Zum Inhalt

Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

Zu den Funktionen

Kanelbullens Dag

Gestern war laut Thementagkalender der Tag des Tieres, der Tag der Fahrgemeinschaften und der Internationale Wodkatag. Wirklich wichtig war gestern aber nur eines: Kanelbullens Dag – Der Tag der Kanelbulle. Diesen Thementag gibt es seit 1999 und er wurde von den Schweden begeistert aufgenommen, schließlich ist die Kanelbulle das vermutlich bekannteste und beliebteste süße Gebäck in Schweden.

Und da ich, als ich am 9.9. beschlossen habe, für zwei Monate auf Süßkrams zu verzichten, selbst gemachten Kuchen aus dem Verzicht ausgeschlossen habe, habe ich gestern auch zugegriffen, als eine Kollegin einen großen Teller selbst gemachter Kanelbullar mitgebracht hat. Lecker! Ich hätte natürlich auch Kanelbullar bei ICA kaufen können, aber erstens kaufe ich ja zur Zeit nichts Süßes und zweitens schmecken die bei weitem nicht so gut.

Selbst gebackene Kanelbullar in der BürokücheKanelbullar bei ICA

Seitdem ich auf Süßigkeiten und Limonaden verzichte, habe ich schon einige Kilo abgenommen. Morgen hätte ich die einmalige Chance, mir das alles wieder anzufuttern, denn da ist „Gräddtårtans dag“ der Tag der Sahnetorte.

Und das schreiben die Blogkollegen:

Meeting in Lycksele

Der klare Himmel, dem ich das Polarlicht der letzten Nacht zu verdanken habe, hat die Lufttemperaturen in Skelleftehamn das erste Mal diesen Herbst der Nullgradmarke angenähert und so habe ich heute morgen zum ersten Mal Eis gekratzt.

Von Skellefteå aus sind wir zum Meeting „Smarta tjänster för din kommun i mobilen“ nach Lycksele gefahren. Das ist etwa zwei Autostunden landeinwärts und liegt in der historischen Provinz Lappland am Umeälven. Auf dem Hinweg lag die Lufttemperatur oft unter Null und alle Laubbäume trugen bunte Blätter oder waren sogar schon kahl. In Skelleftehamn beginnen die Jahreszeiten oft später als im Inland, da die Ostsee die Temperaturen puffert: Die Wärme im Herbst und die Kälte im Frühjahr.

Als Mitfahrer konnte ich in Ruhe hinausschauen und sehen, wie die Straße an großen Seen vorbeiführte, an kleinen Mooren, Sumpfflächen mit raureifbedeckten, braunen Grashalmen, auf Brücken über nebelige Flusstäler und am Horizont sah man die ersten flachen Berge.

In Lycksele selbst war herrliches Wetter und es wurde schnell warm. Vom Balkon des „Hotell Lappland“, in dem Meeting war, hatte man einen herrlichen Blick auf den Fluss. Und wenn man die Feuertreppe herunterging und einmal um die Ecke lief, war man schnell am Umeälven, dessen Ufer aber so steil war, dass ich mich nicht ganz herangetraut habe. Zeit zum Fotografieren hatte ich, denn wenn die Veranstaltung von 10 – 15 Uhr geht, schließt das zweites Frühstück, Mittagsbüffet und natürlich die Fika mit ein.

Nach einem guten, aber auch anstrengenden Meeting haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Noch einmal zwei Stunden. Obwohl ich nicht selber präsentiert habe, sondern nur für eventuelle technische Fragen mitgekommen bin, fühle ich mich jetzt ganz schön müde.

Hinweg: Brücke über den SkellefteälvenBlick über Lycksele und den UmeälvenMitten in Lycksele am UmeälvenRückweg: Gelbes Herbstlaub prägt die Straßenränder

Diffuses Polarlicht

An unusual solar event occurred on Sept 30th. The effects of this event should reach Earth in approximately 24 hours from this message. How large and persistent these effects will be is not known. Watch the „short term forecast“ for the increase in auroral activity that may occur in your sector.

gse-aa mailing list, 1. Oktober 2013

Ach Delle, Du bist einen Tag zu früh aufgebrochen! Beide Vorhersagen hatten recht: Die Polarlichtvorhersage aus Alaska mit ihrem solar event und die schwedische Wettervorhersage mit ihrem Aufklaren. Und als ich heute um halb zwölf draußen stand, um das diffuse, aber sich über den halben Himmel erstreckende Polarlicht zu beobachten, hatte ich noch nicht einmal mein Handy dabei, um Dir eine SMS zu schicken, denn Du bist ja noch irgendwo in Nordschweden auf der Rückreise. Ich hoffe, Du hast auch Polarlicht sehen können.

