Zum Inhalt

Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

Zu den Funktionen

Weihnachtsnachlese

Weihnachten ist vorbei. Jetzt wird nicht mehr gekuschelt oder einen auf nett gemacht, jetzt wird Klartext geredet!

Also, Ihr Schweden. Schaut Euch mal das Foto an! So will ich das zu Weihnachten sehen! Von links nach rechts: Lebkuchen, selbstgebackene Kekse (mit Ingwer), Spekulatius, noch mehr selbstgebackene Kekse (mehrere Sorten)! Eure Pepperkaka, die ihr mit Tubenkäse esst, könnt Ihr behalten! Und Euren rosa gefärbten Zuckerschaum in Weihnachtsmannform erst recht. So! Das musste mal gesagt werden!! Und noch ein paar Ausrufezeichen!!! Weil’s so’n Spaß macht!!!!!!!!

Möglich gemacht wurde dieses Foto durch ein Paket, welches ich heute mit leichter Verspätung beim ICA in Skelleftehamn abholen durfte. Und das Paket kommt von dreien meiner besten Freunde aus München. Die wissen, wie ich es gerne Weihnachten habe. Nicht auf diesem Bild sind die netten Briefe und jede Menge(!) weiterer Geschenke, die mit in dem Paket waren und über die ich mich riesig gefreut habe. Auch verspätete Weihnachtsgeschenke sind einfach toll!

Das war’s. Ihr braucht nicht weiter zu lesen. Wirklich nicht. Aufhören! Was? Ihr seid immer noch dabei? Also, nun gut: Ich habe mich auch ein wenig sehr geschämt, als ich dieses phantastisch-tolle Paket heute aufgemacht habe. Denn ich habe keinem Menschen auch nur irgendetwas dieses Jahr zu Weihnachten geschenkt. Ich bin eine treulose Tomate! Und ich gelobe Besserung! Ich fange nächstes Jahr viel früher an. Mit dem Geschenke kaufen. Ich geb mir zumindest große Mühe!

Ein kleines Problem birgt dieses Paket allerdings: Die Plätzchen in der rechten, roten Dose sind für das Kleine Gelbe Monster bestimmt. Es hat zwar auch seinen eigenen Keks bekommen (in Monsterform und leider auf diesem Bild nicht verewigt), aber es möchte bestimmt auch die anderen ihm zustehenden Kekse. Und eigentlich will ich die selber, die duften so lecker …

Ebenfalls nicht auf diesem Photo sind die leckeren Sachen, die mir meine Eltern vor zwei Wochen geschickt haben. Ihr ahnt es bestimmt schon, zwei Wochen bedeutet: Inzwischen ratzekahl aufgeputzt. Und Ihr habt recht!

Die Weihnachtstage

Über Eis, offenes Meer, graue und weiße Weihnachten, essen, faul sein, Sturm und einem kleinen Anhang über Wathosen.

Heilig Abend („Julafton“) – draußen

Am Vormittag hatte ich dann die Faxen dicke! Der Regen vom Vortag und der Bodenfrost haben zusammen wieder einmal die Straßen in einen einzigen Eispanzer verwandelt. Natürlich obenauf noch schön feucht, damit es auch richtig glatt ist. Und so kamen hier in Nordschweden das erste Mal meine Grödel zum Einsatz, die ich mir eigentlich für Wintertouren in den Alpen gekauft hatte. Der Vorteil: Man hat wirklich einen phantastischen Halt auf dem nassen Eis. Der Nachteil: Die Dinger machen dermaßen Lärm, dass vermutlich halb Norrland wusste, dass ich einen Spaziergang mache.

An zwei Stellen war ich an der Ostsee: Hinter der Insel Storgrundet ist das Meer teilweise von dünnem Eis bedeckt und die erste wage Landverbindung geschaffen. Dort, wo der Schutz der Inseln fehlt, ist allerdings nach wie vor offenes Wasser und wenn es nicht ab zu unter den Füßen knirschen würde (ich habe immer noch meine Grödel an), dann könnte es auch September sein.

Es wird also lange dauern, bis man wie im letzten Jahr ausgedehnte Touren auf dem Eis unternehmen kann. Man kann aber bei Storgrundet zumindest vom Ufer aus Eis fotografieren.

