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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Natur und Kunst

Seit gestern haben wir kaltes, aber herrlich sonniges Herbstwetter. Gestern morgen waren es -4.2 °C und heute sind das erste Mal die gefrorenen Pfützen den ganzen Tag nicht aufgetaut, denn hier bei mir hat es das Thermometer gerade mal kurz auf +2.6 °C gebracht, um schon am Nachmittag wieder in den Frostbereich abzusinken. Kaum vorstellbar, dass es in Deutschland heute zwanzig Grad wärmer ist.

Nach einem kurzen Frühstück habe ich meine Kamera geschnappt und bin eine Runde gelaufen. Die Sonne beschien den Raureif, die gefrorenen Pfützen und die letzten bunten Blätter des Herbstes. Auch am Rand des Sees bildeten sich schon die ersten Eisnadeln.

Einige der Bilder, die ich gemacht habe, sind mehr abstrakte Strukturen als Landschaftsfotografien, vor allem das Eis auf den ausgetrockneten Pfützen bildet wunderbare Formen und Strukturen. Ich habe mir bei den nächsten Bildern die Freiheit genommen, die Fotos bewusst zu verfremden und nicht die Wirklichkeit abzulichten.

Während man bei dem zweiten Foto noch klar Holz und Stein erkennen kann, sind die nächsten beiden Fotos schon abstrakt. Eines der beiden ist aber aus einem der oberen Eisfotos entstanden.

Am Abend wird es dunkel

Wie schnell das geht! Gestern vor einem Monat hatte ich in Svolvær noch Polartag, will sagen, die Sonne war Tag und Nacht über dem Horizont, und heute ging sie schon um zwanzig vor neun unter. Ich bin erst kurz nach acht mit dem Auto zur nahen Lotsenstation gefahren und habe es nicht einmal mehr geschafft, einen schönen Platz zu finden und das Stativ aufzubauen, ehe ich die Insel Gåsören fotografierte. Aber das Tele hat einen Bildstabilisator und bei ISO 800 waren die Verschlusszeiten auch noch kurz genug, um scharfe Fotos aus der Hand zu schießen.

Gåsören in der Abendsonne

Bei Tagestemperaturen von über zwanzig Grad wie heute mag ich nicht an den nahen Herbst denken, aber die frühen Sonnenuntergänge zeigen, dass der Hochsommer vorbei ist. Etwas Gutes hat das Ganze: Ich kann nicht nur wieder Sterne sehen, sondern vielleicht auch bald wieder das erste Polarlicht. Ich bin gespannt, wann!

Abendlicher Blick

Vitberget

Einige Fotos von gestern. Eigentlich wollte ich nochmals auf den überraschend großen Sonntagsflohmarkt in der Stadt, auf dem ich vor einigen Wochen war. Aber da hatte sich wohl der Veranstaltungskalender geirrt, der Fohmarkt fand nicht statt. So war ich statt dessen gleich nebenan ein bisschen auf dem Vitberget unterwegs. Auf diesen Hügel führt Skellefteås Skilift.

Auf dem Vitberget

Auf dem VitbergetAuf dem Vitberget

An dem einen hölzernen Flutlichtmast beim Skilift hat unermüdlich ein Buntspecht gehämmert. Er hat einen Zapfen in einen von ihm vergrößerten Spalt geklemmt und war eifrig am herumhacken und -picken. Diese Plätze werden Spechtschmiede genannt, sagt Wikipedia.

Buntspecht an einer „Spechtschmiede“

Am Parkplatz ließ eine Espe ihre ersten herbstlich gefärbten Blätter fallen. Aber abgesehen davon haben wir noch sommerliche Verhältnisse. Bis auf den Frühnebel. Und die dicken Äpfel an den Apfelbäumen. Und die kühleren Nachttemperaturen. Aber sonst: Sommer.

Ein EspenblattNoch ein Espenblatt

Zwei Photos von heute

Heute Nachmittag: am Straßenrand blühen noch die Blumen wie hier der Herbst-Löwenzahn. Aber um die Pflanzen legen sich die ersten gelben Birkenblätter. Aber bis die Bäume richtig farbig sind wird noch ein wenig dauern. Das ist mir nur recht, denn so richtig nach Herbst ist mir noch gar nicht.

Erstes Herbstlaub umgibt den Herbst-Löwenzahn

Zwei Stunden später: Ich stehe an der Ostsee und schaue in den Sonnenuntergang. Die langen Bahnen der Schleierwolken werden von der untergegangen Sonne gelb, orange und rosa angestrahlt. Der helle blaue Himmel auf der rechten Seite steht im Kontrast zu dem dunklen und wolkenverhangenen Himmel links.

