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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Floureszin

Nachdem der letzte Artikel eine schöne Diskussion über Fotografie ausgelöst hat, mache ich jetzt mal das Gegenteil. Anstatt aus dem Nachtbild die Farben ganz zu entfernen, habe ich diese Langzeitbelichtung (einige Minuten) stark aufgehellt. Die Spuren der Sterne verraten allerdings schnell die Nachtaufnahme. Auch hier kann man Polarlicht erkennen, allerdings nicht anhand der Struktur, sondern anhand der Farbe, die hier fast wie Fluorescein wirkt.

Ich habe hier übrigens nicht absichtlich die Farbsättigung erhöht, sie ergibt sich lediglich aus dem Zusammenspiel der Langzeitbelichtung mit einer Kontrasterhöhung.

Polarlicht über der Ostsee

SternenhimmelKeine Angst, Ihr Blogleser, es gibt bald auch wieder „normale“ Photos. Ich möchte auf jeden Fall mal Photos vom Sternenhimmel machen, denn der ist hier phantastisch, wenn es klar ist. Heute allerdings ist es tatsächlich mal grau, ganz ungewohnt ist das nach den letzten Wochen, die so schön waren, dass man den blauen Himmel schon als garantiert ansah.

Dieses Sternenphoto hier ist, wie auch das vorherige Bild und das Schwarzweißbild aus dem letzten Artikel vor drei Tagen am Meer entstanden. Einmal in die Milchstraße hinein: 8,0 sec at ƒ/2.8, 90mm, ISO 3200. Da das Bild nur einen kleinen Ausschnitt zeigt, weiß ich nicht, welche Sterne abgebildet sind.

Diffuses Polarlicht

An unusual solar event occurred on Sept 30th. The effects of this event should reach Earth in approximately 24 hours from this message. How large and persistent these effects will be is not known. Watch the „short term forecast“ for the increase in auroral activity that may occur in your sector.

gse-aa mailing list, 1. Oktober 2013

Ach Delle, Du bist einen Tag zu früh aufgebrochen! Beide Vorhersagen hatten recht: Die Polarlichtvorhersage aus Alaska mit ihrem solar event und die schwedische Wettervorhersage mit ihrem Aufklaren. Und als ich heute um halb zwölf draußen stand, um das diffuse, aber sich über den halben Himmel erstreckende Polarlicht zu beobachten, hatte ich noch nicht einmal mein Handy dabei, um Dir eine SMS zu schicken, denn Du bist ja noch irgendwo in Nordschweden auf der Rückreise. Ich hoffe, Du hast auch Polarlicht sehen können.

Heute war ein langer Arbeitstag und morgen habe ich mit Hello Future eine Präsentation in Lycksele im Inland. Deswegen verliere ich keine weiteren Worte, sondern zeige nur ein paar Fotos. Frisch von eben.

Polarlicht über SkelleftehamnPolarlicht über Skelleftehamn

Polarlicht über Skelleftehamn

Das letzte Bild trifft die Farben am Besten, die anderen beiden fand ich extrem schwer zu bearbeiten. Optimiert man auf das Polarlicht, so sind die Pflanzen im Vordergrund blass und kontrastarm. Optimiert man auf die Pflanzen, so ist das Polarlicht zu stark und präsent. Aber da ich auf den Vordergrund fokussiert hatte, habe ich diesem auch den Vorzug gegeben. Das nächste Mal werde ich vermutlich blitzen anstatt mit der Taschenlampe zu leuchten, um die Umschärfe der Blätter im Wind zu minimieren.

Nächtlicher Luxus

Manchmal wache ich mitten in der Nacht auf, in meinem Kopf macht es ”Bing!“ und ich bin wach. Hellwach. Mitten in der Nacht. Ich bin keine Eule und nutze die Nächte eigentlich lieber zum Schlafen als zum unmotiviert wach sein. Normalerweise lese ich eine Stunde, bis mein Körper meint, nun sei es aber mal gut und ich das Licht lösche, die Augen schließe und weiterschlafe.

Heute hätte ich auch gelesen, wenn nicht gestern Abend schon fahles Nordlicht am Westhimmel gesehen wäre. Und so schaute ich raus und sah, dass der halbe Himmel von Polarlicht bedeckt war. Ich habe mir kurz warme Klamotten angezogen und bin mit Stativ und Kamera in den Garten gegangen. Aber da störten Telefonleitungen, Lichter, Häuser und überhaupt.