Heute war ein langer Arbeitstag und morgen habe ich mit Hello Future eine Präsentation in Lycksele im Inland. Deswegen verliere ich keine weiteren Worte, sondern zeige nur ein paar Fotos. Frisch von eben.

Polarlicht über SkelleftehamnPolarlicht über Skelleftehamn

Polarlicht über Skelleftehamn

Das letzte Bild trifft die Farben am Besten, die anderen beiden fand ich extrem schwer zu bearbeiten. Optimiert man auf das Polarlicht, so sind die Pflanzen im Vordergrund blass und kontrastarm. Optimiert man auf die Pflanzen, so ist das Polarlicht zu stark und präsent. Aber da ich auf den Vordergrund fokussiert hatte, habe ich diesem auch den Vorzug gegeben. Das nächste Mal werde ich vermutlich blitzen anstatt mit der Taschenlampe zu leuchten, um die Umschärfe der Blätter im Wind zu minimieren.

Drängsmarks ångsåg

Gestern habe ich früher Schluss gemacht, mich mit Delle, der hier gerade zu Gast ist, ins Auto gesetzt und wir sind ohne Ziel einfach losgefahren. Dabei haben wir nicht nur ein paar schöne Schleichwege gefunden, sondern auch „Drängsmarks ångsåg“, Nordeuropas einziges noch funktionierendes Dampfsägewerk. Die Säge wird vermutlich sowohl durch Wasser als auch durch eine Dampfmaschine angetrieben. Obwohl die Saison schön länger zu Ende ist, waren fast alle Gebäude offen zugänglich und so haben wir uns in Ruhe alles angeschaut.

Hinter dem Teich liegt das Dampfsägewerk

Im Sägewerk – obenIm Sägewerk – untenDie DampfmaschineDas Sägewerk von außen

Der Tag war wieder ein Beweis meiner Faulheit: Ich hatte das Stativ im Auto, aber anstatt es für die dunklen Innenräume einfach zu holen, habe ich die Kamera aufgelegt: Auf ein Stück Holz, ein Geländer, eine Treppe. Bloß bei der Dampfmaschine hätte mir das Stativ nichts genützt, denn da habe ich die Kamera durch ein kaputtes Quadrat eines alten Sprossenfensters gehalten und das war ziemlich eng.

Angeblich sollte es gestern Mittag ja aufklaren, aber bis zum Abend war es dicht bewölkt und so liegt die Landschaft auf meiner gestrigen Herbstaufnahme wieder im Schatten der Wolken.

Blick auf den Kvarnbäck

Links (auf schwedisch)

Långnäset

Kurz und ohne Worte einige Bilder von Långnäset, einer langen, schmalen Landzunge, die weit in den See Burträsket hineinragt. Schade, dass das Wetter recht grau war. Dort war ich gestern mit Delle, der mich hier spontan für einige Tage besucht.

Der längste Binnenstrand Västerbottens – LångnäsetGegenüber liegt das Städtchen BurträskIm Wald ist Pilzsaison. Leider keine PfifferlingeEin alter Baum – wie auf Pfahlwurzeln

Fensterbilder

Kevin schreibt aus Lappland vom ersten Schnee, Annika vom Raureif in Südschweden. Wir hingegen hatten fast den ganzen Tag Pladderregen, der so stark war, dass ich nach der Arbeit keine Lust hatte, mich und die Kamera heute noch groß nassregnen zu lassen. Und so habe ich Fotos von drinnen gemacht. Eher aus dem Bereich Experiment als aus dem Bereich „Mein Leben in Schweden“.

