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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Teater

Kennt Ihr „Toi, toi, toi“? Mit symbolisch über die linke Schulter spucken? Das macht man in Deutschland, um sich vor einer Theaterpremiere Glück zu wünschen. In Schweden macht man das anders: Man tritt sich symbolisch. Und wenn jemand eine Karte schreibt, um Erfolg zu wünschen, so steht darauf „Spark“, das bedeutet Tritt.

Auch in Schweden gibt es Kalauer: Als der Tonmensch den Chor nach der Pause wieder auf die Bühne schicken wollte, sagte er „Plastpåsen!“. Und erntete irritierte Blicke, denn das bedeutet „Die Plastiktüte“. Dann sagte er „Plats på scen!“. Klingt so ähnlich, heißt aber in etwa „Platz auf der Bühne“.

Was es auch hier gibt, sind Premierengeschenke. Ich habe ein Buch mit dem Titel „Iskall“ („Eiskalt“) über die nördliche Ostsee im Winter bekommen. Ein Volltreffer, denn mit genau diesem Buch hatte ich schon zwei Tage zuvor im Buchladen geliebäugelt.


Als Kind war ich einmal bei einem Freund. Und der hatte ein Plakat vom Bremer Theater im Zimmer hängen. Darauf stand „Teater“. Ich ging davon aus, dass das ein Druckfehler sei und das Plakat später einmal – so wie bei Briefmarken – unglaublich viel wert sein würde. Hier hingegen ist „Teater“ richtig geschrieben, das H schenkt man sich.

Genauso schenkt man sich jeglichen Ursprung der Worte, es wird geschrieben wie gesprochen. So heißt zum Beispiel das Theaterstück „pjäs“ (französisch pièce), die Bühne „scen“ (französisch scène) und Premiere schreibt man „premiär“. Als mir die Regisseurin gesagt hat, ich solle mir eine „Loge“ aussuchen, war ich allerdings irritiert. Für mich sind Logen diese mit roten Samt ausgeschlagenen Dinger, in denen Königs Platz zu nehmen pflegen. Im Schwedischen heißt „loge“ aber auch einfach die Künstlergarderobe.

Nicht über Lucia

Heute, am 13. Dezember ist Luciatag. Da könnte ich einiges drüber schreiben. Wenn es mich irgendwie betreffen würde. Denn von Lucia habe ich außer vielen Fotos auf Facebook nichts mitbekommen. Ich war zu Hause.

Gestern war Aufführung. Nach der Generalprobe am Dienstag hatte gestern das Stück „Julstämning“ – zu deutsch „Weihnachtsstimmung“ Premiere. Auf der Bühne: Saga die Schauspielerin, ein Chor und ich am Flügel. Die Premiere lief richtig toll und an sich sollte ich mich heute auf die zweite (und letzte) Aufführung freuen. Tue ich aber nur mäßig. Denn in der Nacht habe ich das bekommen, was die Einheimischen hier „Vinterkräksjuka“ – zu deutsch „Winterkotzkrankheit“ nennen. Ich erspare Euch die Aufzählung der Symptome. Jetzt habe ich immer noch ordentlich Fieber, werde mich aber gleich ins Auto setzen und zum Theater fahren. Da kann ich mich dann freuen, dass ich einiges an Routine als Pianist habe und die Stücke auch in meinem, sagen wir suboptimalen Zustand gut spielen werden kann.

Unterbrochen wurde der Tag, den ich hauptsächlich mit Schlafen und ekligen Magentee trinken ausgefüllt habe von einem Traktorgeräusch. Der Nachbar von gegenüber hat einen alten Freund, der einen ebenso alten Traktor (Baujahr 1957) sein eigen nennt. Und mit diesem herrlichen Gefährt hat der Freund für kleines Geld meine Einfahrt von den Schneemassen befreit. Das sieht zwar jetzt nicht mehr so romantisch aus, aber dafür komme ich auch wieder ohne Tiefschneegestapfe zur Garage.

