Zum Inhalt

Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

Zu den Funktionen

Auto-mo-Bil II

Kurzer Nachtrag: Heute bin ich eine kleine Runde nach dem Abendessen gefahren, und – was soll ich sagen. Macht das Autofahren Spaß! Natürlich kam just an der engsten Stelle ein anderes Auto entgegen, aber auch das ging gut.

Ohne das Auto hätte ich verpasst, wie der von der Sonne golden beleuchtete Schnee vom lebhaften Wind über das Eis getrieben wurde. Das sah schön aus.

Morgen muss ich tanken.

Auto-mo-Bil

Dieses Bild ist für mich etwas ganz Besonderes.

Ich rede nicht davon, dass es gerade eben wieder geschneit hat. Das soll diesen Winter hier schon vorgekommen sein. Auch nicht davon, dass die gesamte Einfahrt von Schnee befreit ist. Mein Nachbar von Gegenüber hatte mir Hilfe angeboten und ein Bekannter von ihm hat heute mit einem Traktor den immer noch hohen und inzwischen hart gefrorenen Schnee geräumt.

Nein, ich rede von – Tusch bitte – diesem Auto. Das habe ich heute gekauft. Und nach Hause gefahren.

Nicht jeder weiß, dass ich seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr Auto gefahren bin. Nun habe ich wieder Fahrstunden genommen und nach der sechsten Stunde meinte der Lehrer, ich solle mir ein Auto leihen und einfach fahren. Statt dessen habe ich heute selber eines gekauft, und zwar einen Saab 9-5 2.3t Kombi, zugelassen 2002.

Und so saß ich heute nach dem Kauf das erste Mal in meinem Leben alleine am Steuer und habe das Auto die sechseinhalb Kilometer nach Hause gefahren. Ich war ganz schön nervös, aber alles hat gut geklappt und so viel Verkehr ist hier ja auch nicht. Und zu Hause angekommen habe ich mich darüber gefreut, dass die Einfahrt so schön auf voller Breite schneegeräumt war.

Ich freue mich riesig, jetzt ein eigenes Auto zu haben. Nicht des Autos selbst wegen, sondern weil ich jetzt mehr von Schweden sehen und dabei Dinge wie zum Beispiel Pulka und Skier völlig problemlos transportieren kann. Oder ein Kayak auf dem Dach …

Das alte Wort Automobil haben übrigens nicht nur die Deutschen gekürzt. Nur heißt das Gefährt hier nicht Auto, sondern bil.

Tag- und Nachtgleiche

Heute war Tag- und Nachtgleiche. Theoretisch gesehen sollte es also heute an jedem Punkt der Erde zwölf Stunden Tag und zwölf Stunden Nacht geben.

Weil aber weder Sonne, noch Erde sich an so einfache Regeln halten, war heute in Skelleftehamn die Sonne schon zwölf Stunden und zwanzig Minuten über dem Horizont. Und sie hatte genug Kraft, um in der Stadt die Luft auf acht, neun Grad aufzuheizen und weißen Schnee in braune Pfützen zu verwandeln. Aber das ist ja für einen guten Zweck: Den Frühling, der heute astronomisch gesehen mit der Tag- und Nachtgleiche begonnen hat.

Ätschmodus an:
So – jetzt haben wir ein halbes Jahr lang mehr Licht als Ihr, Ihr Deutschen.
Ätschmodus wieder aus.

Das Wochenende

Am Wochenende hatte ich Besuch aus Norwegen. Astrid und Hein kamen mit ihren Söhnen Fridtjof und Fredrik nach zwölf Stunden Fahrt mitten in der Nacht an. Die Ärmsten sind waren immer gerade dort, wo die Schneewolken auch waren.

Am nächsten Tag haben Hein und ich uns ein Auto angeschaut, welches ich vielleicht kaufen werde. Ich war froh, dass er mit war, denn ich habe keine Ahnung von Autos und Hein kennt Saab sehr gut.
Foto: Verkäufer

Fridtjof und Fredrik fanden meine Pulka ziemlich klasse, auch wenn sie überhaupt nicht auf sitzende Kinder eingerichtet ist. Aber zur Ostsee zu laufen, wäre auch für den Älteren zu weit gewesen und sich von Papa ziehen lassen ist ja auch toll.

Später haben wir das herrliche Wetter genutzt, um die Grillsaison zu eröffnen. In meinem „Altan“, dem Wintergarten, waren es anfangs 15 °C, aber als das Essen fertig war, war auch die Sonne weg. Da wurde es doch schnell kühl und wir haben drinnen gegessen.

