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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Licht

11:00: -15.8 °C · 14:45: -14.6 °C · 15:20: 9.9 °C (!) · 19:10: -7.8 °C

Kurz nachdem ich heute die Fotos aus den Fenstern gemacht habe, beschien auch die Sonne die Straße. Über der Sonne war eine wunderbare (und fast unfotografierbare) Lichtsäule zu sehen und in dem feinen Eisstaub, der in der Luft langsam vorbei trieb, bildeten sich regenbogenfarbene Lichtbrechungen.

Meine berufliche Konzentration inzwischen: -0. Außerdem zog mich das Licht fast magisch an, denn den größten Teil der vierundzwanzig Stunden ist es ja dunkel. Also habe ich kurz geklärt, ob ich die Arbeit verschieben kann – kein Problem – und war zwei Stunden draußen.
Die Sonne stand heute um 11:30 im Süden und hatte dann eine Höhe von gerade Mal 2.3°, das sind etwa vier, fünf Sonnendurchmesser. Die ganze Zeit ist der Himmel klarblau, aber die Farben der Sonne auf dem Schnee gehen von gelb schnell wieder in Orange- und Rosatöne über.

Wenn man den Wettervorhersagen Glauben Schenken darf, dann war es das erst mal mit blauem Himmel. Ab morgen soll es bei Temperaturen um -5 °C schneien. Und ziemlich windig sein. Und weiter schneien. Tagelang. Und Tag für Tag wieder kälter werden. Alleine für morgen werden bis zu 20 cm Neuschnee erwartet. (Warnstufe 1). Mal schauen, ob‘s stimmt …

Übrigens: Wer ort- und zeitbezogene Sonnendaten braucht, kann unter Mac OS X dafür The Photographer’s Ephemeris benutzen. Ein sehr feines Tool! Danke an René für den Tipp.

Ein herrlicher Wintertag

So mag ich das. Am Freitag klart es auf und es wird kälter. Der Samstag präsentiert sich dann in herrlichster Winterlaune: Das Thermometer zeigt -24 °C ¹, es ist windstill und über Skelleftehamn spannt sich ein klarer, blauer Winterhimmel. Um zehn vor neun sind meine üblichen Dinge im Rucksack verstaut und ich breche auf. Im und am Rucksack befinden sich neben Kleinkrams:

  • Mein Fotoapparat. Ersatzakkus sind in der Hosentasche
  • Erste Hilfe und Biwaksack. Zum Nichtbenutzen
  • Tee aus frischem Ingwer und Proviant
  • Ein Fotostativ
  • Meine Isdubbar
  • Heute mal ein GPS zum Weg mittracken
  • Karte und Kompaß. Benutze ich aber fast nie
  • Ersatzhandschuhe und -socken
  • Ein kleines Thermometer
  • Eine warme Daunenjacke (heute nicht gebraucht)

Im Wald sitzt ein Baum voller runder Vögel. Ich könnte ein Foto machen. Aber zum einen habe ich kein Tele dabei, zum anderen zieht es mich auf die Ostsee. Also laufe ich weiter und die Vögel fliegen auf. Bald bin ich schon am Ostseeufer und laufe quer über das Eis zur Insel Klubben, von da aus weiter nach Flottgrundet, ein bisschen weiter nach Gråsidan, dort nach einer kleinen Teepause am gesamten Nordostufer entlang und dann wieder auf dem Rückweg nach Bredskär.

Wie immer begeistert mich das Licht auf der Ostsee und die schneebedeckten Flächen, in die der Wind verschiedene Strukturen und Texturen hinein geblasen hat. Dieses Mal komme ich aber auch in Gebiete, wo die Inseln von bis zu zwei Meter hohen Eisformationen umgeben sind. An manchen Stellen haben sich kleine Tropfsteinhöhlen gebildet. Ich komme mir vor wie einer Ausstellung mit sorgfältig von der Natur geformten Skulpturen. Am Ufer von Gråsidan hat man Blick auf das zusammengefrorene Packeis und später auf weitere Eisformationen. Es erfordert einiges an Disziplin, nicht jede einzelne Skulptur, jeden Eiszapfen und jeden Felsen fotografisch zu kartografieren, sondern sich in der Motivanzahl zu beschränken. Nachdem ich zu Hause aber gerade fast 30 Gigabyte überflüssiger Fotos auf dem Rechner gelöscht habe, gelingt mir das recht gut. Zumal ich weiß, dass mir manche Motive auch nicht wegrennen.

Auf Bredskär passiert es dann! Ich sehe einen anderen Skiläufer! Und ich dachte schon, dass ich der einzige bin, der bei jedem Wetter in der Natur unterwegs ist. Wir sind wohl beide neugierig und steuern aufeinander zu. Ich treffe auf einen Lehrer, der weiter draußen auf der See Blankeis suchen möchte, damit er dort Schlittschuh laufen kann. Nach fünf Minuten Gespräch lädt er mich schon im Sommer zu einer gemeinsamen Kajaktour ein, er hat zwei Seekayaks. Wir laufen dann gemeinsam einen guten Kilometer auf das offene Meer hinaus und man sieht nur Eis, Eis, Eis. Blankes Eis finden wir allerdings nicht und wir kehren um. Ich habe echte Mühe, Schritt zu halten, denn der Lehrer hat eine extrem gute Kondition, ist ziemlich schnell in diesem Gelände und benutzt dabei noch nicht einmal die Stöcke. Wie macht der das?

