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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Vintersim SM – noch zwei Tage

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Noch zwei Tage bis zur Schwedischen Meisterschaft im Winterschwimmen. Pünktlich zu diesem Event wird es richtig kalt hier. Gestern lag die Höchsttemperatur in Skelleftehamn bei -13.4 °C, heute bei -16.4 °C. Und ich war gespannt, wie das Becken, welches gestern geöffnet wurde, wohl heute aussieht. Es war, trotz Umwälzpumpe, schon weitestgehend wieder zugefroren und Mitarbeiter der Technik mussten erst einmal das Eis aufschlagen und mit Harken an Land befördern. Über der Stadt spannte sich ein herrlich blauer Himmel bei kalten Wintertemperaturen um rund -20 °C.

Schließlich ist das Becken vom Eis befreit und sieht fast wie ein normales Freibad im Sommer aus. Wenn da nicht das Eis drumherum wäre. Und ich nicht im dicken Daunenparka da stände. Und das Wasser nicht vor Kälte rauchen würde.

Mikael misst die Tiefe: Mindestens zwei Meter, stehen kann man also nicht.

Wieder ist das Fernsehen da, wieder werden Interviews geführt und wieder springen Mikael und Hans ins Wasser, damit das Fernsehen auch etwas zu zeigen hat. Bei diesen Temperaturen fühlt man die Kälte nicht im Wasser, sondern wenn man klatschnass an Land klettert.

Mikael und Hans schwimmen auch versuchsweise gegen den Strom, aber selbst gegen diese schwache Strömung ist es schwer gegenan zu schwimmen. Also werden am Samstag bei der Staffel alle Schwimmer der Teams auf der gleichen Seite starten und durch eine Flagge ihren Start mitgeteilt bekommen.

Nun ist es halb zehn Abends, ich messe draußen -24 °C, am Flugplatz werden -29 °C gemessen und die neue experimentelle Temperaturvorhersage des Schwedischen Wetterdienstes sagt für Samstag 10 Uhr -34 °C vorher. Das nenne sogar ich richtig kalt. Und ich werde schwimmen! Nicht beim Wettbewerb, sondern anschließend beim Schwimmen der Ausrichter (der „Arrangörerna“).

Wir bauen ein Freibad

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

In der Nacht hat es leicht vor sich hin geschneit. Gleichzeitig wurde es kälter. Heute morgen lag trotz der Wolkendecke die Temperatur bei -15 °C. Mich freut‘s. Nicht nur, weil ich die kalten Temperaturen mag, sondern auch, weil am Samstag die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen in Skellefteå stattfindet. Und zum Winterschwimmen gehört auch Kälte dazu.

Der Verein der frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte organisiert die Veranstaltung, hat aber zum Glück viele Helfer. Nicht nur Rettungstaucher, Polizei und viele Freiwillige vom Schwimmverein, sondern zum Beispiel auch die technische Abteilung der Kommune, die uns von Sonntag bis heute das Eis für 4 Bahnen à 25 Meter aus dem Fluss geschnitten hat.

Das erste Bild habe ich am Montagmorgen gemacht. Das zweite heute, Mittwoch Mittag. Zwischen den Tagen hatten die Mitarbeiter der Kommune einiges an Arbeit.

Alles fängt mit der Kettensäge an: Große, quadratische Blöcke werden aus dem zwanzig Zentimeter dicken Eis geschnitten. Eine ziemlich kalt-nasse Angelegenheit. Dann werden die Eisblöcke getrennt, sie treiben dann langsam mit der Strömung flussabwärts und landen am anderen Ende des Eisschwimmbeckens. Dort werden sie mit einem Greifarm aus dem Wasser gehoben.

Und so wird die Bahn länger und länger, bis sie schließlich heute Mittag fertig geworden ist.

Nun sind es nur noch drei Tage bis zum Samstag, und ich bin gespannt, wie kalt es werden wird. Schon jetzt um kurz vor sechs ist die Temperatur in Skelleftehamn auf -20 °C gefallen.

Übrigens: Was macht man, wenn der Winter so mild war und das Eis zu dünn? Ganz einfach, man spült Wasser auf das Eis, welches friert und damit die Eisschicht dicker macht. Es gab also einen Anfang vor der Kettensäge.

