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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Happy Holidays · The Lodge

Heute schreibe ich mal – entgegen meinen Gewohnheiten – ein bisschen was Berufliches.

Unsere „Hello Future“-Weihnachtskarte ist fertig. Wir haben diese Woche echte Postkarten (sowas gibt‘s noch!) an die Kunden geschickt und dazu ein Video produziert, in dem erklärt wird, wie man diese Weihnachtskarte bedient und was man damit alles machen kann. Da hatte ich einiges mit zu tun, denn erst wurde ich letzte Woche gefilmt, dann habe ich abends die Hinter­grunds­musik „Happy Holidays“ eingespielt und dann noch am Sonntag Abend den englischen Text aufgesprochen. Ich kann das Video zwar nicht mehr sehen und hören, aber es haben mich einige von The Lodge heute darauf angesprochen, denen es wohl sehr gut gefallen hat. Ihr könnt es Euch unter http://www.hellofuture.se/jul anschauen.

Und was ist The Lodge? The Lodge ist auf der einen Seite ein Produktionsnetzwerk aus Unternehmen verschiedener Fachrichtungen. Die Unternehmen sind hauptsächlich im Bereich Werbung, Internet, Fotografie oder Filmproduktion angesiedelt. Auf der anderen Seite ist es auch eine Art Branchenverband, der diese Bereiche verbindet. Und Hello Future ist natürlich auch mit dabei.

Ich komme gerade vom Weihnachtsfest von The Lodge bei North Kingdom, einer Werbeagentur, die in Skellefteå und Stockholm sitzt, wieder. Wir haben uns alle um sechs getroffen und erst Julskinka (Weihnachtsschinken) und Gröt (Haferbrei mit Zimt und Milch) gegessen und danach den offiziellen Teil eröffnet, in dem jedes Unternehmen sehr ehrlich dargestellt hat, wie das Jahr gelaufen ist. Dann wurden aber auch einige Sachen besprochen, die nächstes Jahr geplant sind und 2011 recht spannend aussehen lassen. Um acht begann der inoffizielle Teil, den ich allerdings eine gute Stunde später schon verlassen habe, weil ich so müde war.

Das hängt zum einen damit zusammen, dass ich heute wieder viel Schwedisch gehört und gesprochen habe – da ist nach spätestens fünf Stunden meine Konzentration im Eimer. Zum anderen habe ich aber auch leider noch keinen richtigen Winterschlafrhythmus gefunden. Ich bin sehr früh müde – oft schon um halb neun, komme dann über den toten Punkt und gehe um halb zwölf ins Bett. (Da war es dann schon neun Stunden lang dunkel). Gegen vier wache ich auf und bin wach. Das ist alles nicht so ideal und ich werde auch dieses Wochenende wieder Schlaf nachholen.

Es ist natürlich schade, dass ich früh gehe und damit vielleicht einige Kontakte verpasse, aber seien wir ehrlich, ab dreißig Leuten waren mir solche Treffen in Deutschland auch nicht so mein Ding.

Und sonst …

… habe ich jetzt auch wieder Licht im Bad. Jetzt muss nur Kleinkrams an die Wände und das kann ich selber machen. Endlich ist nun mein kleines Bad im Erdgeschoss nach vier Monaten wieder benutzbar. Toll!

Und das Wetter? Vorgestern tagsüber waren es noch -15 °C, am Abend nur noch -3 °C und Schnee sollte kommen. Kam aber nicht. Gestern lagen die Temperaturen bei minus ein, zwei Grad und am Nachmittag fing es an zu schneien. Der Schneefall nahm dann immer weiter zu, genau so wie der Wind, der die halbe Nacht im Schornstein geheult hat und Schnee an das Schlaf­zimmer­fenster geworfen hat. Heute morgen lagen dann 15 – 20 cm Neuschnee. Aber wie soll man feststellen, wie viel es wirklich war, wenn auf der in Windrichtung gelegenen Straße nur 10 cm liegen, aber an der Leeseite des Hauses der noch am Vorabend geräumte Weg halbmeterhoch mit Pulverschnee bedeckt ist und die meisten Zäune und Hecken wieder fast verschwunden sind. Heute ist tagsüber nicht mehr viel heruntergekommen, aber im Garten liegen jetzt wieder etwa 60 cm Schnee. Temperatur 22:50: -6.6 °C.

Meine Reise von München nach Skelleftehamn, Teil I

Ein Gastbeitrag von Sonya.

Die Anreise

In Europa ist der Flugverkehr in den letzten Tagen aufgrund des unerwartet schneereichen Winters regelmäßig zusammengebrochen. Es kam zu Verspätungen und Flugausfällen. Meine Hauptsorge ist, ob ich mein Flugzeug nach Stockholm überhaupt noch rechtzeitig erreiche.

Es ist der 18. Dezember. Am Abend zuvor fand in der Agentur, in der ich arbeite, die Weihnachtsfeier statt. Die Nacht war entsprechend kurz. Hinzu kommt, dass ich immer auf den letzten Drücker packe. Bereits Tage vor Reisebeginn auf gepackten Koffern zu sitzen, entspricht nicht meinem Reiseverhalten. Immerhin nutze ich sonst eine sorgfältig durchdachte Packliste. Diese Liste fehlte diesmal und so kam es, dass ich viel zu viele Dinge eingepackt und trotzdem viel zu viele Dinge vergessen habe.

Eine Stunde vor Abflug komme ich am Flughafen an, mit etwa zwanzig Minuten Verspätung hebt das Flugzeug ab. Meine Reise von München nach Skelleftehamn beginnt.

In Stockholm besteht die größte Herausforderung darin, die Bushaltestelle der Linie 65 zu finden. Ich ärgere mich schon, dass ich unbedingt eine Nacht in der schwedischen Hauptstadt verbringen will und nicht gleich in den Nachtzug steigen kann. Meine Tasche ist schwer und dieser verdammte Bus 65 zu meinem Hostel ist nicht zu finden. Als ich ihn endlich finde, erklärt mir die Fahrerin, dass ich keine Fahrkarten im Bus kaufen könne. Grummel.

Als ich mein Nachtquartier sehe, ist jede Anstrengung der Anreise vergessen. Prächtig liegt die Chapman am Ufer der Insel Skeppsholmen. Ich beziehe meine Kajüte, durch das Bullauge blicke ich auf einen riesigen Weihnachtsbaum und Gamla Stan, die Altstadt von Stockholm.

Die nächsten Stunden laufe ich kreuz und quer durch Gamla Stan und treffe Freunde aus München, die ebenfalls gerade in Stockholm sind, zum Essen. Später sitze ich in meiner Kajüte und skype mit Olaf. Über die Webcam zeige ich ihm den Blick aus dem Bullauge. Internet ist fantastisch.

