Zum Inhalt

Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

Zu den Funktionen

Nach Finnland · Teil 1: Universität Oulu

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

In Kürze:

Von Freitag früh bis Sonntag Abend war ich mit Martiné, Lasse, Jarkko und Mikael unterwegs. Unser Ziel war das 800 Kilometer entfernte Joensuu in Finnland, wo am Wochenende die finnischen Meisterschaften im Winterschwimmen stattfanden. Auf dem Hinweg haben wir einen Zwischenstopp an der Universität Oulu gemacht. Dort werden Auswirkungen von Kälte auf den menschlichen Organismus untersucht.

Das Ziel ist, im nächsten Winter auch in Schweden, und zwar in Skellefteå, Meisterschaften im Winterschwimmen auszurichten. Und das ist die erste große Aufgabe des neu gegründeten Vereins „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ – auf deutsch in etwa: „Verein der frohen Freunde von Kälte und Dunkelheit“.

Fahrt nach Oulu

+++ Wecker steht auf 4:20 +++ 5:30 geht‘s los. +++ die anderen abholen und dann nach Piteå, Luleå, Kalix, Haparanda +++ Inzwischen hell, Außentemperaturen liegen um -30 °C +++ In Finnland weiter nach Kemi +++ Von da bin ich vor acht Jahren mit einem Eisbrecher gefahren +++ erster Stopp Oulu (auf schwedisch Uleåborg) +++

Universitätsbesuch

Cold work action programAn der Universität Oulu sind wir mit Tiina Ikäheimo und Hannu Rintamäki vom Finnish Institute of Occupational Health (FIOH) verabredet. An diesem Institut wird zum Thema Kälte physiologisch und medizinisch geforscht und wir erfahren viel Interessantes über aktuelle Untersuchungen. So gibt es beispielsweise Arbeiten über die hormonellen Veränderungen unter Kälteeinfluss oder dem Einfluss von Kälte auf den Blutdruck. Nach dem Mittagessen führt uns Hannu durch die Labors. Hier gibt es sowohl temperaturgeregelte Wasserbecken als auch eine Kältekammer mit Windmaschine, die man bis auf -45 °C abkühlen kann. Die lasse ich mir das nächste Mal vorbereiten … . Aber es gibt auch eine Wärmekammer, die unter anderem dazu benutzt wird, Probanden wieder aufzuwärmen. (Es ist wohl nur Zufall, dass diese rein wissenschaftlich genutzte Kammer einer Sauna verblüffend ähnlich sieht.) Neben Versuchspersonen werden aber auch Dummys eingesetzt, um beispielsweise Kleidung unter Extrembedingungen zu testen. Diese technisch aufwendigen Figuren können wie Menschen bewegt werden, damit möglichst realistische Ergebnisse erzielen werden können.

Leider war unsere Zeit sehr begrenzt und schon bald saßen wir wieder im Auto, die zweite Etappe vor uns. Ich glaube, Forschung hätte auch was für mich sein können. Zumindest mal ein paar Jahre lang.

Oberflächliches Intermezzo: Von Schweden nach Finnland

  • Ich zahle wieder mit Euro
  • Ich verstehe kein Wort
  • Die Uhr wird eine Stunde vorgestellt
  • Die Landschaft unterscheidet sich aber nicht wirklich

Fahrt nach Joensuu

+++ Weiter über finnische Straßen +++ Zwischenstopp mit Kaffee und Karelischen Piroggen +++ die Sonne geht unter +++ Nicht mehr ganz so kalt +++ Das Hotel: Heruntergekommen, aber gutes Abendbrot und freies WLAN +++ und ein Hotelpianist, der Musik mit Gewalt verwechselt … +++

Gegen acht Uhr abends kommen wir in Joensuu an. Viel sehen wir nicht mehr, denn es ist dunkel und wir sind müde. Wir wissen nur von Jarkko, der aus Finnland stammt, dass „Greater“ Joensuu etwa 120000 Einwohner hat und wir am nächsten Tag nur 500 Meter laufen müssen, denn wir sind – genau wie die finnische Meisterschaft im Winterschwimmen – mitten im Zentrum. Wie praktisch!

Nach Finnland · Teil 2: Winterschwimmmeisterschaft in Joensuu

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

Besonders gut geschlafen habe ich nicht in dem Hotel. Das lag nicht daran, dass man die Straße so gut hörte und auch das Zimmer war alt, aber OK. Aber irgendein Möchtegernpianist meinte, um halb zwei Uhr nachts auf dem kleinen Yamahaklavier herumdonnern zu müssen. Ich meine, er konnte schon spielen, aber eigentlich nur laut und das mitten in der Nacht. Aber weiter im Text …

Nach einem Frühstück in einem netten Café sind wir leicht verspätet über die Autobrücke zur Flussinsel Niskassari gelaufen. Dort hatte der Wettbewerb schon angefangen. In das Eis auf der runden Bucht war ein rechteckiges Loch mit sieben Bahnen à 25 Meter Länge hineingeschnitten worden. Um das Loch standen bestimmt vierzig Personen mit neongelben Warnwesten. Die haben den Schwimmern beim Entkleiden geholfen oder im Laufschritt die Kleidung zum anderen Ende gebracht, damit dort die Schwimmer sich schnell wieder ankleiden konnten. Sie haben mit langen Harken das Eis von der immer wieder anfrierenden Wasseroberfläche entfernt oder mit roten Fahnen signalisiert, wann die Schwimmer so weit waren. Am Rand standen auch zwei Taucher, die aber zum Glück keine größeren Rettungsaktionen durchführen mussten.

Der Wettbewerb geht im Grunde so von statten: Wenn alle Schwimmer am Start sind, wird das Kommando „Riisukaa vaatteet“ – das heißt „Zieht Euch aus“ gegeben. Sind alle fertig, kommt „Veteen“ – das heißt „Steigt ins Wasser“. Das letzte Kommando heißt „Paikoillenne“ und bedeutet, „Auf Eure Plätze“. Direkt danach wird der Startschuss gegeben.