Drei Zwischenstopps

Heute bin ich – wieder einmal – nach Kusfors zum Winterbaden gefahren. Ziel war, heute auch ein bisschen zu schwimmen, damit ich weiß, ob ich nächsten Samstag bei der Schwedischen Meisterschaft mitschwimme oder nicht. (Ich, die Schwimmniete!)

Nach wochenlanger Bewölkung war der Himmel heute überraschend klar und mit -16 °C zeigte mein Außenthermometer heute morgen die kälteste Temperatur dieses Winter an. Nach einem soliden Frühstück habe ich meine Sachen gepackt und bin losgefahren.

Das erste Mal habe ich am Wehr in Bergsbyn angehalten, das liegt zwischen Skelleftehamn und Skellefteå. Westlich des Wehrs ist der Fluss komplett zugefroren und alles wirkt erstarrt. Auf der Ostseite hingegen stürzt das Wasser hinunter und Nebelschwaden verdecken die tief stehende Vormittagssonne.

Ich habe in der Stadt eine Schülerin abgeholt, die auch gerne Winterschimmen ausprobieren wollte. Aber bevor wir da waren, haben wir zwei kleine Zwischenstopps eingelegt: Das erste Mal kurz hinter Boliden. Im Sommer sieht man hier weite Schlammflächen, Rückstände vom Bergbau. Im Winter hingegen … . Über der weißen, weiten Fläche wölbt sich der blaue Himmel und leichter Bodennebel verleiht den Baumgruppen trotz der Helligkeit etwas Verwunschenes. Obwohl die Straße eine wichtige Verbindungsstraße ins Inland ist – man kann, wenn man möchte bis nach Mo I Rana in Norwegen fahren – war die Straße völlig leer. Wir schienen das einzige Auto weit und breit zu sein.

Nun waren wir fast schon in Kusfors. Kurz vor der Brücke über den Skellefteålven rechts abbiegen und durch Petiknäs durchfahren. Und dort warteten auf uns fünf Rentiere. Erst lagen sie gemächlich am Straßenrand. Dann wurde ihnen dieser große Kasten, in dem wir saßen, doch ein wenig unheimlich und sie stellten sich erst einmal mitten auf die Straße. Als wir langsam weiterfuhren setzten sich die Rentiere in Trab. Das sieht sehr lustig aus, weil sie dabei mit ihren Hintern und den Stummelschwänzchen wackeln. Bald haben wir die Rentiere überholt, die daraufhin im Wald verschwanden.

Über das Winterbaden schreibe ich nicht viel, denn in den letzten Artikeln habe ich genug erzählt und Fotos und Videos hochgeladen. Nur eines: Das Eisloch, welches eigentlich eine Fünfmeterbahn werden sollte, hatte gerade drei Quadratmeter. Selbst dieses Loch zu öffnen, hatte fünf Stunden gedauert. Das Eis war zu dick für die Kettensäge. Ich habe auf der Stelle so zwanzig Schwimmzüge gemacht, dann fing es an, kalt zu werden. Ich bin noch nicht sicher, ob ich am nächsten Samstag teilnehme, traue mir das aber jetzt trotz meines miserablen Brustschwimmens zu. Nur die Fingerspitzen waren ein bisschen beleidigt, denen wird doch ziemlich schnell kalt.

Pimpelfiske

„Pimpelfiske“, so nennt man hier das Eisfischen. Ich finde ja, dass das Wort ein bisschen lustig klingt und wenn man sich die kleine Plastikangel anschaut, dann erinnert die auch eher an ein Gimmick aus einem Yps-Heft als an ein ernstzunehmendes Angelgerät. Aber man irrt, denn mit dieser Angel kann man Fische fangen, ab und zu so große, wie mir ein Angler erzählt, dass sie nicht durch das Eisloch passen, welches man vorher mit dem großen Eisbohrer gebohrt hat. Heute hingegen gingen die meisten Angler leer aus, die Fische waren woanders. Das kann man tatsächlich sehen, denn der Grund ist sandig, das Wasser extrem klar und keinen Meter tief. Und viele Angler legen sich bäuchlings auf eine Isomatte aufs Eis, um zu schauen, ob vielleicht ein Flussbarsch (abborre) oder ein sik vorbeischwimmt.