Also habe ich kurz mein 8mm-Fisheye auf die Kamera gemacht und bin an die nahe Bucht gelaufen. Da habe ich dem Polarlicht zugeschaut, wie es mal schwächer und mal stärker wurde, wie sich eine schmale helle Linie vom Westen bis zum Zenith und weiter erstreckte, wie sich aus den hellen Bogen pulsierend Aurorastreifen in den Himmel erstrecktem – grünem Feuer gleichend.

Und natürlich habe ich auch immer wieder auf den Auslöser gedrückt.

Polarlicht über der BuchtPolarlicht über der Bucht

Polarlicht über der Bucht

Erst habe ich noch überlegt, ob ich zu Hause ins Auto steige und mir eine schönere Stelle zum Fotografieren suche. Dann habe ich das Gegenteil gemacht, mich mitten auf den Näsuddsvägen gestellt und einfach noch mal in Richtung Osten fotografiert. Und mich über den Luxus gefreut, statt des Buchlesens Polarlicht anschauen zu können, wenn ich schon nicht schlafen kann. Nicht als Tourist, sondern vor der eigenen Haustür.

Auf dem Näsuddsvägen

Die Entscheidung, nicht noch irgendwo hinzufahren, war wohl richtig, inzwischen ist vom Nordlicht nichts mehr zu sehen. Außerdem höre ich mein Bett rufen.

Ihr seht die breiten schwarzen Ränder auf den Fotos. Das liegt daran, dass das Fisheye nur den kleineren DX-Sensor abdeckt und nicht den größeren FX-Vollformatsensor. Ich habe die Fotos aber absichtlich nicht beschnitten, erst weil ich nicht so viel vom Bild wegnehmen wollte, dann weil mir die Fotos so eigentlich ganz gut gefallen. Schade nur, dass man die Streulichtblende, die hier für zusätzliche Abdeckung sorgt, nicht abnehmen kann. Vielleicht doch noch mal nach einem Fischauge für Vollformat schauen …?

Die erste Winternacht

Um viertel vor vier war ich wach – keine Ahnung, warum. Ich habe kurz herausgeschaut und dachte erst, es sei leicht bewölkt. Doch Wolken flackern nicht. Ich habe mir Stiefel, Hose und Jacke übergezogen und bin in die Nacht hinausgetreten. Am ganzen Nordhimmel flackerte Polarlicht. Dieser Typ zeigt keine Bögen oder Girlanden und ist viel zu fahl, um irgendwelche Farben zu zeigen. Es sieht mehr aus, als ob blasses, weißes Gas am Himmel pulsiert oder im hohen Tempo aufwärts schießt. In Sekundenbruchteilen entstehen weiße Flecken und Streifen, um kurze Zeit später wieder zu verblassen. Ich habe kurze Zeit überlegt, zu fotografieren, aber ich weiß, dass dieses bewegliche Polarlicht auf den Fotos nur als diffuser und formloser grüner Schleier zu sehen ist.

Alles ist von Schnee bedeckt und es begeistert mich jedes Mal wieder, wie hell die Nacht plötzlich ist. Obwohl es lediglich -2 °C waren, fühlte es sich durch den frischen Wind doch ziemlich kalt an und ich habe schnell die Kapuze meiner Daunenjacke aufgesetzt, denn die Mütze lag drinnen. Und ich konnte auch gleich meine neuen Winterstiefel (Muck Boots) testen, die ich mir letzte Woche gekauft habe, denn meine alten „Powerboots“ sind nach zwei Wintern an der Sohle gebrochen und nicht mehr dicht.

Das war für mich die erste Winternacht 2013/14.

Und noch etwas läutet den Winter ein: Ich habe, da ich heute das Auto nehme, gestern zum ersten Mal wieder den Motorwärmer des Autos an die Außensteckdose des Hauses angeschlossen. Zusätzlich liegt ein kleiner Heizlüfter im Fußraum, der die Scheiben eisfrei hält. Ein schöner Luxus, denn sonst muss man oft nicht nur außen, sondern auch innen im Auto Eis kratzen, um etwas zu sehen.

Von Solberget nach Abisko

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Abisko Februar 2014.

