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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Drinnen und draußen

Drinnen: Ein Betrüger hat es geschafft, an einem Tag über 26000 Kronen von meinem Konto abzuräumen. Er ist wohl irgendwie an die Daten meiner neuen Visakarte gelangt. Also war ich heute bei der Bank und habe sie über den Vorfall informiert. Dann habe ich bei der Polizei Anzeige erstattet. Jetzt kann ich kaum etwas tun, als einige Wochen zu warten, während SwedBank und Visa überprüfen, was passiert ist, um mir dann hoffentlich das Geld restlos zurück zu erstatten. Grummel!

Nachtrag: Ein Kollege hat mir einen Link zu einem Artikel von Norran geschickt, nach dem mindestens zwei weitere Personen betroffen sind.

Draußen: Heute hatte ich es gut, denn Kollegen haben mich im Auto von der Stadt nach Skelleftehamn mitgenommen. Da der Winter Schweden fest im Griff hat, ist das Auto fahren nicht so einfach. Auf dem Neuschnee driftet man in den Kurven auch mit Spikes leicht aus der Spur und ist man dann auf der Bundesstraße, so wirbelt jeder Lastwagen Schneestaub (snörök) viele Meter weit auf, so dass man zeitweise gar nichts sieht. Aber über den Neuschnee schreibe ich am Wochenende mal weiter unten.

Drinnen: Nun ist es raus: Ich arbeite nicht mehr bei Artopod, sondern bei Hello Future. Mit den gleichen Leuten, aber einem erweiterten Background, da Internet heute mehr ist als Webseiten. Das sieht beruflich für mich nach einer sehr spannenden Zeit aus.

Draußen: Heute Abend bin ich mit dem Fahrrad zum ICA gefahren. Das Problem war nicht der Wind oder die -8 °C Kälte oder der Schneefall, sondern der Straßenuntergrund. Teilweise lässt sich gut fahren, doch zum Teil schlingert man wie in Sand oder die Räder drehen ganz durch. Gleichzeitig will das Licht nicht mehr richtig, die Gänge gehen nur noch teilweise rein und das Schloss ist auch eingefroren. Wenn das Wetter so bleibt, kaufe ich mir im Dezember eine Monatskarte für den Bus, den bei diesem Tempo bräuchte ich in die Stadt und wieder zurück wohl vier, fünf Stunden.

Draußen: Der Dramatik wegen sollte ich jetzt schreiben: „Draußen tobt ein Schneesturm!“. Zumindest nimmt der Wind immer weiter zu, heult ums Haus, weht meine Fenster und meine Eingangstreppe zu und beim Schnee kann man gar nicht mehr bestimmen, was von oben kommt und was vom Wind aufgewirbelt wird. Alle Schneeräumarbeiten sind fast überflüssig, die freigeschaufelten Wege sind eh wieder nach kürzester Zeit zugeweht.

Schon die letzten Tage ist einiges an Schnee heruntergekommen. Waren es am Montag vielleicht 10 cm hier an der Küste, so haben wir jetzt gut 30 cm. Bei den Verwehungen lässt sich die Höhe aber nicht mehr bestimmen, denn an manchen offenen Stellen liegen der Schnee gerade knöcheltief, während man zwei Schritte weiter in einer hüfttiefen Schneewehe steckt.

Aber von mir aus soll noch ordentlich was herunterkommen, denn am Wochenende will ich hier Skilaufen!

Von der Autofahrt und den Tücken einer geschlossenen Schneedecke handelt dieses kleine LowFi-Video.

Gehäuftes Auftreten von Schnee

Höchsttemperatur heute: -14.4 °C, Tiefsttemperatur -21.5 °C. Damit einmal wieder wesentlich kälter als prophezeit. Etwa 80-90 cm Schnee.

Heute habe ich nur einen halben Tag gearbeitet und von zu Hause aus gearbeitet. Das herrliche Wetter verführte zu sehr, sich einmal wieder auf das Fahrrad zu setzen und eine kleine Runde zu drehen. Der Schnee auf der Straße ist fest, es ist zwar kalt, aber windstill und ich freue mich über die Sonne und den knallblauen Himmel. Wenn kaum Schnee auf der Straße ist, dann muss er woanders sein. Und das ist er: In großen Haufen haben die Räumfahrzeuge ihn an jeder freien Ecke und auf jedem freien Platz aufgetürmt; an manchen Stellen sind die Schneehaufen über drei Meter hoch.

Ich habe es hier übrigens noch nie erlebt, dass der Bus mal mehr als zwei, drei Minuten zu spät kam. Selbst bei tagelangen Dauerschneefall sind alle größeren Straßen immer gut geräumt. Jetzt, drei Tage nach dem letzten Schnee, sind nicht nur die kleineren Straßen, sondern auch die Rad- und Fußwege geräumt und das Radfahren macht richtig Spaß. Was mich allerdings ein bisschen wundert, dass doch einige Autos bis zur Unkenntlichkeit zugeschneit sind. In dem rechten Foto sind beispielsweise vier Autos zu sehen – soweit man von sehen reden kann. Sind das alles Zweitwagen oder haben einige im Winter einfach keine Lust zum Autofahren? Ich weiß es nicht.

Und sonst?

  • Am Montag habe ich meinen Outdoorpool mal alleine genutzt. Das werde ich auch gleich noch mal machen, aber mit Mütze, denn es sind -18 °C.
  • Mein Schwedischunterricht hat wieder angefangen. Schwerpunkt: Aussprache. Drei Mal habe ich noch.
  • Gestern habe ich Vertretung beim Badminton gespielt. Hat riesigen Spaß gemacht, auch wenn wir alle Spiele verloren haben.
  • Der Vollmond gestern war phantastisch. Auf allen Bäume ist Rauhreif, der im Mondlicht silbrig-golden glänzt. Leider keine Fotos.

Skellefteå Bird Race

Heute hatte ich die Gelegenheit, bei dem alljährlich im Januar stattfindenden Vogelbeobach­tungs­wettbewerb dabei zu sein. Die Regeln sind einfach: Von 8:00 bis 15:00 versucht man so viele Arten wie möglich in der Kommune Skellefteå zu sichten. Acht Zweierteams sind heute angetreten und ich durfte bei Patrick und Joakim im Auto mitfahren.

Gulsparv – Goldammer

Ich fand es interessant, dass die beiden spezielle Stellen kannten, wo eine besondere Vogelart, zum Beispiel turkduva oder stenknäck vorkommt. Sehr schade, dass wir den kungsörn, den Steinadler nicht zu Gesicht bekamen.

Nach ausgiebigen Fahrten zu Vorgärten und Futterstellen in der Stadt sind wir erst ein kleines Stück nordwärts gefahren und dann in den Südwestzipfel der Kommune. 245 Kilometer haben wir an dem Tag im Auto zurückgelegt. (Und etwa 200 Meter zu Fuß im Tiefschnee.)

Interessant – wenn auch nicht verwunderlich – war, dass Arten wie Amsel oder Buchfink, die in Deutschland sehr häufig sind, hier lange gesucht werden müssen und auch nicht von jedem Team gesichtet wurden. Umgekehrt gilt es aber auch: Wer hat denn in Deutschland schon mal einen Seidenschwanz gesehen?

Wir haben in der Zeit 33 verschiedene Arten gesichtet. Da dieses Jahr wegen der früh vereisten Ostsee keine Seevögel zu beobachten waren und zudem an jedem Wegrand meterhoch Schnee lag, haben wir damit wohl recht gute Gewinnaussichten.