Was mir gefällt ist, wie gemischt die Teilnehmer sind. Manche sind athletisch gebaut, die meisten nicht. Die Hälfte sind Frauen, die Hälfte Männer. Viele Teilnehmer sind über 60, der Älteste war 86.

Jeder Teilnehmer ist verpflichtet Mütze (und natürlich Badehose oder -anzug) zu tragen. Handschuhe oder Socken sind nicht erlaubt. Die Schwimmart ist Brustschwimmen, wobei der Kopf nie ganz untertauchen darf. Vor allem bei den Mützen leben die Schwimmer Ihre Kreativität aus. Wer außerhalb des Wettbewerbs teilnimmt, ist an diese Regeln nicht gebunden und wer keine 25 Meter schwimmen möchte, kann auch einfach einmal ins Wasser eintauchen. Ich hatte eine gute Ausrede: Fotografieren. Aber nächstes Jahr will ich zumindest mit ins Wasser.

Mikael (links) und Jarkko (rechts) haben es sich nicht nehmen lassen, 25 Meter zu schwimmen. Tapfer! Danach haben sie es sich, wie manche anderen vor ihnen, im warmen Wasser des Hot-Tubs gut gehen lassen.

Der neu gegründete Verein „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ – auf deutsch in etwa: „Verein der frohen Freunde von Kälte und Dunkelheit“, dem ich quasi schon angehöre, möchte das Winterschwimmen auch in Schweden populär zu machen und hat sich zur Aufgabe gesetzt, im nächsten Winter die erstmalig schwedische Meisterschaften auszurichten – natürlich in Skellefteå. Das Feedback der finnischen Organisatoren, mit denen wir nach dem Wettbewerb und abends gesprochen haben war ausgesprochen positiv und uns wurde umfangreiche Hilfe zugesagt neben dem Tipp, dass 2015 ein tolles Jahr sei, um nordische oder auch europäische Meisterschaften auszurichten. Zum Glück ging das alles auf schwedisch oder englisch, denn außer Jarkko spricht keiner von uns finnisch bis auf Worte wie beispielsweise „Kitoos“ für „Danke“.

Abends fand dann eine Gala statt. Es war glaube ich die erste Gala, bei der ich war, ohne selber Musik zu machen. Erstaunlich: Kaum erklingen zwei Noten Musik, schon ist das Parkett voll tanzender Finnen. Und die Musik ist wirklich melancholischer als auf deutschen Galas. Ja, und es gab auch finnischen Tango.

Währenddessen hatten einige draußen Nachtschicht: Die ganze Nacht muss das Wasser immer wieder von Eis befreit werden. Wir sind um elf wieder ins Hotel gegangen und haben dort noch einige Zeit gesessen. Dabei haben wir dann beschlossen, nicht am Montag, sondern direkt nach den letzten Wettkämpfen am nächsten Tag zurückzufahren.

Nach Finnland · Teil 3: letzte Winterschwimmwettkämpfe

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

Der nächste Morgen war kalt. Am Flugplatz wurden -29 °C gemessen und bei meinem kleinen Morgenspaziergang fühlte es sich in der Stadt auch nicht wärmer an und ich war über meinen Parka froh. Ich bin ein paar Meter am Fluss Pielisjoki entlanggelaufen, habe unter der Brücke die netten Streetart-Holzobjekte gefunden und bin dann mehr zufällig auf einem Platz mit Schnee- und Eisskulpturen gelandet. Dann bin ich zum Packen ins Hotel zurückgekehrt.

Wir haben dann in einem Hotel gefrühstückt, aber es war sehr schwer, in diesem riesigen, von Treppen, Türen, Korridoren und Fahrstühlen durchzogenen Komplex den Frühstücksraum zu finden und wir waren nicht die einzigen, die sich verlaufen haben. So sind wir ein bisschen verspätet zu den letzten Wettkämpfen gekommen.

Dieses Mal war die Wettkampf Staffelschwimmen (heißt das so?) mit vier Teilnehmern pro Team. Das Wasser hat vor Kälte gedampft und sehr gemütlich sah das ganze nicht aus. Plötzlich (man versteht ja nichts von den finnischen Ansagen) zogen die warnwestenbekleideten Helfer die Schnüre heraus, die die Bahnen trennen, die Taucher verschwinden, das Publikum ist wie vom Erdboden verschluckt und wir stehen halb alleine da. Der Wettbewerb war vorbei. Das ging aber schnell … vielleicht der Kälte wegen. Wir sind aber nicht böse, denn vor uns liegen 800 Kilometer Fahrt durch halb Finnland und ein Stück Schweden und so kommen wir schon eine Stunde eher als geplant los. Um halb elf bin ich zu Hause und froh, mich wieder bewegen zu können, denn für fünf Personen war der kleine Mitsubishi ganz schön eng auf der langen Fahrt.

(Die ganze Zeit war der Himmel blau und wo fängt es an zu schneien? Richtig, kurz vor Skellefteå. Auf meinem Grundstück lag dann auch 10 cm fluffiger Neuschnee auf dem Weg.)

Noch einige Impressionen vom zweiten Wettkampftag der finnischen Meisterschaft im Winter­schwimmen. Ohne große Bearbeitung und Reihenfolge.

Tauwetter

So phantastisch das Polarlicht in der vorletzten Nacht war, sonst sieht es draußen momentan nicht so schön aus. Schuld daran ist das Tauwetter. Vor einer Woche lag die Morgentemperatur noch bei -20 °C, aber seit einigen Tagen haben wir Plusgrade und gestern hatten wir sogar leichten Regen – das erste Mal wieder seit Oktober! Heute war es zwar wieder klar, aber so windig, wie ich es hier noch nicht erlebt habe. Bäume haben sich gebogen, Mülltonnen lagen umgeworfen auf der Straße und in der Nacht wurde eine Geschwindigkeit von 20 m/s gemessen, das ist knapp am Sturm vorbei. Und überall auf den verharschten Schneeflächen lagen heute Staub, Blätter, Samen, kleine Aststückchen und mehr.

