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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Abgebrochene Kajaktour

Heute wollte ich Kajak fahren. Eventuell zu ein paar neuen Inseln, zum Beispiel zu Nörd- und Sör-Olsgrundet, die auf der anderen Seite der industriell genutzten Halbinsel Rönnskär liegen. Und als ich heute morgen an der Bucht schaute, sah alles perfekt aus. Das Meer war klar, fast ohne Wellen, der Himmel blau, wenig Wind und schon 16 °C. Als ich eine Stunde später im Kajak saß, war die Bucht aber von vielen kleinen Zappelwellen, die alle gerne ins Kajak wollten, bedeckt. Ein paar ist das auch gelungen, denn bin ohne Spritzschutz gefahren, da zwischen meinen Knien die wasserdicht verpackte Kamera ihren Platz hat. Ich bin dann durch den kleinen Kanal, der Rönnskär teilt, gefahren, was die Seeschwalben ziemlich störend fanden. Mit großem Gekreische flogen sie um mich herum und manchmal auch auf mich zu. Aber bald war der Kanal durchquert und ich hatte Blick auf das Reiseziel. Allerdings war es windiger als erwartet und so bin ich erst einmal zu der nächsten Insel Kalkgrundet gefahren, bin einmal um sie herumgelaufen und habe etwas gegessen.

Dieser Kanal teilt die Halbinsel RönnskärBlick von der Insel Kalkgrundet

Am Ufer der Insel gab es drei Miniminibuchten, zwei Stellen, an denen Fischernetze befestigt waren, viele Erlen und viele Käfer, die gerne Erlenblätter fressen.

Der Ankerstich hält ein Fischernetz Ein „Prächtiger Blattkäfer“

In Richtung Osten konnte man die Insel Sör-Olsgrundet mit ihrem kleinen Leuchtfeuer sehen, in Richtung Westen hingegen hingen dicke, dunkle Haufenwolken, die um die Wette quollen. Ein erstes Grollen war auch schon zu hören. Damit ich nicht auf der Insel bei Gewitter festsitze, bin ich schnell aufgebrochen und rasch wieder ans Festland gepaddelt. Hier habe ich mich wieder sicher gefühlt und da die Gewitter im Westen hängen blieben, konnte ich in Ruhe zurück paddeln. Um einiges früher als eigentlich geplant war ich wieder zu Hause.

Blick auf die Insel Sör-OlsgrundetGewitter über der Stadt

Später habe ich gehört, dass es über der Stadt unwetterartigen Regen gegeben hat und auch ordentlich geblitzt und gedonnert. Hier in Skelleftehamn ist heute kein Tropfen herunter­gekommen, aber wir hatten ja Gewitter und Starkregen gestern schon:

Gestern: Pladderrregen

Plan für diesen Sommer: Mindestens eine Zweitagestour mit dem Kajak. Ich bin sehr gespannt, wie viel in das Kajak wirklich hineinpasst: Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kocher, Wasser, Essen, Kamera, Ersatzkleidung …

Ein Tag in den Bergen

Schön ist es in der Natur, herrlich in den Bergen und wirklich toll, wenn man nicht alleine unterwegs ist.

Als klar wurde, dass ich eine Woche in Deutschland sein würde, haben Sonya und ich uns gleich den Sonntag reserviert, um in die Berge zu fahren. Sonya hat den Seebergkopf herausgesucht, einen Gipfel, der mit 1538 Metern und 750 Höhenmetern auch gut zu machen ist, wenn man – wie ich – lange nicht mehr in den Bergen unterwegs war. Außerdem lässt sich der Berg auch mit der Bahn gut zu erreichen und man ist schon nach wenigen Minuten aus der kleinen Stadt heraus mitten in der Natur.

Ich mag die eher karge schwedische Natur und fühle mich in Nordschweden sehr wohl. Aber von der Natur auf unserer Wanderung war ich völlig begeistert. Ob es die großen, mächtigen Buchen sind, die vielen Wildblumen am Wegesrand, die bunten Schmetterlinge, oder aber die Ausblicke auf andere Gipfel, manche baumbewachsen, manche blanker Fels mit dem Gipfel in den Wolken, manche schneebedeckt, ich konnte mich kaum sattsehen. Gut, dass Sonya auch gerne fotografiert, so hatte ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich wieder und wieder stehen blieb, um Kleines und Großes digital abzulichten. Den Anfang machte diese Weinbergschnecke, die unseren Wanderweg kreuzte.

Eine Weinbergschnecke kreuzt unseren Weg

Der Weg wand sich im Zickzack den Wald hinauf. Ein Stückchen nach links, ein Stückchen nach rechts, ein Stückchen nach links, ein Stückchen nach rechts. Bald bekam ich Durst und – wie im Märchen – eine Minute fanden wir eine Quelle, wo wir unseren Durst löschen konnten. Die Wasserflaschen blieben im Rucksack.

Die „Sankt Josephs Deliciusquelle“

Weiter führte der Weg, immer höher, bis sich der Wald lichtete und der Weg über lichte Almwiesen führte.

Weg durch den HangwaldWeg über die Bergalm

Und dort standen weißbraun gefleckte Kühe, schauten uns neugierig an und hatten überhaupt nichts dagegen, in Ruhe von uns fotografiert zu werden. Wie professionelle Models schauten sie in die Kamera.

Kuhbild IKuhbild II

Der Weg führte immer höher und schließlich über einen Sattel zum Gipfel. Überraschend war, dass wir den Gipfel für uns alleine hatten. Lag es am wolkigen Wetter oder daran, dass wir so spät losgekommen sind, es war auf jeden Fall etwas Besonderes und lange saßen wir oben und schauten talwärts. Das mag aber auch an den Unmengen von guten Essen liegen, die wir in unseren Rucksäcken hochgeschleppt haben.

Reichliche BrotzeitBlick auf Bayrisch Zell

Zu einem Gipfel gehört natürlich auch ein Gipfelfoto, welches Sonya gemacht hat:

Unser Gipfelfoto (Foto: Sonya)

Doch nach einer Stunde wurde uns langsam kalt, man sollte in den Bergen auch im Sommer immer Handschuhe dabei haben, und nach noch ein paar Fotos machten wir uns an den Abstieg. An der zutraulichen Schafsherde mussten wir natürlich noch eine Pause machen.

Schafsblicke

Irgendwann waren wir wieder im Tal und der Himmel klarte auf. Ich: „Sonne! Sollen wir noch mal hoch?“ Wir beide: „Och, nö!“. Der nächste Halt war das Hotel Alpenrose, wo wir sehr leckeren Kaiserschmarrn gegessen und einen kleinen Aperol Sprizz getrunken haben.

Aperol SprizzLeckerer Kaiserschmarrn!

Dann ging es nach Hause und sogar ein paar Heißlüfter habe ich Ballonfan in der Ferne erspähen können.

  • Alpen: Check!
  • Kaiserschmarrn: Check!
  • Ballone: Check!
  • Kleine Zugfahrten: Check!

Und sonst? Schöne Graffitis gab’s zu sehen: In München eher modern, in Bayrisch Zell ein wenig traditioneller.

Graffiti in MünchenGraffiti in Bayrisch Zell

Einen besonderen Fund habe ich noch gemacht. Als kleines Kind, mit vier oder fünf, fand ich Insekten ganz toll. Und unseren kleinen Kosmos-Insektenführer konnte ich fast auswendig. Darin gab es auch den „Gebänderten Pinselkäfer“, einen Käfer, der mich schon des Namens wegen begeistert hat. Den Käfer, den ich gestern auf der Margarite gesehen habe, hatte ich stark im Verdacht, zu dieser Spezies zu gehören und richtig! – danke Internet – es ist tatsächlich ein Gebänderter Pinselkäfer!

Ein Gebänderter Pinselkäfer

Nachtrag (11. Juli)

Sonya hat in ihrem Blog auch über diese Tour berichtet:
soschyontour.de/wanderung-auf-den-seebergkopf-1-538m

Drei Tage Lofoten

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

In Kabelvåg auf den Lofoten habe ich mich mit Elisabet getroffen, die diesen Sommer dort arbeitet. Ich habe einige Tage bei ihr gewohnt und wir haben einige Touren zusammen gemacht.

Mittwoch

Mutter und KindNach einem Mittagessen sind wir nach Utakleiv gefahren, da habe ich vor zwei Jahren schon einmal gezeltet. Unser Plan war, ein Stück den Berg „Mannen“ hochzusteigen, um Ausblick auf die schönen Sandbuchten mit dem türkisfarbenen Wasser zu bekommen. Erst führte ein gemütlicher Weg den Hang hoch und die Schafe äugten uns neugierig an, ehe sie vor uns wegliefen. Dann zweigte ein Pfad ab, der uns auf die Südseite des Hanges führte, von wo man aus einen herrlichen Blick über die Sandbuchten und türkisfarbenen Wasser hatte.

Blick auf Haukland und die Vikbukta

Unkorrigierte Version mit PlastiktüteDoch halt – dieses Bild ist nicht ganz real. In Wirklichkeit sah das Foto so aus →

Das Wetter war nämlich alles andere als schön. Es war kühl, sehr windig und es regnete. Kurzum, das Wetter war scheußlich. Und natürlich kam der Wind genau aus Motivrichtung. Deswegen habe ich immer eine durchsichtige Plastiktüte vor die Kameralinse gehalten, dadurch das Motiv anvisiert, dann die Tüte rasch weggezogen, sofort ein Bild gemacht und direkt danach die Linse wieder abgedeckt. Leider wurde hier die Tüte wieder zurückgeweht und bedeckt daher einen Teil des Bildes.

Weiter oben wurde es noch windiger. Stellte man sich in Windrichtung, so konnte man einzelne große Regentropfen schon in größerer Entfernung ausmachen und waagerecht auf einen zuschießen sehen. Da mir kalt war und ich bei diesem Wind nicht auf den Grat zum Gipfel wollte, sind wir bald umgekehrt und haben im Auto heißen Tee und die Sitzheizung genossen.

Donnerstag

Morgens bin ich erst bei Regenwetter durch Kabelvåg gelaufen und dann, als der Regen nachließ, nach Henningsvær gefahren. Dorthin führt eine Straße, die so schmal ist, dass zwei Autos gerade aneinander vorbeikommen. Die beiden Brücken sind sogar nur einspurig und mit Ampeln geregelt. Ist man angekommen und hat einen Parkplatz gefunden, erwartet einen ein kleines schönes, aber auch sehr touristisches Städtchen.

Henningsvær

Die Berge hängen in den WolkenRørvikstranda

Nachmittags sind Elisabet und ich in eine benachbarte Bucht gefahren. Zum Baden fanden wir es zu kühl und so haben wir statt dessen einen steilen Hügel bestiegen, die Aussicht genossen, Tee getrunken und Schokolade gegessen.

AusblickAusblick

Am Abend haben wir noch einen kleinen Spaziergang gemacht und waren rechtzeitig auf dem Kai, um die beiden Hurtigrutenschiffe Trollfjord und Nordkapp aneinander vorbeiziehen zu sehen.

Hurtigrutenschiffe vor Kabelvåg

Freitag

Schlammweg auf den ReinebringenDiesen Tag hatte Elisabet frei und wir sind fast bis an die Südspitze der Lofoten gefahren, um dort den Reinebringen zu besteigen. Der Weg ist nicht sehr lang und der Wanderführer spricht von 1-2 Stunden für den Aufstieg. Wir haben zwei Stunden gebraucht, was nicht so sehr daran lag, dass der Weg durchgängig steil ist – an zwei Stellen sind sogar Seile angebracht – sondern, dass der Boden sehr schlammig und rutschig war. Ich bin schon schönere und leichtere Wege den Berg hochgelaufen. Aber das wirklich grandiose Panorama von oben über die Bergketten der südlichen Lofoten, die kleinen mit Brücken verbundenen Inseln, auf denen die Stadt Reine liegt und das blaue Meer entschädigten uns voll für den Aufstieg.