Abends um halb sieben haben wir uns erst zum Essen getroffen (Gilt Curryhühnchen eigentlich als eigenständige Vogelart?) und dann wurde in eine Tabelle systematisch eingetragen, welches Team welchen Vogel gesehen hat und Fundstellen ausgetauscht. Knapp war es, aber wir haben tatsächlich gewonnen. Ich schreibe hier nur deshalb „wir“, da ich mit im Auto saß, denn beitragen konnte ich zu dem Ergebnis nicht.

Ein schöner, interessanter und spannender Tag, bei dem ich wieder neue Schwedischvokabeln gelernt habe. Schade, dass man Worte wie „Wasseramsel“ im Alltag nicht so oft braucht.

Für die, die es interessiert (mj, liest Du mit?), diese Vögel haben wir im Team heute gesichtet:

schwedisch deutsch
Gräsand Stockente
Duvhök Habicht
Sparvhök Sperber
Järpe Haselhuhn
Tamduva Straßentaube
Turkduva Türkentaube
Gråspett Grauspecht
Större hackspett Buntspecht
Sidensvans Seidenschwanz
Strömstare Wasseramsel
Koltrast Amsel
Björktrast Wacholderdrossel
Talltita Weidenmeise
Svartmes Tannenmeise
Blåmes Blaumeise
Talgoxe Kohlmeise
Nötskrika Eichelhäher
Skata Elster
Nötkråka Tannenhäher
Kaja Dohle
Kråka Aaskrähe
Korp Kolkrabe
Gråsparv Haussperling (Spatz)
Pilfink Feldsperling
Bofink Buchfink
Grönfink Grünling (Grünfink)
Gråsiska Birkenzeisig
Mindre körsnäbb Fichtenkreuzschnabel
Domherre Gimpel (Dompfaff)
Gulsparv Goldammer
Nötväcka Kleiber
Stenknäck Kernbeißer
Sångsvan Singschwan

Nachtrag (27.01.):

Und das sind die sieben Vogelarten, die von anderen Teams gesichtet wurden:

Mindre hackspett Kleinspecht
Orre Birkhuhn
Spillkråka Schwarzspecht
Tofsmes Haubenmeise
Tretåig hackspett Dreizehenspecht
Trädkrypare Waldbaumläufer
Varfågel Nördlicher Raubwürger

Mobilität

Leider ist die Bahnstrecke von Skelleftehamn—Skellefteå—Bastuträsk schon vor vielen Jahren stillgelegt worden. Eine Wiederinbetriebnahme ist nicht in Sicht. Vielleicht wird irgendwann tatsächlich mal die Norrbotniabanan gebaut, die dann Skellefteå mit Umeå und Luleå verbinden würde, aber das kann viele, viele Jahre dauern, bis diese Strecke geplant, genehmigt, gebaut und in Betrieb genommen ist.

Von Skellefteå fahren Busse in viele Richtungen, unter anderem durchgehend nach Bodø in Norwegen, aber viele Orte sind nur mit mehrmaligem Umsteigen zu erreichen und die Fahrtzeit beträgt so viele Stunden. Viele andere Stellen kann man ohne Auto überhaupt nicht erreichen.

Wann man also an einem normalen Wochenende mehr von Schweden sehen möchte, dann bietet es sich an, mit dem Auto zu fahren. Dazu braucht man (a) ein Auto und man muss (b) fahren können.

Ich habe meinen Führerschein vor über zwanzig Jahren gemacht und seitdem habe ich nicht mehr hinter dem Lenkrad gesessen. Auch so etwas gibt‘s! Während ich aber in den deutschen Großstädten ein Auto nie vermisst habe, wünsche ich es mir hier in Nordschweden doch schon sehr. Also habe ich beschlossen, wieder mit dem Autofahren anzufangen. Und weil das so lange bei mir her ist, habe ich mich bei einer Fahrschule angemeldet.

Und heute hatte ich meine erste Fahrstunde. Ich bin positiv überrascht, dass ich mich doch an so manches noch erinnere, obwohl ich ja nie eine wirkliche Routine im Autofahren entwickelt habe. Ich habe eine hervorragende Lehrerin erwischt, die mich immer wieder wiederholen und üben lässt und gute Bilder hat. Ich freue mich auf die Fahrstunde Nummer zwei am Montag und bin gespannt, wann ich mich so sicher fühle, dass ich mir ein eigenes Auto kaufe und mehr von Nordschweden erfahren kann. Und mit dem fünften Gang klappt nächste Stunde bestimmt auch besser …

Nach Finnland · Teil 3: letzte Winterschwimmwettkämpfe

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

Der nächste Morgen war kalt. Am Flugplatz wurden -29 °C gemessen und bei meinem kleinen Morgenspaziergang fühlte es sich in der Stadt auch nicht wärmer an und ich war über meinen Parka froh. Ich bin ein paar Meter am Fluss Pielisjoki entlanggelaufen, habe unter der Brücke die netten Streetart-Holzobjekte gefunden und bin dann mehr zufällig auf einem Platz mit Schnee- und Eisskulpturen gelandet. Dann bin ich zum Packen ins Hotel zurückgekehrt.

Wir haben dann in einem Hotel gefrühstückt, aber es war sehr schwer, in diesem riesigen, von Treppen, Türen, Korridoren und Fahrstühlen durchzogenen Komplex den Frühstücksraum zu finden und wir waren nicht die einzigen, die sich verlaufen haben. So sind wir ein bisschen verspätet zu den letzten Wettkämpfen gekommen.

Dieses Mal war die Wettkampf Staffelschwimmen (heißt das so?) mit vier Teilnehmern pro Team. Das Wasser hat vor Kälte gedampft und sehr gemütlich sah das ganze nicht aus. Plötzlich (man versteht ja nichts von den finnischen Ansagen) zogen die warnwestenbekleideten Helfer die Schnüre heraus, die die Bahnen trennen, die Taucher verschwinden, das Publikum ist wie vom Erdboden verschluckt und wir stehen halb alleine da. Der Wettbewerb war vorbei. Das ging aber schnell … vielleicht der Kälte wegen. Wir sind aber nicht böse, denn vor uns liegen 800 Kilometer Fahrt durch halb Finnland und ein Stück Schweden und so kommen wir schon eine Stunde eher als geplant los. Um halb elf bin ich zu Hause und froh, mich wieder bewegen zu können, denn für fünf Personen war der kleine Mitsubishi ganz schön eng auf der langen Fahrt.

(Die ganze Zeit war der Himmel blau und wo fängt es an zu schneien? Richtig, kurz vor Skellefteå. Auf meinem Grundstück lag dann auch 10 cm fluffiger Neuschnee auf dem Weg.)

Noch einige Impressionen vom zweiten Wettkampftag der finnischen Meisterschaft im Winter­schwimmen. Ohne große Bearbeitung und Reihenfolge.

Auto-mo-Bil

Dieses Bild ist für mich etwas ganz Besonderes.

Ich rede nicht davon, dass es gerade eben wieder geschneit hat. Das soll diesen Winter hier schon vorgekommen sein. Auch nicht davon, dass die gesamte Einfahrt von Schnee befreit ist. Mein Nachbar von Gegenüber hatte mir Hilfe angeboten und ein Bekannter von ihm hat heute mit einem Traktor den immer noch hohen und inzwischen hart gefrorenen Schnee geräumt.

