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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Der April, macht was er will.

Heute bin ich das erste Mal wieder Fahrrad gefahren, wenn auch nur in Skelleftehamn. Die Straßen sind frei, der Himmel blau und sogar die erste Ameise habe ich herumkrabbeln sehen.

Als ich wieder zu Hause war, lese ich im neuesten Artikel von Lussekatt – sie lebt in Südschweden – dass sie heute Schneesturm hatten, wenn auch nur kurz. Ha, dachte ich, da haben wir aber mehr Frühling hier oben. Eine viertel Stunde später sah es dann so bei uns aus:

Dicker Schnee fegte von Westen herbei und überschüttete mich und meine Kamera mit großen weißen Flocken. Nach zehn Minuten war alles vorbei, aber auch alles wieder weiß.

Jetzt ist ein großer Teil des Himmels wieder wolkenlos, die Sonne scheint, aber aus irgendeiner Wolke schneit es noch immer, wenn auch nur sanft und leicht.

Die Singschwäne sind da

Heute bin ich zur nahen Bucht Harrbäckssand gefahren. Ich war neugierig, ob die Bucht noch eisbedeckt ist. Aber nur am Ufer waren noch einige Meter Eis, der größte Teil der Bucht war offen.

Das hat die Singschwäne gefreut, die nach ihrer Überwinterung in Mitteleuropa wieder in den Norden gezogen sind und jetzt offenes Wasser suchen. Knapp dreißig dieser Vögel, die ein wenig kleiner als der in Deutschland heimische Höckerschwan sind, schwammen auf dem Wasser und gründelten nach Nahrung.

Wenn sie sich ungestört fühlen, machen sie ziemlichen Lärm (Ich hätte diese Schwäne eher Trötschwäne genannt, aber nun ja). Leider sind die Vögel recht scheu und fliehen vor dem Menschen, daher war das Fotografieren trotz des Teleobjektivs nicht so leicht.


Diese Woche war das Wetter recht wechselhaft. Morgens war es meistens klar und mit Frühtemperaturen um -10 °C so kalt, dass sich in geschützten Lagen der Meeresbuchten wieder eine dünne Neueisdecke bilden konnte. Tagsüber gab es meistens blauen Himmel und obwohl die Temperaturen nur knapp über null steigen, hat die Sonne schon viel Kraft. Man sollte sich bloß nicht darauf verlassen, denn der nächste kleine und heftige Schneeschauer lauerte so manches Mal am Horizont und das, was die Sonne an Schnee weggeschmolzen hat, fiel wieder neu vom Himmel. Abends hingegen wurde es meistens wieder klar und der Vollmond strahlte über der ruhigen Ostsee.

Lerneffekte

Heute Morgen habe ich gelernt, dass Eisblumen auch auf meiner Holztreppe gedeihen, wenn es feuchtkalt ist. Ob da die Schweden ihre schönen Tapetenmuster herhaben? Leider hatte ich nur zwei Minuten für ein paar Schnappschüsse ohne Stativ, denn ich wollte meinen Bus nicht verpassen.

Heute Abend habe ich gelernt, dass es nichts heißt, wenn der Schnee vom Sonntag wieder weggetaut ist. Um sieben begann es in dicken Flocken zu schneien und jetzt ist schon wieder alles weiß. Innerhalb von drei Stunden sind so etwa fünf Zentimeter Schnee gefallen und die Terrasse, die Straße, die Autos, die Dächer sind wieder schneebedeckt. Nachtrag: Der nächste Morgen – ca. 15 cm Schnee sind gefallen und es schneit weiterhin. Das zweite Schwarzweißfoto zeigt die Treppe zum Haus. Die gleiche Stelle übrigens, an der ich am Vortag die Holzeisblumen fotografiert habe.

Aber ich habe auch gelernt, dass die Fotos, die in Farbe die ganze Szenerie im orangen Licht der Neonlampen zeigen in schwarzweiß viel schöner aussehen.

Was sagt denn das Wetter bei Euch? Noch Winter, schon Frühling oder auch mittendrin?

Drei Länder in 14 Tagen oder eine neue Anreisevariante nach Skelleftehamn

Ein Gastbeitrag von Christina Tüschen.

Ein Anruf im Januar 2012: Olaf, ich bin im Juni in Tallinn, da könnte ich doch mal eben … vorbeikommen.
Kein Problem.

In Tallinn verbringe ich 5 wunderbare Tage mit meinem Chor, dann fahre ich mit der Fähre zu einer 2-Tages-Besichtigung nach Helsinki. Von dort geht es weiter mit dem Zug nach Tampere, wo ich eine finnische Freundin nach 10 Jahren wiedersehe und das Muminmuseum besuche. Dann wieder mit dem Zug nach Vaasa, wo ich schließlich die Fähre nach Schweden besteige. Trotz Vorwarnung meine ich mit dem schweren Rucksack die Strecke zwischen Bahnhof und Fährhafen zu Fuß zurücklegen zu müssen.

Nach 14 Stunden (reiner Reisezeit von Tallinn gerechnet) und einer Zeitumstellung komme ich mitten in der Nacht in Umeå an. Aber was heißt mitten in der Nacht. Es ist noch so hell, dass man „auf der Straße Zeitung lesen kann“ (Ein Zitat meiner Großmutter, die Ende der 60er Jahre hier im Norden war). Und diese Helligkeit führt dazu, dass ich, die ich sonst gegen zehn Uhr müde werde, locker bis 3 Uhr nachts wach bleibe.

Die zwei Tage Creative Summit sind intensiv, interessant und „givande“, ich nehme viel mit, danke dafür! Besonders in Erinnerung geblieben ist mir (wie Olaf) Jonathan Harris. Sein Vortrag und die Ausstellung haben den Schubs gegeben, begonnene eigene Projekte fortzuführen.
Toll ist es auch Olafs Freunde und Arbeitskollegen kennen zu lernen, auf dem Dach von 10 Merchant Street die Sonne untergehen zu sehen und wieder richtig in die schwedische Sprache einzutauchen.

