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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Wieder zu Hause

Nach drei Wochen Norwegen bin ich gestern Nachmittag wieder zu Hause in Skelleftehamn angekommen. Die Rundreise war erlebnisreich und einfach toll, aber dennoch habe ich mich riesig gefreut, wieder zu Hause zu sein.

In der vorigen Nacht habe ich das erste Mal seit langem wieder erlebt, dass es nachts auch dunkel sein kann. Denn die meiste Zeit waren wir in Norwegen eine ganze Ecke nördlich vom Polarkreis unterwegs und hatten Polartag, das heißt, die Sonne ging nicht unter und rund um Mittsommer wird es hier ja auch nicht wirklich dunkel.

Apopros dunkel: Das können meine Bananen auch. Sie sollten eigentlich als Proviant mit, haben aber statt dessen drei Wochen in dem von der nordschwedischen Sonne aufgeheizten Haus herum gelegen.

Apopros aufgeheizt: Die Ostsee ist, wie ich heute beim Baden feststellen konnte, noch ein bisschen wärmer geworden und ich hoffe, dass sie die Wärme noch mindestens bis Mitte September speichert – für die nächsten Besuche.

Matfesten

Matfesten“ heißt das viertägige Fest, welches gerade in Skellefteå stattfindet. Ich mag den herrlich nüchternen Namen der Veranstaltung, die übersetzt einfach „Das Essensfest“ heißt.

Um ein großes Zelt sind lauter Stände mit kleinen Küchen aufgebaut, wo man ganz unterschiedliches Essen bekommen kann. Da die Restaurants in Skellefteå nicht gerade – nun ja – besonders vielfältige Küche bieten, habe ich mich in unseren Mittagspausen am Donnerstag und Freitag begeistert auf die Stände mit äthiopischer und libanesischer Küche gestürzt. Und dabei ein bisschen wehmütig an die vielen, tollen Restaurants in München gedacht. (Und die vielen netten Freunde, mit denen man sich dort treffen könnte, aber das ist ein anderes Thema.)

Man konnte auch Lebensmittel kaufen, vor allem Beeren und Pilze. Ich empfinde das aber immer ein bisschen als Schummeln, wenn man Pfifferlinge oder Heidelbeeren kauft, wenn die Dinger im Wald auf einen warten, selbst, wenn ich hier noch keine Pfifferlingstellen kenne.

Heute hatte ich aber mein kleines eigenes Matfest, denn ich habe angefangen, in meinem Garten zu ernten. Ich weiß noch nicht, was ich mit den Unmengen an Äpfeln mache, unter deren Last sich die Zweige des kleinen Apfelbäumchens biegen, denn roh bekommen mir die nicht, aber über die süßen Pflaumen, die langsam reif werden, habe ich mich riesig gefreut. Die kann man auch direkt vom Baum essen.

Kajaktour

Zwei Dinge hat Delle, der mich hier zwei Wochen aus Deutschland besucht hat, hier gelassen: Ein Kajak und einen Salzstreuer. Nun, seinen Salzstreuer hat er einfach vergessen, aber das Kajak blieb absichtlich hier: Ich hatte es kurz zuvor über einen Freund in Oldenburg gebraucht gekauft und Delle hat es auf seinem langen Kombi zu mir nach Skelleftehamn gefahren. Danke, Delle!

Nach einigen Wochen mit eher wechselhaftem Wetter war der heutige Samstag wolkenlos und auch relativ windstill. Ideales Wetter, um mich ins Kajak und das Kajak ins Wasser zu setzen. Zuerst habe ich Ersatzklamotten, Karte, Kompaß, Kamera und Handy wasserdicht gepackt und mit der Schwimmweste ins Kajak geworfen. Dann den Bootswagen drunter geschoben und das Kajak aus der Garage zum Killingören, der nächsten Einlassstelle gerollt. Dann bin ich zurück gelaufen, um das Paddel zu holen. Ich hatte es vergessen! Kommt daher der Begriff „Ich Döspaddel“?

Bald saß ich ich im Kajak und bin den Tunnel unter dem Näsuddsvägen in den Kallholmsfjärden gepaddelt.

Von da aus gibt es einen schmalen Durchlass nach Westen in den Kurjoviken (Danke, kartor.eniro.se für die ganzen Namen) Nach links hatte ich dabei Blick auf die Halbinsel Kallholmen. Die meisten Stellen kenne ich ja, aber vom Wasser aus ergeben sich noch einmal ganz andere Perspektiven. An einem kleinen Sandstrand habe ich einen kurzen Halt gemacht, aber eigentlich nur zum Fotografieren.

