bericht von der heutigen kleinen Skitour mögt Ihr für völlig übertrieben halten und da mögt Ihr recht haben. Doch alle Fakten stimmen. Das nächste Mal schreibe ich wieder ein bisschen neutraler. Das nächste Mal bin ich auch hoffentlich nicht so doof, Kamera und Stativ mitzunehmen, aber die Speicherkarte zu vergessen.

Schneekanonen – Zwischenstand II

Dieser Artikel ist Teil der achtteiligen Serie Schneekanonen 2014.

Gestern hätte ich nicht gedacht, dass ich noch zur Chorprobe in die Stadt komme. In Skelleftehamn schneite ohne Unterlass und morgens lagen 40 cm Neuschnee auf der Fahrbahn. Das war mir zu hoch für eine Autofahrt ohne Allrad. Gegen elf kam aber der Schneepflug und hat die Straße freigeräumt. Danach habe ich noch eine halbe Stunde gebraucht, um den halbmeterhohen Schnee freizuschaufeln, damit das Auto auch auf die Straße kommt.

In der Stadt lag praktisch kein Schnee und während der Probe klarte es auf und der Mond ging auf. Auf dem Rückweg nach Hause fuhr ich von dem klaren Winterwetter wieder hinein in das böige Schneewetter. Hier in Skelleftehamn hatte es den ganzen Tag bei lebhaftem Wind heftig geschneit, aber der Tallvägen, in dem ich wohne, war schneegeräumt. Gegen Mitternacht lagen dort wieder 30 – 40 Zentimeter Neuschnee. Der Zaun hinter dem Garten schaute nur noch an einigen Stellen ein paar Zentimeter auf dem Schnee, die Schneewehen neben dem Zaun zum Nachbarn peilten die Zweimetermarke an. Die Garage war bis an die hohen Fenster heran zugeweht und auch auf der Terrasse lagen bis zu 130 cm Schnee.

Nächtlicher Blick durchs Fenster

Für heute hat der Wetterdienst vor 20 – 30 cm Neuschnee gewarnt, ich vermute, wir haben stattdessen mindestens 70, eher 80 bekommen. Für morgen sagte der Wetterdienst weitere 15 – 25 cm Schnee voraus. Ob ich es wohl morgen zur zweiten Chorprobe in die Stadt schaffen würde?

Als ich heute morgen früh aufstand, um einen ausgiebigen Morgenspaziergang zu machen, war ich ganz verdutzt. Ich hatte schon damit gerechnet, dass wir komplett einschneien, doch das erste, was mir hier auffiel, war der Sternenhimmel. Es hat aufgeklart und der Wind wirbelte bloß manchmal noch den Schnee vom Boden auf. Da ein Taxi (mit Allrad) letzte Nacht den Tallvägen entlangfuhr und eine Spur durch den Schnee gezogen hat, habe ich nach dem Frühstück einen Weg zur Straße geschaufelt und bin mit dem Auto den Reifenspuren hinterher durch den Schnee gedriftet. Schon die nächstgrößere Straße war gut geräumt und so kam ich bequem in die Stadt zur Chorprobe. Auf dem Nachhauseweg war ich gespannt: Schneesturm oder nicht. Aber in Skelleftehamn ist heute nichts mehr heruntergekommen. Die Schneewehen sind schon ein bisschen zusammengesackt und nachdem ein Bekannter mit seinem alten Traktor meine ganze Einfahrt von Schnee befreit hat, konnte ich auch ohne längeres Schippen wieder auf meine Auffahrt fahren.

Morgen soll es wohl ein bisschen aufklaren und ein wenig kälter werden. Wenn es jetzt länger kalt bleibt, wird jetzt wohl auch das noch offene Meer zufrieren. Auf der nahen Bucht bildet sich jetzt das erste Eis. Dann ist es vorbei mit den „Schneekanonen“, die hier und in Bureå südlich von Skelleftehamn für die großen Schneemengen innerhalb von zwei Tagen gesorgt haben.

Morgenwanderung

Dieser Artikel ist Teil der achtteiligen Serie Schneekanonen 2014.

Wegen der Chorprobe bin ich schon früh aufgestanden, denn natürlich wollte ich vorher noch raus und den herrlich vielen Neuschnee geniessen. Und auch das eine oder andere Foto machen.