Sonnenuntergang an der Ostsee

Die Farben des Herbstes

Was sind denn nun die Farben des Herbstes? Ist es das neblige Grau, welches mich heute morgen an der Ostsee empfing, oder sind es die knalligen Farben der ersten Blätter, die sich hier gelb, orange oder rot verfärben?

Grau …

… oder bunt?… oder bunt?

Herbstspaziergang

Ich habe das Gebiet Vitberget unterschätzt. Nördlich von Skellefteås „Hausberg“ (140m, Skilift) gibt es überraschend schöne Wälder, flechtenbewachsene Felsen, Ausblicke und immer noch viele große Blaubeeren zum Naschen. Und wenn man kurz hinter dem Sendemast steht, kann man auf die weiten Waldflächen nördlich der Stadt blicken. Und man sieht, dass der Herbst Einzug gehalten hat. Nicht nur mit grauen Wolken und kühlen Temperaturen um zehn Grad, sondern auch mit der einsetzenden Laubfärbung der Espen und Birken.

Blick vom Prästfäbodberget

Flechten bedecken die FelsenEine Espe zeigt Gelb

Nachdem ich einmal um den halben Prästfäbodberget gestiegen bin, laufe ich unter den Stromleitungen den Hügel herunter. Dort laufen im Winter die Schneeskooterwege entlang und die Wegweiser zeigen bis ins 130 Kilometer entfernte Umeå. Im Sommer ist man dort alleine, denn die Wege führen über nasses Gelände und jeden Schritt erwarte ich, dass ich Wasser im Stiefel habe. Aber ich habe Glück und bleibe trocken.

Weg unter den Stromleitungen

Wegweiser für SchneeskooterNasser Boden

Teil Zwei des Spazierganges: Hinter dem „Naturstig“ und breiten Bahnen, auf denen Menschen durch den Wald joggen liegt ein Moorsee. Ich finde, Moorvegetation sieht immer ein bisschen herbstlich aus, weil die Moose oft gelblich oder rötlich gefärbt sind.

Am Moorsee

Nach dem MatschgrabenIch wäre gerne noch ein paar Schritte weitergegangen, um den See besser mit aufs Photo zu bekommen, aber dazu ist der Boden zu weich und der Schlamm vermutlich zu tief. Und natürlich passe ich auf – vor allem auf die teure Kameraausrüstung hinten im Rucksack. Auf dem Rückweg, das Moorgebiet liegt hinter mir, trete ich in einen winzigen und vermeintlich flachen Graben und verschwinde mit dem rechten Bein fast bis zum Schritt im Matsch. Soviel zum Thema aufpassen … . Ein Freund von mir hätte vermutlich gesagt: „Es war nur eine Frage der Zeit!“

Der Herbst, der Herbst

Kaum vorstellbar, dass ich vor gerade anderthalb Wochen noch auf der spiegelglatten Ostsee im T-Shirt zur Badestelle gepaddelt bin. Heute morgen empfingen mich dunkle Wolken, aus denen Regen prasselte und Graupel fiel, während kalte Windböen am Haus klapperten.

Das Meer in der nahen Bucht war überraschend ruhig, denn der Wind kam von Norden. An der Lotsenstation gab es hingegen ordentliche Wellen, zumindest für Ostseeverhältnisse. Und dort hockte ich hinter der auf dem Stativ montierten Kamera, sie mit einer Plastiktüte notdürftig vor Regen und Graupel schützend, freute mich über eine warme Jacke mit Kapuze und bereue, dass ich keine Handschuhe dabei habe. Als ich wieder ins Auto stieg, hörte der letzte Graupelschauer auf. Das Autothermometer zeigte 3 °C.

Ostseebrandung

Nachtrag:

Der gleiche Ort, zwölf Stunden später. Anderes Objektiv, anderes Wetter.

12 Stunden später

Långnäset

Kurz und ohne Worte einige Bilder von Långnäset, einer langen, schmalen Landzunge, die weit in den See Burträsket hineinragt. Schade, dass das Wetter recht grau war. Dort war ich gestern mit Delle, der mich hier spontan für einige Tage besucht.

Der längste Binnenstrand Västerbottens – LångnäsetGegenüber liegt das Städtchen BurträskIm Wald ist Pilzsaison. Leider keine PfifferlingeEin alter Baum – wie auf Pfahlwurzeln

Drängsmarks ångsåg

Gestern habe ich früher Schluss gemacht, mich mit Delle, der hier gerade zu Gast ist, ins Auto gesetzt und wir sind ohne Ziel einfach losgefahren. Dabei haben wir nicht nur ein paar schöne Schleichwege gefunden, sondern auch „Drängsmarks ångsåg“, Nordeuropas einziges noch funktionierendes Dampfsägewerk. Die Säge wird vermutlich sowohl durch Wasser als auch durch eine Dampfmaschine angetrieben. Obwohl die Saison schön länger zu Ende ist, waren fast alle Gebäude offen zugänglich und so haben wir uns in Ruhe alles angeschaut.