Bei einer Kaffeeeinlandung in sein Haus wird es mir klarer: Zum einen ist das Haus voller Sportgeräte und Outdoorausrüstung, zum anderen erzählt er von den vielen Touren, die er schon gemacht hat. Ich komme mir ziemlich unsportlich vor, freue mich aber riesig, dass es hier Gleichgesinnte gibt und dass man sie auch trifft. Und vielleicht ergibt sich ja wirklich mal etwas. Ich bin mir nämlich nicht immer so sicher, wie schnell man Einladungen zu einer eventuellen Kajaktour hier in Nordschweden auch annehmen darf.

Zu Hause ziehe ich mir erst einmal trockene Sachen an und hänge den Rest der Kleidung zum Trocknen auf. Heute hatte ich an:

  • Woll-Funktionsunterwäsche von Aklima. Genial! Das Oberteil hat eine Sturmhaube als Kapuze
  • Pullover aus Powerstretch-Fleece. Anfangs zu warm, später war ich froh, ihn anzuhaben
  • Dünne winddichte Mikrofaserjacke mit Kapuze und Fellrand. Hat man die Kapuze auf, vereist sie. Sonst vereisen Haare, Nase und Wimpern
  • Ein Schlauchschal (Buff) vor dem Mund
  • Zweilagige Fingerhandschuhe. Heute gerade noch warm genug. Nächstes Mal Fäustlinge
  • Eine x-beliebige Skihose
  • Warme Socken
  • Zur Skibindung passende Lederstiefel. Die sind leider nicht sehr warm und der schwächste Ausrüstungsgegenstand

Als ich dann um sechs einkaufen wollte, waren draußen immer noch -24 °C. Ich hatte aber eigentlich mehr Lust auf gemütliche Wärme und habe deshalb zum ersten Mal hier meine Canada Goose Daunenhose und den passenden antarktistauglichen Daunenparka dazu getragen. Das ist so, als ob man sein eigenes Heizkraftwerk mit sich herumträgt und man sollte keine großen Strecken laufen, weil es einem sonst zu warm wird. Egal bei welcher Temperatur! Jetzt sitze ich aber wieder schön im Warmen; das hat doch auch was!

¹ Wer meint, das sei kalt: Bei einem Freund, der 50 km landeinwärts wohnt, waren es heute -34 °C. Wem immer noch kalt ist: In der letzten Stunde ist die Temperatur hier um 5 Grad angestiegen. Morgen Nachmittag sollen es nur noch -6 °C sein und es soll 10-20 cm Neuschnee geben. Mal schaun …

Alltag

Nachdem meine Eltern wieder nach Deutschland gefahren sind, hat sich hier wieder eine Art Alltag eingestellt. In Stichpunkten (da müde):

  • Es wird nicht mehr richtig dunkel. Die Abenddämmerung geht nahtlos in die Morgendämmerung über, ehe um zwanzig vor drei die Sonne aufgeht.
  • Das Leitungswasser muss weiterhin abgekocht werden. Man kann wohl Parasiten im Wasser erst nach dem Einbau von UV-Filtern mit Sicherheit ausschließen. Und das kann noch ein paar Monate dauern. Aber – man gewöhnt sich dran.
  • Mein Computer spinnt ziemlich, aber ein neuer ist bestellt. Der hat dann eine mit 750 GB eine größere Festplatte und ich habe wieder Platz für neue Fotos.
  • Das Spatzenpärchen ist unter meinem Dach wohnen geblieben. Ich glaube, sie sind noch am Brüten.
  • Ich werde diese Woche wohl komplett mit dem Bus fahren, da ich keine Lust habe, 18, 19 Kilometer gegen Windgeschwindigkeiten um 40 km/h zu radeln. Nennt mich ruhig faul, damit kann ich leben.
  • Heute war ich zum zweiten Mal in der Ostsee baden und bin nicht sofort wieder hinaus gesprungen. Lange im Wasser war ich aber dennoch nicht.

So, mehr schreibe ich jetzt nicht, dann ich bin müde. Ich war heute morgen um kurz nach halb sechs wach, also drei Stunden nach Sonnenaufgang.

Sommernacht

Heute wollte ich um halb zwölf das Licht aus und die Augen zu machen und schaue noch mal kurz aus dem Fenster. Drei Minuten später sitze ich im Auto und fahre die kleine Straße zum nächsten See, um den Sonnenuntergang zu fotografieren. Jetzt ist es kurz vor zwei, ich sitze müde am neuen Rechner, und draußen ist es schon fast wieder hell.

Das Fotografieren war eine ziemlich nasse Angelegenheit, zumindest für mein linkes Bein. Ich bin nämlich mit der Neoprenwathose ein paar Schritte in den See gegangen, um dann festzustellen, dass das linke Hosenbein einen riesigen Riss unterhalb des Knies hat. Schade, so alt ist sie eigentlich noch gar nicht, aber zum Flicken ist der Riss wahrscheinlich zu groß.

Sommeranfang

Der schwedische Sommer ist da, jetzt auch astronomisch und damit quasi offiziell. Jeder, der ein Sommerhaus auf einer der Ostseeinseln hat, verbringt jetzt die meiste Zeit dort. Die Busse fahren nur noch halb so oft, die ersten Geschäfte haben eingeschränkte Öffnungszeiten und mancher Kunde verabschiedet sich bis Mitte August, denn er hat jetzt „semester“. Das mag verwirren, aber „semester“ ist einfach das schwedische Wort für Urlaub. (Semester auf schwedisch heißt hingegen „termin“, um die Verwirrung komplett zu machen.)