Nach dem Dauerschneefall der letzten beiden Tagen, die hier geschätzte 70 – 80 cm Neuschnee gebracht haben, hat sich heute das Wetter beruhigt. Noch windig, aber kein Schneefall mehr. Um so besser, das macht das Fotografieren leichter. Und so sah es heute morgen vor meinem Haus aus.

Die EinfahrtDer Tallvägen

Mein Haus hinter Schneewehen

Zu Fuß bin ich durch den Schnee in Richtung Storgrundet gelaufen. Der Weg schien geräumt worden zu sein, er war von 20 – 25 Schnee bedeckt. Vor dem kleinen Teich, wo es immer so windig ist, bin ich links abgebogen. Auch dieser Weg war wohl am Vortag geräumt, aber nur bis zur Hälfte. Danach bin ich durch den knietiefen Schnee stampfend dem Weg weiter gefolgt. Es wurde immer heller und das Licht war phantastisch. Willkommen im Winterwunderland!

Ein Weg durch den Winterwald

Schneeummantelt

Mehr als dreieinhalb Jahre lebe ich schon hier, doch bei Spaziergängen wie diesem kann ich es manchmal immer noch nicht fassen, dass ich jetzt hier lebe, solche Erlebnisse vor der Haustür habe und nicht erst zweitausend Kilometer dafür anreisen muss wie früher.

Rechts bin ich über das Grundstück einer Stuga in Richtung Meer gelaufen. Die Stuga hat Meerblick, und damit ist sie auch dem Sturm ausgesetzt. Teilweise war der Boden komplett schneefrei, an anderen Stellen hat eine zwei Meter hohe Schneewehe eine Kinderschaukel halb unter sich begraben. Und auch das Haus, welches winterlich illuminiert war, war mit Schnee bepackt. Und um einem herum heulte und pfiff der Wind und blies einem immer wieder Schneestaub ins Gesicht.

Ein Häuschen am Meer

Natürlich reizte es mich, auf die Schneewehe zu steigen, aber bald stand ich bis fast zum Hals im Schnee und musste rückwärts wieder herausklettern. Nun weiß ich aber zumindest, dass die Wintergummistiefel auch dann warm halten, wenn Schnee hineinkommt und man nasse Füsse hat. Ich habe mich dann auf den Rückweg gemacht. Als ich keine fünfzig Meter gelaufen bin, stand ich wieder im tief verschneiten Wald. Es war, als würde man von einem Sturm in das gute Kaminzimmer einer alteingesessenen Bürgersfamilie treten. Der Wind war ausgesperrt und es war still und alles schien gemütlich, heimelig und warm.

Ein Foto von einem Stück der ersten Schneewehe habe ich, von mir selbst in der Wehe hingegen nicht. Aber das kann man ja prima in Höhe des kleinen namenslosen Teiches nachholen, dann da ist es eigentlich immer windig und nasse Füße habe ich ohnehin schon. Auf dem Foto stehe ich.

Schneewehe am MeerAb in den Tiefschnee

Diese Schneewehe geht mir auch auf dem Weg bis zum Bauch und B. der mit dem Auto ankam, um zu seiner Stuga zu fahren, musste schnell einsehen, dass er mit seinem Auto nicht weiter kommt, eh der Schneepflug da war. Er hat mich dann noch mit dem Auto das kurze Stück nach Hause mitgenommen, und so bin ich sogar noch pünktlich zur Chorprobe gekommen.

Ein ganzer Tag frei

Liebe Blogleser: Kennt Ihr schon den Artikel Ein halber Tag frei? Da fängt diese Geschichte an. Also hier erst weiterlesen, wenn Ihr das andere gelesen habt. Versprochen?


… gleich geht’s aber wirklich los zur Arbeit. Nur noch mal bei der Lotsenstation schauen.

Und ich habe geschaut, noch einmal geschaut und dann bei Hello Future angerufen, um den ganzen Tag frei zu bekommen. Denn es ist ein wunderschöner Anblick, wenn die Ostsee beginnt, zuzufrieren und da es heute gerade so klar und schön war, wollte ich noch den Rest des Tages draußen bleiben. Erst habe ich von Land fotografiert, dann auch vom flachen Wasser aus. Es war aber gar nicht so einfach die Eiskante herunter- und wieder hochzuklettern, denn auch wenn sie nicht an allen Stellen zwei Meter hoch ist, glatt ist sie überall.