Heilig Abend („Julafton“) – drinnen

Mittags habe ich mich dann mit Annica getroffen und wir sind nordwestlich nach Norrlångträsk gefahren. Das liegt nur dreißig Kilometer von der Küste entfernt. Diese Distanz reicht aber schon aus, um eine völlig andere Witterung zu haben: Hier sind die Straßen weiß und es liegen so um die vierzig Zentimeter trockener Schnee. Also habe ich tatsächlich weiße Weihnachten gehabt, wenn auch nur einen halben Tag. Wir waren allerdings nur wenig draußen, sondern haben eine gesamteuropäische Weihnachtstradition fortgeführt: Essen! (Über das Julbord habe ich letztes Jahr geschrieben und wer mag, kann dort lesen, was in Schweden zu einem traditionellen Weihnachtsessen dazu gehört.) Nach einem ruhigen und gemütlichen Abend sind wir dann wieder in Richtung Stadt gefahren und gegen zehn war ich zu Hause.

Erster Feiertag („Juldagen“) – drinnen

Morgens kam in Skelleftehamn ein kurzer Schneeschauer und hat aus grau wieder weiß gemacht. Schön! Aber draußen war ich dennoch nicht. Nachmittags war ich bei Elisabet eingeladen, wo ich und ein anderer Freund ihr beim Verzehren der vom Vortag übrig gebliebenen Leckereien geholfen haben. Dafür sind Freunde schließlich da. Hier wurden wir neben Elchbraten mit zwei besonderen Dingen verwöhnt: Geräuchertem Bärenfleisch, das leider mehr nach Rauch als nach Fleisch schmeckte sowie geräuchertem Rentierherz, einer norrländischen Spezialität, die sogar mir, der um alle Innereien eigentlich einen großen Bogen macht, sehr gut schmeckt. Danach haben wir dann einen gemütlichen Abend verbracht, eh wir wieder mit dem Auto nach Hause gefahren sind. Wir, das sind ich und mein unerwünscht-anhänglicher Begleiter, der Nieselregen.

Zweiter Feiertag („Annandag Jul“) – draußen

Heute kam Dagmar. Sie kam in der Nacht von Norwegen herüber und hat, wie sich das für Stürme so gehört, einiges davon gepustet und den Zugverkehr zum Erliegen gebracht. Heute morgen ist Dagmar dann angekommen und hat durch die kleine Ritze in mein Schlafzimmerfenster geblasen und die Jalousien wackeln lassen.

Auch wenn von dem ausgewachsenen Sturm hier nicht mehr so viel übrig war, so viel Wind habe ich noch nicht erlebt, seitdem ich hier lebe. Ich bin mit dem Auto zur kleinen Halbinsel hinter der Lotsenstation gefahren und habe mich dort ordentlich durchpusten lassen. Auf der Leeseite gab es kleine Kräuselwellen, auf der Luvseite prallte die Brandung gegen die Steine und die Gischt wurde vom Wind waagerecht fortgerissen. Einige Böen haben – zum Glück erfolglos – versucht, mich beim Bilder machen von irgend einem Stein herunterzupusten. Und es ist mir immer noch ein Rätsel, wie ich es geschafft habe, bei der Gischt die Kamera trocken zu halten.

Bei den Gischtbildern konnte ich mich nicht entscheiden, welches mir besser gefällt, also kommen beide rein.

Jetzt hat sich der Wind wieder beruhigt, die Wathose trocknet und meine Finger wieder warm. Die Temperaturen sind von vier auf null Grad gefallen und in der Nacht sollen wieder ein paar Schneeflocken fallen.


Wenn ich fotografiere, dann schmeiße ich meine Wathose ins Auto. Mit ihr man sich auch mal im Meer hinknien oder auf einen nassen Stein setzen. Zum Warm und trocken bleiben sind die Dinger wirklich toll. Zum auf Steinufern herumklettern ziemlich doof, vor allem heute bei dem Wind. Man kann tatsächlich auch mit Wathose Auto fahren, habe ich heute probiert. Aber ich kann mich nicht entsinnen, wann ich mir das letzte Mal so blöd vorkam! Das nächste Mal nehme ich mir gerne die nötige Zeit zum Umziehen.

Durchschnittliche Windgeschwindigkeit in Skellefteå heute Vormittag:
14 m/s ≈ 50 km/h = Windstärke 7. Spitzenböen vermutlich um 22 m/s ≈ 80 km/h ≈ Windstärke 9.
Spitzenböen in Bjuröklubb (25 km weiter südöstlich: 30 m/s ≈ 110 km/h = Windstärke 11.