Im Grunde braucht man wenig, um Eisfischen zu betreiben: Die meisten haben einen knallbunten Floating Suit an, das ist ein gefütterter Overall, der nicht nur warm hält sondern einem auch im Wasser Auftrieb gäbe, falls man doch einmal einbrechen sollte. Dann kommt als nächstes der Eisbohrer, mit dem man ein Loch ins Eis bohrt. Das ging heute in der Bucht recht schnell, denn das Eis ist nur 20 cm dick. Die meisten Eisangler haben eine Isomatte, in die ein kreisrundes Loch geschnitten ist, so dass sie im Liegen fischen können.

Dann setzt man einen Wurm auf den Haken und lässt ihn an der dünnen Nylonschnur hinunter in das Eiswasser. Da man direkt über dem Wasser ist, braucht die Angelrute auch nicht besonders lang zu sein. Praktisch ist eine kleine Plastikkelle, mit der man das Eis wegmachen kann, welches sich schnell immer wieder auf der Wasseroberfläche bildet.

Wenn man keinen Fisch fängt, dann hält man eben Fika und trinkt Kaffee. Zwei der Angler hatten einen kleinen Grill dabei, auf dem sie Würstchen warm gemacht haben. Sie haben dann Geschichten von den Tagen erzählt, wo sie besonders große oder viele Fische gefangen haben und von Angelplätzen in Storuman und an der norwegischen Atlantikküste.

Zum Schluss hat dann aber eine Anglerin doch noch einen kleinen Barsch gefangen. Nun hofft sie, dass ihr zwölfjähriger Enkel, der noch vorbeischauen will, auch Glück hat und etwas fängt. Das ist eine Sache, die mir schon vorher aufgefallen ist: In Schweden angeln Jungen und Mädchen, Großmütter und Großväter und in den Angelzeitschriften sieht man nicht nur Bilder von heroisch dastehenden Männern im Tarnanzug, die ihren Riesenfisch präsentieren, sondern auch von achtjährigen Mädchen mit ihrem ersten kleinen Fang an der Angel. Angeln – ein Volkssport in Schweden.

Mein Dank geht an die Angler, dafür, dass ich Bilder von ihnen machen und veröffentlichen durfte.


Zum Wetter: Wieder ein grauer Tag. Die Sonnenstunden der letzten zwei Wochen kann man an einer Hand abzählen. Und da es ständig bewölkt ist, ist es mit -7 °C auch recht warm.

Wenn Ihr meint, das sei kalt, dann nehmt einen Globus, legt Euren Finger auf Skellefteå und drehe die Erdkugel langsam nach rechts. Der Finger zieht eine Linie bis nach Norwegen, taucht in den Atlantik und führt nördlich des Vatnajökull über Island. Nach einer Grönlanddurchquerung nördlich von Nuuk und dem Anlanden in Nordkanada werdet Ihr nach einer Durchquerung des Yukon Territory in Alaska ankommen. Inzwischen reist nicht der Finger, Ihr seid es, die hinten auf dem Hundeschlitten steht und Eure Huskies anfeuert. Haltet Euch ein bisschen rechts, bald kommt der Flugplatz von Fort Yukon in Sicht. Der liegt nur zweihundert Kilometer weiter im Norden als Skellefteå. Ich hoffe, Ihr seid warm angezogen und habt die Hunde gut gefüttert, denn just an diesem Flughafen liegen die Temperaturen heute bei -49 °C. Das ist kalt!

Nix mit Nordlicht

Zum zweiten Mal in kurzer Zeit gab es hohe Sonnenaktivität und die Polarlichtvorhersage aus Fairbanks/Alaska stand auf Stufe 5 (Extrem). Und – oh Freude – als ich nach der Arbeit in Skelleftehamn ankam, war der Himmel fast wolkenfrei und es wurde rasch kälter. Für eine halbe Stunde. Dann zogen Wolken auf, die Temperatur begann wieder anzusteigen und kurze Zeit später lag alles unter einer dichten Wolkendecke. Also etwas wieder das Wetter, was wir hier seit Wochen haben. Mal mit zwei Zentimeter Neuschnee, mal ohne.