Den Sonntag spaziere ich durch das verschneite und vorweihnachtliche Stockholm, trinke einen Glögg, mache Fotos. Ich bin sehr froh über den Winterparka und die Stiefel, die ich mir kurz vor meiner Reise gekauft habe, denn trotz Minusgraden und eisigem Wind ist mir mollig warm.

Am Abend verlässt mit eineinhalb Stunden Verspätung der Nachtzug Stockholm in Richtung Norden. Sanft ruckel ich im Schlaf durch Schweden. Ich fahre gerne mit dem Zug. Am nächsten Morgen hat der Zug schon zweieinhalb Stunden Verspätung, doch das ist nicht schlimm. In Bastuträsk wartet ein neuer Bus, der mich nach Skellefteå bringt. Um die Mittagszeit habe ich mein erstes Etappenziel erreicht. Olaf holt mich von der Bushaltestelle ab. Gemeinsam laufen wir durch die Köpmansgatan zum Haus 10 Merchant Street, wo in den kommenden Tagen auch mein Arbeitsplatz sein wird.

Die Arbeitswoche

Mit Laptop und Internetzugang kann ich im Prinzip von jedem Ort arbeiten, also auch von Schweden aus. In den Räumen von Hello Future in der 10 Merchant Street richte ich mein Heimbüro (englisch: Home Office, schwedisch: Hemmakontor) ein.

Ich finde es schön, dass ich auch einen Einblick in Olafs Arbeitsleben in Schweden erhalte und seine Kollegen treffe, von denen er mir schon oft erzählt hat und die ich bereits von kleinen Buddy-Icons auf Twitter kenne. Internet hin oder her, die Menschen und Räume mit eigenen Augen zu sehen, ist doch nochmal etwas anderes.

Die Mittagspause ist der einzige Zeitpunkt, bei Tageslicht draußen zu sein, wenn auch nur sehr kurz auf dem Weg zu einem der Restaurants. Dort gibt es den Dagens Lunch, ein Mittagsbuffet mit Salaten und ein bis zwei Hauptgerichten sowie Wasser und Kaffee. Für 75 bis 90 Kronen ein vergleichsweise preiswertes Mittagessen.

Nachmittags klingt der Ruf „Fika“ durch die Räume, Kaffeepause. Wir sitzen alle zusammen in der kleinen Sitzecke und reden über berufliches (Internetzeugs) und privates. An meinem letzten Tag bei Hello Future bringe ich eine Linzertorte mit, die es bei meiner Familie traditionell zur Weihnachtszeit gibt. Um die schwedisch-münchnerische Verbindung herzustellen, zieren drei Elche und die Münchner Frauenkirche den Kuchen, der auch im Fotoblog der 10 Merchant Street verewigt wird.

Am 23.12. hat Olaf bereits Urlaub und ich baue meinen Rechner in seinem Haus vor dem Fenster auf. Es ist der erste Tag, an dem ich richtig mitbekomme, wie es gegen halb zehn hell und gegen 14 Uhr wieder dunkel wird. Ich muss zugeben, dass mich der kurze Tag durcheinander bringt. Ich fühle mich unglaublich müde und gähne mich durch meinen letzten Arbeitstag für dieses Jahr. Am Abend heißt es dann endlich: Feierabend und Weihnachtsferien.

Vor einem Jahr

Gestern vor einem Jahr hatte ich mein Vorstellungsgespräch bei Artopod in Skellefteå. Heute vor einem Jahr – am Dienstag kurz nach 10 – hatte ich die Zusage für den Job als Webentwickler. Ein ganzes Jahr ist das also jetzt schon her, dass ich wusste, ich würde nach Skellefteå gehen – eine lange Zeit. Ich habe mich an vieles schon gewöhnt: Städte mit mehr als 50000 Einwohnern sind wirklich groß, der Winter ist sehr lang und man spricht halt schwedisch.

Manche denken, ich sei ein mutiger Mensch, der sich eines Tages entschlossen hat, nach Schweden zu gehen und dann halt nach Schweden gegangen ist. Sie wissen nicht, dass ich seit Jahren immer wieder überlegt, geträumt, mich entschlossen, gezweifelt, geplant und Pläne wieder verworfen habe.

Auf der Seite „Geschichte“ schreibe ich ein bisschen über diese Jahre und wie es dazu gekommen ist, dass ich letztendlich in Nordschweden gelandet bin. Woher aber mein Faible für Winter, Schnee und Kälte kommt, das weiß ich auch nicht.

Und – ich wage es kaum zu sagen – obwohl mir der seit vier Monaten andauernde Winter immer noch gefällt, ich freue mich auch auf den Frühling: Auf Wärme, auf grüne Blätter, auf offene Seen, auf singende Vögel, sogar auf Regen. Auf Fahrrad fahren und auf kleine Wellen auf der Ostsee. Auf den kleinen Strand um die Ecke und die Melodie des Eiswagens. Und irgendeinen Tag werde ich zufrieden die kanadischen Stiefel und den Daunenparka in den Keller bringen und in den Frühling hinauslaufen.

Von der Arbeit

… schreibe ich hier eigentlich nie. Zum einen gehört es nicht so in dieses private Blog hinein, zum anderen finde ich es komisch, über die Arbeit in einer Sprache zu berichten, die die Kollegen nicht lesen können. Aber man kann ja mal eine Ausnahme machen, denn heute gibt es gleich zwei Gründe:

Torten mit Worten …

(Man verzeihe mir diesen grauenhaften Kalauer)

Zum einen wurde ich heute von Hello Future – meinem Arbeitgeber – mit einer Torte beschenkt, weil ich letzte Woche Geburtstag hatte. Aber ich war die letzten Tage so damit beschäftigt, kniffelige Programmierer-Probleme zu lösen, dass ich ein bisschen mit Scheuklappen herumgelaufen bin.

Deshalb gab es die Torte erst heute. Abgebildet war eine sogenannte Apple-Push-Notification. Der Text heißt übersetzt: „Glückwunsch Olaf. Willst du weitergehen und die Torte essen? [Abbrechen] [Fortsetzen]“. Keine Frage, ich habe Fortsetzen gedrückt und dann die Torte angeschnitten. Zum Glück haben mir die Bürokollegen beim Aufessen geholfen. Das übrig gebliebene Stück (Merke: In Schweden bleibt immer ein Stück übrig) habe ich mit nach Hause genommen und gerade verspeist.

