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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Deutschland – Schweden

Nein, ich schreibe hier nicht über das gestrige Fußballspiel; ich habe es noch nicht einmal gesehen. Ich wollte bloß kurz meinen letzten Tag in Bremen dazu nutzen, zwei kleine fotografische Vergleiche anzustellen: Wohnstraßen und das Weihnachtssortiment in Supermärkten. Bitteschön:

Der Winter geht weiter

Nun, für einen Nordschweden mag das alles völlig normal sein und das Wetter ist hier eigentlich auch kein Thema. Es liegen 25 Zentimeter Schnee in der Stadt – na und? Für mich als Deutschen ist es – obwohl erwartet – dennoch erstaunlich, dass es Anfang bis Mitte November schon so winterlich ist. Und momentan sieht es so aus, als ob die Temperaturen weiterhin unter Null bleiben. Allerdings werde ich es morgen so 15 – 20 Grad wärmer haben, denn da fliege ich nach Bremen und werde dann für fünf, sechs Tage wieder nassen, deutschen Herbst statt schwedischen Herbstwinter haben.

Die folgenden Bilder habe ich heute morgen in der Stadt gemacht:

  • Gar nicht so wenige sind auch bei diesem Wetter mit dem Rad unterwegs. Ein Jugendlicher fährt sogar freihändig über die kruckeligen und von platt gedrücktem Schnee bedeckten Straßen.
  • Interessant ist der Kontrast zwischen der tiefwinterlichen Stimmung am Fluss und der perfekt geräumten Fußgängerzone im Zentrum, denn Fluss und Fußgängerzone liegen gerade gut 200 Meter auseinander.
  • Der Skellefteälven friert an seinen Ufern ganz langsam zu. Noch ist das Eis sehr dünn, aber ich bin gespannt, wie es in zehn Tagen aussieht, wenn ich wieder zur Arbeit fahre. Mit dem Fahrrad …?

Schnee am Abend · Schnee am Tag

Gestern Abend fing es schon an zu schneien. Es kam ganz feiner Schneestaub herunter und das hell beleuchtete Rönnskär tauchte alles in gelb-orangefarbenes, fast mystisches Licht. Da musste ich kurz noch einmal mit meiner D300s raus und ein paar Fotos machen.

Heute bin ich dann mit meinen bequemen Kamik-Winterstiefeln durch den Schneefall zur Bushalte­stelle gestapft und mit dem Bus zur Arbeit gefahren. Auch in Skellefteå hat es die ganze Zeit geschneit und als ich mittags am Skellefteälven war, war der Schneefall so stark, dass die Sicht schon sehr eingeschränkt war. Überrascht hat mich, dass auf dem Fluss schon viele kleine Eisschollen trieben.

Um 17:00 lagen etwa 15 cm frischer und vom Wind verwehter Neuschnee in der Stadt und die mit Frontlader ausgestatteten Bagger waren schon kräftig am Räumen.

In Skelleftehamn ist der Schnee ein bisschen pappiger, hier ist es nämlich ganz knapp über 0°. Wenn die Temperaturen noch weiter ansteigen, tausche ich morgen wohl meine Kamiks gegen Gummistiefel.

Auf dieser Seite sind alle meine Digitalknipsen präsentiert. Die oberen Fotos habe ich mit der Nikon D300s bei Belichtungszeiten von etwa 20 Sekunden gemacht. Das Bild unten links stammt von der Ricoh und das unten rechts vom iPhone, welches sich überraschend gut schlägt und bei manchen Lichtverhältnissen die Ricoh qualitativ hinter sich lässt.

Winterradeln

8.11.: Minimum -11.5, Maximum -6.3., klarer Himmel
9.11.: Minimum -12.7, Maximum -1.3, jetzt um 21:00 bewölkt, -4 °C, windig und Schneestaub von oben

Gestern morgen zeigte das Thermometer -11 °C an und der Morgenhimmel war klar. Ein guter Tag, um auszuprobieren, welche Handschuhe meine Finger warmhalten, wenn ich eine Stunde auf dem Rad Richtung Stadt fahre. Ich hatte tatsächlich sechs Paar dabei, von den dünnen Fingerhandschuhen zum Unterziehen bis zum dicken, knallroten Daunenfäustling. Dann noch eine Daunenjacke für die Mittagspause eingepackt, mit den Füßen in die Winterstiefel geschlüpft, eine Sturmhaube, die nur noch die Augen frei lässt übergezogen und den Fahrradhelm aufgesetzt. Das war schon eine besondere Atmosphäre, als ich in der Morgendämmerung mit auf frostigem Schnee knirschenden Spikes losgefahren bin. Ich war froh über meine wintertaugliche, funktionelle Kleidung und die zwei Paar Fingerhandschuhe übereinander hielten schön warm. Aber schließlich braucht man so etwas auch für eine derartige Expedition! Dachte ich! Bis mir die erste Oma mit Strickmütze auf Ihrem Klapperrad entgegen kam. Und auch die nächsten Fahrradfahrer hatten nichts um den Hals. Das versetzte meinen Harter-Fahrradfahrer-Phantasien doch einen empfindlichen Dämpfer.

