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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Die Anreise, Teil 1

Der heutige erste Anreisetag steht wohl unter dem Motto „Immer knapp und dann doch nicht“.

Freunde haben mich mit dem Auto abgeholt. Dann haben wir gelernt, wie viele Staus es morgens in München gibt, so dass ich schon Angst hatte, den Zug nicht zu bekommen. Hat dann aber doch noch geklappt.

In München sind auffallend viele Schweden in den Zug eingestiegen, die alle ihre Flüge nicht wahrnehmen konnten. Wir sind pünktlich abgefahren, doch in einem Tunnel kurz vor Göttingen hat es ein Problem mit einer Bremse gegeben, so dass wir 43 Minuten Verspätung hatten. Damit war schon mal klar, dass der Anschlusszug Hamburg—København weg ist, wenn er nicht wartet. Aber vielleicht wartet er ja, sind ja immerhin so um die hundert Schweden im Zug. Wartet aber nicht. Ich will jetzt nicht alles im Detail aufzählen, also die Kurzfassung:

In Hamburg: warten auf …
… einen eingesetzten Bus Hamburg—Puttgarden. Nette Leute, meine ersten Worte Schwedisch.

In Puttgarden warten auf …
… die Fähre Puttgarden—Rödby. Nette Leute, meine zweiten Worte Schwedisch. Und Englisch.

In Rödby warten auf …
… irgendeinen Zug. Der fährt dann sogar nach København. Nette Leute, Englisch.

In København fährt dann auch direkt ein Zug nach Malmö. Und dieser Zug kommt fünf Minuten später an als mein Nachtzug nach Stockholm abfährt.

Die nette Zugbegleiterin versucht noch den Zug telefonisch zum Warten zu überreden. Vielleicht wartet er ja, sind ja immerhin nur fünf Minuten. Wartet aber nicht. Also sitze ich in Malmö fest.

Nachdem das erste Hotel 2500 SEK haben wollte, sitze ich jetzt in einem netten Einbettzimmer mit WLAN für 1000 SEK. Ich habe ohnehin nur ein paar Stunden Schlaf vor mir, denn morgen geht es um 5:11 nach Stockholm weiter. Und wenn alles gut geht, bin ich morgen um 20:15 in Skellefteå.

Mal schauen, was der zweite Anreisetag so bringt.

Gepackt

Es ist vollbracht, ich habe alles zusammengesucht. Nur der Computer darf noch ein wenig angeschlossen bleiben, bevor er morgen auch in Tasche oder Koffer wandert.

Laut amtlichen Endergebnis habe ich 54-55 Kilo Gepäck (zuzüglich Proviant) dabei, allerdings inklusive der Sachen, die ich anhabe. Da die beiden Koffer sich rollen lassen, sollte sich das morgen gut transportieren lassen. Bloß wenn ein Zug Verspätung hat und ich rennen muss, um den Anschluss zu bekommen, wird‘s ein bisschen sportlich.

Morgen werde ich von guten Freunden mit dem Auto abgeholt und treffe auch noch eine gute Freundin am Bahnhof, da freue ich mich doch sehr. Und dann beginnt die Reise.

Ich gebe zu, „Gepackt“ ist nicht der richtige Titel, immerhin liegt noch alles wild verstreut auf dem Bett herum, aber „Zusammengekramt“ ist jetzt auch nicht soo der tolle Titel für diesen Artikel. Und gleich verteile ich die Sachen dann auch auf Koffer und Tasche. Dann ist das Bett wieder leer und ich kann mich da hereinlegen. Prima!

Nachtrag:

Viertel nach eins: Jetzt ist auch bis auf das Laptop alles verpackt. Der eine Koffer ist mit 24 Kilo sackschwer. Gut, dass man den rollen kann. Die Tasche, die ich auf dem Rücken trage, hat aber dafür nur 12 Kilo. Geht schon … . Den Wecker stelle ich auf 5:45, dann habe ich morgen Ruhe und Zeit, noch mal durch die Regale zu schauen, ob ich wirklich alles Mitnehmenswerte mitgenommen habe.

Morgen geht‘s los

Post-its am Fenster zeigen meine Aufgaben für den letzten TagMorgen Heute ist mein letzter Tag in München, bevor ich am Mittwoch morgen in den Zug nach Schweden steige. Und es gibt noch einiges zu tun. Das kommt davon, dass ich heute gestern eher faul war.