Eiskante vor der Halbinsel NäsgrundetMeereiszapfen

Warme Sonne, kaltes Eis. Gåsören am Horiziont

Und so sah ich nach den Fotos aus: Wathose gegen kaltes Ostseewasser, warme Jacke gegen die kalte Luft, und rundum zufrieden. Ich musste zwei Anläufe für dieses Foto machen, denn das Eis war so glatt, dass ich beim ersten Mal hinsetzen mich nicht halten konnte und sitzend langsam wieder herunter zur Kamera schlitterte.

Zufrieden und erfüllt

Danach fuhr ich erst einmal zum ICA, Lebensmittel einkaufen und nach Hause, denn ich hatte seit dem Frühstück weder etwas gegessen oder getrunken und mein Magen knurrte ungehalten. Aber dann bin ich noch einmal losgefahren, zu der gleichen Stelle wieder. Denn das schöne Pfannenkucheneis am Damm zur Halbinsel wollte ich noch ablichten.

Pfannkucheneis

Zwei Bilder möchte ich noch zeigen, dieses Mal nicht Natur, sondern Menschgemachtes: Erst (von der ersten Runde) die Lotsenstation vom Wasser aus und dann (von der zweiten Runde) die Industrieanlagen auf der Halbinsel Rönnskär.

Die Lotsenstation aus NäsgrundetRönnskär am Nachmittag

Na gut, ein Bild habe ich noch. Was macht man, wenn man einen wasserdichten Overall und eine wasserdichte Kamera hat: Fotos nah am Wasser. Wenige sind etwas geworden, denn es war fast zu dunkel für die kleine Kamera, um vernünftig zu fokussieren. Wie ein merkwürdiger Traum war es, auf dem weichen Eis zu liegen, halb im Wasser, und zu sehen, wie der Mond, von Jupiter begleitet, seine Strahlen über die vereiste Ostsee schickt.

Traum

Mein Dank geht an Hello Future, dessen fast grenzenlose Flexibilität mir diesen Tag heute ermöglicht hat. Tack så mycket, E., J. und L.

Gleissende Lichter am Horizont

Kurz vor Mitternacht hätte ich natürlich auch ins Bett gehen können. Ich bin eher Frühaufsteher und war schon ziemlich müde. Aber der klare Sternenhimmel und der Vollmond, der klar und hell die verschneite Umgebung beschien, da wollte ich noch mal raus. Nur kurz mit Kamera zum Meer. Warmen Parka anziehen empfiehlt sich aber dennoch, bei -21 °C. Doch als ich zehn Minuten später am Meer stand, war alles bewölkt. Wo kamen die Wolken her? Es war nicht so, dass irgendwoher die Wolken aufziehen, sondern „knips!“ – waren sie da.

Na gut, aber am Meer ist es auch bewölkt schön und der Mond schaffte es auch noch durch die Wolken durch und beschien die von Schnee und Eis ummantelten Felsen.

Wintervollmond am gefrorenen Meer

Danach hätte ich natürlich auch nach Hause fahren können, aber Lichter am Horizont machten mich neugierig. Bohrplattformen haben wir nicht, eine Stadt liegt da auch nicht, also ist es vermutlich ein Schiff. So war es dann auch. Als ich an der Lotsenstation stand und die Landzunge hinausging, um zu fotografieren, traf mich von hinten das Scheinwerferlicht eines anderen Autos. Eine in Neongelb bekleidete Figur lief zum Steg und kurze Zeit später konnte man hören, wie das kleine Lotsenboot sich ruckhaft den Weg durch die vereiste Fahrrinne bahnte. Es war auf dem Weg zu dem Schiff. Bei dem Foto sieht man sehr schön, wie sich bei der kalten Luft sofort Eisnebel über dem offenen Wasser bildet.

Nachtschiff am Horizont

Auch weiter nördlich waren die starken Strahler eines Schiffes zu sehen. Der Strahler war nicht zum Himmel gerichtet, sondern durch die Reflektion des Lichtes an Eisplättchen entstand vermutlich eine sogenannte Lichtsäule. Nun weiß ich also, wo Skelleftehamns Nachtleben stattfindet: Auf dem Meer!

Lichtsäule auf See

Meine Güte, zehn vor drei und das mir! Und ich muss morgen arbeiten. Schnell den Artikel veröffentlichen und dann ins Bett.

