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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Der Winter geht weiter

Nun, für einen Nordschweden mag das alles völlig normal sein und das Wetter ist hier eigentlich auch kein Thema. Es liegen 25 Zentimeter Schnee in der Stadt – na und? Für mich als Deutschen ist es – obwohl erwartet – dennoch erstaunlich, dass es Anfang bis Mitte November schon so winterlich ist. Und momentan sieht es so aus, als ob die Temperaturen weiterhin unter Null bleiben. Allerdings werde ich es morgen so 15 – 20 Grad wärmer haben, denn da fliege ich nach Bremen und werde dann für fünf, sechs Tage wieder nassen, deutschen Herbst statt schwedischen Herbstwinter haben.

Die folgenden Bilder habe ich heute morgen in der Stadt gemacht:

  • Gar nicht so wenige sind auch bei diesem Wetter mit dem Rad unterwegs. Ein Jugendlicher fährt sogar freihändig über die kruckeligen und von platt gedrücktem Schnee bedeckten Straßen.
  • Interessant ist der Kontrast zwischen der tiefwinterlichen Stimmung am Fluss und der perfekt geräumten Fußgängerzone im Zentrum, denn Fluss und Fußgängerzone liegen gerade gut 200 Meter auseinander.
  • Der Skellefteälven friert an seinen Ufern ganz langsam zu. Noch ist das Eis sehr dünn, aber ich bin gespannt, wie es in zehn Tagen aussieht, wenn ich wieder zur Arbeit fahre. Mit dem Fahrrad …?

Happy Holidays · The Lodge

Heute schreibe ich mal – entgegen meinen Gewohnheiten – ein bisschen was Berufliches.

Unsere „Hello Future“-Weihnachtskarte ist fertig. Wir haben diese Woche echte Postkarten (sowas gibt‘s noch!) an die Kunden geschickt und dazu ein Video produziert, in dem erklärt wird, wie man diese Weihnachtskarte bedient und was man damit alles machen kann. Da hatte ich einiges mit zu tun, denn erst wurde ich letzte Woche gefilmt, dann habe ich abends die Hinter­grunds­musik „Happy Holidays“ eingespielt und dann noch am Sonntag Abend den englischen Text aufgesprochen. Ich kann das Video zwar nicht mehr sehen und hören, aber es haben mich einige von The Lodge heute darauf angesprochen, denen es wohl sehr gut gefallen hat. Ihr könnt es Euch unter http://www.hellofuture.se/jul anschauen.

Und was ist The Lodge? The Lodge ist auf der einen Seite ein Produktionsnetzwerk aus Unternehmen verschiedener Fachrichtungen. Die Unternehmen sind hauptsächlich im Bereich Werbung, Internet, Fotografie oder Filmproduktion angesiedelt. Auf der anderen Seite ist es auch eine Art Branchenverband, der diese Bereiche verbindet. Und Hello Future ist natürlich auch mit dabei.

Ich komme gerade vom Weihnachtsfest von The Lodge bei North Kingdom, einer Werbeagentur, die in Skellefteå und Stockholm sitzt, wieder. Wir haben uns alle um sechs getroffen und erst Julskinka (Weihnachtsschinken) und Gröt (Haferbrei mit Zimt und Milch) gegessen und danach den offiziellen Teil eröffnet, in dem jedes Unternehmen sehr ehrlich dargestellt hat, wie das Jahr gelaufen ist. Dann wurden aber auch einige Sachen besprochen, die nächstes Jahr geplant sind und 2011 recht spannend aussehen lassen. Um acht begann der inoffizielle Teil, den ich allerdings eine gute Stunde später schon verlassen habe, weil ich so müde war.

Das hängt zum einen damit zusammen, dass ich heute wieder viel Schwedisch gehört und gesprochen habe – da ist nach spätestens fünf Stunden meine Konzentration im Eimer. Zum anderen habe ich aber auch leider noch keinen richtigen Winterschlafrhythmus gefunden. Ich bin sehr früh müde – oft schon um halb neun, komme dann über den toten Punkt und gehe um halb zwölf ins Bett. (Da war es dann schon neun Stunden lang dunkel). Gegen vier wache ich auf und bin wach. Das ist alles nicht so ideal und ich werde auch dieses Wochenende wieder Schlaf nachholen.

Es ist natürlich schade, dass ich früh gehe und damit vielleicht einige Kontakte verpasse, aber seien wir ehrlich, ab dreißig Leuten waren mir solche Treffen in Deutschland auch nicht so mein Ding.

Und sonst …

… habe ich jetzt auch wieder Licht im Bad. Jetzt muss nur Kleinkrams an die Wände und das kann ich selber machen. Endlich ist nun mein kleines Bad im Erdgeschoss nach vier Monaten wieder benutzbar. Toll!

Und das Wetter? Vorgestern tagsüber waren es noch -15 °C, am Abend nur noch -3 °C und Schnee sollte kommen. Kam aber nicht. Gestern lagen die Temperaturen bei minus ein, zwei Grad und am Nachmittag fing es an zu schneien. Der Schneefall nahm dann immer weiter zu, genau so wie der Wind, der die halbe Nacht im Schornstein geheult hat und Schnee an das Schlaf­zimmer­fenster geworfen hat. Heute morgen lagen dann 15 – 20 cm Neuschnee. Aber wie soll man feststellen, wie viel es wirklich war, wenn auf der in Windrichtung gelegenen Straße nur 10 cm liegen, aber an der Leeseite des Hauses der noch am Vorabend geräumte Weg halbmeterhoch mit Pulverschnee bedeckt ist und die meisten Zäune und Hecken wieder fast verschwunden sind. Heute ist tagsüber nicht mehr viel heruntergekommen, aber im Garten liegen jetzt wieder etwa 60 cm Schnee. Temperatur 22:50: -6.6 °C.

Der „erste“ Wintertag

Heute war Wintersonnenwende, und damit der kürzeste Tag des Jahres. Für die Astronomen ist heute Winteranfang. Die Sonne ging um 9:42 auf, stand mittags gerade mal 2.1° über dem Horizont, um dann nach 3¾ Stunden Sonne um 13:27 wieder unterzugehen. Zum Glück ist die Dämmerung bei der flachen Sonnenbahn recht lang und verlängert die hellen Stunden, aber ich freue mich – so sehr ich Schnee und Kälte mag – dass die Tage wieder länger werden. Licht ist einfach etwas Tolles!

Vor einem halben Jahr hat mir Sonya die Idee gegeben, am längsten Tag mitten in der Nacht, wenn die Sonne am tiefsten steht, ein Foto zu machen. Da ich heute an meinem letzten Arbeitstag in diesem Jahr ohnehin nicht arg produktiv war, bin ich kurz vor dem Sonnenhöchststand um 11:35 zum Fluss gelaufen, um jetzt ein Foto am kürzesten Tag zu machen, wenn die Sonne am höchsten steht. Wenn man denn die Sonne sieht …

… aber ich hatte Glück: Nach dem tagelangen Schneefall ist heute die Sonne wieder herausgekommen und hat die Teile der Stadt, die sie erreichen konnte, in warmes Licht getaucht. Das meiste allerdings liegt im Schatten. Passend zu dem klaren Himmel ist die Temperatur in der Stadt von anfangs -17 °C auf -19.5 °C gesunken und jetzt zeigt das Alkoholthermometer -23 °C.