Ansonsten war ich heute beleidigt! Nicht, weil ich krank bin. Sondern weil es in München viel kälter war als hier! Ich habe so eine Art Absolutheitsanspruch an den Winter in Skelleftehamn, meinetwegen auch noch den in der Stadt: Hier soll es am kältesten sein, am meisten Schnee liegen und ich will lächelnd abwinken, wenn jemand von Schneechaos redet, weil mein Haus bis zum Dach im Schnee steht.

Von daher habe ich es schon als Affront empfunden, dass vor zwei Wochen in Bureå 98 cm Schnee gefallen sind und hier nur 83 cm. Das ist so wie 4:5 verloren. Bin ich, der nie ein Fußballspiel live gesehen hat, vielleicht doch ein verkappter Wettbewerbsfan?

Und dann das hier!:

Am 4. Dezember schön und gut: München -2 °C, Skellefteå Flugplatz -22 °C. Das klingt doch richtig schön nordschwedisch. Aber heute morgen: Skellefteå Flugplatz -4 °C, München -19 °C. Hallo? Geht’s noch? Ich kann mich bei meinen Münchner Freunden doch gar nicht mehr sehen lassen, die lachen mich doch aus! -4 °C, da hätte ich auch nach Hannover ziehen können. Ich hoffe, dass, wenn ich die Silvestertage hier mit deutschen Freunden verbringe, mehr als das zu bieten habe.

So, jetzt gibt es wieder Magentee und dann setze ich mich ins Auto und mache Theater.

Nachträgliche Anmerkungen:

Über Lucia haben heute unter anderem Swedish freak (englisch) und Schwedenstube geschrieben. Und vor einem Jahr habe ich selber etwas geschrieben.

Die Screenshots von den Temperaturen habe ich von der iPhone-Applikation „AeroWeather Pro“ gemacht. Gibt’s auch für den Anfang als Light-Version.

Ein Wintermorgen

Gestern war es klar – und damit recht kalt. So um -17 °C. Dann kamen abends die Wolken und es wurde wärmer. Heute morgen schaue ich aus dem Fenster, schaue zwei Mal. Viel ist nicht zu sehen, denn der Wind, den ich nachts schon gehört habe, treibt Schnee vorbei. Und der smhi hat ganz plötzlich Warnstufe 1 wegen 10 cm Neuschnee mit Verwehungen ausgerufen, die im Laufe des Tages kommen sollen. Wenn ich mir die Straße so anschaue, würde ich sagen, dass das Meiste davon schon angekommen ist.

Vorgestern hat hier ein Räumfahrzeug die Schneeberge am Straßenrand und auf den Fußwegen weggenommen und plötzlich ist die Straße doppelt so breit. Dabei hat das Räumfahrzeug den Schnee wohl weggefräst, denn die Kante am Rand sieht aus wie mit dem Stahllineal gezogen. Nun weht die Straße langsam wieder zu und vor allem am Rand sammelt sich der Pulverschnee.

Mein Auto hat wie die meisten Fahrzeuge einen Motorwärmer und ich schließe es nachts an die Steckdose an, damit der Motor morgens warm ist. (Das Auto springt aber auch bei -26 °C noch ohne Motorwärmer an, selbst getestet.) Jetzt hat man die Wahl: Im Fußraum ist ein kleiner Heizlüfter. Schließt man den an, so hat man es morgens schön warm im Auto und die Scheiben beschlagen nicht. Allerdings ist dann auch das Auto warm genug, dass außen der Schnee schmilzt, dann festfriert und man ganz ordentlich Eis kratzen muss. Lässt man ihn aus, so sitzt man in einer Wolke von gefrierender Atemluft. Ich halte es da mehr mit dem Kratzen.

Und Schnee geschaufelt, damit ich losfahren kann und freigekratzt habe ich schon. Als ich allerdings die Windschutzscheibe freigelegt habe, war die Heckscheibe schon wieder komplett zugeschneit. Also muss ich direkt vor dem Losfahren noch mal Schnee von den Scheiben fegen und dann aber los …!


