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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Die Morgenzeitung

Heute morgen ist der Artikel über mich ich in der Zeitung erschienen. Daniel, der Redakteur hat sich ins Zeugs gelegt und fast eine ganze Seite vollbekommen  – ziemlich viel dafür, dass ich keinen Nobelpreis gewonnen, keinen Pop-Star geheiratet und auch keine Drogen verkauft habe. Auch wenn mir der Artikel ziemlich egal ist, eine Zeitung für meine Eltern und eine als Andenken habe ich doch gekauft.

Was ist sonst heute noch passiert? Ich habe ein Bankkonto eröffnet. Dazu habe ich ein kleines Gerät erhalten, welches Transaktionsnummern für das Onlinebanking generiert. Ich bin gespannt, wie lange ich für die erste Überweisung brauche, denn der Prozess ist doch recht aufwändig.

Dann habe ich zum ersten Mal in einem Meeting zu einem auf schwedisch formulierten Problem auf schwedisch etwas gesagt. War ich stolz! Den Rest habe ich dann leider wieder kaum verstanden, aber das wird schon. Hoffe ich.

Und – hurra! – ich habe ein Leih-Fahrrad. Das alte Mountainbike von Jonas ist mit geflickten Reifen und reparierten Bremsen aus der Werkstatt zurück und ich konnte nach Hause radeln. Toll! Ich habe dann auch gleich die eine Straße verpasst, weil ich viel schneller als zu Fuß war. Und ich weiß jetzt wieder, wofür ich aus München Handschuhe mitgenommen habe (Skellefteå: 3.2 °C).

Personennummer

Heute habe ich Post vom Skatteverket bekommen. Ich habe eine Personennummer! Ab jetzt kann ich wie jeder Schwede auch ein Konto eröffnen, einen Telefonanschluss bekommen und habe es auch leichter, eine Wohnung zu mieten. Zusätzlich kann ich nun an den kostenlosen Schwedischkursen (SFI – Svenska för invandrare) teilnehmen und damit endlich richtig beginnen, Schwedisch zu lernen. Genial!

Fotos vom 2. Mai

Das Wetter wurde schließlich doch noch besser und ich habe einfach mal ein paar Bilder gemacht. Ohne Kommentar.

Die Bilder kann man (wie immer) per Mausklick vergrößern. In der vergrößerten Ansicht blättert ein Klick auf die linke Hälfte rückwärts und einer auf die rechte Hälfte vorwärts.

Na gut, doch noch ein paar Kommentare:

  • Beim Grillen kann man sich aussuchen, ob man im Nassen sitzen oder die Bänke aus dem Schnee ausbuddeln möchte.
  • Im Tal fließt das Wasser überall. Im Bach, auf dem Weg, unter der Brücke, über der Brücke, unter und über dem Schnee.
  • Die tolle Tankstelle steht drei Häuser weiter. Immer gut, eine Tanke in der Nähe zu haben.

Der erste Mai …

…ist mal so ziemlich ins Wasser gefallen. Das schöne Wetter der ersten Woche hat sich gestern schon mit leichtem Schneefall bei Temperaturen knapp über null verabschiedet. Vor allem die Nacht war dann ganz schön ungemütlich nass-kalt. Wie Winter in Essen … . Der Schnee von gestern ist dann heute in Regen übergegangen und so habe ich meinen geplanten Fotoausflug lieber ausfallen lassen. Vielleicht morgen …

Gestern, am 30. April wurde Valborgsmässoafton, die schwedische Spielart der Walpurgisnacht gefeiert, bei der überall große Feuer entzündet werden. Da ich aber Lasse und Martine zu einer Einladung eines befreundeten Pärchen begleiten durfte und das total nett war und – habe ich schon das Wetter erwähnt – es drinnen doch sehr gemütlich war, haben wir die Feuer verpasst. Frischluft haben wir drei dann aber doch noch bekommen, als wir nach Hause gelaufen sind, weil partout kein Taxi zu bekommen war.

Der Vitbergsbacken, der hiesige Skihügel sah heute bei dem trüben Wetter doch sehr trostlos aus. Die Weidenkätzchen zeigen aber, dass der Frühling nicht mehr weit weg ist.