Wenn man einfach nur draußen ist, fühlen sich die Temperaturen gar nicht so kalt an, aber beim Schnee schippen habe ich schon durch die Nase geatmet, weil sich sonst die eiskalte Luft ziemlich unangenehm anfühlt. Ich frage mich, ob der Mann, der auf Dach des Nachbarhauses der Agentur Schnee geräumt hat, das auch so kalt fand, aber er macht das bestimmt öfter und kommt dabei nicht so ins Schwitzen wie ich.

Der Schnee auf meinem Grundstück ist übrigens schon gut 10 cm in sich zusammengesunken, der Meter ist also wieder unterschritten. Die nächsten Tage ist es wohl wieder sonniger und das sieht bestimmt toll aus nach dem vielen Neuschnee. Da morgen mein erster Urlaubstag ist, werde ich mir das mal genauer anschauen. Sonya, die gerade bei mir zu Gast ist, muss leider morgen noch einen Tag arbeiten.

Meine Reise von München nach Skelleftehamn, Teil I

Ein Gastbeitrag von Sonya.

Die Anreise

In Europa ist der Flugverkehr in den letzten Tagen aufgrund des unerwartet schneereichen Winters regelmäßig zusammengebrochen. Es kam zu Verspätungen und Flugausfällen. Meine Hauptsorge ist, ob ich mein Flugzeug nach Stockholm überhaupt noch rechtzeitig erreiche.

Es ist der 18. Dezember. Am Abend zuvor fand in der Agentur, in der ich arbeite, die Weihnachtsfeier statt. Die Nacht war entsprechend kurz. Hinzu kommt, dass ich immer auf den letzten Drücker packe. Bereits Tage vor Reisebeginn auf gepackten Koffern zu sitzen, entspricht nicht meinem Reiseverhalten. Immerhin nutze ich sonst eine sorgfältig durchdachte Packliste. Diese Liste fehlte diesmal und so kam es, dass ich viel zu viele Dinge eingepackt und trotzdem viel zu viele Dinge vergessen habe.

Eine Stunde vor Abflug komme ich am Flughafen an, mit etwa zwanzig Minuten Verspätung hebt das Flugzeug ab. Meine Reise von München nach Skelleftehamn beginnt.

In Stockholm besteht die größte Herausforderung darin, die Bushaltestelle der Linie 65 zu finden. Ich ärgere mich schon, dass ich unbedingt eine Nacht in der schwedischen Hauptstadt verbringen will und nicht gleich in den Nachtzug steigen kann. Meine Tasche ist schwer und dieser verdammte Bus 65 zu meinem Hostel ist nicht zu finden. Als ich ihn endlich finde, erklärt mir die Fahrerin, dass ich keine Fahrkarten im Bus kaufen könne. Grummel.

Als ich mein Nachtquartier sehe, ist jede Anstrengung der Anreise vergessen. Prächtig liegt die Chapman am Ufer der Insel Skeppsholmen. Ich beziehe meine Kajüte, durch das Bullauge blicke ich auf einen riesigen Weihnachtsbaum und Gamla Stan, die Altstadt von Stockholm.

Die nächsten Stunden laufe ich kreuz und quer durch Gamla Stan und treffe Freunde aus München, die ebenfalls gerade in Stockholm sind, zum Essen. Später sitze ich in meiner Kajüte und skype mit Olaf. Über die Webcam zeige ich ihm den Blick aus dem Bullauge. Internet ist fantastisch.

Den Sonntag spaziere ich durch das verschneite und vorweihnachtliche Stockholm, trinke einen Glögg, mache Fotos. Ich bin sehr froh über den Winterparka und die Stiefel, die ich mir kurz vor meiner Reise gekauft habe, denn trotz Minusgraden und eisigem Wind ist mir mollig warm.

Am Abend verlässt mit eineinhalb Stunden Verspätung der Nachtzug Stockholm in Richtung Norden. Sanft ruckel ich im Schlaf durch Schweden. Ich fahre gerne mit dem Zug. Am nächsten Morgen hat der Zug schon zweieinhalb Stunden Verspätung, doch das ist nicht schlimm. In Bastuträsk wartet ein neuer Bus, der mich nach Skellefteå bringt. Um die Mittagszeit habe ich mein erstes Etappenziel erreicht. Olaf holt mich von der Bushaltestelle ab. Gemeinsam laufen wir durch die Köpmansgatan zum Haus 10 Merchant Street, wo in den kommenden Tagen auch mein Arbeitsplatz sein wird.

Die Arbeitswoche

Mit Laptop und Internetzugang kann ich im Prinzip von jedem Ort arbeiten, also auch von Schweden aus. In den Räumen von Hello Future in der 10 Merchant Street richte ich mein Heimbüro (englisch: Home Office, schwedisch: Hemmakontor) ein.

Ich finde es schön, dass ich auch einen Einblick in Olafs Arbeitsleben in Schweden erhalte und seine Kollegen treffe, von denen er mir schon oft erzählt hat und die ich bereits von kleinen Buddy-Icons auf Twitter kenne. Internet hin oder her, die Menschen und Räume mit eigenen Augen zu sehen, ist doch nochmal etwas anderes.

Die Mittagspause ist der einzige Zeitpunkt, bei Tageslicht draußen zu sein, wenn auch nur sehr kurz auf dem Weg zu einem der Restaurants. Dort gibt es den Dagens Lunch, ein Mittagsbuffet mit Salaten und ein bis zwei Hauptgerichten sowie Wasser und Kaffee. Für 75 bis 90 Kronen ein vergleichsweise preiswertes Mittagessen.

Nachmittags klingt der Ruf “Fika” durch die Räume, Kaffeepause. Wir sitzen alle zusammen in der kleinen Sitzecke und reden über berufliches (Internetzeugs) und privates. An meinem letzten Tag bei Hello Future bringe ich eine Linzertorte mit, die es bei meiner Familie traditionell zur Weihnachtszeit gibt. Um die schwedisch-münchnerische Verbindung herzustellen, zieren drei Elche und die Münchner Frauenkirche den Kuchen, der auch im Fotoblog der 10 Merchant Street verewigt wird.

Am 23.12. hat Olaf bereits Urlaub und ich baue meinen Rechner in seinem Haus vor dem Fenster auf. Es ist der erste Tag, an dem ich richtig mitbekomme, wie es gegen halb zehn hell und gegen 14 Uhr wieder dunkel wird. Ich muss zugeben, dass mich der kurze Tag durcheinander bringt. Ich fühle mich unglaublich müde und gähne mich durch meinen letzten Arbeitstag für dieses Jahr. Am Abend heißt es dann endlich: Feierabend und Weihnachtsferien.

Nach Finnland · Teil 1: Universität Oulu

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

In Kürze:

Von Freitag früh bis Sonntag Abend war ich mit Martiné, Lasse, Jarkko und Mikael unterwegs. Unser Ziel war das 800 Kilometer entfernte Joensuu in Finnland, wo am Wochenende die finnischen Meisterschaften im Winterschwimmen stattfanden. Auf dem Hinweg haben wir einen Zwischenstopp an der Universität Oulu gemacht. Dort werden Auswirkungen von Kälte auf den menschlichen Organismus untersucht.

Das Ziel ist, im nächsten Winter auch in Schweden, und zwar in Skellefteå, Meisterschaften im Winterschwimmen auszurichten. Und das ist die erste große Aufgabe des neu gegründeten Vereins „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ – auf deutsch in etwa: „Verein der frohen Freunde von Kälte und Dunkelheit“.

Fahrt nach Oulu

+++ Wecker steht auf 4:20 +++ 5:30 geht‘s los. +++ die anderen abholen und dann nach Piteå, Luleå, Kalix, Haparanda +++ Inzwischen hell, Außentemperaturen liegen um -30 °C +++ In Finnland weiter nach Kemi +++ Von da bin ich vor acht Jahren mit einem Eisbrecher gefahren +++ erster Stopp Oulu (auf schwedisch Uleåborg) +++

Universitätsbesuch

Cold work action programAn der Universität Oulu sind wir mit Tiina Ikäheimo und Hannu Rintamäki vom Finnish Institute of Occupational Health (FIOH) verabredet. An diesem Institut wird zum Thema Kälte physiologisch und medizinisch geforscht und wir erfahren viel Interessantes über aktuelle Untersuchungen. So gibt es beispielsweise Arbeiten über die hormonellen Veränderungen unter Kälteeinfluss oder dem Einfluss von Kälte auf den Blutdruck. Nach dem Mittagessen führt uns Hannu durch die Labors. Hier gibt es sowohl temperaturgeregelte Wasserbecken als auch eine Kältekammer mit Windmaschine, die man bis auf -45 °C abkühlen kann. Die lasse ich mir das nächste Mal vorbereiten … . Aber es gibt auch eine Wärmekammer, die unter anderem dazu benutzt wird, Probanden wieder aufzuwärmen. (Es ist wohl nur Zufall, dass diese rein wissenschaftlich genutzte Kammer einer Sauna verblüffend ähnlich sieht.) Neben Versuchspersonen werden aber auch Dummys eingesetzt, um beispielsweise Kleidung unter Extrembedingungen zu testen. Diese technisch aufwendigen Figuren können wie Menschen bewegt werden, damit möglichst realistische Ergebnisse erzielen werden können.

Leider war unsere Zeit sehr begrenzt und schon bald saßen wir wieder im Auto, die zweite Etappe vor uns. Ich glaube, Forschung hätte auch was für mich sein können. Zumindest mal ein paar Jahre lang.

Oberflächliches Intermezzo: Von Schweden nach Finnland

  • Ich zahle wieder mit Euro
  • Ich verstehe kein Wort
  • Die Uhr wird eine Stunde vorgestellt
  • Die Landschaft unterscheidet sich aber nicht wirklich

Fahrt nach Joensuu

+++ Weiter über finnische Straßen +++ Zwischenstopp mit Kaffee und Karelischen Piroggen +++ die Sonne geht unter +++ Nicht mehr ganz so kalt +++ Das Hotel: Heruntergekommen, aber gutes Abendbrot und freies WLAN +++ und ein Hotelpianist, der Musik mit Gewalt verwechselt … +++

Gegen acht Uhr abends kommen wir in Joensuu an. Viel sehen wir nicht mehr, denn es ist dunkel und wir sind müde. Wir wissen nur von Jarkko, der aus Finnland stammt, dass „Greater“ Joensuu etwa 120000 Einwohner hat und wir am nächsten Tag nur 500 Meter laufen müssen, denn wir sind – genau wie die finnische Meisterschaft im Winterschwimmen – mitten im Zentrum. Wie praktisch!

Nach Finnland · Teil 2: Winterschwimmmeisterschaft in Joensuu

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

Besonders gut geschlafen habe ich nicht in dem Hotel. Das lag nicht daran, dass man die Straße so gut hörte und auch das Zimmer war alt, aber OK. Aber irgendein Möchtegernpianist meinte, um halb zwei Uhr nachts auf dem kleinen Yamahaklavier herumdonnern zu müssen. Ich meine, er konnte schon spielen, aber eigentlich nur laut und das mitten in der Nacht. Aber weiter im Text …

Nach einem Frühstück in einem netten Café sind wir leicht verspätet über die Autobrücke zur Flussinsel Niskassari gelaufen. Dort hatte der Wettbewerb schon angefangen. In das Eis auf der runden Bucht war ein rechteckiges Loch mit sieben Bahnen à 25 Meter Länge hineingeschnitten worden. Um das Loch standen bestimmt vierzig Personen mit neongelben Warnwesten. Die haben den Schwimmern beim Entkleiden geholfen oder im Laufschritt die Kleidung zum anderen Ende gebracht, damit dort die Schwimmer sich schnell wieder ankleiden konnten. Sie haben mit langen Harken das Eis von der immer wieder anfrierenden Wasseroberfläche entfernt oder mit roten Fahnen signalisiert, wann die Schwimmer so weit waren. Am Rand standen auch zwei Taucher, die aber zum Glück keine größeren Rettungsaktionen durchführen mussten.

Der Wettbewerb geht im Grunde so von statten: Wenn alle Schwimmer am Start sind, wird das Kommando „Riisukaa vaatteet“ – das heißt „Zieht Euch aus“ gegeben. Sind alle fertig, kommt „Veteen“ – das heißt „Steigt ins Wasser“. Das letzte Kommando heißt „Paikoillenne“ und bedeutet, „Auf Eure Plätze“. Direkt danach wird der Startschuss gegeben.

Was mir gefällt ist, wie gemischt die Teilnehmer sind. Manche sind athletisch gebaut, die meisten nicht. Die Hälfte sind Frauen, die Hälfte Männer. Viele Teilnehmer sind über 60, der Älteste war 86.

Jeder Teilnehmer ist verpflichtet Mütze (und natürlich Badehose oder -anzug) zu tragen. Handschuhe oder Socken sind nicht erlaubt. Die Schwimmart ist Brustschwimmen, wobei der Kopf nie ganz untertauchen darf. Vor allem bei den Mützen leben die Schwimmer Ihre Kreativität aus. Wer außerhalb des Wettbewerbs teilnimmt, ist an diese Regeln nicht gebunden und wer keine 25 Meter schwimmen möchte, kann auch einfach einmal ins Wasser eintauchen. Ich hatte eine gute Ausrede: Fotografieren. Aber nächstes Jahr will ich zumindest mit ins Wasser.

Mikael (links)und Jarkko (rechts) haben es sich nicht nehmen lassen, 25 Meter zu schwimmen. Tapfer! Danach haben sie es sich, wie manche anderen vor ihnen, im warmen Wasser des Hot-Tubs gut gehen lassen.

Der neu gegründete Verein „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ – auf deutsch in etwa: „Verein der frohen Freunde von Kälte und Dunkelheit“, dem ich quasi schon angehöre, möchte das Winterschwimmen auch in Schweden populär zu machen und hat sich zur Aufgabe gesetzt, im nächsten Winter die erstmalig schwedische Meisterschaften auszurichten – natürlich in Skellefteå. Das Feedback der finnischen Organisatoren, mit denen wir nach dem Wettbewerb und abends gesprochen haben war ausgesprochen positiv und uns wurde umfangreiche Hilfe zugesagt neben dem Tipp, dass 2015 ein tolles Jahr sei, um nordische oder auch europäische Meisterschaften auszurichten. Zum Glück ging das alles auf schwedisch oder englisch, denn außer Jarkko spricht keiner von uns finnisch bis auf Worte wie beispielsweise „Kitoos“ für „Danke“.

Abends fand dann eine Gala statt. Es war glaube ich die erste Gala, bei der ich war, ohne selber Musik zu machen. Erstaunlich: Kaum erklingen zwei Noten Musik, schon ist das Parkett voll tanzender Finnen. Und die Musik ist wirklich melancholischer als auf deutschen Galas. Ja, und es gab auch finnischen Tango.

Währenddessen hatten einige draußen Nachtschicht: Die ganze Nacht muss das Wasser immer wieder von Eis befreit werden. Wir sind um elf wieder ins Hotel gegangen und haben dort noch einige Zeit gesessen. Dabei haben wir dann beschlossen, nicht am Montag, sondern direkt nach den letzten Wettkämpfen am nächsten Tag zurückzufahren.

Vor einem Jahr

Gestern vor einem Jahr hatte ich mein Vorstellungsgespräch bei Artopod in Skellefteå. Heute vor einem Jahr – am Dienstag kurz nach 10 – hatte ich die Zusage für den Job als Webentwickler. Ein ganzes Jahr ist das also jetzt schon her, dass ich wusste, ich würde nach Skellefteå gehen – eine lange Zeit. Ich habe mich an vieles schon gewöhnt: Städte mit mehr als 50000 Einwohnern sind wirklich groß, der Winter ist sehr lang und man spricht halt schwedisch.

Manche denken, ich sei ein mutiger Mensch, der sich eines Tages entschlossen hat, nach Schweden zu gehen und dann halt nach Schweden gegangen ist. Sie wissen nicht, dass ich seit Jahren immer wieder überlegt, geträumt, mich entschlossen, gezweifelt, geplant und Pläne wieder verworfen habe.

Auf der Seite „Geschichte“ schreibe ich ein bisschen über diese Jahre und wie es dazu gekommen ist, dass ich letztendlich in Nordschweden gelandet bin. Woher aber mein Faible für Winter, Schnee und Kälte kommt, das weiß ich auch nicht.

Und – ich wage es kaum zu sagen – obwohl mir der seit vier Monaten andauernde Winter immer noch gefällt, ich freue mich auch auf den Frühling: Auf Wärme, auf grüne Blätter, auf offene Seen, auf singende Vögel, sogar auf Regen. Auf Fahrrad fahren und auf kleine Wellen auf der Ostsee. Auf den kleinen Strand um die Ecke und die Melodie des Eiswagens. Und irgendeinen Tag werde ich zufrieden die kanadischen Stiefel und den Daunenparka in den Keller bringen und in den Frühling hinauslaufen.

Bokrean

Letztes Jahr, als ich in Skellefteå war, habe ich ihn um genau einen Tag verpasst. Aber jetzt lebe ich ja hier und bin natürlich gleich am ersten Tag hingegangen.

Ich spreche vom „Bokrean“, dem Buchausverkauf, der jedes landesweit an einem Tag im Februar beginnt. Dieses Jahr war es der 23. Februar und noch nie habe ich Bokia, unseren Buchladen so voll gesehen. Am Eingang des Ladens stapelten sich Einkaufskörbe und überall standen Verkaufstische, Stände und teilweise auch einfach Kisten auf der Erde, gefüllt mit Büchern, Büchern, Büchern.

Der Buchausverkauf hat schon in den späten zwanziger Jahren begonnen, als die Verlage ihre Restauflagen verkauft haben. Inzwischen ist der Bokrea ein Event für alle Buchliebhaber. Aber auch für den Buchhandel, für den der Sonderverkauf eine ähnlich wichtige Rolle wie das Weihnachtsgeschäft spielt.

Nun ist es ja nicht so, dass ich nicht schon das eine oder andere Buch besitze, aber einfach an den Büchern vorbeigehen – völlig unmöglich!

Heute wanderten die folgenden Bücher in meine Tasche:

  • Per Olav Enquist „Ett annat liv“ – die Autobiografie.
  • „Kajak. Upplevelser och motion“ – schließlich will ich im Sommer Kajak fahren
  • „Vilda bär“ – Damit ich in Zukunft auch die etwas exotischeren Beeren erkenne
  • „Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann“ – als Hörbuch zum Schwedisch üben
  • Bonniers Naturguider „Insekter“ und „Fåglar“ – denn so etwas habe ich nur auf deutsch
  • Dan Brown „Den förlorade Symbolen“ – Ein dicker Wälzer, muss auch mal sein

Bezahlt habe ich für alles 434 Kronen, also knapp 50 Euro. Mal sehen, ob ich morgen an Bokia vorbeigehen kann oder noch einmal kurz hineinschauen muss…

Wer schwedisch kann und mehr wissen möchte kann über Bokrean auf Wikipedia einiges erfahren.

Vårvinter

Dieses Wochenende war ich nach sechs Wochen mal wieder in der nahen Umgebung unterwegs.

Gestern am Samstag habe ich meinen Rucksack gepackt, meine Skier untergeschnallt und bin quer durch den Wald zur Ostsee gelaufen. Erst war ich auf Norrskär. Von dieser hügeligen Insel konnte man am Horizont einen breiten dunkelblauen Steifen ausmachen. Blankes Eis oder offenes Wasser? Ich beschloss, in die Richtung zu laufen um näher zu schauen, musste aber bald feststellen, dass diese Stelle viele Kilometer entfernt lag. Statt weiter auf die See hinaus zu laufen, bin ich dann nach links abgebogen und habe erstmalig die Insel Medgrundet angesteuert. Mit einem Abstand von 2400 Metern liegt diese Insel in der Hålfjärden genannten Bucht am weitesten vom Festland entfernt. Nach einer längeren Pause habe ich dann den Rückweg angetreten und war um kurz vor drei wieder zu Hause.

Was war nun anders als die Skitour vor sechs Wochen?

  • Die Sonne hat viel mehr Kraft. Sie wärmt und ich bin teilweise ohne Jacke gelaufen.
  • Es ist viel länger hell. Man muss nicht sofort nach dem Frühstück losbürsten und als ich zu Hause war, war es immer noch ein paar Stunden hell.
  • Sonnenbrille und -creme gehören jetzt in den Rucksack. Die dicke Daunenjacke kann zu Hause bleiben.
  • An manchen Stellen ist der Schnee weggeweht und das blanke Meereis zu sehen.
  • Pausen machen mehr Spaß, weil es einfach wärmer ist.

Ja, ich mag auch den knackigkalten Winter im Januar und Februar, aber der Vårvinter, auf deutsch Frühlingswinter ist auch toll. Und ich kann mir kaum noch vorstellen, dass ich vor drei Wochen noch mit meinem Canada-Goose-Parka herumgelaufen bin.

Heute war ich kurz in der Stadt und habe mit Elisabet einen Abendspaziergang auf den Huvudberget gemacht, der jetzt nicht dramatisch hoch ist, aber eine schöne Aussicht über die Stadt bietet. Nun bin ich wieder zu Hause und es hat sich leider ein bisschen zugezogen. So wird es also auch diese Nacht mit nicht mit Polarlichtbeobachtung. Macht aber nichts, denn so kann ich mein Kinderbuch „Agaton Sax och den ljudlösa sprängämnesligen“ weiterlesen.

Erste Osterboten

Diese Woche habe ich in zwei Jahreszeiten gelebt. Im Garten hinter dem Haus liegen noch 80 cm Schnee und morgens war es mit Temperaturen um -10 °C noch ganz schön frisch. Aber tagsüber fühlen sich auch wenige Plusgrade schon richtig warm an. Vor allem wenn es windstill ist und die Sonne scheint.

So hat sich diese Woche auch der erste Schmetterling – ein Kleiner Fuchs – in die Innenstadt verirrt. Vielleicht haben ihn die Osterglocken des Blumenladens gelockt und ihm vorgegaukelt, der Frühling sei schon voll da.

Auch der ICA in der Innenstadt zeigt, dass sich Ostern nähert: Mit großen Plastikeiern, die knallbunt mit Süßigkeiten gefüllt sind. Das hat ja auch was, aber als hier geschrieben habe, dass ich mich auf den Frühling auch der Farben wegen freue, hatte ich nicht so etwas im Sinn.

Und wenn schon Süßes, so hoffe ich stark, dass man auch in Schweden Nougateier bekommt …

Skellefteå tidningen

Die kommunale Zeitung, die „Skellefteå tidningen“ hat in der aktuellen Ausgabe das Thema „inflyttare“, zu deutsch Einwanderer. Auf Seite 8 liest man als Überschrift „Olaf gillar kyla och mörker“ – Olaf mag Kälte und Dunkelheit (nun ja, über das letzte lässt sich ein wenig streiten …).

Ich stehe jetzt zum dritten Mal in der Zeitung, seitdem ich hier lebe. Ich frage mich, ob ich jetzt berühmt oder berüchtigt bin. Aber eher glaube ich, dass das Leben hier im Norden zum einen beschaulicher ist und Zeitungen sich ihre Themen daher eher suchen müssen, als dass sie mit News überschüttet werden. Zum anderen ist der Fokus aber auch lokaler (bei einer kommunalen Zeitung ist das ja auch kein Wunder) und so findet man in der gleichen Zeitung Artikel über ein lokales Jobprojekt für Jugendliche oder ein Portrait über eine fußballbegeisterte Bloggerin.

Der Text selbst über mich ist allerdings keine Überraschung, da Lasse, der mich interviewt hat (und auch gut kennt) den Text vorher noch einmal zur Korrektur gegeben hat.

Nachtrag (3. April)

Danke an René, der festgestellt hat, dass man die aktuelle Ausgabe der Skellefteå tidningen im Internet als pdf bekommt.

Von der Arbeit

… schreibe ich hier eigentlich nie. Zum einen gehört es nicht so in dieses private Blog hinein, zum anderen finde ich es komisch, über die Arbeit in einer Sprache zu berichten, die die Kollegen nicht lesen können. Aber man kann ja mal eine Ausnahme machen, denn heute gibt es gleich zwei Gründe:

Torten mit Worten …

(Man verzeihe mir diesen grauenhaften Kalauer)

Zum einen wurde ich heute von Hello Future – meinem Arbeitgeber – mit einer Torte beschenkt, weil ich letzte Woche Geburtstag hatte. Aber ich war die letzten Tage so damit beschäftigt, kniffelige Programmierer-Probleme zu lösen, dass ich ein bisschen mit Scheuklappen herumgelaufen bin.

Deshalb gab es die Torte erst heute. Abgebildet war eine sogenannte Apple-Push-Notification. Der Text heißt übersetzt: „Glückwunsch Olaf. Willst du weitergehen und die Torte essen? [Abbrechen] [Fortsetzen]“. Keine Frage, ich habe Fortsetzen gedrückt und dann die Torte angeschnitten. Zum Glück haben mir die Bürokollegen beim Aufessen geholfen. Das übrig gebliebene Stück (Merke: In Schweden bleibt immer ein Stück übrig) habe ich mit nach Hause genommen und gerade verspeist.

Wo sind die Designer und Webentwickler und die … und die …

Zur Zeit sucht Hello Future sowohl einen Designer als auch ein, zwei Programmierer. Wer also als Designer oder Programmierer hier arbeiten möchte: Bewerbt Euch! Wer jemanden kennt, der nach Schweden möchte und in dem Bereich arbeitet: Sofort Bescheid sagen! Es ist nämlich leider nicht so einfach, hier in Skellefteå gute Leute zu bekommen und nicht nur Hello Future sucht gerade Verstärkung, sondern auch andere Unternehmen im Bereich Internet, Werbung und Media.

Da dieses Problem schon länger existiert, soll hier im Herbst eine Ausbildung in Cross Media Interaction Design anfangen. Die Studenten sollen nicht nur eine fundierte theoretische Ausbildung erhalten, sondern auch im nahen Kontakt zu den Unternehmen der Stadt stehen. Dann merken sie (hoffentlich), dass hier alle nett sind und dass es sich hier sehr gut leben lässt. Aber lest selbst, wenn es Euch interessiert: Master Program in Cross Media Interaction Design – Skellefteå, Sweden.

Es gibt übrigens noch Plätze. Wer also Lust hat, hier zu leben und zu studieren – uns würde es freuen!

Skellefteå AIK

In Essen habe ich mehrere Jahre direkt neben der Eissporthalle gewohnt. Und habe es kein einziges Mal geschafft, mir ein Spiel anzuschauen. Nun, mein Interesse am Sport gucken ist auch begrenzt. In Schweden spielt Hockey (keiner spricht hier von Eishockey) eine wesentlich größere Rolle und als Leif gestern eine Karte für eines der Endspiele übrig hatte, habe ich mich sofort entschieden, mitzugehen.

Und so habe ich mir gestern mit 6000 anderen Besuchern das vierte Finalspiel des Skellefteå AIK (wir, die Guten) gegen Färjestad BK (die anderen, Südschweden) angeschaut. Meister wird der, der als erstes vier Spiele gewonnen hat und so kann es bis zu sieben Finalspiele geben. Färjestad BK führte 2:1 in Spielen, aber jetzt hatte Skellefteå AIK Heimspiel.

Meine Güte, war das spannend! Beide Mannschaften haben extrem temporeich und auch zunehmend aggressiver gespielt. Im zweiten Drittel (man spielt drei Drittel à zwanzig Minuten) fiel dann das ersehnte 1:0 für Skellefteå AIK, die das Spiel ganz klar dominiert haben. Leider fiel kurz darauf das Gegentor. Mist!

Die vier Schiedsrichter hatten einiges zu tun und zeitweise waren bis zu vier Spieler aus dem Spiel genommen. Ich hätte glaube ich keine fünf Sekunden auf diesem Spielfeld überlebt; ein ganz schön tougher Sport!

Da es nach dem dritten Drittel immer noch 1:1 stand, ging das Spiel in eine Verlängerung. Und dort hat – wupps, ganz plötzlich – Färjestad BK das 2:1 geschossen. Man muss dazu sagen, dass es in Torschüssen 44:25 für Skellefteå AIK stand und es schon großes Pech war, dass Skellefteå AIK nur bei einem seiner 44 Torschüsse wirklich einen Treffer landen konnte. Aber es gewinnt nun mal die Mannschaft mit den meisten Toren, nicht die, die im Spiel überzeugender war.

Kaum fiel das 2:1, war es, als hätte man einen Schalter umgelegt. Das Klatschen und die Gesänge hörten abrupt auf und alle AIK-Fans standen auf und verließen das Stadion. Ich fand das sehr seltsam und gegenüber der Mannschaft irgendwie auch nicht fair, die wirklich ein hervorragendes Spiel geliefert hat. Aber die Enttäuschung der Fans war einfach sehr groß, denn die Chancen, dass ihr Skellefteå AIK nach dreiunddreißig Jahren endlich mal wieder Meister wird, sind nach diesem Spiel doch sehr gering. Immerhin müsste der Verein jetzt drei Spiele, davon zwei Auswärtsspiele, in Folge gewinnen. Und das ist doch sehr unwahrscheinlich, denn vermutlich wird Färjestad BK ihr nächstes Heimspiel gewinnen und Meister werden.

Ich bin ja überhaupt nicht der Typ, der so richtig Fan von einem Verein wird, aber ich glaube, nächste Saison schaue ich mir wieder ein, zwei Spiele an.

Drei Mal Wasser

1. Schön: Der Skellefteälven

Nun ist der Fluss nicht nur in der Stadt, sondern auch außerhalb offen. Es ist so schön, wieder Wasser fließen zu sehen und auch die Möwen und anderen Wasservögel, die zurückgekommen sind, scheinen es zu genießen. Nur vor dem Wehr in Bergsbyn stauen sich noch die Eisschollen.

2. Belanglos: Mein Outdoorpool

Ich habe es lange herausgezögert, aber heute ist es so weit. Ich lasse das Wasser im Outdoorpool ab. Es ist ja gechlort und kann daher lange im Pool bleiben, aber der Zeitpunkt, an dem ich das Wasser hätte wechseln sollen, ist eigentlich schon länger überschritten. So wie das Wasser jetzt gerade aus dem gelegten Schlauch heraustitschert, werden aber wahrscheinlich Stunden vergehen, ehe der Pool leer ist. Ich weiß noch nicht, wann ich ihn wieder neu fülle und chlore, denn alleine im Hellen macht mir das Baden keinen Spaß.

3. Alles andere als schön: Cryptosporidium

In der Stadt sind sieben Fälle von Menschen, die sich mit Kryptosporidien infiziert haben bekannt geworden. Das sind einzellige Parasiten, die sich im Wasser sehr wohl fühlen und fiese Magendarmerkrankungen auslösen. Es besteht der Verdacht, dass sich diese Parasiten über das Trinkwasser verbreitet haben. Und das heißt, dass sämtliches Wasser, welches zum Trinken, Kochen oder zum Zähneputzen verwendet wird, vorerst abgekocht werden sollte. Noch ist es nur ein Verdacht, dass das Leitungswasser von den Parasiten befallen sein könnte. Sollte sich dieser Verdacht aber bestätigen, wäre das schon ein großer Mist. Östersund hatte vor einigen Monaten das gleiche Problem und dort hat es zehn Wochen gedauert, bis das Leitungswasser wieder trinkbar war.

Drückt uns die Daumen, dass die Infektionen eine andere Ursache haben und das Wasser OK ist.

Das Mineralwasser wurde heute schon gehamstert und war sofort ausverkauft.

Nachtrag:

20. April, abends In den ersten Proben wurden keine Parasiten gefunden. Weitere Proben wurden heute entnommen. Es wird empfohlen, weiterhin das Trinkwasser abzukochen.
22. April, abends Auch in den am Mittwoch entnommenen Proben wurden keine Parasiten gefunden. Es wird weiterhin empfohlen, Trinkwasser abzukochen.

Bergtour

Heute war ich mit einer Freundin auf dem Falkberget, einem Berg 2 km südwestlich vom Stadtzentrum Skellefteås. Liebe Münchner, lacht nicht, wenn ich Euch erzähle, dass der Berg (laut Karte) 147,2 Meter hoch ist. So ein „Hügel“ kann es natürlich nicht mit den Alpen aufnehmen, aber man kann es auch so sehen: Das direkte Umland Münchens ist flacher.

Und dieser Berg ist zumindest auf seiner Nordseite ganz schön schroff und nur durch klettern zu besteigen. Wir haben dann die Südroute genommen … . Von oben hatte man Blick auf ganz verschiedene Landschaftstypen: Schaut man auf dem von Granitfelsen geprägtem Berg in Richtung Norden, so hat man Blick auf den See Falkträsket mit seiner kleinen Badebucht und dahinter auf die Stadt. Schaut man in Richtung Süden, so sieht man Wald und noch mehr Wald. Und in Richtung Osten konnte man trotz des trüben Wetters die Ostsee sehen.

Falkberget hat zwar kein Gipfelkreuz, aber eine große Holzpyramide, die die höchste Stelle markiert. Wir haben uns einen Aussichtsplatz gesucht, heißen Tee getrunken und Kekse gegessen. Leider war es die ganze Zeit grau und hat es etwas geregnet. Und es war so windig und kalt, dass ich seit das erste Mal seit Monaten kalte Finger hatte.

Ich hoffe, dass das Wetter wieder besser wird, denn die nächsten zwei Wochen haben zwei röda dager (rote Tage = offizielle Feiertage) zu bieten. Viertagewochen sind doch etwas Herrliches. Da könnte ich mich dran gewöhnen.

Sommer

Und plötzlich ist es warm. 25 °C. Blauer Himmel. Alle essen draußen. Mittag oder Eis. Und sonnen sich. Von der Wasserfontäre weht ein bisschen feuchte Luft herüber. Und erfrischt.

Nur die Blaskapelle (NB: Wer hat bloß dieses Arrangement von Birdland verbrochen!) auf dem Marktplatz muss arbeiten. Ich nicht. Ich hole mir Sushi und setze mich zu den anderen an den Fluss.

Das vorherrschende heutige Thema: Früher Feierabend. Die Ostsee zum Baden habe ich nachher wahrscheinlich doch für mich allein. Selbst schuld, die anderen.

Entschuldigt die Bildqualität. Die Photos stammen vom iPhone und der Bildschirm im Büro kann so manches, aber keine Farben

Nachtrag:

Später stieg die Temperatur auf 27 °C und nur ein kleiner Regenschauer am Abend hat etwas abgekühlt, ehe es wieder aufklarte. Die Ostsee hat inzwischen 17 °C und ich fühle mich auch eine halbe Stunde nach dem Baden noch herrlich frisch.

Ryssvärme

Ryssvärme – So heißt das auf schwedisch, wenn von Russland warme kontinentale Luft nach Schweden gelangt. Und dann ist es plötzlich warm bis heiß. Skellefteå war gestern beim SMHI – dem schwedischen Wetterinstitut – mit 28.8 °C Maximum auf Platz vier von Schwedens wärmsten Orten. Auch heute Mittag waren es wieder über 25 Grad. Wir saßen barfuß draußen am Fluss und haben Lunch gegessen und es ist überhaupt nicht vorstellbar, dass vor dreieinhalb Monaten hier die Temperaturen unter -25 °C lagen.

Fährt man mit dem Rad von Skellefteå nach Skelleftehamn, dann kommt man fast sicher an einem Kiosk in Bergsbyn vorbei, der legendär für sein Softeis ist (Hier ist Eis immer Softeis, denn Italien ist weit weg) und zwar nicht nur für den Geschmack, sondern auch für die Portionen. Heute habe ich das erste Mal Eis gekauft und, obwohl ich von den großen Portionen schon gehört habe, dennoch leicht ungläubig gefragt, ob dies denn wirklich die kleine Waffel sei. Zum Softeis sucht man sich eine Soße oder Streusel aus, von eher traditionellen Dingen wie Erdbeersoße bis hin zu für Mitteleuropäer eher ungewohnten Zutaten wie Salmiaklakritzkrümel.

Ich habe mein Fahrrad erst einmal geschoben und Eis gegessen, Eis gegessen und Eis gegessen.

Gleich fahre ich an die Ostsee und springe ins Wasser, aber erst wenn ich das Softeis verdaut habe. Und das kann noch ein paar Minuten dauern …

Feste feiern

Ich habe schon nicht über den 6. Juni berichtet, da war Nationalfeiertag. Dies ist ein „roter Tag“, also ein gesetzlicher Feiertag. Abgesehen von ein paar gehissten Flaggen merkt man aber nicht wirklich viel von irgendwelchen Festivitäten. Eher ein ruhiger Extrasonntag.

Ich habe auch nichts über das „Studentexamen“ geschrieben, am ehesten mit „Abifeier“ zu umschreiben, wenn auch nicht zu vergleichen. Das Studentexamen fanden letzte Woche statt. Am auffälligsten: Überall sind Mädels im weißen Kleid und Jungens im schwarzen Anzug, die weiße Mützen – irgendwo zwischen deutschem Polizeikäppi und Kleinbootsführerkapitänsschirmmütze – tragen. Entweder stehen sie kreischend und juchzend auf einem großen Partywagen, der dann mit lauter Schlagermusik durch die Straßen der Innenstadt kurvt oder sie laufen in kleinen Rudeln zu Fuß durch das Zentrum. Aber ehe ich die Kamera zücken konnte, war das alles schon wieder vorbei, vielleicht war es letzte Woche auch einfach zu heiß um lange zu Feiern. Das Ergebnis: Kein Foto, kein Artikel.

Aber jetzt: Heute war der Abschluss des „Miljöfestivalen“, des Umweltfestivals. Zum einen fand ein Fahrradkorso statt. Über 600 „Cyklister“ waren mit am Start. Man hätte gerne die 917 Teilnehmer in Umeå getoppt, aber das hat nicht geklappt. Umeå ist aber auch mehr als doppelt so groß.

Aber das Hauptthema des Tages war die Elmopedturnén 2011, die heute Skellefteå erreicht hat. Dies ist eine Tour mit elektrisch betriebenen Mopeds von Tommarp in Südschweden bis nach Haparanda an der finnischen Grenze im Norden. (Fahren die das wirklich alles selber …?). Anlässlich dieser Tournee waren der Meteorologe Pär Holmgren und die Musiker/Künstler Staffan Lindberg und Fredrik Swahn auf der Bühne, sowohl, um zu unterhalten als auch um Informationen zum Klimawandel zu geben.

Ebenfalls auf der Bühne: Eine Verlosung unter allen Fahrradfahrern, eine Rede und ein kurze und ziemlich durchgeknallte Varieté-Nummer des Theaters. Den Abschluss haben Martin (Gesang) und ich (Klavier) mit einigen Sommer- und einigen Kinderliedern gemacht. Der Auftritt hat zwar gut geklappt, war aber trotzdem undankbar, weil wir zum einen gegen die professionellen Entertainer der Elmopedturné nicht anstinken konnten, zum anderen, weil fast alle Kinder und auch die meisten erwachsenen Zuschauer schon nach Hause gegangen waren. So nett das ganze war, die Programmplanung ist definitiv verbesserungswürdig.

Nach einem Abendessen mit den Beteiligten ging dieser Tag zu Ende. Morgen und übermorgen findet zum wiederholten Male der Creative Summit statt, auf dem verschiedene Sprecher über Themen aus der Kreativbranche sprechen. (was für ein fürchterlicher Satz, aber ich bin müde und der bleibt jetzt einfach so stehen. Man muss nicht alles korrigieren). Das wird bestimmt extrem interessant aber wahrscheinlich auch ein bisschen anstrengend.

Das Programmblatt als pdf (schwedisch)

Creative Summit

Wer mein Blog liest, könnte auf die Idee kommen, dass hier schöne Natur ist, aber sonst nichts. Und das ist nicht ganz richtig. Natürlich kann sich die Stadt Skellefteå kulturell nicht mit Städten wie München messen, aber wenn es um den Bereich Kreativität geht, dann überrascht Skellefteå immer wieder.

„I can honestly say that I’ve never been to any place that has a higher concentration of ridiculously creative people.“

(Jeff Voris, Disney, Creative Summit 2009)

Auf dieses Zitat ist man natürlich ein bisschen stolz und es wurde zur Eröffnung des Creative Summit auch wieder erwähnt. Aber mir scheint fast ein bisschen etwas dran zu sein an der Sache. Aber wie auch immer … .

Einige hundert Teilnehmer lauschten interessiert bis begeistert den Vorträgen von verschiedenen Rednern. Die Palette reichte von Jess Greenwood, die einen dichten und energiegeladenen Vortrag über Kreativität gehalten hat (ich habe noch nie jemanden so schnell englisch reden hören) bis hin zu Lorne Peterson, der für viele von George Lukas’ und Steven Spielbergs Filmen die Modelle gebaut hat, so zum Beispiel den Todesstern aus Star Wars.

Am Mittwoch Abend hieß es dann „Dinner and Drinks“ auf dem Vitberget, dem in der Stadt gelegenen Skihügel. Eigentlich hätte man mindestens zwei Wochen gebraucht, um mit allen interessanten Leuten – also eigentlich allen Leuten – zu reden, aber auch in der begrenzten Zeit bildeten sich interessante Gespräche. Am Donnerstag ging es dann mit Vorträgen weiter.

Am Freitag war dann noch ein dreistündige Vorstellung von Adobe-Leuten, die viel über Neuerungen in ihren Produkte wie Flash oder Photoshop gesprochen haben. Und nach diesen zweieinhalb Tagen Inputkonzentrat bin ich todmüde im Stand-By-Modus nach Hause gewankt. Fazit: Wie schon im letzten Jahr anstrengende, aber extrem inspirierende Tage.

Noch einmal zum Thema Kreativität: Mir scheint es manchmal, dass jeder hier kreativ oder künstlerisch tätig ist. Der Landschaftsgärtner spielt Schlagzeug und Cajón, die Programmiererin töpfert und aquarelliert. Überhaupt fast alle spielen ein Instrument, malen, oder fotografieren. Ein weiterer Grund, warum ich mich hier wohlfühle.

Erinnerung an mich selbst: Mehr um Musikkontakte kümmern. Ich will wieder mit anderen zusammen Musik machen. Aber jetzt ist Sommer und alle sind in ihren Sommerhäusern, so hat das gut noch bis September Zeit.

Brückenbau-Arbeits-Sommer-Bade-Stadtfest-Panorama

Manche Tage sind dichter als andere. Von so einem Tag komme ich gerade zurück.

Der Morgen

Knallblauer Himmel – schon am Morgen zwanzig Grad – das schreit danach, mit dem Fahrrad zu fahren. Es ist immer herrlich, wenn man schon morgens oben herum nur ein T-Shirt braucht und in den Sandalen mit den Zehen wackeln kann. Kurz vor der Stadt mache ich eine kurze Fotopause, denn da wird eine neue Brücke über den Skellefteälven gebaut. Da habe ich noch nichts von mitbekommen, da ich diese Strecke nicht so oft fahre. Zum Schluss schlängele ich mich durch das Zentrum, denn heute beginnt das Stadtfest und überall stehen Zäune, Autos, Zelte, Menschen und nochmal Autos.

Arbeit

Ich hätte ja jetzt schon gerne Urlaub, aber bis zum Ende der Woche muss ich noch durchhalten. Im Büro ist es überraschend kühl und die Hitze schlägt uns ins Gesicht, als wir zum Mittagessen aufs Stadtfest gehen. Kein Wunder, denn mit 30.4 °C ist Skellefteå heute laut SMHI-Messungen der wärmste Ort Schwedens.
Das Stadtfest? Wie alle Stadtfeste, aber dazu später mehr.

Danach arbeite ich noch ein bisschen, aber die Konzentration geht gegen null und ich beschließe, eine Badepause zu machen.

Badesee

Kurz darauf sitze ich bei einer Freundin im Auto, sie hat ihren Lieblingsbadesee wiedergefunden. Für schwedische Verhältnisse ist dort einiges los. Ich kann das nicht ernst nehmen, die fünfzehn Leute. Die Luft ist warm, das Wasser des kleinen Waldsees herrlich erfrischend kühl, man möchte gar nicht mehr aus dem Wasser heraussteigen. Und zum Schluß sind wir fast alleine da. Aber … noch habe ich keinen Urlaub, die Arbeit wartet.

Arbeit

Die Kollegen gehen nach Hause, ich bleibe noch. Zum einen habe ich ja eine sehr lange Badepause eingelegt, zum anderen bin ich mit Freunden zum Stadtfest verabredet. Aber irgendwann ist es sechs und ich verlasse als letzter das Bürogebäude.

Stadtfest

Und nachdem alle am Treffpunkt eingetrudelt sind, ziehen wir zu neunt über das Stadtfest. Ich bin – wie schon im letzten Jahr – geneigt zu schreiben, dass alle Stadtfeste gleich sind: Fressgassen mit internationaler Imbissküche, die immer gleichen hässlichen Sweater mit Reggaemotiven, billige Taschen, Losbuden und dazwischen Menschen, Menschen, Menschen. Wo kommen die bloß alle her? Von den Menschen hört man allerdings gar nicht so viel, denn was gehört zu jedem Stadtfest dazu? Richtig, lokale Partybands, die unfassbar schlecht abgemischt sind. Die Musik dröhnt und wummert in Lautstärken nah der Schmerzgrenze durch das Stadtzentrum. Wer etwas mitteilen will, der muss halt schreien.

Aber halt, ein paar Sachen sind ein bisschen anders: Alle Festzelte sind abgeriegelt und alle müssen an der Security vorbei, vermutlich damit keine Minderjährigen Bier oder Wein kaufen können. Da es mehrere Festzelte gibt, besteht die Innenstadt eigentlich nur aus Zäunen, die ein gigantisches Labyrinth bilden, denn jede zweite Straße und fast alle Fußwege enden irgendwann vor einem hohen Drahtzaun.

Das Essen wie oft: Von Fast food (amerikanisch bis asiatisch) bis zu den unvermeidbaren ungarischen Langos wird das ganze Stadtfestessen gut abgedeckt. Aber es gibt auch Toast mit Pfifferlingen und dem lokalen Käse überbacken. Oder Ren als chinesisches Wokgericht. Und knatsch-buntes Gebäck, welches vermutlich im Dunkeln leuchtet. An dem unten abgebildeten Gebäck stand „Blåbär“, aber ich vermute eher, dass dort jede Menge Schlumpf mit drin war.

Auf dem Dach

Ich gehe ins Büro, um meine Sachen zu holen und nutze die Gelegenheit, auf dem Dach des Gebäudes die iPhone-Applikation „Photosynth“ auszuprobieren. Dafür, dass das Programm nichts kostet und ich mir auch nicht wirklich Mühe gegeben habe, ist das Panorama eigentlich ganz gut geworden, auch wenn man teilweise deutlich sieht, wo die vielen Einzelfotos aneinanderstoßen.

Nach Hause

Ich bin immer schon lärmempfindlich gewesen und das ist heute nicht anders. Und so verabschiede ich mich als erster und radele um kurz vor elf wieder nach Hause. Ich genieße die Stille und das herrliche Licht auf dem Heimweg. Und um zehn vor zwölf bin ich auch wieder zu Hause.

Und jetzt geht‘s ins Bett. Aber nicht das im Schlafzimmer, sondern das im Gästerzimmer im Keller, denn da ist es dunkel und herrlich kühl.

Nachtrag

  • Laut Norran, der lokalen Zeitung war gestern mit 31,1 °C der wärmste Tag des Jahres.
  • Gestern war auch ein Drachenbootrennen auf dem Fluss. Da habe ich allerdings nur die Rufe durch den Lautsprecher gehört. Man kann nicht überall sein.