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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Noch mehr Herbst

Puh, was für eine Woche. Neben und zwischen der Arbeit saß ich drei Mal mit „Gömda men inte glömda“ auf der Bühne und gestern war ich beim „Eldsjäldagen“ in Lycksele, wo ich einen kleinen Vortrag gehalten habe. Eldsjäl bedeutet in der direkten Übersetzung „Feuerseele“ und beschreibt einen Menschen, der für etwas brennt. Auf dem Rückweg sah ich die wunderbare Herbstfärbung in der untergehenden Sonne und heute morgen war ich draußen, um wenigstens ein paar der Herbstfarben noch fotografisch einzufangen, denn gestern war es sehr stürmisch und der starke Wind hat auch so manches grüne Blatt vom Baum gerissen. Nicht mehr lange und die bunten Blätter liegen braun werdend am Boden. Also zeige ich noch drei Herbstfarben und eine Winterfarbe, …

Herbst in SkelleftehamnGelbRotSkoterled

… denn das rote Holzkreuz markiert die Winterwege – hauptsächlich für die Schneeskooter – und der Wegweiser „Skoterled“ zeigt in Richtung Ostsee. In drei, vier Monaten wird hier Winter herrschen und dort wird man wieder mit Schneemobilen über das Eis der zugefrorenen Ostsee fahren. Und bis dahin geniesse ich jede Farbe, die der schwedische Herbst zu bieten hat.

Beam mich ins Weihnachtsland!

Heute um viertel vor sieben war Probe mit dem Kammerchor. Nach zwei wunderschönen Konzerten am Wochenende, an dem wir zusammen mit dem Chor Da Capo das Brahmsrequiem in der Version für Chor und zwei Flügel aufgeführt haben, stand heute die erste Probe für das Weihnachtskonzert auf dem Programm. Und plötzlich singt man von „Christmas time“ und von „Jul“ und „Titta det snöar“ – schau, es schneit!

Ich allerdings war schon seit zwei Stunden in Weihnachtsstimmung, und das lag bestimmt nicht am nasstrüben Wetter, welches jedes Fitzelchen Schnee schon längst wieder in Dreckpfützen verwandelt hat. Nein, ich hatte eine Weihnachtsoffenbarung in Skellefteås Lidl.

Es ist eine kleine Tradition, dass ich dort manchmal vor der Chorprobe Dinge kaufe, die ich sonst in Schweden schwer oder gar nicht bekomme: richtiges Brot (aus deutscher Sicht), Schwarzwälder Schinken, aber auch italienische Antipasti.

Und dann war da dieses Regal. Ein riesiges, breites, hohes Regal. Und darin befanden sich hunderte und aberhunderte Packungen, deren Inhalt den meisten Schweden völlig unbekannt sein dürfte: Lebkuchen! Pfeffernüsse! Oblaten! Spekulatius! Baumkuchen! Eigentlich das komplette deutsche Weihnachtssortiment.

Wie ein Kind im Schlaraffenland stand ich da, den Mund offen, dem Anblick kaum trauend. Und ich musste mich mühsamst beherrschen, nicht säckeweise Weihnachtsleckereien einzukaufen. Nur eine große Tüte Lebkuchen wanderte in meinen Pappkarton.

Und dann der erste Bissen, kurz vor der Chorprobe. Herrlich! Manchmal bin ich mit einfachsten Mitteln sehr glücklich zu machen. Lebkuchen im November gehören mit dazu.

Nach der Probe glitzerten die Straßen. Der Himmel war teilweise aufgeklart und die Straßen glatt. Und zwischen den Wolken konnte man den Mond und einige Sterne erblicken.

Sternenhimmel

Und sonst? Einige werden gemerkt haben, dass ich hier drei Wochen nichts mehr geschrieben habe. Zum einen hatte ich viel um die Ohren, zum anderen schreibe ich über die meisten Themen im neuen Blog way-up-north. Ich werde versuchen, zumindest ab und zu hier zu schreiben, doch von Januar bis März, wenn ich meine große Skandinavienwinterreise mache, werde ich wohl nur das neue Blog up to date halten.

Auf den Kopf gestellt

Eine Freundin ist den ganzen Winter in Neuseeland. Dort steht, wie man schon alles kleines Kind gelernt hat, alles und alle auf dem Kopf.

Auch hier steht einiges auf den Kopf. Ich war die Feiertage über in Süddeutschland, wo es seit einigen Tagen immer wieder schneit und inzwischen Dauerfrost herrscht. Heute fliege ich wieder nach Hause in Skelleftehamn, wo es gestern noch -20 °C hatte. Morgen soll es jedoch warm werden und regnen. Winter im Süden und Tauwetter im Norden, das ist schon ein bisschen doof.

Es ist doof, dass es in Nordschweden so warm ist. Denn dort bin ich die nächsten Tage nicht alleine, sondern drei Freunde aus Deutschland sind bei mir. Denen würde ich schon sehr gerne einen richtigen Nordwinter mit viel Schnee und Kälte präsentieren und nicht Tauwetter mit Regenschauern.

