Wo waren wir? Ach ja, bei der Besichtigung. Ganz klar denken kann ich nicht mehr, denn ich habe drei Stunden lang versucht, Dinge in schwedisch zu verstehen, denen ich vermutlich in deutsch auch nicht folgen könnte. Der Handwerker bin ich ja nicht so ganz …
Eine Frau von Anticimex hat das Haus auf jeden Fall über drei Stunden vom Kellerfußboden (riesiges Loch reingebohrt, um Feuchtigkeit zu messen) bis zum Dach (drinnen und drauf) alles ganz genau angeschaut. Und mir, mir wurde bang und bänger, denn auf der Bewertungsskala von 1 bis 3 waren erschreckend viele Dreier dabei. Und verstanden habe ich ja auch nicht gerade alles.
Im Abschlussgespräch stellte sich dann heraus, dass es zwar recht viele kleinere Dinge zu tun gibt, aber nichts wirklich brennt und ich dieses Jahr nur am Dachabschluss etwas machen lassen sollte und mir einen guten „rörläggare“, also Klempner suchen sollte, um ein paar kleinere Dinge fixen zu lassen. Daraufhin hat sich mein Adrenalin wieder etwas gesenkt. Nächste Woche bekomme ich einen ausführlichen Bericht, den ich dann bestimmt mit einem hauskundigen Schweden durchgehen kann. Und dann hoffe ich für die Zukunft, dass die vielen Dinge, die nicht untersucht wurden/werden konnten, in Ordnung sind.
Seit heute wohne ich nicht mehr in Skellefteå. Sondern in Skelleftehamn.
Nein, noch nicht im Haus. Sondern in einem schönen Zimmer in einer riesigen Villa.
Gestern habe ich meine Sachen gepackt und die letzte Nacht in Lasses und Martines Haus geschlafen. Jetzt haben Sie wieder ein bisschen mehr Platz, zumal sie im Juni viele Gäste erwarten.
Vielen Dank Martine, vielen Dank Lasse. Für die schöne Unterkunft. Das Bekochtwerden. Die schönen Gespräche. Und die netten Leute, die ich durch Euch kennenlernen durfte. Danke!
Heute morgen hat mich ein Freund von Lasse dann zu Anna in Skelleftehamn gefahren. In ihrer riesigen Villa werde ich ein Zimmer haben, bis ich Ende Juli mein Haus beziehen kann. Und das Haus habe ich heute auch gesehen, denn um zwölf hatte ich einen Termin mit Anticimex und dem Besitzer. Die Expertin hat dann das Haus über drei Stunden auf den Kopf gestellt, doch davon später mehr …
Ich möchte Euch diese bezaubernde Infographik des smhi nicht vorenthalten:
Snödjup ist Schneehöhe, eigentlich „Schneetiefe“. Und hier regnet es ausnahmsweise mal. Den Rest schreibe ich heute Abend.
Vermutlich hält diese Überschrift eisernen Recherchen vor Ort nicht stand, aber – ich war heute mit dem Fahrrad in Skelleftehamn und habe auf den ganzen 40 Kilometern kein Fitzelchen Schnee mehr gesehen. Da sage sogar ich alter Schneeliebhaber: Toll!
Beim Radeln habe ich auch die drei Windrichtungen in der Kommune Skellefteå kennengelernt: Ganz von vorne, links von vorne und rechts von vorne. Die vierte Windrichtung fragt Ihr? „Bergab“.
Rückblende
So sah Skellefteå im Februar aus, als ich mein Vorstellungsgespräch hatte. Das ist ja aber auch schon gut drei Monate her.
Mein erstes YouTube-Video tut sich vor allem durch die hohe künstlerische Qualität hervor. Das klingt doch viel besser, als wenn ich erzähle, dass ich die Kamera freihand beim Fahrrad fahren gehalten habe, oder? Und den Film auch nicht geschnitten oder gar bearbeitet habe.
Aber zurück zum Thema: Achtet auf das hellgrüne Haus, welches irgendwann rechts vorbeiwackelt. Nächsten Donnerstag ist noch eine Inspektion. Wenn dann keine gravierenden Mängel zutage treten, unterschreibe ich den Kaufvertrag und das Haus gehört mir.
Ein Nachbar macht übrigens Holz, deswegen die nette Motorsägenatmo.
Heute am Samstag habe ich bis elf geschlafen und mir eher einen faulen gemacht. Dabei war es gestern gar nicht so spät.
Gestern ab vier war nämlich Lasses Junggesellenabschied. Von den Dingen, die er in Skellefteå öffentlich tun musste, erwähne ich hier nur das Rezitieren von wirklich schlechten Gedichten – eine Aufgabe, die er mit Bravour meisterte. Sag ich jetzt mal so, denn verstanden habe ich fast nix.