Wo sind die Designer und Webentwickler und die … und die …

Zur Zeit sucht Hello Future sowohl einen Designer als auch ein, zwei Programmierer. Wer also als Designer oder Programmierer hier arbeiten möchte: Bewerbt Euch! Wer jemanden kennt, der nach Schweden möchte und in dem Bereich arbeitet: Sofort Bescheid sagen! Es ist nämlich leider nicht so einfach, hier in Skellefteå gute Leute zu bekommen und nicht nur Hello Future sucht gerade Verstärkung, sondern auch andere Unternehmen im Bereich Internet, Werbung und Media.

Da dieses Problem schon länger existiert, soll hier im Herbst eine Ausbildung in Cross Media Interaction Design anfangen. Die Studenten sollen nicht nur eine fundierte theoretische Ausbildung erhalten, sondern auch im nahen Kontakt zu den Unternehmen der Stadt stehen. Dann merken sie (hoffentlich), dass hier alle nett sind und dass es sich hier sehr gut leben lässt. Aber lest selbst, wenn es Euch interessiert: Master Program in Cross Media Interaction Design – Skellefteå, Sweden.

Es gibt übrigens noch Plätze. Wer also Lust hat, hier zu leben und zu studieren – uns würde es freuen!

Creative Summit

Wer mein Blog liest, könnte auf die Idee kommen, dass hier schöne Natur ist, aber sonst nichts. Und das ist nicht ganz richtig. Natürlich kann sich die Stadt Skellefteå kulturell nicht mit Städten wie München messen, aber wenn es um den Bereich Kreativität geht, dann überrascht Skellefteå immer wieder.

„I can honestly say that I’ve never been to any place that has a higher concentration of ridiculously creative people.“

(Jeff Voris, Disney, Creative Summit 2009)

Auf dieses Zitat ist man natürlich ein bisschen stolz und es wurde zur Eröffnung des Creative Summit auch wieder erwähnt. Aber mir scheint fast ein bisschen etwas dran zu sein an der Sache. Aber wie auch immer … .

Einige hundert Teilnehmer lauschten interessiert bis begeistert den Vorträgen von verschiedenen Rednern. Die Palette reichte von Jess Greenwood, die einen dichten und energiegeladenen Vortrag über Kreativität gehalten hat (ich habe noch nie jemanden so schnell englisch reden hören) bis hin zu Lorne Peterson, der für viele von George Lukas’ und Steven Spielbergs Filmen die Modelle gebaut hat, so zum Beispiel den Todesstern aus Star Wars.

Am Mittwoch Abend hieß es dann „Dinner and Drinks“ auf dem Vitberget, dem in der Stadt gelegenen Skihügel. Eigentlich hätte man mindestens zwei Wochen gebraucht, um mit allen interessanten Leuten – also eigentlich allen Leuten – zu reden, aber auch in der begrenzten Zeit bildeten sich interessante Gespräche. Am Donnerstag ging es dann mit Vorträgen weiter.

Am Freitag war dann noch ein dreistündige Vorstellung von Adobe-Leuten, die viel über Neuerungen in ihren Produkte wie Flash oder Photoshop gesprochen haben. Und nach diesen zweieinhalb Tagen Inputkonzentrat bin ich todmüde im Stand-By-Modus nach Hause gewankt. Fazit: Wie schon im letzten Jahr anstrengende, aber extrem inspirierende Tage.

Noch einmal zum Thema Kreativität: Mir scheint es manchmal, dass jeder hier kreativ oder künstlerisch tätig ist. Der Landschaftsgärtner spielt Schlagzeug und Cajón, die Programmiererin töpfert und aquarelliert. Überhaupt fast alle spielen ein Instrument, malen, oder fotografieren. Ein weiterer Grund, warum ich mich hier wohlfühle.

Erinnerung an mich selbst: Mehr um Musikkontakte kümmern. Ich will wieder mit anderen zusammen Musik machen. Aber jetzt ist Sommer und alle sind in ihren Sommerhäusern, so hat das gut noch bis September Zeit.

Brückenbau-Arbeits-Sommer-Bade-Stadtfest-Panorama

Manche Tage sind dichter als andere. Von so einem Tag komme ich gerade zurück.

Der Morgen

Knallblauer Himmel – schon am Morgen zwanzig Grad – das schreit danach, mit dem Fahrrad zu fahren. Es ist immer herrlich, wenn man schon morgens oben herum nur ein T-Shirt braucht und in den Sandalen mit den Zehen wackeln kann. Kurz vor der Stadt mache ich eine kurze Fotopause, denn da wird eine neue Brücke über den Skellefteälven gebaut. Da habe ich noch nichts von mitbekommen, da ich diese Strecke nicht so oft fahre. Zum Schluss schlängele ich mich durch das Zentrum, denn heute beginnt das Stadtfest und überall stehen Zäune, Autos, Zelte, Menschen und nochmal Autos.

Arbeit

Ich hätte ja jetzt schon gerne Urlaub, aber bis zum Ende der Woche muss ich noch durchhalten. Im Büro ist es überraschend kühl und die Hitze schlägt uns ins Gesicht, als wir zum Mittagessen aufs Stadtfest gehen. Kein Wunder, denn mit 30.4 °C ist Skellefteå heute laut SMHI-Messungen der wärmste Ort Schwedens.
Das Stadtfest? Wie alle Stadtfeste, aber dazu später mehr.

Danach arbeite ich noch ein bisschen, aber die Konzentration geht gegen null und ich beschließe, eine Badepause zu machen.

Badesee

Kurz darauf sitze ich bei einer Freundin im Auto, sie hat ihren Lieblingsbadesee wiedergefunden. Für schwedische Verhältnisse ist dort einiges los. Ich kann das nicht ernst nehmen, die fünfzehn Leute. Die Luft ist warm, das Wasser des kleinen Waldsees herrlich erfrischend kühl, man möchte gar nicht mehr aus dem Wasser heraussteigen. Und zum Schluß sind wir fast alleine da. Aber … noch habe ich keinen Urlaub, die Arbeit wartet.

Arbeit

Die Kollegen gehen nach Hause, ich bleibe noch. Zum einen habe ich ja eine sehr lange Badepause eingelegt, zum anderen bin ich mit Freunden zum Stadtfest verabredet. Aber irgendwann ist es sechs und ich verlasse als letzter das Bürogebäude.

Stadtfest

Und nachdem alle am Treffpunkt eingetrudelt sind, ziehen wir zu neunt über das Stadtfest. Ich bin – wie schon im letzten Jahr – geneigt zu schreiben, dass alle Stadtfeste gleich sind: Fressgassen mit internationaler Imbissküche, die immer gleichen hässlichen Sweater mit Reggaemotiven, billige Taschen, Losbuden und dazwischen Menschen, Menschen, Menschen. Wo kommen die bloß alle her? Von den Menschen hört man allerdings gar nicht so viel, denn was gehört zu jedem Stadtfest dazu? Richtig, lokale Partybands, die unfassbar schlecht abgemischt sind. Die Musik dröhnt und wummert in Lautstärken nah der Schmerzgrenze durch das Stadtzentrum. Wer etwas mitteilen will, der muss halt schreien.