Facebookkommentare heute mogen:

„Skitväder, igen.“ (Sch***wetter, wieder.)

„Trotsar snökaoset :)“ (Trotze dem Schneechaos).

Schneeloch Bureå

Heute bin ich mit dem Auto nach Bureå gefahren, der Ort, in dem letztes Wochenende noch mehr Schnee herunterkam. Und wenn ich mir den Friedhof von Bureå so anschaue, dann glaube ich das auch. Ganze Reihen von Gräbern waren komplett im Schnee verschwunden und nur ein Teil der Steine und Kreuze lugte aus dem Schnee hervor. Der Hauptweg war wohl mal geräumt waren, auf ihm lagen nur so 30 cm Schnee. Als ich die Fotos gemacht habe, musste ich schon sehr genau schauen, wo ich langgehe, damit ich nicht über irgendeinem Grab herumtrampele. Aber – seht selbst:

Als ich wieder am Auto war, stand eine alte Dame – eine kleine, zierliche Frau – vor dem Hauptweg. Sie wollte eigentlich zum Grab ihres Mannes und dort ein Licht anzünden, aber da der Weg nicht geräumt war, ging das nicht. Sie hat erzählt, dass letztes Wochenende 98 cm Schnee herunterkamen und soviel Schnee lag, dass sie ihre Haustür nicht öffnen konnte und nicht herauskam. Andere kamen dann mit Traktor und Schneefräse und haben ihren Eingang freigebuddelt.

Ich bin dann weiter zum Bureberget gefahren und der Weg zum Skilift war tatsächlich geräumt, auch wenn er noch nicht in Betrieb ist. Was für ein schöner Winterwald erwartete mich dort: Tief verschneit und immer wieder mit Blicken auf die Ostsee: Im Vordergrund die komplett zugefrorene Bucht Burefjärden, links am Horizont das Werk Rönnskär in Skelleftehamn – nur manchmal durch die Schneeschauer zu erkennen, und rechts am Horizont Wasser – denn dort ist das Meer noch offen.

Weit bin ich aber nicht gekommen, denn ich hatte keine Schneeschuhe dabei und so manches Mal stand ich bis zum Bauch im Schnee. Als ich dann von dem einen Schritt auf den anderen plötzlich bis über die Brust im Schnee steckte, bin ich umgekehrt. Da ich ein bisschen erkältet war, gibt so etwas meine Kondition noch nicht her. Abgesehen davon wird das Gelände schroffer und steiler, wenn man weiter geht, und das ist mir bei dem Schnee alleine zu gefährlich. Ich habe keine Lust, in irgendeine unsichtbare Ritze hineinzurutschen.

Auf dem Rückweg wollte ich eigentlich noch kurz zum Badestrand, aber die Straße war nicht geräumt und ohne Allradantrieb habe ich mich nicht getraut, dort entlangzufahren. Also bin ich zurückgefahren. Auf manchen Strecken ist es gar nicht so leicht zu sehen, wo der Weg entlangführt, denn alles ist weiß und kontrastarm und auch die leuchtenden Stecken, die den Wegrand markieren sollen, findet man nicht überall.

Als ich dann in meine Straße zu Hause einbog, dachte ich, „Dann hätte ich auch zum Strand fahren können!“, denn dort erwartete mich eine aufgewühlte Schneepiste. Beim Einbiegen driftete das Auto nach außen und ließ eher das Fahrgefühl einer Rodelschale als eines Autos aufkommen. Eine Stunde später kam dann das große Schneeräumfahrzeug und hat die Straße freigemacht. Wo bleibt der Schnee? Auf den Grundstücken! Also war wieder Schneeschaufeln angesagt. Da das Zeugs ja auch irgendwo bleiben muss, habe ich auf einen Schneehaufen eine Rampe angelegt, auf der ich dann den Schnee hochschiebe. Und das war heute richtig anstrengend, weil es mit -2 °C recht warm war und daher der Schnee zu großen und sackschweren Klumpen zusammengepresst ist. Ächz!

An der Ostsee

Kleinere Ostseebuchten sind schon mit Eis bedeckt, auf der offenen Ostsee ist aber die Wellenbewegung noch gut zu sehen, auch wenn die Oberfläche mit Eis bedeckt ist.

Wo Wasser und Kälte sind, da ist auch Eis. Am Ufer bilden sich die ersten Eisformationen. Vermutlich stehe ich beim Fotografieren schon über dem Wasser, aber an dieser Stelle ist das Eis dick und trägt.

Mit dem Tele sieht man schön, wie die Häuser auf den Inseln schneebedeckt sind. Bei dieser Eislage sind die Inseln teilweise weder mit dem Skooter, noch mit dem Boot zu erreichen. Mit dem Kajak hingegen könnte man … . Ich habe schon erste Pläne gemacht, aber weil ich ein bisschen erkältet bin, lasse ich dieses Wochenende ruhig angehen.

Der Winter diese Woche

Am Sonntag um zwei lagen also hinten im Garten 83 cm Schnee, alle von den letzten 24 Stunden. Am nächsten Morgen lagen dort nur noch 67 cm, denn der frisch gefallene Schnee ist so fluffig und leicht, dass er ziemlich schnell zusammensinkt. Das ist vielleicht auch ganz gut so, denn sonst würden hier erstaunliche Pulverschneemengen herumliegen und bei jedem kleinen Windstoß die halbe Nachbarschaft zuwehen.

Am Montag (3.12.) ca. 5 cm Neuschnee, am Dienstag morgen ca. 15 cm Neuschnee (eine halbe Stunde schaufeln), seitdem jeden Tag ein paar Zentimeter. Heute Mittag hatte ich hinten im Garten 56 cm, also ist der Schnee schätzungsweise auf die Hälfte seines Volumens zusammengesunken. Auch heute ist es wieder windig und es schneit, aber wirklich viel kommt nicht herunter.

Am Dienstag (4.12.) Abend wurde es mal kurz überraschend kalt: Am Flugplatz wurden -25 °C gemessen und auch bei mir in Skelleftehamn wurden zum ersten Mal in diesem Winter die -20 °C kurz unterschritten. Seitdem ist es aber langsam wieder wärmer geworden, heute mit Temperaturen zwischen -9 °C und -7 °C. Das ist schön, denn da kann ich noch ohne Handschuhe fotografieren.

Am Mittwoch (5.12.) wurde eine Schneewarnung für Stockholm gegeben und richtig – es kam auch einiges in der Stadt herunter, die damit viel größere Probleme hatte als der Norden, denn dort ist natürlich viel mehr Infrastruktur und die wird intensiver benutzt. Auch der Flughafen war am Vormittag wegen des Schnees geschlossen.

Ein bisschen lächerlich gemacht hat sich aber meiner Meinung nach die Zeitung „Dagens Nyheter“, die ein Bildspiel mit dem Titel „Snökaoset i Stockholm“ im Netz veröffentlicht hat. Da war unter anderem dieses schöne Bild zu sehen, von dem ich einen Screenshot gemacht habe. Als ich das bei Facebook gepostet habe, war die Freude der Nordschweden groß, denn hier denken ohnehin alle, dass der Süden nicht weiß, was Schnee und Winter sind.

Heute (7.12.) bin ich durch den Schneefall wie so oft vom Bus nach Hause gelaufen – mit Handschuhen, Halstuch, Mütze und dicker Kapuze auf. Dazu habe ich brasilianische Musik gehört – ein herrlicher Kontrast zum Wetter hier. Abends war ich dann noch einmal kurz draußen und habe Schneewehen und mein Haus fotografiert. Beim Bearbeiten ist mir aufgefallen, dass die vom Wind gewehten Strukturen den Schnee fast wie Sand aussehen lassen. Ich habe versucht, den Schnee wie Sand aussehen zu lassen, aber das Geglitzer verrät schnell, dass ich nicht in der Sahara unterwegs war.

Langer Donnerstag

Was war ich aufgeregt: Meine erste Bilbesiktning – das schwedische Pendant zum TÜV. Um 8:20 hatte ich den Termin und war natürlich viel zu früh da. Als ich dran war, hat mir eine junge Frau das Auto weggenommen und Licht, CO₂-Ausstoß, Bremsen, Unterboden und was weiß ich noch alles überprüft. Nach Ihrer abschließenden Probefahrt habe ich dann ein „Godkänt“ bekommen, also ein „Anerkannt“ – wie schön!

Dann bin ich zur Arbeit gefahren. Als ich über die Brücke gefahren bin, habe ich gesehen, dass ein großer Teil des Flusses Skellefteälven schon zugefroren ist. Also musste ich, statt sofort loszuarbeiten noch einmal zum Fluss laufen und ein paar Bilder machen. Wenn man sich die Fotos ansieht, kann man kaum glauben, dass ich mitten in Skellefteå stehe, welches ja immerhin 33000 Einwohner hat.

Nach der Arbeit hatte ich noch ein bisschen Zeit zum nächsten Termin. Also bin ich in die Bonnstan gefahren und habe dort ein paar Fotos gemacht. Leider war der Himmel bewölkt und ist deswegen auf den Fotos viel zu hell. Ich muss dort noch einmal hinfahren, wenn der Himmel klar und Neuschnee gefallen ist. Ich habe mich dann in den Schnee gesetzt, auf den Fluss hinuntergeschaut und ein kleines Abendbrot gegessen.

Dann ging es aber weiter zur Probe, denn nächste Woche bin ich auf der Bühne. Nicht als Schauspieler – das kann ich gar nicht! – sondern als Pianist. Ich bin gefragt worden, ob ich bei dem Stück „Julstämningen“ – Weihnachtsstimmung mitwirken möchte. Es ist eigentlich ein Einpersonenstück in vier Teilen, aber mit auf der Bühne steht ein Chor, der auch szenisch eingesetzt wird und ich spiele Klavier.

Das macht Spaß, auch wenn mir momentan alles ein bisschen viel ist. Denn am Dienstag Abend hatten wir unser wöchentliches Treffen mit Dark & Cold, mit dem wir unter anderem die nächste Winterschwimmmeisterschaft im Februar 2013 organisieren. Da ist viel zu tun und am Wochenende muss ich die Visitenkarten für uns machen. Gestern war der „Creative Summit Winter“ – eine halbtägige Konferenz unter dem Motto „Drive, Talent & Innovation“ mit anschließendem Dinner und Beisammensein. Sehr nett, aber ich habe das Lauterwerden der Musik zum Anlass genommen, früh zu gehen. Denn Schnee schaufeln musste ich ja auch noch fast jeden Morgen und Abend, auch wenn keine Massen mehr herunterkommen. Aber über Schnee, Kälte und all so was schreibe ich das nächste Mal wieder.

Einen Nachteil hatte mein langer Donnerstag heute: Ich konnte nicht das Nikolauspaket abholen, welches seit heute beim ICA auf mich wartet.

Eisblumen

Ein Wintergarten im Winter ist eine schöne Möglichkeit, kurz vor dem ins Bett gehen noch einmal ein paar Eisfotos zu machen, ohne sich komplett in seine warmen Klamotten zu werfen. Praktisch!

Am Tag danach

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

Am Tag danach klarte der Himmel ein bisschen auf und die Temperatur fiel auf knapp -15 °C. Die Ostseebucht, an der ich vorgestern noch Wellen fotografiert habe, ist komplett mit Eisfladen bedeckt, die größtenteils schon zusammengefroren sind. Das war’s erst einmal mit dem Kajak fahren.

Am Haus ist der lockere Schnee schon ordentlich zusammengesackt, von 83 cm auf 67 cm. Die Sonne scheint fahlorange durch eine leichte Wolkenschicht aus der Schneestaub fällt. Es wird ein bisschen wärmer, -12 °C.

Gestern war so manches Auto komplett eingeschneit und das Auto eines Nachbarn war nur noch am Antennenstummel zu orten. Heute musste ich länger suchen, bis ich ein eingeschneites Auto als Fotomotiv entdeckt hat, denn die Menschen sind fleißig. Fast alle haben ihre Fahrzeuge freigeschaufelt und die Wege vom Schnee befreit. Aber zum Schluss habe ich doch noch eines gefunden.


Nachtrag: Und so sah es heute Mittag bei Storgrundet aus. Die Ostsee ist komplett eisbedeckt und wenn es weiter so kalt bleibt, kann ich vielleicht schon nächstes Wochenende zur Insel herüberlaufen.


Nachtrag 2 (20:20): Der Ort Bureå, knapp 10 km weiter südlich, hat noch mehr Schnee abbekommen: Laut Norran – Skellefteås Zeitung – einen Meter. Und im Gegensatz zu hier, wo alle Nebenstraßen und sogar der Fahrradweg sofort wieder freigeräumt waren, waren dort gestern Nachmittag noch viele eingeschneit.

Im Schnee versunken

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

Nur zur Erinnerung: Gestern mittag konnte man noch überall den Rasen sehen, denn es war zwar kalt, aber Schnee lagen nur ein paar Millimeter. Dann fing es an zu schneien, mehr zu schneien, noch stärker zu schneien. Entgegen der Vorhersage (10-20 cm Schnee, lässt vormittags nach), schneite es die ganze Nacht durch und auch heute vormittag kamen mit jeder weiteren Stunde fünf Zentimeter dazu. Und da kommt eine Menge zusammen …


Als ich heute aus dem Haus blickte, war alles tief verschneit und es schneite noch immer. Die Straße war eine einzige weiße Fläche und von meinem Auto schauten nur noch ein Teil der Scheiben, Dachreling und Rückspiegel hervor. Bis zum Oberschenkel ging mir das fluffige Weiß auf dem Weg zur Garage. Denn dort standen die Skier, die ich heute nehmen wollte. Inzwischen war der Schneepflug gekommen und hat zusätzlichen Schnee von der Straße vor das Grundstück geworfen. Da musste ich erst einmal durchwaten, um überhaupt auf die Straße zu kommen.

Mit Skiern bin ich dann bergauf die Straße in Richtung Storgrundet gelaufen, bin aber schnell wieder umgekehrt, denn im Wald trug der Schnee nicht und der Weg war schon geräumt, so dass die Skier auf dem Kies kratzten.

Mit den Winterstiefeln (gefüttert – wasserdicht – bequem) ging es dann viel besser. Bei der Skooterspur habe ich den Weg verlassen und bin die Waldwege entlanggelaufen. Oder das, was von den Waldwegen übrig war, denn überall lag der Schnee knie bis hüfthoch. Genau das Richtige, um sich an die alten Trendsportarten von vor zwei Jahren zu erinnern: Tiefsnow stapfing und Power snowangeling! Beim letzten Foto bin ich einfach die verschneiten Felsen heruntergerutscht und weitergerutscht und weitergerutscht. Keine Angst, so tief ist der Schnee dann doch nicht, ich liege hier halb auf den großen schrägen Felsen. (Beim Power snowangeling habe ich mich übrigens einfach rückwärts fallen lassen. Kein Anlauf oder so …)

Die Natur präsentierte sich hauptsächlich in Schwarzweiß. Eigentlich hauptsächlich in Weiß, denn der Schneefall wurde immer stärker und ich war froh, zur Sicherheit einen Kompass dabei zu haben, auch wenn ich die Umgebung inzwischen ganz gut kenne. Vor allem an dem kleinen See Rudtjärnen war alles weiß in weiß und das gegenüberliegende Ufer war nicht zu sehen.

Nach einer recht anstrengenden Runde zu Fuß durch den Tiefschnee bin ich wieder auf den geräumten Weg gekommen. Hier lag schon neuer Schnee. An dem (anderen) kleinen See, an dem ich vor ein paar Tagen noch fotografiert habe, ist es meistens sehr windig. So auch heute. Ich bin kaum zum Ufer gekommen, um ein Vergleichsfoto zu machen, denn der Wind hat die Schneeverwehungen schon hart werden lassen. Eingesunken ist man aber doch bis zum Bauch.

Nun war es bis zur Ostsee nicht mehr weit. Zu meinem Erstaunen war die Ostsee zwischen Insel und Festland zugefroren, auch wenn einige braune Stellen verrieten, dass das Eis noch lange nicht tragfähig ist. Hier habe ich eine Tee- und Esspause gemacht, die war aber bei dem Küstenwind trotz zweiter Jacke ganz schön ungemütlich. Die Insel Storgrundet war im Schneefall und Schneetreiben nicht einmal zu erahnen und auch die Nikon wollte nicht mehr so richtig. Zeit für den Rückweg …

Der Rückweg ging schnell, selbst wenn die geräumte Straße inzwischen wieder zugeschneit war. Als ich wieder in meine Straße einbog, sah ich alle Nachbarn auf einmal. Und alle schaufelten Schnee. Oder unterhielten sich über das Wetter. Manche hatten eine Schneefräse und später kam auch jemand mit einem alten Traktor dazu. Mein Auto war inzwischen bis auf den rechten Außenspiegel komplett unter den Schneemassen verschwunden und auch mein Trampelpfad von vor einigen Stunden war wieder zugeschneit.

Mittags – genau 24 Stunden später – hörte der Schneefall wieder auf. Und in diesen Stunden haben die Wolken 83 cm Neuschnee in meinen Garten geladen. 83 cm in 24 Stunden! Das hat auch der Nachbar von gegenüber noch nicht erlebt! Ich ahnte, dass ich den Rest des Tages mit Schneeschaufeln beschäftigt sein würde. Schon der Pfad zur Haustür hat seine Zeit gebraucht und danach kam das Auto dran, und der Schnee davor. Das ganze war ein bisschen wie Ostereier suchen: Oh, ich habe ein Auto, einen Briefkasten, eine Treppe, ein Kellerfenster! Bloss der Zaun zum Nachbarn ist immer noch im Schnee versteckt.

Ich schätze, ich habe 10 Kubikmeter, also etwa eine Tonne Schnee über meine Schulter geworfen und dementsprechend groggy bin ich jetzt. Richtig groggy! Aber während die meisten Nachbarn nur die Arbeit sehen, freue ich mich, dass der Winter mit einem Paukenschlag pünktlich zum ersten Advent (Stimmt, den haben wir ja heute auch) gekommen ist. Und so viel Schnee bleibt lange liegen, zumal die nächsten zehn Tage Dauerfrost sein soll. Winter wonderland!

Anmerkungen

Eigentlich war heute wieder Skyltsöndag in Skelleftehamn. Da war aber nichts, denn auch der Marktplatz war unter Schnee begraben.

Es hat wohl wieder einen „Lake effect“ gegeben, denn schon zehn Kilometer landeinwärts liegt ungleich weniger Schnee. Und den Lake effekt konnte das smhi vor zwei Jahren auch schon nicht vorhersagen.

Fotografen wird auffallen, dass manche Bilder vignettiert sind. Das liegt daran, dass um die Linse herum ständig Schnee klebte. Zum Schluss war die Hälfte der Bedienelemente an der Nikon eingefroren und das Fotografieren wurde immer schwieriger. Ich werde das nächste Mal die Nikon vorher schon herunterkühlen in der Hoffnung, dass der Schnee dann nicht so leicht am Gehäuse schmilzt und festfriert.