Hinter dem Teich liegt das Dampfsägewerk

Im Sägewerk – obenIm Sägewerk – untenDie DampfmaschineDas Sägewerk von außen

Der Tag war wieder ein Beweis meiner Faulheit: Ich hatte das Stativ im Auto, aber anstatt es für die dunklen Innenräume einfach zu holen, habe ich die Kamera aufgelegt: Auf ein Stück Holz, ein Geländer, eine Treppe. Bloß bei der Dampfmaschine hätte mir das Stativ nichts genützt, denn da habe ich die Kamera durch ein kaputtes Quadrat eines alten Sprossenfensters gehalten und das war ziemlich eng.

Angeblich sollte es gestern Mittag ja aufklaren, aber bis zum Abend war es dicht bewölkt und so liegt die Landschaft auf meiner gestrigen Herbstaufnahme wieder im Schatten der Wolken.

Blick auf den Kvarnbäck

Links (auf schwedisch)

Diffuses Polarlicht

An unusual solar event occurred on Sept 30th. The effects of this event should reach Earth in approximately 24 hours from this message. How large and persistent these effects will be is not known. Watch the „short term forecast“ for the increase in auroral activity that may occur in your sector.

gse-aa mailing list, 1. Oktober 2013

Ach Delle, Du bist einen Tag zu früh aufgebrochen! Beide Vorhersagen hatten recht: Die Polarlichtvorhersage aus Alaska mit ihrem solar event und die schwedische Wettervorhersage mit ihrem Aufklaren. Und als ich heute um halb zwölf draußen stand, um das diffuse, aber sich über den halben Himmel erstreckende Polarlicht zu beobachten, hatte ich noch nicht einmal mein Handy dabei, um Dir eine SMS zu schicken, denn Du bist ja noch irgendwo in Nordschweden auf der Rückreise. Ich hoffe, Du hast auch Polarlicht sehen können.

Heute war ein langer Arbeitstag und morgen habe ich mit Hello Future eine Präsentation in Lycksele im Inland. Deswegen verliere ich keine weiteren Worte, sondern zeige nur ein paar Fotos. Frisch von eben.

Polarlicht über SkelleftehamnPolarlicht über Skelleftehamn

Polarlicht über Skelleftehamn

Das letzte Bild trifft die Farben am Besten, die anderen beiden fand ich extrem schwer zu bearbeiten. Optimiert man auf das Polarlicht, so sind die Pflanzen im Vordergrund blass und kontrastarm. Optimiert man auf die Pflanzen, so ist das Polarlicht zu stark und präsent. Aber da ich auf den Vordergrund fokussiert hatte, habe ich diesem auch den Vorzug gegeben. Das nächste Mal werde ich vermutlich blitzen anstatt mit der Taschenlampe zu leuchten, um die Umschärfe der Blätter im Wind zu minimieren.

Meeting in Lycksele

Der klare Himmel, dem ich das Polarlicht der letzten Nacht zu verdanken habe, hat die Lufttemperaturen in Skelleftehamn das erste Mal diesen Herbst der Nullgradmarke angenähert und so habe ich heute morgen zum ersten Mal Eis gekratzt.

Von Skellefteå aus sind wir zum Meeting „Smarta tjänster för din kommun i mobilen“ nach Lycksele gefahren. Das ist etwa zwei Autostunden landeinwärts und liegt in der historischen Provinz Lappland am Umeälven. Auf dem Hinweg lag die Lufttemperatur oft unter Null und alle Laubbäume trugen bunte Blätter oder waren sogar schon kahl. In Skelleftehamn beginnen die Jahreszeiten oft später als im Inland, da die Ostsee die Temperaturen puffert: Die Wärme im Herbst und die Kälte im Frühjahr.

Als Mitfahrer konnte ich in Ruhe hinausschauen und sehen, wie die Straße an großen Seen vorbeiführte, an kleinen Mooren, Sumpfflächen mit raureifbedeckten, braunen Grashalmen, auf Brücken über nebelige Flusstäler und am Horizont sah man die ersten flachen Berge.

In Lycksele selbst war herrliches Wetter und es wurde schnell warm. Vom Balkon des „Hotell Lappland“, in dem Meeting war, hatte man einen herrlichen Blick auf den Fluss. Und wenn man die Feuertreppe herunterging und einmal um die Ecke lief, war man schnell am Umeälven, dessen Ufer aber so steil war, dass ich mich nicht ganz herangetraut habe. Zeit zum Fotografieren hatte ich, denn wenn die Veranstaltung von 10 – 15 Uhr geht, schließt das zweites Frühstück, Mittagsbüffet und natürlich die Fika mit ein.