Dann bin ich entlang der Insel Rönnskär gefahren, die durch die Industrie, vor allem das Metallschmelzwerk von Boliden geprägt ist. Dies ist auch für mich Neuland gewesen, da man auf die Werksgelände natürlich nicht drauf darf. Sogar am Wasser standen überall Schilder, die das Betreten verboten. Am kleinen Leuchtfeuer am südöstlichen Ende habe ich dann die offene Ostsee erreicht.

Obwohl es windstill war, wurde die See hier doch ein bisschen wellig und kabbelig. Aber das Kajak liegt extrem stabil im Wasser und keine Welle hat es wirklich ins Kajak geschafft. Eigentlich fährt man ja mit Spritzdecke, aber ich hatte den Fotoapparat zwischen den Knien und da wäre ich sonst nicht dran gekommen.

Obwohl die Inseln sehr einladend waren, bin ich weiter an der Halbinsel Rönnskär entlang wieder in den Kallholmsfjärden gepaddelt. Zum einen ist es mir an der Stelle zu weit über das offene Meer, zum anderen hatte ich schon jetzt eine dicke Blase am rechten Daumen. Das nächste Mal doch Handschuhe?

Nach etwa zwei Stunden Fahrt und neuneinhalb Kilometern Strecke war ich wieder am kleinen Bootshafen, wo ich das Kajak wieder auf den kleinen Wagen gestellt und nach Hause gerollt habe. Was für eine herrliche Vormittagstour!

Heute Nachmittag war ich übrigens wieder in der Ostsee baden. Mal sehen, wie lange ich das noch durchhalte, denn heute hatte das Wasser nur noch 13,3 Grad und war ganz schön kalt. Mir fällt hier beim Baden immer wieder auf, wie süß das Ostseewasser hier ist. Vielleicht hat Delle seinen Salzstreuer doch absichtlich hier gelassen.

Einmal um Storgrundet

Heute war das Wetter richtig schön und heute Vormittag habe ich – wie die meisten Nachbarn auch – im Garten gearbeitet. Aber am Nachmittag habe ich mein Kajak auf den Bootswagen gestellt und bin zu meinem Hausstrand gelaufen. Das Kajak lässt sich prima mit einer Hand hinter sich herziehen, auch wenn es rauf oder runter geht.

Dann bin ich einmal um die Insel Storgrundet gefahren. Das ist eine kleine Tour von nicht einmal vier Kilometern, aber ich fand sie sehr spannend, da ich die Gegend ziemlich gut von meinen Skitouren im Winter kenne, aber im Sommer noch nie dort war.

Was für ein Kontrast zu den Wintertouren, in denen manchmal alles im weißen Nichts verschwimmt. Jetzt fahre ich im knallroten Boot sitzend durch das tiefblaue Wasser und schaue auf die Inseln mit den teils grün, teils gelb gefärbten Herbstbäumen.

Und es ist warm. Heute Vormittag bin ich sogar draußen im T-Shirt herumgelaufen und unter der dicken Schwimmweste friert man eh nicht so schnell. Und selbst auf dem offenen Meer östlich der Insel rührt sich praktisch kein Windhauch.

Keine Stunde später bin ich wieder am Strand und nur noch ein paar Schleifspuren verraten, dass ich dort, wo ich sonst bade, eben ein Kajak an Land gezogen habe. Fazit: Eine schöne Nachmittags- oder Feierabendstour.

Herbstliches Polarlicht

Die letzten Tage war die Polarlichtvorhersage auf Stufe 4 „Active“ – nicht so schlecht.

Als ich gestern mit dem Auto zum Hotel Scandic Skellefteå gefahren bin, um dort auf dem Chemical Management Summit meinen ersten hiesigen Klavier-Solo-Job zu spielen, hatte ich Stativ und warme Jacke für den Rückweg schon im Kofferraum. Aber ich war schon kurz nach sieben fertig und da war es für Polarlicht noch zu hell.

Als ich um eins (halbgeplant) aufgewacht bin und aus der Tür geschaut habe, war tatsächlich schwaches Polarlicht über den halben Himmel bis zum Zenith zu sehen. Ich bin dann mit dem Auto zu Storgrundet gefahren, dem Strand, an dem ich vor einigen Tagen noch eine kleine Kajakrunde gestartet habe. Dort sind die folgenden Fotos entstanden:

Was war ich froh, eine warme Jacke dabei gehabt zu haben. Es war zwar nicht sonderlich kalt, aber sehr windig und ich sehr, sehr müde. Das Polarlicht ist noch recht fahl gewesen, aber ich freue mich über jede klare Nacht, an der man das Polarlicht hier sehen kann. Auch wenn der dringend benötigte Schönheitsschlaf darunter leiden sollte.

So, jetzt den Artikel schnell online stellen und weiterarbeiten, denn ich sitze gerade im Büro …

Aus Deutschland

Schweden ist toll. Aber es kann einem – wie alle anderen Länder der Erde auch – nicht alles bieten. Und so importiere ich gerne das eine oder andere „aus deutschen Landen“.