Aber halt, ein paar Sachen sind ein bisschen anders: Alle Festzelte sind abgeriegelt und alle müssen an der Security vorbei, vermutlich damit keine Minderjährigen Bier oder Wein kaufen können. Da es mehrere Festzelte gibt, besteht die Innenstadt eigentlich nur aus Zäunen, die ein gigantisches Labyrinth bilden, denn jede zweite Straße und fast alle Fußwege enden irgendwann vor einem hohen Drahtzaun.

Das Essen wie oft: Von Fast food (amerikanisch bis asiatisch) bis zu den unvermeidbaren ungarischen Langos wird das ganze Stadtfestessen gut abgedeckt. Aber es gibt auch Toast mit Pfifferlingen und dem lokalen Käse überbacken. Oder Ren als chinesisches Wokgericht. Und knatsch-buntes Gebäck, welches vermutlich im Dunkeln leuchtet. An dem unten abgebildeten Gebäck stand „Blåbär“, aber ich vermute eher, dass dort jede Menge Schlumpf mit drin war.

Auf dem Dach

Ich gehe ins Büro, um meine Sachen zu holen und nutze die Gelegenheit, auf dem Dach des Gebäudes die iPhone-Applikation „Photosynth“ auszuprobieren. Dafür, dass das Programm nichts kostet und ich mir auch nicht wirklich Mühe gegeben habe, ist das Panorama eigentlich ganz gut geworden, auch wenn man teilweise deutlich sieht, wo die vielen Einzelfotos aneinanderstoßen.

Nach Hause

Ich bin immer schon lärmempfindlich gewesen und das ist heute nicht anders. Und so verabschiede ich mich als erster und radele um kurz vor elf wieder nach Hause. Ich genieße die Stille und das herrliche Licht auf dem Heimweg. Und um zehn vor zwölf bin ich auch wieder zu Hause.

Und jetzt geht‘s ins Bett. Aber nicht das im Schlafzimmer, sondern das im Gästerzimmer im Keller, denn da ist es dunkel und herrlich kühl.

Nachtrag

  • Laut Norran, der lokalen Zeitung war gestern mit 31,1 °C der wärmste Tag des Jahres.
  • Gestern war auch ein Drachenbootrennen auf dem Fluss. Da habe ich allerdings nur die Rufe durch den Lautsprecher gehört. Man kann nicht überall sein.

F-skattebevis

Ich habe einen Brief vom skatteverket, dem schwedischen Finanzamt bekommen. In Deutschland durchzuckte mich bei solcher Post immer ein gewisser Schreck: „Was habe ich falsch gemacht?“. Über diesen Brief aber habe ich mich gefreut, denn er enthielt meinen F-skattebevis.

Das bedeutet, ich habe mal so eben ein Unternehmen gegründet! Das klingt hochtrabender, als es ist. Denn wenn man in Deutschland sagt, man sei selbständig, dann hat man in Schweden gleich ein „eget företag“, also ein eigenes Unternehmen.

Den Anmeldeprozess zur Unternehmensgründung macht man im Internet. Man loggt sich mit seiner Bank-ID ein, das ist eine digitale Identifizierung. Dann hangelt man sich von Formular zu Formular, bis man alle Daten ausgefüllt hat und den Auftrag abschickt. Ich musste bloß noch per Post einen Beweis vom deutschen Finanzamt schicken, dass ich beim deutschen Finanzamt schuldenfrei bin.

Und etwa drei Wochen später kam die Bestätigung, dass ich rückwirkend zum 25. August ein eigenes Unternehmen habe. In den Bereichen

  • 62010: Dataprogrammering (utveckling av programvaror, hemsidor och programmering)
  • 74203: Press- och övrig fotografverksamhet (även flygfotografering; ej porträtt eller reklam)
  • 90010: Artistisk verksamhet (fristående artister, föreläsare, konferencierer, körer, mannekänger, orkestrar, programledare m.fl.)
  • 90030: Litterärt och konstnärligt skapande (även frilansjournalistverksamhet)

kann ich jetzt nebenbei Geld verdienen.

Ich bleibe weiterhin angestellt und verdiene dort den Hauptanteil meines Einkommens. Aber ich kann jetzt auch kleinere Jobs nebenbei machen und richtig abrechnen. Mein Hauptfokus wird dabei auf der Musik liegen (90010), denn in meiner freien Zeit will ich nicht noch mehr Internetprogrammierung machen. Da reicht mir ein Fulltimejob vollkommen aus. Der erste Musikjob steht auch schon fest: Eine Stunde Klavierspielen beim Chemical Management Summit in Skellefteå. ♪|♫♫♩.

Baseco gewinnt Designpreis

Normalerweise schreibe ich hier nicht groß über berufliche Dinge. Heute mache ich mal eine Ausnahme, weil ich mit darüber freue, dass die Website von Baseco beim Svenska Webb-Priset den Designpreis verliehen bekommen hat. Neben Krux & Co und Patrick Degerman waren auch wir an dem Projekt beteiligt. Ich habe einen Teil des Frontends sowie alle Bestellprozesse im Backend programmiert, letzteres mithilfe eines eigenen php5.3-Frameworks namens rox.

Obwohl ich mit dem Design fast nichts zu tun hatte, frage ich mich, ob es ein Zeichen war, dass die Preisverleihung in Stockholm in der „Münchenbryggeriet“ stattfand.

Zwei Jahre Jobzusage

Heute vor zwei Jahren war Dienstag. Für mich ein ganz besonderer Dienstag, denn am Vortag hatte ich in Skellefteå ein vierstündiges Vorstellungsgespräch bei Artopod, das jetzt Hello Future heißt. Und an diesem besonderen Dienstag um zehn Uhr hatte ich ein weiteres Treffen. Dort habe ich (a) den Job als Programmierer bekommen und (b) diesen Job zugesagt. Also ist heute Jubiläum: Heute vor zwei Jahren war klar, dass ich nach Skellefteå gehen werde, auch wenn ich damals noch nicht wusste, für wie lange.

Inzwischen habe ich so manches gemacht und manches erlebt. Und viel fotografiert und geschrieben, wie man in der Artikelübersicht deutlich sehen kann.