Viele Schweden verreisen nicht, sondern verbringen die gesamte Zeit in ihrer „stuga“ – ihrem Sommerhaus. Das heißt aber nicht, dass sie den ganzen Tag faul im Gras liegen, denn schließlich möchte man ja noch den Zaun erneuern, die Sauna ausbauen, den neuen Bootssteg ins Wasser lassen, das alte Haus streichen oder ein neues Haus bauen …

Die Hauptfrage, die zur Zeit in Schweden diskutiert wird: Wie wird das Wetter zum Mittsommerfest jetzt am Wochenende? Mittsommer ist schließlich ein wichtiger Feiertag und den möchte man draußen verbringen. Mit leckerem Essen! Letztes Jahr war es herrlich warm und sommerlich – wohl so schön wie lange nicht mehr, denn manche erinnern sich auch an ein Mittsommerfest mit Schneeregen. Brrr! Dieses Jahr wird es eher wechselhaft werden, aber das finde ich nicht so wichtig. Denn ich werde mit Freunden in deren neuem Sommerhaus feiern, und ich bezweifele stark, dass wir singend um die Mittsommerstange tanzen werden. Und lecker essen kann man ja auch drinnen.

Obwohl ich südlich des Polarkreises lebe, ist es vierundzwanzig Stunden am Tag hell, und vorgestern war der längste Tag. Jetzt werden theoretisch die Tage wieder kürzer, aber es wird zum Glück noch dauern, bis man davon etwas merkt.

Gestern Abend klarte es ein bisschen auf und ich bin zu einem der beiden Bootshafen Skelleftehamns gefahren. Die Parkplätze waren voll, denn – wie schon erwähnt – die meisten leben jetzt in ihren Sommerhäusern und verlassen die Insel nur noch für die letzten Arbeitstage, zum Einkaufen, oder um kurz zu Hause den Briefkasten zu leeren.

Die Fotos sind zwischen zehn und halb zwölf entstanden. Das Foto mit dem halben Boot gibt das spätabendliche Licht ganz gut wieder. Von den herrlich schönen Seeschwalben hätte ich gerne noch bessere Fotos gemacht. Aber die Vögel fanden meine Anwesenheit höchst unnütz und begannen immer mehr, Scheinangriffe auf mich zu fliegen (Mit voller Geschwindigkeit tief auf mich zufliegen und schreien, kurz vorher hochziehen, um dann von der anderen Seite noch einmal auf mich hinabstoßen, kurz vorher abdrehen und schnell wegfliegen schien ein beliebtes Muster zu sein.)

Belehrung für den aufmerksamen Leser: Dieser Artikel geht am Donnerstag Vormittag online – mitten an meiner Arbeitszeit. Ich lerne zur Zeit eine neue Programmiersprache namens „Objective C“ und lese viel darüber. Und da die Materie ziemlich schwierig ist, braucht mein Verstand immer wieder Erholungspausen. Und so eine kann man prima zum Veröffentlichen eines Blogartikels verwenden. Finde ich.

Brückenbau-Arbeits-Sommer-Bade-Stadtfest-Panorama

Manche Tage sind dichter als andere. Von so einem Tag komme ich gerade zurück.

Der Morgen

Knallblauer Himmel – schon am Morgen zwanzig Grad – das schreit danach, mit dem Fahrrad zu fahren. Es ist immer herrlich, wenn man schon morgens oben herum nur ein T-Shirt braucht und in den Sandalen mit den Zehen wackeln kann. Kurz vor der Stadt mache ich eine kurze Fotopause, denn da wird eine neue Brücke über den Skellefteälven gebaut. Da habe ich noch nichts von mitbekommen, da ich diese Strecke nicht so oft fahre. Zum Schluss schlängele ich mich durch das Zentrum, denn heute beginnt das Stadtfest und überall stehen Zäune, Autos, Zelte, Menschen und nochmal Autos.

Arbeit

Ich hätte ja jetzt schon gerne Urlaub, aber bis zum Ende der Woche muss ich noch durchhalten. Im Büro ist es überraschend kühl und die Hitze schlägt uns ins Gesicht, als wir zum Mittagessen aufs Stadtfest gehen. Kein Wunder, denn mit 30.4 °C ist Skellefteå heute laut SMHI-Messungen der wärmste Ort Schwedens.
Das Stadtfest? Wie alle Stadtfeste, aber dazu später mehr.

Danach arbeite ich noch ein bisschen, aber die Konzentration geht gegen null und ich beschließe, eine Badepause zu machen.

Badesee

Kurz darauf sitze ich bei einer Freundin im Auto, sie hat ihren Lieblingsbadesee wiedergefunden. Für schwedische Verhältnisse ist dort einiges los. Ich kann das nicht ernst nehmen, die fünfzehn Leute. Die Luft ist warm, das Wasser des kleinen Waldsees herrlich erfrischend kühl, man möchte gar nicht mehr aus dem Wasser heraussteigen. Und zum Schluß sind wir fast alleine da. Aber … noch habe ich keinen Urlaub, die Arbeit wartet.

Arbeit

Die Kollegen gehen nach Hause, ich bleibe noch. Zum einen habe ich ja eine sehr lange Badepause eingelegt, zum anderen bin ich mit Freunden zum Stadtfest verabredet. Aber irgendwann ist es sechs und ich verlasse als letzter das Bürogebäude.

Stadtfest

Und nachdem alle am Treffpunkt eingetrudelt sind, ziehen wir zu neunt über das Stadtfest. Ich bin – wie schon im letzten Jahr – geneigt zu schreiben, dass alle Stadtfeste gleich sind: Fressgassen mit internationaler Imbissküche, die immer gleichen hässlichen Sweater mit Reggaemotiven, billige Taschen, Losbuden und dazwischen Menschen, Menschen, Menschen. Wo kommen die bloß alle her? Von den Menschen hört man allerdings gar nicht so viel, denn was gehört zu jedem Stadtfest dazu? Richtig, lokale Partybands, die unfassbar schlecht abgemischt sind. Die Musik dröhnt und wummert in Lautstärken nah der Schmerzgrenze durch das Stadtzentrum. Wer etwas mitteilen will, der muss halt schreien.

