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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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An der Eiskante

Eigentlich wollte ich heute mit Pulka und Ski über das Eis zu einer der Inseln laufen und dort vielleicht auch übernachten. Aber daraus wurde nichts, denn seit dem letzten Wochenende sind große Teile der Ostsee wieder eisfrei und dem Eis, das noch liegt, traue ich nicht über den Weg. (Und auf die nahe Insel Storgrundet hatte ich keine Lust.) Statt dessen habe ich auf der Halbinsel Näsgrundet Fotos von der Eiskante gemacht. Einige vom Land aus, einige mit Wathose vom Wasser aus.

Bei dem Aufnahmen vom Wasser aus hatte ich ein bisschen Schiss um meine Kamera, aber zum Glück ist nichts passiert. Allerdings muss man schauen, wohin man tritt, denn das Wasser ist so klar, dass man die Tiefe leicht unterschätzen kann. Ich habe dann noch ein paar Unterwasseraufnahmen mit iPhone und wasserdichter Hülle gemacht. Auf dem zweiten Foto kann man ein Stück vom knallroten Neoprenanzug sehen. Das ist aber eher lustig als zielgerichtet, denn das iPhone ist unter, mein Gesicht über Wasser und ich sehe erst zu Hause, was die Handykamera vor die Linse bekommen hat.

Und heute war wohl der erste Wintertag, wie ihn die Schweden hier lieben: Knallblauer Himmel, wenig Wind und mit Mittagstemperaturen um minus zwei Grad recht mild. Sonst sieht man Schweden im Winter entweder mit Helm auf dem Skooter oder Schnee schaufelnd vor ihrem Haus, heute hingegen waren so viele zu Fuß in Skelleftehamn unterwegs, wie sonst nur zur Reichstagswahl.

Mein Garten

In meinem Garten liegt Schnee. Gerade so viel, dass die Spitzen des Zauns noch eine Chance haben, herauszuschauen. Die Wäschespinne des Nachbarn stakt hervor, aber nur ein kleiner Schneebuckel verrät die Stelle, wo ich im Herbst den großen Busch zurückgeschnitten habe. Dazu fällt leichter Schnee vom Himmel und ab und zu kommt eine Bö und wirbelt das Ganze zu einer großen weiße Schneestaubwolke auf. Winter.

Zwei Jahre Jobzusage

Heute vor zwei Jahren war Dienstag. Für mich ein ganz besonderer Dienstag, denn am Vortag hatte ich in Skellefteå ein vierstündiges Vorstellungsgespräch bei Artopod, das jetzt Hello Future heißt. Und an diesem besonderen Dienstag um zehn Uhr hatte ich ein weiteres Treffen. Dort habe ich (a) den Job als Programmierer bekommen und (b) diesen Job zugesagt. Also ist heute Jubiläum: Heute vor zwei Jahren war klar, dass ich nach Skellefteå gehen werde, auch wenn ich damals noch nicht wusste, für wie lange.

Inzwischen habe ich so manches gemacht und manches erlebt. Und viel fotografiert und geschrieben, wie man in der Artikelübersicht deutlich sehen kann.

Hello Future sucht übrigens dringend Verstärkung. Einen Graphikdesigner, einen Programmierer und einen Producer/Projektmanager. Doch schaut selbst unter www.hellofuture.se/workwithus/, falls Euch das interessiert.

Fettisdagen

Heute ist Fettisdagen – auf deutsch Faschingsdienstag. Aber während in Deutschland die Fröhlichkeit ausgebrochen ist, kümmern Karneval und Fasching hier keinen.

Aber einen kleinen Brauch gibt es und der ist heute das Tagesgespräch: Heute steht nämlich ein Backwerk im Mittelpunkt des schwedischen Lebens, die „semla“. Das war früher Mal eine heiße Wecke mit Milch, aber weil die Schweden erstens gerne süße Sahne und zweitens viel davon mögen, ist es heute eher ein weiches Weizenmehlgebäck, das mit sehr viel süßer Sahne gefüllt ist – quasi eine Art Schweden-Windbeutel.

Und so haben wir heute um halb drei in großer Runde Fika gehalten (die traditionelle schwedische Kaffeepause) und Semlor gegessen.