Hello Future sucht übrigens dringend Verstärkung. Einen Graphikdesigner, einen Programmierer und einen Producer/Projektmanager. Doch schaut selbst unter www.hellofuture.se/workwithus/, falls Euch das interessiert.

TEDx Kiruna

TED (Technology, Entertainment, Design) ist eine Konferenz, die jährlich in Monterey stattfindet. TEDx ist ein Konzept, ähnliche Konferenzen selbst zu organisieren. Gestern, am 27. März fand so ein TEDx in Kiruna statt. Das Hauptthema auf dieser TEDxKiruna war Raumfahrt. Das ist kein Wunder, denn in Kiruna gibt es das Raumgymnasium, das Instituts für Raumphysik und ganz in der Nähe ist Esrange, ein Raketenstartplatz, an dem man auch bald als Privatperson ins All starten kann, wenn man gerade zweihunderttausend US-Dollar übrig hat.

Und so war es kein Wunder, dass fünf von den acht Rednern entweder selbst schon im All waren (Michael E. Lopez-Alegria hält den Weltrekord mit dem längsten Aufenthalt: 215 Tage!), planen, ins All zu fliegen oder auf eine andere Art mit dem Weltall verknüpft sind.

Bei der Betrachtung der Bilder von Erdaufgängen, Timelapse-Videos von Polarlichtern aus dem All (Wow!) und Fotos von riesigen internationalen Raumstationen, die schon längst existieren, änderten sich die Dimensionen der Wahrnehmung. Plötzlich waren wir alle Erdbürger und Michael, der Astronaut, sagte so schön: „From space, you can’t see the political borders.“.

Ein anderes Wort tauchte in fast jedem der auf englisch gehaltenen Vorträge auf: „passion“. Und es schien wirklich, dass Leidenschaft der Schlüssel vieler Geschichten war: Der Farmerjunge, der trotz mangelnder Schulbildung Testpilot wurde. Der Fotograf, dessen zweiter jemals bestiegener Berg der fast 7000 Meter hohe Aconcagua in Südamerika war oder die Abenteurerin, die die Lower 48 (USA ohne Alaska und Hawaii) komplett mit Fahrrad und Kajak umrundet hat, obwohl viele sagten, das sei unmöglich.

Ich habe mich aber auch über die Moderatorin gefreut, die den vielen erzählten Geschichten ein weiteres Stichwort hinzugefügt hat: „Teamwork“. Denn kaum eines der vorgestellten Projekte hätte der Vortragende alleine durchführen können.

Nach acht Vorträgen, war es für mich Zeit, meine Perspektive zurückzustellen: Weltall > Erde > Nordeuropa > Kiruna. Ich habe den Tag sehr genossen und fand die Vorträge sehr inspirierend, ohne dass sie jetzt direkt mein Leben ändern würden. Aber ich bin jemand, der Änderung mag und auch braucht und wer weiß, welcher Floh mir gestern ins Ohr gesetzt wurde, von dem ich noch gar nichts weiß.

Ach ja, hat jemand von Euch zufällig zweihunderttausend Dollar für mich übrig?

Auf’s Dach gestiegen

Nachdem vorgestern am Sonntag endlich der allerletzte Schneerest auf meinem Grundstück weggeschmolzen ist, war es heute richtig schön sonnig und warm. Ein Kollege und ich haben heute das erste Mal draußen am Fluss zu Mittag gegessen. Das war zwar ziemlich windig, aber schön, einmal wieder ohne dicke Jacke im Freien zu sitzen.

Um drei gab es fika, die traditionelle Kaffeepause. Wir saßen zum ersten Mal auf dem Dach und auf der schwarzen Dachpappe konnte man die offizielle Temperaturmessung von elf Grad im Schatten lächelnd ignorieren und ein erstes Sonnenbad im T-Shirt nehmen.

Obwohl das Dach nur 10° Hangneigung hat (herrlich zum Liegen!), war mir ein bisschen mulmig zumute. Seitdem ich aus München weggezogen bin, bin ich einfach keine Berge und Hänge mehr gewohnt. Aber wenn das Wetter so bleibt, werde ich bestimmt immer wieder Gelegenheit haben, zu üben …

Was für eine Woche

Juni ist der Monat, in dem der Nordschwede – also der Nordschwede an sich – merkt, dass bald Juli ist. Und Juli ist die Zeit, in der die meisten Urlaub nehmen und in ihre Sommerhäuser am See, im Fjäll oder auf der Insel fahren. Deshalb versuchen alle, in den Juniwochen das unterzubringen, was andere Nationen in einem halben Jahr veranstalten.

Neben dem Creative Summit, auf dem ich zwei Tage war, hätte ich letzte Woche unter anderem den Bootstag in Kåge besuchen, drei (!) bezahlte Klavierjobs spielen, und am Sommerfest meines Diskussionsclubs teilnehmen können. Ich hatte allerdings besseres vor, denn Christina, eine liebe Freundin aus München war seit Dienstag Nacht zu Besuch und so habe ich den Freitag freigenommen und die vielen Veranstaltungen den Schweden überlassen.

Über den Creative Summit selbst will ich gar nicht so viel schreiben. Es ist sehr schwer, die teils hervoragenden Vorträge von Rednern aus Schweden, Norwegen, Trinidad, den USA und Kanada gut zusammenzufassen und das soll auch nicht Thema dieses Artikels sein. Ich möchte bloss auf die hervorragenden Arbeiten von Jonathan Harris hinweisen und jedem Programmierer ans Herz legen, den Artikel Cold + Bold zu lesen, und zwar mindestens zwei Mal im Jahr.

Zum Creative Summit gehören allerdings nicht nur die Vorträge, sondern auch die Feste am Abend, bei denen man bis in die helle Nacht hinein (dunkel wird es ja nicht mehr) mit vielen unglaublich netten und interessanten Menschen ins Gespräch kommt.


Am Freitag Abend haben Christina und ich auf der Halbinsel Kallholmen gepicknickt, dabei hatten wir Sicht auf die Insel Kalkgrundet, die ich auch noch nicht kenne. Später hatten wir auch noch Livemusik, denn auch der Bootshafen hat den Juni genutzt, um ein Fest zu organisieren.

Am Tag darauf haben wir ein zweites Kajak vom Nachbarn geliehen und eine schöne Tour zur Insel Kalkgrundet gemacht. Dort haben wir alles aufgegessen, was vom Picknick des Vorabends übrig geblieben ist und ich habe mir den ersten Sonnenbrand geholt. (Man soll sich nie auf die Wettervorhersage verlassen, die Wolken ab 13:00 vorhergesehen hat.)