Diese Tour kann ich wirklich jedem empfehlen, der ein wenig bergerfahren ist. Nur Geheimtipp kann ich sie nicht nennen, denn trotz des trüben Wetters haben wir viele Menschen aus vielen Ländern auf dem Weg getroffen. Der Abstieg war nicht weniger anstrengend, aber bald standen wir wieder am Auto und haben uns gefreut, dass wir diese schöne Tour gemacht haben.

Blick auf Reine und die südlichen Lofoten

Wir hätten jetzt die restlichen neun Kilometer nach Å fahren können, dem südlichsten Ort der Lofoten, haben uns aber für den Heimweg mit Umwegen entschieden. Wir haben manche Nebenstraße mitgenommen und dabei bei Fredvang diese getrockneten Fischköpfe gefunden.

Fischköpfe hängen zum TrocknenFischköpfe

Und an dieser Bucht musste ich auch kurz aussteigen und ein Foto machen:

Sonne und Berg über türkisfarbenem Meer

Viel zu schnell gingen die Tage vorbei und ich hätte auch noch länger bleiben können, aber Elisabet war ja zum Arbeiten auf den Lofoten und nicht zum Urlaub. Schön, dass sie trotzdem so viel Zeit hatte. Vielen Dank, Elisabet, für die schönen Touren, die gemeinsame Zeit und das Beherbergen.

Am nächsten Tag bin ich weiter auf die Vesterålen gefahren, um dort Freunde zu besuchen, aber davon erzähle ich ein andermal.

Eine herrliche Nacht auf Bastuholmen

Vor zwei Wochen hat Hans mich gefragt, ob ich mit zur Insel Bastuholmen paddeln möchte. Das wollte ich gerne, aber ich hatte leider keine Zeit. Anfang der Woche fragte er mich wieder und dieses Mal passte es mir.

Gestern Nachmittag um sechs saßen Hans, fünf Freunde von ihm und ich in unseren knallbunten Kajaks und starteten vom kleinen Bootshafen in Kåge zur Insel Bastuholmen. Da das nicht weit ist und das Wetter zwar windig aber schön war, sind einige von uns noch um die schöne Insel herum gepaddelt.

Start im BootshafenIm Gegenlicht

Als wir an der Insel anlegten und unsere Kajaks an Land zogen, hatten die anderen schon Feuer gemacht und hielten Stockbrot in die Glut. Hans hatte Hamburger eingekauft und bald saßen wir alle ums Feuer, grillten und aßen.

Hamburger und Stockbrot über dem FeuerWasser und frischer Hamburger

Es ist immer schön, um ein Feuer herumzusitzen, über dies und das zu sprechen, mit Freunden oder noch Unbekannten. Die meisten wollten am gleichen Tag noch zurück und machten sich kurz nach Sonnengang auf dem Weg, um im letzten Abendlicht noch Kåges Hafen zu erreichen.

Sonnenuntergang auf BastuholmenMit dem Kajak zurück ans Festland

Hans und ich wollten hingegen auf der Insel übernachten. Davor haben wir uns es gut gehen lassen, denn die Insel heißt nicht von ungefähr Bastuholmen und wer schon einmal in Schweden oder Norwegen war, weiß, dass Bastu Sauna heißt.

Während die Sauna noch geheizt hat, war ich auf der anderen Seite der Insel, wo auf der linken Seite die Farben der Abenddämmerung zu sehen waren und auf der rechten Seite der fast noch volle Mond aufging.

Bootssteg auf BastuholmenMondaufgang

Bald danach saßen wir zu dritt in der kleinen Sauna, die gar nicht so heiß war. Na ja, dachte ich, Sauna für Anfänger halt. Dachte ich. Denn bald schaufelten die anderen dermaßen viel Wasser auf den heißen Ofen, dass ich dachte, mein Gesicht fängt an zu kochen. Selbst mit vornüber beugen und das Gesicht mit den Händen bedecken war es mir noch zu heiß und ich habe mich schnell eine Etage weiter nach unten gesetzt. Anfänger halt.

Aber wenn man schon auf einer Insel sauniert, dann muss man natürlich auch im Meer baden und das haben wir gemacht. Drei Mal. Das Wasser hat nur noch 14 °C, so richtig warm ist das nicht mehr, aber immer noch herrlich.

Fladenbrot – heiß, heiß!Bald haben wir mit einem Paar, welches mit einem Katamaran da war gemeinsam am Feuer gesessen und den herrlichen Spätsommer­abend genossen. Es wurde schon recht frisch und war froh über meine warme zottelige Fleecejacke. Und um halb zwölf habe ich mich verabschiedet und mich schlafen gelegt. Hans hatte zwar ein Zweimann-Zelt, aber ich wollte lieber auf der riesigen Holzterrasse vor der Sauna unter freiem Himmel schlafen. Schließlich gab es eine Chance auf ein erstes Nordlicht …


Hier könnte der Bericht enden, Olaf schlafen und es wäre ein rundum schöner Ausflug mit Übernachtung gewesen. Aber …

Kaum hatte ich die Isomatte aufgepumpt, mich hingelegt, den Schlafsack zu- und mir es gemütlich gemacht, da blinzelte ich noch einmal kurz vor dem Einschlafen mit den Augen und sah das erste Nordlicht.

Erstes Polarlicht der SaisonSofort bin ich aus dem Schlafsack gerobbt, habe Kamera und Stativ geschnappt – Mist, ich muss noch die Stativplatte ranschrauben, oh, und das Weitwinkel drauf, oh, und manuell fokussieren – da war das erste Polarlicht schon fast wieder verschwunden.

Aber der Mond, aber der Mond! So etwas habe ich noch nie gesehen. Der Mond war von einem leuchtenden Halo umgeben, hatte rechts einen ausgeprägten Nebenmond und vor allem über mir fast im Zenith einen ausgeprägten Zirkumzenitalbogen, der in allen Regenbogenfarben leuchtete. Was für ein Naturerlebnis.

Halo mit Nebenmond und Zirkumzenitalbogen

Irgendwann zogen die hohen Wolken, die diese Haloerscheinungen verursachen weiter und der Zirkumzenitalbogen verblasste nach und nach. Zeit wieder in den Schlafsack zu kriechen. Aber …

Jetzt kam noch einmal Polarlicht und zwar richtig schönes! Ich mag es, wenn das Meer noch offen ist und sich die Aurora auf dem Wasser spiegelt.

Polarlicht auf Bastuholmen

Polarlicht auf Bastuholmen

Gegen eins war lag ich wieder im Schlafsack und habe bis fünf geschlafen. Dann wurde ich von der Sonne geweckt. Über mir flog eine V-förmige Formation von Gänsen rufend über die Insel, von der frühen Sonne warmorange angestrahlt. Aber fünf war mir zu früh und ich habe mich noch mal für zwei Stunden umgedreht.

Ausblick am nächsten MorgenHans und ich haben dann auf einem Aussichtsfelsen im Norden der Insel gefrühstückt, ehe wir unsere Sachen gepackt und uns mit den Kajaks wieder auf den Rückweg gemacht haben. Kurz vor zehn waren wir wieder in Kåge.

Ich bin immer noch hin und weg von den Erlebnissen dieses Ausflugs. Kaum vorstellbar, dass dieser keine 16 Stunden gedauert hat.


Tack för Turen, Hans!

Inselentdeckertour mit dem Kajak

Gestern war ich ja noch sehr skeptisch, ob ich heute paddeln würde, denn es war doch ziemlich windig. Heute morgen hingegen war es praktisch windstill. Und als ich mein Kajak auf seinem Wägelchen zum nahen Einsetzpunkt „Killingören“ geschoben habe, war der Himmel blau und es warm genug, um im T-Shirt zu gehen. Genau das richtige Wetter, um mal ein paar neue Inseln kennenzulernen.

Dazu musste ich erst einmal durch den „Kejsar Ludvigs kanal“, der die Halbinsel Kallholmen von der Industiehalbinsel Rönnskär trennt. Danach hatte ich schon die Insel Kalkgrundet in Sicht, aber da war ich schon zwei Mal. Ich bin links abgebogen, an Rönnskär entlang und habe dann an einer namenlosen Untiefe vorbei die Insel Nörd-Olsgrundet angesteuert. Ein lustiger Name, denn Nörd steht hier wohl eigentlich für „Nord“, bedeutet aber auch der „Nerd“, der Computerfreak.

Die Insel hat ihren besonderen Reiz, denn es gibt kein einziges Haus auf ihr. Ein großer Teil des Kiesufers ist mit Treibholz übersät und die weißbesch***enen Felsen zeigen, dass sich hier vermutlich hauptsächlich Möwen wohlfühlen.

Blick von Nörd-Olsgrundet auf RönnskärHier sitzen die Möwen vermutlich sehr oftÜberall liegt TreibholzDie Südspitze von Nörd-Olsgrundet

Weiterfahrt: Nach Sör-Olsgrundet ist es ein knapper Kilometer. Bald bin ich da und mache, wie schon bei der ersten Insel einen Landgang mit Inselumrundung. Und ein Minimalpicknick in der warmen Sonne. Auf dieser Insel steht eine Stuga – ein Sommerhaus und die Besitzer sind recht verdutzt, als ich am Ufer vorbei laufe und ihnen zuwinke, denn mit meinem Kajak habe ich nicht an ihrem Bootssteg, sondern für sie unsichtbar am Steinufer auf der anderen Inselseite angelegt.

Ein Seezeichen – ziemlich weit wegEine kleine Lagune auf der InselKanelbullar und Babybel – Minimalpicknick heuteDie ersten Fliegenpilze – definitiv kein Picknick

Weiterfahrt: Nach einem wenig eleganten Ablegemanöver bin ich weitergepaddelt. Die nächste Insel war schon in Sicht: Malskuttun. Auch auf dieser Insel steht eine Stuga und ich habe die Insel nur fotografiert und bin dann direkt weitergepaddelt. Das stelle ich mir schon luxuriös vor, quasi eine Insel nur für sich zu haben, auch wenn sie einem nicht gehört. Aber die Stugas kosten auch leicht das doppelte der hiesigen Wohnhäuser, vor allem ihrer Lage wegen.

Malskuttun

Bis jetzt war ich in Richtung Sonne unterwegs, jetzt bin ich Richtung Westen zur Insel Lill-Skarven weitergefahren und von da aus am Ufer nordwärts bis zur Insel Prästhällan. Ich möchte wirklich mal wissen, woher die ganzen Inseln ihre Namen haben und was sie bedeuten. „Lill-Skarven“ könnte „Der kleine Kormoran“ heißen. Oder „Die kleine Verbindung“. Oder „Die kleine Fuge“. Mir gefällt ja Kormoran am Besten. Apopros Kormoran: Ein Freund hat auf Facebook den Kommentar „Inga skarvar där!“ – Keine Kormorane dort! hinterlassen. Ich musste lachen, nein Kormorane hab ich wirklich nicht gesehen. Nun, ich nicht, aber meine Kamera, mit der ich mit stärkster Vergrößerung (effektiv 450mm) ein Seezeichen fotografiert habe. Ich glaube, die Vögel, die dort hocken, sind wirklich welche, wenn ich mir die Hälse so anschaue.