Drei wunderschöne Ferientage folgen, das sonnige Wetter hält sich – wie auf Bestellung. Für mich verlängert sich bei dieser Reise der Frühling, prima zu sehen am Flieder, der in München schon am Verblühen war, in Helsinki in voller Blüte stand und in Olafs Garten gerade erst loslegte.

Da ich zuletzt vor anderthalb Jahren hier war, habe ich den direkten Vergleich zur Midvinter-Zeit, mit viel Schnee, Eis und Dunkelheit. Da wo wir jetzt baden, haben wir damals unsere Winterwanderung auf der zugefrorenen Ostsee begonnen und ich habe ein Bild zu dem Begriff Packeis bekommen. Wo wir jetzt Bockkäfern bei der Eiablage zusehen, haben wir auf dem zugefrorenen See Kubb gespielt. Und um 14 Uhr, wo wir uns jetzt den ersten Sonnenbrand holen, ging im Winter schon die Sonne unter.

Verrückt und schön diese Gegensätze.
Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Besuch, mal eben, egal zu welcher Jahreszeit.

Und sonst: Wecken mit Klaviermusik – ein Musikhörnachmittag, fast wie ein Mixtape aus früheren Zeiten – Baden bei 15 Grad und etwas weniger – zur Beatles-Coverband auf den Felsen rocken – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – zwischen großen Steinen ein Kajak rückwärts ausparken – Flugübungen mit dem Kleinen Gelben Monster – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – Marienkäfer-Umsiedelung auf Blattlausrosen – Enten mit Punkfrisur heißen Gänsesäger (ja, Reisen bildet).

Eisbrecher

Es ist Sommer und T-Shirtwetter. Dennoch habt Ihr richtig gelesen, nicht vom Eisbecher, sondern von Eisbrechern soll die Rede sein.

… ich war gerade von meiner Zugfahrt nach Bastuträsk am Hafen Skelleftehamn angekommen. Normalerweise darf man gar nicht das Gelände betreten, da dieser Hafen rein gewerblich genutzt wird. Es sei denn, es ist Tag der offenen Tür, so wie heute.

Staunend stand ich unter dem großen Kran und wurde dort direkt von einem Kranführer angesprochen. Ich könne gerne die Treppen hoch, um dort zu fotografieren. Ich muss schon sagen, auch wenn das kein Job für mich wäre, die Sicht ist schon schön, selbst wenn die Kabine nur in 14 Meter Höhe ist.

Von oben erspähte ich auch schon mein nächstes Ziel, das kleine Schiff „Baus“. Das wird wohl der Eisbrecher sein, von dem ein Kollege gestern erwähnt hatte, er sei am Wochenende zu besichtigen. Und richtig – im Winter hält das Schiff Baus hier die Fahrrinne frei. Auf der Brücke bin ich mit einem der Kapitäne ins Gespräch gekommen und habe angefragt, ob man im Winter wohl einmal mitfahren könne. Kein Problem, kam als Antwort und zwei Minuten später hatte ich Namen und Handynummer. Ich solle mich einfach melden. Toll – hoffentlich klappt das!

Nachdem ich meine Nase und Kamera in jede Ecke des Schiffes gesteckt habe, bin ich weiter gegangen. Weiter hinten lag noch ein ziemlich großer Pott vor Anker, den wollte ich mir auch noch gerne anschauen.

Was für ein Unterschied zur gemütlichen Baus. Durch das Schiff war ein Parcour mit Pfeilen und Absperrungen gelegt und man sah nur einen kleinen Teil. Dennoch bekam man ein Gefühl für die Größe der „Ymer“, ebenfalls ein Eisbrecher, Baujahr 1977. Alleine die Brücke war riesig.

Im Gegensatz zu der lokal in Skelleftehamn eingesetzten Baus wird die Ymer in ganz Schweden und teilweise in Finnland eingesetzt. Sie hat im Winter 20-30 Mann Besatzung und ist oft zwei Wochen am Stück auf dem Meer. Selbst bei 80 cm festem Eis fährt sie noch 8 Knoten, das sind etwa 15 km/h. Nach einem Besuch im Maschinenraum bin ich von Bord gegangen und zum Bahnhof zurückgelaufen, denn dort stand immer noch mein Fahrrad.

Vom Herbst in den Winter

Heute war ich mal wieder in Kusfors, um dort zusammen mit Lasse an der neuen Website unseres Vereines „Dark & Cold“ zu arbeiten. Als ich ins Auto stieg, war es wie meist die letzten Wochen: Fünf Grad und graue Wolken.

Als ich Skellefteå hinter mir gelassen habe, konnte man sehr schön erkennen, dass der Herbst nun fortgeschritten ist. Prägten vor anderthalb Wochen noch das leuchtend bunte Laub die Landschaft, so sind jetzt viele Laubbäume schon kahl oder tragen braun-welke Blätter.

Am Varuträsket konnte man sehr schön sehen, wie viel es in letzter Zeit geregnet hat: Die Uferregionen waren landunter und die Birken standen im halbmeterhohen Wasser.

Nachdem ich mich nassgeregnet, wie ich war, wieder ins Auto gesetzt habe und weitergefahren bin, fuhr ich langsam von einer Jahreszeit in die andere: Dass die rot-weißen Wintermarkierungen wieder gesteckt waren, war mir schon vorher aufgefallen. Nun sah ich aber auch, dass die Außentemperatur mit jeder Meile landeinwärts sank und bald nur noch bei 2 °C lag. Ein Auto mit einem Hundeschlitten auf dem Dach kam mir entgegen. Ein anderes Auto verlor eine Ladung Schnee vom Dach, als es mir entgegen kam. In den Regen mischten sich dicke nasse Flocken, die auf die Windschutzscheibe klatschten. Und dann schneite es. Und plötzlich war alles hell und weiß. Was 40 Kilometer Abstand zur Ostsee so ausmachen.