So zum Beispiel handwerkliche Hilfe. Hier im Norden dauert es etwa dreihundertundsieben Jahre, bis man einen kundigen Elektriker ins Haus kommt. Und ich bin riesig froh, dass mir Delle, der mich hier im September besucht hat, geholfen hat und einen Großteil der alten Elektrik aus den vierziger Jahren fachgerecht gegen moderne Kabel und Bauteile ausgetauscht hat. Seitdem schlafe ich wieder ein bisschen beruhigter, vor allem wenn man sich anschaut, welche prähistorischen Bauteile sich hier vorher in den Wänden versteckt haben.

Bei Delle möchte ich mich ebenfalls für das Brot bedanken, welches er mir letzte Woche geschickt hat. Da das Motto der schwedischen Brotkultur eher „weiß und weich“ ist, war es ein großes Vergnügen, mal wieder in ein herzhaftes Brot hineinzubeißen. Und nein – ich war bis jetzt noch zu faul zum Brot selber backen. Kein Foto hingegen gibt es von den beiden kleinen Nusskuchen, die meine Mutter gebacken und mir geschickt hat. Denn beide Male, als ich einen Kuchen gerade ausgewickelt hatte, war mein erster Gedanke „Essen!“ und nicht „Äh, da könnte ich jetzt eigentlich mal’n Foto für das Blog von machen.“ Aber Ihr wisst bestimmt, wie Nusskuchen aussieht, stellt ihn Euch einfach vor, ja?

Von meiner Mutter kam vor Wochen auch ein anderes Paket; ein großes flaches. Und ihn dem waren zwei Ihrer wunderbaren abstrakten Bilder, die, nachdem sie einige Monate in einer Ausstellung hingen, nun frei waren, mein Wohnzimmer zu schmücken. Und das tun sie! Vielen Lieben Dank noch einmal für dieses tolle Geschenk!

Und sonst? Schöner Job mit Klavier (ich) und Gesang (Martin) am letzten Freitag +++ Dort viele Bekannte getroffen +++ Auf meinem Auto sind wieder Winterreifen +++ Morgens ist es meist glatt und unter null, aber Schnee ist nicht in Sicht +++ Am Freitag geht’s nach Deutschland, Familie und Freunde besuchen +++ Die Tage sind schon recht kurz

Die erste Winternacht

Heute Nacht um halb eins: Minus sieben Grad, sternklarer Himmel und die Nordhälfte ist mit blassem Polarlicht bedeckt. Der Schnee knirscht unter den Stiefeln, als ich im Garten stehe. Meine erste richtige Winternacht in dieser Saison.

Noch mal kurz schauen, ob das Polarlicht stärker wird, sonst geht’s ins Bett. Moment …

… wird nicht, also Bett. Gute Nacht.


Ich finde, das ist ein guter Anfang. Heute vor einem Jahr lag hier schon extrem viel Schnee und ich finde, da kann ruhig ordentlich was an Schnee runter kommen die nächsten Wochen.

Heute in Skelleftehamn

Heute war Skyltsöndag in Skelleftehamn und damit einiges an weihnachtlichem Trubel. Nach wie vor ohne Schnee, deswegen hat man das Bobrennen auch auf Gefährten mit Rädern veranstaltet.

Der Weihnachtsmann macht Soundcheck, Pippi Langstrumpf, Karlsson vom Dach und Michel von Lönneberga werfen Bonbons vom Dach und die Kinder tanzen um den Weihnachtsbaum. Schade, dass deren Gesang vom völlig überflüssigen „feliz navidad“ aus der Konserve übertönt wird.

Über der Straße leuchten elektrisch die Sterne und lange Reihen von großen Kerzenlichtern verwandeln die Straße in eine Einflugschneise.

Mit Schnee wäre die Veranstaltung wahrscheinlich sehr gemütlich und eben weihnachtlich gewesen, bei diesem langweiligen Regenwetter kommt aber nicht nur bei mir keine Weihnachtsstimmung auf. Nächste Woche könnte es aber vielleicht kälter werden und auch Schnee geben. Kanske.

Schwedischübersetzung des Tages:kanske – Vielleicht. (Ein wichtiges Wort in Schweden)

Schnee!

Heute morgen bin ich aufgewacht und draußen alles war weiß. Schnee! Ich bin im Schneefall zum Bus gelaufen und auch in der Stadt hat es noch einige Stunden weiter geschneit. Große Mengen sind nicht heruntergekommen; in der Stadt vielleicht 6 cm und in Skelleftehamn die Hälfte. Aber schön sieht das dennoch aus.