Von Prästhällan bin ich weiter zur Halbinsel Örviken gepaddelt. Die überquere ich immer, wenn ich mit dem Auto zum Flugplatz fahre. Dort habe ich noch zwei Fotos gemacht, die mich ein bisschen rätseln lassen. Ich habe keine Ahnung, um was es sich handelt. Haben die Dinger etwa mit dem alten Sägewerk auf der Insel zu tun? Eine kurze Recherche bei Google hat nichts ergeben. Ich frage lieber die Nachbarn mal, die wissen das vielleicht.

Rätsel eins – was ist das?Rätsel zwei – was ist das?

Von da aus bin ich wieder zurückgepaddelt. Erst über den Sörfjärden zurück zur Halbinsel Kallholmen und dort links vorbei in die Kurjoviken und durch den Minitunnel Lappstrupen. Den Namen habe ich heute morgen von Nachbarn gelernt: „Die Lappenkehle“. Dort hat sich wohl früher mal ein Same erhängt. Solche Geschichten gibt es vermutlich überall. Von da aus war es nicht mehr weit zur Killingören, wo ich viereinhalb Stunden nach Aufbruch eine schöne und dieses Mal auch längere Kajakrunde beendet habe. Während die letzten Touren sehr die Entspannung im Fokus hatten, habe ich heute mit 15 Kilometern mal ein kleines bisschen Strecke gemacht und bin gespannt, ob und wo ich morgen Muskelkater habe.

Auf dieser Karte von Eniro sind die Inseln und anderen Orte abgebildet.

Inseln heute: Nörd-Olsgrundet – Sör-Olsgrundet — Malskuttun – Lill-Skarven – Prästhällan

Wogen, Wind und weißer Schnee

Gestern sollte es eigentlich recht schön sein, statt dessen war es durchgängig trüb und ich habe meine Paddelpläne wieder beiseite gelegt. Erst am Abend kam die Sonne heraus.

Gestern: Sonnenuntergang am Sörfjärden

Dann bewölkte es sich wieder und smhi hatte für die Nacht und heute Regen und 3 °C vorhergesagt. Ich war deswegen erstaunt, als ich heute morgen sah, dass es schneite und die vereiste Straße wieder weiß bepudert war. Ich bin noch nie im Schneefall Kajak gefahren, dachte ich …

… eine halbe Stunde später war ich auf dem Weg zum Strand von Storgrundet, das Kajak im Schlepptau.

Auf dem Weg zum WinterpaddelnAm Strand von Storgrundet

Weil es doch ein wenig windig war, bin ich gegen den Wind in Richtung Nordwesten gepaddelt, damit ich es auf dem Rückweg bequem habe. Hinter der schützenden Insel ging das auch noch ganz gut, aber kaum, dass ich die Bucht verlassen habe, wurde es windiger, die Wellen höher und der Schnee pfiff mir ins Gesicht. Da wäre eine Skibrille schon praktisch gewesen, aber es gibt ja noch eine andere Möglichkeit: Umkehren.

Gegen Schnee und WindSelbstportrait im ruhigeren Wasser

Zwischen der Insel Storgrundet und Festland war es immer noch windig, aber wesentlich ruhiger. Also bin ich weitergepaddelt, bis ich an der Südostspitze der Insel war. Während der ganzen Fahrt hörte man schon die Brandung rauschen, jetzt sah man auch, wie sich die Wellen an der flachen Steinküste brachen.

Kurze Pause an Storgrundets SüdostspitzeBrandung an der Südostspitze von Storgrundet

Nach einer kurzen Pause, in der ich auf der kleinen Inselspitze herumgewatet bin (normalerweise ist der Wasserstand hier um einiges flacher), habe ich mich wieder ins Kajak gesetzt und beschlossen, dass ich versuchen will, hinter der Insel Brambärsgrundet wieder zurück zu paddeln. Dazu musste ich aber durch eine kleine ungeschützte Passage, in der die Wellen, die vom offenen Meer herein drückten, doch recht hoch aussahen. Ich habe erst einmal in Ruhe geschaut, wo ich zwischen den großen Steinen hindurch komme. Na gut dachte ich, dann los!

Eieiei – für einen erfahrenen Kanuten wäre das bestimmt leicht gewesen, aber ich fand es ganz schon ungemütlich, zuerst quer zu den kräftigen Wellen in Richtung Durchlass zu paddeln und dann in der mir doch etwas zu rauen See nach rechts zu wenden und …

… rausch – wumms – platsch – kommt der Brecher des Tages von hinten angerauscht, schüttet mir einen Eimer Wasser ins Kajak (Kein Spritzschutz wegen Kameratasche) und schiebt mich mit großem Schwung durch den Durchlass. Hinter mir höre ich es wieder rauschen. Ich glaube, so schnell bin ich noch nie gepaddelt! „Nur weg hier!“, dachte ich. Aber der große Brecher hat mir genug Schwung gegeben, dass mich die nächste große Welle schnell, aber ruhig in ruhigere Fahrwasser schiebt.

Dort habe ich erst einmal in Ruhe mit dem Schwamm das Kajak entleert. Merke: Die Lenzpumpe, mit der man Wasser wieder aus dem Kajak pumpen kann, gehört so ans Kajak befestigt, dass man auch unterwegs drankommt!

Der Rest der Fahrt war zwar gegen den Wind, aber zwischen Insel und Festland war dieser doch wesentlich ruhiger. Bloss beim Fotografieren wurde man sofort wieder zurückgetrieben. Bald war der schneebedeckte Bootsanleger von Storgrundet in Sicht, den ich nach einem Foto umrundet habe, um dann mit Schwung wieder am Sandstrand anzulegen. Dort habe ich dann den schützenden, aber unbequemen Neoprenoverall gegen Stiefel, Hose und Winterjacke gewechselt und bin mit dem Kajak wieder nach Hause gelaufen.

Jetzt – mittags – hat es aufgehört zu schneien. Sechs Zentimeter Neuschnee liegen in Skelleftehamn und nur noch wenige Grasspitzen schauen vereinzelt aus der Schneefläche im Garten heraus. Eindeutig die schönere Alternative zu drei Grad und Regen.

Bootssteg bei StorgrundetFertig für den Rückweg nach Hause

Am Wintermeer – Teil 2

Was macht man, wenn Winter ist, -10 °C, man am Meer fotografiert hat und noch nicht nach Hause will? Man holt die neue wasserdichte Nikon aus dem Auto. Und damit man selbst auch wasserdicht ist, kommt der knallrote Neoprenoverall auch mit. Zu recht – wie sich zeigen wird.

Bald laufe ich durch das knietiefe Wasser einer kleinen Bucht zu den exponierten Felsen. Kaum sitze ich auf den Felsen, kommen schon ein paar Brecher heran gerauscht und überspülen den Felsen, auf dem ich hocke. Ich komme nicht dazu, zu fotografieren, denn ich bin mehr damit beschäftigt, einen guten Halt zu finden, damit mich nicht irgendeine Monsterwelle wegspült. Keine Minute später sind Gesicht und Kamera klatschnass und das erste Wasser hat am Kinn seinen Weg in den Overall gefunden, aber ich sitze.

Wirklich zufrieden bin ich nicht mit den Fotos. Es war wenig Licht, ich kenne die Kamera noch nicht und an die spannendsten Stellen kam ich nicht. Ich hätte liebend gerne seitlich in ein Wellental hinein fotografiert aber dazu hätte ich die sicheren Felsen verlassen müssen und das war mir definitiv viel zu gefährlich.

Ein paar Fotos, die aber nur einen schwachen Eindruck von der Energie des aufgewühlten Meeres zeigen.

Brandung und GischtBrandung und GischtRauhe FelsküsteDie Gischt fliegt auf mich zu

Ich habe auch ein paar Fotos von mir gemacht. Bei dem letzten kam dermaßen viel Wasser angerauscht, dass von mir nicht viel zu sehen ist, obwohl die Kamera ja nur eine knappe Armbreite von mir entfernt ist. Sehr nass, sage ich nur!

SelbstportraitIn der Gischt

Einmal die volle Breitseite

Und die Nikon AW1? Das Wichtigste: Sie hat gehalten! Ich habe sie über Wasser gehabt, in der Brandung und auch oft unter Wasser. Letzteres, um das Eis wieder abzuschmelzen, doch dazu ist das Wasser in der Bucht zu kalt und bald war die ganze Kamera mit einem Eispanzer umgeben. Lediglich den Auslöseknopf konnte ich freihalten und immer wieder die gefrierenden Gischt-Tropfen vom Frontglas entfernen. Aber an Zoomen war nicht mehr zu denken. Doch nachdem ich die Kamera zu Hause gebadet(!) und getrocknet habe, ging alles wieder prima.

Nikon AW1 – eisüberzogen

Nachtrag:

Ich habe ein kleines, wackeliges Video von heute online gestellt.

Ein Montag – drei Welten

Es kommt selten vor, dass ich an einem Tag in drei Welten zu Hause bin. Heute war so ein Tag.

Welt 1

Angefangen hat alles wie ein gewöhnlicher Montag mit meiner Arbeit als Programmierer. Heute habe ich zum Beispiel ein PlugIn begonnen, welches Tweets von der neuen Twitter-API 1.1 mithilfe von OAuth liest. Für die, die es wissen wollen. Aber ich habe heute nur einen halben Tag für Hello Future gearbeitet und auch von zu Hause aus, denn

Welt 2

heute nachmittag war ich als Musiker gebucht: Bei einer Veranstaltung „Skelleftehamn 1913-2013“ habe ich im „Sävenäs Maskinhus“ einige Stunden Klavier gespielt. Das war fast wie früher: Man spielt alte Musicalsongs, Bossa Novas und Balladen so knapp über der Hörschwelle. Selbst ich habe mehr gesehen als gehört, was ich gespielt habe, doch den Leuten hat es gefallen. Fast wie früher, aber doch so anders: Man spricht alle mit Du an, ich kenne Johan, den Organisator und auch Pär, den Koch persönlich und auch einen der Gäste kannte ich privat. Eine kleinere Welt. Und noch etwas war anders: Als ich alles wieder ins Auto geräumt habe, zeigte das Thermometer -14 °C an. Und fünf Minuten später war ich wieder zu Hause. Heimspiel.

Normalerweise, wenn ich zu Hause arbeite, gehe ich immer zu Din Fest, meinem Lieblings­restaurant, doch heute nicht, denn heute Mittag war ich

Welt 3

draußen lunchen. Denn es hat die ganze Nacht und den halben Tag geschneit und alles war weiß. Ich habe zum ersten Mal meine Skier untergeschnallt und bin mit gepacktem Rucksack zum Meer gelaufen. Erst auf der Wohnstraße, keine zehn Minuten später im Wald.

Skipremiere 2013/14Mit Skiern im Wald

Dort ist der Schnee aber noch zu locker und flach und man schrappt immer auf den Felsen herum, also bin ich hauptsächlich die verschneiten Wege entlang gelaufen. Es ist immer wieder schön, wenn man der erste ist, der eine frische Spur durch den Schnee zieht und noch kein Skooter vor einem den Weg planiert hat.

Winterlandschaft

Bald war ich am Meer, dort schneite es heftiger und es lag auch mehr Schnee. Das Meer zwischen Festland und der nahen Insel Brambärsgrundet ist fest von Eis gedeckt, doch weiter draußen ist das Meer offen und man hört die Brandung an die Außenseite der Insel rauschen. Ein schöner Picknickplatz, und -8 °C mit Schnee ist auch „wintriges“ Wetter für ein erstes Schneepicknick. (Wer meint, -8 °C sind kalt: In Nikkaluokta gab es letzte Nacht -40.8 °C. Da sind Picknicks erfahrungsgemäß meist etwas kürzer.)