Wege fest trampeln – der Schnee ist metertiefEin bisschen nervös war ich. Um halb zwei sollen Annika und Ralf am Flugplatz in Kiruna ankommen und ich bin in Solberget. Eigentlich kein Problem, so weit ist das nicht, aber in der Nacht hat es etwa 15 Zentimeter Neuschnee gegeben und Wind war auch und ich war sehr gespannt, wie die Straßen wohl sein würden. Zwei Helfer, die gerade auf Solberget sind, waren schon fleißig damit beschäftigt, Schnee zu schippen oder mit Schneeschuhen wieder Wege über den Tiefschnee zu trampeln.

Mit dem Saab bin ich mit ein bisschen hin und her überraschend gut aus dem Parkplatz wieder herausgekommen und ab da war alles einfach: Selbst die wenig befahrene Straße an Solberget vorbei war perfekt geräumt. Dennoch hatte ich schon nach einigen Kilometern einen ungeplanten Zwischenstopp: Rentiere an der Straße. Erst eins, dann zwei, dann eine ganze Herde. Das ist auch kein großes Wunder, dass sich mehr als hundert dieser Tiere dort aufhielten: Dort wurden nämlich die Pellets gelagert, die die Sámi benutzen, wenn sie zufüttern müssen. Während ich noch im Auto saß und von den Rentieren umringt wurde, sah ich die Scheinwerfer eines Schneeskooters im Rückspiegel. Zwei Sámi kamen zu der Stelle, um die Pellets von der Straße weg weiter im Wald zu lagern, damit die Rentiere von der Straße kommen.

Rentiere auf der Strasse„Oh, gibt’s hier Futter? Wir kommen.“Willst du was von mir?Leckere Pellets naschen. Drängeln erlaubt!

Da habe ich das Auto an die Seite gestellt und fotografiert. Die Rentiere waren zwar anfänglich ein bisschen misstrauisch, doch bald haben sie mich ignoriert und ich konnte in Ruhe schauen und fotografieren. Aber dann musste ich mich losreißen und weiter fahren.

Ziemlich zeitgleich mit dem Flugzeug aus Stockholm kam ich am Flugplatz an, denn das, was ich zu spät war, war das Flugzeug zu früh. Es ist toll, Annika und Ralf endlich mal „live“ kennen zu lernen, denn wir kennen uns bis jetzt nur über dieses Blog und Facebook.

Die Fahrt nach Abisko dauert nicht lang. Es sei denn, man hält wie wir an jeder zweiten Parkbucht an, um den Torneträsk – einer der größten schwedischen Seen und auch der zweittiefste – und das Fjäll zu fotografieren. Aber da zeige ich hier nur ein Foto, denn von der Straße habe ich keine tollen Bilder gemacht (da war heute schon was ganz anderes dabei …). Und weil daneben noch Platz ist noch ein kleines Polarlichtbild vom ersten Abend, aber ich hoffe, dass wir noch eine schönere Aurora zu sehen bekommen und diese Nacht sieht die Prognose eigentlich ganz gut aus.

Fjäll hinter dem TorneträskEin erstes Polarlicht

Wolken retten meinen Schlaf

01:00. Ein komischer Traum weckt mich. Als ich kurz rausschaue, sehe ich das erste Polarlicht der neuen Saison. Ich mache im Garten ein paar Fotos und überlege kurz, als die Aurora intensiver wird, ob ich zum Fotografieren irgendwo hinfahren sollte, obwohl ein Teil von mir viel lieber wieder ins Bett ginge. Doch da ziehen schon wieder Wolken auf und machen mir die Entscheidung leicht: kurzer Blogartikel, dann Bett.

Erstes Polarlicht

Auf Fotos sieht Polarlicht oft anders aus als in Natura. Vor allem, wenn sich die Bänder und Girlanden bewegen, ist das in Natura zwar wunderschön anzusehen, verschwimmt aber auf den Fotos schnell zu einer grünen Fläche, immerhin belichtet man ja oft 20-30 Sekunden.

Vom August in den September

Vorletzte Nacht war es ja nicht viel, mit dem Polarlicht, und dann kamen die Wolken. Heute war es sternklar und die Vorhersage sagte „Active“, aber am Himmel war nichts zu sehen. Bis so gegen eins, als ich eigentlich viel zu spät ins Bett wollte. Als ich vor die Haustür trat, konnte ich einen blassen grünen Bogen am Nordhimmel erkennen, der langsam heller wurde. Ich bin deswegen doch noch kurz ins Auto gestiegen und ans Meer gefahren und dort war das Polarlicht auch kurze Zeit hell und aktiv, ehe es dann immer größer, aber auch wieder blasser wurde. Eine schöne Art, um vom Sommer-August in den Herbst-September zu kommen.