Der erste Advent

Gestern kam Berit, der Sturm zu uns. Aber außer, dass es ordentlich am Haus gerappelt und im Schornstein geheult hat, habe ich nicht viel mitbekommen. Ich bin kurz zur Bucht gelaufen und habe den Rest des Tages sehr gemütlich im Haus zugebracht. Heute hat sich der Sturm gelegt und die Temperaturen sind wieder leicht unter Null gefallen.


Annica und Martin haben mich heute eingeladen, mit nach Byske zu fahren, um dort den Weihnachtsmarkt zu besuchen. Der Weihnachtsmarkt war … übersichtlich. Vor dem „Lars-Nischagården“ waren ein paar Stände, wo Handarbeiten verkauft wurden. Und innen konnte man entweder fika machen, also Kaffee und Kuchen zu sich nehmen oder aber Blöta essen.

Blöta kannte ich noch nicht. Es handelt sich hierbei um in Fleischbrühe eingeweichtes Dünnbrot, welches mit Schinken, Apfelmus und Butter – auch mit Senf – serviert wird. Früher war es ein Arme-Leute-Essen und wurde unter anderem von den Waldarbeitern gegessen. Heute ist es eine nordschwedische Weihnachtsspezialität.

Wenn man glaubt, die schwedische und deutsche Kultur seien identisch, dann muss man sich nur mal die Weihnachtsbräuche anschauen. Während ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, was an dem Blöta genannten Pampf (Entschuldigt, Ihr Schweden) so toll oder gar weihnachtlich sein kann, war Martin fassungslos, dass die Deutschen keinen Weihnachtsschinken kennen.

Besser gefallen hat mir das weihnachtliche Fikabröd, so nennt man alles Süße an Keks und Kuchen, was man zum Kaffee essen kann.

Als ich wieder zu Hause war, habe ich mich kurz schlafen gelegt. Ich war unfassbar müde. Ich habe – wie letzten Winter auch – Schwierigkeiten mit meinem Tagesrhythmus, wenn es schon so früh dunkel ist. Als ich aufwachte, war die Temperatur auf null Grad gestiegen. Das heißt meistens, das Wolken aufziehen. Und diese Wolken haben Skelleftehamn tatsächlich den ersten Schnee gebracht. Und diese zwei, drei Millimeter, die gefallen sind, reichen schon aus, um alles ein bisschen heller aussehen zu lassen.

Zum Vergleich, so sah das hier vor einem Jahr aus: Ich wollte Winter Teil 2. Letztes Jahr war der Winter extrem früh dran, dieses Jahr extrem spät. Wetterextreme in Nordschweden.

Aus Deutschland

Schweden ist toll. Aber es kann einem – wie alle anderen Länder der Erde auch – nicht alles bieten. Und so importiere ich gerne das eine oder andere „aus deutschen Landen“.

So zum Beispiel handwerkliche Hilfe. Hier im Norden dauert es etwa dreihundertundsieben Jahre, bis man einen kundigen Elektriker ins Haus kommt. Und ich bin riesig froh, dass mir Delle, der mich hier im September besucht hat, geholfen hat und einen Großteil der alten Elektrik aus den vierziger Jahren fachgerecht gegen moderne Kabel und Bauteile ausgetauscht hat. Seitdem schlafe ich wieder ein bisschen beruhigter, vor allem wenn man sich anschaut, welche prähistorischen Bauteile sich hier vorher in den Wänden versteckt haben.

Bei Delle möchte ich mich ebenfalls für das Brot bedanken, welches er mir letzte Woche geschickt hat. Da das Motto der schwedischen Brotkultur eher „weiß und weich“ ist, war es ein großes Vergnügen, mal wieder in ein herzhaftes Brot hineinzubeißen. Und nein – ich war bis jetzt noch zu faul zum Brot selber backen. Kein Foto hingegen gibt es von den beiden kleinen Nusskuchen, die meine Mutter gebacken und mir geschickt hat. Denn beide Male, als ich einen Kuchen gerade ausgewickelt hatte, war mein erster Gedanke „Essen!“ und nicht „Äh, da könnte ich jetzt eigentlich mal’n Foto für das Blog von machen.“ Aber Ihr wisst bestimmt, wie Nusskuchen aussieht, stellt ihn Euch einfach vor, ja?