Am MeerSchneeschauer vor der Insel Brambärsgrundet

Bloß mit den Selbstauslöseraufnahmen vom Picknick hat es nicht geklappt. Denn ich hatte meine neue Kamera mit halbvollem Akku dabei, der in der Kälte schnell leer war und Ersatz habe ich noch nicht. Und mein iPhone ist ohnehin eine Memme, die lieber in der warmen Stube bleibt: Obwohl der Akku noch 50% Kapazität hatte, hat sich das iPhone einfach ausgeschaltet. Aber zumindest zwei Fotos gibt es: Eins vom Picknickplatz, eins vom „ersten Gang“.

Der heutige PicknickplatzDagens lunch

Der schwedische Wetterdienst smhi ist ziemlich schlecht darin, Schnee für Skelleftehamn vorauszusagen: statt der prognostizierten ein, zwei Zentimeter Schnee kamen 15 und im Garten liegen jetzt 20 Zentimeter Pulverschnee. Das wird aber nicht lange bleiben, denn ab übermorgen sagt der smhi warmes Wetter mit Temperaturen um +7 °C voraus und Temperaturen kann der smhi leider ziemlich gut.

Aber heute habe ich meine Skipremiere gehabt. Wie schön, dass ich heute in gleich drei meiner Welten zuhause sein durfte.

14 Ideen für 2014

Ich gebe es gleich am Anfang zu: Der Blogtitel „14 Ideen für 2014“ ist geklaut und zwar aus dem Blog soschy on tour. Dort schreibt Sonya, eine gute Freundin aus Münchner Zeiten, über ihre 14 Ideen, die sie gerne 2014 umsetzen möchte.

Ich versuche es ihr gleich zu tun und werde hier 14 Ideen zusammentragen, die ich selber gerne umsetzen möchte. Nicht dabei sind die typischen guten Vorsätze, wie „mehr Sport treiben“, „sich gesund ernähren“ oder „die Welt retten“. Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu viele Winterideen habe, denn für deren Verwirklichung habe ich nur noch gut drei Monate Zeit.


Also, dann mal los: Ich will …

  • wieder eine Skitour machen
  • im Winter auf die Lofoten, die Vesterålen oder nach Tromsø
  • bei -40 °C zelten
  • von der Arbeit mit Skiern nach Hause laufen (etwa 20 km)
  • mit einem Eisbrecher mitfahren

Äh, Olaf, Du wolltest doch nicht nur Wintergedanken haben, oder? – Ach ja, na gut. Ich will …

  • im Sommer eine Mehrtagestour mit Kajak und Zelt machen
  • mehr abstrakte Naturfotos machen
  • mit der Fähre von Umeå (Schweden) nach Vaasa (Finnland) fahren
  • im Sommer mit dem Kajak zur Insel Skötgrönnan paddeln (Naturreservat)
  • mit Münchner Freunden eine Städtereise machen

Äh, Olaf, bist Du auch mal drinnen? – Ach ja, na gut. Ich will …

  • Für den Kammerchor, in dem ich mitsinge komponieren oder arrangieren
  • lernen, besser Schwedisch zu sprechen
  • mehr Musik machen und mehr lokale Musikkontakte bekommen
  • etwas völlig Neues machen, was, das weiß ich noch nicht

Und eine Zusatzidee, die ich vermutlich eher 2015 durchführen werde, aber wer weiß:

  • Eine Fernreise machen. Das könnte Kanada sein, Mexico, Neuseeland, Nepal oder die Mongolei. Wohin es geht, hängt mehr davon ab, ob ich vielleicht einen Reisepartner für eines der Ziele finde. Freiwillige? Kanada auch im Winter?

In einem Jahr könnt Ihr lesen, welche der Ideen ich verwirklichen konnte.

Expeditionsbericht

Dieser Artikel ist Teil der achtteiligen Serie Schneekanonen 2014.

Der heftige Wind riss an seiner fellbesetzten Kapuze. Es schneite ohne Unterlass. Schritt für Schritt stapfte er weiter, trotz der Skier immer wieder knietief durch Schneewehen watend. An der exponierten Stelle längs des kleinen Sees nahm der Wind noch zu: 10 m/s Durchschnitt, Böen bis 16 m/s. -12 °C. Er wusste, er konnte nicht ewig hier draußen bleiben. Irgendwann würde er Wärme und Nahrung brauchen. Schlafsack, Kocher und Zelt waren schon lange nicht mehr im Gepäck und er hatte nur noch ein wenig Wasser und einige salzige Hartkekse in seinem Rucksack.

Das drahtlose Telefon – gerade eben noch 80 % Akkuleistung anzeigend – kam mit der Kälte nicht zurecht und hat sich kurze Zeit später ausgeschaltet. Hier draußen war keine Menschenseele unterwegs, nur er allein, kein Kontakt zur Welt. Gebeugten Hauptes, dem eisigen Schnee trotzend, schob er seine mit Stahlkanten umrahmten Skier weiter – mal über blankes Eis, dann wieder durch tiefen Pulverschnee. Schritt für Schritt. Schritt für Schritt. Bald stand er am Meer.

Eigentlich sollte es um diese Zeit schon dicht zugefroren sein und ihn zuverlässig tragen, doch ihm schien, als bewegte sich das Wasser auf und ab, als sei die offene Oberfläche von kleinen Wellen bedeckt. Oder war es nur der Schnee, den der Wind in Schüben über die grau-diffuse Ebene trieb? Die Sicht war schlecht, das Tageslicht war begrenzt und für das Wetter schien keine Besserung in Sicht. Er beschloss, umzukehren, seine alte Spur zurück zu verfolgen.

Die alte Spur war schon längst wieder zugeweht, nur noch in Fragmenten erkennbar, immer wieder im Nichts verschwindend. Doch er kannte den Weg. Er wusste, die Strecke, die er auf dieser Expedition schon zurückgelegt hatte, würde er jetzt noch einmal laufen müssen. Und er musste ankommen, ehe das Essen alle ist, das Wasser gefroren. Auf dem Eis hatten die Skier kaum Halt und im Schnee versanken sie bis zum Grund. War die Expedition richtig geplant? Hätte er nicht lieber zu Hause bleiben sollen?

Er bekam Hunger und beschloss, ihn zu ignorieren. Weiterlaufen. Ganz allein. Schritt für Schritt. Schritt für Schritt. Würde er das Basislager erreichen? Doch schließlich fiel das Gelände ab, er wusste, dass die Hütte nicht mehr weit sein konnte. In langen Schritten glitt er bergab und änderte am Fuße des Hanges seinen Kurs nach Südsüdost.

Dann bog er beim dritten Haus links ein, schnallte die Skier ab, schloss auf und genoss die Wärme, einen gefüllten Kühlschrank, Strom, Internet und Kleidung zum Wechseln. Olaf war von seiner kurzen Skitour zum Meer zu Hause.

Mein Bericht von der heutigen kleinen Skitour mögt Ihr für völlig übertrieben halten und da mögt Ihr recht haben. Doch alle Fakten stimmen. Das nächste Mal schreibe ich wieder ein bisschen neutraler. Das nächste Mal bin ich auch hoffentlich nicht so doof, Kamera und Stativ mitzunehmen, aber die Speicherkarte zu vergessen.

Morgenwanderung

Dieser Artikel ist Teil der achtteiligen Serie Schneekanonen 2014.

Wegen der Chorprobe bin ich schon früh aufgestanden, denn natürlich wollte ich vorher noch raus und den herrlich vielen Neuschnee geniessen. Und auch das eine oder andere Foto machen.

Nach dem Dauerschneefall der letzten beiden Tagen, die hier geschätzte 70 – 80 cm Neuschnee gebracht haben, hat sich heute das Wetter beruhigt. Noch windig, aber kein Schneefall mehr. Um so besser, das macht das Fotografieren leichter. Und so sah es heute morgen vor meinem Haus aus.

Die EinfahrtDer Tallvägen

Mein Haus hinter Schneewehen

Zu Fuß bin ich durch den Schnee in Richtung Storgrundet gelaufen. Der Weg schien geräumt worden zu sein, er war von 20 – 25 Schnee bedeckt. Vor dem kleinen Teich, wo es immer so windig ist, bin ich links abgebogen. Auch dieser Weg war wohl am Vortag geräumt, aber nur bis zur Hälfte. Danach bin ich durch den knietiefen Schnee stampfend dem Weg weiter gefolgt. Es wurde immer heller und das Licht war phantastisch. Willkommen im Winterwunderland!

Ein Weg durch den Winterwald

Schneeummantelt

Mehr als dreieinhalb Jahre lebe ich schon hier, doch bei Spaziergängen wie diesem kann ich es manchmal immer noch nicht fassen, dass ich jetzt hier lebe, solche Erlebnisse vor der Haustür habe und nicht erst zweitausend Kilometer dafür anreisen muss wie früher.

Rechts bin ich über das Grundstück einer Stuga in Richtung Meer gelaufen. Die Stuga hat Meerblick, und damit ist sie auch dem Sturm ausgesetzt. Teilweise war der Boden komplett schneefrei, an anderen Stellen hat eine zwei Meter hohe Schneewehe eine Kinderschaukel halb unter sich begraben. Und auch das Haus, welches winterlich illuminiert war, war mit Schnee bepackt. Und um einem herum heulte und pfiff der Wind und blies einem immer wieder Schneestaub ins Gesicht.

Ein Häuschen am Meer

Natürlich reizte es mich, auf die Schneewehe zu steigen, aber bald stand ich bis fast zum Hals im Schnee und musste rückwärts wieder herausklettern. Nun weiß ich aber zumindest, dass die Wintergummistiefel auch dann warm halten, wenn Schnee hineinkommt und man nasse Füsse hat. Ich habe mich dann auf den Rückweg gemacht. Als ich keine fünfzig Meter gelaufen bin, stand ich wieder im tief verschneiten Wald. Es war, als würde man von einem Sturm in das gute Kaminzimmer einer alteingesessenen Bürgersfamilie treten. Der Wind war ausgesperrt und es war still und alles schien gemütlich, heimelig und warm.

Ein Foto von einem Stück der ersten Schneewehe habe ich, von mir selbst in der Wehe hingegen nicht. Aber das kann man ja prima in Höhe des kleinen namenslosen Teiches nachholen, dann da ist es eigentlich immer windig und nasse Füße habe ich ohnehin schon. Auf dem Foto stehe ich.

Schneewehe am MeerAb in den Tiefschnee

Diese Schneewehe geht mir auch auf dem Weg bis zum Bauch und B. der mit dem Auto ankam, um zu seiner Stuga zu fahren, musste schnell einsehen, dass er mit seinem Auto nicht weiter kommt, eh der Schneepflug da war. Er hat mich dann noch mit dem Auto das kurze Stück nach Hause mitgenommen, und so bin ich sogar noch pünktlich zur Chorprobe gekommen.

Ein halber Tag frei

Heute habe ich mir einen halben Tag freigenommen. Nach den starken Schneefällen der letzten Tage war ich neugierig, ob in Bureå tatsächlich mehr Schnee liegt. Ein Chorsänger, der dort wohnt, meinte, vor allem auf dem Bureberget (99 m!) läge besonders viel.

Die erste Überraschung kam nach 200 Metern: Die Bucht Killingörviken, auf der ich gestern um 22:00 noch Wellen gesehen habe, war komplett zugefroren und weiß bedeckt. Innerhalb von zehn Stunden! Aber mein Ziel war ja der Bureberget, das ist etwa 20 Kilometer entfernt.

