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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Keine Fotos.

Da knipse und knipse ich schon, was das Zeug hält, doch die interessanten Fotos fehlen dann doch immer:

Ich habe kein Foto davon, wie Thomas in meinem Haus Kabel für die elektrische Heizung verlegt, das Leck am Küchenwasserhahn durch Entfernen von einem Millimeter Dichtung repariert oder mit mir erfolglos durch Skellefteås Baumärkte läuft, um Verlängerungsschläuche für die Fallrohre zu kaufen.

Ich habe kein Foto davon, wie ich das erste Mal seit neun Jahren wieder Badminton gespielt habe. Das hat einen phantastisch–unbeschreiblich-riesigen Spaß gemacht und die Muskeln erinnern sich zwei Tage später noch sehr gut an das Spiel.

Ich habe kein Foto davon, wie ich gestern bei der Hochzeitsfeier von Kollegen zwei Stücke mit der Band gespielt habe („What are you doing the rest of your live“ und „Cantaloupe Island“).

Ich habe kein Foto davon, wie heute im Wald das firmeneigene iPhone 4 aus der Tasche gefallen ist und mit einem leisen Plopp in einem tiefen, dunklen Wassergraben wie ein Stein untergegangen ist. Nun – ich konnte es noch greifen, Wasser abschütteln, Kontakte trocken pusten und mit Klopapier trocken reiben. Zu meinem großen Glück hat das iPhone die Tauchaktion überlebt.

Ich habe dann versucht, ein Foto zu machen, wie ich unter den Strommasten mein Fahrrad einen vermeintlichen Weg entlang schiebe. Das ist auch ein Weg, aber eigentlich nur im Winter. Jetzt ist der Schlamm auf dem vermeintlichen Weg bis zu knietief und der eine Gummistiefel war schnell mit Wasser gefüllt. Das Foto hat aber nicht geklappt (kein Stativ dabei), also auch kein Foto.

Fast die ganze Woche war es sehr windig. Keine großen Sturmböen, nein einfach immer nur windig. Dementsprechend sind von den Birken an den Straßen die meisten Blätter schon abgeweht worden und die Bäume sind recht kahl. Besonders hübsch oder gar eindrucksvoll sieht das nicht aus, daher also auch hier: Kein Foto.

Ich werde aber spätestens am kommenden Freitag beginnen, das Fotografieren nachzuholen, dann habe ich nämlich eine Woche Urlaub und fahre nach Norwegen, erst nach Rognan/Saltdal und dann nach Stokmarknes auf den Vesterålen. Hm, wie sieht denn das Wetter aus …

… Ui, das wird aber kalt in Rognan für Mitte Oktober. Und kühler Regen in Stokmarknes, das gibt wieder jede Menge Gepäck. Aber das kenne ich ja schon.

Nachtrag

Nun, ich kann es einfach nicht lassen, doch noch ein paar Fotos von der heutigen Tour zum und im Naturreservat Kalkstenstjärn online zu stellen. Auch das mit dem Fahrrad schieben. Da:

Öre ade

Schaut Euch das Foto gut an. Das sind schwedische 50-Öre-Münzen. Man könnte auch sagen: „Das war früher mal echtes Geld in Schweden“, denn genau diese Münzen sind seit dem ersten Oktober in Schweden nicht mehr gültig und die kleinste Münzeinheit ist jetzt eine Krone (zur Zeit so 10, 11 Cent). Ich habe den Eindruck, dass dies den Schweden ziemlich egal ist, da die Beträge beim Supermarkt eh mal auf- und mal abgerundet werden und außerdem fast alle mit Karte zahlen.

Zwei Vögel

1. Der Seidenschwanz

Ich habe heute zu Hause gearbeitet und überall auf den Telefonleitungen (ja, die gibt‘s hier), den Bäumen und vor allem den Antennen haben sich Seidenschwänze gesammelt, die wohl meinen, bei diesem windigen Herbstwetter könne man auch gut ein Stückchen gen Süden fliegen. Ich kann es ihnen nicht übel nehmen, denn es ist trüb und bei dem Wind fühlen sich auch 10 °C ganz schön ungemütlich an.