Nach einem guten, aber auch anstrengenden Meeting haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Noch einmal zwei Stunden. Obwohl ich nicht selber präsentiert habe, sondern nur für eventuelle technische Fragen mitgekommen bin, fühle ich mich jetzt ganz schön müde.

Hinweg: Brücke über den SkellefteälvenBlick über Lycksele und den UmeälvenMitten in Lycksele am UmeälvenRückweg: Gelbes Herbstlaub prägt die Straßenränder

Ausflug nach Byske

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Besuch von Jochen.

Toll, wenn man nette Gäste hat. Die dann – wie Jochen, der gerade zu Besuch ist – gerne draußen sind und gerne fotografieren. Wie ich auch. Heute sind wir erst auf den Falkberget gewandert, waren dann in der Stadt und sind dann noch nach Byske an den Strand gefahren.

Von Jochen kann ich noch viel über Fotografie lernen und es hat einen riesigen Spaß gemacht, mit ihm am Strand zu stehen oder zu hocken und mit Graufilter (1000×), Kamera und Stativ bestückt Aufnahmen vom herbstlichen Byskeälven und dem weiten Meer zu machen. Und wenn jemand neben mir steht, der viel mehr Fotografieerfahrung hat als ich, dann gebe ich mir auch gleich viel mehr Mühe …

Zwei Fotos von heute:

Die Mole bei Byske

Herbstlicher Bureälven

Jochen hat Fotos von heute bei Flickr eingestellt. Ich glaube, ich muss mich mal mehr mit Schwarzweiß beschäftigen!

Zwei Fotos am Morgen

Einen Vorteil hat es, dass die Tage kürzer werden: Man muss nicht mehr um vier Uhr aufstehen, um die Sonne über dem Meer aufgehen zu sehen. Da haben es die Menschen an der finnischen Küste besser, denn bei denen geht die Sonne abends über dem Meer unter.

Da ich heute um viertel vor Sieben aufgewacht bin, habe ich schnell meine Fotosachen geschnappt und bin zur Lotsenstation gefahren. Die rosa Wölkchen waren schon am verblassen und eine viertel Stunde später ging gleich neben der Insel Flottgrundet die Sonne auf.

Rosa Wölkchen vor Sonnenaufgang

Hinter dem Fliegenpilz geht die Sonne auf

Die nächsten Stunden werde ich in geschlossenen Räumen verbringen, denn da haben wir eine Extraprobe mit Skellefteås Kammerchor. In zwei Wochen sind die Konzerte. Auf dem Programm: Vespers (Op. 37) von Rachmaninow.

Der erste Herbstfrost

Die Alpen sind weiß, auf dem Feldberg im Schwarzwald lag schon Schnee und sogar in München – so berichten es Facebookfreunde – haben sich schon Schneeflocken mit in den kalten Regen gemischt. Hier war er warm, der Oktoberbeginn. Schnee ist noch lange nicht in Sicht und vorletzte Nacht um halb zwölf, als am Flughafen München gerade noch +1 °C gemessen wurde, hatten wir hier +10 °C. Mitten in der Nacht.

Minimum: -0.4 °CIn jener Nacht habe ich geträumt, dass die Temperaturen innerhalb von 24 Stunden um 25 Grad sinken würden. Tatsächlich wurde es gestern im Laufe des Tages immer kälter und ich fing schon an zu befürchten, ich könne Wetter im Traum voraussehen. Aber bei knapp über Null haben sich die Temperaturen dann gefangen, auch wenn es letzte Nacht mit -0.4 °C das erste Mal den ersten Hauch Luftfrost gegeben hat.

Der Wechsel vom Septemberherbst zum Oktoberherbst ist ziemlich abrupt. Heute vor einem Monat bin ich noch im T-Shirt zum Baden gepaddelt und die Sonne ging um sieben unter. Heute verschwand die Sonne schon um 17:15 und dann wird es schnell richtig dunkel. Die Vorhänge im Schlafzimmer brauche ich nicht mehr und ich ertappe mich dabei, wie ich mir den ersten Schnee herbeiwünsche. Nicht, weil ich jetzt schon Winter wollte, auch das Auto fährt immer noch mit Sommerreifen, sondern weil Schnee die Nacht ungleich heller erscheinen ließe.


Zum Abschluss noch ein Herbstfoto vom Wochenende:

Schwimmendes Laub auf dem Skellefteälven

Die ersten Winteranzeichen

In Latnivaara, Lappland wurden -18.2 °C gemessen, smhi hat seine erste Schneehöhenkarte für die Saison 2013/14 veröffentlicht (Piteå 7 cm) und auch hier hat es das Thermometer tagsüber nicht über 1.1 °C geschafft und alle Pfützen sind gefroren. Schon jetzt, um halb sieben, peilt das Außenthermometer die -5 °C an und viele Birken haben fast schlagartig ihr Laub abgeworfen.