Wie ich schon gedacht habe, war der Weg zur „Berghütte“ nicht gespurt, aber zum einen konnte ich das Auto abstellen, zum anderen hatte ich ja Schneeschuhe dabei. Nach einem Kilometer Weg war ich an der Hütte.

Die Strasse zur BerghütteSchneewehen vor der Hütte

Von dort aus bin ich weiter am Nordhang des Burebergets entlanggelaufen. Da es hier große Felsen gibt, habe ich auch die Schneeschuhe und keine Skier gewählt. Bei jedem Schnitt sank ich bis zur Wade in den fluffigen Schnee oder auch bis ans Knie. Aber manchmal, vor allem neben Felsen und in unsichtbaren Gräben geht es auch tiefer hinein und an einer Stelle steckte ich bis zum Bauch im Schnee – mit Schneeschuhen wohlgemerkt.

Von dem Nordhang hat man einen schönen Blick auf Skelleftehamn, die Inseln und das Meer. Ich war erstaunt: Weite Teile des Meeres waren eisbedeckt, nur am Horizont konnte man noch das Blau des offenen Meeres ausmachen. Und während ich fotografierte, bahnte sich ein großes Schiff, unterstützt von Eisbrecher und Lotsenboot seinen Weg durchs Eis. Fasziniert stand ich lange dort und schaute, wie das Schiff die Bucht, an der ich heute früh vorbeigefahren bin verließ und auf das Meer hinaussteuerte.

Inseln im EisEin großes Schiff bahnt sich den Weg

Schließlich bin ich wieder den Hang hoch gestapft, quer durch den tief verschneiten Wald, meine tiefe Schneeschuh-Tatzenspur hinter mir lassend.

Schneebepackter WinterwaldTiefe Schneeschuhspur

Bald war ich dem Weg nah und nun kam die Sonne heraus. Die Sonne, die ich fast zwei Wochen nicht mehr gesehen habe. Und sie tauchte den Schnee und die Bäume in warmes oranges Licht.

Die Sonne kommt hervorWinterwegmarkierung

Der Sonne entgegen!

So ein halber Urlaubstag bei wundervollstem Winterwetter mit Sonne, -15 °C und Schnee satt öffnet mir wirklich das Herz. Ich war einfach nur glücklich, so viele schöne Eindrücke in so kurzer Zeit geboten zu bekommen. Heute mittag würde ich nach Skellefteå fahren und arbeiten.

Noch an dem kleinen Wald mit hohen Fichten vorbei und dann stand ich am Auto, bürstete Rucksack, Jacke und Hose ab und setzte mich ans Steuer. Bei diesem Wetter ist sogar der Weg von Burvik nach Bureå – einer wie viele – ein Traum!

Die Sonne scheint durch den WaldDie Straße von Burvik nach Bureå

In Bureå scheint ähnlich viel Schnee heruntergekommen zu sein wie bei uns, vielleicht noch ein paar Zentimeter mehr. Aber es war wohl nicht so windig und so konnte sich der Schnee besser setzen, zum Beispiel auf dieses Auto:

Eingeschneites Auto in Bureå

Ich wäre noch gerne hier- und dorthin gefahren, aber es zog mich nach Skelleftehamn, wo ich essen wollte, wovor ich in die Stadt fahren würde.

Gleich geht’s los zur Arbeit. Nur noch ein Foto von der zugefrorenen Bucht Killingörviken. Hier sieht man gut, dass das Eis noch nicht solide ist, sondern aus vielen Eisschollen besteht, die wie ein Puzzle ineinander haken.

neues Eis auf der Lillingörviken

Gleich geht’s aber wirklich los zur Arbeit. Nur noch mal bei der Lotsenstation schauen

Tegsnäs 8′

Heute bin ich endlich mal dazu gekommen, die Tegsnässki, die ich vor einem Jahr gekauft habe, auszuprobieren. Diese Holzski sind für Wald und lockeren Schnee gemacht, 7.5 cm breit aber vor allem lang: Zwei Meter vierzig misst mein Modell! Ich brauchte gar nicht so weit zu laufen, bis ich den Wald erreicht habe:

Mein Eingang in den Wald

Anfangs waren noch Fußstapfen und Skooterspuren zu sehen, dann Tierspuren von Hase und Reh. Man konnte immer wieder Stellen sehen, wo die Rehe mit den Hufen nach Futter gescharrt haben, doch die wurden, ebenso wie die Spuren, bald weniger. Finden die Wildtiere vielleicht mehr Futter nahe der Zivilisation als mitten im Wald? Der Winter kann hier eine harte Zeit für die Tiere im Wald sein und wenn er lang ist, treibt der Hunger die Rehe auch in die Wohnstraßen. Ich brauchte mir um Futter keine Sorgen zu machen, schwieriger war es hingegen, sich mit den langen Skiern einen Weg durch den dichten Wald zu bahnen. Ich fürchte, ein paar Zweige mussten heute dran glauben, als ich mich durch irgendwelche Lücken gequetscht habe.

Große verschneite KiefernMitten im verschneiten WaldHier haben Rehe nach Futter gesuchtHier habe ich einen Weg gesucht

Bald stand ich am See Snesviken, den ich dann mit den Skiern überquert habe. Inzwischen klarte es langsam auf und die Sonne schien warm durch die Wolken. Ich hatte gleichzeitig blauen Himmel über mir und Schneefall. Und das ist vielleicht mein Lieblingswetter: Schnee aus klarem Himmel, der von der orangefarbenen Sonne goldfunkelnd beschienen wird. Und so stand ich am Ufer, schaute zurück auf meine Spur und freute mich.

Genau am richtigen Platz: Hütte zum Objektiv wechselnAber ich hatte ein Luxusproblem, ein fotografisches Luxusproblem: Das würde ja viel schöner aussehen, wenn ich das mit dem Tele fotografiere, aber bei Schneefall wechsele ich keine Objektive. Fünf Schritte schob ich meine Skier an Land, da sah ich sie: Die freistehende Fotografen-Objektivwechsel-Hütte! So konnte ich mein Foto machen, ehe ich wieder auf mein „Immer-Drauf“-Weitwinkel gewechselt habe.

Schnee und Sonne über dem Snesviken

Weiter bin ich durch den Wald gelaufen, das Gestrüpp wurde immer dichter und der Weg schwieriger. Dabei hätte ich die Ski gar nicht gebraucht, denn der Schnee ist innerhalb einer Woche von ca. 70cm auf handliche 30cm zusammengesackt. Doch bald stand ich dort, wo ich hinwollte: Am Meer!

Die Ostsee, unendliche Weiten. Und zugefroren bis zum Horizont. Ob ich es wagen soll, über das Eis …? Nein, lieber nicht. Doch links läuft jemand mit Skiern übers Eis, rechts gehen zwei zu Fuß zu ihrer Stuga auf die Insel, dann wird das Eis auch meine Monsterski halten. Und so bin ich ein kleines Stück das Meer hinaus gelaufen, ein kleines Stück Außenkante der Insel Storgrundet, und dann über die Insel, um dann den Heimweg anzutreten.

Auf das Meer hinausStuga auf der Insel Storgrundet

Nach Hause? Warum? Es ist doch noch nicht einmal zwölf! Doch ich habe einen entscheidenden Fehler bei dieser Tour gemacht: Keine Schokolade! Auf das komische Maisbrot, was ich auf die Schnelle eingepackt habe, hatte ich keine Lust, denn bei Skitouren bin ich wie eine Wespe im August: Ausschließlich auf Süßes fixiert! Und so war ich, wie die Rehe vor ein paar Jahren, selbst auf Futtersuche und bin nach Hause gelaufen. Bei ICA habe ich erst einmal Kekse und Schokolade gekauft. Kekse für sofort und Schokolade für die nächste Skitour.

Etwas ganz besonderes hatte diese Tour: Ich war nie als weiter von zu Hause weg als 1500 Meter Luftlinie! Und das erste Foto ist gerade mal 300 Meter von meinem Haus entfernt. Es gefällt mir immer besser, so naturnah zu wohnen und auch wenn ich mir vorstellen könnte, nah am Fjäll zu wohnen, so liebe ich es doch, hier die Ostsee vor der Tür zu haben.


Langsam fällt das Thermometer. -15 °C hatte es heute morgen, -17 °C heute mittag und -19 °C um vier. Ich bin noch einmal mit dem Auto losgefahren, dieses Mal zum Strand Harrbäckssand in Ursviken. Mir war ein bisschen fröstlig, denn bei Skitouren habe ich immer wenig an, damit ich nicht schwitze. Mache ich aber viele Fotos, so rächt sich das ein bisschen. Nun war ich zum Fotografieren draußen und habe mich angezogen, als wären es -40 °C: Daunenhose, Canada-Goose-Daunenparka und über die dicken Fingerhandschuhe noch Daunenfäustel. Das heizt! A popros -40 °C: Diese Temperaturen hat es jetzt ganz im Norden Schwedens und der Zug nach Narvik fährt heute nur bis Kiruna, der Kälte wegen. Eine schöne Gelegenheit für das Aftonbladet, eine reißerische Schlagzeile aufs Titelblatt zu platzieren: „Snökaos & Extremkyla“ – Schneechaos und Extremkälte. Während die ganz normale alljährliche „Extremkälte“ den hohen Norden trifft, wird der Schnee in Südschweden erwartet und dort bedeutet Schnee leicht einmal Chaos, ähnlich wie in Deutschland.

Ein Foto noch von Harrbäckssand heute nachmittag:

Wer schaukelt mit mir?

Auf dem Torneträsk II

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Abisko Februar 2014.

Am Montag hatten Annika und Ralf eine Hundeschlittentour gebucht. Am Vortag wurde ihnen freigestellt, zurückzutreten, da Regen und starker Wind erwartet wurden. Selbst in Abisko im nordschwedischen Fjäll hat jetzt also die Wärme zugeschlagen. Doch so schlecht sah es mit dem Wetter nicht aus und die beiden kamen zu ihrer Tour. Ich hatte weniger Glück bei meinem Versuch, mich spontan der Tour anzuschließen, es war kein Platz mehr frei. So kam ich dann nur zum Start mit, um die schönen und überraschend entspannten Huskys zu fotografieren.

Hunde in Aktion: Kauen und sich im Schnee wälzen ist toll!Wann geht’s endlich los!

Nach dem Start bin ich zu der Anhöhe „Stor Nabben“ weitergelaufen. Aufgrund der Wärme ging das auf den Skooterspuren auch ohne Ski oder Schneeschuhe problemlos. Bloß abseits der Spur brach ich manchmal in den verharschten Schnee ein. Vom Stor Nabben hat man einen schönen Ausblick auf Lapporten und auf den Torneträsk. Letzterer hat es mir angetan, denn wegen des warmen Wetters und einiger kleiner Regenschauer war er zwar dick zugefroren aber komplett schneefrei.

Zuhause habe ich Kamerazeugs und Schneeschuhe gepackt und bin auf das Eis des Torneträsk gegangen. Die Schneeschuhe sollten mir helfen, auf dem blanken, nassen Eis Fuß zu fassen. Doch kaum war ich auf dem Eis, zogen graue Wolken auf und es begann zu regnen. Doch kurz darauf klarte es wieder auf. So sollte das Wetter auch den restlichen Tag bleiben: Sonne, Wolken, Regenschauer und ziemlich steifer Wind, der meine Wasserflasche singen ließ, wenn ich sie öffnete. Einmal schwebte sogar mein Stativ auf dem nassen Eis davon …

Mein Weg führte über ein Kilometer Seeeis zur Insel Ábeskosuolu. Allein dieser erste Weg ist spannend: Das Eis ist von vielen Sprüngen durchzogen: Manche sind nur ein paar Zentimeter dick und stammen wohl aus der Zeit, als das Eis noch nicht dick war, doch viele sind halbmeterdick und zeigen, wie solide das blanke Eis auf dem Torneträsk ist. Der See ist so klar, dass man auch den steinigen Boden noch sieht, wenn er zehn Meter tief ist, aber die Seetiefen wollte ich ehrlich gesagt gar nicht so genau wissen, auch wenn das Eis superdick war. Immerhin ist der Torneträsk ja der zweittiefste See Schwedens.