Gestern nachmittag habe ich Christina zum Flugplatz gebracht. Nichts liegt mir ferner, als hier eine deutsche Siedlung zu gründen, aber ich bin jedes Mal traurig, wenn ich wieder einen guten Freund, eine gute Freundin nach Deutschland entlassen muss. Vor mir aus können alle gerne hierbleiben – und ich meine, was hat München schon zu bieten …

Nun bin ich wieder alleine und nutze diesen Zustand, um die nächsten zwei Wochen viel zu arbeiten, denn dann gibt es eine gute Chance, dass auch ich – wie so der Nordschwede an sich – den ganzen Juli freinehmen kann.

Nachtrag: Was sonst noch war: Das erste Mal im Sommer baden · warmes Sommersonnenwetter · Spaghetti mit Elchbolognese · nächtliches Baustellenchaos rund um Umeå · der Flieder beginnt zu blühen · mitgebrachte Mozartkugeln

Endspurt

Ich sitze am Rechner und schreibe eine technische Dokumentation. Und das bei dem schönen Wetter! Aber das ist mein diesjähriger Endspurt vor den Sommerferien, denn Mitte nächster Woche soll die Dokumentation fertig sein. Und mein Urlaub beginnen.

Aber wenn es morgen wirklich den ganzen Tag regnen sollte, dann werde ich morgen arbeiten und vielleicht kann ich dann schon ab Montag freinehmen. Den ganzen Juli!

Mit mir haben so ziemlich alle zeitgleich frei, denn fast ganz Schweden nimmt um den Juli herum Urlaub, um den schwedischen Sommer zu geniessen und Licht und Wärme zu tanken. Irgendwann im August treffen sich dann alle wieder und erinnern sich daran, dass sie ja auch einen Job haben.

Herbst

Man kann es nicht mehr abstreiten, der Sommer ist vorbei und der Herbst ist da. Am Montag morgen war es klar und frostig. Auf dem Autodach war Eis und nur weil mich ein Kollege mit dem Auto abgeholt hat, ist die dickere Jacke noch im Schrank geblieben.

Heute hingegen hat mich der Pladderregen aufgeweckt und es regnet dicke Tropfen aus einem grauen, wolkenverhangenen Himmel. Der schwedische Wetterdienst hat für unsere Küstenregion vor ausgiebigem Regen – lokal bis 35 mm – gewarnt. Das klingt aber noch gemütlich gegen die Wetterwarnung im Inland: „Warnung Klasse 1 Früher Schneefall. Am Donnerstag Schneefall, der 2 – 10 cm Nassschnee geben kann.“

Jetzt sitze ich im Büro, der Regen prasselt auf die Vordächer aus Blech und die Gummistiefel, die ich auf dem Arbeitsweg seit Monaten nicht mehr benutzt habe, trocknen in der Küche. Da gestern ein Fest mit „The lodge“ war, unserer inoffiziellen Branchenvereinigung, und einige Kollegen in Stockholm sind, ist es hier noch sehr ruhig. Mal schauen, wann die anderen eintrudeln. Da wir die letzten Wochen zwei große Projekte abgeschlossen haben und die nächsten Projekte noch nicht gestartet sind, kann ich es ruhig angehen lassen.

Jazz in Deutschland

Vom 24. Oktober bis zum 11. November tausche ich Schweden gegen Deutschland und den Bürostuhl gegen einen Klavierhocker. Denn dann darf ich zusammen mit Sabine Kühlich und Stefan Werni eine Jazztour mit der wunderbaren Sheila Jordan spielen. Ich freue mich schon riesig darauf. Vielleicht habt Ihr ja auch Zeit und Lust, vorbeizukommen.

Zu den Tourdaten >

Meeting in Lycksele

Der klare Himmel, dem ich das Polarlicht der letzten Nacht zu verdanken habe, hat die Lufttemperaturen in Skelleftehamn das erste Mal diesen Herbst der Nullgradmarke angenähert und so habe ich heute morgen zum ersten Mal Eis gekratzt.

Von Skellefteå aus sind wir zum Meeting „Smarta tjänster för din kommun i mobilen“ nach Lycksele gefahren. Das ist etwa zwei Autostunden landeinwärts und liegt in der historischen Provinz Lappland am Umeälven. Auf dem Hinweg lag die Lufttemperatur oft unter Null und alle Laubbäume trugen bunte Blätter oder waren sogar schon kahl. In Skelleftehamn beginnen die Jahreszeiten oft später als im Inland, da die Ostsee die Temperaturen puffert: Die Wärme im Herbst und die Kälte im Frühjahr.

Als Mitfahrer konnte ich in Ruhe hinausschauen und sehen, wie die Straße an großen Seen vorbeiführte, an kleinen Mooren, Sumpfflächen mit raureifbedeckten, braunen Grashalmen, auf Brücken über nebelige Flusstäler und am Horizont sah man die ersten flachen Berge.

In Lycksele selbst war herrliches Wetter und es wurde schnell warm. Vom Balkon des „Hotell Lappland“, in dem Meeting war, hatte man einen herrlichen Blick auf den Fluss. Und wenn man die Feuertreppe herunterging und einmal um die Ecke lief, war man schnell am Umeälven, dessen Ufer aber so steil war, dass ich mich nicht ganz herangetraut habe. Zeit zum Fotografieren hatte ich, denn wenn die Veranstaltung von 10 – 15 Uhr geht, schließt das zweites Frühstück, Mittagsbüffet und natürlich die Fika mit ein.

Nach einem guten, aber auch anstrengenden Meeting haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Noch einmal zwei Stunden. Obwohl ich nicht selber präsentiert habe, sondern nur für eventuelle technische Fragen mitgekommen bin, fühle ich mich jetzt ganz schön müde.

Hinweg: Brücke über den SkellefteälvenBlick über Lycksele und den UmeälvenMitten in Lycksele am UmeälvenRückweg: Gelbes Herbstlaub prägt die Straßenränder

Kanelbullens Dag

Gestern war laut Thementagkalender der Tag des Tieres, der Tag der Fahrgemeinschaften und der Internationale Wodkatag. Wirklich wichtig war gestern aber nur eines: Kanelbullens Dag – Der Tag der Kanelbulle. Diesen Thementag gibt es seit 1999 und er wurde von den Schweden begeistert aufgenommen, schließlich ist die Kanelbulle das vermutlich bekannteste und beliebteste süße Gebäck in Schweden.

Und da ich, als ich am 9.9. beschlossen habe, für zwei Monate auf Süßkrams zu verzichten, selbst gemachten Kuchen aus dem Verzicht ausgeschlossen habe, habe ich gestern auch zugegriffen, als eine Kollegin einen großen Teller selbst gemachter Kanelbullar mitgebracht hat. Lecker! Ich hätte natürlich auch Kanelbullar bei ICA kaufen können, aber erstens kaufe ich ja zur Zeit nichts Süßes und zweitens schmecken die bei weitem nicht so gut.