Ich bin dann sehr früh ins Bett gegangen, habe gelesen und bald das Licht ausgemacht. Als kleines Abendschmankerl bin ich eine Stunde später vom Telefon geweckt worden und durfte für ein Stressprojekt noch eine Stunde Fehlersuche betreiben.

Wenn Ihr Nordlichtfotos sehen wollt, dann schaut unter der Rubrik Polarlicht nach. Die Fotos sind zwar alt, aber immerhin hier gemacht.

Ich gehe jetzt erst mal raus und mache den Motorwärmer für den Saab aus, der das Auto die Nacht über warm und betriebsbereit gehalten hat. Denn für die tägliche Fahrt zur Arbeit nehme ich den Bus.

Bis jetzt waren alle Projekte hier in Schweden, an denen ich beteiligt war, ziemlich entspannt. Sowohl von den Leuten als auch den Arbeitsbedingungen, selbst wenn das Projekt eilig war. Jetzt geht aber gerade ein Projekt zu Ende, bei dem ich einer anderen Agentur hier in Skellefteå geholfen habe, ihren amerikanischen Kunden glücklich zu machen. Und dieser Kunde ist alles andere als entspannt. Aber bald ist das Projekt für mich beendet und dann kann ich wieder etwas ruhiger programmieren. Und ruhiger heißt meistens auch besser. Darauf freue ich mich.

Storgrundet

Erst war ich zu faul, aber dann habe ich doch meine Skier genommen und eine kleine Tour gemacht. Der Himmel ist seit Tagen bewölkt und es schneit ein wenig.

Im Wald ist das Skilaufen eher ein Stapfen, da die Fjällski immer wieder 20, 30 cm in den lockeren Schnee einsinken. Ein kleiner Wink der Natur, dass ich mir doch einmal die praktischen und schönen Holzski von Tegsnäs kaufen sollte.

In kleinen Bächen und in Zu- und Abflüssen von Seen kann das Wasser noch offen sein, denn fließendes Wasser braucht wesentlich länger, bis es fest zufriert. So sprudelte auch dieser Bach noch munter vor sich hin und ignorierte den Dauerfrost. Gemein sind die Stellen, wo das Wasser unter der Schneedecke fließt und man sollte genau hinschauen, wo die Schneedecke abgesenkt ist, wenn man keine nassen Füße bekommen möchte.

Bald stand ich am Ufer der Ostsee und hatte Blick auf die langgezogene Insel Storgrundet. Im Sommer und Herbst habe ich hier gebadet, doch jetzt ist das geschützte Ostseewasser zwischen Festland und Insel dick zugefroren. Und es gab mehrere Anzeichen, dass ich das Eis betreten und hinüber zur Insel laufen kann:

  • An mehreren Stellen waren Wege zur Insel mit Zweigen markiert
  • Eisfischer waren auf dem Eis
  • Skooter und Skispuren waren auch zu sehen

Das reicht mir als Sicherheit. Doch auch wenn das Eis dick ist, hänge ich mir immer die Isdbubbar um, sozusagen ein Springseil mit dicken Nägeln am Ende, mit deren Hilfe man sich, falls man eingebrochen ist, wieder aus dem Eis herausziehen kann. Einige Minuten später stand ich auf dem Ostseeeis und bald war ich auf der schmalen Insel Storgrundet angelangt. Die Insel ist nur zwei- bis dreihundert Meter breit und bietet dennoch drei völlig verschiedene Eindrücke:

  • Sommerhäuser Das dem Festland zugewandte Ufer ist teilweise mit Sommerhäusern bebaut. Sommerhaus heißt mindestens ein größeres Haupthaus, Nebengebäude, Sauna und Bootshaus. Es ist windgeschützt und ich fühle mich der Zivilisation nahe, selbst, wenn die Häuser gerade nicht bewohnt sind.
  • Wald Hundert Meter stehe ich mitten im Wald. Ich sehe die Häuser nicht mehr und das andere Ufer noch nicht. Ich habe kaum den Eindruck, dass ich auf einer Insel bin. Nur einige parallele Schneeverwehungen zeigen, dass es hier recht windig sein kann.
  • Offenes Meer Noch einmal hundertfünfzig Meter weiter stehe ich am Meer. Es gibt noch ein paar unbewohnte Inselchen, ansonsten ist fast alles mit Eis bedeckt. Etwas weiter weg ist offenes Wasser und auch das Eis am Ufer trägt noch nicht. Es ist sehr windig und der Schnee weht waagerecht vorbei. Ich bin über die zwei Kapuzen von Funktionshemd und Norrøna-Jacke genau so froh wie über die dicken Fäustlinge, die ich über die dünnen Handschuhe ziehe und die meine Hände wieder aufwärmen, nachdem ich ein Minivideo mit dem iPhone gedreht habe. Hier bin ich alleine in der rauh wirkenden Winterlandschaft und kann mir kaum vorstellen, dass ich kaum mehr als zwei Kilometer von meinem Haus entfernt bin.

Die gute Seite: Entsprechend schnell bin ich auch wieder zu Hause. Die ganze Tour hat vielleicht zwei Stunden gedauert und das auch nur, weil ich es ruhig angegangen bin. Ich hoffe darauf, dass irgendwann diesen Winter auch mal wieder die Sonne heraus schaut und freue mich auf die erste längere Tour bei blauem Himmel und glitzerndem Schnee.


Hier noch ein kleines Video, welches ich mit dem iPhone gemacht habe. Danach musste ich erst einmal meine Finger wieder auftauen.


Heute ist trotz des bewölkten Himmels die Temperatur, von keinem Wetterdienst vorausgesehen, von -3 auf -8 Grad gesunken. Hinten im Garten liegen jetzt 60 cm Schnee und man hat den Eindruck, der Winter ist jetzt wirklich angekommen. Letzten Winter war ich allerdings am 5. Dezember das erste Mal mit Skiern auf der Insel, also sieben Wochen früher und wir hatten schon im Dezember mehr als einen Meter Schnee. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Das verratet aber nicht meinen Nachbarn; es sind nicht alle solche Schneefans wie ich

Die Ostsee friert zu

Vor einer Woche habe ich meinen Artikel „Wo ist das Eis?“ genannt. Heute ist die Ostsee bis zum Horizont zugefroren und auf dem Eis der nahen Bucht sitzt der erste Eisfischer mit seiner kleinen Plastikrute und hofft auf Fisch.

Zwischen diesen beiden Fotos liegt eine Woche:

Ich bin mit dem Auto dann zur Lotsenstation gefahren, die auf einer kleinen Halbinsel am offenen Meer liegt. Ich habe meinen Augen kaum getraut. Bis zum Horizont sah ich nur Eis, Eis und Eis und nur in der schmalen Fahrrinne schimmerte Wasser zwischen den zerbrochenen Eisschollen.

An der Lotsenstation bin ich mit einem Mitarbeiter ins Gespräch gekommen. Er erzählte mir, dass Süd- und Ostwinde gut für die Eisbildung sind, bei Nord- und Westwinden aber vier Grad warmes Tiefenwasser an die Oberfläche kommen kann. Ich habe gefragt, wann man wohl zu den ersten Inseln hinüber laufen kann und bekam die Antwort, schon jetzt. Im nächsten Satz meinte er aber, dass der aufkommende Schneefall bei recht warmen Temperaturen (-2 °C) die Situation verschlechtert und ich lieber noch ein, zwei Wochen warten sollte. Kein Problem, das mache ich gerne, denn auf dem Meer im Eis einzubrechen gehört zu den Erfahrungen, auf die ich liebend gerne verzichte.


Gestern hat der SMHI, der hiesige Wetterdienst einen Artikel zur Eislage auf der Ostsee geschrieben. Während vor einem Jahr der Bottenwiek, das ist die Ostsee nördlich der Linie Umeå—Vaasa, halbmeterdick zugefroren war, ist er jetzt noch größtenteils offen. Der letzte Winter war eben besonders kalt und dieser Winter besonders mild.

Quelle: SMHI. Danke für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.

Nochmal Eisbaden

Heute stand zwei Mal Eisbaden auf dem Programm. Um zehn Uhr für das Fernsehen und um eins für die Zeitung. Ich war als erster am Platz und habe damit begonnen, das inzwischen fest zugefrorene Eisloch wieder klarzumachen. Nebel kam auf, der erst alles weichzeichnete und, als er sich später lichtete, alle Bäume raureifbesetzt zurück ließ.