Nein, ich rede von – Tusch bitte – diesem Auto. Das habe ich heute gekauft. Und nach Hause gefahren.

Nicht jeder weiß, dass ich seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr Auto gefahren bin. Nun habe ich wieder Fahrstunden genommen und nach der sechsten Stunde meinte der Lehrer, ich solle mir ein Auto leihen und einfach fahren. Statt dessen habe ich heute selber eines gekauft, und zwar einen Saab 9-5 2.3t Kombi, zugelassen 2002.

Und so saß ich heute nach dem Kauf das erste Mal in meinem Leben alleine am Steuer und habe das Auto die sechseinhalb Kilometer nach Hause gefahren. Ich war ganz schön nervös, aber alles hat gut geklappt und so viel Verkehr ist hier ja auch nicht. Und zu Hause angekommen habe ich mich darüber gefreut, dass die Einfahrt so schön auf voller Breite schneegeräumt war.

Ich freue mich riesig, jetzt ein eigenes Auto zu haben. Nicht des Autos selbst wegen, sondern weil ich jetzt mehr von Schweden sehen und dabei Dinge wie zum Beispiel Pulka und Skier völlig problemlos transportieren kann. Oder ein Kayak auf dem Dach …

Das alte Wort Automobil haben übrigens nicht nur die Deutschen gekürzt. Nur heißt das Gefährt hier nicht Auto, sondern bil.

Auto-mo-Bil II

Kurzer Nachtrag: Heute bin ich eine kleine Runde nach dem Abendessen gefahren, und – was soll ich sagen. Macht das Autofahren Spaß! Natürlich kam just an der engsten Stelle ein anderes Auto entgegen, aber auch das ging gut.

Ohne das Auto hätte ich verpasst, wie der von der Sonne golden beleuchtete Schnee vom lebhaften Wind über das Eis getrieben wurde. Das sah schön aus.

Morgen muss ich tanken.

Autowandern

Dieses Wochenende bin ich mit meinem neuen Auto kreuz und quer durch die Gegend gefahren. 311,5 Kilometer oder (klingt schwedischer) „so etwa 30 Meilen“. Das Wetter war herrlich: Blauer Himmel und vor allem gestern überraschend warm. (Ich finde knapp 10 Grad und Sonnenschein überraschend warm). Deshalb habe ich gestern Nachmittag einen Teil meiner Holzterrasse vom Schnee befreit und konnte tatsächlich im T-Shirt draußen sitzen. Das fühlte sich schon so sehr nach Sommer an, dass ich ein Foto – sagen wir ein wenig manipuliert habe, um meinem Der-Sommer-kommt-bald-Gefühl Ausdruck zu verleihen.

Aber wieder zurück zum Autowandern. Ich weiß nicht, ob irgendjemand von Euch dieses Wort in seinem aktiven Wortschatz hat. Hatte ich auch nicht. Aber ich fand, es trifft meine beiden Ausflüge ganz gut. Ich wusste gestern nur, dass ich in Richtung Kåge und heute, dass ich in Richtung Bureå aufbrechen wollte. Der Rest hat sich einfach ergeben, meist in dem Sinne „Oh, dort sieht‘s nett aus.“. Mein Auto ist jetzt pottendreckig, denn ein Teil der Straßen und Wege sind unbefestigt, zur Zeit ziemlich weich und mit tiefen dreckwassergefüllten Pfützen bestückt. Auf den meisten kleinen Straßen war ich allein unterwegs und da ich nicht immer in die Karte geschaut habe, war es immer spannend, ob man den Schotterweg nach einer Meile wieder zurückfahren muss oder nicht. Aber meistens geht es irgendwie weiter und wenn man dann plötzlich ein Vorfahrtschild und eine Asphaltstraße sieht, dann weiß man, dass man nicht umkehren muss.

Ich habe keine Ahnung, ob es damit zusammenhängt, dass ich Fahranfänger bin oder nicht, aber ich finde manche Geschwindigkeitsbegrenzungen nun ja … optimistisch. Gerne taucht das Tempo-70-Schild mit Warnung vor Bodenwellen und Warnung vor kurvenreicher Strecke auf, auf denen ich höchstens 50 fahre. Aber ich weiß, es sind ja Höchstgeschwindigkeiten.

Fotografieren

Eigentlich wollte ich ganz viele und ganz tolle Fotos machen. Und was passiert: Der nahe Adler ist wieder Weg, eh ich das Tele auf der Kamera hatte und übrig bleiben zwei Postkartenmotive von der Kirchen in Kåge und der Friedhofskapelle in Bureå. Na toll.

Ich finde es wirklich nicht einfach, mit dem Auto zum Fotografieren unterwegs zu sein. Sicher, es gibt manches schöne Motiv am Straßenrand, aber das sieht man immer erst, wenn man schon halb vorbei ist. Und es ist nicht immer einfach, das Auto irgendwo zu parken. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass ich mich bei so manchem Motiv frage, ob ich dafür das Auto parken, die Autofahrschuhe gegen Stiefel wechseln und die Kamera nehmen soll, um ein Foto zu machen. Und so bin ich an den drei verbeulten Milchkannen genau so vorbei gefahren wie an dem knallroten Auto, von dem nur die rechte Hälfte zu sehen war, weil die linke komplett im Schnee streckte. Und bei dem Hochsitz war ich so faul, dass ich das Foto sitzend durch die Windschutzscheibe gemacht habe. Dekadent, oder? Für die beiden nächsten Fotos vom Bootshafen in Kåge bin ich aber ausgestiegen …

Ich stelle fest, dass dieses Dinge-an-der-Straße-knipsen mit dem Fahrrad leichter ist. Man sieht noch mehr, da man langsamer ist und man muss nicht aussteigen, um ein Foto zu machen. Auf der anderen Seite erweitert sich der Aktionsradius im Auto natürlich erheblich. Und man kann so viele Sachen dabei haben. Gummistiefel, kein Problem. Schneeschuhe, ab in den Kofferraum. Stativ, na klar!

Beim Fahren habe ich nach einer Alternative zum Auto überlegt. Auch wenn er im Winter Nachteile haben mag, wäre mein derzeitiger Favorit ein fliegender Teppich. Hat zufällig jemand einen zu verkaufen?

Ein Jahr Schweden

Heute vor einem Jahr bin ich in Schweden angekommen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich übermüdet von der langen Anreise mit Rucksack, großer Tasche und zwei Koffern hier ankam. Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter mir und ich bin ehrlich gesagt ganz froh, dass jetzt auch einfach mal ein bisschen Alltag einkehrt.

Dementsprechend habe ich den heutigen Tag – den ersten der vier freien Ostertage – weder gefeiert noch habe ich groß zurückgeschaut. Statt dessen habe ich einfach das schöne Wetter genossen und mit mir die gesamte Natur. Die Vögel haben getwittert, äh gezwitschert, die ersten Frösche waren draußen und die ersten wilden Blumen am Straßenrand blühen.