Obwohl die Spikes toll sind, habe ich doch ein Drittel mehr Zeit gebraucht als im Sommer. Was aber wirklich Zeit kostet, ist das ganze An- und Umziehen. In der Agentur: Helm ab, Sturmhaube ab, zwei Paar Handschuhe aus. Jacke aus. Im Bad Unterhemd und Fleecepullover aus. Waschen. T-Shirt und Sweatshirt an. Lange Fleecehose aus, normale Hose wieder an. Sachen zum Trocknen aufhängen. Puh, das dauert. Jetzt erst einmal einen warmen Tee!

Der Rückweg war schön. Zum einen hatte ich Rückenwind, zum anderen ließen die Straßenlaternen vor allem die schneebedeckten, kleineren Straßen hell leuchten, während sich über einem der dunkle Sternenhimmel wölbte. Kein Vergleich zu dem dunklen und öden Eindruck, den die Straßen ohne Schnee letzte Woche machten.

Das war gestern. Heute morgen war es noch ein bisschen kälter, aber ich habe nicht so gut geschlafen und war so müde, dass ich lieber den Bus genommen und meinen Krimi „Mannen som dog som en lax“ weiter gelesen habe. Und ehrlich gesagt – wenn ich mir die Wettervorhersage anschaue, dann werde ich wohl auch morgen den Bus nehmen. Die sagt nämlich für morgen Neuschnee bei mittleren Windgeschwindigkeiten von 13 m/s, also etwa 45 Kilometer pro Stunde voraus. Schon jetzt fällt Schneestaub vom Himmel, der vom zunehmenden Wind durch die Straßen getrieben wird und alles ist weiß.

Eis auf See und Meerbucht

Heute lag die Höchsttemperatur nur noch bei -2.7 °C und der Frost sorgt dafür, dass nicht nur die Seen mit Eis bedeckt sind, sondern sich auch auf den kleineren Ostseebuchten und ruhigen Stellen zwischen Insel und Festland immer mehr Eis bildet.

Das linke Bild zeigt den kleinen See ein paar hundert Meter vom Haus weg; das rechte Bild Storgrundet, die nächste Badestelle von hier aus. Dort habe ich im August noch gebadet und am Sandstrand gesessen. Das Baden habe ich mir allerdings heute gut verkneifen können.

So wie ich im Sommer keinen Zeitrhythmus hatte, weil es immer hell war, so komme ich jetzt ein bisschen aus dem Tritt, weil es um halb vier schon dunkel wird. Ich denke die ganze Zeit schon, es sei wer weiß wie spät, dabei zeigt die Uhr jetzt gerade halb sieben an. Der iPhone-Bug, der dazu geführt hat, dass ich letzte Woche zwei Mal falsch geweckt wurde, hat meinen Rhythmus auch nicht gerade verbessert. Ich bin gespannt, wie lange ich brauche, um mich von den Hell-Dunkel-Phasen ein bisschen unabhängig zu machen. Aber die Schweden schlafen im Winter wohl auch mehr und im Sommer weniger.

… und Schnee am Morgen

Minimum -8.0 °C, Maximum -0.9 °C. 2 cm Schnee und bis mittags wolkenlos.

Heute war der erste so richtige Wintertag. Am morgen lagen die Temperaturen bei minus sieben, acht Grad. Der blaue Himmel und der frische Neuschnee sorgten für ein herrliches Licht. Was für ein Unterschied zu der nassen, braunen Erde vor ein paar Tagen, selbst wenn nur zwei Zentimeter Schnee gefallen sind. Es war auch der erste Tag, an dem die Höchsttemperatur unter null lag. Mein kleines Außenthermometer zeigte als Maximum heute – 0.9 °C. Ach, ist das schön, wenn der Schnee sich nicht gleich wieder in braunen Matsch verwandelt.

Laut Wettervorhersage bleibt es mindestens bis Mittwoch kalt. Allerdings ändert sich die Vorhersage für einen bestimmten Tag hier mindestens so häufig wie das Wetter selbst …

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Schnee am Abend

Früher als vorhergesagt ist es wieder ein bisschen kälter geworden und seit heute Nachmittag schneit es leise bei Temperaturen um null Grad vor sich hin. Zur Zeit liegen etwa drei Zentimeter und da es auch die nächsten Tage kaum über Null werden soll, bleibt der Schnee wohl auch liegen.