Direkt nach der Arbeit bin ich mit dem Auto zum Hafen „Tjuvkistan“ gefahren und bin kurz vor Mondaufgang dort angekommen. Auch dort lauern die ersten Winteranzeichen: Am Ufer bildet sich das erste, schaumige Eis und selbst auf den sanften Wellen der geschützten Bucht bilden sich die ersten Eisnadeln. Und dann ging über dem Horizont erst fahl, dann goldgelb leuchtend, der volle Mond auf.

Die ersten Eisfladen am Ufer

Eisnadeln auf der OstseeDer Mond geht auf

Vor drei Tagen sah es noch danach aus, dass es in Skelleftehamn heute richtig garstig sein würde: Windstärke 8 und Schneeregen ohne Ende. Aber dann hat sich die Vorhersage immer mehr zum besseren geändert und die gestrige Vorhersage passte nahezu perfekt. Sonne, -4 °C bis +1 °C. Ich habe spaßeshalber Screenshots der Vorhersagen der letzten drei Tage gemacht, immer für den heutigen Freitag.

Ach ja, Freitag! Diese Woche war wirklich viel los auf der Arbeit und eine Lieferung letzten Abend und ich freue mich auf das Wochenende.

Zwischen goldenem Herbst und weißem Winter

Der Goldene Herbst ist seit ein paar Wochen vorbei und die Bäume sind kahl. Und Winter ist noch nicht in Sicht. Das Wetter ist so richtig zwischen allen Stühlen und bei den Regengüssen der letzten Tage sehne nicht nur ich mich nach Kälte und frischem Schnee.

Ja, wir hatten es schon kalt: -8.6 °C vor drei Nächten, aber null Grad dreieinhalb Stunden später. Ja, wir hatten schon Schnee: erst vorletzte Nacht in Skellefteå, als der Pladderregen in Schnee überging. Der ist aber schon längst zu großen Pfützen geschmolzen, die den Frost der letzten Nacht genutzt haben, halb zuzufrieren um heute wieder anzutauen. Und ansonsten: Ein Grad, zwei Grad, drei Grad. Nieselregen, Dauerregen, Pladderregen. Mal mehr, mal weniger glatt.

PladderregenSpiegelungStiller FlussRotes Haus

Weil ich am Samstag nach Burträsk fahre, habe ich heute morgen Winterreifen aufziehen lassen und bis jetzt wieder mit Spikes unterwegs. Als ich an der Bucht vorbeikam, bugsierten gerade zwei Lotsenschiffe die große Levan an die Anlegestelle von Kuusakoski, dem Recyclingunternehmen. Als ich in der Nachmittagsdämmerung von der Arbeit zurückkam, lag das Schiff noch da und ich habe kurze Zeit später noch einmal ein Foto mit Stativ und längerer Belichtung gemacht. Zum Glück hat die Levan still gehalten.

Die Levan läuft einDie Levan

Ab Sonntag werde ich viele Gelegenheiten haben, weitere Nachtaufnahmen zu machen, denn dann geht die Sommerzeit zu Ende und ganz plötzlich geht die Sonne um halb vier unter! Dann ist Nordschweden wirklich kalt und dunkel. Bis der erste Schnee fällt.

Mein Auto jedenfalls ist seit heute für den Winter gerüstet. Und etwas anderes auch, doch dazu hole ich ein bisschen aus …

Eine der schwierigeren Sachen in Nordschweden ist es, einen Handwerker zu bekommen. Einige Spezies wie Elektriker (elektriker) und Klempner (rörmokare) sind besonders selten, gesucht und begehrt. Es kann lange Zeit vergehen, bis man tatsächlich mal einen Handwerker bekommt, der einem hilft, Dinge zu „fixen“, wenn man es – wie ich – nicht selbst kann. Vor allem beim Thema Klempner hat sich einiges bei mir angesammelt und ich wusste, ich muss das Projekt „Rörmokare“ in Angriff nehmen, vor allem, weil das Absperrventil zum Außenwasserhahn nicht mehr ganz dicht war und ich Angst hatte, dass mir das ganze im Winter kaputt friert. Jetzt geschieht ein kleines Wunder: In meinem Briefkasten finde ich einen Zettel von Jon, der sich gerade als Rörmokare selbständig gemacht hat und Kunden sucht. Er antwortet noch am Sonntag auf meine Mail, schaut sich schon am Montag alles an und gibt Tipps und hat heute schon einen neuen Außenwasserhahn, der nicht mehr einfrieren kann, eingebaut und mit anderen Dingen angefangen. Ich bin begeistert! Nun bekomme ich noch ein Waschbecken im Keller (für dreckige Stiefel und so etwas), bessere Thermostaten an die Heizung und – wenn ich will – reaktiviert er auch die Fußbodenheizung in einigen Kellerräumen, von deren Existenz ich bisher nicht gewusst habe. Toll!