Nur mein Auto musste heute ein bisschen leiden. Gestern habe ich mit netter Nachbarshilfe Sommerreifen aufgezogen und heute bin ich ein bisschen gefahren. Dieser eine schöne Waldweg wurde allerdings immer schlechter und immer matschiger und nach einer Kurve sah er mehr aus wie ein Übungsgelände für Jeeps. Also musste ich rückwärts zurück. Um die Kurve. Mit Sommerreifen auf rutschigen Boden. Und prompt bin ich auch – so richtig schön Fahranfänger – ein bisschen vom Weg abgekommen und habe mich im weichen Straßenrand festgefahren. Na toll! Ich hatte aber (eigentlich eher für Schnee gedacht) vier schmale, alte Bretter dabei, die ich dann unter die Reifen gelegt habe. Und mit vielen Mal vorwärts und rückwärts rangieren, ungefähr zehn Mal den Motor abwürgen, durchdrehenden Reifen bei Motorgeheul und einigen Flüchen bin ich tatsächlich wieder auf den Weg gekommen und habe auch ganz schnell eine Stelle zum Wenden gefunden. War ich erleichtert! Es hat sich zwar beim Zurückfahren gezeigt, dass ich keine 100 Meter hätte laufen müssen, um Hilfe zu bekommen, aber ich war trotzdem sehr froh, das Auto alleine wieder frei bekommen zu haben. Heute gelernt: Sommerreifen haben ihre Grenzen und mein Auto ist kein Kettenfahrzeug.

Zum Schluss noch zwei kleine Winter-Frühjahrsvergleiche:

P.S.: Zum halbjährigen Jubiläum habe ich den hundertsten Beitrag geschrieben, heute zum einjährigen den zweihundertsten. Zufall oder deutsche Wertarbeit?

Fast ein Sommertag

Gestern war doof, aber ich bin ja auch selber schuld. Ich wollte „mal eben schnell“ ein Betriebssystemupdate machen. Dabei sollte ich wissen, dass es „mal eben schnell“ bei Computern nicht gibt. Ach bei Macs nicht. Jetzt läuft aber hoffentlich alles wieder (ja, ich meine Dich, windowserver!) und ich kann mal wieder etwas schreiben.

Heute morgen habe ich in meinem Wintergarten gefrühstückt. Selbst wenn draußen nur sieben Grad sind, ist es dort schon richtig warm. Immerhin geht die Sonne um zwanzig vor vier auf und hat Zeit, vorzuheizen. Zwei Spatzen haben sich wohl entschlossen, unter den Dachziegeln ein Nest zu bauen. Mir soll‘s recht sein, wenn sie danach die Wohnung besenrein übergeben. Hoffentlich lassen sie sich durch meine Anwesenheit nicht stören.

Nach dem Frühstück bin ich dann mit dem Auto sieben, acht Meilen nach Kusfors gefahren und habe Lasse besucht. Wir haben dann eine Rundtour in der dortigen Umgebung gemacht. Die erste Etappe war „Älgjägersfolkets Viste“, ein touristisch genutztes Gelände mit einigen sehr urigen Hütten und Koten sowie einer Schaukel, die nur aus Holz und Rentierleder zusammengesetzt ist.

Die nächste Etappe war das Naturreservat „Svansele Dammängar“. Lasse hat mir erklärt, dass es hier in der Region eine einmalige Art gibt, Heu auf Feuchtwiesen zu ernten, aber ich habe nicht alles verstanden. Mich erinnerten die Holzhütten ein bisschen ans Alpenvorland. Da sieht‘s ähnlich aus, bloß dass das Gras da bestimmt schon grüner ist.

Danach sind wir nach Gallejaur gefahren. Hier haben „drei alte Tanten“ gewohnt, die alle Gebäude im alten Stil bewahrt haben. Heute kann man sich das anschauen. Schön!

Zum Schluss waren wir noch an dem Anfangs- und Endpunkt der weltlängsten Seilbahn. Sie wurde bis in die achtziger Jahre benutzt, um Erz zu transportieren. Heute wird nur noch ein Teilstück betrieben, um Touristen herumzufahren. Die bekommen dann allerdings eine richtige Kabine und müssen nicht in den Erzkesseln hocken.

Alle diese touristischen Ziele haben eines gemeinsam: Wenn ich nächste Woche Besuch aus Deutschland bekomme, sind sie noch alle geschlossen. Wenn ich Mitte August wieder Besuch bekomme, sind sie schon wieder geschlossen.

Liebe Nordschweden: Ihr könnt vieles gut! Tourismus zählt aber mal überhaupt nicht dazu. Es gibt Länder, wo nicht alle Menschen gleichzeitig „semester“ – zu deutsch Urlaub – haben. Und diese Menschen kommen gerne auch im Mai und Juni, Ende August und sogar im September. Mit und ohne Kinder. Das heißt, sie kämen, wenn Ihr offen hättet. Und wenn ihr besser darin wärt, allen zu erzählen, wie schön es hier ist. Leider seid Ihr nämlich viel zu bescheiden, um auch nur einmal vorsichtig anzudeuten, dass es sich vielleicht lohnen könne, möglicherweise hierher zu kommen. Und so erfahre auch ich, der hier schon ein Jahr lebt, von den meisten Plätzen eher zufällig. Schade eigentlich!

So habe ich heute zwei Rollen eingenommen: Ich war Tourist und habe mir die schönen und interessanten Plätze angeschaut. Alles eher klein als pompös, aber durchaus lohnenswert. Und gleichzeitig haben Lasse und ich überlegt, wie man den Tourismus in Nordschweden stärken kann. Mal schauen, was ich in einigen Jahren beruflich so mache …

P.S.: Leider ist der windowserver wieder abgestürzt und hat so einiges mit sich gerissen. Da muss ich wohl mal morgen die Hardware testen. So‘n Schiet!

Der schwedische Hyperraum (SHR)

Ich habe mich lange gefragt, nach welchen Verkehrsregeln sich die Schweden auf kleinen Straßen und an kleinen Kreuzungen richten und zwar sowohl die Fußgänger, die Radfahrer und die Autofahrer. Die mir bekannten Verkehrsregeln schien keiner auch nur im mindesten zu befolgen. Und dennoch passiert nichts.

Ich habe jetzt eine quantenphysikalische Theorie entwickelt, die dieses Phänomen erklären könnte: Es gibt einen Schwedischen Hyperraum (SHR). Dieser Schwedische Hyperraum ist ein gekrümmter Extraraum, der ein wenig Extraplatz in der vierten Dimension unterbringt. Dieser Platz steht Verkehrsteilnehmern dann zur Verfügung. Aber nur unter bestimmten psychologischen Konditionen, die ich später erläutern werde.

Das ganze funktioniert so: Egal ob einfach auf der Straße oder an einer Kreuzung: Alle fahren im mäßigen Tempo aufeinander zu. Keiner weicht aus. Der Schwedische Hyperraum sorgt automatisch für den benötigten Extraplatz und verhindert so erfolgreich Kollisionen.

Damit das Ganze funktioniert, müssen allerdings alle Verkehrsteilnehmer verschiedene Bedingungen erfüllen:

1. Mäßiges Tempo fahren. Nicht umsonst gibt es das schwedische Wort lagom, welches in etwa „gerade recht“ bedeutet. Und so müsst Ihr auch fahren. Nicht zu schnell, das schafft der SHR nicht und nicht zu langsam, denn dann bricht der Hyperraum zusammen.

2. Nicht ausweichen. Auf keinen Fall darf man bewusst die Richtung ändern, um anderen auszuweichen. Ausweichen tut man nur Bäumen und Elchen. Wenn Du als Radfahrer links fährt, bleib dabei. Wenn Ihr zu siebt nebeneinander geht, bleibt dabei. Der SHR ist gekrümmt und Ihr kommt aneinander vorbei. Weicht nicht aus, denn dann bricht der Hyperraum zusammen.