Aber halt, ein paar Sachen sind ein bisschen anders: Alle Festzelte sind abgeriegelt und alle müssen an der Security vorbei, vermutlich damit keine Minderjährigen Bier oder Wein kaufen können. Da es mehrere Festzelte gibt, besteht die Innenstadt eigentlich nur aus Zäunen, die ein gigantisches Labyrinth bilden, denn jede zweite Straße und fast alle Fußwege enden irgendwann vor einem hohen Drahtzaun.

Das Essen wie oft: Von Fast food (amerikanisch bis asiatisch) bis zu den unvermeidbaren ungarischen Langos wird das ganze Stadtfestessen gut abgedeckt. Aber es gibt auch Toast mit Pfifferlingen und dem lokalen Käse überbacken. Oder Ren als chinesisches Wokgericht. Und knatsch-buntes Gebäck, welches vermutlich im Dunkeln leuchtet. An dem unten abgebildeten Gebäck stand „Blåbär“, aber ich vermute eher, dass dort jede Menge Schlumpf mit drin war.

Auf dem Dach

Ich gehe ins Büro, um meine Sachen zu holen und nutze die Gelegenheit, auf dem Dach des Gebäudes die iPhone-Applikation „Photosynth“ auszuprobieren. Dafür, dass das Programm nichts kostet und ich mir auch nicht wirklich Mühe gegeben habe, ist das Panorama eigentlich ganz gut geworden, auch wenn man teilweise deutlich sieht, wo die vielen Einzelfotos aneinanderstoßen.

Nach Hause

Ich bin immer schon lärmempfindlich gewesen und das ist heute nicht anders. Und so verabschiede ich mich als erster und radele um kurz vor elf wieder nach Hause. Ich genieße die Stille und das herrliche Licht auf dem Heimweg. Und um zehn vor zwölf bin ich auch wieder zu Hause.

Und jetzt geht‘s ins Bett. Aber nicht das im Schlafzimmer, sondern das im Gästerzimmer im Keller, denn da ist es dunkel und herrlich kühl.

Nachtrag

  • Laut Norran, der lokalen Zeitung war gestern mit 31,1 °C der wärmste Tag des Jahres.
  • Gestern war auch ein Drachenbootrennen auf dem Fluss. Da habe ich allerdings nur die Rufe durch den Lautsprecher gehört. Man kann nicht überall sein.

Wieder zu Hause

Nach drei Wochen Norwegen bin ich gestern Nachmittag wieder zu Hause in Skelleftehamn angekommen. Die Rundreise war erlebnisreich und einfach toll, aber dennoch habe ich mich riesig gefreut, wieder zu Hause zu sein.

In der vorigen Nacht habe ich das erste Mal seit langem wieder erlebt, dass es nachts auch dunkel sein kann. Denn die meiste Zeit waren wir in Norwegen eine ganze Ecke nördlich vom Polarkreis unterwegs und hatten Polartag, das heißt, die Sonne ging nicht unter und rund um Mittsommer wird es hier ja auch nicht wirklich dunkel.

Apopros dunkel: Das können meine Bananen auch. Sie sollten eigentlich als Proviant mit, haben aber statt dessen drei Wochen in dem von der nordschwedischen Sonne aufgeheizten Haus herum gelegen.

Apopros aufgeheizt: Die Ostsee ist, wie ich heute beim Baden feststellen konnte, noch ein bisschen wärmer geworden und ich hoffe, dass sie die Wärme noch mindestens bis Mitte September speichert – für die nächsten Besuche.

Samstag morgen

… sollte das Wetter eigentlich mäßig sein. Aber Überraschung: Klarer Blauer Himmel und kurz vor Sonnenaufgang. Also habe ich kurz vor dem Frühstück noch ein paar Fotos in der Umgebung gemacht.

Gleich geht’s raus in die Natur, zusammen mit einer Freundin wandern.

Licht

Wo viel Schatten ist, ist auch viel Licht.

Das geht schon mit den fantastischen Morgenstimmungen los, die wir hier so manchen Tag haben. Schon beim Blick durch die von Reif bedeckten Fenster meines Wintergartens haben gezeigt, dass es an der Ostsee bestimmt schön aussieht. Also habe ich heute das Auto genommen und einen kleinen Abstecher zum Fotografieren gemacht.

Nach der Arbeit war es draußen natürlich stockdunkel. Aber seit einigen Tagen ist die gesamte Innenstadt mit Licht geschmückt. Breite Bündel von Lichterketten hängen über einem Teil der Fußgängerzone, Die wenigen Alleebäume sind komplett in Licht gekleidet sind und auch ein großer Weihnachtsbaum steht auf dem Torget, dem Marktplatz.

Die mit gelblichem Licht ummantelten Bäume wirken richtig warm und gemütlich. Man denkt an Kerzen und Kamin. Leider macht das kalte Licht, mit dem Lichterketten und Weihnachtsbaum bestückt sind, einiges an Gemütlichkeit wieder zunichte. Wer, bitte schön, denkt sich so etwas aus!

Auch am Fluss holt man sich Licht in die dunkle Stadt. Und bei den gestaffelten Sitzreihen am Fluss mit ihrer strengen Linienführung darf das Licht auch gerne kalt-blau sein. Dort passt es. Die Solaranlage in der Stadt hat nicht viel zu tun, denn viele Sonnenstunden haben die Tage nicht mehr.

Gefallen hat mir dann wieder Bonnstan, die alte Kirchenstadt mit ihren Blockhäusern. Die Wege sind nur teilweise beleuchtet und lassen die Holzhäuser geheimnisvoll aus ihren Schatten treten.