Wer das Foto vom Schiff nicht so richtig toll findet, darf mir gerne ein besseres Objektiv schenken. Postadresse steht unter Kontakt ;-)

Lichtsäulen

Heute Nachmittag fiel Eisstaub aus dem klaren Himmel. Dann bilden sich oft Lichtsäulen, wie auch gestern schon. So deutlich wie heute habe ich das aber selten gesehen und deswegen habe ich ein Foto von Rönnskär gemacht. Kurze Zeit später ging der Eisstaub in größere Eiskristalle über und der schöne Lichteffekt war schon wieder vorbei.

Lichtsäulen über Rönnskär

Tegsnäs 8′

Heute bin ich endlich mal dazu gekommen, die Tegsnässki, die ich vor einem Jahr gekauft habe, auszuprobieren. Diese Holzski sind für Wald und lockeren Schnee gemacht, 7.5 cm breit aber vor allem lang: Zwei Meter vierzig misst mein Modell! Ich brauchte gar nicht so weit zu laufen, bis ich den Wald erreicht habe:

Mein Eingang in den Wald

Anfangs waren noch Fußstapfen und Skooterspuren zu sehen, dann Tierspuren von Hase und Reh. Man konnte immer wieder Stellen sehen, wo die Rehe mit den Hufen nach Futter gescharrt haben, doch die wurden, ebenso wie die Spuren, bald weniger. Finden die Wildtiere vielleicht mehr Futter nahe der Zivilisation als mitten im Wald? Der Winter kann hier eine harte Zeit für die Tiere im Wald sein und wenn er lang ist, treibt der Hunger die Rehe auch in die Wohnstraßen. Ich brauchte mir um Futter keine Sorgen zu machen, schwieriger war es hingegen, sich mit den langen Skiern einen Weg durch den dichten Wald zu bahnen. Ich fürchte, ein paar Zweige mussten heute dran glauben, als ich mich durch irgendwelche Lücken gequetscht habe.

Große verschneite KiefernMitten im verschneiten WaldHier haben Rehe nach Futter gesuchtHier habe ich einen Weg gesucht

Bald stand ich am See Snesviken, den ich dann mit den Skiern überquert habe. Inzwischen klarte es langsam auf und die Sonne schien warm durch die Wolken. Ich hatte gleichzeitig blauen Himmel über mir und Schneefall. Und das ist vielleicht mein Lieblingswetter: Schnee aus klarem Himmel, der von der orangefarbenen Sonne goldfunkelnd beschienen wird. Und so stand ich am Ufer, schaute zurück auf meine Spur und freute mich.

Genau am richtigen Platz: Hütte zum Objektiv wechselnAber ich hatte ein Luxusproblem, ein fotografisches Luxusproblem: Das würde ja viel schöner aussehen, wenn ich das mit dem Tele fotografiere, aber bei Schneefall wechsele ich keine Objektive. Fünf Schritte schob ich meine Skier an Land, da sah ich sie: Die freistehende Fotografen-Objektivwechsel-Hütte! So konnte ich mein Foto machen, ehe ich wieder auf mein „Immer-Drauf“-Weitwinkel gewechselt habe.

Schnee und Sonne über dem Snesviken

Weiter bin ich durch den Wald gelaufen, das Gestrüpp wurde immer dichter und der Weg schwieriger. Dabei hätte ich die Ski gar nicht gebraucht, denn der Schnee ist innerhalb einer Woche von ca. 70cm auf handliche 30cm zusammengesackt. Doch bald stand ich dort, wo ich hinwollte: Am Meer!

Die Ostsee, unendliche Weiten. Und zugefroren bis zum Horizont. Ob ich es wagen soll, über das Eis …? Nein, lieber nicht. Doch links läuft jemand mit Skiern übers Eis, rechts gehen zwei zu Fuß zu ihrer Stuga auf die Insel, dann wird das Eis auch meine Monsterski halten. Und so bin ich ein kleines Stück das Meer hinaus gelaufen, ein kleines Stück Außenkante der Insel Storgrundet, und dann über die Insel, um dann den Heimweg anzutreten.