Falls von Euch jemand demnächst in Schweden eingeladen ist, so lerne er schon einmal folgendes Trinklied auswendig:

Helan går
sjung hoppfaderallanlallanlej,
helan går
sjung hoppfaderallanlej.
Och den som inte helan tar
han heller inte halvan får.
Helan går
sjung hoppfaderallanlej!

Die Presse

Am Dienstag waren Leute von Norran, der lokalen Zeitung Skellefteås da, um mich zu interviewen und zu fotografieren. Sie finden es wohl interessant, dass ein Deutscher nach Skellefteå kommt, um hier zu arbeiten. Nach einem kurzen Interview hat der Journalist dann beschlossen, heute mit mehr Zeit noch einmal wiederzukommen.

Mehr Zeit heißt zum einen ein kurzes Fotoshooting am Vormittag bei bestem Wetter, erst vor einem der Holzhäuser in der Bonnstan, dann auf der Lejonströmsbron, der ältesten Holzbrücke Schwedens, die 1737 erbaut wurde. Ich muss zugeben, dass ich schon ein bisschen zusammenzucke, wenn der Fotograf keine Verschlusskappen auf den Objektiven hat und die Linsen mit dem T-Shirt sauber reibt.

Mehr Zeit heißt zum anderen dann ein neunzigminütiges Interview auf Englisch nach der Arbeit. Ich frage mich, was der junge Journalist mit den vielen Seiten Notizen anfangen will. Leider wird durch den intensiven Kontakt mit der schwedischen Sprache mein Schwedisch nicht besser, wohl aber mein Englisch schlechter. Aber ich werde bestimmt bald lesen können, was ich gesagt habe.

Heute vor einer Woche

Heute vor einer Woche war ich noch in Deutschland und stand kurz vor der Abreise. Ich habe den Eindruck, als sei das schon Ewigkeiten hier. Dabei ist hier alles noch neu für mich:

Die unterschiedlichen Wege von meinem Zimmer zur Agentur, das neue Android-Handy, welches ich von Artopod bekommen habe, der Bibliotheksausweis für die große, zweigeschossige Stadtbücherei und natürlich lange noch die Sprache. Und nachdem ich vorgestern an meinem ersten Arbeitstag wie immer den ganzen Tag lang installiert und Zugänge eingerichtet habe, war es richtig schön, gestern die ersten Umsetzungen zu machen. Ich bin immer froh, wenn diese ganzen Vorbereitungen vorbei sind und ich einfach was machen kann.

Skellefteå zeigt gerade, dass es weiß, wie Frühling geht. Der Schnee schmilzt rapide, Krokusse, Narzissen und Zilla blühen, die Sonne scheint und wenn es nicht gerade windig ist, ist es auch warm. Nächstes Wochenende kann ich wahrscheinlich im Wald wandern, ohne bis zu den Knien im Altschnee zu stecken. Man sieht aber auch die Schäden: Hier eine zerstörte Holzbrücke, dort ein Vordach, welches unter den Schneemassen zusammengebrochen ist. Die Wiesen sind noch patschnass, aber im Zentrum ist bis auf ein paar dunkelgraue Schneehaufen vom Winter nichts mehr zu sehen. Auch schön!

Bjuröklubb und Surströmming

Nach einem ausgiebigen Frühstück – nennen wir es einfach Brunch – mit Spiegelei und Speck, gegrillten Tomaten, einer Art Eier-Käse-Auflauf und einem herrlichen grünen Tee haben Lasse, Martine und ich einen Ausflug mit dem Auto gemacht. Erst waren wir in Skelleftehamn, dem vorgelagerten Hafenstädtchen, welches 17 km weit entfernt an der Ostsee liegt. Teilweise ist das Meer schon eisfrei, an manchen Stellen ist es aber auch noch komplett mit Eis bedeckt. Dieses sieht aber schon ganz schön dünn aus, lange wird es nicht mehr dauern, bis das Eis weg ist.