Abends haben wir lange im Pool gesessen und den leuchtend hellen Vollmond angeschaut, der der Erde so nah war, wie seit 200 Jahren nicht mehr. – Nein, ich habe kein Foto gemacht. Es gibt tatsächlich Orte, wo ich keine Kamera mitnehme.

Am Sonntag sind wir mit dem Auto nach Bjuröklubb gefahren. Das ist eine schöne Halbinsel knapp 5 Meilen südwärts. Nachdem wir dort einem Pärchen geholfen haben, ihr Auto wieder aus dem Schnee zu schieben, sind wir den Holzweg hoch zum Leuchtturm gelaufen.

Dort hatten wir einen herrlichen Blick auf die Küste. Ich war überrascht, dass schon so viel offenes Wasser zu sehen war, denn die Küste vor Skelleftehamn ist noch komplett mit dickem Eis bedeckt. Aber es ist herrlich, einmal wieder blaues – und flüssiges – Meer zu sehen.

Auf der Ostsee vor Bureå waren viele, viele Skooterspuren. Und man hört auch die ganze Zeit die Motoren um einen herum. Aber auch einige Elche haben ihre Spuren im Schnee hinterlassen. Und manche haben ganz schön große Füße.

Am Nachmittag konnte man vom Haus aus einen Rehbock sehen, der sich auf der Straße umgeschaut hat. Ich bin dann raus und mit der Kamera langsam auf ihn zugegangen. Irgendwann wurde ihm die Sache aber mulmig und er verschwand wieder im Wald.

Jetzt – am Montag Vormittag – sind meine Gäste wieder abgefahren und ich fahre gleich in die Stadt zur Arbeit. @Hein, Astrid, Fridtjof und Fredrik: Schön, dass Ihr da wart.

Nachlese: Ein Video vom Jojkworkshop

Viel Sonne. Morgens meist um minus acht, neun Grad, tagsüber in der Stadt leichte Plusgrade, in Skelleftehamn ein paar Grad kälter.

Endlich bin ich mal dazu gekommen, ein paar kleine Ausschnitte von dem Jojkworkshop zusammenzuschneiden.

Diesen Workshop hat Per Niila Stålka anlässlich des Wintermarktes Anfang Februar in Jokkmokk gegeben. Das Hauptthema waren Tierjojks. Zu hören: Der Hase, die Krähe, der Elch und der Wolf.

Für jene, die nicht wissen, was Jojk oder Joik überhaupt ist, verlinke ich mal den Wikipedia-Artikel über Joik. Ich finde ihn zwar nicht sonderlich gelungen und auch recht subjektiv, aber ich kann aus der hohlen Hand auch nichts besseres schreiben.

Vårvinter

Dieses Wochenende war ich nach sechs Wochen mal wieder in der nahen Umgebung unterwegs.

Gestern am Samstag habe ich meinen Rucksack gepackt, meine Skier untergeschnallt und bin quer durch den Wald zur Ostsee gelaufen. Erst war ich auf Norrskär. Von dieser hügeligen Insel konnte man am Horizont einen breiten dunkelblauen Steifen ausmachen. Blankes Eis oder offenes Wasser? Ich beschloss, in die Richtung zu laufen um näher zu schauen, musste aber bald feststellen, dass diese Stelle viele Kilometer entfernt lag. Statt weiter auf die See hinaus zu laufen, bin ich dann nach links abgebogen und habe erstmalig die Insel Medgrundet angesteuert. Mit einem Abstand von 2400 Metern liegt diese Insel in der Hålfjärden genannten Bucht am weitesten vom Festland entfernt. Nach einer längeren Pause habe ich dann den Rückweg angetreten und war um kurz vor drei wieder zu Hause.

Was war nun anders als die Skitour vor sechs Wochen?

  • Die Sonne hat viel mehr Kraft. Sie wärmt und ich bin teilweise ohne Jacke gelaufen.
  • Es ist viel länger hell. Man muss nicht sofort nach dem Frühstück losbürsten und als ich zu Hause war, war es immer noch ein paar Stunden hell.
  • Sonnenbrille und -creme gehören jetzt in den Rucksack. Die dicke Daunenjacke kann zu Hause bleiben.
  • An manchen Stellen ist der Schnee weggeweht und das blanke Meereis zu sehen.
  • Pausen machen mehr Spaß, weil es einfach wärmer ist.

Ja, ich mag auch den knackigkalten Winter im Januar und Februar, aber der Vårvinter, auf deutsch Frühlingswinter ist auch toll. Und ich kann mir kaum noch vorstellen, dass ich vor drei Wochen noch mit meinem Canada-Goose-Parka herumgelaufen bin.