Auf das Meer hinausStuga auf der Insel Storgrundet

Nach Hause? Warum? Es ist doch noch nicht einmal zwölf! Doch ich habe einen entscheidenden Fehler bei dieser Tour gemacht: Keine Schokolade! Auf das komische Maisbrot, was ich auf die Schnelle eingepackt habe, hatte ich keine Lust, denn bei Skitouren bin ich wie eine Wespe im August: Ausschließlich auf Süßes fixiert! Und so war ich, wie die Rehe vor ein paar Jahren, selbst auf Futtersuche und bin nach Hause gelaufen. Bei ICA habe ich erst einmal Kekse und Schokolade gekauft. Kekse für sofort und Schokolade für die nächste Skitour.

Etwas ganz besonderes hatte diese Tour: Ich war nie als weiter von zu Hause weg als 1500 Meter Luftlinie! Und das erste Foto ist gerade mal 300 Meter von meinem Haus entfernt. Es gefällt mir immer besser, so naturnah zu wohnen und auch wenn ich mir vorstellen könnte, nah am Fjäll zu wohnen, so liebe ich es doch, hier die Ostsee vor der Tür zu haben.


Langsam fällt das Thermometer. -15 °C hatte es heute morgen, -17 °C heute mittag und -19 °C um vier. Ich bin noch einmal mit dem Auto losgefahren, dieses Mal zum Strand Harrbäckssand in Ursviken. Mir war ein bisschen fröstlig, denn bei Skitouren habe ich immer wenig an, damit ich nicht schwitze. Mache ich aber viele Fotos, so rächt sich das ein bisschen. Nun war ich zum Fotografieren draußen und habe mich angezogen, als wären es -40 °C: Daunenhose, Canada-Goose-Daunenparka und über die dicken Fingerhandschuhe noch Daunenfäustel. Das heizt! A popros -40 °C: Diese Temperaturen hat es jetzt ganz im Norden Schwedens und der Zug nach Narvik fährt heute nur bis Kiruna, der Kälte wegen. Eine schöne Gelegenheit für das Aftonbladet, eine reißerische Schlagzeile aufs Titelblatt zu platzieren: „Snökaos & Extremkyla“ – Schneechaos und Extremkälte. Während die ganz normale alljährliche „Extremkälte“ den hohen Norden trifft, wird der Schnee in Südschweden erwartet und dort bedeutet Schnee leicht einmal Chaos, ähnlich wie in Deutschland.

Ein Foto noch von Harrbäckssand heute nachmittag:

Wer schaukelt mit mir?

Packeisküste

Canada Goose – ein Traum für Winterfotografen

Wenn ich mir das Photo anschaue, dann könnte ich auch behaupten, ich hätte gerade zu Fuss Grönland durchquert. Ihr könntet entgegnen, dass könne ja jeder sagen, es sei ja noch nicht einmal sicher, ob ich überhaupt in der Jacke drinstecke. Darauf hätte ich nichts zu entgegnen, also bleibe ich lieber bei der Wahrheit.

-26 °C im GartenEigentlich sollte es das ganze Wochenende bewölkt sein, aber das Wetter hat sich nicht an die Prognose gehalten und es war schön und klar. Und wenn es klar ist, kann es kalt werden. -26 °C zeigte das Thermometer heute morgen am Haus und das war für mich das Zeichen, nicht nur zum Fotografieren hinauszufahren, sondern mich auch warm anzuziehen. Denn im liebe zwar Winter und Kälte, bin aber im Grunde ein Weichei und habe es gerne warm. Das Bild oben ist also nicht in Grönland, sondern bei Långhällan an der Ostsee entstanden. Kalt war es aber auch.

Wie man auf dem Bild sieht, liegt vor Långhällan kein glattes Eis, sondern zusammengefrorenes Treibeis, welches fahl von den Dämmerungsfarben angestrahlt wird. Zwei Stunden stand ich bestimmt da, schaute und mache Photos, aber am Schönsten war es, als die Sonne herauskam und anfing, immer größere Teile der eisummantelten Küste und des Packeises zu bestrahlen.

Packeis vor LånghällanBald geht die Sonne aufSonnenaufgangNun ist das Eis sonnenbestrahlt

Einen kleinen Schwenk mit dem Auto habe ich noch gemacht. Am schönsten fand ich die Sicht von der Brücke über den Bureälven, aber auch den Zaun um den Flugplatz fand ich sehenswert, obwohl ich Stacheldraht fürchterlich finde. Nach Mittagstemperaturen um -22 °C fiel das Thermometer wieder, aktuell (15:30) liegt es bei -25 °C.