Lucia

Alle, die schwedeninteressiert sind, wissen es längst: Heute ist Lucia. Wer nicht weiß, was es mit dem Luciafest auf sich hat, den verweise ich an den Wikipedia-Artikel, der kann das besser erklären als ich.

Ich bin heute nach der Arbeit am Fluss zur Landskyrka, zur Landeskirche gelaufen. Oder besser gesagt gestapft, denn auf den kleinen Wegen liegt trotz des leichten Tauwetters noch einiges an Schnee. Als ich eine halbe Stunde vor Beginn da war, war ich doch überrascht, wie voll die große Kirche schon war. Aber ich habe noch einen Sitzplatz bekommen.

Obwohl die „Krönung der Lucia“ in einen Gottesdienst eingebettet war, wurde hauptsächlich musiziert. Auf einige Stücke, die von einem kleinen Jugendorchester aufgeführt wurden, folgte eine kurze Predigt. Dann kam – von allen erwartet – der Luciazug: Sieben Sängerinnen kamen in weißem Linnen gekleidet in die nun abgedunkelte Kirche geschritten und sangen, jede eine Kerze in der Hand, „Santa Lucia“. Auf der Bühne wurde dann die Lucia mit einem Kerzenkranz gekrönt und weitere Lieder gesungen.

Ich war überrascht, wie viel die Sängerinnen gesungen haben. Sie begannen mit den typischen schwedischen Lucialiedern, sangen dann aber auch vom Klavier begleitet Stücke wie „When I wish upon a star“ und „Go tell it on the mountain“. Zum Schluss sangen sie dann wieder „Santa Lucia“ und schritten langsam aus der Kirche hinaus.

Als ich noch in Deutschland lebte, dachte ich bei jedem Luciafest an Schweden. Heute war es umgekehrt, denn als in München gelebt habe, habe ich mit dem Svenska Kören, dem Schwedischen Chor so manches Weihnachtskonzert gesungen. Und während ich heute beim Lucialied noch ein bisschen an Münchner Zeiten dachte und gute Freunde, die im fernen Süden leben, ging rumsbums! das Licht an, ein Teil des Publikums stand schon und alles steuerte auf die Ausgänge und die Autos zu. Das ging mir ein bisschen plötzlich.

Wintersonnenwende

Sonnenaufgang heute: 09:41, Sonnenuntergang: 13:25. Heute ist Wintersonnenwende und damit der kürzeste Tag des Jahres. Ab morgen werden die Tage wieder länger!

Die letzte Zeit wirkte es besonders dunkel, weil wir seit über einer Woche eine geschlossene Wolkendecke hatten, aus der es dann auch noch munter herausregnete. Vorgestern und gestern sind aber die Temperaturen wieder ganz leicht unter Null gesunken und ein paar Zentimeter neuer Schnee lassen alles ein bisschen heller und freundlicher wirken. Und eben habe ich tatsächlich einen Stern gesehen, also gibt es heute Chancen, mal ein bisschen blauen Himmel und vielleicht sogar die Sonne zu sehen.

Aber momentan habe ich ohnehin das erste Mal seit meiner Ankunft in Schweden ein Projekt, was mich derart in Beschlag nimmt, auch die Abende und das letzte Wochenende, dass ich ehrlich gesagt vom Wetter so viel gar nicht mitbekomme. Und die meiste Zeit ist es ja dunkel.

Jetzt fahre ich ins Büro: Zwei Tage Endspurt bis zum viel zu kurzen Weihnachtswochenende. (Leider bin ich immer genau in den Jahren angestellt, in denen die Feiertage auf das Wochenende fallen.)

Der kürzeste Tag

Der kürzeste Tag (3¾ Stunden) folgt auf die längste Nacht (20¼ Stunden). Dennoch konnte man auch heute morgen um halb acht erahnen, dass der Himmel nicht schwarz, sondern blau ist.

Und tatsächlich, wie schon erahnt, kam heute die Sonne heraus. Und ohne die Wolken fiel die Temperatur während des Tages prompt auf -10 °C.

Nun werden die Tage wieder länger, wenn auch das Wetter immer noch nicht richtig winterlich: Morgen soll es regnen und für den zweiten Feiertag sind sich die Wetterdienste einig, dass es dort plus sechs Grad haben soll.


Zum kleinen Vergleich zwei Artikel vom letzten Jahr: Der letzte „Herbsttag“ und Der „erste“ Wintertag.

Grandioses Polarlicht

In der Webcam auf uk.jokkmokk.jp war es schon zu sehen, dann später auch in Gällivare. Das war bis jetzt mit das schönste Nordlicht, was ich je gesehen habe. Die Bilder sind im Vergleich zur Wirklichkeit miserabel. Weder sieht man die feinen Farbverläufe ins Gelbe und Rosafarbene, noch die Dynamik und Bewegung. Außerdem zeigt auch mein Weitwinkel nur einen kleinen Ausschnitt des Himmels.

Kiruna – Licht und Schatten

Nach dem die TEDxKiruna vorbei war und ich sicher wieder auf der Erde gelandet war, brauchte ich erst einmal Bewegung. Ich bin in Richtung Stadt gelaufen, habe wie wohl alle Touristen die alte Holzkirche fotografiert und im Zentrum wie wohl alle Touristen auch das Backsteinrathaus mit seinem markanten Turm fotografiert. Auch wenn ich das Stadtbild von Kiruna nicht gerade schön finde, so sah das in der untergehenden Sonne doch hübsch aus.

Eigentlich wollte ich früh ins Bett gehen, aber bei schönem Polarlicht macht man dann doch gerne eine Ausnahme. Und es hat sich gelohnt, auch wenn die Fotos dieses Erlebnis wie immer nur unzulänglich wiedergeben.