Ich finde es ganz schön schwer, den Schneefall in der Dunkelheit zu fotografieren. Belichte ich zu kurz, ist alles schwarz. Belichte ich zu lang, sieht der Schnee wie Regen aus. Gehe ich auf ISO 3200, rauscht das Bild. Ich habe mit Mehrfachbelichtungen und Stroboskopblitz experimentiert, aber so schön wie die Wirklichkeit sind die Fotos noch lange nicht. Wer das also in Natura sehen will, soll halt vorbeikommen …

Spikes

Heute morgen waren die Straßen seit Wochen zum ersten Mal nicht mehr glatt. Obwohl es schon länger über null ist, war doch noch so viel Frost im Boden, dass die Straßen morgens immer so rutschig waren, dass ich den Bus genommen habe. Die letzte Nacht ist die Temperatur auf fünf Grad gestiegen und es hat auch das letzte Eis weggeregnet. Zudem hat die Wettervorhersage mit ihren 10 m/s Wind kräftigst daneben gegriffen, es war nämlich fast windstill.

Also habe ich mich das erste Mal seit Wochen wieder auf das Fahrrad gesetzt und bin die 19 Kilometer zur Arbeit geradelt. Nach der Hälfte kam auch die Sonne heraus, tauchte alles in warme Herbstfarben und projizierte einen langen, langen Radfahrerschatten, dem ich dann hinterher geradelt bin.

Dann bin ich am Vormittag zum Cykel & Fiskecenter gefahren, das sich auf Fahrrad und Angeln spezialisiert hat und habe Winterreifen mit Spikes gekauft. Der Nokian Extrem mit 294 Spikes waren leider nicht da, aber ich hoffe 240 Spikes tun es auch. Nach der Arbeit habe ich dann das Fahrrad frisch bereift abgeholt und bin nach Hause gefahren.

Der erste Eindruck: Die Reifen sind natürlich ziemlich laut und ich bilde mir auch ein, dass sie ein wenig unruhiger laufen, wenn man langsam fährt. Der zweite Eindruck: Die Reifen haben eine höhere Reibung und ich habe auf manchen Strecken einen Gang niedriger genommen als normal. Jetzt bin ich gespannt auf die ersten Fahrten auf Eis. Die werden vermutlich nicht lange auf sich warten lassen, denn der nächste Frost ist für das Wochenende vorhergesagt.

Das war meine erste Rückfahrt im Dunkeln und ich freue mich, dass praktisch jeder Weg beleuchtet ist. Außerhalb der Stadt sind fast alle Fußgänger und teilweise auch die Hunde mit neongelben Reflexwesten unterwegs. Man sieht also und wird gesehen.

Jetzt bin ich gespannt, wann ich das erste Mal Polarlicht beim Radfahren habe …

Nachtrag:

Schon heute – einen Tag später – hatten wir -1 °C und dementsprechend glatte Straßen. Ich bin begeistert von den Spikes. Sie greifen auch auf gefrorenen Pfützen gut und wesentlich besser als meine Alltagsschuhe, wenn ich zu Fuß unterwegs bin. Supi, dann kann ich ja wieder regelmäßig fahren (und habe eine Ausrede weniger, wenn ich wieder mal zu faul bin).

Zeitumstellung

In Schweden hört am letzten Oktoberwochenende – genau wie in Deutschland – die Sommerzeit auf und die Uhren werden auf Normalzeit zurückgestellt. Heute hatten wir also dieses zweifelhafte Vergnügung der Zeitumstellung und jetzt ist es um vier Uhr nachmittags dunkel und jetzt – um fünf – stockfinster. Nun hoffe ich auf Schnee, denn der reflektiert doch so viel Stadtlicht, dass die Dunkelheit nicht mehr so absolut ist.

Heute war ich das erste Mal wieder mit dem Fahrrad unterwegs, denn alles Eis ist weggetaut. Allerdings sind die Wege jetzt alle ein bisschen matschig und das Fahrrad sieht aus wie Sau. Die Laubbäume sind schon lange kahl und die ganze Landschaft besteht nur noch aus verschiedenen Brauntönen, dem milchigen Weiß des Eises auf den sumpfigen Wiesen und dem dunklen Grün der Nadelbäume. Und über allem wölbte sich heute – ganz entgegen der Vorhersage – ein trüb-grauer Himmel. Spätherbstfarben. Nur das Torfmoos leuchtet, als habe es damit nichts zu tun.