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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Nörd-Degerberget

Am Freitag Abend sind eine Freundin und ich gemeinsam zum Nörd-Degerberget gefahren, der mit seinen 217 Metern groß genug ist, um einem eine herrliche Sicht über das ganze Umland zu geben. Der Anstieg war nicht schwer, aber spannend, weil man durch riesige Granitblöcke durchsteigen musste. Wer lieber klettert, kann sich natürlich auch an der südöstlichen Steilwand versuchen.

Schon bald waren wir oben und hatten wie erwartet einen herrlichen Blick über das Land, die Wälder und einige Seen. Am östlichen Horizont konnte man das Meer erahnen. Nur die sieben Kirchen, die man laut einer alten Beschreibung vom Berg aus sehen können soll, blieben uns verborgen. Vielleicht waren damals die Bäume in den Wäldern noch kleiner. Wer weiß.

Trotz des sehr warmen Wetters haben wir auf dem Berg ein Feuer gemacht, hauptsächlich um zu grillen. Der erste Gang: Würstchen im Hafer-Dinkel-Teigmantel, der zweite Gang: gedünstete schokoladengespickte Banane. Beide Rezepte stammen von Elisabet, die leider ziemlich von Knott umlagert und gebissen wurde. Ich blieb rätselhafterweise unbehelligt. Nachdem wir sehr sorgfältig das Feuer gelöscht haben, sind wir im Licht des späten Sonnenunterganges abgestiegen und mit dem Auto zurückgefahren. Genau um Mitternacht war ich wieder zu Hause und es war noch immer/schon wieder hell.

Knott ist eine Mückenart, die wie die Stechmücke gerne vom menschlichen Blut nascht. Allerdings beißt sie eher, als dass sie sticht und das tut ziemlich weh. Wegen eines Stoffes, der die Gerinnung verhindert, können die Bisse blutende Stellen und blaue Flecke verursachen.

Sommerwoche

Ich sitze in meinem Haus und alle Fenster und Türen sind geöffnet. Denn über Nacht hat sich kühleres Wetter mit Wolken und Regen angeschlichen. Gestern wurden am Flugplatz noch 30 Grad gemessen, heute morgen um halb zehn sind es gerade noch zwölf. Ich bin ehrlich gesagt gar nicht so böse, denn gestern hatte ich auch im Wohnzimmer 28 Grad (im Wintergarten sogar 35) und ich freue mich, wieder etwas angenehmere Temperaturen in die Zimmer zu bekommen.

Aber schön ist es, wenn man unter dem duftenden Flieder – endlich, endlich blüht er – sitzen und lesen kann, während am klarblauen Himmel die Möwen kreischen. In der Nachbarschaft ist es ruhig, die meisten sind wohl in Ihren Sommerhäusern. Am kleinen Strand von Storgrundet war gestern Betrieb, das heißt, etwa fünf Personen saßen dort und drei Jugendliche planschten im Wasser. Und zum ersten Mal setzen bei mir keine Fluchtreflexe ein, als ich Baden ging, denn nun war das Wasser einfach erfrischend und nicht nur schweinekalt wie noch vor ein paar Wochen.

Abends habe ich erst mit ein paar Leuten gegrillt und dann haben wir in der Bonnstan Kubb gespielt.

Bonnstan ist das Kirchendorf in Skellefteå. In dessen kleinen Holzhäusern konnten früher die Bauern übernachten, wenn der Weg zur Kirche zu weit war, um an einem Tag hin und zurück zu reisen. Man vermutet, dass das erste Kirchendorf in Skellefteå um 1600 entstand. Heute kann man die Häuser als Sommerwohnung mieten.

Kubb ist ein Spiel mit zwei Mannschaften, die mit Holzstöcken Holzblöcke umwerfen müssen. Diese Blöcke werden zurückgeworfen um wieder umgeworfen zu werden. In der Mitte steht der König. Verwirrt? Kein Problem, denn ein größerer Teil des Spiels wird von der Diskussion der Regeln eingenommen.

Erster Erfolg stellt sich ein: Jetzt habe ich angenehme 22 Grad im Wohnzimmer und ich mache mal schnell Fenster und Tür zu, denn sonst ist der Flügel beleidigt.