Heute, am Tag danach, bin ich nicht aus dem Bett gekommen. Teils, weil ich doch ein bisschen erkältet bin, teils, weil draußen alles grau war, wenn es zum Glück auch nicht geregnet hat. Irgendwann habe ich mich dann aber doch aufgerafft und bin durch die Stadt gebummelt.

Vielleicht ist Kiruna als Bergbaustadt zu neu, um Entstehungslegenden zu haben. Hier ist meine:

Ein einjähriges Kind hat auf hügeligem Gelände einen großen Sack mit Häusern aller Art ausgeschüttet. Sein dreijähriger Bruder hat dann alle Häuser an Ort und Stelle hingestellt. Dann kam die Kommune und hat die Zwischenräume mit Straßennamen bedacht.

Mir erscheint die ganze Stadt als sinnloses Chaos von verschiedenen Häusern, die sich gegenseitig im Wege stehen zu scheinen und nur dann zusammenpassen, wenn sie sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der modernen Architektur, den Quader reduziert haben. Farbe versucht vergeblich, dem ganzen ein bisschen Alltagsästhetik überzustülpen und die wenigen roten Klischee-Holzhäuser wirken deplaziert und verloren.

Auf der anderen Seite: Das Stadtzentrum Kirunas wird ohnehin bald fünf Kilometer nach Osten verlegt werden, da die Schächte und Stollen, die bei der Eisenerzförderung entstehen, sich dem alten Zentrum immer weiter nähern und die Gefahr von Einbrüchen zu hoch wird. Das muss ein seltsames Gefühl sein, in einer Stadt zu wohnen, die umzieht. Die Bahnlinie wird jetzt schon verlegt.

Ihr merkt, wenn das Wetter doof ist und ich erkältet, dann kommen Städte wie beispielsweise Kiruna nicht sonderlich gut weg bei mir. Was ich hier allerdings verlockend finde, sind die vielen Wegweiser: Nikkaluokta, das am Kebnekaise, dem höchsten Berg Schwedens liegt, ist nicht mehr weit. Abisko, Ausgangspunkt für viele Streckenwanderungen, zum Beispiel auf dem Kungsleden, ebenfalls nicht. Und auch die norwegische Hafenstadt Narvik ist keine 200 Kilometer mehr entfernt.

Und man muss nur ein paar Kilometer aus der Stadt herausfahren und schon hat man den Blick auf weite schneebedeckte Moorflächen und weiße Bergrücken, die zu langen Skitouren einladen. Da die Wettervorhersage aber eher mäßig ist, werde ich vermutlich morgen wieder nach Hause fahren. Denn da ist es auch schön!

P.S.: Ich finde die meisten Städte in Nordskandinavien nicht wirklich schön. Die einzige Ausnahme ist Tromsø, welches mir extrem gut gefällt. Bevor ich nach Skellefteå kam, war ich drauf und dran, mich auf einen Job in Tromsø zu bewerben. Doch während ich noch das Anschreiben formulierte, habe ich den Plan verworfen, denn mein Bauch meinte, dass zwei Monate Polarnacht jedes Jahr vielleicht doch ein bisschen zu lange sind.

Sommeranfang

Für die Meteorologen ist heute Sommeranfang. Zum einen rechnen sie lieber in ganzen Monaten, zum anderen passt das besser zum Wetter. Zumindest in Mitteleuropa. Denn hier war es die Woche zwar trocken, aber ziemlich kalt. (In Lycksele – 300 Kilometer landeinwärts – hat es gestern geschneit, aber das lassen wir mal außen vor.)

Woran man aber merkt, dass der Sommer naht, ist das Licht. Das herrliche Licht, welches am späten Abend über Wald und See liegt. Und so habe ich, nachdem ich von einem Barbecue mit vielen netten Menschen aus Uganda, Schweden, Zimbabwe, Spanien, Südafrika und England wieder zu Hause war, noch einen kleinen Ausflug zum nahen See Snesviken gemacht und versucht, das Licht einzufangen. Wie immer gilt: In Natura ist’s schöner!

Drei Abendbilder

Heute – äh inzwischen gestern Abend bin ich mit dem Auto nach Holmsund, dem Hafen vor Umeå, gefahren, um dort eine gute Freundin abzuholen, die dort abends um halb zwölf mit der Fähre aus Finnland ankam.

Jetzt ist es Nacht und kurz vor halb drei, es ist schon wieder taghell und weil ich müde bin und morgen nicht ausschlafen kann, beende ich den Text hier und zeige nur drei Fotos, die heute – äh gestern entstanden sind. Ohne große Kommentare.

Midsommarafton

Und dann war er da – Midsommarafton, der Tag, an dem alle Schweden das Mittsommerfest feiern. Als ich nach dem Frühstück auf der sonnenbeschienenen Terrasse stand, habe ich einen Vogel singen hören, sonst war alles still. Denn fast die gesamte Straße ist verreist und verbringt das Fest mit Freunden auf ihren Sommersitzen. Und genau das habe ich auch vor.

Wie letztes Jahr habe ich wieder mit Annica und Martin gefeiert, dieses Mal bei Freunden von ihnen. Wir haben uns um elf bei deren Sommerstuga in Boviken getroffen und sind kurze Zeit später mit dem Motorboot in den Kågefjärden zur Insel Bastuholmen gefahren. Dort lagen am Anleger schon einige andere Boote und die Midsommarstång, eine nordische Verwandte des Maibaums, war auch schon aufgestellt und mit Laub geschmückt.

Bastuholmen – was für eine schöne Insel! Unter den hohen Kiefern leuchten grün die Blaubeerblätter und kleine Trampelpfade führen an großen Granitblöcken durch den Wald, der immer wieder Blick auf die blaue Ostseebucht freigibt.