Heute war ich kurz in der Stadt und habe mit Elisabet einen Abendspaziergang auf den Huvudberget gemacht, der jetzt nicht dramatisch hoch ist, aber eine schöne Aussicht über die Stadt bietet. Nun bin ich wieder zu Hause und es hat sich leider ein bisschen zugezogen. So wird es also auch diese Nacht mit nicht mit Polarlichtbeobachtung. Macht aber nichts, denn so kann ich mein Kinderbuch „Agaton Sax och den ljudlösa sprängämnesligen“ weiterlesen.

Achtkommaneun

Heute morgen gab es in Japan das stärkste Erdbeben seit mindestens 140 Jahren. Über sieben Millionen Haushalte sind ohne Strom und die Anzahl der vermuteten Todesopfer wird ständig nach oben korrigiert. Das Beben löste mehrere Tsunamis aus und ein starkes Nachbeben scheint fast sicher.

Heute früh beim Fußweg zum Bus waren meine Gedanken noch bei 15 Zentimeter Neuschnee. Seit dem Lesen der Nachrichten sind sie bei den Einwohnern Japans.

Schweden ist groß; die Erde ist klein.

Besuch aus dem Wald

Ich war das Wochenende krank und bleibe auch heute noch zu Hause. Davon wusste aber mein iPhone-Wecker nichts und hat mich um viertel vor sieben geweckt. Ich bin dann in die Küche gegangen, um etwas zu trinken. Dabei habe ich gesehen, dass unsere Straße Besuch aus dem Wald hatte: Drei Rehe inspizierten ganz in Ruhe die Straße, wohl auf der Suche nach Futter. Obwohl das eine Foto meiner Meinung nach eher danach aussieht, als ob sie sich für Autos interessierten.

Schnell habe ich mein Teleobjektiv auf die Kamera gemacht und die Tiere durch das Fenster fotografiert. Entweder sahen sie mich nicht oder sie ließen sich nicht von mir stören. Nach einigen Minuten liefen die Tiere gemächlich wieder in Richtung Wald zurück.

Die Rehe in Kusfors sind übrigens so zahm, dass sie Lasses Mutter aus der Hand fressen. Wenn aber ihnen fremde Menschen in der Nähe sind, kommen sie nicht.

Tauwetter II

Heute lag die Höchsttemperatur bei 7.7 °C! Das heißt, keine Mütze mehr, keinen Schal mehr, keine Handschuhe mehr. Und die dicke Jacke und Skihose hängen ohnehin schon die ganze Woche ungenutzt in der Garderobe.

Eigentlich wollte ich schon seit zwei Wochen das Garagendach vom Schnee befreien, bin aber nie dazu gekommen. Heute haben Wind und Sonne das für mich übernommen. Nur die Tür zur Garage und einen kleinen Teil des Outdoorpools musste ich freigraben. Manches erledigt sich eben auch von selbst.

Tauwetter

So phantastisch das Polarlicht in der vorletzten Nacht war, sonst sieht es draußen momentan nicht so schön aus. Schuld daran ist das Tauwetter. Vor einer Woche lag die Morgentemperatur noch bei -20 °C, aber seit einigen Tagen haben wir Plusgrade und gestern hatten wir sogar leichten Regen – das erste Mal wieder seit Oktober! Heute war es zwar wieder klar, aber so windig, wie ich es hier noch nicht erlebt habe. Bäume haben sich gebogen, Mülltonnen lagen umgeworfen auf der Straße und in der Nacht wurde eine Geschwindigkeit von 20 m/s gemessen, das ist knapp am Sturm vorbei. Und überall auf den verharschten Schneeflächen lagen heute Staub, Blätter, Samen, kleine Aststückchen und mehr.

Auf den meisten Fahrbahnen sieht man wieder Asphalt. Das liegt aber auch daran, dass Spezialfahrzeuge auch auf den kleinen Straßen die vereiste Schneedecke weggefräst haben. Das Zeugs liegt jetzt vor den Häusern, ist getaut und wieder zusammen gefroren und mit einer normalen Schneeschaufel auch beim besten Willen nicht wegzuräumen. Das Foto links habe ich gestern gemacht, heute ist der meiste Schnee von der Straße schon verschwunden.

In der Stadt war gestern Pfützen- und Schneematschwetter. Der nasse Schnee ist so richtig dreckig-braun; also das Weiß vor einer Woche hat mir besser gefallen. Und zum ersten Mal seit langem haben die Winterstiefel meine Füße nicht nur warm, sondern auch trocken gehalten.

Aber ich mache mir nichts vor, der lange Winter macht zwar eine Pause und zwei Grad Plus und blauer Himmel wirken wirklich frühlingshaft, aber vorbei ist der Winter noch lange nicht. Es dauert bestimmt noch vier bis sechs Wochen, bis der Schnee im großen Maße weg schmilzt und wahrscheinlich lache ich dann über diese Fotos.