Jetzt ist wieder die Zeit gekommen, wo man den ganzen kurzen Tag herrliche Lichtstimmungen hat, da die Sonne auch mittags kaum höher als drei Grad steht. Und das iPhone hat sich heute in der Mittagspause große Mühe gegeben, die winterliche Atmosphäre einzufangen:

Nach der Arbeit habe ich noch ein paar Bilder am Meer gemacht, wie so oft vor der Insel Storgrundet. Zum einen kommt man da gut hin, zum anderen war ich neugierig, ob das Meer dort schon beginnt, zuzufrieren. Und tatsächlich – auf dem Meer zwischen der nahen Insel und dem Festland liegt das erste dünne, durchsichtige Eis.

Auf dem kleinen See, der fast am Meeresufer liegt, aber nicht mit dem Meer verbunden ist, liegt aber schon eine geschlossene Schneedecke. Also ist er schon komplett zugefroren. Wie dick das Eis ist? Ich werde es nicht ausprobieren. Das überlasse ich den Einheimischen, die die Gegebenheiten hier besser kennen.

Kurz mal Winter

Skelleftehamn vorgestern Nachmittag: +0.3 °C. Heute Vormittag -13.9 °C. Heute Abend: +1.1 °C. So geht es hier auf und ab. Erst war der Schnee weich, dann nass, dann ist er zu steinharten Klumpen gefroren. Heute Vormittag kam der Schnee bei kräftigen Minustemperaturen herunter. Jetzt kommt Sprühregen aus der tiefen orangefarbenen Wolkendecke.

So hat auch dieses Mal der Winter leider nur mal kurz vorbei geschaut, denn die kommenden Tage soll es auch nachts über Null bleiben und regnen. Und regnen.

Abschließend noch ein Vergleich, wie stark die noch offene Ostsee das Küstenwetter diesen Winter beeinflusst:

Ort Lage heute morgen heute Abend
Skellefteå Flugplatz küstennah -18 °C +1 °C
Lycksele im Inland -24 °C -10 °C

Und noch ein anderer Vergleich: Letztes Jahr um diese Zeit habe ich schon Skitouren auf die nahen Inseln gemacht oder bin zu Fuß durch hüfttiefen Schnee gestapft. Und es herrschte schon vier Wochen Dauerfrost. Mehr mein Ding!

Arbeitssamstag

Die Adventszeit bringt bei vielen hier nicht Ruhe und Besinnung mit sich, sondern viel Arbeit. Denn ganz plötzlich merken die Kunden, dass das Jahr zu Ende geht und man eigentlich Projekte abschließen möchte. Alle. Gleichzeitig.

Und so sitze ich heute am Rechner. Das macht michts, denn der Tag ist ohnehin feucht, dunkel und trübe. Aber kurz war ich mal draußen und habe ein paar Fotos von der Straße gemacht. Und dabei eine Überraschung gefunden: Mein Stiefmütterchen vor dem Haus blüht immer noch. Das nenne ich hart im Nehmen!

Da ich zu faul war für Stativ und wie gesagt wenig Licht da war, ist vor allem das Blumenfoto nicht scharf. Der Perfektionist in mir grummelt ein wenig. Der Rest sagt zu ihm: „Du spinnst doch! Und wegen Dir gehen wir jetzt nicht noch mal raus!“

Wasser aus allen Richtungen.

Wasser kommt aus allen Richtungen:

Von oben: Als Regen. Und heute hat es den größten Teil des Tages geregnet.

Von unten: Als Pfützen. In der langsam abtauenden Eisschicht auf der Fahrbahn sind große Löcher. Und tiefe Pfützen. In denen man sich spiegeln kann, wenn man unbedingt will.

Von der Seite: Als Wellen in der Bucht …


Wir hatten die letzten Tage einige Male Wasserstandswarnungen und die Ostsee stand teilweise über einen Meter höher als normal. Da ist es klar, dass allerhand Treibgut an den Strand gespült wird. Es ist interessant, wie allein durch die Wellen die angespülten Dinge sortiert und ausgerichtet werden: Die Hölzer liegen parallel, die Plastikfolie bleibt in den Bäumen hängen und das Styropor hat es am weitesten geschafft.

Da sieht man, wieviel Abfall der Mensch einfach in die Gegend wirft. Aber die Natur rächt sich: Heute habe ich in Skelleftehamn direkt am Ufer den ersten großen Hai gesichtet.

Winter

Macht die Musik aus und dimmt das Licht. Atmet langsam ein. Und wieder aus. Stellt Euch Stille vor. Einatmen. Ausatmen. Ihr seid allein. Draußen in der Natur.