Auf den meisten Fahrbahnen sieht man wieder Asphalt. Das liegt aber auch daran, dass Spezialfahrzeuge auch auf den kleinen Straßen die vereiste Schneedecke weggefräst haben. Das Zeugs liegt jetzt vor den Häusern, ist getaut und wieder zusammen gefroren und mit einer normalen Schneeschaufel auch beim besten Willen nicht wegzuräumen. Das Foto links habe ich gestern gemacht, heute ist der meiste Schnee von der Straße schon verschwunden.

In der Stadt war gestern Pfützen- und Schneematschwetter. Der nasse Schnee ist so richtig dreckig-braun; also das Weiß vor einer Woche hat mir besser gefallen. Und zum ersten Mal seit langem haben die Winterstiefel meine Füße nicht nur warm, sondern auch trocken gehalten.

Aber ich mache mir nichts vor, der lange Winter macht zwar eine Pause und zwei Grad Plus und blauer Himmel wirken wirklich frühlingshaft, aber vorbei ist der Winter noch lange nicht. Es dauert bestimmt noch vier bis sechs Wochen, bis der Schnee im großen Maße weg schmilzt und wahrscheinlich lache ich dann über diese Fotos.

Tauwetter II

Heute lag die Höchsttemperatur bei 7.7 °C! Das heißt, keine Mütze mehr, keinen Schal mehr, keine Handschuhe mehr. Und die dicke Jacke und Skihose hängen ohnehin schon die ganze Woche ungenutzt in der Garderobe.

Eigentlich wollte ich schon seit zwei Wochen das Garagendach vom Schnee befreien, bin aber nie dazu gekommen. Heute haben Wind und Sonne das für mich übernommen. Nur die Tür zur Garage und einen kleinen Teil des Outdoorpools musste ich freigraben. Manches erledigt sich eben auch von selbst.

Vårvinter

Dieses Wochenende war ich nach sechs Wochen mal wieder in der nahen Umgebung unterwegs.

Gestern am Samstag habe ich meinen Rucksack gepackt, meine Skier untergeschnallt und bin quer durch den Wald zur Ostsee gelaufen. Erst war ich auf Norrskär. Von dieser hügeligen Insel konnte man am Horizont einen breiten dunkelblauen Steifen ausmachen. Blankes Eis oder offenes Wasser? Ich beschloss, in die Richtung zu laufen um näher zu schauen, musste aber bald feststellen, dass diese Stelle viele Kilometer entfernt lag. Statt weiter auf die See hinaus zu laufen, bin ich dann nach links abgebogen und habe erstmalig die Insel Medgrundet angesteuert. Mit einem Abstand von 2400 Metern liegt diese Insel in der Hålfjärden genannten Bucht am weitesten vom Festland entfernt. Nach einer längeren Pause habe ich dann den Rückweg angetreten und war um kurz vor drei wieder zu Hause.

Was war nun anders als die Skitour vor sechs Wochen?

  • Die Sonne hat viel mehr Kraft. Sie wärmt und ich bin teilweise ohne Jacke gelaufen.
  • Es ist viel länger hell. Man muss nicht sofort nach dem Frühstück losbürsten und als ich zu Hause war, war es immer noch ein paar Stunden hell.
  • Sonnenbrille und -creme gehören jetzt in den Rucksack. Die dicke Daunenjacke kann zu Hause bleiben.
  • An manchen Stellen ist der Schnee weggeweht und das blanke Meereis zu sehen.
  • Pausen machen mehr Spaß, weil es einfach wärmer ist.

Ja, ich mag auch den knackigkalten Winter im Januar und Februar, aber der Vårvinter, auf deutsch Frühlingswinter ist auch toll. Und ich kann mir kaum noch vorstellen, dass ich vor drei Wochen noch mit meinem Canada-Goose-Parka herumgelaufen bin.

Heute war ich kurz in der Stadt und habe mit Elisabet einen Abendspaziergang auf den Huvudberget gemacht, der jetzt nicht dramatisch hoch ist, aber eine schöne Aussicht über die Stadt bietet. Nun bin ich wieder zu Hause und es hat sich leider ein bisschen zugezogen. So wird es also auch diese Nacht mit nicht mit Polarlichtbeobachtung. Macht aber nichts, denn so kann ich mein Kinderbuch „Agaton Sax och den ljudlösa sprängämnesligen“ weiterlesen.

Hemavan – ein Wochenende im Fjäll

Skelleftehamn gefällt mir – hab ich schon geschrieben, oder? – sehr gut. Was mir hier aber manchmal fehlt, sind die Berge, oder wie man in Schweden sagt, das Fjäll. Und dorthin sind Elisabet und ich letzten Freitag Mittag gefahren. Unterwegs haben wir noch Sohn und Tochter von ihr aufgegabelt und um halb sieben haben wir unser Ferienhaus in Hemavan erreicht.

Man muss ein bisschen Geduld haben, wenn man 40 Meilen (400 Kilometer) in Richtung Westen fährt. Anfangs wollen die verschneiten Nadelwälder kein Ende nehmen, doch dann sieht man am Horizont die ersten Hügel und dann irgendwann das Kahlfjäll, also den Teil der Berge, der über der Baumgrenze liegt. In Hemavan habe ich dann an den Häusern gesehen, dass es doch Regionen gibt, wo noch einiges mehr an Schnee liegt als bei mir zu Hause (laut schneewelt.de 155cm). Würde man jetzt noch 50 Kilometer weiter fahren, wäre man in Norwegen.

Samstag: Skitour ins Fjäll: Ein kleines Stückchen Kungsleden

Am Samstag morgen haben sich Sohn und Tochter mit alpinen Tourenski auf eine Gipfeltour gemacht. Elisabet und ich wollten gerne in Richtung Viterskalsstugan, der ersten (oder letzten) Hütte auf dem 450 Kilometer langen nördlichen Kungsleden. Wir hatten „Backcountry-Ski“, das sind robuste Langlaufski mit Stahlkanten, die für lange Skiwanderungen ideal sind und ich hatte zum ersten Mal meine Pulka dabei. Gleich anfangs ging es ein gutes Stück bergauf und ich habe ganz schön geflucht, denn ich wollte hoch, die Pulka aber zurück ins Tal. Aber damit hatte ich gerechnet und deshalb hatte ich Steigfelle dabei. Damit gleitet es sich nicht mehr so schön, aber man kann auch mit Pulka einfach geradeaus laufen.