2. Der Wasserhahn

Ach ist das toll, wenn Leute einfach so Sachen reparieren können. Thomas ist gestern Abend gekommen und ist drei Tage hier, um Dinge in Ordnung zu bringen. Und schon leckt der Wasserhahn nicht mehr, kann ich das Kellerlicht auch von oben anmachen, damit es auf der Treppe hell ist (Funk sei Dank), hat die Heizung im Gästezimmer einen Thermostat, steht die Badewanne wieder gerade und noch so manches mehr. Es ist ein tolles Gefühl, einfach Dinge auf meiner langen Im-Haus-Zu-Tun-Liste abhaken zu können. Und zugleich bekomme ich ein Schwedischintensivsprachtraining. Da ich aber heute einige Stunden mit Thomas unterwegs war, um alles einzukaufen, muss ich leider gleich noch ein bisschen arbeiten …

Gästezimmer und Bibliothek

Am Donnerstag habe ich eine große IKEA-Lieferung mit vielen hellen Holzteilen in unterschiedlichen Größen und Plastiksäckchen mit Schrauben, Holzzapfen und Inbusschlüssel erhalten. Heute habe ich deshalb den ganzen Tag im Keller verbracht und erst Regale gebaut, dann sämtliche Bücher recht unsortiert einsortiert und zum Schluss noch das Bett zusammengebaut, damit die komprimierte Matratze sich schon mal ein bisschen aufpusten kann. Das Bibliotheks-Gästezimmer ist also im Grunde fertig und wird ab Dienstag schon durch Thomas eingeweiht, der zwei, drei Tage bei mir ist, um die vielen, kleinen Dinge zu fixen, die im Haus gemacht werden müssen und für die ich zu ängstlich oder zu unerfahren bin, um sie selber zu machen.

Und was ist das? Musik? Nun – das war gestern:

Nächste Woche heiraten Kollegen und normaler­weise machen die Frauen vorher mit der zukünftigen Braut „möhippa“ und die Männer entsprechend „svensexa“. Dieses Mal ist aber alles etwas anders gewesen und unter dem Motto „Mösexa och Svenhippa!“ sind die Frauen mit dem Bräutigam losgezogen und wir mit seiner zukünftigen Frau. Beim Bowling war ich nicht dabei, denn wir haben geprobt. Die Kollegin hatte nämlich die Aufgabe, zwei Beatles-Stücke einzu­singen, eine Aufgabe, die sie gut gemeistert hat, wie man auch nachträglich auf dem Musik­video sehen konnte. Ich fand es interessant, wie viele Kollegen von 10 Merchant Street nicht nur ein Instrument spielen können, sondern auch die Beatles-Lieder souverän auswendig spielen. Die ganze Aktion war schon eine sehr lustige Sache. Ich habe die anschließende Party allerdings um halb zwölf verlassen, denn … siehe oben … .

4:58

Mit dem Fahrrad die knapp 19 Kilometer von Skelleftehamn nach Skellefteå geht nicht? Doch; der Zeitraffer macht‘s möglich. Seht zu, dass Ihr entspannt sitzt und nicht zu nah am Bildschirm. Denn da die kleine Kamera recht starr mit dem Lenker verbunden ist, wackelt die Aufnahme wie verrückt, denn das Fahrrad hat keine Federung.

Statt Untertiteln:

  • 0:00 noch steht das Fahrrad im Schuppen, aber gleich geht’s los
  • 0:10 den Weg fahr ich auch immer zu ICA zum Einkaufen
  • 0:37 Belichtungskorrektur. Jetzt ist der Himmel auch blau
  • 0:54 Hier geht es über Steine und fiese Baumwurzeln aufwärts. Das hoppelt wirklich so
  • 1:04 Ja, ich schaue links und rechts, ob ein Auto kommt. Meistens aber nicht
  • 1:34 Links ist der Kanuklub. Dazu mehr im nächsten Jahr …
  • 1:39 Hier bildet der Fluss eine breite Bucht
  • 2:16 Links auf dem Fluss liegt Nebel
  • 2:18 Zwei Autos überholen. Das hatte ich glaube ich noch nie
  • 2:22 Zwei Damen beim Nordic Walking
  • 2:33 Rechts das Schild vom Hundezüchter ist für mich immer Halbzeit
  • 2:46 In Bergsbyn döse ich manchmal auf dem Rad ein bisschen …
  • 2:48 … und die Linse beschlägt
  • 2:52 Wisch, wisch, wisch. Viel bringt‘s nicht
  • 3:05 Ein Stück Hauptstraße …
  • 3:21 … und schon geht‘s auf kleinen Wegen weiter
  • 3:34 Mein Lieblingsstück, aber nur auf dem Hinweg. Jippie!
  • 4:04 Ab hier wird es ein bisschen städtischer
  • 4:32 Hier stehe ich oft lange – an diesem Tag gut anderthalb Minuten
  • 4:50 Noch kurz durch die Fußgängerzone, …
  • 4:53 … das Rad die Stufen hochtragen und angekommen.

Nebelfluss

Heute morgen hatten wir mit -2.5 °C einen kühlen Tagesbeginn und auf dem Skellefteälven waberten Nebelschwaden, die von der Sonne in golden gleißendes Licht getaucht wurden. Auf dem Bild seht Ihr, was meine kleine Ricoh-Kamera daraus gemacht hat.