Und da der schwedische Staat bei Hausbau und -reparatur 50% der Bruttoarbeitskosten dazu gibt – das Ganze nennt sich ROT-avdrag, halten sich die Kosten auch noch halbwegs in Grenzen.

Abendliche Bootstour

Heute um fünf habe ich den Rechner im Büro heruntergefahren und damit das Wochenende eingeleitet. Auf dem Weg zum Bus, habe ich an T und J denken müssen, gute Freunde, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Es wäre nett, sie mal wieder zu treffen. Fünf Sekunden später schaue ich auf und die beiden stehen an der anderen Straßenseite vor mir.

Nach einer herzlichen Begrüßung mit Kram – Umarmung – haben sie mich (a) mal zum Bootsfahren eingeladen und (b) erzählt, dass sie heute noch mit dem Boot raus wollen. Aus (a) und (b), dachte ich, folgt doch (c): Warum nicht eine Bootsfahrt heute zusammen machen?

Anderthalb Stunden später waren wir auf dem Nördfjärden. J sah Fische auf dem Echolot und T hat geangelt, wenn auch an diesem Tag ohne Erfolg. Ich habe mich mehr der Landschaft gewidmet und – wie schon heute früh bei der Fahrt ins Büro – die erste Herbstfärbung an einigen Bäumen erkennen können. Der Hochsommer ist vorbei.

Erste Herbstfarben am UferAngeln – heute ohne Erfolg

Dann sind wir flussaufwärts bis Bergsby gefahren, das ist eine geruhsame Fahrt, denn hier gilt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 5 Knoten (etwa 9 km/h). Als wir auf der Rückfahrt wieder in breiteren Gefilden waren und dort 20 Knoten gefahren sind, war ich über die Kapuze der eigentlich zu warmen Jacke doch froh, denn bei 10 Grad merkt man den kühlen Wind recht deutlich. Nach einem kleinen Schlenker zur Bootstankstelle sind wir wieder in Ursviken angekommen. Leider habe ich überhaupt nicht daran gedacht, meine Badesachen mitzunehmen, sonst hätte ich es T und J gleich getan und auch gebadet.

Geruhsame FlussfahrtSpätsommerbad im Fluss

So kann ein Wochenende gerne für mich beginnen. Freunde, Boot, schönes Wetter. Ich bin froh, heute noch rausgekommen zu sein, denn am Wochenende werde ich trotz der schönen Wettervorhersage drinnen hocken: Schon am Dienstag war die erste Kammerchorprobe nach der Sommerpause, morgen und übermorgen ist Chorwochenende. Dieses Mal singen wir Brahms, Ein deutsches Requiem, welches genau so unschwedisch ist wie der Rachmaninov letztes Jahr und bestimmt genau so viel Spaß macht zu singen. Am Dienstag haben wir uns schon einmal durch die ersten beiden Chöre geschummelt – Blatt singen der anspruchsvollen Art – und ich freue mich auf die morgige Probe.

Vom August in den September

Vorletzte Nacht war es ja nicht viel, mit dem Polarlicht, und dann kamen die Wolken. Heute war es sternklar und die Vorhersage sagte „Active“, aber am Himmel war nichts zu sehen. Bis so gegen eins, als ich eigentlich viel zu spät ins Bett wollte. Als ich vor die Haustür trat, konnte ich einen blassen grünen Bogen am Nordhimmel erkennen, der langsam heller wurde. Ich bin deswegen doch noch kurz ins Auto gestiegen und ans Meer gefahren und dort war das Polarlicht auch kurze Zeit hell und aktiv, ehe es dann immer größer, aber auch wieder blasser wurde. Eine schöne Art, um vom Sommer-August in den Herbst-September zu kommen.

Polarlicht in der letzten Augustnacht

Auf dem Foto sieht man – besser als in natura – die verschiedenen Farben

Mit dem Kajak in den Wald?

Sonne, warm, Wochenende und keinen Termin, da blieb der Vormittag faul, doch am Nachmittag war ich mit dem Kajak unterwegs. Außen an Storgrundet vorbei paddelnd habe ich die Idee, vielleicht nach Gåsören zu paddeln schnell verworfen, dazu war mir das Meer zu zappelig. Statt dessen habe ich wie schon oft die Insel Norrskär angesteuert. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich außer im Winter noch nie richtig auf dieser Insel war und bin deswegen an Land gegangen.