Fensterbild 1Fensterbild 2

Heute Abend kommt ein Freund, der sich ziemlich spontan angekündigt hat (Besuch ist toll!) und ich hoffe, dass ich ihm am Wochenende hier mehr als graues Pladderregenwetter bieten kann.

Der Herbst, der Herbst

Kaum vorstellbar, dass ich vor gerade anderthalb Wochen noch auf der spiegelglatten Ostsee im T-Shirt zur Badestelle gepaddelt bin. Heute morgen empfingen mich dunkle Wolken, aus denen Regen prasselte und Graupel fiel, während kalte Windböen am Haus klapperten.

Das Meer in der nahen Bucht war überraschend ruhig, denn der Wind kam von Norden. An der Lotsenstation gab es hingegen ordentliche Wellen, zumindest für Ostseeverhältnisse. Und dort hockte ich hinter der auf dem Stativ montierten Kamera, sie mit einer Plastiktüte notdürftig vor Regen und Graupel schützend, freute mich über eine warme Jacke mit Kapuze und bereue, dass ich keine Handschuhe dabei habe. Als ich wieder ins Auto stieg, hörte der letzte Graupelschauer auf. Das Autothermometer zeigte 3 °C.

Ostseebrandung

Nachtrag:

Der gleiche Ort, zwölf Stunden später. Anderes Objektiv, anderes Wetter.

12 Stunden später

Herbstspaziergang

Ich habe das Gebiet Vitberget unterschätzt. Nördlich von Skellefteås „Hausberg“ (140m, Skilift) gibt es überraschend schöne Wälder, flechtenbewachsene Felsen, Ausblicke und immer noch viele große Blaubeeren zum Naschen. Und wenn man kurz hinter dem Sendemast steht, kann man auf die weiten Waldflächen nördlich der Stadt blicken. Und man sieht, dass der Herbst Einzug gehalten hat. Nicht nur mit grauen Wolken und kühlen Temperaturen um zehn Grad, sondern auch mit der einsetzenden Laubfärbung der Espen und Birken.

Blick vom Prästfäbodberget

Flechten bedecken die FelsenEine Espe zeigt Gelb

Nachdem ich einmal um den halben Prästfäbodberget gestiegen bin, laufe ich unter den Stromleitungen den Hügel herunter. Dort laufen im Winter die Schneeskooterwege entlang und die Wegweiser zeigen bis ins 130 Kilometer entfernte Umeå. Im Sommer ist man dort alleine, denn die Wege führen über nasses Gelände und jeden Schritt erwarte ich, dass ich Wasser im Stiefel habe. Aber ich habe Glück und bleibe trocken.

Weg unter den Stromleitungen

Wegweiser für SchneeskooterNasser Boden

Teil Zwei des Spazierganges: Hinter dem „Naturstig“ und breiten Bahnen, auf denen Menschen durch den Wald joggen liegt ein Moorsee. Ich finde, Moorvegetation sieht immer ein bisschen herbstlich aus, weil die Moose oft gelblich oder rötlich gefärbt sind.

Am Moorsee

Nach dem MatschgrabenIch wäre gerne noch ein paar Schritte weitergegangen, um den See besser mit aufs Photo zu bekommen, aber dazu ist der Boden zu weich und der Schlamm vermutlich zu tief. Und natürlich passe ich auf – vor allem auf die teure Kameraausrüstung hinten im Rucksack. Auf dem Rückweg, das Moorgebiet liegt hinter mir, trete ich in einen winzigen und vermeintlich flachen Graben und verschwinde mit dem rechten Bein fast bis zum Schritt im Matsch. Soviel zum Thema aufpassen … . Ein Freund von mir hätte vermutlich gesagt: „Es war nur eine Frage der Zeit!“

In drei Tagen ist Bundestagswahl

Heute vor drei Jahren war ich das erste Mal in Schweden wählen. Heute in drei Tagen ist die achtzehnte deutsche Bundestagswahl. Ich werde nicht mit dabei sein, nicht mit wählen.

Warum nicht? Bin ich etwa Schwede inzwischen? Nein, ich bin nach wie vor deutscher Staatsbürger und darf daher an der Wahl teilnehmen. Zur Wahl zum Schwedischen Reichstag hingegen wäre ich nicht zugelassen, da ich kein schwedischer Staatsbürger bin.