Ryssvärme

Ryssvärme – So heißt das auf schwedisch, wenn von Russland warme kontinentale Luft nach Schweden gelangt. Und dann ist es plötzlich warm bis heiß. Skellefteå war gestern beim SMHI – dem schwedischen Wetterinstitut – mit 28.8 °C Maximum auf Platz vier von Schwedens wärmsten Orten. Auch heute Mittag waren es wieder über 25 Grad. Wir saßen barfuß draußen am Fluss und haben Lunch gegessen und es ist überhaupt nicht vorstellbar, dass vor dreieinhalb Monaten hier die Temperaturen unter -25 °C lagen.

Fährt man mit dem Rad von Skellefteå nach Skelleftehamn, dann kommt man fast sicher an einem Kiosk in Bergsbyn vorbei, der legendär für sein Softeis ist (Hier ist Eis immer Softeis, denn Italien ist weit weg) und zwar nicht nur für den Geschmack, sondern auch für die Portionen. Heute habe ich das erste Mal Eis gekauft und, obwohl ich von den großen Portionen schon gehört habe, dennoch leicht ungläubig gefragt, ob dies denn wirklich die kleine Waffel sei. Zum Softeis sucht man sich eine Soße oder Streusel aus, von eher traditionellen Dingen wie Erdbeersoße bis hin zu für Mitteleuropäer eher ungewohnten Zutaten wie Salmiaklakritzkrümel.

Ich habe mein Fahrrad erst einmal geschoben und Eis gegessen, Eis gegessen und Eis gegessen.

Gleich fahre ich an die Ostsee und springe ins Wasser, aber erst wenn ich das Softeis verdaut habe. Und das kann noch ein paar Minuten dauern …

Sommer

Und plötzlich ist es warm. 25 °C. Blauer Himmel. Alle essen draußen. Mittag oder Eis. Und sonnen sich. Von der Wasserfontäre weht ein bisschen feuchte Luft herüber. Und erfrischt.

Nur die Blaskapelle (NB: Wer hat bloß dieses Arrangement von Birdland verbrochen!) auf dem Marktplatz muss arbeiten. Ich nicht. Ich hole mir Sushi und setze mich zu den anderen an den Fluss.

Das vorherrschende heutige Thema: Früher Feierabend. Die Ostsee zum Baden habe ich nachher wahrscheinlich doch für mich allein. Selbst schuld, die anderen.

Entschuldigt die Bildqualität. Die Photos stammen vom iPhone und der Bildschirm im Büro kann so manches, aber keine Farben

Nachtrag:

Später stieg die Temperatur auf 27 °C und nur ein kleiner Regenschauer am Abend hat etwas abgekühlt, ehe es wieder aufklarte. Die Ostsee hat inzwischen 17 °C und ich fühle mich auch eine halbe Stunde nach dem Baden noch herrlich frisch.

O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn …

… schrieb Annette von Droste-Hülshoff 1841/42. Das sehe das allerdings etwas anders. Ich liebe diese Landschaften mit ihren eigenen Farben und dem schwankenden Boden. Und das glucksende Geräusch, das entsteht, wenn man seinen Stiefel wieder aus dem Schlamm zieht, kenne ich ja noch von verschiedenen Wattwanderungen an der Nordsee.

Als ich heute morgen gesehen habe, wie stürmisch es auch heute wieder ist, habe ich die Idee mit der Fahrradtour schnell wieder verworfen. Statt dessen habe ich mich heute Nachmittag ins Auto gesetzt und bin zu einem Gebiet etwa 8 km nordwestlich gefahren, welches in der Karte als Sankmark, also Sumpfgelände gekennzeichnet war. Und richtig, als ich sich der Wald öffnete und den Blick auf eine offene Fläche freigab, konnte man erkennen, dass es dort ziemlich nass aussah. Aber eine nasse Wiese macht ja noch kein Moor.

Ich bin kein Biologe, aber neben Wollgras, was sich überall wohlfühlt, wo es feucht ist, verbinde ich eine Pflanze speziell mit dem Moor, und das ist Sonnentau – eine fleischfressende Pflanze. Während man schon von weitem sah, wie das Wollgras vom Wind durchgepustet wurde, musste man für Sonnentau ein bisschen genauer schauen, da er bevorzugt direkt auf dem torfigen Schlamm wächst und auch nicht sonderlich groß ist. Leider war es durch den böigen Wind nicht einfach, zu fotografieren, aber ich will mich nicht beschweren, denn so gab es auch keine Mücken.