Anfangs sind wir noch durch das Skigebiet gelaufen doch bald verschwand der letzte Schlepplift hinter einem Bergrücken und wir waren auf dem Kahlfjäll.

Schon im Skigebiet ist wenig los. Kein Vergleich zu den Menschenmassen, die die Alpen jedes Winterwochenende heimsuchen. Ist man aber erst wirklich im Fjäll, so ist man völlig allein. Fast …

… denn in Schweden darf man auch im Fjäll Schneeskooter fahren. Und das machen viele. Ziemlich viele. In Gruppen rauschen behelmte Personen auf ihren Maschinen laut lärmend vorbei und hinterlassen vor allem den für Zweitakter typischen Gestank. Auch wenn man sich als Skifahrer über die Spuren freut, die machen das Laufen nämlich einfacher, wünscht man sich bei jedem Überholen, die Dinger wären wie in Norwegen größtenteils verboten.

Dazu eine Anekdote, die Elisabet erzählt hat: Eine Bekannte arbeitet im Kindergarten und war mit einer Gruppe Kinder draußen. Zwei nahe Mopedfahrer haben ordentlich Gas gegeben und die Kinder standen in einer Qualmwolke. Daraufhin meinte das eine „Det luktar fjället!“ – auf deutsch: Das riecht nach den Bergen. Da sind mir ehrlich gesagt lila Kühe als Bergklischee lieber!

Nachdem wir dann auch einen Skooter aus dem Schnee mit ausbuddeln durften – nicht alle Schweden können fahren – haben wir die Viterskalsstugan, eine bewirtschaftete Hütte, erreicht. Dort standen schon viele Schneeskooter, aber in der Hütte war es dennoch ziemlich ruhig. Wie in viele Hütten so hat auch diese einen Lebensmittelverkauf. So ist es möglich, lange Touren von Hütte zu Hütte zu machen, ohne für mehrere Wochen Proviant dabei haben zu müssen. Eine tolle Einrichtung!

So gemütlich es auch war – irgendwann muss man wieder zurück, auch wenn der Wind zunimmt und es zu schneien beginnt. Auch wenn wir beide ein bisschen müde waren, so ging der Rückweg doch schneller, da es größere Strecken abwärts ging. Als ich nach dem letzten Gegenanstieg die Felle abgenommen habe, konnte ich auch wieder richtig mit den Ski gleiten – herrlich. Nur auf dem allerletzten Stück ging es doch ganz gut abwärts und ich habe gebremst wie ein Weltmeister, um nicht mit der Pulka ins Tal zu schießen. Verzeiht mir diese Übertreibung. So steil war es nicht, aber ich bin kein toller Skiläufer und lasse es auf Abfahrten lieber ruhig angehen.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Nach Hause fahren · duschen · Essen machen · Abend essen · kurz nach neun ins Bett · Schlafen.

Mein kurzes Fazit: Das war ein toller Tag. Auch wenn die Anreise lang war, so ist es doch toll, dass man so eine Tour „eben mal“ an einem Wochenende unternehmen kann.

@Peter: Du, siehst, die Pulka, die ich gebraucht von Dir gekauft habe ist im Einsatz, wenn auch ohne Hund.

Sonntag: Slalom

… so heißt hier der Abfahrtslauf. Und nachdem ich mir Ski, Stöcke und Schuhe geliehen und meinen Eintages-Skipass bezahlt habe, sind Elisabet und ich mit dem Lift zu einer leichten Piste gefahren. Das war auch gut so, denn ich habe in meinem Leben kaum Abfahrtslauf gemacht und bin anfangs immer ängstlich, bis ich mich wieder an einige Grundlagen erinnere. Die meisten Fünfjährigen hier fahren zwar um Längen besser als ich, aber zumindest reicht mein Niveau aus, um auf einfachen Pisten Spaß zu haben und keinen Stress. Wie auch am Vortag war das Wetter eher bescheiden und auf der Abfahrt vom höchsten Punkt aus hat man nur noch ein paar rote Stecken und ein großes weißes Nichts gesehen. Das war dann wieder ein bisschen anstrengend, weil ich nicht sehen konnte, wie steil es wird.

Was ich hier einfach mag, ist wie ruhig es hier ist. Man muss fast nie am Lift anstehen, auf den Pisten ist man fast alleine und es gibt auch keine Außenlautsprecher, die einen mit volkstümelnden Alpenschlagern vollbrüllen. Das ganze kommt meiner Mentalität schon viel näher als so ein großer Skizirkus in den Alpen. In den Osterferien hingegen ist halb Schweden im Fjäll, dann wird es auch in Hemavan voll.

Vielen Dank an Elisabet, die mit mir so manchen „Idiotenhügel“ gefahren ist, mir Skiabfahrt wieder gezeigt hat und auch die gesamte Strecke Skellefteå—Hemavan—Skellefteå gefahren ist.

(NB: Über die Erfahrungen mit der Pulka)

Über die Pulka ist man mit einem Zuggestänge verbunden, daher läuft sie im gleichen Tempo mit einem mit.

Auf ebenem Gelände und wenn der Schnee nicht zu tief ist, ist das Ziehen phantastisch leicht. Hier spielt der Schlitten ganz klar seine größten Stärken aus.

Geht es aufwärts, möchte die Pulka abwärts. Wenn man nicht zickzack laufen oder die ganze Zeit im V-Schritt laufen möchte, so sind hier Steigfelle extrem praktisch.

Geht es abwärts, so kann man ohne Anstrengung bergab gleiten. Allerdings hat man mehr Schwung und ist nicht so manövrierfähig wie ohne.

Geht es steiler abwärts, so könnte man die Steigfelle benutzen, die ein bisschen bremsen (nicht probiert) oder einfach die kleine Etappe abschnallen und ohne Skier gehen (probiert). Steiles und vereistes Gelände ist glaube ich extrem eklig!