Über das Seeeis des Torneträsk

Über das Seeeis des Torneträsk

Doch nicht nur Sprünge durchzogen das Eis. Es gab bunt schillernde filigrane Grenzflächen, große Gruppen von kleinen eingeschlossenen Luftblasen und ganze Wälder von vertikalen Miniaturluftsäulen. Dazwischen immer wieder Sprünge und Risse. Eine eigene Welt nur aus Luft und Eis.

Bald war ich auf der Insel Ábeskosuolu, die ich aber zügig überquerte – hier spielten die Schneeschuhe ihre Stärken aus – um zu der Eiskante zu gelangen, die uns gestern als Photospot empfohlen wurde.

Und der Weg hat sich gelohnt. Trotz des windigen Wetters mit seinen Regenschauern habe ich einige Stunden an dieser Kante zugebracht, an der sich die Eisschollen bis zu zwei Meter hoch aufbäumten. Was war ich nervös, denn so laut und deutlich habe ich das Eis noch nie arbeiten höhen: Dumpfes Pochen, sonores Rumpeln und lautes Knacken waren ständig zu hören und oft auch als Vibration zu spüren. Doch das Eis unter mit war eher noch dicker und ich fühlte mich trotz der Nervosität sicher. Und jede Menge schöner Motive taten sich auf:

Auf dem Weg zur BruchkanteAn der BruchkanteTürkises SeeeisEine Eisspalte?

Manches Mal stand ich zwar auf festem türkis schimmernden Eis, doch in zwanzig Zentimeter Wasser. Gerne hätte ich die Abbruchkante überquert, doch als ich mit dem Stativ die Wassertiefe an der Rinne maß und erst nach einem halben Meter auf Wiederstand traf, habe ich mich dankend zurückgezogen, denn ich konnte ja nicht einmal sicher sein, ob die Eiskante nicht teilweise offen war. An einer stabilen Stelle habe ich noch ein Photo von dem herrlichen Panorama gemacht – rechts ist Lapporten im Bild – und habe mich dann ein wenig widerwillig wieder auf den Rückweg gemacht.

Bergpanorama am Torneträsk – rechts im Bild: Lapporten

Pause auf ÁbeskosuoluDieses Mal habe ich einen Teil der Insel Ábeskosuolu durchquert und auf der höchsten Erhebung eine kleine Pause gemacht. Aber dort war es dermaßen stürmisch, dass ich schnell mit den Schneeschuhen in die tiefer gelegenen lockeren Birkenwäldchen abgestiegen bin. Dort habe ich manches Schneehuhn aufgeschreckt. Doch trotz Kamera im Anschlag gelang es mir nicht, mehr als nur einen unscharfen weißen Fleck mit Flügeln auf den Sensor zu bekommen. Weiter ging es über das Eis wieder ans Land, wo ich eigentlich nur geradeaus zu meiner Pension laufen wollte, doch eine mich neugierig anstarrende Elchkuh – noch weit entfernt – hat mich davon abgehalten. Ich habe mich langsam an sie herangepirscht – ein aussichtsloses Unterfangen mit knirschenden Schneeschuhen und knallroter Jacke – bis ich die Jagd aufgegeben habe. Nicht nur, weil ich wusste, dass mich die Elchkuh nie näher heranlassen würde, sondern auch, weil ich sie nicht auf die Hauptstraße treiben wollte. Die beiden Fotos, die ich hier zeige sind Ausschnittvergrößerungen und entsprechen etwa 500mm Brennweite.

Elchkuh vor AbiskoElchkuh vor Abisko

Schneeschuh · Narvik · Schneeschuh · Lift

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Abisko Februar 2014.


Dienstag: Schneeschuh

Mit Schneeschuhen sind Annika, Ralf und ich losgelaufen. Es ziehen sich genug Skooterwege durch die lockeren Birkenwälder, um bequem auf den Hügel „Stor Nabben“ zu steigen, von dem man eine schöne Aussicht hat.

Blick auf Abisko ÖstraBlick auf Lapporten

Wir wandern weiter in Richtung Lapporten und nehmen dabei zwei weitere Hügel mit. Um wirklich zum Lapporten zu gehen ist es allerdings zu weit und so folgen wir einer Skooterspur, die uns zurückführen soll, aber im Nichts endet. Da der Schnee harschig ist und unsere kurzen Schneeschuhe kaum trägt, hinterlassen wir tiefe Spuren und sind nicht böse, als wir auf einer kahlgeblasenen Fläche wieder auf eine breite Skooterspur treffen. Die führt uns zurück und trägt so gut, dass wir auch ohne Schneeschuhe laufen könnten, aber da der Schnee durch den Regen des Vortags recht glatt ist – er sieht aus wie aus Kunststoff gegossen – lassen wir die sie bis zum Schluss an.

Wenig Schnee auf den freien FlächenHarschiger Schnee

Auf dem Weg von Annikas und Ralfs Hostel zu meiner Bleibe schnalle ich die Schneeschuhe aber ab, denn auf der Straße – das sieht doch albern aus! Ssst-bumm, schon sitze ich auf dem Hintern. Es ist doch glatter als erwartet.

Mittwoch: Ausflug nach Narvik

Am Mittwoch nehmen wir mein Auto und fahren in Richtung Westen. Eigentlich könnte man an jedem Parkplatz stehen bleiben, es ist überall so schön. Doch zum einen versperren einem Bäume und Strauchwerk oft die freie Sicht, zum anderen wollen wir zumindest die schwedisch-norwegische Grenze überqueren. Und von der ist es nicht mehr weit nach Narvik. Und dort ist Frühling. Es wirkt zumindest so, denn der Fjord ist frei und der Boden ist wegen des warmen Golfstroms an vielen Stellen schneefrei. Wir suchen einen Parkplatz in der Stadt und stehen wenig später auf der Aussichtsterrasse des Rica Hotels. Narvik hat seinen eigenen Charme: Die Innenstadt mit ihrer Durchgangsstraße wirkt auf mich immer trist und wenig einladend. Das Stadtbild mit seinen schönen und weniger schönen Häusern, dem Herjangsfjorden und den schneebedeckten Gipfeln sieht aber wieder sehr schön aus.

Strand am RombakenBlick über Narvik, Fjord und Fjell

Auf der Fahrt zum kleinen Bootshafen wird meine mäßige Autofahrerkunst noch auf eine harte Probe gestellt. Auf einer steilen Straße, kurz vor dem höchsten Punkt, komme ich nicht mehr weiter: Die Straße ist so glatt, dass trotz der Spikes die Räder durchdrehen. Mir bleibt nichts anderes übrig, als die Straße wieder rückwärts zurückzurollen. Wenden kann ich nirgends, ich fahre weiter rückwärts und sehe bald im Rückspiegel, dass die Straße hinter uns wieder ansteigt. Da hoch? Ich? Rückwärts? Auf Eisstraße? Dann lieber einen zweiten Versuch vorwärts. Dieses Mal nehme ich mehr Schwung und versuche dort zu fahren, wo auf der Straße ein bisschen Split liegt und dieses Mal komme ich auch über den Berg. Wenn ich in Narvik leben würde, hätte ich vermutlich ziemlich schnell ein Auto mit Allradantrieb.

Auf dem Rückweg bleiben wir auch immer wieder stehen. Offenes Wasser und Frühlings­stimmungen haben wir längst hinter uns gelassen, jetzt bestimmen wieder Schnee und Eis die Szenerien der schönen Berglandschaft.

Winterlandschaft

Der See ist mit bläulichem Eis bedecktSturm und Gegenlicht

Donnerstag: Schneeschuh

Am Donnerstag waren wir wieder auf Schneeschuhen unterwegs, dieses Mal die ersten Kilometer Kungsleden, vorbei an der Schlucht des Ábeskoeatnu. Dort haben wir uns trotz der Fußspuren nicht aufs Eis getraut, denn man konnte den Fluss gut hören und in fließende Gewässer einzubrechen ist alles andere als lustig. Nach einigen Kilometern haben wir den Fluss an einer breiteren Stelle überquert, sind ein Stück nach Westen den Hang hochgelaufen und dann neben einer alten, vereisten Loipenspur wieder in Richtung Abisko abgestiegen. Ich wäre auch gerne Ski gelaufen, war aber ziemlich froh über die gutmütigeren Schneeschuhe, denn die Loipe hatte einige steile Abfahrten und war – wie vermutlich ganz Nordschweden zur Zeit – vereist. Die beiden asiatischen Frauen, die das erste Mal auf Skiern standen, haben mir leid getan, Dieses Gelände bei diesen Bedingungen ist alles andere als anfängergeeignet.

Die Schlucht bei AbiskoAuf dem Ábeskoeatnu

Freitag: Mit dem Sessellift zur Gipfelstation

Am Freitag war mein Abreisetag, aber wir haben es geschafft, mit dem Sessellift auf die Gipfelstation des Šloahtta zu fahren. Da an diesem Wochenende (erst) Saisoneröffnung war, durfte man den Lift kostenlos benutzen und – für uns noch wichtiger – auch wieder herunterfahren, denn alpine Skifahrer sind wir nicht und bis auf eine rote Piste sind alle anderen Pisten schwarz.

Der Lift war sehr langsam, denn er wird für jeden, der zu- oder absteigt, gebremst und ich war trotz der milden Temperaturen über meine Daunenjacke sehr froh. Von oben hatten wir einen herrlichen Blick auf Lapporten, Abisko, den Torneträsk und das norwegische Fjell dahinter – ein schöner Abschluss unserer gemeinsamen Woche in Abisko. Viel Zeit hatten wir leider nicht, denn ich wollte noch im Hellen zurück nach Solberget fahren, wo ich wieder übernachten wollte. Von dort bin ich am Samstag wieder nach Hause gefahren.

Panorama über Abisko – rechts im Bild: Lapporten

Blick von einem Plateau unterhalb des ŠloahttaMit dem Sessellift talwärts

Und das Polarlicht?

Spur vom nächtlichen Himmel anschauenDas hat sich ein bisschen rar gemacht. Die ersten Tage gab es ein paar grüne Bögen, nicht sehr spektakulär. Für die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gab es Vorhersage Stufe 5, das ist schon ziemlich viel. Der Himmel war klar, aber Polarlicht gab es die ganze Nacht nicht. Die nächste Nacht gab es sehr schöne und starke Polarlichter (bis Stufe 6!), die bis nach Norddeutschland zu sehen waren, aber leider nicht bei uns in Abisko, denn dort war der ganze Himmel wolkenverhangen und klarte erst am Morgen wieder auf. Das Photo hier ist meine Auroraerinnerung: Einige Male bin ich Nachts im Schlafanzug vor das Haus getreten, um nach Polarlichtern zu schauen und noch zwei Tage später konnte man die Fußabdrücke auf dem reifbedeckten Holz gut erkennen.

Ralf und Annika sind einen Tag länger geblieben und haben wohl Polarlichter gesehen und fotografiert. Da mir die beiden einen Gastartikel versprochen haben, werdet Ihr, liebe Blogleser, hier vermutlich doch noch ein paar Auroren über Abisko zu sehen bekommen.