Gegen sechs sind wir mit einem motorisierten Floss nach Ytterholmen übergesetzt. Die Insel liegt mitten in Skellefteå im Fluss und ist nur per Boot zu erreichen. In einem riesigen Wok wurde Fleisch und Gemüse über dem Lagerfeuer zubereitet und auf dem Floß mit Kartoffelgratin, Brot und Salat gegessen. Zu trinken gab es Bier, Wein, Cognac und Whisky. Ich hätte gegen ein Wasser oder eine Apfelsaftschorle ja nicht wirklich was gehabt und so habe ich den Abend fast nichts getrunken. Der Junggesellenabschiedsprofi werde ich wohl nicht mehr.
Nach dem Essen haben wir uns es im warmen Wasser eines Hot Tub, in der Sauna oder am Lagerfeuer gut gehen lassen. Nach dem Hot Tub war ich kurz im Fluss baden und was soll ich sagen, wirklich wärmer geworden ist das Wasser auch noch nicht. Um elf sind wir wieder zurückgefahren. Ich bin dann nach Hause geradelt und war froh, dass es noch hell war, denn das Fahrradlicht geht entweder nicht, oder ich habe noch nicht herausgefunden, wie.
Jetzt werde ich noch ein bisschen an meinem Vokabellernprogramm weiter programmieren. Denn gestern bei der zweiten Stunde beim sfi habe ich von meinem Lehrer Björn erfahren, dass mein Schwedisch für den sfi zu gut sei und er mich nicht weiter unterrichten könne. Nett zu hören, aber die Freude hält sich in Grenzen, denn ich fühle mich immer noch wie ein Anfänger. Jetzt liegt es alleine an mir, mit dem Schwedisch weiter zu kommen. Also – Vokabeln lernen … . Los geht’s!
Heute war ich mit dem Fahrrad in Skelleftehamn und habe das Haus fotografiert:
Und das sind zwei Bilder von der Umgebung gleich um die Ecke:
Wie immer kann man die Bilder per Mausklick vergrößern.
Heute um 14:58 habe ich einen Anruf vom Makler bekommen und erfahren, dass ich das Haus in Skelleftehamn bekomme! Unglaublich – vor einem Monat aus München aufgebrochen und heute ein Haus gekauft! Ich hatte am Montag ein erstes Gebot abgegeben, bin aber schnell überboten worden. Einer anderen Interessentin hat das Haus auch gut gefallen und wir haben heute beide um die Wette geboten.
War das aufregend! Mit meinem letzten Gebot habe ich dann das Haus bekommen. Eine ganze Ecke teurer als erhofft und erwartet, aber im Vergleich zu den deutschen Hauspreisen speziell um München herum immer noch unfassbar günstig. Ebenso wie das Bieten ist es in Schwedisch üblich, einen Sachverständigen die Immobilie bewerten zu lassen, bevor man den Kaufvertrag unterschreibt. Und das werde ich nächste Woche auch so machen.
Ich begreife immer noch nicht so ganz, dass ich nach sechs Jahren Einzimmerapartment jetzt plötzlich wieder Platz für meinen Flügel habe. Und alle Bücher. Und Gäste. Toll!
Morgen werde ich mit dem Rad nach Skelleftehamn fahren, ein paar Fotos vom Haus machen – das Angebot mit allen Fotos ist nämlich ruckzuck aus dem Internet verschwunden, nachdem ich den Zuschlag bekommen habe – und ein kleines Picknick an der Ostsee machen.
Und sonst: Ab heute einmal Schwedischunterricht die Woche um 8:30 vor der Arbeit · Ein langes Wochenende vor mir · Jetzt müde und bald im Bett. Natti, natti!
Der Frühling ist da. Das Birken sind grün, das Wasser hoch …
Weil das Wetter so schön war, habe ich mich um acht noch einmal aufs Fahrrad gesetzt und bin zum Fluss gefahren, weil ich neugierig war, wie hoch das Wasser steht. Auf dem Weg dorthin habe ich mich über die Birken gefreut, die innerhalb der letzten drei Tage blassgrüne Blätter bekommen haben. Wunderschön; die Bäume waren auch lange genug kahl!
Der Fluss ist immer noch stark über die Ufer getreten. Während ich anfangs das Fahrrad noch bequem durch die überfluteten Wege schieben konnte, stand das Wasser ein wenig stadtauswärts schon mehr als meterhoch auf den Wegen. Irgendwann habe ich dann mein Fahrrad auf der Böschung durchs Gestrüpp getragen, weil der Wasserspiegel einfach zu hoch war.
Zum Glück haben sich die Befürchtungen, wegen des Hochwassers kein Trinkwasser zu haben, nicht bewahrheitet. Die Schwimmbäder hatten zu und es wird zum Wasser sparen aufgerufen, aber eigentlich geht alles seinen normalen Gang. Da in den Bergen noch genug Schnee zum Wegschmelzen liegt, wird uns das Hochwasser wohl noch ein bisschen erhalten bleiben.
P.S.: Zum letzten Bild: Der Fluss ist hinter den Bäumen. Ich stehe auf Zehenspitzen auf dem Gras des Ufers, der Weg ist vor mir. (Sieht man ja nicht wirklich.)