Öffnet Eure Ohren. Lauscht. Ihr hört den Wind in den Bäumen rauschen und den Schnee, der auf die Kapuze prasselt. Ab und zu kommt eine Böe und schüttelt den Schnee vom Pelzrand. Ihr lauft. Die Skistöcke stechen in den Schnee, die Lederstiefel knarzen in der Riemenbindung. Die Skier gleiten mäßig, denn der warme Schnee klebt unter der Gleitfläche. Aber Ihr kommt vorwärts. Ihr verlasst den Fahrweg und folgt einer Skooterspur, die mitten durch den Wald führt. Die Stirnlampe ist aus, denn die tiefhängenden Schneewolken reflektieren genug Licht des nahen Skelleftehamn. Der verschneite Wald ist in dunkeloranges Licht getaucht. Ihr folgt der Skooterspur weiter und der Wald öffnet sich. Links liegt ein zugefrorener See. Die Bäume am anderen Ufer sind im Schneefall nur schemenhaft zu erkennen. Das Gelände ist offen, der Wind ist stärker. Die Spur ist verweht und irgendwann nicht mehr zu sehen. Ihr lauft einfach weiter. Mitten durch den Wald. Pock, der Skistock stößt auf einen Stein. Krzz, der Ski auf einen anderen. Der Wald wird dunkler. Ihr seid allein in der Natur. Ihr hört den Wind, den Schnee, Eure Bewegungen und Euren Atem. Bald stoßt Ihr wieder auf eine Skooterspur. Ihr folgt ihr und spürt, dass Ihr Euch wieder der Zivilisation nähert. Ihr stoßt auf einen geräumten Weg. Hier gleiten die Skier besser und mit Doppelstock-Zwischenschritt könnt Ihr schneller durch den Wald gleiten. Der Wald öffnet sich und gibt den Blick auf die Straße frei. Es duftet nach Holzofen. Die Straßenlaternen blenden Euch. Ihr gleitet die leicht abschüssige Straße herunter, biegt rechts in den Tallvägen ein und stoppt am drittletzten Haus. Es ist hellgrün. Ihr habt den Schlüssel. Drinnen ist es warm.

Davor: Ich schaufele 15-20 Neuschnee weg. Es schneit bei knapp unter Null Grad.

Davor: Ich sitze im Bus und fahre von der Arbeit nach Hause. Es schneit.

Davor: Mein erster Arbeitstag im neuen Jahr, es schneit den ganzen Tag. Mal mehr, mal weniger.

Davor: Ich wache auf und es sind gut fünf Zentimeter Neuschnee gefallen. Es schneit und es ist windig. Ein Streifen Schnee ist durch den Türspalt in den Wintergarten geweht. Das Auto ist weiß eingehüllt.

Davor: Neujahrsnacht. Wolken sind aufgezogen und es hat angefangen zu schneien. Laut smhi können bis zu 20 cm Neuschnee bis zum Montag Abend herunterkommen. Ich bin gespannt, wie viel wir in Skelleftehamn bekommen. Vielleicht kann ich ja bald meine Skier auspacken und durch den Wald gleiten. Dem Wind lauschen und dem Schnee, der auf meine Kapuze prasselt.


Nachtrag: Zwei Stunden später. Ich sitze gemütlich im Haus und arbeiten tun nur die Wasch- und die Spülmaschine. Der Wind und der Schneefall draußen haben noch zugenommen und es soll die ganze Nacht weiterschneien. Das Schneeräumen hätte ich mir sparen können und selbst auf der geschützten Treppe liegen einige Zentimeter Neuschnee. Es ist aber nur knapp unter Null und es steht auf des Messers Schneide, ob der Niederschlag morgen Vormittag als Schnee oder doch als Regen herunterkommt. Aber ich freue mich schon auf eine schöne Skitour im Inland am Wochenende. Da liegt bestimmt jetzt richtig viel!

Licht und Schatten

Heute hat es bei knapp ein Grad plus in großen Flocken weitergeschneit. In Skelleftehamn sind 5-10 cm heruntergekommen. Nun, die sind schnell weggeräumt, so dass ich danach noch Zeit für eine kleine abendliche Skitour habe. Ich bin zu meinem Sommerstrand Storgrundet gelaufen.

Heute ist es mir besonders aufgefallen: Das Wechselspiel zwischen hell und dunkel. Das gelb-orange Licht der vielen Natriumdampflampen wird von den schneebedeckten Straßen reflektiert und strahlt die tiefen Schneewolken an. Die wiederum werfen das abgeschwächte Licht zurück und strahlen andere Schneeflächen an. Deswegen kann man sich ein ganzes Stück von der Straßenbeleuchtung entfernen und dennoch ohne Lampe Ski laufen. Die Wolken über dem Wald und der Ostsee hingegen sind fast schwarz und oft ist der Himmel in orange und schwarze Bereiche unterteilt. Manchmal ist der Himmel hell und der Weg dunkler, manchmal ist es umgekehrt. Doch schaut selbst:

Vielleicht ist Euch aufgefallen, dass Äste und Zweige seltsam unscharf-neblig aussehen. Das liegt daran, dass es sehr windig war und bei Belichtungszeiten von mehreren Sekunden die bewegten Teile unscharf werden. Am meisten fiel mir das an der böig-windigen Küste auf, wo ein vom Scheinwerfer angestrahlter Baum mit funkelnden Tropfen in den Zweigen förmlich im Wind tanzte.