Quert man – also läuft man parallel zum Berg – so kann die Pulka schon mal umkippen. Einmal konnte ich sie mühelos aufrichten, das andere Mal hat sie sich ein bisschen in den Schnee eingegraben und ich musste mich aus dem Gestänge ausklinken, um sie wieder aufzustellen. Kein Drama, aber kostet Zeit.

Das Laufen mit Pulka macht aber Spaß und Lust auf mehr, zumal man ja auch Zelt und Schlafsack mitnehmen kann, Proviant, alle Objektive und ein schweres Stativ, fünf Jacken und … und … . Bei der ersten Tour mit Pulka wird es bestimmt nicht leicht, vernünftig zu bleiben, denn es passt einfach so viel hinein.

April, April

… hat sich das Wetter heute gedacht und hier einige Zentimeter Neuschnee abgeladen. Damit ist dies der siebte Monat mit Schnee in Folge, denn der erste Schnee kam Mitte Oktober.

Irgendwo aus Amerika kommt glaube ich der Spruch, dass man Winter und Frühling daran unterscheiden kann, wie schnell der Schnee wegtaut. Demnach haben wir wohl Frühling, denn schon am Nachmittag hat sich der Schnee in Pfützen verwandelt.

Schnee / kein Schnee

Nur mal kurz zwischendurch: Gestern hat es den halben Tag bei knappen Plusgraden Schnee- und Graupelschauer gegeben. Und das im Mai! Bis Ende der Woche sollen die Höchsttemperaturen unter 10 Grad bleiben. Dafür ist heute aber trotz des kühlen und wolkigen Wetters der letzte Schneefleck im Garten weggetaut.

Fast ein Sommertag

Gestern war doof, aber ich bin ja auch selber schuld. Ich wollte „mal eben schnell“ ein Betriebssystemupdate machen. Dabei sollte ich wissen, dass es „mal eben schnell“ bei Computern nicht gibt. Ach bei Macs nicht. Jetzt läuft aber hoffentlich alles wieder (ja, ich meine Dich, windowserver!) und ich kann mal wieder etwas schreiben.

Heute morgen habe ich in meinem Wintergarten gefrühstückt. Selbst wenn draußen nur sieben Grad sind, ist es dort schon richtig warm. Immerhin geht die Sonne um zwanzig vor vier auf und hat Zeit, vorzuheizen. Zwei Spatzen haben sich wohl entschlossen, unter den Dachziegeln ein Nest zu bauen. Mir soll‘s recht sein, wenn sie danach die Wohnung besenrein übergeben. Hoffentlich lassen sie sich durch meine Anwesenheit nicht stören.

Nach dem Frühstück bin ich dann mit dem Auto sieben, acht Meilen nach Kusfors gefahren und habe Lasse besucht. Wir haben dann eine Rundtour in der dortigen Umgebung gemacht. Die erste Etappe war „Älgjägersfolkets Viste“, ein touristisch genutztes Gelände mit einigen sehr urigen Hütten und Koten sowie einer Schaukel, die nur aus Holz und Rentierleder zusammengesetzt ist.

Die nächste Etappe war das Naturreservat „Svansele Dammängar“. Lasse hat mir erklärt, dass es hier in der Region eine einmalige Art gibt, Heu auf Feuchtwiesen zu ernten, aber ich habe nicht alles verstanden. Mich erinnerten die Holzhütten ein bisschen ans Alpenvorland. Da sieht‘s ähnlich aus, bloß dass das Gras da bestimmt schon grüner ist.

Danach sind wir nach Gallejaur gefahren. Hier haben „drei alte Tanten“ gewohnt, die alle Gebäude im alten Stil bewahrt haben. Heute kann man sich das anschauen. Schön!

Zum Schluss waren wir noch an dem Anfangs- und Endpunkt der weltlängsten Seilbahn. Sie wurde bis in die achtziger Jahre benutzt, um Erz zu transportieren. Heute wird nur noch ein Teilstück betrieben, um Touristen herumzufahren. Die bekommen dann allerdings eine richtige Kabine und müssen nicht in den Erzkesseln hocken.

Alle diese touristischen Ziele haben eines gemeinsam: Wenn ich nächste Woche Besuch aus Deutschland bekomme, sind sie noch alle geschlossen. Wenn ich Mitte August wieder Besuch bekomme, sind sie schon wieder geschlossen.

Liebe Nordschweden: Ihr könnt vieles gut! Tourismus zählt aber mal überhaupt nicht dazu. Es gibt Länder, wo nicht alle Menschen gleichzeitig „semester“ – zu deutsch Urlaub – haben. Und diese Menschen kommen gerne auch im Mai und Juni, Ende August und sogar im September. Mit und ohne Kinder. Das heißt, sie kämen, wenn Ihr offen hättet. Und wenn ihr besser darin wärt, allen zu erzählen, wie schön es hier ist. Leider seid Ihr nämlich viel zu bescheiden, um auch nur einmal vorsichtig anzudeuten, dass es sich vielleicht lohnen könne, möglicherweise hierher zu kommen. Und so erfahre auch ich, der hier schon ein Jahr lebt, von den meisten Plätzen eher zufällig. Schade eigentlich!

So habe ich heute zwei Rollen eingenommen: Ich war Tourist und habe mir die schönen und interessanten Plätze angeschaut. Alles eher klein als pompös, aber durchaus lohnenswert. Und gleichzeitig haben Lasse und ich überlegt, wie man den Tourismus in Nordschweden stärken kann. Mal schauen, was ich in einigen Jahren beruflich so mache …

P.S.: Leider ist der windowserver wieder abgestürzt und hat so einiges mit sich gerissen. Da muss ich wohl mal morgen die Hardware testen. So‘n Schiet!

Sommerradeln

(So, schnell einen Artikel schreiben, eh der Rechner wieder abstürzt. Ich fürchte, ich brauche nach dreieinhalb Jahren Nutzung doch mal ein neues Laptop).