3. Augenkontakt vermeiden Mir scheint, dass der SHR nur dann stabil ist, wenn man jeglichen Augenkontakt zu allen anderen Verkehrsteilnehmern vermeidet. Warum sollte man auch schauen, der SHR sorgt ja dafür, dass man problemlos aneinander vorbei kommt. Da mischt sich der Mensch lieber nicht ein. Also schaut auf keinen Fall einem anderen in die Augen, denn dann bricht der Hyperraum zusammen.

Für mich als Deutschen (und als jemand, der in München geradelt ist), ist es ganz schön schwierig, sich an diese Regeln zu erinnern, wenn alle auf Ihren gedachten Fahrlinien auf mich zulaufen, -radeln und -fahren. Und meistens werde ich doch langsamer, schaue jemanden an oder weiche doch aus und eiere irgendwie – verwunderte Blicke erntend – an den anderen vorbei. Und so brauche ich wohl noch ein bisschen Zeit, bis ich den Schwedischen Hyperraum akzeptiere und auch als Fahrradfahrer entspannt auf der linken Seite, ohne auszuweichen und ohne zu schauen, weiter meinem Ziel entgegen fahre.

Liebe Akademiker, hier besteht noch großer Forschungsbedarf:

  • Warum ist der SHR mit der menschlichen Aufmerksamkeit gekoppelt?
  • Gibt es Parallelen zum Buddhismus?
  • Schwingt das Gehirn in eigenen, der Meditation ähnlichen Sigma-Wellen?
  • Ist die Zimtschnecke in Wirklichkeit ein archaisches Modell des SHR?
  • Warum gibt es den SHR nicht in Deutschland? Sind es kosmische Strahlen oder nur die verminderte Corioliskraft?

Hier hat die Wissenschaft noch viel zu tun.

Mein Führerschein

Heute habe ich meinen Führerschein bekommen. Meinen alten deutschen, und ich habe mich gefreut!

Was war passiert?

Eine der Möglichkeiten, eine Art schwedischen Ausweis mit der so allgegenwärtigen Personennummer zu bekommen, ist es, seinen Führerschein in einen schwedischen zu tauschen. Ich habe zwar bei einer „Bearbeitungsgebühr“ von 600 Kronen (gut 65 Euro) geschluckt, aber dennoch am zweiten Mai das Geld überwiesen und einen Brief mit den benötigten Unterlagen an das Transportstyrelsen geschickt, unter anderem meinen alten, deutschen rosa Lappen im Original. Im Inland ist es kein Problem, ohne Führerschein zu fahren, da die Polizei beim Transportstyrelsen in Erfahrung bringen kann, ob ein Führerscheinwechsel in Gange ist.

Vor ein paar Wochen habe ich mal nachgehakt, wie lange es noch dauert, bis ich den neuen Führerschein bekomme, denn schließlich will ich nächste Woche nach Norwegen. Es hieß, ja der Fall sei in Bearbeitung, und man werde ihn versuchen zu beschleunigen. Klingt gut, oder? Nachdem ich wieder nichts gehört oder bekommen habe, habe ich letzte Woche nochmals angerufen. Dort hat man mir freundlichst mitgeteilt, dass sie ja noch die deutschen Behörden kontaktieren müssen, ehe sie mit meinem Fall beginnen können. Sprich, meine Sachen haben dort sieben Wochen herum gelegen, ohne dass überhaupt mal begonnen wurde, sich um diesen Fall zu kümmern. Daraufhin hat man mir angeboten, meinen Führerschein erst einmal wieder zurückzusenden, quasi für die Zeit, die ich in Norwegen unterwegs bin, zu leihen. Immerhin kam heute der Führerschein, mit einem beiliegenden Brief in einem Amtsschwedisch, wie ich es in meiner ganzen Zeit noch nicht erlebt habe.

Aber ich bin ziemlich erleichtert, kann ich doch jetzt nach Norwegen fahren, ohne Angst vor einer drohenden Verhaftung durch die norwegische politi. Wenn ich zurück bin, schicke ich also den Führerschein wieder zurück und lasse mich überraschen, wie lange er dann noch in den Amtsstuben auf Bearbeitung wartet.

P.S.: Einigen hatte ich erzählt, dass ich vor elf Wochen die Sachen eingeschickt habe. Das war ein Irrtum, es waren nur sieben. Dennoch ganz schön lange, weil ich mich hier schon so schön daran gewöhnt habe, dass alle behördlichen Angelegenheiten schnell und reibungslos vonstatten gehen.

Grummel!

Sommer in Norwegen · Teil 1

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Norwegen 2011.

Dies ist der erste Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Gut 2200 Kilometer sind wir gefahren, um Freunde zu besuchen, die Lofoten und Vesterålen zu entdecken, eine Zelttour im Fjell zu machen und zum Abschluss noch einige Tage in Tromsø zu verbringen. Aber ich greife vor, gehen wir zurück zum 8. Juli.

Dieses ist die erste Reise, die ich jemals mit eigenem Auto gefahren bin. Und ich habe es ausgenutzt, einen Kombi zu besitzen: Eine Kühlbox vom Nachbarn für schwedischen Käse und kühle Getränke, ein Neoprenanzug für die kalte Nordsee, Laptop, sämtliches Foto-Equipment und manches mehr kam mit auf die Reise. Dagegen war Sonyas Gepäck doch sehr übersichtlich.

Unser erstes Ziel lag noch nah: Kusfors in Schweden, wo wir Freunde besucht haben und über Nacht geblieben sind. In dem kleinen Dorf wird seit diesem Sommer wieder das Café Angloket – zu deutsch Café Dampflok – betrieben, wo wir bei schönem Wetter draußen saßen, dem Gitarristen zuhörten und unter anderem Schweinegulasch mit Erdbeeren genossen. Ein herrlicher Abend!

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Samstag haben wir uns dann auf den Weg gemacht. Die meiste Zeit sind wir auf dem Silvervägen (Der Silberweg) gefahren, der das schwedische Skellefteå mit dem norwegischen Bodø verbindet. Zwischenstopps haben wir in Arjeplog, am Polarkreis und am See Sädvajaure gemacht.

Am Abend sind wir bei Sven und Susa angekommen, die den letzten Hof des Evenesdalen bewohnen. Das Grundstück wird nördlich und südlich von eindrucksvollen Bergen umrahmt, wir haben es uns aber nach einem schönen gemeinsamen Abend in unserer Hütte gemütlich gemacht.

Den nächsten Tag haben wir bei herrlichem Wetter einen Ausflug mit der ganzen Familie zum nächsten Badesee gemacht, der überraschend warm war. Abends haben Sonya und ich noch eine kleine Wanderung in das Junkerdal unternommen. Alleine die Landschaft rund ums Haus ist schon mehr als sehenswert. Am Abend zieht Nebel auf und die Landschaft wirkt magisch und mystisch.

Am nächsten Tag haben wir uns auf Svens Empfehlung eine Tagestour ins Rykkjedalen gemacht. Was für eine Empfehlung! Nach einem Kilometer Straße geht ein kleiner Pfad links ab und eine Brücke führt über den kleinen, aber reißenden Fluss. Danach verläuft der Weg durch Birkenhaine, über schwankende Moore, auf denen aberhunderte Moltebeeren – leider alle noch unreif – wachsen einen Berghang hoch zu einem Wasserfall. Dann windet sich der Pfad immer höher, bis wir über der Baumgrenze auf dem Kahlfjell sind. Regenpfeifer piepsen ihren immer gleichen Ton und Seeschwalben fliegen akrobatisch um uns herum. Auf einem Stein machen wir Pause, die ich für ein paar Selbstauslöseraufnahmen nutze. Auf dem Rückweg wuselt uns ein Lemming vor die Füße. Er versteckt sich im Gebüsch, aber – wie man am Foto sieht – nicht sehr gut. Um das Tierchen nicht zu sehr zu stressen, machen wir uns bald auf den Rückweg und freuen uns über eine leckere Suppe.