Für Fotografieinteressierte: Ich habe die Photos in Lightroom nachbearbeitet, aber keine Verlaufsfilter eingesetzt. Lediglich den von der Lampe angestrahlen Schnee auf dem Tanzender-Baum-Bild habe ich minimal abgedunkelt, damit er nicht ins Weiße absäuft


Nachtrag: 5. Januar, morgens. Es schneit noch immer, es ist noch immer windig. Auf der Straße schleicht ein Jeep vorbei. Wie letztes Jahr kommt der Schnee in Schüben. Vor einer Woche war es hier noch fast schneefrei, jetzt liegen gut 40 Zentimeter auf meinem Grundstück.

Es schneit

Es schneit, und das seit Tagen. Jetzt kommen zwar keine Massen mehr herunter, aber ein guter halber Meter Schnee liegt jetzt im Garten. Die Schneewehen nicht mit gerechnet. Die Temperatur lag tagsüber bei -8 °C und jetzt bei -5 °C, da brauche ich keine Angst mehr zu haben, dass der Schnee in Sprühregen übergeht. Wie schön!

Trettondedag jul

Hier ist der 6. Januar nicht unter dem Namen Heilige Drei Könige bekannt, sondern als dreizehnter Weihnachtstag, oder auf schwedisch „Trettondedag jul“. Das ist ein sogenannter „Röd dag“, ein roter Tag im Kalender, ein Feiertag.

Ich habe allerdings momentan jobmäßig sehr viel zu tun und habe heute gearbeitet. Den Tag kann ich dann ja ein andermal frei nehmen. Da ich zu Hause gearbeitet habe, habe ich eine Stunde einen Spaziergang gemacht, anstatt etwas zu essen.

Erst war ich am Kallholmsfjärden, der nächsten Ostseebucht. Dort beginnt jetzt langsam, die Ostsee zuzufrieren. Es bilden sich zum Anfang weiche Schneematschfladen, die durch die Wellenbewegung ständig aneinanderstoßen und deswegen rund sind. Diese werden später zu sogenanntem Pfannekucheneis zusammen frieren. Diese Eisstücke sind auch rund, daher der Name.

Dann bin ich ein Stück zurück gelaufen und in den Wald hinein. Man ahnt noch die letzte Traktorspur, doch jetzt gehört der Weg den Schneemobilen.

Auf der leicht felsig-hügeligen Lichtung bin ich querwaldein weitergelaufen, bis ich an den Rudtjärnen kam, einen kleinen See. See und Sumpf sind zugefroren und am Rand den Sees, wo die Schneemobile fahren, traue auch ich mich, entlang zu laufen.

Wenn man hier mitten durch die Natur läuft, vergisst man, dass man keine 500 Meter von seinem Haus entfernt ist. Es ist ein Gefühl, als laufe man durch die Wildnis. Zwei Tipps für Nachahmer:

  • Wintergummistiefel! Der Sumpf ist zwar gefroren, doch auf dem Eis ist Wasser und darauf Schnee. Das sieht man beim Laufen nicht wirklich und schnell steht man knöcheltief im Wasser, wie im Bild links.
  • Kompass! Hier sieht alles gleich aus und wenn man sich nicht gut orientieren kann, kann man entweder den Skooterpfaden oder den Stromleitungen folgen. Fragt sich bloß, in welche Richtung. Ein Kompass macht die Sache schon einfacher. Bei dem Bild rechts bin ich noch 50 Meter von dem Weg hinter den Häusern entfernt. Man sieht aber nichts davon und könnte ohne Orientierung selbst in diesem begrenzten Gelände ziemlich herumirren.

Ich finde, das war ein schöner Spaziergang und die Stunde Mittagspause war gut genutzt, auch wenn ich danach sehr hungrig war.

Da ist das Eis!

Ja, träume ich denn! Gestern war die Bucht komplett eisfrei und heute, nach einer Nacht mit Temperaturen um -15 °C ist sie mit Eis bedeckt – die ganze Bucht bis zum Horizont. Für mich ist das unglaublich, wie schnell sich das hier ändern kann.

Storgrundet

Erst war ich zu faul, aber dann habe ich doch meine Skier genommen und eine kleine Tour gemacht. Der Himmel ist seit Tagen bewölkt und es schneit ein wenig.