Ich denke aber, dass ich das morgen heute alles gut und stressfrei schaffe. Das Packen braucht wahrscheinlich die meiste Zeit. Weniger stressfrei wird wohl das Umsteigen mit Gepäck übermorgen, denn ich schätze, dass sich in den beiden Rollkoffern und der Reisetasche so um die 50 Kilo Sachen befinden. Und die Koffer und Tasche wiegen zusammen auch nochmal so um die sieben Kilo. Uffs!

Heute Gestern habe ich die letzten Bücherkartons im Keller gesichtet; unglaublich, was sich die Jahre über so angesammelt hat. Auch unglaublich, wie viele Bücher ich über die Jahre nicht vermisst habe. Da werde ich im Juli jede Menge an Oxfam abgeben, vorher aber – vielleicht schaffe ich es morgen heute noch – eine Liste hier einstellen, für alle, die sich vorher das eine oder andere Buch sichern wollen …

Ich habe ein Zimmer

Heute in einer Woche um diese Zeit wache ich wahrscheinlich gerade in meinem Zimmer in Skellefteå auf. Ja, ein Zimmer! Seit gestern weiß ich, wo ich unterkomme. Ein Freiberufler, der auch immer wieder für Artopod arbeitet, vermietet mir einen Raum in seiner Wohnung, und da kann ich die erste Zeit bleiben. Das gefällt mir viel besser als jedes Hotel und günstiger ist es bestimmt auch. Außerdem habe ich, wenn ich nicht alleine wohne, gleich ganz viel schwedische Sprache um mich herum.

Toll, dass sich Leif von Artopod so intensiv um die Unterkunft gekümmert und das Zimmer für mich gefunden hat. Er holt mich nächsten Donnerstag vom Bus ab und abends gehen wir dann mit dem Wohnungseigentümer essen, damit er und ich uns kennenlernen. Einen besseren Empfang kann ich mir nicht vorstellen. Hoffentlich bekomme ich nach 31 Stunden Bahn- und Busfahrt mehr als ein „Äh …“ über die Lippen.

Von der Wohnung zur Arbeit sind es etwa drei Kilometer; ich werde also sehen, dass ich mir möglichst schnell irgendwo her ein Fahrrad leihen kann. Denn meines bekomme ich beim besten Willen nicht in der Bahn transportiert.

Ich bin abgemeldet

Abmeldung bei der MeldebehördeAlso, Ihr Ämter, Ihr verblüfft mich, wie einfach und schnell alles geht. Bei der Meldebehörde abmelden: zwei, drei Minuten. Reisepass abholen: zwei. Änderungen beim Gewerbe: so um die fünf Minuten. Nach siebzig Minuten war ich mit allem durch und da sind die 7,5 Radkilometer vom Bürgerbüro Pasing zum Kreisverwaltungsreferat schon enthalten.

Ausmisten

Zu den Dingen, die ich heute beim Ausmisten im Keller finde, gehören unter anderem:

  • ein Kassettendeck
  • ein Zauberwürfel, eine Zaubertonne, eine Zauberpyramide und so weiter  …
  • ein Brustbeutel aus Leder
  • der Deckel für den Wasserkocher in der Küche
  • viele Computerkabel (SCSI kennt Ihr vielleicht noch, aber Apples serielle Schnittstelle aus Vor-USB-Zeiten?)
  • ein roter Metallfahrradkorb
  • ungetragene Wollsocken
  • Schnüre für Lenkdrachen

Alles schön und gut. Aber warum bitte finde ich so kleine Kästchen, in denen so etwas drin ist?:

Wie kommt man nach Skellefteå?