Mit dem Kajak auf der OstseeLandgang auf die Insel Norrskär

Da sind erst einmal zehn Meter Fels- und Steinufer und dann steht man im Wald. Dort zeigen sich schon vorsichtig die ersten Herbstfarben und die Fliegenpilze spriessen um die Wette.

Im Wald von NorrskärDie ersten Herbstfarben

Vor allem Flechten und Pilze haben es mir dieses Mal angetan, manche bilden Miniaturlandschaften, manche abstrakte Formen, andere zeigen kreisrunde Motive.

Fliegenpilz von obenRunde FlechtenformationFast abstraktes FlechtenmusterKleine Flechtenkolonie

Es ist kaum zu glauben, dass mein Kajak keine 50 Meter entfernt an der Ostsee steht. Auch die letzten Mücken der Saison können kaum glauben, dass sich ein Mensch bei ihnen im Wald herumtreibt, finden es es aber durchaus begrüßenswert. Deswegen habe ich den Wald wieder verlassen und bin weitergepaddelt. Um Norrskär und Bredskär herum und wieder zurück, jetzt mit dem Wind, zum Anlegeplatz. Eine kurze, aber schöne Samstagnachmittagstour.

Das Kajak wartetWieder auf der Ostsee

Eine Nacht auf Gåsören

Gestern stand die Polarlichtvorhersage auf „5 – High“ und klarer Himmel sollte auch sein. Perfekte Bedingungen, um nach der Arbeit zur Insel Gåsören zu paddeln und dort zu übernachten. Um drei habe ich das Büro verlassen, bin nach Hause gefahren und habe gepackt. Und gepackt.

Schlafsack · Isomatte · Zelt · Kocher · Wasser · Lebensmittel · Kamera · Stativ · Objektive · warme Kleidung · Sandalen · Schwimmweste · Trockenanzug · Neoprenschuhe · Taschenlampe · Messer · Handy · Streichhölzer · Badezeugs · Kleinkrams

Meine bange Frage: passt das alles in mein Kajak? Ich habe noch nie mit meinem Kajak eine Zweitagestour unternommen, doch zu meiner großen Überraschung passte alles in die beiden Luken des Bootes, nur der Fünfliterkanister Wasser fand hinter dem Sitz Platz. Und so konnte ich bald in See stechen, an den Inseln Storgrundet, Bredskär und Flottgrundet vorbei paddeln und Kurs auf Gåsören nehmen.

Viel Gepäck im KofferraumGåsören voraus

Eine Stunde später war ich da, denn wirklich weit weg ist Gåsören nicht. Nun musste ich als erstes einen Zeltplatz suchen, bevor es dunkel wird. Ich war nicht sicher, ob es überhaupt irgendwo eine plane Fläche gibt, denn Gåsören ist im Grunde ein großer bewachsener und bebauter Steinhaufen. Eine erste Möglichkeit: der sandige Spielplatz am Hafen, Schaufel und Förmchen inklusive. Nicht schön, aber machbar. Der Inselrundgang hatte erst nichts ergeben, doch zum Schluss habe ich einen fast steinfreien Platz mit Feuerstelle gefunden, da war ich bestimmt nicht der erste, der dort sein Zelt aufgeschlagen hat.

Auf der Suche nach einem Zeltplatz auf Gåsören

Das Heim steht …… und ist fertig eingerichtet

Nun war das Abendessen dran. Ich hatte noch eine norwegische Tüte „Turmat“ – Tourenessen mit Chili con Carne und meinen kleinen Gaskocher dabei. Das „Kochen“ geht schnell: Wasser kochen, in die Tüte giessen, Tüte wieder verschließen, fünf Minuten warten (da kann man ja fotografieren), fertig. Nun ja – ich glaube, dass das Tütenessen wesentlich besser schmeckt, wenn man ausgehungert darüber herfällt. Aber es war warm und machte satt. Und mit einem schönen kleinen Feuer ist das ganze richtig gemütlich, zumal es noch recht warm war. (Ich sehe ein bisschen verkrampft aus auf dem Foto, schließlich darf ich mich vier Sekunden lang nicht bewegen.)

OutdoorkücheRönnskär im Dämmerungslicht

Abendessen am Feuer

Nur das Wetter spielte nicht richtig mit. Der ganze Himmel war bewölkt und selbst der helle Mond konnte sich nur ab und zu mal durch eine kleine Wolkenlücke sichtbar machen. Deswegen bin ich ins Zelt gegangen und habe mich schlafen gelegt. Ich kann ja später gucken, ob das Wetter besser wird. Einen Wecker brauchte ich dafür nicht, denn in der ersten (und hier einzigen) Zeltnacht schlafe ich nie besonders gut, selbst wenn ich so luxuriös viel Platz habe wie dieses Mal.