Wenn ich zur Zeit draußen bin, dann tanke ich Farben. Das Gras ist noch saftig grün und viele Bäume strahlend gelb oder rot. Der Himmel ist azurblau und die bunten schwedischen Häuser leuchten warm in der tief stehenden Morgen­sonne. Visuelle Wärme für Auge und Seele.

Wald und Meer, Frost und Farbe

So ist der Herbst schön: Blauer Himmel, farbige Bäume und rauschendes Meer. Das Haus duftet nach Äpfeln aus dem eigenen Garten und Eisnadeln auf den Pfützen zeigen heute morgen den ersten leichten Frost. Plan für heute: ausgiebiges Frühstück und Fahrradtour.

Die Woche

Eigentlich hatte ich ja vor, heute über den Herbstanfang zu schreiben, aber was wirklich spannendes gibt es nicht zu berichten. Gut, es ist kühler geworden und um halb acht dunkel, aber das ist ja nicht soo aufregend.

Also, was ist sonst so passiert:

Mein kleines Bad im Erdgeschoss hat wieder einen Fußboden. Und eine heile Wand. Morgen suche ich Kacheln für den Boden und Tapete aus und warte auf den nächsten Schritt. Aber es geht langsam weiter.

Heute habe ich gelesen „Allt var väl“. Das ist der letzte Satz der siebenbändigen Harry-Potter-Reihe, die ich seit Juni mit Unterbrechungen gelesen habe. Nach geschätzt 4000 Seiten hat sich jetzt mein Schwedischwortschatz entscheidend erweitert: trollstav – Zauberstab, kittel – Kessel, drakskinn – Drachenhaut. Was braucht man mehr!

Im Oktober mache ich eine Woche Urlaub in Norwegen und besuche Freunde. Erst in Røkland bei Bodø und dann in Stokmarknes auf den Vesterålen. Ich reise per Bus, Zug, Schiff und Flugzeug und freue mich riesig auf Land und Freunde. Alles weitere schreibe ich später.

In meinem Wintergarten liegen 60 kleine Äpfel vom Bäumchen in meinem Garten. Da mir roh Äpfel nicht so gut bekommen, werde ich wohl Apfelmus daraus machen. Aber ich war bis jetzt noch zu faul zum Schälen.

Bei IKEA habe ich gefühlte 100 Meter IVAR-Regal für meine Kellerbibliothek und ein Gästebett bestellt. Das Bezahlen war nicht leicht, weil das System meine deutsche MasterCard nicht mochte, aber zum Glück habe ich dann nach sieben Mal Weiterverbinden telefonisch erfahren, dass ich das Geld auch überweisen kann.

Morgen ist noch mal ein Tag Arbeit dran und dann freue ich mich auch aufs Wochenende.

Wahl

Heute war ich wählen. Praktischerweise sind in Schweden Reichstags-, Landtags- und Kommunalwahl an einem Tag.

In einem Vorraum konnte man sich aus einer Menge kleiner Wahlzettel bedienen. Man nimmt sich pro Wahl einen Zettel. Entweder einen Blankozettel (im 2. Bild links unten), einen Zettel, der zu einer Partei gehört (links) oder einen Zettel, auf dem man eine Person wählen kann (rechts).

Dann ging ich im nächsten Raum in eine Wahlkabine, wo ich aber nichts mehr ausfüllen musste, da ich jeweils einen Parteizettel genommen habe, den man dann einfach in einen Umschlag steckt. Dann hat man mich freundlich daran erinnert, die Briefumschläge zuzukleben, mir freundlich einen Umschlag gegeben, den ich unbemerkt habe fallen lassen und ebenso freundlich einen der drei Briefumschläge zurückgegeben, denn an der Reichtagswahl darf ich als Nichtschwede gar nicht teilnehmen. Ich kam mir ein bisschen blöd vor, zumal ich eigentlich wusste, dass an der Reichtagswahl nur Schweden teilnehmen dürfen.

Laut Umfragen scheint es im Reichstag wieder eine knappe Mehrheit für die Mitte-Rechts-Koalition zu geben, die auch schon 2006 mit knapper Mehrheit die Regierung gebildet hat. Aber es bleibt spannend.

Mehr Informationen

Nachtrag (Mo, 20. September)

Das Resultat der Reichstagswahl war erschreckend: Die nationalistische und ausländerfeindliche Sverigedemokraterna hat 5.7% der Stimmen bekommen und sitzt mit 20 Sitzen im Parlament. In Skåne, der südlichsten Provinz Schwedens, bekam SD über 10%.

Herbstfarben II

Die beiden kleinen Espen an der Ecke haben es mir heute angetan. Die Blätter hatten nur drei verschiedene Farben:

Leuchtend grün,
leuchtend gelb,
und leuchtend rot.

Schön!

Aber auch am Wasser gab es Motive.