Wichtig war, dass die Kamera sauber und trocken blieb. Deshalb habe ich sie nach jedem Foto direkt wieder in ihre wasserdichte Kameratasche von Ortlieb zurück gepackt. Ich hingegen sah nach den Sonnentaufotos aus wie Sau, denn ich habe bis zum Knie im Schlamm gestanden. Als ich zu Hause war, habe ich die Klamotten erst mal mit dem Gartenschlauch abgespritzt, um sie vom gröbsten Dreck zu befreien. Und mich abends schön in die Badewanne gelegt.

Sommernacht

Heute wollte ich um halb zwölf das Licht aus und die Augen zu machen und schaue noch mal kurz aus dem Fenster. Drei Minuten später sitze ich im Auto und fahre die kleine Straße zum nächsten See, um den Sonnenuntergang zu fotografieren. Jetzt ist es kurz vor zwei, ich sitze müde am neuen Rechner, und draußen ist es schon fast wieder hell.

Das Fotografieren war eine ziemlich nasse Angelegenheit, zumindest für mein linkes Bein. Ich bin nämlich mit der Neoprenwathose ein paar Schritte in den See gegangen, um dann festzustellen, dass das linke Hosenbein einen riesigen Riss unterhalb des Knies hat. Schade, so alt ist sie eigentlich noch gar nicht, aber zum Flicken ist der Riss wahrscheinlich zu groß.

Degeröberget

Heute war ich auf dem Degeröberget, knapp 4 km Luftlinie westlich von mir und habe mit meinem Makro (Tamron 90mm 1:2.8) fotografiert.

Wie immer gilt: Ein Klick auf ein Foto vergrößert es. Man kann vor- und zurückblättern, indem man auf die Pfeilsymbole klickt oder die Pfeiltasten der Tastatur benutzt.

Dann habe ich mein Standardobjektiv wieder draufgemacht, um einen Blick vom Berg auf den Fluss zu fotografieren. Da ich mein Weitwinkel nicht dabei hatte, habe ich acht Fotos gemacht, die Photoshop zu einem Panorama zusammengesetzt hat.

Noch zwei weitere Fotos, die auf dem Umweg nach Hause entstanden sind:

Aber dass der Trauermantel auf dem Degeröberget so schnell weggeflogen ist, nehme ich ihm immer noch ein bisschen übel. So ein schöner Schmetterling.

Drei Tage

Montag

Nach der Arbeit gehe ich zu Freunden und Martin gibt mir die vierte Kochstunde. Wir machen Schweinefleisch mit Zwiebelsoße und Salzkartoffeln. Ich bekomme dann immer das Lob für das Essen, aber ohne die Anweisungen Martins wäre es nur ein Zehntel so gut.

Danach fahren wir zu mir und machen ein bisschen Musik. Martin singt und wir haben in zwei Wochen einen ersten kleinen Auftritt. Das Repertoire besteht aus verschiedenen schwedischen Liedern.

Dienstag

Am Abend fahre ich nach Ursviken zum Kanuklub, wo ich zu einem Schnupperkurs Kajak angemeldet bin. Leider lernen wir in der Zeit nicht mehr, als das man das Paddel locker mit beiden Händen hält und wie man einsteigt. Dann machen wir eine Drei-Kilometer-Tour flussaufwärts. Ich habe schon ein-, zweimal in einem Kajak gesessen und es ist schön, wieder auf dem Wasser zu sein. Nur das Kajak könnte ein bisschen größer sein, ich passe kaum herein.

Ich bin das erste Mal wirklich auf die blöden Parasiten im Wasser sauer. Ihretwegen hat nämlich das Hallenbad in Skelleftehamn geschlossen. Und deswegen kann der Verein dieses Jahr keinen Kajakkurs anbieten. Und draußen ist das Wasser noch zu kalt, um dauerhaft Übungen zu machen, bei denen man die halbe Zeit im Wasser hängt. Mist!

Mittwoch

Um zehn hatte ich einen Termin beim Finanzamt. Ich möchte parallel zu meinem Angestelltendasein auch selbständig arbeiten, hauptsächlich in den Bereichen Musik und eventuell Fotografie. Das ganze ist eigentlich recht einfach, aber ich war froh, eine geduldige Beraterin zu haben, die sich auch durch mein „Det förstår jag inte“ – das verstehe ich nicht nicht aus der Ruhe bringen konnte.