Danach sind wir 4 Meilen südwärts nach Bjuröklubb gefahren, eine weit in die Ostsee ragenden Landzunge, auf der man fast bis nach Finnland herüberschauen kann. Die einzigen, die wir getroffen haben, waren ein Pärchen, welches vor dem Leuchtturmhäuschen eine Pause von ihrer Skitour(!) machte, ein sehr schneller Jogger und fünf Seidenschwänze, die in den Birken herum hüpften.

Abends gab es dann Surströmming, ein Gericht, bei dem sich wohl auch die Schweden streiten, ob es eine Delikatesse oder ungenießbar ist. Surströmming besteht im Grunde aus vergorenem Hering und das herausragende Merkmal ist der extreme Geruch, den dieser verbreitet. Deswegen macht man die Dose auch draußen auf. Aus dem Hering werden dann die Innereien heraus gedrückt und die Gräten entfernt. Das, was dann noch übrig geblieben ist, isst man mit Tunnbröd, zerstampften Kartoffeln, Zwiebeln, Sauerrahm und Dill als Sandwich. Dazu gibt es Bier und Schnaps. Letzterer wird mit Helan går, einem Trinklied begleitet. Surströmming werde ich jetzt nicht jede Woche begeistert essen, aber das ganze schmeckte wesentlich besser, als die vielen Horrorstories vermuten ließen.

Mein erster Tag

Zu Fuß sind es etwa drei Kilometer von meinem Zimmer in die Stadt. Keine Entfernung, wenn die Sonne aus einem strahlend blauen Himmel scheint und ich ziehe ganz schnell meine Jacke aus, weil es so warm ist. Beim Weg in die Stadt bin ich kurz beim ICA eingebogen um ein bisschen Frühstück zu kaufen. Danach bin ich am Skellefteälven ins Zentrum gelaufen. Der Fluss war im Februar noch komplett zugefroren. Nun fließt Wasser, die Krokusse blühen, Schmetterlinge flattern umher – der Frühling ist da.

In der Stadt war ich im Buchladen, um Karten von der Umgebung zu kaufen. Einen Stadtplan hat es auch gegeben. Dann war ich lange im überraschend großen Antiquariat, wo ich tatsächlich „Bilbo, en Hobbits äventyr“ gefunden habe. Das Buch hatte ich im Urlaub im Februar geliehen und kann es jetzt zu Ende lesen. Um halb zwei war ich bei Artopod und wir haben ein paar erste Dinge geklärt. Ein MacBook Pro steht schon bereit, die (deutsche) Tastatur bringe ich mit und als Telefon bekomme ich wohl ein Android. Mein erstes Projekt kenne ich auch schon ein bisschen. Gut die Hälfte haben wir schon auf Schwedisch gesprochen und wenn ich mich sehr konzentriere, verstehe ich doch so einiges. Das hat sich dann allerdings bei der Fika – der schwedischen Kaffeepause – geändert, als zehn Kollegen aus der Bürogemeinschaft munter durcheinander geplaudert haben. Das wird noch ein Weilchen brauchen, bis ich da mitkomme, aber ich bin ja froh, dass nicht die ganze Zeit englisch geredet wird und ich so die Sprache lernen kann.

Danach war ich beim Skatteverket wo ich als erstes natürlich eine Wartenummer gezogen habe. Dann musste ich aber nur einige Minuten warten, um dann auf Anders zu treffen, der für mich die Formulare ausgefüllt hat, die ich brauche, damit ich eine Personennummer bekomme. Und die bekomme ich wohl in so zwei, drei Wochen.

Die Personennummer ist entscheidend, um irgendwelche Verträge abzuschließen. Ob Telefon, Bankkonto, Miete oder was auch immer, man braucht seine Personennummer. Und da ich die auch für die SFI-Kurse (Svenska för invandrare = Schwedisch für Einwanderer) brauche, freue ich mich, wenn sie bald da ist.