Brücke über den Bureälven bei Östra Falmark

Flugplatzzaun

Nachtrag

Jetzt ist es 0:00, der Sonntag ist vorbei und mit Temperaturen zwischen etwa -22 °C und -26 °C ist er der kälteste Tag der Saison und der erste, dessen Maximum unter -20 °C lag. Auf der Seite Temperaturen 2013/14 kann man ganz gut sehen, wie die Temperaturen innerhalb von elf Tagen um etwa 30 °C sanken.

Wenn Ihr denkt, das sei kalt: In Karesuando und anderen Orten an der Nordspitze Schwedens lagen die heutigen Temperaturen den ganzen Tag unter -35 °C und teilweise unter -40 °C. Das ist dann wirklich kalt und sieht auch dementsprechend aus.

Raureif 70-200mm

Zwei Gründe gab es, heute vor der Arbeit, und dann noch einmal mittags zum Fotografieren draußen zu sein: Zum einen der herrliche Raureif, der sich vor allem um die filigranen Zweige der Birken gelegt hat, zum anderen ist gestern mein neues Nikon-Teleobjektiv gekommen, welches ich natürlich sofort ausprobieren wollte.

Vermutlich werde ich bald irrsinnig starke Handgelenke vom Halten haben, denn alleine das Objektiv wiegt anderthalb Kilo. Ich muss mich jetzt daran gewöhnen, das Tele und nicht die Kamera am Stativkopf zu befestigen, denn sonst nickt die Kamera vorne über.

Aber genug vom Fotografieren, hier kommen drei Bilder von heute morgen in Skelleftehamn und Ursviken:

Raureif ummantelt die Birken am MeerGåsören dunstig und eisumschlossen

Der Kanuverein an der „Kanubucht“ in Ursviken

Nach der Mittagspause war ich noch am Fluss. Die Sonne bestrahlte den eisbedeckten Fluss, der fürchterlich knarkste und krachte, und die beraureiften Baumreihen.

Zwei Flosse vor Skellefteås Flussinseln Ytterholmen und Karl Fredriksholmen

Wenn es trocken und kalt ist, dann rieselt oft feinster Eisstaub aus dem Nichts. Normalerweise würde man den gar nicht sehen, wenn das Eis nicht so in der Sonne glitzern würde. In Richtung Sonne bildet sich dann oft eine Lichtsäule, die durch die Reflektionen der horizontal schwebenden Eisplättchen entsteht. Schwer zu fotografieren, da die Lichtsäule immer genau in Richtung Sonne steht, aber auf dem folgenden Bild sieht man es zumindest ein bisschen im Detail, auch wenn das goldene Glitzern fehlt.

Auf dem Bild mit Floß und Flussinseln kann man nicht nur die Lichtsäule, sondern auch am rechten Bildrand einen schwachen regenbogenfarbigen Streifen sehen. Das ist keine Reflexion im Objektiv, sondern diesen farbigen Streifen konnte man auch in Natura sehen.

Feiner Eisstaub reflektiert die Sonnenstrahlen und bildet eine Lichtsäule

Winterspaziergang vor der Arbeit

Morgenstimmung am Meer

Vor SonnenaufgangDass ich heute morgen kurz zur Küste gefahren bin, weil das Wetter so schön ist, war freiwillig. Aber es lockt mich jedes Mal wieder, auf den Horizont zu blicken. Darüber ein Himmel in allen Sonnenaufgangsfarben mit rosa Wölkchen und Lichtsäule, darunter das kalt bläulich schimmernde schnee- und eisbedeckte Meer.

Unfreiwillig hingegen war der zweite Spaziergang. Er führte von der Autowerkstatt nach Hause. Dort hat man sich heute des Kofferraumschlosses angenommen, welches sich vor kurzem verabschiedet hat. Aber ich hatte meine Kamera dabei und bin ein paar mal stehengeblieben um zu fotografieren. Eigentlich ganz normale Dinge, die ich hier jeden Tag sehe: Schnee und Eis, kahle Bäume, rote Häuser und dies und das in Skelleftehamn.

Haus an der Bucht KurjovikenHäuser auf der Halbinsel KallholmenWolkenschleier über dem alten WasserturmBahnschienen und Stromleitungen führen nach Rönnskär

Und noch zwei Fotos, das erste auch vom Spaziergang mit dem neuen Tele geschossen (das muss ich ja ausprobieren), das andere mit dem Makro im Wintergarten fotografiert. Eisblumen abstrakt.