Wir hatten einige Freiwillige, die für das Fernsehen in das Eisloch gestiegen sind, unter anderem Martin, der dies das erste Mal machte. Die Wassertemperatur lag bei +0.3 °C. Ich habe fotografiert aber mich spontan entschieden, zum Schluss auch noch in das Eiswasser zu steigen. In Badehose versteht sich und nicht in dem Anzug, in dem man mich im Video weiter unten sieht. Das war heute das zweite Mal, dass ich Eisbaden war und das Wasser fühlte sich kälter an. Vielleicht weil man schon weiß, was auf einen zukommt und man nicht so viel Adrenalin beim allerersten Mal im Blut hat. Aber der Wohlfühlfaktor (ausgenommen vielleicht die ersten drei, vier Sekunden) ist einfach enorm.

Beim zweiten Tauchgang – den für die Presse – habe ich nicht mitgemacht, da ich gerade vom Mittagessen kam und pappsatt war. Dann hält sich meine Motivation, selbst in warmes Wasser zu steigen doch sehr in Grenzen.


Ich habe ein kleines Video gemacht, wie ich versuche, das Eisloch aufzumachen und mir dabei Werkzeug aus dem Handschuh rutscht und ins Wasser fällt. Ein typischer Anfängerfehler, wie Jarkko meinte. Zum Glück hat Mikael, Eisschwimmer und Apnoetaucher, die lange Stange im Nullkommanix wieder vom Grund gefischt. Doch seht selbst …

Räuber, Tiefschnee und Birkhühner

Heute war ich mit Elisabet am Finnforsberget, der auch Räuberberg heißt, weil hier im 16. Jahrhundert Räuber ihr Unwesen getrieben haben. Während der Fall selbst in den Kirchenbüchern gut dokumentiert ist, gehört die Geschichte, die Räuber haben drei Jahre lang eine junge Frau gefangen gehalten, die auf einem Platz vor der Räubergrotte für sie tanzen musste, wohl eher dem Reich der Legenden an.

Entweder war die Grotte früher wesentlich größer, oder die Räuber gingen mir nur bis zum Knie. Ich musste für das zweite Foto in die Grotte hinein kriechen.

Danach sind wir weiter durch den Tiefschnee bergauf gestapft. Zum Anfang standen wir bis zum Knie im Schnee, weiter oben oft bis zur Hüfte. Es gibt vielleicht wenige, denen das Spaß macht. Elisabet und ich gehören dazu. Weit kommt man allerdings nicht.

Vor allem dann nicht, wenn plötzlich aus dem Schnee ein Schwarm Birkhühner auffliegt und im nahen Wald verschwindet. Als wir langsam weiter stapfen, bricht immer wieder ein einzelnes Huhn aus dem Schnee; manchmal nur wenige Meter von einem entfernt. Ich versuche, die Vögel zu fotografieren, aber sie sind zu schnell und meistens habe ich nur verschwommene Landschaftsstücke auf den Bildern.

Auf dem zweiten Foto sieht man gut das Loch, in dem es so ein Birkhuhn auch bei -40, -50 Grad noch recht gemütlich warm hat und daneben den streifenförmigen Abdruck der Federn, der beim Auffliegen entsteht.

Wir haben dann am Hang eine Brot-, Tee-, Keks- und Kakaopause im Schneefall gemacht, ehe wir wieder talwärts zum Auto zurückgelaufen sind. Eine schöne, kleine Zweistundentour.

Elisabet: Tack för idag.

Schwedischübersetzung des Tages:Tack för idag – Danke für heute. Das sagt man, um sich für eine Einladung, eine gemeinsame Tour oder was auch immer zu bedanken. Gibt es auch als Tack för igår (… gestern) oder Tack för senast (… letztens/neulich).

Da ist das Eis!

Ja, träume ich denn! Gestern war die Bucht komplett eisfrei und heute, nach einer Nacht mit Temperaturen um -15 °C ist sie mit Eis bedeckt – die ganze Bucht bis zum Horizont. Für mich ist das unglaublich, wie schnell sich das hier ändern kann.