Unser Abisko-Gästeblog

Ein Gastbeitrag von Annika und Ralf.

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Abisko Februar 2014.

Einen Gastartikel über einen Urlaub zu schreiben, bei dem man quasi täglich mit dem Blogger selbst unterwegs war und darum mit Bildern von Situationen, die wir alle drei immer gleichzeitig erlebt haben, das scheint nicht einfach. Aber wir haben es ja nun versprochen :-).
Also: nach schwedisch-Lappland sollte es gehen, schon seit einem Jahr haben Ralf und ich darüber nachgedacht und vor genau 12 Monaten die erste Anfrage an das Hostel in Abisko geschickt. Ralf wollte Polarlicht, ich jedes Winterlicht, und außerdem wollten wir richtigen Winter und ganz viel Schnee (und ich auch Kälte, denn das gehört ja dazu). Sechs Wochen war es nun schon her, dass ich in Idre erneut versucht habe skilanglaufen zu lernen. Eine Ewigkeit. Für Ralf war es nach drei Winterreisen mit der Hurtigrute der erste „Festlandskandinavienwinterurlaub“ überhaupt.

Vor ein paar Wochen wurde dann Olafs vage Andeutung, dass er sich vorstellen könnte, zur selben Zeit an den selben Ort zu fahren, dann wahr. Als fleißige Kommentarschreiberin im Nordwärts-Blog war ich sehr gespannt, den Macher selbst nun endlich kennenzulernen. Gleichzeitig ahnte ich, er würde eine gute Kinderbetreuung für meinen fotografierwütigen Freund abgeben, mit dem ich mich sonst über Technik, Bildgestaltung etc. hätte unterhalten müssen…

Olaf hat uns dann sogar in Kiruna abgeholt, was noch praktischer war. Außerdem saß witzigerweise im selben Flugzeug auch noch A., ebenfalls Skandinavien-Blog-Schreiber, was wir erst ein paar Tage vorher registriert hatten. A. kam aber wegen des Streiks am Frankfurter Flughafen so spät in Stockholm an, dass wir uns kaum noch unterhalten konnten. Nächstes Mal…

Das erste Bild der Reise

Soll ich jetzt erzählen, was wir zu dritt gemacht haben? Schneeschuhwandern durch Eis-Schnee und Autoausflug nach Norwegen? Das wisst Ihr ja alles schon vom Hausherrn. Nur die Hundeschlittentour war ohne Olaf. Für Ralf eine Premiere hat er es trotz ungünstiger Temperaturen, die die Hunde sehr müde machten, sehr genossen. Und auch ich habe es wieder sehr geliebt, auch wenn meine vier Mädels zuerst echt keine Lust zum Laufen hatten (ca. 4° C über Null) und ich als zweiter Schlitten direkt hinter dem Musher den Tross in der ersten Tourhälfte sehr aufgehalten habe… Später wurden zwei der Damen gegen echte Kraftmaschinen ausgewechselt, so dass ich ab da nur noch auf der Bremse stand. Das war einfacher, als den Schlitten fast komplett selber zu schieben :-). Wir waren etwas oberhalb von Abisko, und trotz angesagtem Sturm und Dauerregen war das Wetter ziemlich gut. Kaum zu glauben, dass Olaf gleichzeitig auf dem Torneträsk im Regen stand…Wir hatten sogar einen Regenbogen!

Die Ruhe vor dem Sturm. Mein erster angeleinter Hund wartet erstaunlich geduldig auf die Abfahrt.Annika nach der Schneeschlittenhundetour.

Der zweite Programmpunkt ohne Olaf war, als ich nach seiner Abreise am Freitag doch unbedingt noch Skilaufen wollte. Bin also die vier Kilometer zur Turiststation und zurück auf Skiern, was mehr Eiskunstlauf als Langlauf war, aber immerhin! Die Begegnung mit den asiatischen Mädels, denen Olaf Bergauftipps gegeben hatte, fand ich sehr interessant—konnte ich doch genau nachfühlen, wie es ihnen ging :-(. Ich hätte meine erste Skilanglaufstunde nicht bei Eis haben wollen, es wäre definitiv das Ende meiner Bemühungen gewesen! So beiße ich mich weiter fest.
Ansonsten waren wir drei wirklich fast die ganze Woche zusammen unterwegs. Abendessen gab es immer, Frühstück auch öfter zusammen. Ralf und ich fanden das prima, und auch Olaf sagte, es habe doch ganz gut gepasst (wir glauben das mal :-) ). In meinem inneren Fotoalbum sind auf jeden Fall Bilder von Pasta mit Pesto und natürlich von Köttbullar mit Preiselbeeren dabei. Außerdem von zwei Typen, die sich quasi täglich darüber austauschen mussten, ob Festbrennweiten ohne Autofokus denn nun das Non-Plus-Ultra der Vollformatfotografie seien oder nicht, und ob man denn was anderes außer Offenblende überhaupt noch einstellen sollte oder nicht auch in jeder Ebene scharfe Bilder schön sind (bei diesen Debatten habe ich irgendwann nicht mehr hingehört…ich mag die Bilder von beiden ja sehr!).

Mein Lieblingsbild von OlafDer Blogger aus der Nähe in Sturmhaube

Ausblick auf Abisko

Makrofotografie

Morgendliche Stimmung in Abisko auf den Bahngleisen. Rechts das Hostel Abisko.net, ziemlich basic, aber eine schöne Küche zum Kochen unserer beiden Star-GerichteSchwedische Gastfreundschaft oder harte Gangart?Auf dem TorneträskKein Schlittenhund, aber auch ein wirklich schönes Tier

Olafs Autofahrkünste haben wir bestaunt, über die fast frühlingshafte Wärme haben wir uns gewundert, das fehlende Klavier in der Turiststation aufgrund der Anwesenheit eines echten Jazzpianisten sehr bedauert. Ralf möchte jetzt ein Haus in einem Ort namens Jörn haben, am besten mit Schneemobil, aber Skelleftehamn würde er auch nehmen ;-).

Abends am See

Und nochmal der SeeBlick vom Skilift

Fotografieren … nicht für jeden interessant

Sonnenuntergang in NorwegenSchneelandschaft, ähnlich wie Olafs Bild. Nur bei ihm fehlt diese komische Metallplatte

Noch was?
Ja. Gerne wieder. Jederzeit, auch ohne Winter. Wir haben uns sehr gefreut Dich kennenzulernen, Olaf!


Olaf erklimmt ohne Hilfsmittel eine Eiswand. Gut, wenn die Fingernägel lang genug sind :-) Editorial

Der Text dieses Blogartikels stammt von Annika und alle Bilder stammen von Ralf. Die Entscheidung, wo ich die Fotos in den Artikel einfüge, oblag meiner Wenigkeit.

Ich habe lediglich ein paar Interpunktationen in den Bildunterschriften geändert und mir erlaubt, einen kleinen „Norwegismus“ im Wort Köttbullar zu korrigieren.

Warum ich das schreibe?

Einmal, um mich zu bedanken, aber auch, um hier den Platz zu füllen, denn mein Bloglayout kommt mit Hochformatbildern nicht sonderlich gut zurecht.

Ich freue mich sehr, dass Ihr – Annika und Ralf – mein Blog um diesen Gastartikel bereichert habt. Wenn wir wieder einmal zusammen verreisen oder uns hier im Norden treffen sollten, weiß ich schon, was ich mir wünsche.

Vielen Dank – Tack så mycket.

/Olaf

Abschied vom Winter – die erste Kajakfahrt

Sollte es wirklich so sein? Dass ich frei habe und schönes Wetter ist und kein Sturm? Dann steht der ersten Runde mit dem Kajak ja nichts mehr im Wege, denn das Meer ist schon seit Ende Februar offen.

Es gibt einige Plätze, wo ich das Kajak einsetzen kann: Storgrundet (noch eisbedeckt), gleich um die Ecke (nur schön, wenn auch die Bucht Kurjoviken und der Fluss schon frei sind) oder bei der Lotsenstation, die etwas weiter weg ist. Ich habe mich für letzteres, die Lotsenstation entschieden. Mit dem Hüftgurt, mit dem ich sonst die Pulka ziehe, konnte ich mein Kajak bequem die zweieinhalb Kilometer zum Einsetzpunkt ziehen und dabei die Arme baumeln lassen.

Wenig später lag das Boot auf einer Eisscholle am Steinufer und eine Minute später war ich im Wasser. Mein Ziel war die Eiskante, denn ein geschützter Teil der Ostsee zwischen Festland und Inseln ist noch komplett eisbedeckt. Die Fahrt ging überraschend leicht und das kenne ich ja schon von Fahrradtouren: Geht es leichter als erwartet, dann hat man Rückenwind und muss das alles gegen den Wind wieder zurück.

Die erste Kajaktour 2014An der Eiskante

Ich bin dann in eine schmale Lücke im Eis hineingefahren und habe fest damit gerechnet, rückwärts wieder hinauszumüssen. Das Kajak hat stattdessen aber den Riss im Eis erweitert und eine große Eisscholle abgespalten und so konnte ich, vom Wind unterstützt, weiter geradeaus paddeln.

Geht’s da weiter? Ja!

Dicht am EisEine Eisscholle löst sich und treibt seewärts

Wieder bin ich in eine Lücke hineingefahren, aber dort ging es nicht weiter und ich musste rückwärts wieder hinaus.

Geht’s da weiter? Nö!

Bald war ich recht nah den Inseln Bredskär und Klubben. Ich wäre gerne um sie herumgepaddelt, um an der anderen Seite des eisbedeckten Teiles anzulanden, aber der ablandige Wind war doch ziemlich frisch und so bin ich an der Eiskante vor den Inseln umgekehrt. Und die Schokolade, die ich auf einer der Inseln essen wollte, kann man ja auch zu Hause naschen.

Eis vor BredskärEisschollen

Wendepunkt

Das paddeln gegen den Wind ging einfacher als erwartet und bald war ich wieder am Steinufer der Halbinsel Näsgrundet bei der Lotsenstation. Ich schaute einmal noch auf das Eis draußen und habe mich deutlich vom Winter verabschiedet. Jetzt soll der Frühling kommen! Dann bin ich mit dem Kajak im Schlepptau nach Hause gelaufen.

FrühlingsboteEs war überraschend warm und am Straßenrand habe ich kleine Kätzchen als Frühlingsboten gefunden. Es ist schon lustig, wie die Leute schauen, wenn man ein Fünfmeter-Kajak hinter sich herzieht. Auch meine Nachbarn kamen mir mit den Hunden entgegen und sagten, heute sei der wärmste Tag: Jetzt schon 10 °C. Na, das passt ja zum Frühling. Und morgen, nach der Zeitumstellung geht die Sonne erst kurz vor halb acht unter. Herrlich!

Osterbesuch

Kann man bei drei Jahren schon von Tradition sprechen? Wenn ja, dann ist es bei mir Tradition, die Ostertage zu Hause zu sein und hauptsächlich nichts zu tun. Und dann habe ich diese Tradition dieses Jahr gebrochen, als ich Elisabet in Umeå besucht habe.

Auf der Hinfahrt habe ich mir Zeit gelassen und bin mit dem Auto ab Sikeå die kleinen Wege gefahren. Gleich bei „Hemmesmarken“ habe ich angehalten, weil ich über das schöne Schild „Gammellandsvägen“ – sozusagen „Der alte Landsweg“ – gestolpert bin. Von dort aus konnte man schnell auf die bewaldeten Granitfelsen klettern. Dort hätte ich noch lange umherlaufen können, aber ich wollte ja nach Umeå.