Raureif bedeckt die Äste der RoseEisblumen am Wintergartenfenster

Das Eis bricht

Ein ganzer Tag mit blauem Himmel ist nach den letzten trüben Wochen ein wirklicher Luxus. Die Sonne scheint und es ist recht warm. Der stürmische Wind der letzten Nacht hat große Teile des Meereises aufgebrochen und meerwärts getrieben, nun sind es wirklich nur noch einige geschützte Bereiche, auf denen noch Eis liegt. Das hat schon etwas von Frühling. Der aufweichende Lehmboden, in dem ich stehe, als ich letzten Eisschollen auf dem Kallholmsfjärden fotografiere allerdings auch.

Am Rand sitzen noch einige Eisschollen fest, doch die Bucht ist fast eisfreiDer Lehmboden weicht auf

Auf der Westseite des Dammes zur Lotsenstation liegt noch Eis

Der gleiche Wind, der das Meer eisfrei macht, verhindert allerdings auch, dass ich meine erste Kajaktour machen kann – es sei denn, ich wollte von dem immer noch stürmischen Westwind nach Finnland geblasen werden. Also habe ich geschaut, wie es auf dem geschützten Meerteil hinter der Insel Storgrundet aussieht. Dort bin ich letzten Sonntag noch mit Gästen über das Eis zur Insel gelaufen. Inzwischen sieht das Eis allerdings auch dort immer löcheriger aus und ohne den Rat von Einheimischen würde ich es nicht mehr betreten …

Eis und offenes Wasser vor Storgrundet

… es sei denn, ich bin wasserdicht angezogen.

Ich habe mir meinen knatschroten Neoprenoverall übergezogen und habe vom Eis und vom Wasser aus ein paar Aufnahmen mit der wasserdichten Kamera gemacht. Wenn der Kopf über und die Kamera unter Wasser ist, sieht man allerdings auf dem Display nur noch Spiegelungen und das Fotografieren gerät zur Glückssache. Aber es macht schon Spaß, ein bisschen im Eiswasser zu paddeln, trocken zu bleiben und ein paar nette Fotos sind auch dabei entstanden.

Eis unter WasserEis unter Wasser

Sonne, Himmel, Welle, Wasser, Eis, Meeresgrund: ganz schön viel für ein Photo

Eisfreier Kallholmsfjärden

Seit gestern ist der Kallholmsfjärden eisfrei, wenn man von ein paar kleinen unmotiviert dahindümpelnden Eisschollen absieht. Letztes Jahr hingegen saßen noch am 21. April Eisfischer auf dem ufernahen Eis, also noch 40 Tage später als dieses Jahr.

Allerdings müssen sich alle, die auf einer der Inseln ihre Stuga haben, noch ein bisschen gedulden, bis sie das Boot nehmen können, denn die Hafenbecken aller kleinen Bootshäfen Skelleffehamns sind noch eisbedeckt, so zum Beispiel Tjuvkistan.

Der Kallholmsfjärden ist fast eisfreiDas Hafenbecken von Tjuvkistan ist noch eisbedeckt

Auch ich muss sehen, wo ich das Kajak einsetzen kann, wenn ich am Wochenende paddeln möchte. Der nahe kleine Hafen Killingören ist noch zugefroren, ebenso das Meer bei Storgrundet, auch wenn es schon große Löcher aufweist. Der Skooterfahrer, den ich dort zur Sonnenuntergangszeit getroffen habe, ist optimistisch. Auf meine Frage „Håller isen?“ – hält das Eis? kam nur ein „Jag hoppas det!“ – Ich hoffe es! zurück. Während ich die Wathose ausgezogen und Kamera und Stativ verstaut habe, konnte ich noch das Knattern des Skootermotors hören, bis der Fahrer auf der Insel ankam.

Schwaches Eis bei Storgrundet

Am Strand von StorgrundetSkooterfahrt zur Insel

Steife Brise auf dem Meer

Heute habe ich zu Hause gearbeitet. Das war zumindest der Plan. Das Wetter war ein bisschen eigenartig: Blauer Himmel und Sonne und ein paar Plusgrade, aber sehr windig. Nicht umsonst hat der Wetterdienst vor Windböen bis 21 m/s gewarnt – das ist Windstärke 9: Sturm. Also habe ich meine Arbeit kurz unterbrochen, um an der Lotsenstation Wellen zu fotografieren, auch wenn die bei Westwind wahrscheinlich nicht sehr eindrucksvoll sind.