Von meiner Mutter kam vor Wochen auch ein anderes Paket; ein großes flaches. Und ihn dem waren zwei Ihrer wunderbaren abstrakten Bilder, die, nachdem sie einige Monate in einer Ausstellung hingen, nun frei waren, mein Wohnzimmer zu schmücken. Und das tun sie! Vielen Lieben Dank noch einmal für dieses tolle Geschenk!

Und sonst? Schöner Job mit Klavier (ich) und Gesang (Martin) am letzten Freitag +++ Dort viele Bekannte getroffen +++ Auf meinem Auto sind wieder Winterreifen +++ Morgens ist es meist glatt und unter null, aber Schnee ist nicht in Sicht +++ Am Freitag geht’s nach Deutschland, Familie und Freunde besuchen +++ Die Tage sind schon recht kurz

Matfesten

Matfesten“ heißt das viertägige Fest, welches gerade in Skellefteå stattfindet. Ich mag den herrlich nüchternen Namen der Veranstaltung, die übersetzt einfach „Das Essensfest“ heißt.

Um ein großes Zelt sind lauter Stände mit kleinen Küchen aufgebaut, wo man ganz unterschiedliches Essen bekommen kann. Da die Restaurants in Skellefteå nicht gerade – nun ja – besonders vielfältige Küche bieten, habe ich mich in unseren Mittagspausen am Donnerstag und Freitag begeistert auf die Stände mit äthiopischer und libanesischer Küche gestürzt. Und dabei ein bisschen wehmütig an die vielen, tollen Restaurants in München gedacht. (Und die vielen netten Freunde, mit denen man sich dort treffen könnte, aber das ist ein anderes Thema.)

Man konnte auch Lebensmittel kaufen, vor allem Beeren und Pilze. Ich empfinde das aber immer ein bisschen als Schummeln, wenn man Pfifferlinge oder Heidelbeeren kauft, wenn die Dinger im Wald auf einen warten, selbst, wenn ich hier noch keine Pfifferlingstellen kenne.

Heute hatte ich aber mein kleines eigenes Matfest, denn ich habe angefangen, in meinem Garten zu ernten. Ich weiß noch nicht, was ich mit den Unmengen an Äpfeln mache, unter deren Last sich die Zweige des kleinen Apfelbäumchens biegen, denn roh bekommen mir die nicht, aber über die süßen Pflaumen, die langsam reif werden, habe ich mich riesig gefreut. Die kann man auch direkt vom Baum essen.

Brückenbau-Arbeits-Sommer-Bade-Stadtfest-Panorama

Manche Tage sind dichter als andere. Von so einem Tag komme ich gerade zurück.

Der Morgen

Knallblauer Himmel – schon am Morgen zwanzig Grad – das schreit danach, mit dem Fahrrad zu fahren. Es ist immer herrlich, wenn man schon morgens oben herum nur ein T-Shirt braucht und in den Sandalen mit den Zehen wackeln kann. Kurz vor der Stadt mache ich eine kurze Fotopause, denn da wird eine neue Brücke über den Skellefteälven gebaut. Da habe ich noch nichts von mitbekommen, da ich diese Strecke nicht so oft fahre. Zum Schluss schlängele ich mich durch das Zentrum, denn heute beginnt das Stadtfest und überall stehen Zäune, Autos, Zelte, Menschen und nochmal Autos.

Arbeit

Ich hätte ja jetzt schon gerne Urlaub, aber bis zum Ende der Woche muss ich noch durchhalten. Im Büro ist es überraschend kühl und die Hitze schlägt uns ins Gesicht, als wir zum Mittagessen aufs Stadtfest gehen. Kein Wunder, denn mit 30.4 °C ist Skellefteå heute laut SMHI-Messungen der wärmste Ort Schwedens.
Das Stadtfest? Wie alle Stadtfeste, aber dazu später mehr.

Danach arbeite ich noch ein bisschen, aber die Konzentration geht gegen null und ich beschließe, eine Badepause zu machen.

