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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Frost = Auto waschen?

Heute morgen schaue ich auf das Thermometer und lese -3 °C. Frost. Das bedeutet für mich vor allem, dass ich bald die Wasserleitung zum Außenhahn absperren und leeren muss, damit sie nicht kaputt friert. Und das heißt, dass ich heute mal das machen sollte, wovor ich mich seit Wochenenden gedrückt habe: Mein Auto waschen und wachsen. Und das ist eine Sache, auf die ich nun wirklich überhaupt keine Lust hatte. Aber zum Kajak fahren wäre es mir heute ohnehin zu windig gewesen.

Also habe ich nach einem ausgiebigen Frühstück die nächsten drei, vier Stunden damit zugebracht, zu schauen, welche Farbe mein Auto unter den verschiedenen Dreckschichten eigentlich hat. Ohne die Hilfe (und Material) meines Nachbars hätte ich es allerdings nie geschafft, dieses fiese, klebrige Asphaltzeugs, welches die halbe Fahrertür bedeckte, abzubekommen. Danke dafür!

Die nächsten Wochen muss ich noch schauen, was ich alles tun muss, um das Auto wirklich winterfest zu bekommen. Kleine Roststellen beseitigen, Kühl- und Bremsflüssigkeit überprüfen lassen und Spikereifen aufziehen stehen schon auf der Liste.

Ach ja, noch zwei Fotos von heute vor dem Frühstück. Denn nur für diesen Artikel das Auto zu fotografieren war mir nun wirklich zu doof.

Samstag tagsüber

Heute war ich mit Elisabet – schön, wenn man hier Leute kennt, die auch so gerne wie ich in der Natur sind – auf der Halbinsel Bjuröklubb. Da war ich zwar schon einige Male, aber jedes Mal entdecke ich wieder etwas Neues. Vor allem, wenn Elisabet noch ein paar schöne Stellen kennt. Und als es anfing, richtig zu regnen, saßen wir schon wieder im Auto und fuhren auf der E4 zurück. Das nenne ich gutes Timing.

Ich finde es beeindruckend, wie viele unterschiedliche Landschaftseindrücke man hier auf kleinstem Raum versammelt hat. Zum Beispiel solche:

Samstag morgen

… sollte das Wetter eigentlich mäßig sein. Aber Überraschung: Klarer Blauer Himmel und kurz vor Sonnenaufgang. Also habe ich kurz vor dem Frühstück noch ein paar Fotos in der Umgebung gemacht.

Gleich geht’s raus in die Natur, zusammen mit einer Freundin wandern.

Farbe tanken

Knallblauer Himmel empfängt mich am Samstag morgen. Ich habe mich ins Auto gesetzt und konnte mich an den intensiven Farben des herbstlichen Laubes kaum satt sehen. Die Birken sind leuchtend warmgelb, die Espen grün- bis zitronengelb. Die Ebereschen sind dunkelrot oder knallbunt und die wenigen Ahornbäume gelb-orange bis glutrot. Ich habe den Eindruck, dass mein gesamter Körper Farben tankt und sie in jeder Zelle für den langen Winter speichert.

Und so war der Blick vom Stackgrönnans Bootsmuseum über den Skellefteälven (Das Panorama lässt sich scrollen):

Oh, was für ein schönes rot*

Ist er nicht kleidsam, der Trockenanzug oder Überlebensanzug, den ich hier zum ersten Mal ausprobiere? So ein fesches rot, ein Anzug für alle Lebenslagen! Außer vielleicht für die Stadt, die Arbeit, zum Fahrrad fahren, am Computer sitzen, Klavier spielen, wandern, auf den Bus warten, Katzen streicheln, essen, DVD schauen, surfen (im Internet), schlafen, mit Freunden treffen, … aber ich schweife ab.

Ich war schon länger auf der Suche nach einem Trockenanzug zum Paddeln. Denn wenn das Wasser irgendwann nur noch 0 °C hat, möchte ich da nicht mehr mit normaler Kleidung hineinfallen. Leider kosten die richtigen, atmungsaktiven Trockenanzüge 600 Euro und mehr. Zu teuer für mich. Diesen Überlebensanzug habe ich für einiges weniger bei Ebay ersteigert. Er ist bestimmt nicht für lange Touren geeignet, dazu ist er zu klobig, aber um mal zur Insel Storgrundet herüberzupaddeln ist er allemal gut genug.