Noch bevor ich eine schöne Stelle zum Schnee fotografieren gefunden habe, bin ich an einem kleinen, bewaldeten Moor vorbei gefahren. Und dort standen zwei Elche. Netterweise war keine hundert Meter weiter ein kleiner Parkplatz. Ich habe schnell das Tele auf die Kamera geschraubt und bin am Straßenrand durch den nassen Schnee zurück gelaufen. Die Elche – Mutter und Kind – haben aber, statt sich in den Wald zu verdrücken, die Straße überquert, und so habe ich nach zweieinhalb Jahren Schweden tatsächlich das erste Mal ein Elchfoto machen können, welches nicht nur unscharfe und verrauschte Schemen zeigt. Natürlich hätte das Kind sich gerne noch im Profil zeigen können, aber man kann nicht alles haben.

Nachdem die beiden Elche im Wald verschwunden waren, habe ich die Fahrt fortgesetzt. Bald lag die Temperatur bei 0 °C und es schneite heftig. Mir war ein bisschen mulmig zumute, denn ich war noch mit Sommerreifen unterwegs. Einige leichte Bremstests haben aber gezeigt, dass der Kontakt zum Asphalt dennoch gut war und so bin ich, wenn auch langsamer als sonst weitergefahren.

Ich bin dann auch gut in Kusfors angekommen. Immerhin ist der Boden noch warm genug, dass der Schneematsch nicht festfriert. Weil ich aber Angst hatte, dass es über Nacht kalt genug wird und morgen richtig glatt ist, bin ich heute Abend wieder zurück nach Hause gefahren. Und habe das erste mal erlebt, dass ich 70 statt der erlaubten 90 gefahren bin und die Schweden hinter mir mich nicht überholt haben. Die hatten eben auch nur Sommerreifen. Aber nun ging alles umgekehrt. Zuerst lagen auf der 95 noch einige Zentimeter nasser Schnee, doch dann stieg die Temperatur Grad für Grad und bei drei Grad konnte ich schon wieder normal fahren. Nach nur unwesentlich längerer Fahrt bin ich wieder in Skelleftehamn angekommen. Dort war das Wetter wie meist die letzten Wochen: Fünf Grad und graue Wolken.

Und als ich am Rechner sitze, sehe ich, was ich heute vor genau zwei Jahren in diesem Blog geschrieben habe: „Und der erste Schnee Teil 1 und Teil 2“. Aber da hatte es sogar in Skellefteå geschneit.

Ein kurzes Winterintermezzo

Gestern früh hat es wieder geregnet. Laut den Nachbarn von gegenüber sind bis gestern, 16. Oktober, bei uns schon 109 mm Regen heruntergekommen. Das ist etwa so viel, wie in Bremen im Oktober und November zusammen herunterkommt.

Ich saß im Büro und der Regen prasselte auf die Dächer. Im Gegensatz zu den letzten Wochen war es aber kälter und die Temperatur sollte den ganzen Tag sinken. Um halb elf mischte sich Schnee in den Regen, und nach der Mittagspause schneite es. Selbst in Skelleftehamn, welches wegen der Ostsee zu dieser Jahreszeit oft wärmer ist, schneite es den ganzen Abend. Allerdings blieb fast nichts liegen, dazu ist der ganze Boden einfach zu warm und nass.

Heute morgen waren die Regenwolken weggezogen und mit minus vier Grad war es der kälteste Morgen dieses Herbstes. Die dicken Pfützen waren zugefroren und auf dem Gras und den Autodächern haben sich tatsächlich ein paar Schneeflocken halten können.

In der Stadt lag ebenfalls ein kleines bisschen Schnee auf dem Gras und an den abgefallenen Blättern wuchs Raureif. Die Vogelbeeren aber trugen noch buntes Laub und zeigten klar und deutlich, dass noch Herbst ist.

Das bläuliche Licht am Fluss, gepaart mit dem Raureif auf den Holzpodesten hingegen ließ den Fluss schon sehr winterlich und kalt aussehen. Kalt ist das Wasser vermutlich auch, nur die dicke Eisdecke fehlt noch für die Skandinavische Meisterschaft im Winterschwimmen, die dort am 9. und 10. Februar stattfinden wird.

Aber bis zum Winter ist es noch ein bisschen hin. So wie die Temperaturen gestern gefallen sind, stiegen sie heute wieder an und seit Mittag regnet es auch wieder. Auf die 109 mm kommt diesen Monat wohl noch einiges drauf.

Nachtrag: Der schwedische Wetterdienst hat auch gerade gebloggt: In Piteå sind vom 1. Oktober bis heute 167,5 mm Niederschlag gefallen, 104 mm davon vom 4. bis zum 7. Oktober. Damit ist der Oktoberrekord von 1942 schon jetzt gebrochen.

Noch ein bisschen kälter

Auch heute war es klar und schön und mit -6 °C Frühtemperatur schon recht frisch. Nur für einige Stunden lagen die Temperaturen knapp über null bei einem Maximum von +1.1 °C.

Der kleine sumpfige See „um die Ecke“ ist schon komplett mit Eis bedeckt und das vom Raureif bedeckte Sumpfgras leuchtet hell in der Sonne. Auch der größere See Snesviken beginnt zuzufrieren und man hört das helle Aneinanderschlagen des losen Eises an der Grenze zwischen Eisschicht und offenem Wasser.

Die Ostsee, die durch die lange Insel Storgrundet geschützt ist, trägt noch kein Eis. Lediglich an dem kleinen Sandstrand friert das Wasser ein bisschen fest und es ist glatt.

Während ich das untere Foto gemacht habe, kam eine Familie mit dem Auto an, spazierte mit Außenbordmotor und Sack und Pack zu dem hinteren Boot, um zu ihrem Häuschen auf der Insel herüberzufahren. Noch geht es, doch dann kommt die Zeit, wo das Eis zu dick für das Boot und zu dünn für den Skooter ist, und die Häuser auf den Inseln leer bleiben.