Polarlicht in der letzten Augustnacht

Auf dem Foto sieht man – besser als in natura – die verschiedenen Farben

Eine Nacht auf Gåsören

Gestern stand die Polarlichtvorhersage auf „5 – High“ und klarer Himmel sollte auch sein. Perfekte Bedingungen, um nach der Arbeit zur Insel Gåsören zu paddeln und dort zu übernachten. Um drei habe ich das Büro verlassen, bin nach Hause gefahren und habe gepackt. Und gepackt.

Schlafsack · Isomatte · Zelt · Kocher · Wasser · Lebensmittel · Kamera · Stativ · Objektive · warme Kleidung · Sandalen · Schwimmweste · Trockenanzug · Neoprenschuhe · Taschenlampe · Messer · Handy · Streichhölzer · Badezeugs · Kleinkrams

Meine bange Frage: passt das alles in mein Kajak? Ich habe noch nie mit meinem Kajak eine Zweitagestour unternommen, doch zu meiner großen Überraschung passte alles in die beiden Luken des Bootes, nur der Fünfliterkanister Wasser fand hinter dem Sitz Platz. Und so konnte ich bald in See stechen, an den Inseln Storgrundet, Bredskär und Flottgrundet vorbei paddeln und Kurs auf Gåsören nehmen.

Viel Gepäck im KofferraumGåsören voraus

Eine Stunde später war ich da, denn wirklich weit weg ist Gåsören nicht. Nun musste ich als erstes einen Zeltplatz suchen, bevor es dunkel wird. Ich war nicht sicher, ob es überhaupt irgendwo eine plane Fläche gibt, denn Gåsören ist im Grunde ein großer bewachsener und bebauter Steinhaufen. Eine erste Möglichkeit: der sandige Spielplatz am Hafen, Schaufel und Förmchen inklusive. Nicht schön, aber machbar. Der Inselrundgang hatte erst nichts ergeben, doch zum Schluss habe ich einen fast steinfreien Platz mit Feuerstelle gefunden, da war ich bestimmt nicht der erste, der dort sein Zelt aufgeschlagen hat.

Auf der Suche nach einem Zeltplatz auf Gåsören

Das Heim steht …… und ist fertig eingerichtet

Nun war das Abendessen dran. Ich hatte noch eine norwegische Tüte „Turmat“ – Tourenessen mit Chili con Carne und meinen kleinen Gaskocher dabei. Das „Kochen“ geht schnell: Wasser kochen, in die Tüte giessen, Tüte wieder verschließen, fünf Minuten warten (da kann man ja fotografieren), fertig. Nun ja – ich glaube, dass das Tütenessen wesentlich besser schmeckt, wenn man ausgehungert darüber herfällt. Aber es war warm und machte satt. Und mit einem schönen kleinen Feuer ist das ganze richtig gemütlich, zumal es noch recht warm war. (Ich sehe ein bisschen verkrampft aus auf dem Foto, schließlich darf ich mich vier Sekunden lang nicht bewegen.)

OutdoorkücheRönnskär im Dämmerungslicht

Abendessen am Feuer

Nur das Wetter spielte nicht richtig mit. Der ganze Himmel war bewölkt und selbst der helle Mond konnte sich nur ab und zu mal durch eine kleine Wolkenlücke sichtbar machen. Deswegen bin ich ins Zelt gegangen und habe mich schlafen gelegt. Ich kann ja später gucken, ob das Wetter besser wird. Einen Wecker brauchte ich dafür nicht, denn in der ersten (und hier einzigen) Zeltnacht schlafe ich nie besonders gut, selbst wenn ich so luxuriös viel Platz habe wie dieses Mal.


Ich wache auf, das Handy zeigt 0:52. Es scheint heller draußen als vorhin. Ich öffne die hinteren Reißverschlüsse und luge hinaus. Der Mond ist sichtbar, auch einige Sterne, doch der halbe Himmel hängt voll Schleierwolken. Richtig klar ist es also nicht. Schade! Ich stehe aber dennoch auf, um ein paar Nachtaufnahmen zu machen. Oben herum Daunenjacke, denn wenn ich müde bin, friere ich leicht, aber unten herum barfuß in Sandalen, denn soo kalt ist es auch wieder nicht. Das sieht bestimmt lustig aus.