Gischt und Eisstücke fliegen durch die LuftDa stehe ich dann auf der kleinen Pier und versuche Gischt zu fotografieren. Erst zu Hause werde ich sehen, dass der Wind nicht nur Wasser, sondern auch Eisstückchen durch die Luft bläst. Da kommt ein Mann mit dem Auto angefahren, sieht mich und beginnt mir sofort, Zeichen zu geben und zu gestikulieren.

Mein erster Gedanke ist, dass er mich von der Pier scheuchen will, weil das (a) streng verboten, (b) seiner Meinung nach total gefährlich ist. Der zweite Gedanke: Erst mal fragen, worum es geht. Ja hej, sagt der Mann, ich wäre wohl am Fotografieren interessiert. Ob ich nicht mit dem Lotsenboot mitfahren wollte, welches gleich anlegt. Er arbeitet als Lotse, hat aber gerade frei.

Mein erster Gedanke ist, ich muss doch arbeiten. Der zweite Gedanke: Das kann ich auch später am Tag. Also habe ich ja gesagt. Der Lotse macht kurz alles klar und in einer halben Stunde, wenn das Lotsenboot Pilot 761 ablegt, darf ich mitfahren.

Ich bin kurz nach Hause gefahren, habe bei der Arbeit Bescheid gesagt, kurz was gegessen und getrunken und war zwanzig Minuten später wieder an der Pier. Die Pilot 761 nicht. Überall auf dem Wasser suche ich das kleine knallrote Schiff. Das kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben. Doch die Pilot 761 ist verschwunden und ich mache noch ein paar weitere Gischtfotos.

Da kommt aus der letzten Ecke der Bucht ein kleiner roter Fleck, kommt näher und näher und landet tatsächlich an der Pier an, um mich mit an Bord zu nehmen, wo ich auf einem der drei vorderen Plätze sitzen darf. Und los geht die Fahrt. Bald liegt Gåsören backbord voraus.

Auf der Bucht KallholmsfjärdenGåsören backbord

Ich bin verwundert, wie ruhig die Fahrt doch trotz der Sturmböen ist, aber der Wind liegt uns im Rücken und das Schiff rollt nur ein bisschen nach links und rechts.

Schräglage nach links …… und nach rechts

Das ändert sich, als wir auf offener See auf das Schiff Sunnanhav warten. Es liegt noch an der Kai Rönnskärs und wird drei Lotsen mit an Bord nehmen. Diese sollen wir dann vom Schiff abholen und wieder zurückbringen. Wir wenden und kaum fahren wir gegen den Wind, beginnt das Schiff zu stampfen und große Ladungen Ostseewasser werden gegen die Frontscheiben geschleudert.

nordwärts – das gefällt mir ;-)Gischt und Seewasser prasseln

Kurze Zeit später kommt die Sunnanhav in Sicht, die wir direkt ansteuern. Das Beidrehen, Anlegen und Lotsen an Bord nehmen geht so schnell, dass ich kaum dazu komme, das Schiff zu fotografieren.

Hinter der Gischt: Die SunnanhavDrei Lotsen wollen an Bord

Jetzt fahren wir wieder zurück in die Bucht nach Skelleftehamn. Ich finde es extrem schwierig, die Bewegung und die Gischt in ein stilles Foto einzufangen und habe deswegen ein kleines Video mit dem iPhone gemacht:

Eher zufällig habe ich direkt hintereinander zwei sehr unterschiedliche Fotos gemacht, die ich beide sehr mag, auch wenn vor allem das zweite technisch ziemlich daneben ist.

Gischt auf der FensterscheibeGåsören-Traumland

Wir steuern erst den Hafen Rönnskärs an, wo ein Lotse von Bord geht. Direkt vor uns liegt die norwegische Rystraum. Einmal schnell über die Bucht und die beiden anderen Lotsen und ich springen von Bord.

Vor uns die norwegische RystraumWieder an Land

Heute habe ich zu Hause gearbeitet. Das war zumindest der Plan. Pläne darf man ändern und nun muss ich bloß am Sonntag ein bisschen nacharbeiten. Aber das war es wert.