Ich bin langsam zurück geschlendert und habe mich erst einmal eine Stunde hingelegt. Danach war ich noch zwei Stunden die Umgebung erkunden und habe meine Schneeschuhe vermisst. In den Wäldern liegen nämlich noch gut 40 cm fester Altschnee und bei jedem dritten Schritt bricht man durch, manchmal bis weit übers Knie. Für die wunderschöne Landschaft, die sich hier gleich hinter dem Haus anschließt, hat sich der anstrengende Gang aber gelohnt. Allerdings kann es im Moor schon ganz schön nass sein …

Ankunft

OK, ich mache es kurz. Ich bin angekommen. Ich bin angekommen. Angekommen. Ich bin angekommen. Angekommen!

Der Umstieg in Umeå ging problemlos und ich brauchte nur noch zwei Stunden Landschaft an mir vorbeiziehen lassen, eh ich in Skellefteå am Busbahnhof ausgestiegen bin. Nach neun Mal Umsteigen. Leif von Artopod hat mich abgeholt und wir haben zu sechst Abendbrot gegessen: Drei Artopodler, Meine Gastgeber und ich.

Hat das gut getan zu sitzen und etwas zu essen, was weder Keks, noch Brot, noch Schokolade ist. Bloß zum Englisch reden war ich fast zu müde und dabei sind alle so nett. Aber egal, ich bin ja erst einmal hier; war ja nicht das letzte Gespräch.

Jetzt sitze ich in einem schönen Zimmer* noch kurz am Computer und lasse meine Haare trocknen (Dusche, nicht Regen) und falle dann ins Bett.

*Schönes Zimmer = Nette Gastgeber × ( WLAN + Wald hinterm Haus + großes Bett + Ruhe + …)

Morgen mehr.

Die Anreise, Teil 2

„Umeå 67 km“ sagt das Schild am Straßenrand.

Also wenn ich schon die einmalige Gelegenheit habe, im Bus nach Umeå kostenloses WLAN zu haben, dann schreibe ich auch mal, wie es weiter gegangen ist.

Um 4:20 hat mich der Wecker aus dem Schlaf geklingelt. Ich habe mich angezogen, meine Sachen zusammengepackt und bin zum Bahnhof gelaufen, der zum Glück gleich um die Ecke ist.

Nach Stockholm wollte ich ja eigentlich mit dem Nachtzug und hatte eine Fahrkarte mit Zugbindung. Als die Zugbegleiterin aber Teile meiner Reisestory gehört hat, hat sie direkt einen Haken gemacht und die Fahrkarte für gültig erklärt.

Aber fast schäme ich mich, die Fahrt aus München als lang zu bezeichnen. Eine Familie mit zwei kleinen Jungen wollte nach Uddevalla nördlich von Göteborg, sie kamen aus Rom. Hinter mir im Bus sitzt gerade eine Frau mit Tochter, die schon Tage aus London unterwegs sind und nach Hause wollen. Das ist irgendwo in Nordnorwegen zwischen Narvik und Tromsø. Da hab ich es doch eigentlich ziemlich gut.

In Stockholm habe ich meine Vorräte aufgefüllt, eine neue Fahrkarte abgeholt (ging problemlos) und auf den Zug nach Sundsvall gewartet. Nach einigen Malen Umsetzen habe ich auch Platz gefunden, obwohl der Zug ausgebucht war. Glück gehabt. Allerdings gab es eine Signalstörung und dann haben wir den Rest der Strecke sämtliche Gegenzüge durchgelassen und sind so mit 30 Minuten Verspätung in Sundsvall angekommen. Und ratet Mal, wer schon weg war. Richtig, der Bus 100 nach Skellefteå.

Aber es stand schon ein Ersatzbus nach Umeå bereit und mit ein bisschen Glück erreiche ich sogar noch die Buslinie 100 in Umeå und komme nach Plan 2 um viertel nach acht in Skellefteå an. Zwischendurch haben wir noch einen fliegenden Wechsel in einen anderen Bus gemacht, so dass ich verkürzt schreiben kann:

München | Auto · Zug · Bus · Fähre · Zug · Zug · Hotel · Zug · Zug · Bus · Bus · Bus | Skellefteå

Drückt mir die Daumen, dass es so bleibt.

Fotos und Reiseeindrücke gibt‘s später. Jetzt will ich erst einmal nur noch ankommen.