Schon die ersten Tage in Norwegen waren herrlich. Vielen Dank an Sven und Susa für ihre Gastfreundschaft.

Nach einer letzten Nacht in unserer gemütlichen Hütte stehen wir früh auf, um die Fähre in Bodø zu erwischen. Aber das ist eine andere Geschichte …

Sommer in Norwegen · Teil 2: Lofoten

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Norwegen 2011.

Dies ist der zweite Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Nun sind wir auf dem Weg nach Bodø, um uns die Lofoten anzuschauen und dann die Vesterålen zu erreichen, wo wir Freunde besuchen.

Früh aufgestanden sind wir, damit wir auch ja die Zehnuhrfähre von Bodø nach Moskenes auf den Lofoten erwischen. Die Fähre haben wir zwar erwischt, aber leider war kein Platz mehr für uns frei. Also haben wir uns ein paar Stunden Bodø angeschaut (Mit Schwerpunkt auf das Kafé Kafka) und dann die 15:30-Fähre genommen. Auf der mehrstündigen Überfahrt war es zwar kühl, aber wir waren die ganze Zeit draußen, zu schön war der Blick auf die immer näher kommenden Lofoten, die man schon von Bodø aus sehen konnte.

Als wir an Land waren, sind wir nach Süden zur Stadt Å gefahren (ja, die heißt wirklich so). Dann habe ich wieder das Steuer übernommen und teilweise ganz schön geschwitzt, denn auf den engen, kurvigen und bergigen Strässchen fahren die Einheimischen ganz schön schnell und ich war froh, dass die Hauptstraße E10 doch ein bisschen breiter war.

Schade war, dass die Wolkendecke teilweise so niedrig war, dass die meisten Bergspitzen verhüllt waren und bei den Regenschauern habe ich die vielen Reiseradler nicht wirklich beneidet. Auf einen Tipp von René haben wir einen sehr schönen Campingplatz in Utakleiv im Westen der Insel Vestvågøya gefunden, von dem wir eine herrliche Sicht auf die Mitternachtssonne haben sollten. Aber die Wolken hatten auch hier ein Wörtchen mitzureden …

Auf dem schönen Campingplatz am türkisblauen Meer waren nicht nur Menschen, auch die Schafe schienen sich hier sehr wohl zu fühlen.

Ein paar Worte zwischendurch zur Landschaft: Ich war noch nie zuvor auf den Lofoten und versuche gar nicht erst zu beschreiben, wie sehr mich Landschaft und Kultur beeindruckt haben. War für eine herrliche Region für Fotointeressierte wie mich! Ich werde bestimmt nächstes Jahr mit mehr Zeit zurückkehren, bin aber unschlüssig, ob ich dann mit dem Auto oder mit dem Rad unterwegs sein sollte. Aber bis zum nächsten Jahr ist ja noch ein bisschen hin.

Das Gute: Ich weiß jetzt, dass mein neues Zelt auch dann dicht hält, wenn es die ganze Nacht regnet. Und wir konnten sogar ohne Regen in Ruhe alles einpacken. Den Rest des Tages sind wir bei sehr wechselhaftem Wetter weiter nordwärts gefahren. Wechselhaft heißt aber auch, dass es teilweise richtig schön war, wie zum Beispiel, als wir im schönen Städtchen Henningsvær Pause gemacht haben. Dort haben wir auch bestätigt bekommen, dass man in norwegischen Restaurants sehr viel Geld lassen kann, selbst, wenn man nur ein Getränk bestellt … .

Nach der ausgiebigen Pause sind wir dann weiter Richtung Norden gefahren und abends in Fiskebøl angekommen, wo wir eine Stunde später mit der Fähre nach Melbu auf den Vesterålen übergesetzt haben. Aber das ist eine andere Geschichte …

Zum Abschluss noch ein paar Fotos, die ich in diesen zwei Tagen auf den Lofoten gemacht habe. Unsortiert, einfach für einen kleinen Eindruck.

Sommer in Norwegen · Teil 5: Tromsø

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Norwegen 2011.

Dies ist der fünfte und letzte Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Nach drei Stunden Autofahrt sind wir in Tromsø angekommen.

Ich will gar nicht groß über Tromsø schreiben. Ich werde für immer den Aufenthalt mit dem Fackelzug anlässlich der schrecklichen Ereignisse in Oslo und Utøya verbinden, an dem auch Sonya und ich teilnahmen.

Am Tag danach war das Wetter gut und wir sind zum und auf den Storsteinen, den Hausberg Tromsøs gewandert. Von dort aus hat man einen weiten Blick über die Stadt, Fjorde und Berge.

Am zweiten Tag waren wir in einigen Museen, wo wir Polarlicht gemacht haben, viel über die Samen in Norwegen gelernt haben, auf einem alten Fängerschiff herumgelaufen sind und viel über die Entdeckung der Pole erfahren haben. Höhepunkt war für mich die Begegnung mit der jungen Samin, mit der wir in der Kåta nahe des Tromsø Museum gesessen, Kaffee getrunken und uns über die samische Kultur unterhalten haben.

Am nächsten Tag sind Sonya und ich zum Flugplatz Bardufoss gefahren. Von dort aus ist Sonya nach Oslo geflogen. Danke Sonya, für die schönen gemeinsam erlebten Wochen.

Eigentlich hatte ich geplant, einen Zwischenstopp in Abisko und einen zweiten auf Solberget zu machen. Aber ich war dermaßen mit Eindrücken gesättigt, dass ich nur noch nach Hause wollte. Denn dort fühle ich mich – wie Ihr hier öfters zu lesen bekommt – ja auch sehr wohl.

Also bin ich direkt zu Solberget gefahren, wo ich mich gefreut habe, Dirk und Silke wiederzusehen. Es führt jetzt zu weit, über den wunderschönen Hof zu schreiben, die Holzfällerhütte und die zahmen Rentiere, die neugierig ankommen und auf Flechten hoffen. Auf meiner Fotoseite habe ich Winterfotos von Solberget.

Am nächsten Morgen habe ich einen kurzen Zwischenstopp am Polarkreis-Denkmal gemacht und bin dann nach Hause durchgefahren. Angekommen!

Oldtimer

Eigentlich wollten Delle – ein Freund, der gerade bei mir ist – und ich am Donnerstag bloß noch eine kleine Runde Rad fahren. Als wir dann gerade in Ursviken umkehren wollten, bog ein herrliches Oldtimerauto in die Straße ein. Und noch eins. Und noch zwei. Wie sich dann herausstellte, war ein Treffen der Skellefteåsektion von „Norrlands Motorhistoriker“ in Ursviken und so parkten zum Schluss neun Autos – Vom alten Volvo über Austin, Chevrolet bis zum Opel Kadett B aus den Sechzigern – eines neben dem anderen auf der Wiese.

Oldtimer sind in Schweden ein recht alltäglicher Anblick; vom kugelig-runden Volvo aus den Sechzigern bis zum breiten, historischen Amischlitten. Und fast alle Autos sind gepflegt und perfekt in Schuss gehalten.