Für mich ist das etwas, was ich mehr aus Tradition als aus Begeisterung mitesse, denn wie auch bei so manch anderen schwedischen Gebäck ist die Semla einfach nur süß, süß, süß. Unter dem Zuckergeschmack ahnt die Zunge diverse künstliche Aromen, während die Zähne versuchen, in dem pappig-weichen Weizenmehlteig Griff zu finden. Ihr merkt schon, in den Punkten Brot und Backwerk bin ich ein schwedischer Kulturverweigerer (auch wenn ich das weiche Zeugs esse) und ein typischer Vertreter des „Nur Deutsche können Brot“-Chauvinisten. Und da stehe ich zu!

Eigentlich esse ich seit vier Wochen keine Süßigkeiten, keine Chips, keinen Kuchen mehr. Zwei Ausnahmen von der Regel: Die zweite war die Semla heute, die erste war hausgemachte Tiramisu letzte Woche auf Solberget. Auch gute Vorsätze haben ihre Grenzen. Jetzt geht’s aber wieder ohne weiter.

Kein Schneesturm

Der Schwedischen Wetterdienst warnte vor heftigen Schneefällen und Winden, die für Schneeverwehungen sorgen sollen. Es kam wesentlich weniger Schnee herunter, als angekündigt, aber windig war es tatsächlich. Sowohl im Garten hatte ich einige Schneewehen (die Schuppentüren rechts hatte ich am Vorabend noch freigeräumt), als auch auf den Bahnschienen der Güterbahn.

Überraschender war für mich, dass der starke, böige Wind das gesamte Ostseeeis aufgebrochen hat und ich bis zum Horizont auf offenes Wasser schauen konnte. Das wird wohl dauern, wenn es diesen Winter überhaupt noch klappt, bis ich Skitouren zu den anderen Inseln machen kann.

Solberget hingegen, wo ich am Vortag noch war, hat wohl einiges an Schnee abbekommen („Heute war eigentlich nur Schneeschippen angesagt, nach dem verheerenden Schneesturm von gestern nacht. Und auch heute nacht sollen noch mal 10-20cm Neuschnee kommen…..mit Wind und Sturm.“). Nun weiß ich nicht, ob es gut war, dass ich am Samstag früh zurückgefahren bin oder ob ich einfach hätte bleiben und mich und das Auto gemütlich auf Solberget hätte einschneien lassen sollen …

Solberget

Wenn man von Gällivare nach Solberget möchte, nimmt man am Besten den Nattavaaravägen. Nach 50 Kilometern links abbiegen, nach sechs Kilometern rechts. Dann noch elf Kilometer fahren und man ist da.

Solberget, ein Wildnisdorf in Lappland, ist nicht ganz unschuldig daran, dass ich in Nordschweden gelandet bin. 2005 war ich das erste Mal hier, unter anderem, um am Kurs „Erste Hilfe Outdoor“ teilzunehmen. Seitdem war ich dort fast jeden Winter.

Ich mag nicht nur die hügelig-bergige Wald- und Moorlandschaft, die Solberget umgibt und in der man im Winter so schöne Skitouren unternehmen kann, sondern auch die gemütlichen Unterkünfte auf dem Hof, die man mit Holz heizt und mit Petroleumlampen beleuchtet. Denn Solberget ist nicht ans Stromnetz angeschlossen und auch das Wasser holt man von der Quelle oder aus dem Brunnen. Inzwischen komme ich allerdings nicht mehr als Tourist, sondern hauptsächlich, um Dirk und Silke, die Solberget betreiben, zu besuchen. Wer mehr über Solberget und die vielen Sommer- und Winteraktivitäten erfahren möchte, schaut am Besten direkt auf die Website www.solberget.com.

Am Donnerstag war recht trübes Wetter. Ich bin auf Skiern auf den Solberget gelaufen. (Solberget bedeutet „Der Sonnenberg“ und sowohl der Hof als auch der benachbarte, flache Berg heißen so.) Dort gibt es einen Turm, von dem man eine weiter Aussicht hat und eine gemütliche Berghütte, in der man mit vier Personen übernachten kann.

Jeder Gast auf Solberget bekommt im Winter Tegsnäs-Ski. Das sind breite und über zwei Meter lange Holzski, die auf dem lockeren Pulverschnee sehr gut tragen. Sie haben eine Universalbindung, so dass man sie mit jedem Stiefel benutzen kann.

Ich hatte dieses Mal aber meine eigenen schmaleren Fjällski dabei und diese benutzt, weil ich neugierig war, wie sie sich in diesem Gelände so machen. Auf dem Weg nach oben zum Solberget stand ich auch so manches Mal bis zum Knie im Schnee. Auf der Fahrt nach unten habe ich mich aber über die Beweglichkeit der Fjällski gefreut.


Am nächsten Tag war schönes Wetter und ich bin zu den ausgedehnten Moorgebieten gelaufen. Dieses Jahr war der Winter sehr warm und es gab so manche Stelle mit offenem Wasser. Hier wären die Tegsnäs definitiv die bessere Wahl gewesen, denn an einer Stelle stand ich plötzlich bis zur Hüfte im Schnee und meine Skier auf dem nassen Moorboden. Da durfte ich danach erst einmal Eis kratzen, damit ich weiterlaufen konnte.

Hier ein paar Bilder von der kleinen Tour:

Gestern am Samstag bin ich wieder nach Hause gefahren. Ich hätte gerne noch Bekannte auf dem Weg besucht, doch der Schwedische Wetterdienst hatte eine Wetterwarnung Stufe 2 wegen starker Schneefälle und starkem Wind ausgerufen. Deswegen bin ich direkt nach dem Frühstück aufgebrochen und auch wenn es noch nicht geschneit hat, so war die Rückfahrt bei dem starken und böigen Wind recht anstrengend. Jetzt beruhigt sich das Wetter allerdings ein wenig und die bis zu 30 cm Schnee mit starken Verwehungen werden Skelleftehamn wohl nicht treffen.

Danke, Silke und Dirk, für Eure Gastfreundschaft. War wieder schön bei Euch.

Noch ein Wort an die drei Elche von gestern: Das sah schön aus, wie ihr in einer Reihe durch den Schnee gelaufen seid. Aber warum bitteschön an der Hauptstraße, wo ich nicht bremsen kann, um auch endlich mal ein Elchfoto zu machen.

Und noch ein Wort an die vielen Rentiere auf der Straße: Danke fürs Vorbeilassen, aber was knabbert ihr eigentlich so gerne an dem vereistem Straßenboden herum? Sind Euch die Flechten zu langweilig geworden?

Grandioses Polarlicht

In der Webcam auf uk.jokkmokk.jp war es schon zu sehen, dann später auch in Gällivare. Das war bis jetzt mit das schönste Nordlicht, was ich je gesehen habe. Die Bilder sind im Vergleich zur Wirklichkeit miserabel. Weder sieht man die feinen Farbverläufe ins Gelbe und Rosafarbene, noch die Dynamik und Bewegung. Außerdem zeigt auch mein Weitwinkel nur einen kleinen Ausschnitt des Himmels.

Ballone über dem See

Auch heute sind wieder acht Ballone gestartet. Allerdings waren die Winde mal wieder anders als vorhergesagt und so schwebten alle Ballone am angepeilten Startplatz, an dem ich stand, vorbei. Zwei Ballone sind direkt auf der E45 gelandet, einer auf einem Skooterweg, von den anderen weiß ich es nicht.

Skitour auf den Dundret

Da auch heute alle Ballonplätze ausgebucht waren und es auch etwas bewölkt war, bin ich direkt nach dem Pilotenbriefing zu einem Parkplatz gefahren, habe meinen Rucksack gepackt, meine Skier untergeschnallt und bin auf den Dundret gelaufen.

von außen

Anfangs lief ich auf einem perfekt präparierten, sechs Meter breiten Weg. Das war fast ein bisschen langweilig. Doch nach einiger Zeit kam ein Abzweig zu einem kleineren Weg, der zu einer Hütte führte. Oberhalb der Hütte führte der Weg weiter und schon bald war ich über der Baumgrenze.

Wenig höher war ich auf der Hochebene des Dundret angelangt. Hier wachsen nur noch wenige kleine Bäumchen, die jetzt im Winter dick mit Schnee und Reif eingepackt sind.

Bis auf die kleinen aber auffälligen Bäume prägen Holzkreuze, die als Wegmarkierungen dienen, das Gelände. Der Rest ist Schnee.

Schnee, der vom Wind in Strukturen gepresst wurde und lockerer Schnee, der im Wind über die Ebene geblasen wird.

Ich laufe geradeaus, bis ich am Südende der Ebene ankomme. Es bewölkt sich und um die Sonne scheint ein Halo. Links in der Ferne sieht man einige weiße Gebäude.

Ich schwenke neugierig nach links und nähere mich den Hütten. Jedes Gebäude ist dick mit Eis und Schnee bepackt.

Inzwischen waren auch südlich des Dundret einige Ballone gestartet. Doch kaum waren sie in der Luft wurde das Wetter schlagartig schlechter, denn Wolken trieben über die Hochebene. Wenn es neblig wird, weiß man die Wegmarkierungen zu schätzen.

Doch in den Wolkenlücken konnte ich ab und zu ein paar der Heißlüfter erblicken

Ich hatte leider keine Karte dabei, aber mit den Wegmarkierungen, GPS mit Ersatzbatterien, Kompaß und Handy, ebenfalls mit Karte und GPS fühlte ich mich sicher genug, noch ein bisschen oben zu bleiben. Zwei dicke Paar Wollhandschuhe hielten meine Finger warm, in den Pausen auch die Daunenjacke, Studentenfutter hatte ich auch, nur Tee hatte ich leider nicht dabei und das Wasser, was ich dabei hatte, war zum Schluss mit Eiskristallen durchmischt.

Da man von den Ballonen nicht wirklich viel gesehen hat, habe ich mich dann aber bald auf den Rückweg gemacht (Zur Orientierung reichte die Sonne völlig aus, sie war noch nicht ganz in den Wolken verschwunden).

Auf dem Rückweg musste ich dann sehen, wie ich den Berg wieder herunterkomme. Ich bin kein toller Skiläufer und der Schnee war hart und damit schnell. Aber mit ein bisschen hin- und her fahren und einigen Bremsmanövern war ich bald wieder auf der breiten, schneebedeckten Straße angelangt. Die war zum Anfang noch recht steil und ich habe größere Teile der Strecke gebremst. Zum Schluss wurde es aber flacher und dann konnte ich die Ski einfach laufen lassen, mich ab und zu mit den Stöcken abstoßen, bis ich mit dem letzten Schwung am Kofferraum meines Autos zum Stehen kam.

von innen

Alles ist Reduktion: Man sieht Himmel, Schnee, Eis, weite Flächen und vom Wind geschaffene Strukturen und Texturen. Ohne die Landmarken, wie beispielsweise die typischen Holzkreuze, hätte man kein Gespür mehr für Entfernungen. Überall liegt Schnee, das Auge kommt zur Ruhe.

Dann der Klang. Auch hier: Reduktion. Man hört deutlich den Wind, der ab und zu an der Kapuze pfeift. Setzt man die Kapuze ab, so kann man das leise, kristallklare Rascheln des Schnees, der über die Ebene getrieben wird, hören. Aber wer setzt bei dem Wind schon die Kapuze ab. Der Wind bläst, das Ohr kommt zur Ruhe.

Dann die Bewegung. Man macht einen Schritt, noch einen, noch einen. Entweder von Holzkreuz zu Holzkreuz oder einfach quer über die weiten Schneeflächen. Schritt für Schritt. Die Bewegung hat etwas Ruhiges und Meditatives. Schritt für Schritt, der Körper kommt zur Ruhe.

Man ist eins mit der Winterlandschaft, eins mit sich selbst. Man kümmert sich nur um das, was hier und jetzt wichtig ist. Orientierung. Essen. Warm bleiben. Alles andere existiert nicht mehr. Die Gedanken kommen zur Ruhe.

Die Seele jubelt, sie möchte schreien vor Glück. Doch auch sie – überall Schnee, der Wind bläst, Schritt für Schritt, Einssein – reduziert sich und kommt schließlich zur Ruhe.


Ich bin kein Eremit, der zwanzig Jahre in den Bergen meditiert. Und ich bin auch gerne wieder mit dem Auto zur momentanen Wohnung gefahren, habe gegessen und einen kleinen Mittagsschlaf gehalten. Doch wenn ich leise horche, so bin ich wieder oben auf dem Fjäll. Und komme zur Ruhe.

Interview

Wenn ich 100 Meter Brust geschwommen bin, dann habe ich aus jedem normalen Hallenbad ein Wellenbad gemacht. Viel Geplansche in alle Richtungen, effektiv ist anders.

Dass ausgerechnet ich ein Interview auf einer Webseite, die sich ausschließlich mit Schwimmen beschäftigt, bekomme, hat daher fast etwas Surreales. Das Winterschwimmen macht’s möglich.

Hier der Link zum Interview:

http://swim.de/magazin/open-water/im-wasser-spuert-man-die-kaelte-nicht