Ein bisschen Winter

Eigentlich wollte ich Ende der Woche einen dramatischen Bericht über den vielen Schnee schreiben, der hier die Woche gefallen sein wird. Aber wie es aussieht, kann ich mir den sparen. Aber fangen wir mit dem Wochenanfang an:

Montag, 26. November

Die Temperatur sinkt auf 0 Grad und ab und zu fällt eine einzelne Schneeflocke, die sofort auf dem nassen Boden schmilzt. Es soll die ganze Woche kälter werden, am Wochenende 20 cm Schnee geben, am Samstag mit viel Wind und dann am Montag sonnig und kalt (Minimum: -15 °C) werden.

Dienstag, 27. November

Über Nacht ist ein Millimeter Schnee gefallen. Im Laufe des Tages fällt Schneestaub – sozusagen die kalte Variante des Sprühregens – aus trübem Himmel. 1 cm Schnee liegt am Abend. Das reicht aber schon aus, um einen dunklen November- in einen hellen Winterabend zu verwandeln: Der Schnee reflektiert alles Licht und plötzlich sieht man nicht nur ein dunkelgrauschwarzes Nichts wie noch letzte Woche, sondern den schneebedeckten Garten und die weiße Straße.

Mittwoch, 28. November

Heute ist der erste Tag mit Dauerfrost. Das ganze bei Wolken und ab und zu mal ein Schneestäubchen, das vom Himmel fällt. Auf den Straßen ist das bisschen Schnee zu Eis festgefahren. Nach der heutigen Vorhersage bleibt es wohl trüb. Am Wochenende sollen ein paar Zentimeter Schnee fallen und windig und kalt werden. Das mit dem Wind fänd ich schade, denn ich möchte gerne noch einmal Kajak fahren, eh die Ostsee zufriert.


Und damit hier nicht nur Text steht, noch ein Foto von heute Abend. Eine sehr schöne Lage hat dieses Haus, vorne der zugefrorene See, hinten die Ostsee, die zur Zeit auch in den Buchten noch offen ist. Der vordere Teil des See ist übrigens blank, da der Wind den lockeren Schnee weggeblasen hat.

Winteranfang

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

Heute ist für die Meteorologen Winteranfang. Und das schwedische Wetter hält sich daran. So kalt wie in Vittangi im Norden, wo in der letzten Nacht -33,5 °C gemessen wurde, ist es hier mit fünf Grad unter null zwar nicht, aber der kräftige Wind, der schon die ganze Nacht am Haus gerüttelt hat, lässt einen draußen die Kälte deutlich spüren. Dieser Wind bringt Wolken mit sich und die haben Schnee im Gepäck. Erst fegte der Neuschnee nur die Straßen und Wege entlang, jetzt – um ein Uhr mittags – bleibt er auch überall liegen. Es ist schon ganz schön dämmrig, mit Schnee, Wolken und der Sonne gerade noch 1.5 °C überm Horizont. Daher mache ich die nächsten Fotos erst morgen.

Ein paar Fotos vom Vormittag:

Bei den Wetterwarnungen des smhi liest sich das so:

Warnstufe 1 Schneefall […] An der Küste Schneeschauer die kräftig sein können. Es kommen 10-20 cm Neuschnee und es besteht Gefahr von Schneewehen […] · Warnstufe 1 mäßige Eisbildung (auf der Ostsee) · Warnstufe 1 Starker Wind. Ost oder Nordost ca. 15 m/s[…]

Drei Einleitungen zum Sonntag

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

1.

– Papa, was is’n Läikefekt?
– Ein Lake Effekt, weißt Du, das ist englisch. Der kalte Wind streift über das warme Meer und zieht feuchte Luft …
– Och nö, Papa, kein Geo!
– … also auf jeden Fall gibt’s dann an der Küste total viel Schnee. Schau einfach mal in das Blog Nordwärts, da siehst Du, was dann passiert.

2.

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3.

Ja hallo, bin ich denn in Kanada? War das jetzt ein Blizzard oder was? Gestern noch grün und heute … . 10 – 20 cm Schnee hat das Wetter gestern vorhergesagt, am Sonntag vormittag abnehmend. Ha, ha, ha! Abnehmend! – man konnte ja teilweise keine 20 Meter mehr schauen! Und windig war es auch noch ganz schön. So viel Schnee in 24 Stunden, das hat auch der Nachbar von gegenüber noch nicht erlebt. Und alle Nachbarn sind auf der Straße und schaufeln Schnee, schaufeln Schnee, schaufeln Schnee.


Geduld, liebe Blogleser, Fotos und ein Bericht kommen noch, aber jetzt muss ich mich ein bisschen ausruhen vom Schnee schaufeln. Und ich habe noch nicht einmal die Hälfte geschafft.

Im Schnee versunken

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

Nur zur Erinnerung: Gestern mittag konnte man noch überall den Rasen sehen, denn es war zwar kalt, aber Schnee lagen nur ein paar Millimeter. Dann fing es an zu schneien, mehr zu schneien, noch stärker zu schneien. Entgegen der Vorhersage (10-20 cm Schnee, lässt vormittags nach), schneite es die ganze Nacht durch und auch heute vormittag kamen mit jeder weiteren Stunde fünf Zentimeter dazu. Und da kommt eine Menge zusammen …


Als ich heute aus dem Haus blickte, war alles tief verschneit und es schneite noch immer. Die Straße war eine einzige weiße Fläche und von meinem Auto schauten nur noch ein Teil der Scheiben, Dachreling und Rückspiegel hervor. Bis zum Oberschenkel ging mir das fluffige Weiß auf dem Weg zur Garage. Denn dort standen die Skier, die ich heute nehmen wollte. Inzwischen war der Schneepflug gekommen und hat zusätzlichen Schnee von der Straße vor das Grundstück geworfen. Da musste ich erst einmal durchwaten, um überhaupt auf die Straße zu kommen.

Mit Skiern bin ich dann bergauf die Straße in Richtung Storgrundet gelaufen, bin aber schnell wieder umgekehrt, denn im Wald trug der Schnee nicht und der Weg war schon geräumt, so dass die Skier auf dem Kies kratzten.