Ich wache auf, das Handy zeigt 0:52. Es scheint heller draußen als vorhin. Ich öffne die hinteren Reißverschlüsse und luge hinaus. Der Mond ist sichtbar, auch einige Sterne, doch der halbe Himmel hängt voll Schleierwolken. Richtig klar ist es also nicht. Schade! Ich stehe aber dennoch auf, um ein paar Nachtaufnahmen zu machen. Oben herum Daunenjacke, denn wenn ich müde bin, friere ich leicht, aber unten herum barfuß in Sandalen, denn soo kalt ist es auch wieder nicht. Das sieht bestimmt lustig aus.

Ich stelle das Stativ auf und mache ein Foto direkt neben dem Zelt.

Nachts um eins

Ich gehe los und merke, dass die eine Schleierwolke am Südhorizont zu verschwinden scheint. Nun schaue ich genauer und sehe, dass der ganze Himmel nicht mit Wolken, sondern mit fahlem Polarlicht bedeckt ist, vom Nord- bis zum Südhorizont. Das Licht ist so fahl, dass es farblos zu sein scheint, die sonst typischen Grüntöne sind kaum wahrzunehmen, nur die Kamera zeigt sie, denn die nächtlichen Langzeitbelichtungen verstärken die Farben. Zwei Stunden wandere ich in dem vorderen Teil der Insel umher und fotografiere. Die Aurora wird tatsächlich ein bisschen stärker, aber richtig deutlich wie vor zwei Wochen wird sie nicht mehr. Aber einige Fotos werden doch recht schön, denn auf der Insel gibt es einfach schöne Motive.

Leuchtturm und Polarlicht

Insel im MondlichtDas alte Leuchtturmhaus

Farbspiel – im Hintergrund Rönnskär

Eine der kleinen Angenehmlichkeiten Gåsörens ist das „utedass“, das Plumpsklo. Meistens liegen auf einem utedass Zeitschriften und oft hängen an den Wänden kleine Natur- oder Landschaftsfotos. Hier gibt es gleich zwei nebeneinander. Als ich die linke Tür aufmache, lächelt mir von den Fotos kein Rentier, sondern der Adel entgegen. Das ist Grund genug, ein Foto zu machen. Als ich die Tür wieder schließe, sehe ich eine holzgeschnitzte Frauenfigur an der Tür. Oops – hier gibt es tatsächlich Klos nach Männlein und Weiblein getrennt. Das habe ich in Schweden noch nie erlebt, erst recht nicht beim utedass! Neugierig mache ich nun die rechte Tür zum Männerklo auf und erwarte Fotos von Traktoren oder Schneemobilen, doch nein, die Herrentoilette ist karg und hat kein einziges Foto an den Holzwänden. Wie langweilig!

Um drei gehe ich wieder ins Bett. Es ist kühler geworden und irgendwann mache ich den Schlafsack, den ich bis jetzt nur als Decke verwendet habe, zu. Kurz vor Sonnenaufgang wache ich wieder auf. Ich könnte jetzt (A) herausgehen und Morgendämmerungsfotos machen oder (B) weiterschlafen. Ich entscheide mich für B (sorry, liebe Leser) und schlafe bis acht Uhr so gut wie durch.


Den Tag beginne ich mit einem Frühstück: Graved Lachs und auf Feuer frisch geröstetem Ökoroggenbrot. Um Längen besser als das Abendessen. Auch wenn die Luft noch kühl ist, die Sonne wärmt schon.

Frühstück auf der Insel

Ich hänge den Schlafsack auf das Zelt zum Trocknen und laufe auf der Insel herum: Manche Birke und Eberesche trägt Herbstfarben – hunderte Fliegenpilze sprießen im Wald aus dem Boden – Holzwürmer haben geheime Zeichen in den alten Baumstamm geschrieben – Tausend gespiegelte Sonnen glänzen auf dem Meer – ein Bootssteg lädt zum Verweilen ein – ein Glücksbringer hängt an einem alten Stück Mast am Strand.

Ich treffe die Besitzer einer der beiden Stugas, später beginnen erste Boote in dem kleinen Hafen anzulegen. Ich habe kurz überlegt, noch eine weitere Nacht zu bleiben, doch mir fehlen Essen und mein Buch und so mache ich nur noch ein kleines Abschiedsfeuer zum Rösten des restlichen Brotes, verstaue alles wieder im Kajak und paddele gemütlich und mit Rückenwind über die glatte, sonnenbeschienene Ostsee.

Herbstfarbe gelbHerbstfarbe rotFliegenpilzeHorzwurmische LyrikTausend SonnenBootsstegGlücksbringerAbschiedsfeuer