„Wie kommt man nach Skellefteå?“, das frage ich mich seit einigen Wochen. Mitfahrgelegenheiten auf dieser Strecke finde ich nicht – das wäre ja auch ein riesiger Zufall. Nun gut …

Ein nicht näher genannter Autovermieter bietet an, ein Auto in München zu leihen und in Skellefteå abzugeben. Die dabei anfallende Einweggebühr beträgt allerdings fast 2000 Euro. Nun gut …

Fliegen wäre eigentlich gar nicht so teuer. Für rund 300 Euro kann ich von München (MUC) nach Skellefteå (SFT) fliegen. Allerdings schlägt das Übergepäck, welches ich garantiert reichlich haben würde, mit 11 Euro pro Kilo zu Buche. Nun gut …

Heute bin ich mit dem Fahrrad zum Bahnhof Pasing geradelt. Die erste Überraschung im Reisezentrum erinnert schon sehr an Schweden: Man muss erst einmal eine Nummer ziehen. An Schalter 1 werde ich dann bei dem Stichwort „Schweden“ gleich an Schalter 4 weiter verwiesen. Dort überrascht mich dann der Bahnmitarbeiter mit einer Geschwindigkeit und einem Tarifwissen, wie ich es noch nie erlebt habe. In Sekundenschnelle füllt er Zahlencodes in die Suchmasken, gibt Zwischenbahnhöfe ein, sucht nach günstigen Alternativen und kann mir zum Schluss die Strecke München—Sundsvall für knapp 175 Euro anbieten. Mit Platzreservierungen und Liegewagen. Gekauft!

Zu Hause sehe ich im Netz, dass ich für die sechsstündige Busfahrt Sundsvall—Skellefteå noch umgerechnet etwa 36 Euro zahlen muss, also bin ich für gut 210 Euro dabei. Mit so viel Gepäck, wie ich tragen kann.

Bloß die Frage nach einer möglichen Fahrradmitnahme entlockte dem Tarifprofi nur ein müdes Lächeln, gefolgt von einem leichten Kopfschütteln. Man kann eben nicht alles haben …

Also, am Mittwoch, den 21. April steige ich um 9:15 in München in den ICE und wenn ich alle Anschlüsse bekomme, steige ich am nächsten Tag um 16:15 nach schlappen 31 Stunden Fahrt in Skellefteå aus der Buslinie 100 und bin da.

Und für alle, die es ganz genau wissen wollen:

München Hbf 21.04. ab 09:15
Hamburg Hbf an 14:54
Hamburg Hbf ab 15:25
København H an 20:11
København H ab 21:03
Malmö Central an 21:38
Malmö Central ab 22:48
Stockholm Central 22.04. an 05:56
Stockholm Central ab 06:30
Sundsvall Central an 09:52
Sundsvall Central ab 10:05
Skellefteå busstation an 16:15

Linkseite

Unter https://blog.olafschneider.de/links/ habe ich angefangen, eine kleine Liste mit zum Blog passenden Links zu erstellen. Immer wenn ich etwas interessantes finde, werde ich sie entsprechend erweitern.

Anställningsavtal för tjänsteman

… so heißt mein Arbeitsvertrag auf schwedisch, den ich heute zugemailt bekommen habe. Der ganze Vertrag ist kurz und knapp (zwei Seiten plus eine mit Erläuterungen), beschränkt sich auf das Wesentliche und ist in einfachem Schwedisch verfasst.

Wenn ich mir deutsche Verträge hingegen anschaue, dann frage ich mich, ob das Verfassen von verschachtelten Nebensätzen in deutschen Verträgen einen eigenen Berufszweig darstellt.

In diesem Fall geht der Punkt ganz klar an Schweden.

Organisieren, Teil 1

Natürlich muss man irgendwann auch mal einen Umzug planen, wenn man von Deutschland nach Schweden möchte, vor allem aber muss man mit der Meldebehörde, der Krankenkasse, der Gewerbebehörde, dem Finanzamt, der IHK und vielen anderen sprechen.

Das Tolle ist: Alle sind freundlich, kompetent und hilfsbereit. Das macht die Organisation doch recht einfach und entspannt. Das einzig störende ist, dass man sich in Deutschland nicht zu einem Zeitpunkt in der Zukunft abmelden kann. „Ich möchte mich zum 30. April in Deutschland abmelden“ gibt’s nicht. Schade eigentlich.

Vielen Dank schon einmal an die vielen Damen und Herren, die mir die Bürokratie doch recht leicht machen. Weiter so …

Jetzt warte ich noch auf eine schwedische Adresse, unter der ich erst einmal erreichbar bin, dann kommt die Abmeldung in Deutschland und die Anmeldung in Schweden dran.