Im Wald ist das Skilaufen eher ein Stapfen, da die Fjällski immer wieder 20, 30 cm in den lockeren Schnee einsinken. Ein kleiner Wink der Natur, dass ich mir doch einmal die praktischen und schönen Holzski von Tegsnäs kaufen sollte.

In kleinen Bächen und in Zu- und Abflüssen von Seen kann das Wasser noch offen sein, denn fließendes Wasser braucht wesentlich länger, bis es fest zufriert. So sprudelte auch dieser Bach noch munter vor sich hin und ignorierte den Dauerfrost. Gemein sind die Stellen, wo das Wasser unter der Schneedecke fließt und man sollte genau hinschauen, wo die Schneedecke abgesenkt ist, wenn man keine nassen Füße bekommen möchte.

Bald stand ich am Ufer der Ostsee und hatte Blick auf die langgezogene Insel Storgrundet. Im Sommer und Herbst habe ich hier gebadet, doch jetzt ist das geschützte Ostseewasser zwischen Festland und Insel dick zugefroren. Und es gab mehrere Anzeichen, dass ich das Eis betreten und hinüber zur Insel laufen kann:

  • An mehreren Stellen waren Wege zur Insel mit Zweigen markiert
  • Eisfischer waren auf dem Eis
  • Skooter und Skispuren waren auch zu sehen

Das reicht mir als Sicherheit. Doch auch wenn das Eis dick ist, hänge ich mir immer die Isdbubbar um, sozusagen ein Springseil mit dicken Nägeln am Ende, mit deren Hilfe man sich, falls man eingebrochen ist, wieder aus dem Eis herausziehen kann. Einige Minuten später stand ich auf dem Ostseeeis und bald war ich auf der schmalen Insel Storgrundet angelangt. Die Insel ist nur zwei- bis dreihundert Meter breit und bietet dennoch drei völlig verschiedene Eindrücke:

  • Sommerhäuser Das dem Festland zugewandte Ufer ist teilweise mit Sommerhäusern bebaut. Sommerhaus heißt mindestens ein größeres Haupthaus, Nebengebäude, Sauna und Bootshaus. Es ist windgeschützt und ich fühle mich der Zivilisation nahe, selbst, wenn die Häuser gerade nicht bewohnt sind.
  • Wald Hundert Meter stehe ich mitten im Wald. Ich sehe die Häuser nicht mehr und das andere Ufer noch nicht. Ich habe kaum den Eindruck, dass ich auf einer Insel bin. Nur einige parallele Schneeverwehungen zeigen, dass es hier recht windig sein kann.
  • Offenes Meer Noch einmal hundertfünfzig Meter weiter stehe ich am Meer. Es gibt noch ein paar unbewohnte Inselchen, ansonsten ist fast alles mit Eis bedeckt. Etwas weiter weg ist offenes Wasser und auch das Eis am Ufer trägt noch nicht. Es ist sehr windig und der Schnee weht waagerecht vorbei. Ich bin über die zwei Kapuzen von Funktionshemd und Norrøna-Jacke genau so froh wie über die dicken Fäustlinge, die ich über die dünnen Handschuhe ziehe und die meine Hände wieder aufwärmen, nachdem ich ein Minivideo mit dem iPhone gedreht habe. Hier bin ich alleine in der rauh wirkenden Winterlandschaft und kann mir kaum vorstellen, dass ich kaum mehr als zwei Kilometer von meinem Haus entfernt bin.

Die gute Seite: Entsprechend schnell bin ich auch wieder zu Hause. Die ganze Tour hat vielleicht zwei Stunden gedauert und das auch nur, weil ich es ruhig angegangen bin. Ich hoffe darauf, dass irgendwann diesen Winter auch mal wieder die Sonne heraus schaut und freue mich auf die erste längere Tour bei blauem Himmel und glitzerndem Schnee.


Hier noch ein kleines Video, welches ich mit dem iPhone gemacht habe. Danach musste ich erst einmal meine Finger wieder auftauen.


Heute ist trotz des bewölkten Himmels die Temperatur, von keinem Wetterdienst vorausgesehen, von -3 auf -8 Grad gesunken. Hinten im Garten liegen jetzt 60 cm Schnee und man hat den Eindruck, der Winter ist jetzt wirklich angekommen. Letzten Winter war ich allerdings am 5. Dezember das erste Mal mit Skiern auf der Insel, also sieben Wochen früher und wir hatten schon im Dezember mehr als einen Meter Schnee. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Das verratet aber nicht meinen Nachbarn; es sind nicht alle solche Schneefans wie ich

Pimpelfiske

„Pimpelfiske“, so nennt man hier das Eisfischen. Ich finde ja, dass das Wort ein bisschen lustig klingt und wenn man sich die kleine Plastikangel anschaut, dann erinnert die auch eher an ein Gimmick aus einem Yps-Heft als an ein ernstzunehmendes Angelgerät. Aber man irrt, denn mit dieser Angel kann man Fische fangen, ab und zu so große, wie mir ein Angler erzählt, dass sie nicht durch das Eisloch passen, welches man vorher mit dem großen Eisbohrer gebohrt hat. Heute hingegen gingen die meisten Angler leer aus, die Fische waren woanders. Das kann man tatsächlich sehen, denn der Grund ist sandig, das Wasser extrem klar und keinen Meter tief. Und viele Angler legen sich bäuchlings auf eine Isomatte aufs Eis, um zu schauen, ob vielleicht ein Flussbarsch (abborre) oder ein sik vorbeischwimmt.