Mit den Winterstiefeln (gefüttert – wasserdicht – bequem) ging es dann viel besser. Bei der Skooterspur habe ich den Weg verlassen und bin die Waldwege entlanggelaufen. Oder das, was von den Waldwegen übrig war, denn überall lag der Schnee knie bis hüfthoch. Genau das Richtige, um sich an die alten Trendsportarten von vor zwei Jahren zu erinnern: Tiefsnow stapfing und Power snowangeling! Beim letzten Foto bin ich einfach die verschneiten Felsen heruntergerutscht und weitergerutscht und weitergerutscht. Keine Angst, so tief ist der Schnee dann doch nicht, ich liege hier halb auf den großen schrägen Felsen. (Beim Power snowangeling habe ich mich übrigens einfach rückwärts fallen lassen. Kein Anlauf oder so …)

Die Natur präsentierte sich hauptsächlich in Schwarzweiß. Eigentlich hauptsächlich in Weiß, denn der Schneefall wurde immer stärker und ich war froh, zur Sicherheit einen Kompass dabei zu haben, auch wenn ich die Umgebung inzwischen ganz gut kenne. Vor allem an dem kleinen See Rudtjärnen war alles weiß in weiß und das gegenüberliegende Ufer war nicht zu sehen.

Nach einer recht anstrengenden Runde zu Fuß durch den Tiefschnee bin ich wieder auf den geräumten Weg gekommen. Hier lag schon neuer Schnee. An dem (anderen) kleinen See, an dem ich vor ein paar Tagen noch fotografiert habe, ist es meistens sehr windig. So auch heute. Ich bin kaum zum Ufer gekommen, um ein Vergleichsfoto zu machen, denn der Wind hat die Schneeverwehungen schon hart werden lassen. Eingesunken ist man aber doch bis zum Bauch.

Nun war es bis zur Ostsee nicht mehr weit. Zu meinem Erstaunen war die Ostsee zwischen Insel und Festland zugefroren, auch wenn einige braune Stellen verrieten, dass das Eis noch lange nicht tragfähig ist. Hier habe ich eine Tee- und Esspause gemacht, die war aber bei dem Küstenwind trotz zweiter Jacke ganz schön ungemütlich. Die Insel Storgrundet war im Schneefall und Schneetreiben nicht einmal zu erahnen und auch die Nikon wollte nicht mehr so richtig. Zeit für den Rückweg …

Der Rückweg ging schnell, selbst wenn die geräumte Straße inzwischen wieder zugeschneit war. Als ich wieder in meine Straße einbog, sah ich alle Nachbarn auf einmal. Und alle schaufelten Schnee. Oder unterhielten sich über das Wetter. Manche hatten eine Schneefräse und später kam auch jemand mit einem alten Traktor dazu. Mein Auto war inzwischen bis auf den rechten Außenspiegel komplett unter den Schneemassen verschwunden und auch mein Trampelpfad von vor einigen Stunden war wieder zugeschneit.

Mittags – genau 24 Stunden später – hörte der Schneefall wieder auf. Und in diesen Stunden haben die Wolken 83 cm Neuschnee in meinen Garten geladen. 83 cm in 24 Stunden! Das hat auch der Nachbar von gegenüber noch nicht erlebt! Ich ahnte, dass ich den Rest des Tages mit Schneeschaufeln beschäftigt sein würde. Schon der Pfad zur Haustür hat seine Zeit gebraucht und danach kam das Auto dran, und der Schnee davor. Das ganze war ein bisschen wie Ostereier suchen: Oh, ich habe ein Auto, einen Briefkasten, eine Treppe, ein Kellerfenster! Bloss der Zaun zum Nachbarn ist immer noch im Schnee versteckt.

Ich schätze, ich habe 10 Kubikmeter, also etwa eine Tonne Schnee über meine Schulter geworfen und dementsprechend groggy bin ich jetzt. Richtig groggy! Aber während die meisten Nachbarn nur die Arbeit sehen, freue ich mich, dass der Winter mit einem Paukenschlag pünktlich zum ersten Advent (Stimmt, den haben wir ja heute auch) gekommen ist. Und so viel Schnee bleibt lange liegen, zumal die nächsten zehn Tage Dauerfrost sein soll. Winter wonderland!

Anmerkungen

Eigentlich war heute wieder Skyltsöndag in Skelleftehamn. Da war aber nichts, denn auch der Marktplatz war unter Schnee begraben.

Es hat wohl wieder einen „Lake effect“ gegeben, denn schon zehn Kilometer landeinwärts liegt ungleich weniger Schnee. Und den Lake effekt konnte das smhi vor zwei Jahren auch schon nicht vorhersagen.

Fotografen wird auffallen, dass manche Bilder vignettiert sind. Das liegt daran, dass um die Linse herum ständig Schnee klebte. Zum Schluss war die Hälfte der Bedienelemente an der Nikon eingefroren und das Fotografieren wurde immer schwieriger. Ich werde das nächste Mal die Nikon vorher schon herunterkühlen in der Hoffnung, dass der Schnee dann nicht so leicht am Gehäuse schmilzt und festfriert.

Am Tag danach

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

Am Tag danach klarte der Himmel ein bisschen auf und die Temperatur fiel auf knapp -15 °C. Die Ostseebucht, an der ich vorgestern noch Wellen fotografiert habe, ist komplett mit Eisfladen bedeckt, die größtenteils schon zusammengefroren sind. Das war’s erst einmal mit dem Kajak fahren.

Am Haus ist der lockere Schnee schon ordentlich zusammengesackt, von 83 cm auf 67 cm. Die Sonne scheint fahlorange durch eine leichte Wolkenschicht aus der Schneestaub fällt. Es wird ein bisschen wärmer, -12 °C.