Mittags habe ich mich mit Martiné, Lasse, Jarkko und Mikael getroffen, mit denen ich im Februar den Winterschwimmwettbewerb in Finnland besucht habe. Wir haben über die „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ gesprochen, die sich zum Ziel gesetzt hat, besondere Konzepte, in denen die Kälte und Dunkelheit des Winters eine Rolle spielt zu entwickeln. Auf deutsch heißt der Verein in etwa „Verein für die frohen/fröhlichen Freunde von Kälte und Dunkelheit“.

Abends war ich zwei Stunden mit Rasenmähen beschäftigt. Unfassbar, wie das Gras in den knapp zwei Wochen seit dem letzten Mähen schon wieder gewachsen war. Drei gehäufte Schubkarren habe ich in den Wald gefahren, wo alle Bewohner einen gemeinsamen Kompostplatz haben. Ich mag es ja auch gerne, wenn das Gras länger ist, aber das mögen die Mücken auch. Der Rasenmäher und die Nachbarn hingegen weniger.

Als ich mit meiner Arbeit fertig war, ging die Arbeit im Hafen aber noch weiter. Dort liegt die Ocean Adventure, die in den nächsten zwei Tagen entladen wird. Einige Tage vorher hat das Unternehmen Kuusakoski Recycling knallrote Zettel in die Briefkästen geworfen, auf denen genau steht, was passiert und dass man willkommen ist, bei Fragen anzurufen.

Donnerstag

Heute ist frei. Wie schön. Deswegen zähle ich heute auch nicht zu den drei Tagen mit dazu.

Bergtour

Heute war ich mit einer Freundin auf dem Falkberget, einem Berg 2 km südwestlich vom Stadtzentrum Skellefteås. Liebe Münchner, lacht nicht, wenn ich Euch erzähle, dass der Berg (laut Karte) 147,2 Meter hoch ist. So ein „Hügel“ kann es natürlich nicht mit den Alpen aufnehmen, aber man kann es auch so sehen: Das direkte Umland Münchens ist flacher.

Und dieser Berg ist zumindest auf seiner Nordseite ganz schön schroff und nur durch klettern zu besteigen. Wir haben dann die Südroute genommen … . Von oben hatte man Blick auf ganz verschiedene Landschaftstypen: Schaut man auf dem von Granitfelsen geprägtem Berg in Richtung Norden, so hat man Blick auf den See Falkträsket mit seiner kleinen Badebucht und dahinter auf die Stadt. Schaut man in Richtung Süden, so sieht man Wald und noch mehr Wald. Und in Richtung Osten konnte man trotz des trüben Wetters die Ostsee sehen.

Falkberget hat zwar kein Gipfelkreuz, aber eine große Holzpyramide, die die höchste Stelle markiert. Wir haben uns einen Aussichtsplatz gesucht, heißen Tee getrunken und Kekse gegessen. Leider war es die ganze Zeit grau und hat es etwas geregnet. Und es war so windig und kalt, dass ich seit das erste Mal seit Monaten kalte Finger hatte.

Ich hoffe, dass das Wetter wieder besser wird, denn die nächsten zwei Wochen haben zwei röda dager (rote Tage = offizielle Feiertage) zu bieten. Viertagewochen sind doch etwas Herrliches. Da könnte ich mich dran gewöhnen.

Regen

Nach einer windigen, aber eher schönen Woche hat es heute Nachmittag angefangen zu tröpfeln, dann ein wenig zu nieseln, und dann zu regnen. Jetzt, abends um halb elf, pladdert es und es sind nur noch fünf Grad. Muss halt auch mal sein und die Pflanzen freuen sich. Obwohl die Sonne noch nicht untergegangen ist, ist es jetzt dunkler als es die letzten Tage mitten in der Nacht war.

Ich habe es mir nicht nehmen lassen, das Wochenende trotz des Regens mit einem Spaziergang in der Umgebung einzuläuten. Wenn es regnet, dann riecht alles so frisch. Und weil es so kühl ist, heizen einige mit Holz ein, das duftet dann so richtig gut nach Ofen und warmen Holz – wie in der Sauna.

Und auch wenn ich selber leider keinen Ofen habe, so ist mein Haus dennoch richtig gemütlich. Ich sitze warm und trocken und höre den dicken Regentropfen zu, die auf das Kunststoffdach des Wintergartens prasseln.

Zu den Fotos: Wie es so schön heißt: Der beste Fotoapparat ist der, den man dabei hat. Hier hatte ich nur das iPhone zur Hand, aber das hat sich tapfer geschlagen und bringt die Stimmung eigentlich ganz gut rüber.