Heute habe ich in der Ostsee getestet:

1. Der Anzug alleine: Er ist wirklich perfekt wasserdicht, hält warm und gibt genug Auftrieb, dass man mühelos im Wasser treiben kann. Und mit den angesetzten Handschuhen lässt sich sogar die Kamera bedienen.

2. Mit Schwimmweste: Noch bunter, noch mehr Auftrieb. Sehr entspannend. Da muss man aufpassen, dass man nicht einschläft und sich am nächsten Morgen in Finnland wiederfindet …

3. Ohne alles, nur Badehose: Brrr ist das Wasser kalt jetzt. So um +10.5 °C. Also, im Anzug war’s wärmer! Noch schwimme ich meine zwanzig Meter oder so, aber wenn das Wasser noch weiter abkühlt, wird das Baden bald eher ein kurzes Eintauchen.

Nach dem Baden habe ich noch kurz die herrlich intensiv von der untergegangenen Sonne bestrahlten Wolken angeschaut. Einfach schön!

* Ein Zitat aus dem Asterixband „Kampf der Häuptlinge“

Herbstliches Polarlicht

Die letzten Tage war die Polarlichtvorhersage auf Stufe 4 „Active“ – nicht so schlecht.

Als ich gestern mit dem Auto zum Hotel Scandic Skellefteå gefahren bin, um dort auf dem Chemical Management Summit meinen ersten hiesigen Klavier-Solo-Job zu spielen, hatte ich Stativ und warme Jacke für den Rückweg schon im Kofferraum. Aber ich war schon kurz nach sieben fertig und da war es für Polarlicht noch zu hell.

Als ich um eins (halbgeplant) aufgewacht bin und aus der Tür geschaut habe, war tatsächlich schwaches Polarlicht über den halben Himmel bis zum Zenith zu sehen. Ich bin dann mit dem Auto zu Storgrundet gefahren, dem Strand, an dem ich vor einigen Tagen noch eine kleine Kajakrunde gestartet habe. Dort sind die folgenden Fotos entstanden:

Was war ich froh, eine warme Jacke dabei gehabt zu haben. Es war zwar nicht sonderlich kalt, aber sehr windig und ich sehr, sehr müde. Das Polarlicht ist noch recht fahl gewesen, aber ich freue mich über jede klare Nacht, an der man das Polarlicht hier sehen kann. Auch wenn der dringend benötigte Schönheitsschlaf darunter leiden sollte.

So, jetzt den Artikel schnell online stellen und weiterarbeiten, denn ich sitze gerade im Büro …

Einmal um Storgrundet

Heute war das Wetter richtig schön und heute Vormittag habe ich – wie die meisten Nachbarn auch – im Garten gearbeitet. Aber am Nachmittag habe ich mein Kajak auf den Bootswagen gestellt und bin zu meinem Hausstrand gelaufen. Das Kajak lässt sich prima mit einer Hand hinter sich herziehen, auch wenn es rauf oder runter geht.

Dann bin ich einmal um die Insel Storgrundet gefahren. Das ist eine kleine Tour von nicht einmal vier Kilometern, aber ich fand sie sehr spannend, da ich die Gegend ziemlich gut von meinen Skitouren im Winter kenne, aber im Sommer noch nie dort war.

Was für ein Kontrast zu den Wintertouren, in denen manchmal alles im weißen Nichts verschwimmt. Jetzt fahre ich im knallroten Boot sitzend durch das tiefblaue Wasser und schaue auf die Inseln mit den teils grün, teils gelb gefärbten Herbstbäumen.

Und es ist warm. Heute Vormittag bin ich sogar draußen im T-Shirt herumgelaufen und unter der dicken Schwimmweste friert man eh nicht so schnell. Und selbst auf dem offenen Meer östlich der Insel rührt sich praktisch kein Windhauch.

Keine Stunde später bin ich wieder am Strand und nur noch ein paar Schleifspuren verraten, dass ich dort, wo ich sonst bade, eben ein Kajak an Land gezogen habe. Fazit: Eine schöne Nachmittags- oder Feierabendstour.

Herbstanfang

Letzte Nacht habe ich geträumt, dass ich ohne Jacke rausgehe. Und dachte im Traum noch „Ganz schön mutig“. Geweckt wurde ich dann – wie gestern schon – Punkt sechs von dem lauten Prasseln eines Wolkenbruchs. Nun, Wolkenbrüche gab es diese Woche eigentlich fast jeden Tag, das ist nichts besonderes. Aber dieses Mal ist auch die Temperatur mit gefallen und lag den ganzen Tag so bei fünf, sechs Grad. Zusammen mit dem Wind ein pünktlicher Herbstanfang der ungemütlichen Sorte.