Gestern war so manches Auto komplett eingeschneit und das Auto eines Nachbarn war nur noch am Antennenstummel zu orten. Heute musste ich länger suchen, bis ich ein eingeschneites Auto als Fotomotiv entdeckt hat, denn die Menschen sind fleißig. Fast alle haben ihre Fahrzeuge freigeschaufelt und die Wege vom Schnee befreit. Aber zum Schluss habe ich doch noch eines gefunden.


Nachtrag: Und so sah es heute Mittag bei Storgrundet aus. Die Ostsee ist komplett eisbedeckt und wenn es weiter so kalt bleibt, kann ich vielleicht schon nächstes Wochenende zur Insel herüberlaufen.


Nachtrag 2 (20:20): Der Ort Bureå, knapp 10 km weiter südlich, hat noch mehr Schnee abbekommen: Laut Norran – Skellefteås Zeitung – einen Meter. Und im Gegensatz zu hier, wo alle Nebenstraßen und sogar der Fahrradweg sofort wieder freigeräumt waren, waren dort gestern Nachmittag noch viele eingeschneit.

Eisblumen

Ein Wintergarten im Winter ist eine schöne Möglichkeit, kurz vor dem ins Bett gehen noch einmal ein paar Eisfotos zu machen, ohne sich komplett in seine warmen Klamotten zu werfen. Praktisch!

Langer Donnerstag

Was war ich aufgeregt: Meine erste Bilbesiktning – das schwedische Pendant zum TÜV. Um 8:20 hatte ich den Termin und war natürlich viel zu früh da. Als ich dran war, hat mir eine junge Frau das Auto weggenommen und Licht, CO₂-Ausstoß, Bremsen, Unterboden und was weiß ich noch alles überprüft. Nach Ihrer abschließenden Probefahrt habe ich dann ein „Godkänt“ bekommen, also ein „Anerkannt“ – wie schön!

Dann bin ich zur Arbeit gefahren. Als ich über die Brücke gefahren bin, habe ich gesehen, dass ein großer Teil des Flusses Skellefteälven schon zugefroren ist. Also musste ich, statt sofort loszuarbeiten noch einmal zum Fluss laufen und ein paar Bilder machen. Wenn man sich die Fotos ansieht, kann man kaum glauben, dass ich mitten in Skellefteå stehe, welches ja immerhin 33000 Einwohner hat.

Nach der Arbeit hatte ich noch ein bisschen Zeit zum nächsten Termin. Also bin ich in die Bonnstan gefahren und habe dort ein paar Fotos gemacht. Leider war der Himmel bewölkt und ist deswegen auf den Fotos viel zu hell. Ich muss dort noch einmal hinfahren, wenn der Himmel klar und Neuschnee gefallen ist. Ich habe mich dann in den Schnee gesetzt, auf den Fluss hinuntergeschaut und ein kleines Abendbrot gegessen.

Dann ging es aber weiter zur Probe, denn nächste Woche bin ich auf der Bühne. Nicht als Schauspieler – das kann ich gar nicht! – sondern als Pianist. Ich bin gefragt worden, ob ich bei dem Stück „Julstämningen“ – Weihnachtsstimmung mitwirken möchte. Es ist eigentlich ein Einpersonenstück in vier Teilen, aber mit auf der Bühne steht ein Chor, der auch szenisch eingesetzt wird und ich spiele Klavier.

Das macht Spaß, auch wenn mir momentan alles ein bisschen viel ist. Denn am Dienstag Abend hatten wir unser wöchentliches Treffen mit Dark & Cold, mit dem wir unter anderem die nächste Winterschwimmmeisterschaft im Februar 2013 organisieren. Da ist viel zu tun und am Wochenende muss ich die Visitenkarten für uns machen. Gestern war der „Creative Summit Winter“ – eine halbtägige Konferenz unter dem Motto „Drive, Talent & Innovation“ mit anschließendem Dinner und Beisammensein. Sehr nett, aber ich habe das Lauterwerden der Musik zum Anlass genommen, früh zu gehen. Denn Schnee schaufeln musste ich ja auch noch fast jeden Morgen und Abend, auch wenn keine Massen mehr herunterkommen. Aber über Schnee, Kälte und all so was schreibe ich das nächste Mal wieder.

Einen Nachteil hatte mein langer Donnerstag heute: Ich konnte nicht das Nikolauspaket abholen, welches seit heute beim ICA auf mich wartet.

Der Winter diese Woche

Am Sonntag um zwei lagen also hinten im Garten 83 cm Schnee, alle von den letzten 24 Stunden. Am nächsten Morgen lagen dort nur noch 67 cm, denn der frisch gefallene Schnee ist so fluffig und leicht, dass er ziemlich schnell zusammensinkt. Das ist vielleicht auch ganz gut so, denn sonst würden hier erstaunliche Pulverschneemengen herumliegen und bei jedem kleinen Windstoß die halbe Nachbarschaft zuwehen.

Am Montag (3.12.) ca. 5 cm Neuschnee, am Dienstag morgen ca. 15 cm Neuschnee (eine halbe Stunde schaufeln), seitdem jeden Tag ein paar Zentimeter. Heute Mittag hatte ich hinten im Garten 56 cm, also ist der Schnee schätzungsweise auf die Hälfte seines Volumens zusammengesunken. Auch heute ist es wieder windig und es schneit, aber wirklich viel kommt nicht herunter.

Am Dienstag (4.12.) Abend wurde es mal kurz überraschend kalt: Am Flugplatz wurden -25 °C gemessen und auch bei mir in Skelleftehamn wurden zum ersten Mal in diesem Winter die -20 °C kurz unterschritten. Seitdem ist es aber langsam wieder wärmer geworden, heute mit Temperaturen zwischen -9 °C und -7 °C. Das ist schön, denn da kann ich noch ohne Handschuhe fotografieren.

Am Mittwoch (5.12.) wurde eine Schneewarnung für Stockholm gegeben und richtig – es kam auch einiges in der Stadt herunter, die damit viel größere Probleme hatte als der Norden, denn dort ist natürlich viel mehr Infrastruktur und die wird intensiver benutzt. Auch der Flughafen war am Vormittag wegen des Schnees geschlossen.