Badesee

Kurz darauf sitze ich bei einer Freundin im Auto, sie hat ihren Lieblingsbadesee wiedergefunden. Für schwedische Verhältnisse ist dort einiges los. Ich kann das nicht ernst nehmen, die fünfzehn Leute. Die Luft ist warm, das Wasser des kleinen Waldsees herrlich erfrischend kühl, man möchte gar nicht mehr aus dem Wasser heraussteigen. Und zum Schluß sind wir fast alleine da. Aber … noch habe ich keinen Urlaub, die Arbeit wartet.

Arbeit

Die Kollegen gehen nach Hause, ich bleibe noch. Zum einen habe ich ja eine sehr lange Badepause eingelegt, zum anderen bin ich mit Freunden zum Stadtfest verabredet. Aber irgendwann ist es sechs und ich verlasse als letzter das Bürogebäude.

Stadtfest

Und nachdem alle am Treffpunkt eingetrudelt sind, ziehen wir zu neunt über das Stadtfest. Ich bin – wie schon im letzten Jahr – geneigt zu schreiben, dass alle Stadtfeste gleich sind: Fressgassen mit internationaler Imbissküche, die immer gleichen hässlichen Sweater mit Reggaemotiven, billige Taschen, Losbuden und dazwischen Menschen, Menschen, Menschen. Wo kommen die bloß alle her? Von den Menschen hört man allerdings gar nicht so viel, denn was gehört zu jedem Stadtfest dazu? Richtig, lokale Partybands, die unfassbar schlecht abgemischt sind. Die Musik dröhnt und wummert in Lautstärken nah der Schmerzgrenze durch das Stadtzentrum. Wer etwas mitteilen will, der muss halt schreien.

Aber halt, ein paar Sachen sind ein bisschen anders: Alle Festzelte sind abgeriegelt und alle müssen an der Security vorbei, vermutlich damit keine Minderjährigen Bier oder Wein kaufen können. Da es mehrere Festzelte gibt, besteht die Innenstadt eigentlich nur aus Zäunen, die ein gigantisches Labyrinth bilden, denn jede zweite Straße und fast alle Fußwege enden irgendwann vor einem hohen Drahtzaun.

Das Essen wie oft: Von Fast food (amerikanisch bis asiatisch) bis zu den unvermeidbaren ungarischen Langos wird das ganze Stadtfestessen gut abgedeckt. Aber es gibt auch Toast mit Pfifferlingen und dem lokalen Käse überbacken. Oder Ren als chinesisches Wokgericht. Und knatsch-buntes Gebäck, welches vermutlich im Dunkeln leuchtet. An dem unten abgebildeten Gebäck stand „Blåbär“, aber ich vermute eher, dass dort jede Menge Schlumpf mit drin war.

Auf dem Dach

Ich gehe ins Büro, um meine Sachen zu holen und nutze die Gelegenheit, auf dem Dach des Gebäudes die iPhone-Applikation „Photosynth“ auszuprobieren. Dafür, dass das Programm nichts kostet und ich mir auch nicht wirklich Mühe gegeben habe, ist das Panorama eigentlich ganz gut geworden, auch wenn man teilweise deutlich sieht, wo die vielen Einzelfotos aneinanderstoßen.

Nach Hause

Ich bin immer schon lärmempfindlich gewesen und das ist heute nicht anders. Und so verabschiede ich mich als erster und radele um kurz vor elf wieder nach Hause. Ich genieße die Stille und das herrliche Licht auf dem Heimweg. Und um zehn vor zwölf bin ich auch wieder zu Hause.

Und jetzt geht‘s ins Bett. Aber nicht das im Schlafzimmer, sondern das im Gästerzimmer im Keller, denn da ist es dunkel und herrlich kühl.

Nachtrag

  • Laut Norran, der lokalen Zeitung war gestern mit 31,1 °C der wärmste Tag des Jahres.
  • Gestern war auch ein Drachenbootrennen auf dem Fluss. Da habe ich allerdings nur die Rufe durch den Lautsprecher gehört. Man kann nicht überall sein.

Midsommarafton

Ich hatte schon geschrieben, dass Mittsommer ein wichtiges Fest in Schweden ist. Mir war aber bis gestern nicht klar, dass schon gestern am Freitag gefeiert wurde, obwohl „midsommar“ erst heute am Samstag ist. Dabei ist das eigentlich ganz einfach und logisch:

Neujahr heißt auf schwedisch „nyår“ oder genauer „nyårsdagen“ (Neu-Jahrs-Tag). Gefeiert wird am Vortag: nyårsafton (Neu-Jahrs-Abend). Weihnachten heißt „jul“, das traditionelle Weihnachtsessen und die Geschenke gibt es am „julafton“ (Weihnachts-Abend). Mittsommer heißt „midsommar“ und wann wird gefeiert? Richtig, am Tag zuvor, dem „midsommarafton“.