Zum Mittsommer gehört zuerst das Mittsommeressen, das wir an einer langen Tafel einnehmen. Es besteht aus neuen gekochten Kartoffeln, hartgekochten Eiern, Knäckebrot, gesalzener Butter und vielen Arten Sill – eingelegtem Hering, den man in den Geschmacksrichtungen Dill, Zwiebel, Senf oder „Mittsommer“ kaufen kann. Dazu gehört ein Aquavit, den man nie für sich alleine trinkt, sondern immer dann, wenn ein Toast ausgebracht oder ein Trinklied gesungen wird. Zum Nachtisch gibt es Erdbeeren, die man zu dieser Zeit überall literweise kaufen kann.

Ein wenig später gehen alle zur Mittsommarstång, bilden Kreise und tanzen singend um diese herum. Es gibt eine Reihe von diesen Liedern, die jeder kennt und keiner ist sich zu schade, die Hände an die Ohren zu legen, mit den Fingern zu wackeln und das Lied von den kleinen Fröschen zu singen:

|: Små grodorna, små grodorna är lustiga att se. :|
|: Ej öron, ej öron, ej svansar hava de! :|
|: Ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-ack-ack-a. :|

|: Die kleinen Frösche, die kleinen Frösche sind lustig anzusehen :|
|: Keine Ohren, keine Ohren, keine Schwänze haben sie :|
|: Ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-ack-ack-a. :|

Während es sich die meisten Erwachsenen an den vielen schönen Plätzen gemütlich gemacht haben, interessierten sich die Kinder mehr für „Godisregnet“ – den Bonbonregen.

Nach einiger Zeit sind wir mit dem Boot zurückgefahren und haben bis tief in die Nacht zusammengesessen, gespielt, geredet, gegrillt, gegessen und Rotwein getrunken. Wobei – was heißt schon Nacht. Die folgenden zwei Bilder habe ich um zwanzig vor elf und um zwanzig vor eins gemacht:

Nach den letzten Fotos wurde es wieder heller, aber ich habe schon bald das Bett angesteuert und auch die anderen Gäste verschwanden nach und nach im Haus, der kleinen Hütte, ihrem Boot oder dem großen Wohnmobil. Was für ein herrliches Mittsommerfest. Mittsommer feiert man nicht alleine und mein Dank geht an die Freunde, Freundesfreunde, Freundesfreundfreunde, Freundesfreundfreundesschwestern und überhaupt allen, die da waren. Es war schön mit Euch!

(Und auch, wenn ihr das nicht lest, die Gegeneinladung im Herbst steht. Dann zwar drinnen, aber mit Klaviermusik)

Drei Länder in 14 Tagen oder eine neue Anreisevariante nach Skelleftehamn

Ein Gastbeitrag von Christina Tüschen.

Ein Anruf im Januar 2012: Olaf, ich bin im Juni in Tallinn, da könnte ich doch mal eben … vorbeikommen.
Kein Problem.

In Tallinn verbringe ich 5 wunderbare Tage mit meinem Chor, dann fahre ich mit der Fähre zu einer 2-Tages-Besichtigung nach Helsinki. Von dort geht es weiter mit dem Zug nach Tampere, wo ich eine finnische Freundin nach 10 Jahren wiedersehe und das Muminmuseum besuche. Dann wieder mit dem Zug nach Vaasa, wo ich schließlich die Fähre nach Schweden besteige. Trotz Vorwarnung meine ich mit dem schweren Rucksack die Strecke zwischen Bahnhof und Fährhafen zu Fuß zurücklegen zu müssen.

Nach 14 Stunden (reiner Reisezeit von Tallinn gerechnet) und einer Zeitumstellung komme ich mitten in der Nacht in Umeå an. Aber was heißt mitten in der Nacht. Es ist noch so hell, dass man „auf der Straße Zeitung lesen kann“ (Ein Zitat meiner Großmutter, die Ende der 60er Jahre hier im Norden war). Und diese Helligkeit führt dazu, dass ich, die ich sonst gegen zehn Uhr müde werde, locker bis 3 Uhr nachts wach bleibe.

Die zwei Tage Creative Summit sind intensiv, interessant und „givande“, ich nehme viel mit, danke dafür! Besonders in Erinnerung geblieben ist mir (wie Olaf) Jonathan Harris. Sein Vortrag und die Ausstellung haben den Schubs gegeben, begonnene eigene Projekte fortzuführen.
Toll ist es auch Olafs Freunde und Arbeitskollegen kennen zu lernen, auf dem Dach von 10 Merchant Street die Sonne untergehen zu sehen und wieder richtig in die schwedische Sprache einzutauchen.

Drei wunderschöne Ferientage folgen, das sonnige Wetter hält sich – wie auf Bestellung. Für mich verlängert sich bei dieser Reise der Frühling, prima zu sehen am Flieder, der in München schon am Verblühen war, in Helsinki in voller Blüte stand und in Olafs Garten gerade erst loslegte.

Da ich zuletzt vor anderthalb Jahren hier war, habe ich den direkten Vergleich zur Midvinter-Zeit, mit viel Schnee, Eis und Dunkelheit. Da wo wir jetzt baden, haben wir damals unsere Winterwanderung auf der zugefrorenen Ostsee begonnen und ich habe ein Bild zu dem Begriff Packeis bekommen. Wo wir jetzt Bockkäfern bei der Eiablage zusehen, haben wir auf dem zugefrorenen See Kubb gespielt. Und um 14 Uhr, wo wir uns jetzt den ersten Sonnenbrand holen, ging im Winter schon die Sonne unter.

Verrückt und schön diese Gegensätze.
Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Besuch, mal eben, egal zu welcher Jahreszeit.