Der gestrige Tag war eigentlich viel zu schade, um zu arbeiten. Die Internetverbindung im Büro fand das auch und war den halben Tag nicht vorhanden. Gestern vor einer Woche hatten wir noch Schneeschauer, gestern hingegen Temperaturen bis 24 °C. Da macht das Fahrrad fahren richtig Spaß, zumal man mit den spikelosen Sommerreifen viel schneller von der Stelle kommt. Und auch der Waldweg zwischen Skelleftehamn und Ursviken ist wieder frei. Schon auf dem Hinweg habe ich mir die Jacke ausgezogen und bin im T-Shirt gefahren. Auf dem Rückweg brauchte ich in den Sandalen auch keine Strümpfe mehr und hatte sogar ausnahmsweise mal keinen Gegenwind. Da macht das Fahrrad fahren richtig Spaß. Habe ich schon geschrieben? Egal, das kann man ruhig zwei Mal schreiben.

Auch wieder aufgefallen sind mir einige Eigenarten des schwedischen Straßenverkehrs, die mir immer noch nicht ganz begreiflich sind. Aber ich habe eine wissenschaftliche Theorie. Aber darüber schreibe ich ein andermal.

Regen

Nach einer windigen, aber eher schönen Woche hat es heute Nachmittag angefangen zu tröpfeln, dann ein wenig zu nieseln, und dann zu regnen. Jetzt, abends um halb elf, pladdert es und es sind nur noch fünf Grad. Muss halt auch mal sein und die Pflanzen freuen sich. Obwohl die Sonne noch nicht untergegangen ist, ist es jetzt dunkler als es die letzten Tage mitten in der Nacht war.

Ich habe es mir nicht nehmen lassen, das Wochenende trotz des Regens mit einem Spaziergang in der Umgebung einzuläuten. Wenn es regnet, dann riecht alles so frisch. Und weil es so kühl ist, heizen einige mit Holz ein, das duftet dann so richtig gut nach Ofen und warmen Holz – wie in der Sauna.

Und auch wenn ich selber leider keinen Ofen habe, so ist mein Haus dennoch richtig gemütlich. Ich sitze warm und trocken und höre den dicken Regentropfen zu, die auf das Kunststoffdach des Wintergartens prasseln.

Zu den Fotos: Wie es so schön heißt: Der beste Fotoapparat ist der, den man dabei hat. Hier hatte ich nur das iPhone zur Hand, aber das hat sich tapfer geschlagen und bringt die Stimmung eigentlich ganz gut rüber.

Sommer

Und plötzlich ist es warm. 25 °C. Blauer Himmel. Alle essen draußen. Mittag oder Eis. Und sonnen sich. Von der Wasserfontäre weht ein bisschen feuchte Luft herüber. Und erfrischt.

Nur die Blaskapelle (NB: Wer hat bloß dieses Arrangement von Birdland verbrochen!) auf dem Marktplatz muss arbeiten. Ich nicht. Ich hole mir Sushi und setze mich zu den anderen an den Fluss.

Das vorherrschende heutige Thema: Früher Feierabend. Die Ostsee zum Baden habe ich nachher wahrscheinlich doch für mich allein. Selbst schuld, die anderen.

Entschuldigt die Bildqualität. Die Photos stammen vom iPhone und der Bildschirm im Büro kann so manches, aber keine Farben

Nachtrag:

Später stieg die Temperatur auf 27 °C und nur ein kleiner Regenschauer am Abend hat etwas abgekühlt, ehe es wieder aufklarte. Die Ostsee hat inzwischen 17 °C und ich fühle mich auch eine halbe Stunde nach dem Baden noch herrlich frisch.

Ryssvärme

Ryssvärme – So heißt das auf schwedisch, wenn von Russland warme kontinentale Luft nach Schweden gelangt. Und dann ist es plötzlich warm bis heiß. Skellefteå war gestern beim SMHI – dem schwedischen Wetterinstitut – mit 28.8 °C Maximum auf Platz vier von Schwedens wärmsten Orten. Auch heute Mittag waren es wieder über 25 Grad. Wir saßen barfuß draußen am Fluss und haben Lunch gegessen und es ist überhaupt nicht vorstellbar, dass vor dreieinhalb Monaten hier die Temperaturen unter -25 °C lagen.

Fährt man mit dem Rad von Skellefteå nach Skelleftehamn, dann kommt man fast sicher an einem Kiosk in Bergsbyn vorbei, der legendär für sein Softeis ist (Hier ist Eis immer Softeis, denn Italien ist weit weg) und zwar nicht nur für den Geschmack, sondern auch für die Portionen. Heute habe ich das erste Mal Eis gekauft und, obwohl ich von den großen Portionen schon gehört habe, dennoch leicht ungläubig gefragt, ob dies denn wirklich die kleine Waffel sei. Zum Softeis sucht man sich eine Soße oder Streusel aus, von eher traditionellen Dingen wie Erdbeersoße bis hin zu für Mitteleuropäer eher ungewohnten Zutaten wie Salmiaklakritzkrümel.

Ich habe mein Fahrrad erst einmal geschoben und Eis gegessen, Eis gegessen und Eis gegessen.

Gleich fahre ich an die Ostsee und springe ins Wasser, aber erst wenn ich das Softeis verdaut habe. Und das kann noch ein paar Minuten dauern …

Sommerwoche

Ich sitze in meinem Haus und alle Fenster und Türen sind geöffnet. Denn über Nacht hat sich kühleres Wetter mit Wolken und Regen angeschlichen. Gestern wurden am Flugplatz noch 30 Grad gemessen, heute morgen um halb zehn sind es gerade noch zwölf. Ich bin ehrlich gesagt gar nicht so böse, denn gestern hatte ich auch im Wohnzimmer 28 Grad (im Wintergarten sogar 35) und ich freue mich, wieder etwas angenehmere Temperaturen in die Zimmer zu bekommen.

Aber schön ist es, wenn man unter dem duftenden Flieder – endlich, endlich blüht er – sitzen und lesen kann, während am klarblauen Himmel die Möwen kreischen. In der Nachbarschaft ist es ruhig, die meisten sind wohl in Ihren Sommerhäusern. Am kleinen Strand von Storgrundet war gestern Betrieb, das heißt, etwa fünf Personen saßen dort und drei Jugendliche planschten im Wasser. Und zum ersten Mal setzen bei mir keine Fluchtreflexe ein, als ich Baden ging, denn nun war das Wasser einfach erfrischend und nicht nur schweinekalt wie noch vor ein paar Wochen.