Selbst gebackene Kanelbullar in der BürokücheKanelbullar bei ICA

Seitdem ich auf Süßigkeiten und Limonaden verzichte, habe ich schon einige Kilo abgenommen. Morgen hätte ich die einmalige Chance, mir das alles wieder anzufuttern, denn da ist „Gräddtårtans dag“ der Tag der Sahnetorte.

Und das schreiben die Blogkollegen:

Geschäftsreise

Vor dem AbflugEines hat mir mein Stoffhund Bello voraus: Er kann schon auf eine große Anzahl Geschäftsreisen zurückblicken, die er gemacht hat, als ich Kind war. Was eine Geschäftsreise ist, hätte ich damals keinem erklären können. Inzwischen habe ich eine leise Ahnung, um was es sich handeln könnte. Mit meinem Arbeitgeber Hello Future war ich schon ein paar Mal in Umeå (130 km) und in Lycksele (170 km), aber in Stockholm war ich noch nie. Gestern bin ich zusammen mit Leif nach Stockholm geflogen und war so nicht nur seit langem mal wieder in der schwedischen Hauptstadt, sondern konnte auch die Anzahl „so richtiger“ Geschäftsreisen mit Flugzeug von Null auf Eins erhöhen.

Besonderheit eins: Noch nie bin ich ohne schweren Koffer geflogen. Dieses Mal kam nur ein kleiner Rucksack mit ein bisschen Kleidung, Zahnbürste, Laptop und neuer Kamera als Handgepäck mit.

Besonderheit zwei: Noch nie habe ich Stockholm von Norden aus als Ziel gehabt. Das letzte Mal bin ich im Frühjahr 2008 von München aus für einige Tage dorthin geflogen.

Besonderheit drei: Stockholm ist ein anderer Planet! Wie riesig die Stadt verglichen mit dem eher beschaulichen Skellefteå wirkt. Die Geräusche sind anders, die Gerüche sind anders und sogar das Licht ist anders.

Ausblick vom Observatorielunden

Wir mit Hello Future haben den Luxus, ein Büro mitten in der Kungsgatan zu haben, noch zentraler geht eigentlich nicht. Und da nicht die ganze Zeit Meeting war und ich keine dringenden Aufgaben hatte, konnte ich gestern und heute mal zwischendurch aus dem Büro herauswitschen und mir ein bisschen das große, große Stockholm anschauen. Zum Beispiel die Schaufenster aller Geschäfte, in denen man zum Beispiel nur Schlipse, uralte Bücher, richtiges Brot oder 70er-Jahre-Klamotten kaufen konnte …

Ein SchlipsgeschäftEine richtige Bäckerei!

… oder einfach die Fußgängerzonen an sich …

Gemüsestand auf dem „Hötorget“Steinlöwe in der Drottningsgatan

… oder das Wechselspiel zwischen der kompakten Architektur in den Straßen und den weiten Blicken über das Wasser …

Mitten in der StadtAussicht über das Wasser

… oder die vielen Weihnachtsdekorationen draußen und drinnen …

Weihnachtsdekoration am Sergels TorgEin Kind verguckt sich in einen großen Stoffhusky

… doch am besten gefiel mir Stockholm nach Sonnenuntergang (der siebzig Minuten später als in Skellefteå ist) und es erst dämmrig und dann dunkel wurde.

Stockholm in der AbenddämmerungStockholm in der Abenddämmerung

Vierunddreißig Stunden und fünf Meetings später saßen wir wieder im Flugzeug, dieses Mal im Landeanflug auf den Flugplatz Skellefteå. Und als ich über den beleuchteten Orten Bureå, Skellefteå und Skelleftehamn nicht nur den Sternenhimmel, sondern auch ein schwaches Nordlicht gesehen habe, wusste ich, dass ich wieder auf meinem Heimatplaneten gelandet bin.

Alle Fotos stammen von der neuen Nikon AW1, die ich mir der Wasserdichtigkeit wegen gekauft habe, die sich aber auch gut als handliche Reisekamera verwenden lässt. Die Qualität ist gemessen an dem kleinen Sensor ordentlich bis gut, aber Wunder darf man natürlich nicht erwarten, vor allem wenn man sie mit einer mehrfach teureren Vollformatkamera vergleicht.

Ein Montag – drei Welten

Es kommt selten vor, dass ich an einem Tag in drei Welten zu Hause bin. Heute war so ein Tag.

Welt 1

Angefangen hat alles wie ein gewöhnlicher Montag mit meiner Arbeit als Programmierer. Heute habe ich zum Beispiel ein PlugIn begonnen, welches Tweets von der neuen Twitter-API 1.1 mithilfe von OAuth liest. Für die, die es wissen wollen. Aber ich habe heute nur einen halben Tag für Hello Future gearbeitet und auch von zu Hause aus, denn

Welt 2

heute nachmittag war ich als Musiker gebucht: Bei einer Veranstaltung „Skelleftehamn 1913-2013“ habe ich im „Sävenäs Maskinhus“ einige Stunden Klavier gespielt. Das war fast wie früher: Man spielt alte Musicalsongs, Bossa Novas und Balladen so knapp über der Hörschwelle. Selbst ich habe mehr gesehen als gehört, was ich gespielt habe, doch den Leuten hat es gefallen. Fast wie früher, aber doch so anders: Man spricht alle mit Du an, ich kenne Johan, den Organisator und auch Pär, den Koch persönlich und auch einen der Gäste kannte ich privat. Eine kleinere Welt. Und noch etwas war anders: Als ich alles wieder ins Auto geräumt habe, zeigte das Thermometer -14 °C an. Und fünf Minuten später war ich wieder zu Hause. Heimspiel.

Normalerweise, wenn ich zu Hause arbeite, gehe ich immer zu Din Fest, meinem Lieblings­restaurant, doch heute nicht, denn heute Mittag war ich

Welt 3

draußen lunchen. Denn es hat die ganze Nacht und den halben Tag geschneit und alles war weiß. Ich habe zum ersten Mal meine Skier untergeschnallt und bin mit gepacktem Rucksack zum Meer gelaufen. Erst auf der Wohnstraße, keine zehn Minuten später im Wald.

Skipremiere 2013/14Mit Skiern im Wald

Dort ist der Schnee aber noch zu locker und flach und man schrappt immer auf den Felsen herum, also bin ich hauptsächlich die verschneiten Wege entlang gelaufen. Es ist immer wieder schön, wenn man der erste ist, der eine frische Spur durch den Schnee zieht und noch kein Skooter vor einem den Weg planiert hat.