Es ist auch doof, dass es in Mitteleuropa so kalt ist, allem voran in Zürich. Denn während meine Freunde schon am Vormittag den Flieger nach Stockholm genommen haben, stand für mich noch ein Umweg über Zürich im Programm. Doch wegen des Schneefalls in Zürich ist dieser Flug ausgefallen.

Nach ein bisschen hin und her wurde ich zum Ticketservice geschickt. Dort durfte ich dann trotz einer nicht allzu langen Schlange anderthalb Stunden anstehen. Als ich endlich drankam, war es für die einzige Alternative, heute noch nach Hause zu kommen, zehn Minuten zu spät. Die weitere Beratung, wann ich über wo nach wohin fliege und ob vielleicht ein Hotel in Arlanda bezahlt wird, hat auch fast eine halbe Stunde gedauert.

Nun hocke ich hier auf dem Flughafen München, während A schon nach Skellefteå fliegt und C + O wenige Stunden später nachfolgen. Der Nachbar in Skelleftehamn weiß Bescheid und hält den Schlüssel bereit.

Mein Flug geht voraussichtlich in einer knappen Stunde, dann bin ich immerhin schon einmal in Stockholm. Dort geht ich zum Schalter mit Swiss, die zugesagt haben, mir ein Hotelzimmer zu bezahlen. Nach einer Übernachtung werde ich morgen den ersten Flug nehmen und um halb zehn ebenfalls in Skellefteå landen. Wenn alles klappt.

Denn auch hier kommt so manches an Schnee herunter:

„Schneedach“„Schneebesen“„Schneepflug“„Schneeturbine“

München—Stockholm

In einer viertel Stunde ist Boarding time für den Flug nach Hause nach Skellefteå. Da wollte ich eigentlich schon gestern sein aber wegen des Schneefalls war der Flugverkehr gestern ein wenig auf den Kopf gestellt und so bin ich gestern nur bis Stockholm gekommen.

Auch die Maschine nach Stockholm hatte gestern eine Stunde Verspätung, da sich erst wegen des Schneefalls die Gepäckabfertigung verzögert hat und dann das Flugzeug zum Enteisen musste. Auf dem Weg dahin konnte man fast Landschaftsfotografie vom Flugzeug aus machen. Das De-Icing hingegen erinnerte fast an die alten Star-Wars-Filme.

Landschaftsfotografie durchs Flugzeugfenster

Der Flughafen MünchenDeicing

Der Flug selber war ruhig, zuerst schwebten wir über einem bläulichen Wolkenmeer, doch später, als es dunkler wurde, klarte es auf und man konnte auf die beleuchteten Orte und Straßen hinunterschauen. Das Stadtfoto ist kurz vor dem Landeanflug gemacht.

Sonnenuntergang„Nachtflug“

Erst um 19:06 landeten wir. Da die letzte Maschine nach Skellefteå für 17:50 angesetzt war, brauchte ich nicht einmal schauen, ob ich vielleicht doch noch einen Anschluss bekomme. Nach einigem Gerenne im Terminal 5 habe ich aber schließlich, wie schon in München zugesagt, ein Hotelzimmer bezahlt bekommen, sogar mit Abendbrot und Frühstück.

Hamburger im Terminal 5Hotelbadezimmer

Und so konnte ich über dem langen Gang von Terminal 5 zu den anderen Terminals sitzen und meinen bestellten Hamburger essen und danach direkt ins große Bett gehen. Nur warum die Hotelkopfkissen immer halbmeterhoch sind, werde ich nie begreifen. Wer kann mit so etwas schlafen?

Korrigiert wird dieser Artikel später oder gar nicht, denn jetzt steht auf der Anzeigetafel „Go to gate“. Und das werde ich tun. In gut zwei Stunden bin ich zu Hause.

Nordkalottenreise I

Seit 18 Tagen bin ich unterwegs. Auf den Vesterålen war ich, in Tromsø war ich, jetzt bin ich gerade in Abisko.

Über all das schreibe ich im englischen Blog way-up-north.

Einige ausgewählte Artikel:

Oder die ganze Reise: Nordkalotten 2015

Nordkalottenreise II

Hoppla, über drei Wochen ist es schon her, dass ich von meiner Nordkalottenreise zurück bin. Eigentlich wollte ich bis Ostern unterwegs sein, aber zum Schluss hatte ich doch mehr Lust, noch einmal zwei Wochen zu Hause zu sein, ehe ich mich mit Annika und einer Freundin von ihr zur Osterwoche in Äkäslompolo in Finnland zum Skilanglauf treffe. Am früheren Tourende war auch der Winter schuld, der sehr viel Tauwetter und Plusgrade mit sich brachte – Dinge, die ich im Winter nicht haben möchte.

Aber viele schöne Erlebnisse hatte ich dennoch. Hier noch eine kleine Auswahl der englischen Artikel auf way-up-north:

Wer möchte, kann auch alle Artikel am Stück lesen: Nordkalotten 2015 (Das ist eine lange, lange Seite, die braucht ein bisschen zum Laden!)

Jetzt ist keine weitere Reise in Sicht und ich bin erst einmal wieder zu Hause in Skelleftehamn. Auch mal schön, ein eigenes Bett, eine Badewanne und meinen Flügel um mich herum zu haben. Und am Dienstag geht es auch wieder richtig mit der Arbeit los.