Subjektiver WahlzettelBin ich etwa wahlmüde? Ja, ein bisschen schon, denn ich finde, dass die von mir wählbaren Parteien in Deutschland immer mehr ihr Profil verloren haben und sich immer ähnlicher geworden sind. Das macht mir die Wahl nicht leicht, zumal ich heutzutage leider keinem führenden Politiker mehr so wirklich über den Weg traue. Aber ein Grund, nicht wählen zu gehen, wäre das nicht für mich.

Scheue ich mich, vom Ausland aus zu wählen? Ja, auch das ein bisschen, denn ich würde ja durch meine Wahl an einem Prozess teilnehmen, der die Politik eines Landes, in dem ich nicht mehr lebe, mitbestimmt. Und damit über eine Gruppe von Menschen, der ich seit fast dreieinhalb Jahren nicht mehr angehöre.

Das ist zwar eine unbeantwortete Frage für mich, aber auch die gab nicht den Ausschlag, an dieser Bundestagswahl nicht teilzunehmen. Der Grund ist ganz banal: Um als Deutscher aus dem Ausland an der Bundestagswahl teilnehmen zu dürfen, hätte ich bis zum ersten September einen Antrag auf Eintragung in das Wählerverzeichnis stellen müssen. Ich war einige Tage zu spät dran und kann daher dieses Jahr leider zum ersten Mal nicht mitwählen.

Ich weiß nicht so recht, welches Wahlergebnis ich mir wünschen soll, aber eine Sache weiß ich, die ich mir wünsche: Dass alle, die sich entschieden haben, keiner Partei Ihre Stimme zu geben, lieber einen Wahlzettel leer oder durchgestrichen abgeben, als nicht wählen zu gehen. Denn das würde die Wahlbeteiligung (alle abgegebenen Stimmen, auch die ungültigen!) erhöhen und damit ein „Wir wollen wählen, wissen bloß nicht was!“ signalisieren, statt einem „Es ist uns egal!“.

Keine der Pseudoparteien auf meinem Subjektivem Wahlzettel steht für eine einzelne existierende Partei, sondern eher für verschiedene Gruppen von Parteien.

Nächtliche Baustelle

Nach einem Jahr ist der große Kreisel auf dem Weg zwischen Skellefteå und Skelleftehamn fertig geworden. Ich muss immer noch schmunzeln, denn der Kreisel wurde ja gebaut, um den Verkehr an der Kreuzung bei Bergsbyn zu entlasten. Nun, ich finde auch, dass Kreisel praktisch sind, aber ich habe mich immer gefragt, „Ja welcher Verkehr denn?“. Dass man manchmal dort anderthalb Minuten stand, wenn man auf die Hauptstraße wollte? Ihr lieben Skellefteåeinwohner, seid Ihr denn nie in einer richtigen Stadt gewesen und wisst Ihr nicht, was Verkehr ist? Letzte Frage ist natürlich zugleich dumm und arrogant. Arrogant, weil sie versucht, meinen Maßstab der deutschen Rushhour um Köln herum auf das eher beschauliche Nordschweden zu stülpen. Und dumm, weil viele Menschen hier mehr herumkommen als ich. Ich kenne ja eigentlich nur Nordeuropa ganz gut.

Etwas Gutes haben die Baustellen, nämlich Fotomotive. Vor einem Jahr habe ich schon einmal fotografiert, da war man noch ganz am Anfang. Den Bau des Tunnels leider etwas verpasst, aber heute bin ich noch einmal stehengeblieben, um die neugegrabene Unterführung zu fotografieren.

Baustelle bei Nacht – der Ton glitzert im Mondschein

Mit dem Begehen war das allerdings ein bisschen schwierig, denn die Schrägen waren glatt wie Schmierseife und der zähe, schlammige Boden in der Mitte klebte wie Kleister. Als ich meine Fotos gemacht habe, waren meine Gummistiefel bestimmt doppelt so schwer, und ich habe sie in Skelleftehamn in der Ostsee gewaschen, um mir nicht das ganze Badezimmer einzusauen.