Und der war wie gesagt gestern. Ich habe mit Freunden in deren neuem Sommerhäuschen gefeiert. Wir saßen hauptsächlich auf der überdachten Veranda, den es hat ziemlich viel geregnet. Abends waren wir noch in der Sauna und haben uns zwischendurch zur Kühlung im Regen stehend mit dem Gartenschlauch abgespritzt. Irgendwann – wenn es immer hell ist, habe ich die Tageszeiten nicht mehr so richtig im Griff – habe ich dann das Gästezimmer abgedunkelt und mich schlafen gelegt. Und heute war auch schon wieder schönes Wetter.

Ganz wichtig übrigens beim Mittsommer ist das Essen: Hering („sill“), Lachs, Dünnbrot und neue Kartoffeln müssen dabei sein. Und Aquavit! Eigentlich. Denn Schnaps hatten wir zwar keinen, aber ein kleines Trinklied kann man ja auch zum Rotwein singen. Die gleichzeitig gegrillten Fleischstücke waren so groß, dass wir alle pappsatt waren und sogar ich – kaum zu glauben – nicht mehr viel von der Erdbeertorte geschafft habe. Aber die hat heute zum Frühstück auch gut geschmeckt.

Nun habe ich noch fünf Tage zu arbeiten und dann habe ich vier Wochen Urlaub! Ich frage mich, ob ich den Freitag jetzt „semesterafton“ nennen darf, denn immerhin ist es der Tag vor meinem Urlaubsanfang, und das – finde ich – ist ein Grund zum Feiern!

Ryssvärme

Ryssvärme – So heißt das auf schwedisch, wenn von Russland warme kontinentale Luft nach Schweden gelangt. Und dann ist es plötzlich warm bis heiß. Skellefteå war gestern beim SMHI – dem schwedischen Wetterinstitut – mit 28.8 °C Maximum auf Platz vier von Schwedens wärmsten Orten. Auch heute Mittag waren es wieder über 25 Grad. Wir saßen barfuß draußen am Fluss und haben Lunch gegessen und es ist überhaupt nicht vorstellbar, dass vor dreieinhalb Monaten hier die Temperaturen unter -25 °C lagen.

Fährt man mit dem Rad von Skellefteå nach Skelleftehamn, dann kommt man fast sicher an einem Kiosk in Bergsbyn vorbei, der legendär für sein Softeis ist (Hier ist Eis immer Softeis, denn Italien ist weit weg) und zwar nicht nur für den Geschmack, sondern auch für die Portionen. Heute habe ich das erste Mal Eis gekauft und, obwohl ich von den großen Portionen schon gehört habe, dennoch leicht ungläubig gefragt, ob dies denn wirklich die kleine Waffel sei. Zum Softeis sucht man sich eine Soße oder Streusel aus, von eher traditionellen Dingen wie Erdbeersoße bis hin zu für Mitteleuropäer eher ungewohnten Zutaten wie Salmiaklakritzkrümel.

Ich habe mein Fahrrad erst einmal geschoben und Eis gegessen, Eis gegessen und Eis gegessen.

Gleich fahre ich an die Ostsee und springe ins Wasser, aber erst wenn ich das Softeis verdaut habe. Und das kann noch ein paar Minuten dauern …

Die Fahrradsaison ist eröffnet

Oh - war das herrlich, mal wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit in die Stadt zu fahren. Das erste Mal seit dem 8. November! Die schönen Abkürzungen durch den Wald sind noch zugeschneit, aber alle anderen Wege sind schon frei, auch der eine Fahrradweg am Ufer.

Auf dem Hinweg habe ich anfangs ein bisschen geflucht, da gab es nämlich steinhart gefrorenen Schneematsch mit tiefen Rillen, die einen überall hinführten, nur nicht geradeaus. Das war aber zum Glück schnell vorbei. Ich habe ganz schön lange für den Weg gebraucht, schiebe das aber einfach mal auf die langsameren Spikereifen, die Fotopausen und natürlich den ständigen Begleiter, den Gegenwind. Wie man sieht, bin ich nicht der einzige, der radelt.

Heute hat das Thermometer die Zehngradmarke geknackt und auf dem nachmittäglichen Rückweg war es noch so warm, dass ich ohne Mütze und ohne Handschuhe fahren konnte. Sogar die ersten Insekten schauen heraus und kleine Fliegen landen auf meinem hellen Hosenbein. Da kann man den Schnee ganz gut ignorieren und einfach beschließen, dass dies der erste Frühlingstag ist.

Ich war dann noch kurz bei ICA, um mir drei Flaschen Nygårda-Limonade zu kaufen. Ich mag diese kleinen Glasflaschen, das etwas alt wirkende Etikett und vor allem die herrlich unspektakulären Namen:

Das Hallon in „Hallonsoda“ bedeutet Himbeer und „Apelsin“ muss ich wohl kaum übersetzen. Mein absoluter Favorit in der Namensgebung ist aber „Sockerdricka“! Eine Limonade (in etwa) einfach Zuckergetränk zu nennen ist so erfrischend einfach und auch so entwaffnend ehrlich, dass mir Nygårda alleine dafür schon sympathisch ist.

Monsterfutter

Ein Gastbeitrag vom Kleinen Gelben Monster.

Heute, am 4. April, gibt‘s Olafs Blog genau ein Jahr. Es wird Zeit, dass Olaf mal mich zu Wort kommen lässt, mich, das Kleine Gelbe Monster. Olaf denkt, dass ich die ganze Zeit ruhig auf seinem hohen Schrank sitze. Still sitze! Ha! Und wundert sich, dass die Schokolade wieder alle ist. Das war aber nicht er, sondern ich. Ich, auf der Suche nach Monsterfutter!!!

Wie Ihr bestimmt wisst, sind Kleine Gelbe Monster ganz toll auf den Winter eingerichtet. Olaf steckt bis zum Hals im Schnee – ha! Ich nicht! Ich bin nämlich herrlich rund gebaut. Und sinke deswegen gar nicht ein. Weil ich so herrlich rund gebaut bin – dank Monsterfutter!

Olaf muss sich warm anziehen im Winter. Kleine Gelbe Monster haben ein dickes Fell und gehen auch ohne Mütze raus. Sie haben nämlich viel Energie – dank Monsterfutter! Oh, Monsterfutter!

Und wohin gehen Kleine Gelbe Monster raus, wenn Olaf arbeitet und keiner guckt? Ich verrat’s Euch: Ich witsche dann schnell zum ICA in Skelleftehamn. Denn da gibt es nämlich was? Jawoll: Monsterfutter! Und deswegen mag ich Schweden, weil die hier eine riiiiesen Abteilung Monsterfutter haben, nur für mich. Zum Beispiel Bläckfiskar sura, Violprinsar, Bärry jordgubb/vanilj oder auch Fizzy Bubble Svampar Cola. Alles erstklassiges Monsterfutter! mit wichtigen Dingen wie Zucker, Glukosesirup, Fruktosesirup und Farbstoffen und künstlichen Aromen. Toll! Und mit Zucker! Zucker hatte ich schon? Egal.

Das hier drüber – über diesem Text – das ist mein Lieblingsbild. Hab ich selbst gemacht. Olaf findet das Bild zu grell. Pah! Kaum ist mal ein Bild ohne Schnee in seinem komischen Blog, schon wirds ihm zu bunt. Er sagt auch, ich hätte die Bilder nicht ordentlich genug ausgeschnitten. Pah! Der hat auch noch nie versucht, mit so schönen kräftigen Fingern wie meinen Photoshop per Touchpad zu bedienen. Und überhaupt, wer schreibt hier den Artikel, Olaf oder ich ?!?!?

Olaf hat gesagt, ein Jahr Blog wäre doch mal ne prima Gelegenheit für ne Rückblende. Also, was für ne doofe Idee! Der hat doch die ganze Zeit an seinem Computer gesessen und Blog geschrieben. Das können doch alle lesen. Also, falls es sie interessiert. Außerdem ist Olaf doch noch gar kein ganzes Jahr hier in Scheleff, äh, Skehamm, äh – in Nordschweden also. Was soll ich denn da für ne Rückblende schreiben. Sowas Blödes! Ich schreibe lieber über Monsterfutter! Oh, Monsterfutter!!!!!!!