Ich stelle das Stativ auf und mache ein Foto direkt neben dem Zelt.

Nachts um eins

Ich gehe los und merke, dass die eine Schleierwolke am Südhorizont zu verschwinden scheint. Nun schaue ich genauer und sehe, dass der ganze Himmel nicht mit Wolken, sondern mit fahlem Polarlicht bedeckt ist, vom Nord- bis zum Südhorizont. Das Licht ist so fahl, dass es farblos zu sein scheint, die sonst typischen Grüntöne sind kaum wahrzunehmen, nur die Kamera zeigt sie, denn die nächtlichen Langzeitbelichtungen verstärken die Farben. Zwei Stunden wandere ich in dem vorderen Teil der Insel umher und fotografiere. Die Aurora wird tatsächlich ein bisschen stärker, aber richtig deutlich wie vor zwei Wochen wird sie nicht mehr. Aber einige Fotos werden doch recht schön, denn auf der Insel gibt es einfach schöne Motive.

Leuchtturm und Polarlicht

Insel im MondlichtDas alte Leuchtturmhaus

Farbspiel – im Hintergrund Rönnskär

Eine der kleinen Angenehmlichkeiten Gåsörens ist das „utedass“, das Plumpsklo. Meistens liegen auf einem utedass Zeitschriften und oft hängen an den Wänden kleine Natur- oder Landschaftsfotos. Hier gibt es gleich zwei nebeneinander. Als ich die linke Tür aufmache, lächelt mir von den Fotos kein Rentier, sondern der Adel entgegen. Das ist Grund genug, ein Foto zu machen. Als ich die Tür wieder schließe, sehe ich eine holzgeschnitzte Frauenfigur an der Tür. Oops – hier gibt es tatsächlich Klos nach Männlein und Weiblein getrennt. Das habe ich in Schweden noch nie erlebt, erst recht nicht beim utedass! Neugierig mache ich nun die rechte Tür zum Männerklo auf und erwarte Fotos von Traktoren oder Schneemobilen, doch nein, die Herrentoilette ist karg und hat kein einziges Foto an den Holzwänden. Wie langweilig!

Um drei gehe ich wieder ins Bett. Es ist kühler geworden und irgendwann mache ich den Schlafsack, den ich bis jetzt nur als Decke verwendet habe, zu. Kurz vor Sonnenaufgang wache ich wieder auf. Ich könnte jetzt (A) herausgehen und Morgendämmerungsfotos machen oder (B) weiterschlafen. Ich entscheide mich für B (sorry, liebe Leser) und schlafe bis acht Uhr so gut wie durch.


Den Tag beginne ich mit einem Frühstück: Graved Lachs und auf Feuer frisch geröstetem Ökoroggenbrot. Um Längen besser als das Abendessen. Auch wenn die Luft noch kühl ist, die Sonne wärmt schon.

Frühstück auf der Insel

Ich hänge den Schlafsack auf das Zelt zum Trocknen und laufe auf der Insel herum: Manche Birke und Eberesche trägt Herbstfarben – hunderte Fliegenpilze sprießen im Wald aus dem Boden – Holzwürmer haben geheime Zeichen in den alten Baumstamm geschrieben – Tausend gespiegelte Sonnen glänzen auf dem Meer – ein Bootssteg lädt zum Verweilen ein – ein Glücksbringer hängt an einem alten Stück Mast am Strand.

Ich treffe die Besitzer einer der beiden Stugas, später beginnen erste Boote in dem kleinen Hafen anzulegen. Ich habe kurz überlegt, noch eine weitere Nacht zu bleiben, doch mir fehlen Essen und mein Buch und so mache ich nur noch ein kleines Abschiedsfeuer zum Rösten des restlichen Brotes, verstaue alles wieder im Kajak und paddele gemütlich und mit Rückenwind über die glatte, sonnenbeschienene Ostsee.

Herbstfarbe gelbHerbstfarbe rotFliegenpilzeHorzwurmische LyrikTausend SonnenBootsstegGlücksbringerAbschiedsfeuer

Nordkalottenreise I

Seit 18 Tagen bin ich unterwegs. Auf den Vesterålen war ich, in Tromsø war ich, jetzt bin ich gerade in Abisko.

Über all das schreibe ich im englischen Blog way-up-north.

Einige ausgewählte Artikel:

Oder die ganze Reise: Nordkalotten 2015