Nach dem Frühstück hat es nur noch mäßig geregnet und ich bin durch eine asphaltierte Seenplatte zum Bus gelaufen. Der Wasserstand auf Skelleftehamns Straßen reicht für mein Kajak allerdings noch nicht aus.

Der Bus war heute eher ein Amphibienfahrzeug. Manchmal pflügte er wie ein Schiff durch die tiefen Pfützen und ließ das Wasser meterhoch spritzen. Der Ausblick durch die regennassen Scheiben war abwechselnd eintönig grau und leuchtend farbig von den bunten Blättern, die die ersten Bäume und Büsche tragen.

Nach der Arbeit bin ich zur Bushaltestelle einen kleinen Umweg am Fluss gelaufen. Dort lachte mich dieser Fliegenpilz an. Und wenn ich ihn schon nicht essen kann, dann mache ich von ihm wenigstens ein Foto mit meiner kleinen Rikoh.

Ich bin gespannt, ob das nasse Wetter weiterhin so anhält oder wir noch einen schönen Spätherbst bekommen. Ein, zwei Mal möchte ich noch Kajak fahren und da kann ich keinen Wind gebrauchen. Und zu viel Regen muss ja auch nicht sein …

Schwedischübersetzung des Tages:det är iskallt – Es ist eiskalt!

Nachtrag: Sind manche Schweden einfach hart im Nehmen oder ist das die Trotzreaktion zum Sommerende: Zwei Schweden mit kurzen Hosen sind mir heute begegnet. Ich hingegen habe zu Hause das erste Mal wieder die Heizung angeschmissen.

Curly Lou in Kusfors

Ich komme gerade von einem schönen Konzert wieder nach Hause. Seit Lasse und Martine in Kusfors leben, ist dort das „Café Ångloket“ (Café Dampflok) zu einem kleinen Kulturzentrum im Inland geworden. Und da ist heute Curly Lou mit einer Pianistin aufgetreten.

Das Programm, bestehend aus herrlich alten Chansons, Walzern und Tangos passte wunderbar in das Café, dessen Interieur größtenteils aus der selben alten Zeit stammt. Und das Zuhören hat mir großen Spaß gemacht und mich an so manchen Chansonabend zurückdenken lassen, wo ich selber am Klavier saß.

Es fällt mir zugegebenermaßen manchmal schwer, anderen beim Klavier spielen zuzuhören. Ich würde lieber selber da sitzen und diese schönen Lieder begleiten. (Und hier eher die Terz im Bass und dort noch einen Durchgang zur Subdominantparallele und … .) Aber das kenne ich schon von mir und vielleicht kommt das dem einen oder anderen Musiker auch bekannt vor.

Irgendwann in diesem Jahr spiele ich voraussichtlich selbst ein Konzert mit einem Bassisten im Duo im Café Ångloket in Kusfors. Das wird dann mein erstes Jazzkonzert hier in Schweden sein. Und wenn ich viel Glück habe, ist bis dahin schon das richtige Klavier da und mein Digitalpiano kann im Keller bleiben.

Klare Nacht

Bevor ich gestern Abend ins Bett gegangen bin, habe ich noch einmal vor die Tür geschaut und das erste Polarlicht der Saison gesehen. Obwohl es ziemlich schwach war und vom hellen Mond überstrahlt wurde, habe ich mich mit Kamera und Stativ ins Auto gesetzt, denn vielleicht nimmt es ja noch etwas zu.

Vom Polarlicht war dann allerdings bis auf blassdunkle wolkenähnliche Flecken fast nichts mehr zu sehen. Aber man kann ja auch andere Dinge fotografieren. Ich habe hier bewusst drastisch überbelichtet, in Wirklichkeit ist es um diese Zeit dunkler.

Wenn die Nacht im Herbst klar ist, dann wird es auch kalt. Mit -0.3 °C hatten wir die erste Nacht mit leichtem Frost. Bis zum Winter ist zwar noch einige Zeit hin, aber er klopft schon einmal vorsichtig an die Tür. Aber noch hat die Sonne Kraft. Sie scheint auf mein „Nordost“-Thermometer, das mir morgendliche Sommertemperaturen von 24 Grad vorgaukelt. Das Küchenthermometer ist mit 7.5 Grad wohl etwas ehrlicher.