Und sonst: Wecken mit Klaviermusik – ein Musikhörnachmittag, fast wie ein Mixtape aus früheren Zeiten – Baden bei 15 Grad und etwas weniger – zur Beatles-Coverband auf den Felsen rocken – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – zwischen großen Steinen ein Kajak rückwärts ausparken – Flugübungen mit dem Kleinen Gelben Monster – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – Marienkäfer-Umsiedelung auf Blattlausrosen – Enten mit Punkfrisur heißen Gänsesäger (ja, Reisen bildet).

Mond · Fern · Polar

Was haben die drei Worte Mond, Fern und Polar gemeinsam? Man kann -licht an sie dranhängen.

Heute ging mein zehntägiger Urlaub in Solberget und Narvik zu Ende. Doch dazu die nächsten Tage mehr.

Mondlicht hatte ich heute bei der fast neunstündigen Rückfahrt im Zug, als es irgendwo so bei Gällivare langsam dunkel wurde.

Fernlicht habe ich gebraucht, um mit dem Auto von Bastuträsk nach Hause zu fahren, denn als ich gegen halb zwölf ankam, war der Himmel bis auf das Mondlicht stockfinster. Die Zeit der hellen Nächte liegt viele Wochen zurück.

Polarlicht überzog den halben Himmel und strahlte mit dem Mond um die Wette. Ersteres grünlich, der Mond warmgelb.

Davon ließen sich die Nebelschwaden inspirieren, sie waberten um mein Auto herum. Zum Schluss trug der Nebel es allerdings etwas zu dick auf und verwandelte größere Teile der Stecke in eine dicke Suppe. Das führte dazu, dass ich unfreiwillig einen anderen Rückweg genommen habe als geplant. Aber schlechter war der auch nicht. Ab und zu lichtete sich der Nebel und gab den Blick wieder auf die Polarlichter frei, so zum Schluss auch an dem kleinen Bootshafen in Skelleftehamn, an dem ich manchmal mein Kajak einsetze.

Das ist übrigens das zweite Polarlicht diese Saison. Das erste habe ich vor einer Woche auf Solberget gesehen. Doch dazu – wie schon gesagt – die nächsten Tage mehr, denn jetzt ist es zwei Uhr nachts, ich bin müde von der langen Rückreise und morgen muss ich direkt wieder arbeiten. Im Laufe der Woche könnt Ihr hier neue Blogartikel lesen. Über ein zehnjähriges Jubiläum, eine sehr nasse Wanderung und über die norwegische Landschaft. Und vielleicht gibt es auch noch ein Polarlichtfoto.

Farbbad

Wikipedia bringt das Wort „Farbbad“ mit Batik und Pelzreinigung in Verbindung. Für mich hingegen ist Farbbad so ein Herbsttag wie heute.

Nach mehreren trüben und warmen Tagen, an denen aus einer öden Hochnebeldecke Nieselregen schwebte, klarte es heute vormittag auf. Da ich heute zu Hause gearbeitet habe, bin ich wie meistens zum Mittagessen zu „Din Fest“ gelaufen. Mit dem Weg habe ich mir aber Zeit gelassen, denn der blaue Himmel, die warmgelben Birken und das tiefblaue Wasser waren einfach wunderbar und ich spürte, wie sich mein ganzer Körper mit Licht und Farbe auftankt. Und das kann er für den langen Winter auch gut brauchen.

Wie gut, dass ich gestern Abend vorgearbeitet habe und heute sehr früh begonnen. So hatte ich kein schlechtes Gewissen, den Nachmittag frei zu nehmen und ein bisschen in der Natur unterwegs zu sein. Ich bin zum Bureberget gefahren und wollte noch einmal den Weg nehmen, den ich im Mai mit meinem Bruder gelaufen bin und der damals völlig überflutet war. Ich dachte, dass ich jetzt einen schön trockenen Weg vor mir habe, aber Pustekuchen! Das Wasser schien fast noch tiefer zu sein. Ich bin dann durch den dichten Wald nordwärts abgebogen. Bald lichtete sich der Wald, denn hier gibt es große, blanke Granitfelsflächen, die immer wieder von kleinen Waldstücken unterbrochen werden.

Immer wieder öffnete sich der Blick nach Norden auf die drei Windräder beim Städtchen Bureå, auf Skelleftehamn, die Ostsee mit ihren Inseln und auf Wald, Wald, Wald. Im Westen konnte man weit am Horizont die ersten flacheren Berge erahnen.

Nach einiger Zeit hatte ich mich an der Ferne sattgesehen und habe mich der Nähe zugewendet. Auch hier – Farben. Vor allem das tiefe Glutrot einiger Heidelbeersträucher ist fast nicht zu glauben. Das letzte Foto ist fast ein Zufallstreffer. Ich habe das Motiv gesehen, die Kamera direkt auf den Fels gestellt und Knips gemacht. Das Motiv war nur halb drauf also noch einmal Knips! Und das war das Foto.

Weniger Glück hatte ich bei dem Birkhuhn; da war ich viel zu langsam mit dem Fotografieren.

Und sonst:+++ Letzte Woche hatte ich Besuch von deutschen Internetbekannten, die aber in ihrem großen Wohnwagen geschlafen haben +++ Ich arbeite an einer neuen Webseite für „Dark & Cold“, unseren Verein, der unter anderem die Winterschwimmmeisterschaft in Skellefteå ausrichtet +++ Am Sonntag hat ein Freund bei mir übernachtet, der von Kiruna nach Hamburg unterwegs war +++ Ich organisiere meine Zeit in Deutschland, dort spiele ich zwischen dem 25.10. und dem 10.11. acht Jazzkonzerte, doch dazu später mehr.