Winterlandschaft

Bald war ich am Meer, dort schneite es heftiger und es lag auch mehr Schnee. Das Meer zwischen Festland und der nahen Insel Brambärsgrundet ist fest von Eis gedeckt, doch weiter draußen ist das Meer offen und man hört die Brandung an die Außenseite der Insel rauschen. Ein schöner Picknickplatz, und -8 °C mit Schnee ist auch „wintriges“ Wetter für ein erstes Schneepicknick. (Wer meint, -8 °C sind kalt: In Nikkaluokta gab es letzte Nacht -40.8 °C. Da sind Picknicks erfahrungsgemäß meist etwas kürzer.)

Am MeerSchneeschauer vor der Insel Brambärsgrundet

Bloß mit den Selbstauslöseraufnahmen vom Picknick hat es nicht geklappt. Denn ich hatte meine neue Kamera mit halbvollem Akku dabei, der in der Kälte schnell leer war und Ersatz habe ich noch nicht. Und mein iPhone ist ohnehin eine Memme, die lieber in der warmen Stube bleibt: Obwohl der Akku noch 50% Kapazität hatte, hat sich das iPhone einfach ausgeschaltet. Aber zumindest zwei Fotos gibt es: Eins vom Picknickplatz, eins vom „ersten Gang“.

Der heutige PicknickplatzDagens lunch

Der schwedische Wetterdienst smhi ist ziemlich schlecht darin, Schnee für Skelleftehamn vorauszusagen: statt der prognostizierten ein, zwei Zentimeter Schnee kamen 15 und im Garten liegen jetzt 20 Zentimeter Pulverschnee. Das wird aber nicht lange bleiben, denn ab übermorgen sagt der smhi warmes Wetter mit Temperaturen um +7 °C voraus und Temperaturen kann der smhi leider ziemlich gut.

Aber heute habe ich meine Skipremiere gehabt. Wie schön, dass ich heute in gleich drei meiner Welten zuhause sein durfte.

Steife Brise auf dem Meer

Heute habe ich zu Hause gearbeitet. Das war zumindest der Plan. Das Wetter war ein bisschen eigenartig: Blauer Himmel und Sonne und ein paar Plusgrade, aber sehr windig. Nicht umsonst hat der Wetterdienst vor Windböen bis 21 m/s gewarnt – das ist Windstärke 9: Sturm. Also habe ich meine Arbeit kurz unterbrochen, um an der Lotsenstation Wellen zu fotografieren, auch wenn die bei Westwind wahrscheinlich nicht sehr eindrucksvoll sind.

Gischt und Eisstücke fliegen durch die LuftDa stehe ich dann auf der kleinen Pier und versuche Gischt zu fotografieren. Erst zu Hause werde ich sehen, dass der Wind nicht nur Wasser, sondern auch Eisstückchen durch die Luft bläst. Da kommt ein Mann mit dem Auto angefahren, sieht mich und beginnt mir sofort, Zeichen zu geben und zu gestikulieren.

Mein erster Gedanke ist, dass er mich von der Pier scheuchen will, weil das (a) streng verboten, (b) seiner Meinung nach total gefährlich ist. Der zweite Gedanke: Erst mal fragen, worum es geht. Ja hej, sagt der Mann, ich wäre wohl am Fotografieren interessiert. Ob ich nicht mit dem Lotsenboot mitfahren wollte, welches gleich anlegt. Er arbeitet als Lotse, hat aber gerade frei.

Mein erster Gedanke ist, ich muss doch arbeiten. Der zweite Gedanke: Das kann ich auch später am Tag. Also habe ich ja gesagt. Der Lotse macht kurz alles klar und in einer halben Stunde, wenn das Lotsenboot Pilot 761 ablegt, darf ich mitfahren.

Ich bin kurz nach Hause gefahren, habe bei der Arbeit Bescheid gesagt, kurz was gegessen und getrunken und war zwanzig Minuten später wieder an der Pier. Die Pilot 761 nicht. Überall auf dem Wasser suche ich das kleine knallrote Schiff. Das kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben. Doch die Pilot 761 ist verschwunden und ich mache noch ein paar weitere Gischtfotos.

Da kommt aus der letzten Ecke der Bucht ein kleiner roter Fleck, kommt näher und näher und landet tatsächlich an der Pier an, um mich mit an Bord zu nehmen, wo ich auf einem der drei vorderen Plätze sitzen darf. Und los geht die Fahrt. Bald liegt Gåsören backbord voraus.

Auf der Bucht KallholmsfjärdenGåsören backbord

Ich bin verwundert, wie ruhig die Fahrt doch trotz der Sturmböen ist, aber der Wind liegt uns im Rücken und das Schiff rollt nur ein bisschen nach links und rechts.

Schräglage nach links …… und nach rechts

Das ändert sich, als wir auf offener See auf das Schiff Sunnanhav warten. Es liegt noch an der Kai Rönnskärs und wird drei Lotsen mit an Bord nehmen. Diese sollen wir dann vom Schiff abholen und wieder zurückbringen. Wir wenden und kaum fahren wir gegen den Wind, beginnt das Schiff zu stampfen und große Ladungen Ostseewasser werden gegen die Frontscheiben geschleudert.

nordwärts – das gefällt mir ;-)Gischt und Seewasser prasseln

Kurze Zeit später kommt die Sunnanhav in Sicht, die wir direkt ansteuern. Das Beidrehen, Anlegen und Lotsen an Bord nehmen geht so schnell, dass ich kaum dazu komme, das Schiff zu fotografieren.

Hinter der Gischt: Die SunnanhavDrei Lotsen wollen an Bord

Jetzt fahren wir wieder zurück in die Bucht nach Skelleftehamn. Ich finde es extrem schwierig, die Bewegung und die Gischt in ein stilles Foto einzufangen und habe deswegen ein kleines Video mit dem iPhone gemacht:

Eher zufällig habe ich direkt hintereinander zwei sehr unterschiedliche Fotos gemacht, die ich beide sehr mag, auch wenn vor allem das zweite technisch ziemlich daneben ist.

Gischt auf der FensterscheibeGåsören-Traumland

Wir steuern erst den Hafen Rönnskärs an, wo ein Lotse von Bord geht. Direkt vor uns liegt die norwegische Rystraum. Einmal schnell über die Bucht und die beiden anderen Lotsen und ich springen von Bord.

Vor uns die norwegische RystraumWieder an Land

Heute habe ich zu Hause gearbeitet. Das war zumindest der Plan. Pläne darf man ändern und nun muss ich bloß am Sonntag ein bisschen nacharbeiten. Aber das war es wert.