Ein bisschen lächerlich gemacht hat sich aber meiner Meinung nach die Zeitung „Dagens Nyheter“, die ein Bildspiel mit dem Titel „Snökaoset i Stockholm“ im Netz veröffentlicht hat. Da war unter anderem dieses schöne Bild zu sehen, von dem ich einen Screenshot gemacht habe. Als ich das bei Facebook gepostet habe, war die Freude der Nordschweden groß, denn hier denken ohnehin alle, dass der Süden nicht weiß, was Schnee und Winter sind.

Heute (7.12.) bin ich durch den Schneefall wie so oft vom Bus nach Hause gelaufen – mit Handschuhen, Halstuch, Mütze und dicker Kapuze auf. Dazu habe ich brasilianische Musik gehört – ein herrlicher Kontrast zum Wetter hier. Abends war ich dann noch einmal kurz draußen und habe Schneewehen und mein Haus fotografiert. Beim Bearbeiten ist mir aufgefallen, dass die vom Wind gewehten Strukturen den Schnee fast wie Sand aussehen lassen. Ich habe versucht, den Schnee wie Sand aussehen zu lassen, aber das Geglitzer verrät schnell, dass ich nicht in der Sahara unterwegs war.

An der Ostsee

Kleinere Ostseebuchten sind schon mit Eis bedeckt, auf der offenen Ostsee ist aber die Wellenbewegung noch gut zu sehen, auch wenn die Oberfläche mit Eis bedeckt ist.

Wo Wasser und Kälte sind, da ist auch Eis. Am Ufer bilden sich die ersten Eisformationen. Vermutlich stehe ich beim Fotografieren schon über dem Wasser, aber an dieser Stelle ist das Eis dick und trägt.

Mit dem Tele sieht man schön, wie die Häuser auf den Inseln schneebedeckt sind. Bei dieser Eislage sind die Inseln teilweise weder mit dem Skooter, noch mit dem Boot zu erreichen. Mit dem Kajak hingegen könnte man … . Ich habe schon erste Pläne gemacht, aber weil ich ein bisschen erkältet bin, lasse ich dieses Wochenende ruhig angehen.

Schneeloch Bureå

Heute bin ich mit dem Auto nach Bureå gefahren, der Ort, in dem letztes Wochenende noch mehr Schnee herunterkam. Und wenn ich mir den Friedhof von Bureå so anschaue, dann glaube ich das auch. Ganze Reihen von Gräbern waren komplett im Schnee verschwunden und nur ein Teil der Steine und Kreuze lugte aus dem Schnee hervor. Der Hauptweg war wohl mal geräumt waren, auf ihm lagen nur so 30 cm Schnee. Als ich die Fotos gemacht habe, musste ich schon sehr genau schauen, wo ich langgehe, damit ich nicht über irgendeinem Grab herumtrampele. Aber – seht selbst:

Als ich wieder am Auto war, stand eine alte Dame – eine kleine, zierliche Frau – vor dem Hauptweg. Sie wollte eigentlich zum Grab ihres Mannes und dort ein Licht anzünden, aber da der Weg nicht geräumt war, ging das nicht. Sie hat erzählt, dass letztes Wochenende 98 cm Schnee herunterkamen und soviel Schnee lag, dass sie ihre Haustür nicht öffnen konnte und nicht herauskam. Andere kamen dann mit Traktor und Schneefräse und haben ihren Eingang freigebuddelt.

Ich bin dann weiter zum Bureberget gefahren und der Weg zum Skilift war tatsächlich geräumt, auch wenn er noch nicht in Betrieb ist. Was für ein schöner Winterwald erwartete mich dort: Tief verschneit und immer wieder mit Blicken auf die Ostsee: Im Vordergrund die komplett zugefrorene Bucht Burefjärden, links am Horizont das Werk Rönnskär in Skelleftehamn – nur manchmal durch die Schneeschauer zu erkennen, und rechts am Horizont Wasser – denn dort ist das Meer noch offen.

Weit bin ich aber nicht gekommen, denn ich hatte keine Schneeschuhe dabei und so manches Mal stand ich bis zum Bauch im Schnee. Als ich dann von dem einen Schritt auf den anderen plötzlich bis über die Brust im Schnee steckte, bin ich umgekehrt. Da ich ein bisschen erkältet war, gibt so etwas meine Kondition noch nicht her. Abgesehen davon wird das Gelände schroffer und steiler, wenn man weiter geht, und das ist mir bei dem Schnee alleine zu gefährlich. Ich habe keine Lust, in irgendeine unsichtbare Ritze hineinzurutschen.

Auf dem Rückweg wollte ich eigentlich noch kurz zum Badestrand, aber die Straße war nicht geräumt und ohne Allradantrieb habe ich mich nicht getraut, dort entlangzufahren. Also bin ich zurückgefahren. Auf manchen Strecken ist es gar nicht so leicht zu sehen, wo der Weg entlangführt, denn alles ist weiß und kontrastarm und auch die leuchtenden Stecken, die den Wegrand markieren sollen, findet man nicht überall.

Als ich dann in meine Straße zu Hause einbog, dachte ich, „Dann hätte ich auch zum Strand fahren können!“, denn dort erwartete mich eine aufgewühlte Schneepiste. Beim Einbiegen driftete das Auto nach außen und ließ eher das Fahrgefühl einer Rodelschale als eines Autos aufkommen. Eine Stunde später kam dann das große Schneeräumfahrzeug und hat die Straße freigemacht. Wo bleibt der Schnee? Auf den Grundstücken! Also war wieder Schneeschaufeln angesagt. Da das Zeugs ja auch irgendwo bleiben muss, habe ich auf einen Schneehaufen eine Rampe angelegt, auf der ich dann den Schnee hochschiebe. Und das war heute richtig anstrengend, weil es mit -2 °C recht warm war und daher der Schnee zu großen und sackschweren Klumpen zusammengepresst ist. Ächz!