Abends habe ich erst mit ein paar Leuten gegrillt und dann haben wir in der Bonnstan Kubb gespielt.

Bonnstan ist das Kirchendorf in Skellefteå. In dessen kleinen Holzhäusern konnten früher die Bauern übernachten, wenn der Weg zur Kirche zu weit war, um an einem Tag hin und zurück zu reisen. Man vermutet, dass das erste Kirchendorf in Skellefteå um 1600 entstand. Heute kann man die Häuser als Sommerwohnung mieten.

Kubb ist ein Spiel mit zwei Mannschaften, die mit Holzstöcken Holzblöcke umwerfen müssen. Diese Blöcke werden zurückgeworfen um wieder umgeworfen zu werden. In der Mitte steht der König. Verwirrt? Kein Problem, denn ein größerer Teil des Spiels wird von der Diskussion der Regeln eingenommen.

Erster Erfolg stellt sich ein: Jetzt habe ich angenehme 22 Grad im Wohnzimmer und ich mache mal schnell Fenster und Tür zu, denn sonst ist der Flügel beleidigt.

Midsommarafton

Ich hatte schon geschrieben, dass Mittsommer ein wichtiges Fest in Schweden ist. Mir war aber bis gestern nicht klar, dass schon gestern am Freitag gefeiert wurde, obwohl „midsommar“ erst heute am Samstag ist. Dabei ist das eigentlich ganz einfach und logisch:

Neujahr heißt auf schwedisch „nyår“ oder genauer „nyårsdagen“ (Neu-Jahrs-Tag). Gefeiert wird am Vortag: nyårsafton (Neu-Jahrs-Abend). Weihnachten heißt „jul“, das traditionelle Weihnachtsessen und die Geschenke gibt es am „julafton“ (Weihnachts-Abend). Mittsommer heißt „midsommar“ und wann wird gefeiert? Richtig, am Tag zuvor, dem „midsommarafton“.

Und der war wie gesagt gestern. Ich habe mit Freunden in deren neuem Sommerhäuschen gefeiert. Wir saßen hauptsächlich auf der überdachten Veranda, den es hat ziemlich viel geregnet. Abends waren wir noch in der Sauna und haben uns zwischendurch zur Kühlung im Regen stehend mit dem Gartenschlauch abgespritzt. Irgendwann – wenn es immer hell ist, habe ich die Tageszeiten nicht mehr so richtig im Griff – habe ich dann das Gästezimmer abgedunkelt und mich schlafen gelegt. Und heute war auch schon wieder schönes Wetter.

Ganz wichtig übrigens beim Mittsommer ist das Essen: Hering („sill“), Lachs, Dünnbrot und neue Kartoffeln müssen dabei sein. Und Aquavit! Eigentlich. Denn Schnaps hatten wir zwar keinen, aber ein kleines Trinklied kann man ja auch zum Rotwein singen. Die gleichzeitig gegrillten Fleischstücke waren so groß, dass wir alle pappsatt waren und sogar ich – kaum zu glauben – nicht mehr viel von der Erdbeertorte geschafft habe. Aber die hat heute zum Frühstück auch gut geschmeckt.

Nun habe ich noch fünf Tage zu arbeiten und dann habe ich vier Wochen Urlaub! Ich frage mich, ob ich den Freitag jetzt „semesterafton“ nennen darf, denn immerhin ist es der Tag vor meinem Urlaubsanfang, und das – finde ich – ist ein Grund zum Feiern!

Brückenbau-Arbeits-Sommer-Bade-Stadtfest-Panorama

Manche Tage sind dichter als andere. Von so einem Tag komme ich gerade zurück.

Der Morgen

Knallblauer Himmel – schon am Morgen zwanzig Grad – das schreit danach, mit dem Fahrrad zu fahren. Es ist immer herrlich, wenn man schon morgens oben herum nur ein T-Shirt braucht und in den Sandalen mit den Zehen wackeln kann. Kurz vor der Stadt mache ich eine kurze Fotopause, denn da wird eine neue Brücke über den Skellefteälven gebaut. Da habe ich noch nichts von mitbekommen, da ich diese Strecke nicht so oft fahre. Zum Schluss schlängele ich mich durch das Zentrum, denn heute beginnt das Stadtfest und überall stehen Zäune, Autos, Zelte, Menschen und nochmal Autos.

Arbeit

Ich hätte ja jetzt schon gerne Urlaub, aber bis zum Ende der Woche muss ich noch durchhalten. Im Büro ist es überraschend kühl und die Hitze schlägt uns ins Gesicht, als wir zum Mittagessen aufs Stadtfest gehen. Kein Wunder, denn mit 30.4 °C ist Skellefteå heute laut SMHI-Messungen der wärmste Ort Schwedens.
Das Stadtfest? Wie alle Stadtfeste, aber dazu später mehr.

Danach arbeite ich noch ein bisschen, aber die Konzentration geht gegen null und ich beschließe, eine Badepause zu machen.

Badesee

Kurz darauf sitze ich bei einer Freundin im Auto, sie hat ihren Lieblingsbadesee wiedergefunden. Für schwedische Verhältnisse ist dort einiges los. Ich kann das nicht ernst nehmen, die fünfzehn Leute. Die Luft ist warm, das Wasser des kleinen Waldsees herrlich erfrischend kühl, man möchte gar nicht mehr aus dem Wasser heraussteigen. Und zum Schluß sind wir fast alleine da. Aber … noch habe ich keinen Urlaub, die Arbeit wartet.

Arbeit

Die Kollegen gehen nach Hause, ich bleibe noch. Zum einen habe ich ja eine sehr lange Badepause eingelegt, zum anderen bin ich mit Freunden zum Stadtfest verabredet. Aber irgendwann ist es sechs und ich verlasse als letzter das Bürogebäude.