Im Grunde braucht man wenig, um Eisfischen zu betreiben: Die meisten haben einen knallbunten Floating Suit an, das ist ein gefütterter Overall, der nicht nur warm hält sondern einem auch im Wasser Auftrieb gäbe, falls man doch einmal einbrechen sollte. Dann kommt als nächstes der Eisbohrer, mit dem man ein Loch ins Eis bohrt. Das ging heute in der Bucht recht schnell, denn das Eis ist nur 20 cm dick. Die meisten Eisangler haben eine Isomatte, in die ein kreisrundes Loch geschnitten ist, so dass sie im Liegen fischen können.

Dann setzt man einen Wurm auf den Haken und lässt ihn an der dünnen Nylonschnur hinunter in das Eiswasser. Da man direkt über dem Wasser ist, braucht die Angelrute auch nicht besonders lang zu sein. Praktisch ist eine kleine Plastikkelle, mit der man das Eis wegmachen kann, welches sich schnell immer wieder auf der Wasseroberfläche bildet.

Wenn man keinen Fisch fängt, dann hält man eben Fika und trinkt Kaffee. Zwei der Angler hatten einen kleinen Grill dabei, auf dem sie Würstchen warm gemacht haben. Sie haben dann Geschichten von den Tagen erzählt, wo sie besonders große oder viele Fische gefangen haben und von Angelplätzen in Storuman und an der norwegischen Atlantikküste.

Zum Schluss hat dann aber eine Anglerin doch noch einen kleinen Barsch gefangen. Nun hofft sie, dass ihr zwölfjähriger Enkel, der noch vorbeischauen will, auch Glück hat und etwas fängt. Das ist eine Sache, die mir schon vorher aufgefallen ist: In Schweden angeln Jungen und Mädchen, Großmütter und Großväter und in den Angelzeitschriften sieht man nicht nur Bilder von heroisch dastehenden Männern im Tarnanzug, die ihren Riesenfisch präsentieren, sondern auch von achtjährigen Mädchen mit ihrem ersten kleinen Fang an der Angel. Angeln – ein Volkssport in Schweden.

Mein Dank geht an die Angler, dafür, dass ich Bilder von ihnen machen und veröffentlichen durfte.


Zum Wetter: Wieder ein grauer Tag. Die Sonnenstunden der letzten zwei Wochen kann man an einer Hand abzählen. Und da es ständig bewölkt ist, ist es mit -7 °C auch recht warm.

Wenn Ihr meint, das sei kalt, dann nehmt einen Globus, legt Euren Finger auf Skellefteå und drehe die Erdkugel langsam nach rechts. Der Finger zieht eine Linie bis nach Norwegen, taucht in den Atlantik und führt nördlich des Vatnajökull über Island. Nach einer Grönlanddurchquerung nördlich von Nuuk und dem Anlanden in Nordkanada werdet Ihr nach einer Durchquerung des Yukon Territory in Alaska ankommen. Inzwischen reist nicht der Finger, Ihr seid es, die hinten auf dem Hundeschlitten steht und Eure Huskies anfeuert. Haltet Euch ein bisschen rechts, bald kommt der Flugplatz von Fort Yukon in Sicht. Der liegt nur zweihundert Kilometer weiter im Norden als Skellefteå. Ich hoffe, Ihr seid warm angezogen und habt die Hunde gut gefüttert, denn just an diesem Flughafen liegen die Temperaturen heute bei -49 °C. Das ist kalt!

13 Grad in zwei Meilen.

Das habe ich auch noch nicht erlebt: In der Bonnstan, der alten Kirchenstadt in Skellefteå zeigte mein Autothermometer -22 °C und so fühlte sich das auch an (inklusive Frost auf den Wimpern). Auf der Fahrt nach Skelleftehamn wurde es draußen immer wärmer. Und zu Hause, zwanzig Kilometer weiter, zeigte das Thermometer nur noch -9 °C an und beim Aussteigen hatte die Luft fast etwas Mild-Erfrischendes.


Und weil es zu diesem Artikel überhaupt keine Fotos gibt, zeige ich einfach ein paar Fotos der letzten Monate, die es nicht ins Blog geschafft haben.