Der „Gammellandsvägen“Fels und Wald

Wasserlache auf dem Granitfels

Über kleine Waldwege bin ich weitergefahren. Einige waren so weich vom Tauwetter, dass sich tiefe Spurrillen gebildet haben, denen mein Auto mehr als meinen mehr oder minder kunstvollen Lenkmanövern gehorcht hat. Aber trotz meiner Befürchtungen mich festzufahren ging es doch immer weiter. Den kleinen vereisten Schneerest auf dem nächsten Bild habe ich an der kleinen Bucht von Storsand nördlich von Ratan gefunden.

Schneerest am Meer

Ich hatte fast damit gerechnet: inzwischen habe ich so viel Zeit vertrödelt, dass ich spät dran war. Deshalb bin ich ohne weitere Zwischenstopps weiter nach Umeå gefahren, wo Elisabet und ich dann einen langen Spaziergang um den schönen See Nydalasjön gemacht haben.


Am nächsten Tag sind wir zusammen mit J. in das Naturreservat „Strömbäck-Kont“ gefahren, welches nicht nur alte Wälder, klare Seen, blanke Felsbuckel mit Meerblick und kleine Sandbuchten bietet, sondern auch viele Wanderwege, einen kleinen Bootshafen, der noch im Winterschlaf war und Grillplätze. Nach einer größeren Zickzackrunde sind wir wieder an der ersten Grillstelle angekommen, wo wir das große Glück hatten, von einer aufbrechenden Familie eine Feuerstelle übernehmen zu können. Während Elisabet schon einmal neues Feuer machte, sind J. und ich zum nahen Parkplatz gelaufen, um den Proviant zu holen. Das Menu: Dreierlei Wurst, Stockbrot – (schwedisch: pinnbröd)und geschmorte Schokobanane. Und selbst wenn pinnbröd rein kulinarisch nicht der größte Genuss sein mag, so macht es doch schon großen Spaß, seinen Holzspieß in ein Stück Wurst zu rammen oder mit Teig zu umhüllen und dann über das Feuer zu halten. Und danach hatte ich auch ein bisschen Zeit, auf den glattgeschliffenen Felsen herumzulaufen oder den großen sich brechenden Wellen am Felsstrand zuzuschauen.

Wurst schmort über offenem FeuerNeues Feuer für die Schokobananen„Upside down“ – SpiegelungBrandung an den Klippen vor Kont

Heute am Ostersonntag habe ich mich auf den Rückweg gemacht. Während es in Umeå noch bewölkt war, konnte man im Norden schon blauen Himmel ahnen und bald kam auch die Sonne heraus. Am See Högfjärden habe ich noch ein letztes Foto geschossen, ehe ich mich nach Hause gefahren bin um dort das zu tun, was ich auch die letzten drei zu Ostern hauptsächlich gemacht habe:

Nichts.

Letzte Eisreste auf dem See Högfjärden

Die dritte Kajaktour

Fünf Uhr morgens: Die Helligkeit weckt mich. Ich blinzele durch die Jalousien auf klaren Himmel und weiß: Jetzt sollte ich die Kajaktour machen, wenn ich schönes Licht zum Fotografieren haben möchte. Es sind nicht die drei Grad minus, die mich davon abhalten, aufzustehen, sondern mein innerer Schweinehund, der mit zwei Doppelzentnern auf meinem Bauch liegt und mich nicht aus dem Bett lässt.

Acht Uhr morgens: Die Helligkeit weckt mich wieder. Ich blinzele durch die Jalousien auf klaren Himmel und weiß: Jetzt kann ich mir Zeit lassen, denn das warme Morgenlicht ist eh weg und schönes Wetter ist es sowieso.

Ich hole die Neoprenschuhe aus dem Wintergarten. Dort stehen auch meine Skier. Die Tourenski mit den Stahlkanten und die ewig langen Holzski für Wald und Tiefschnee. Ganze drei Mal habe ich diesen Winter auf Skiern gestanden. Das ist definitiv zu wenig. Das will ich nächsten Winter anders machen, selbst wenn er wieder so kurz ist wie dieser. Aber bis dahin dauert es noch mindestens ein halbes Jahr und ich bringe die Skier in die Garage. Weg damit – jetzt Frühling bitte!

Irgendwann so um halb zehn: Ich stehe draußen, das Kajak auf dem Bootswägelchen festgezurrt und treffe meine Nachbarn. Ein dumpfes Grollen lässt uns innehalten. „Was war das“ – fragt sie. „Tåme“ – sagt er. Tåme, das ist weiter nördlich, etwa 35 Kilometer Luftlinie und dort übt das schwedische Militär schießen. Man hört es bis hierhin.

Bald schiebe ich das Kajak am Strand von Storgrundet ins Wasser und paddele los. Immer wieder höre ich die dumpfen Schläge der Schießübungen, so laut, dass ich meine, die Druckwellen auch am Körper zu spüren.

Weiter paddele ich. Nun ist es ruhig. Haben die Soldaten fertiggeknallt oder halten sie nur Fika, die schwedische Kaffeepause? Storgrundet liegt inzwischen hinter mir. Rechts liegen die Außenseiten der Inseln Norrskär und Bredskär, Gråsidan und Nygrundet, links nur das Meer und weit der Horizont.

Gråsidan und Nygrundet voraus

Wie weit weg wohl der Horizont ist? Die Insel Skötgrönnan kann ich mühelos sehen. Sie ist elf Kilometer entfernt, verrät mir zu Hause die Seekarte. Ich bin erstaunt, dass ich vom Kajak, gerade einen Meter über dem Meeresspiegel, doch so weit schauen kann.

Nygrundet ist die östlichste Insel vor Skelleftehamn. Ich fahre um sie herum und habe Wind und Sonne im Rücken. Ich lasse mich ein bisschen treiben. Auch die Gedanken treiben. Das geht gut auf dem Meer. Bald nähere ich mich Bredskärs Innenseite, dort, wo Nachbarn ihr Sommerhaus haben. Und richtig, meine Nachbarin ist da und wir unterhalten uns, sie auf dem Bootssteg stehend, ich im Kajak sitzend. Nach zehn Minuten verlegen wir unser Gespräch auf die Terrasse, wo ich natürlich – wir sind in Schweden – zu einem Kaffee eingeladen werde. Nach kurzer Zeit verabschiede ich mich aber, denn mir wird kalt in meinen klammen Klamotten unter dem Trockenanzug, der weit davon entfernt ist, atmungsaktiv zu sein.

Karte und Kompass sind immer dabeiNygrundet – wo ist das Haus?

Ein Stück paddele ich noch, sehe die Kanadagänse mich misstrauisch beäugen, sehe einen Mann bauchtief im Wasser stehen, er richtet seinen Bootssteg, der vermutlich im Winter an Land lag, damit er vom Eis nicht zerstört werde. Ich sehe Gänsesäger, die immer ein bisschen wie Punk-Enten aussehen und viele Möwen. Nur eines sehe ich nicht mehr: Eisschollen.

Vor dem Strand von Storgrundet ziehe ich am Seilzug, der mein Steuerruder aus dem Wasser hebt und nehme Anlauf. Mit Schwung landet das Kajak auf dem Sandstrand. Bald ist das Boot wieder auf seinem Wägelchen festgezurrt und ich laufe nach Hause. Aber nicht direkt, denn auch B., der sein Sommerhaus um die Ecke hat, lädt mich noch zu einem Kaffee ein.


Ausgelöst durch die Schießübungen enthielt dieser Artikel ursprünglich einige Gedanken zum Konflikt in der Ukraine und andere recht persönliche Gedanken. Beim Lesen hatte ich aber den Eindruck, dass sie zu unausgegoren für eine Veröffentlichung im Blog sind. Daher habe ich die Textteile wieder entfernt. Vielleicht nehme ich mir irgendwann mal Zeit, ein bisschen über andere Themen als Ich-In-Schweden zu schreiben. Ob das dann hier oder in einem neuen Blog sein wird, weiß ich noch nicht.

Maischnee

Gestern habe ich Valborg in Bygdeträsk gefeiert, heute gegen elf sitze ich im Auto und fahre wieder nach Hause. Allerdings nicht direkt. Erster Mai, ein freier Tag! Das Wetter ist schön, die Sonne scheint, ein paar Plusgrade hat es wieder nach frostiger Nacht, vielleicht gibt es noch irgendwo etwas zu sehen.

Das gibt es. Zum Beispiel eine ansteigende Straße, noch nass, in der sich grell die Sonne spiegelt.

Blauer Himmel und Sonnenspiegelung

Doch das Wetter ändert sich. Dunkle Wolken ziehen auf, aus denen es graupelt und schneit, an manchen Stellen überraschend heftig. Ich fahre viele kleine Straßen, viele sind nur sogenannte „Grusvägar“ – Kieswege. Doch die Nadel der Tankanzeige steht schon auf R, also fahre ich nach Lövanger, welches an der E4 liegt und damit eine auch am Feiertag geöffnete Tankstelle hat. Auch hier schneit es und so mancher Passant läuft ziemlich winterlich gekleidet vorbei. Vollgetankt fahre ich weiter und nun nehmen die Schneeschauer zu und werden stärker.

Winterlich gekleidet am 1. MaiEiner der stärkeren Schneeschauer

Und so fotografiere ich noch einmal eine Straße: Dieses mal nicht mit Sonne und blauem Himmel, sondern mit dichtem Schneefall.

Starker Schneeschauer

Die Schneeschauer werden dichter und es kühlt sich ab. Irgendwann zeigt das Autothermometer nur noch 1 °C an und der Schnee beginnt, liegen zu bleiben. Und als ich irgendwo kurz vor Uttersjöbäcken aus dem Wald komme, liegt genug Schnee auf dem Acker, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass heute der erste Mai ist.

Nur noch 1 °CVerschneiter Acker

Es war kein Zufall, dass ich nach Uttersjöbäcken gefahren bin, denn dort ist das schöne Naturreservat „Bjuröklubb“, eine große Landzunge, die in der Ostsee ragt, gleich um die Ecke. Dort wollte ich jetzt den Leuchtturm im Schneeschauer fotografieren. Aber nochmals hat sich das Wetter geändert und plötzlich war es wieder sonnig. Genau das richtige Wetter, um über die Felsen zum 50 Meter tiefer liegenden Felsstrand hinabzusteigen. Ich war ganz froh, in meiner Münchner Zeit so manche Bergtour gemacht zu haben, sonst hätte ich mich an manchen Stellen nicht entlang getraut.

Bjuröklubb Fyr, der alte LeuchtturmGranitfelsen im GegenlichtHoher FelsquaderManche Felsen sind ziemlich hoch

Als ich unten angekommen war, schaute ich über das klare Meer, welches den leuchtend blauen Himmel widerspiegelte. Kleine Wellen plätscherten an die Felsen, sonst war es still und ruhig. Was für ein Kontrast zu der winterlich anmutenden Autofahrt hierher.

Felsküste bei Bjuröklubb

So, Winter, Du hast Dein Gastspiel gehabt, jetzt darf es gerne auch wieder Frühling werden.

Die Route: Bygdeträsk – Andersvattnet – Söderby – Korssjön – Flarken – Gammbyn – Kålåboda – Brände – Vebomark – Lövanger (Volltanken) – Fjälbyn – Uttersjöbäcken – Bjuröklubb – Uttersjöbäcken – Risböle – Burvik – Bureå – Örviken – Skelleftehamn

Zurückdatiert vom 02. Mai 2014 00:32 auf den 01. Mai 2014 23:59