Stadtfest

Und nachdem alle am Treffpunkt eingetrudelt sind, ziehen wir zu neunt über das Stadtfest. Ich bin – wie schon im letzten Jahr – geneigt zu schreiben, dass alle Stadtfeste gleich sind: Fressgassen mit internationaler Imbissküche, die immer gleichen hässlichen Sweater mit Reggaemotiven, billige Taschen, Losbuden und dazwischen Menschen, Menschen, Menschen. Wo kommen die bloß alle her? Von den Menschen hört man allerdings gar nicht so viel, denn was gehört zu jedem Stadtfest dazu? Richtig, lokale Partybands, die unfassbar schlecht abgemischt sind. Die Musik dröhnt und wummert in Lautstärken nah der Schmerzgrenze durch das Stadtzentrum. Wer etwas mitteilen will, der muss halt schreien.

Aber halt, ein paar Sachen sind ein bisschen anders: Alle Festzelte sind abgeriegelt und alle müssen an der Security vorbei, vermutlich damit keine Minderjährigen Bier oder Wein kaufen können. Da es mehrere Festzelte gibt, besteht die Innenstadt eigentlich nur aus Zäunen, die ein gigantisches Labyrinth bilden, denn jede zweite Straße und fast alle Fußwege enden irgendwann vor einem hohen Drahtzaun.

Das Essen wie oft: Von Fast food (amerikanisch bis asiatisch) bis zu den unvermeidbaren ungarischen Langos wird das ganze Stadtfestessen gut abgedeckt. Aber es gibt auch Toast mit Pfifferlingen und dem lokalen Käse überbacken. Oder Ren als chinesisches Wokgericht. Und knatsch-buntes Gebäck, welches vermutlich im Dunkeln leuchtet. An dem unten abgebildeten Gebäck stand „Blåbär“, aber ich vermute eher, dass dort jede Menge Schlumpf mit drin war.

Auf dem Dach

Ich gehe ins Büro, um meine Sachen zu holen und nutze die Gelegenheit, auf dem Dach des Gebäudes die iPhone-Applikation „Photosynth“ auszuprobieren. Dafür, dass das Programm nichts kostet und ich mir auch nicht wirklich Mühe gegeben habe, ist das Panorama eigentlich ganz gut geworden, auch wenn man teilweise deutlich sieht, wo die vielen Einzelfotos aneinanderstoßen.

Nach Hause

Ich bin immer schon lärmempfindlich gewesen und das ist heute nicht anders. Und so verabschiede ich mich als erster und radele um kurz vor elf wieder nach Hause. Ich genieße die Stille und das herrliche Licht auf dem Heimweg. Und um zehn vor zwölf bin ich auch wieder zu Hause.

Und jetzt geht‘s ins Bett. Aber nicht das im Schlafzimmer, sondern das im Gästerzimmer im Keller, denn da ist es dunkel und herrlich kühl.

Nachtrag

  • Laut Norran, der lokalen Zeitung war gestern mit 31,1 °C der wärmste Tag des Jahres.
  • Gestern war auch ein Drachenbootrennen auf dem Fluss. Da habe ich allerdings nur die Rufe durch den Lautsprecher gehört. Man kann nicht überall sein.

Ferien

Was herrlich, ich habe Ferien! Vier Wochen! Und das sind meine ersten richtigen Sommerferien, denn den letzten Sommer war ich hauptsächlich mit Umziehen beschäftigt.

Gestern war es grau und ich faul. Heute war wieder blauer Himmel und ich immer noch faul. Aber einen kleinen Gang in den Wald habe ich gemacht, und dabei diesen wunderschönen Fischadler vor die Linse bekommen, der über mir seine Kreise zog.

Heute gelernt: 1/400 reicht bei einer umgerechneten Brennweite von 450mm nicht aus, um den Vogel scharf abzulichten. Das nächste Mal werde ich hoffentlich dran denken, eine größere Blende zu benutzen und eventuell schnell noch den ISO-Wert ein bisschen heraufschrauben. Vielleicht gibt es hier ja demnächst noch ein besseres Bild.

Urlaub: Skellefteå

Die ersten 72 Stunden Urlaub mit Sonya:

Sonnenuntergang am Meer · Fischadler über dem See · Lachsfrühstück · Fahrradtour · am Strand liegen · im a****kalten Meer baden · Fotografieren · Grillen · Couscoussalat machen (Sonya) · mit Live-Klaviermusik wecken (ich) · Freunde besuchen · Markt in Burträsk · Sommerwärme · Privatführung in der Kirche mit Schwerpunkt Orgeltechnik · Pause auf der Insel Smedjeholmen · Fika mit Waffeln · kleine Runde mit dem Kanu (Kanadier) · Grillen (geht auch zwei Mal) · Abend mit Freunden · Nachts um halb drei am See · leckeres Frühstück · mit den Hunden toben · mit dem Kanu über den Göksjön zum Sandstrand · im See Baden · die ersten Walderdbeeren · zurück in Skelleftehamn · nochmals im Meer Baden · Kochen. Ich finde, das ist ein guter Anfang.

Mehr schreibe ich jetzt nicht, denn ich hab Urlaub.

Ach ja, Fotos gibt’s auch:

Wieder zu Hause

Nach drei Wochen Norwegen bin ich gestern Nachmittag wieder zu Hause in Skelleftehamn angekommen. Die Rundreise war erlebnisreich und einfach toll, aber dennoch habe ich mich riesig gefreut, wieder zu Hause zu sein.

In der vorigen Nacht habe ich das erste Mal seit langem wieder erlebt, dass es nachts auch dunkel sein kann. Denn die meiste Zeit waren wir in Norwegen eine ganze Ecke nördlich vom Polarkreis unterwegs und hatten Polartag, das heißt, die Sonne ging nicht unter und rund um Mittsommer wird es hier ja auch nicht wirklich dunkel.

Apopros dunkel: Das können meine Bananen auch. Sie sollten eigentlich als Proviant mit, haben aber statt dessen drei Wochen in dem von der nordschwedischen Sonne aufgeheizten Haus herum gelegen.

Apopros aufgeheizt: Die Ostsee ist, wie ich heute beim Baden feststellen konnte, noch ein bisschen wärmer geworden und ich hoffe, dass sie die Wärme noch mindestens bis Mitte September speichert – für die nächsten Besuche.