Ich bin weiß Gott kein Autonarr, aber diese historischen Fahrzeuge mag ich sehr gerne. Sie sind ein schöner Kontrast zu den immer ähnlicher werdenden Modellen der Neuzeit und so jedes Mal ein Blickfang.

Vor dem Vereinshaus stand dann noch ein uraltes Auto, wohl aus den zwanziger oder dreißiger Jahren. Vor allem der Airbag zeigt deutlich, dass man auch in den Anfängen der Autogeschichte schon sehr auf Sicherheit bedacht war.

Die meisten, aber nicht alle alten Autos in Schweden sind gut in Schuss und fahrbereit. Ich habe gleich die Gelegenheit ergriffen, das rostige, vor sich hin gammelnde Auto zu fotografieren, an welchen ich immer vorbeifahre, wenn ich mit dem Bus in die Stadt fahre. Ich habe eh keine Ahnung von Autos, aber auch Delle musste ein bisschen schauen, eh er an den Radkästen ein altes Logo von Renault entdeckte.

Roadtrip

Am Wochenende sind Delle und ich mit seinem Auto losgefahren. Einfach in Richtung Norden. Und es ist schon spannend, was man alles sieht, auch wenn man vorher rein gar nichts geplant hat.

Stopp: Trundön, eine kleine Halbinsel nördlich von Piteå.

Beim Anhalten wurden wir direkt gefragt, ob wir zum Fischen hier sind. Aber nein, ich wollte bloß das Seeungeheuer fotografieren, was gerade im Meer bei Trundön aufgetaucht ist.

Stopp: Vogelschutzgebiet

Von dem Beobachtungsturm hatte man einen schönen Blick auf die Feuchtgebiete. Schade, dass alles ein bisschen im Nieselregen hing.

Stopp: Traktormuseum in Svartbyn bei Överkalix

Wenn man absichtlich ein Museum besucht, dann hat man ja immer schon eine gewisse Erwartungshaltung. Aber wenn man einfach im Auto in Reichtung Norden fährt und plötzlich stehen hundert alte Traktoren und andere Maschinen auf einer Wiese geparkt, dann ist man schon überrascht. Auch hier haben wir angehalten und uns die vielen Exponate angeschaut. Manche Traktoren sahen mit ihren seitlichen Scheinwerfern aus, als kämen sie aus einem Walt-Disney-Film.

Stopp: Einkaufen

In Överkalix wollten wir einkaufen. Aber sowohl ICA als auch Coop hatten schon um 17:00 geschlossen. Für mich ist das ungewohnt, hier haben auch die kleinen Läden wesentlich länger geöffnet. Aber es gab eine Tankstelle, die gut darauf eingerichtet war, dass Menschen auch nach fünf Uhr noch Hunger bekommen und Essen kaufen wollen.

Stopp: Polarkreis

In Näsberget am Kalixälven haben wir auf einer kleinen Schotterstraße den Polarkreis überquert.

Stopp: Jockfall

Dann haben wir den Fluss am Jockfallet überquert. Dieser Wasserfall war auch bei wolkigem Himmel und schon leichter Dämmerung sehr beeindruckend.

Stopp: Übernachtung

Auf einem Schotterplatz unweit des Kaartiskajärvi – also mitten in der Pampa – haben wir das Auto geparkt und zum Schlafraum umgebaut. Ich war wirklich überrascht, wie viel Platz in einem Opel Omega ist. Man kann mit zwei Personen bequem und ausgestreckt liegen und ich habe ziemlich gut geschlafen, auch wenn ich am nächsten Morgen früh wach war.

Stopp: Polarkreis

Am nächsten Tag sind wir in Richtung Osten gefahren und haben an der schwedisch-finnischen Grenze in Juoksengi den Polarkreis überquert. Hier führt auch im Winter eine Skooterspur nach Finnland über den Fluss Torneälven. Ein paar Meter weiter südlich des Polarkreises waren herrliche Granitfelsen am Ufer mit Blick auf eine zerklüftete Felseninsel mitten im Fluss.

Stopp: Fjällräven Outlet und Frasses

In Övertorneå haben wir den Fluss überquert und sind in Finnland bis zur Grenzstadt Tornio gefahren. Nach eh wir einmal finnischen Boden betreten konnten, waren wir – wupps – in Haparanda und damit wieder auf schwedischem Boden. Dort habe ich in Ruhe im Fjällräven-Outlet-Store gestöbert und anschließend waren wir in Frasses, einer Hamburgerkette essen. Frasses Haparanda ist die einzige mir bekannte Hamburgerbar mit Kronleuchtern.

Stopp: Storön

Wieder eine Stelle an der Küste, dieses Mal von Fischerei geprägt. Ich habe allerdings keine Ahnung, was mit diesen monströs-großen Aalreusen gefangen wird. Ich habe sie mal Walreusen getauft. Das war unser letzter Stopp, denn das Wetter war eher bescheiden und es zog uns nach Hause.

Jetzt habe ich nur über einige Stopps geschrieben und nicht über die etwa 1000 Kilometer Fahrt dazwischen. Es war eine schöne Rundtour, aber wir waren dann auch froh, wieder zu Hause zu sein.

Frost = Auto waschen?

Heute morgen schaue ich auf das Thermometer und lese -3 °C. Frost. Das bedeutet für mich vor allem, dass ich bald die Wasserleitung zum Außenhahn absperren und leeren muss, damit sie nicht kaputt friert. Und das heißt, dass ich heute mal das machen sollte, wovor ich mich seit Wochenenden gedrückt habe: Mein Auto waschen und wachsen. Und das ist eine Sache, auf die ich nun wirklich überhaupt keine Lust hatte. Aber zum Kajak fahren wäre es mir heute ohnehin zu windig gewesen.

Also habe ich nach einem ausgiebigen Frühstück die nächsten drei, vier Stunden damit zugebracht, zu schauen, welche Farbe mein Auto unter den verschiedenen Dreckschichten eigentlich hat. Ohne die Hilfe (und Material) meines Nachbars hätte ich es allerdings nie geschafft, dieses fiese, klebrige Asphaltzeugs, welches die halbe Fahrertür bedeckte, abzubekommen. Danke dafür!

Die nächsten Wochen muss ich noch schauen, was ich alles tun muss, um das Auto wirklich winterfest zu bekommen. Kleine Roststellen beseitigen, Kühl- und Bremsflüssigkeit überprüfen lassen und Spikereifen aufziehen stehen schon auf der Liste.

Ach ja, noch zwei Fotos von heute vor dem Frühstück. Denn nur für diesen Artikel das Auto zu fotografieren war mir nun wirklich zu doof.

Was für ein wunderschöner Tag

dachte ich, als ich morgens aus dem Fenster schaute. Über der von Frost glitzernden Straße vorm Haus leuchtete golden ein großer voller Mond. Vor der Probe mit Anders wollte ich nun schnell ins Auto springen, um von der hohen Brücke nach Örviken ein Foto vom Mond und vom Fluss zu machen. Ging aber nicht, weil bei der feuchten Witterung sämtliche Türen fest zugefroren waren. Morgen bekommen die Dichtungen erst einmal eine Silikonbehandlung.