Ein Wintermorgen

Gestern war es klar – und damit recht kalt. So um -17 °C. Dann kamen abends die Wolken und es wurde wärmer. Heute morgen schaue ich aus dem Fenster, schaue zwei Mal. Viel ist nicht zu sehen, denn der Wind, den ich nachts schon gehört habe, treibt Schnee vorbei. Und der smhi hat ganz plötzlich Warnstufe 1 wegen 10 cm Neuschnee mit Verwehungen ausgerufen, die im Laufe des Tages kommen sollen. Wenn ich mir die Straße so anschaue, würde ich sagen, dass das Meiste davon schon angekommen ist.

Vorgestern hat hier ein Räumfahrzeug die Schneeberge am Straßenrand und auf den Fußwegen weggenommen und plötzlich ist die Straße doppelt so breit. Dabei hat das Räumfahrzeug den Schnee wohl weggefräst, denn die Kante am Rand sieht aus wie mit dem Stahllineal gezogen. Nun weht die Straße langsam wieder zu und vor allem am Rand sammelt sich der Pulverschnee.

Mein Auto hat wie die meisten Fahrzeuge einen Motorwärmer und ich schließe es nachts an die Steckdose an, damit der Motor morgens warm ist. (Das Auto springt aber auch bei -26 °C noch ohne Motorwärmer an, selbst getestet.) Jetzt hat man die Wahl: Im Fußraum ist ein kleiner Heizlüfter. Schließt man den an, so hat man es morgens schön warm im Auto und die Scheiben beschlagen nicht. Allerdings ist dann auch das Auto warm genug, dass außen der Schnee schmilzt, dann festfriert und man ganz ordentlich Eis kratzen muss. Lässt man ihn aus, so sitzt man in einer Wolke von gefrierender Atemluft. Ich halte es da mehr mit dem Kratzen.

Und Schnee geschaufelt, damit ich losfahren kann und freigekratzt habe ich schon. Als ich allerdings die Windschutzscheibe freigelegt habe, war die Heckscheibe schon wieder komplett zugeschneit. Also muss ich direkt vor dem Losfahren noch mal Schnee von den Scheiben fegen und dann aber los …!


Facebookkommentare heute mogen:

„Skitväder, igen.“ (Sch***wetter, wieder.)

„Trotsar snökaoset :)“ (Trotze dem Schneechaos).

Nicht über Lucia

Heute, am 13. Dezember ist Luciatag. Da könnte ich einiges drüber schreiben. Wenn es mich irgendwie betreffen würde. Denn von Lucia habe ich außer vielen Fotos auf Facebook nichts mitbekommen. Ich war zu Hause.

Gestern war Aufführung. Nach der Generalprobe am Dienstag hatte gestern das Stück „Julstämning“ – zu deutsch „Weihnachtsstimmung“ Premiere. Auf der Bühne: Saga die Schauspielerin, ein Chor und ich am Flügel. Die Premiere lief richtig toll und an sich sollte ich mich heute auf die zweite (und letzte) Aufführung freuen. Tue ich aber nur mäßig. Denn in der Nacht habe ich das bekommen, was die Einheimischen hier „Vinterkräksjuka“ – zu deutsch „Winterkotzkrankheit“ nennen. Ich erspare Euch die Aufzählung der Symptome. Jetzt habe ich immer noch ordentlich Fieber, werde mich aber gleich ins Auto setzen und zum Theater fahren. Da kann ich mich dann freuen, dass ich einiges an Routine als Pianist habe und die Stücke auch in meinem, sagen wir suboptimalen Zustand gut spielen werden kann.

Unterbrochen wurde der Tag, den ich hauptsächlich mit Schlafen und ekligen Magentee trinken ausgefüllt habe von einem Traktorgeräusch. Der Nachbar von gegenüber hat einen alten Freund, der einen ebenso alten Traktor (Baujahr 1957) sein eigen nennt. Und mit diesem herrlichen Gefährt hat der Freund für kleines Geld meine Einfahrt von den Schneemassen befreit. Das sieht zwar jetzt nicht mehr so romantisch aus, aber dafür komme ich auch wieder ohne Tiefschneegestapfe zur Garage.

Ansonsten war ich heute beleidigt! Nicht, weil ich krank bin. Sondern weil es in München viel kälter war als hier! Ich habe so eine Art Absolutheitsanspruch an den Winter in Skelleftehamn, meinetwegen auch noch den in der Stadt: Hier soll es am kältesten sein, am meisten Schnee liegen und ich will lächelnd abwinken, wenn jemand von Schneechaos redet, weil mein Haus bis zum Dach im Schnee steht.

Von daher habe ich es schon als Affront empfunden, dass vor zwei Wochen in Bureå 98 cm Schnee gefallen sind und hier nur 83 cm. Das ist so wie 4:5 verloren. Bin ich, der nie ein Fußballspiel live gesehen hat, vielleicht doch ein verkappter Wettbewerbsfan?

Und dann das hier!:

Am 4. Dezember schön und gut: München -2 °C, Skellefteå Flugplatz -22 °C. Das klingt doch richtig schön nordschwedisch. Aber heute morgen: Skellefteå Flugplatz -4 °C, München -19 °C. Hallo? Geht’s noch? Ich kann mich bei meinen Münchner Freunden doch gar nicht mehr sehen lassen, die lachen mich doch aus! -4 °C, da hätte ich auch nach Hannover ziehen können. Ich hoffe, dass, wenn ich die Silvestertage hier mit deutschen Freunden verbringe, mehr als das zu bieten habe.

So, jetzt gibt es wieder Magentee und dann setze ich mich ins Auto und mache Theater.

Nachträgliche Anmerkungen:

Über Lucia haben heute unter anderem Swedish freak (englisch) und Schwedenstube geschrieben. Und vor einem Jahr habe ich selber etwas geschrieben.

Die Screenshots von den Temperaturen habe ich von der iPhone-Applikation „AeroWeather Pro“ gemacht. Gibt’s auch für den Anfang als Light-Version.