Nach der Probe bin ich zum Arbeiten in der Stadt mit dem Auto gefahren, denn ich wollte ja am Abend noch weiter nach Kusfors, um mein erstes richtiges Jazzkonzert hier in Nordschweden zu geben. Und vom Auto aus sah man trotz des fehlenden Schnees, dass sich die kalte Jahreszeit schon ankündigt. Kleine Gruppen von Singschwänen zogen gen Süden, die Straßenränder waren weiß vom Rauhreif und das erste kleine Stück der Bucht bei Ursviken war von dünn-zerbrechlichem Eis bedeckt.

Wenn ich mit dem Auto in die Stadt fahre, dann fahre ich immer ein bisschen weiter zur Bonnstan, da das Parken im Zentrum ziemlich teuer ist. Auf dem kleinen, gepflasterten Kreisel, der auch zu dem Parkplatz führt, habe ich etwas über das Autofahren hier im Winter gelernt: Reifen mit Spikes greifen zwar ganz prima, wenn man eine richtige Eisschicht hat, aber nur mäßig bei Reifglätte. Und so bin ich, obwohl ich ja alles andere als ein forscher Autofahrer bin, ein bisschen ins Schlingern gekommen. Fazit: Bei diesem Wetter noch langsamer in die Kurven gehen.

Vom Parkplatz aus laufe ich zehn Minuten zur Arbeit. Es sei denn, ich habe eine Kamera dabei. Die Eiskristalle des Rauhreifs am Boden glitzerten und auch auf den kleinen Teichen im Nordanå-Park lag das erste dünne Eis. Das will einfach fotografiert werden.

Um kurz vor halb fünf habe ich aufgehört zu arbeiten und es war schon richtig dunkel. Und neblig. Die Parkbron (Parkbrücke) lag geheimnisvoll im Nebel und die Laternen tauchten den Fluss in wunderbares, weiches Licht. Der gleiche Nebel sollte mir aber dann bei der Fahrt nach Kusfors mehr als einen Fluch entlocken. Was für ein ekliges Wetter zum Autofahren!

Zum Winter? Drei Meilen westwärts.

Seit Donnerstag schneit es ziemlich viel und der SMHI hat für weite Teile des Landes Schneewarnungen ausgesprochen. In meinem Garten liegen jetzt 17 cm Schnee. Nicht soo viel. Der ist allerdings nicht so leicht und fluffig wie im letzten Jahr, sondern wegen der leichten Plustemperaturen nass und – wie ich beim Schneeschaufeln feststellen musste – sackschwer. Die Bäume sind schneefrei, denn gestern Abend war es hier sehr windig und den Rest hat das leichte Tauwetter gemacht.

Ich war neugierig, wie weit ich ins Inland fahren muss, bis ich richtiges „Winterwunderland“ habe. Davor musste ich aber erst einmal tanken. Dort stand ich in tiefen, braunen von nassen Schneematsch umrahmten Pfützen, während mein Saab sich vollaufen ließ. Also – so einen Winter kenne ich, ich habe elf Jahre im Ruhrgebiet gelebt.

Der erste Halt wie schon vor drei Wochen ist die Bucht bei Ursviken, wo auch der Kanuklub ist. Tatsächlich ist jetzt die ganze Bucht zugefroren und mehr oder minder schneebedeckt. Allerdings sieht man am Ufer sehr deutlich, dass das Eis an manchen Stellen dünn und nass ist.

Das Autofahren auf der nassen, mit Spurrillen versehenen und noch nicht geräumten 372 in die Stadt macht keinen Spaß, aber schon direkt nach der Stadt in Medle ist die Stimmung eine ganz andere. Die Straßen sind weiß, die Wiesen, die Bäume und der Himmel sind weiß und es schneit.

Hier ist das Autofahren viel leichter und man sieht auch viel besser. Allerdings sehe ich auch, dass so manche Nebenstraße nicht geräumt ist. Da wüsste ich manches Mal noch nicht einmal, wo ich überhaupt hereinfahren sollte. Aber ohne Traktor oder Raupe ginge das ohnehin nicht. Und die sind heute alle, alle unterwegs und räumen Grundstücke und Straßen.

Ich möchte rechts in Richtung Svanström abbiegen, doch da versperrt so ein Schneeräumungetüm mit voller Breitseite die Straße. Eine junge Frau kommt auf mich zu, sagt, dass die Straße frei ist und fährt das baustellengelbe Fahrzeug weg, damit ich abbiegen kann. Und die Straße ist frei. Frei von Schnee und frei von anderen Autos. Fast! Den einem Auto fahre ich irgendwann hinterher. Und wenn man einem schwedischen Auto hinterher fährt, dann ist man oft zu schnell …

Irgendwann komme ich dann auf die 95 und biege wieder in Richtung Westen ab. Würde ich der Straße immer weiter folgen, wäre ich am Abend im norwegischen Bodø am Atlantik. Aber heute fahre ich nur ein Stückchen und freue mich über die schöne, frische Winterlandschaft. Die Landschaft wird hügelig, ich stelle mein Auto auf einer Parkbucht ab, schultere meinen neuen Kamerarucksack (gefüllt!) und laufe auf einem Forstweg in den Wald.

Der entpuppt sich allerdings als unfassbar matschig, denn der Boden ist nur oberflächlich gefroren und die überschneiten Pfützen sind oft nicht zu sehen. Wieder einmal bin ich über meine Gummistiefel sehr froh. Doch bald bin ich aus dem Gröbsten raus und laufe einen Hang hoch. Da bin ich, wie mir die vielen Spuren zeigen, nicht der erste, aber die anderen Fußstapfen sehen alle sehr nach Elch aus. Hinter dem bewaldeten Hang geht es noch ein bisschen höher. Und noch ein bisschen höher. Und noch ein bisschen höher. Ich bin überrascht, dass dieser kleine Buckel doch größer ist als angenommen. (Der Berg heißt übrigens Storberget und ist 298 Meter hoch. Stor heißt groß. Ja, Münchner, lacht ihr ruhig.)

Nach einer kurzen Schokoladenpause laufe ich einen anderen Weg wieder herunter. Ich finde das gar nicht so einfach, die Richtung beizubehalten, weil man doch ziemlich zickzack gehen muss, denn mancher Waldabschnitt ist fast undurchdringlich. Ich schaue zwischendurch auf Handy-Karte und Handy-Kompass, um mich abzusichern, denn es ist schon nach eins und bald wird es bei dem trüben Schneewetter dunkel werden. Ich hätte es zwar einfacher, über den kleinen See namens Bergtjärnen abzukürzen, aber ich habe keine Ahnung, ob das Eis trägt. Also stapfe ich durch den vierzig Zentimeter tiefen Schnee durch den Wald zurück, bis ich wieder am Auto bin.

So gegen drei bin ich wieder zu Hause. Ich wäre eher da gewesen, wenn nicht ein Autofahrer meinte, Tempo 50 sei auf der Tempo-90-Straße nach Skelleftehamn durchaus angemessen. Nicht alle Schweden fahren zu schnell.


Eigentlich hatte ich für heute geplant, noch einmal Kajak zu fahren, denn das wird nicht mehr lange gehen. Aber als ich gestern Abend die überraschend hohen Wellen gesehen habe, die sich am Ufer gebrochen haben, habe ich diesen Gedanken ganz schnell aufgegeben.

Ich habe gestern übrigens wieder einmal versucht, Schneesturm in der Nacht zu fotografieren. Mit verschiedenen Objektiven, mit und ohne Blitz, mit dicker 300-Watt-Leuchte und ISO-Werten bis 3200. Ich krieg’s nicht hin! Aber was macht man mit dem Fotomaterial? Zum Beispiel eine abstrakte Fotokollage: