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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Wogen, Wind und weißer Schnee

Gestern sollte es eigentlich recht schön sein, statt dessen war es durchgängig trüb und ich habe meine Paddelpläne wieder beiseite gelegt. Erst am Abend kam die Sonne heraus.

Gestern: Sonnenuntergang am Sörfjärden

Dann bewölkte es sich wieder und smhi hatte für die Nacht und heute Regen und 3 °C vorhergesagt. Ich war deswegen erstaunt, als ich heute morgen sah, dass es schneite und die vereiste Straße wieder weiß bepudert war. Ich bin noch nie im Schneefall Kajak gefahren, dachte ich …

… eine halbe Stunde später war ich auf dem Weg zum Strand von Storgrundet, das Kajak im Schlepptau.

Auf dem Weg zum WinterpaddelnAm Strand von Storgrundet

Weil es doch ein wenig windig war, bin ich gegen den Wind in Richtung Nordwesten gepaddelt, damit ich es auf dem Rückweg bequem habe. Hinter der schützenden Insel ging das auch noch ganz gut, aber kaum, dass ich die Bucht verlassen habe, wurde es windiger, die Wellen höher und der Schnee pfiff mir ins Gesicht. Da wäre eine Skibrille schon praktisch gewesen, aber es gibt ja noch eine andere Möglichkeit: Umkehren.

Gegen Schnee und WindSelbstportrait im ruhigeren Wasser

Zwischen der Insel Storgrundet und Festland war es immer noch windig, aber wesentlich ruhiger. Also bin ich weitergepaddelt, bis ich an der Südostspitze der Insel war. Während der ganzen Fahrt hörte man schon die Brandung rauschen, jetzt sah man auch, wie sich die Wellen an der flachen Steinküste brachen.

Kurze Pause an Storgrundets SüdostspitzeBrandung an der Südostspitze von Storgrundet

Nach einer kurzen Pause, in der ich auf der kleinen Inselspitze herumgewatet bin (normalerweise ist der Wasserstand hier um einiges flacher), habe ich mich wieder ins Kajak gesetzt und beschlossen, dass ich versuchen will, hinter der Insel Brambärsgrundet wieder zurück zu paddeln. Dazu musste ich aber durch eine kleine ungeschützte Passage, in der die Wellen, die vom offenen Meer herein drückten, doch recht hoch aussahen. Ich habe erst einmal in Ruhe geschaut, wo ich zwischen den großen Steinen hindurch komme. Na gut dachte ich, dann los!

Eieiei – für einen erfahrenen Kanuten wäre das bestimmt leicht gewesen, aber ich fand es ganz schon ungemütlich, zuerst quer zu den kräftigen Wellen in Richtung Durchlass zu paddeln und dann in der mir doch etwas zu rauen See nach rechts zu wenden und …

… rausch – wumms – platsch – kommt der Brecher des Tages von hinten angerauscht, schüttet mir einen Eimer Wasser ins Kajak (Kein Spritzschutz wegen Kameratasche) und schiebt mich mit großem Schwung durch den Durchlass. Hinter mir höre ich es wieder rauschen. Ich glaube, so schnell bin ich noch nie gepaddelt! „Nur weg hier!“, dachte ich. Aber der große Brecher hat mir genug Schwung gegeben, dass mich die nächste große Welle schnell, aber ruhig in ruhigere Fahrwasser schiebt.

Dort habe ich erst einmal in Ruhe mit dem Schwamm das Kajak entleert. Merke: Die Lenzpumpe, mit der man Wasser wieder aus dem Kajak pumpen kann, gehört so ans Kajak befestigt, dass man auch unterwegs drankommt!

Der Rest der Fahrt war zwar gegen den Wind, aber zwischen Insel und Festland war dieser doch wesentlich ruhiger. Bloss beim Fotografieren wurde man sofort wieder zurückgetrieben. Bald war der schneebedeckte Bootsanleger von Storgrundet in Sicht, den ich nach einem Foto umrundet habe, um dann mit Schwung wieder am Sandstrand anzulegen. Dort habe ich dann den schützenden, aber unbequemen Neoprenoverall gegen Stiefel, Hose und Winterjacke gewechselt und bin mit dem Kajak wieder nach Hause gelaufen.

Jetzt – mittags – hat es aufgehört zu schneien. Sechs Zentimeter Neuschnee liegen in Skelleftehamn und nur noch wenige Grasspitzen schauen vereinzelt aus der Schneefläche im Garten heraus. Eindeutig die schönere Alternative zu drei Grad und Regen.

Bootssteg bei StorgrundetFertig für den Rückweg nach Hause

8 Kommentare für „Wogen, Wind und weißer Schnee“

evi schreibt:

Schluck, Ächtz und Stöhn……und wo war die Lenzpumpe?
Denk dran, wir möchten Dich gesund und munter im Sommer wiedersehen…..

Olaf Schneider schreibt:

Die Pumpe war in der vorderen Gepäckluke (oder wie immer das heißt). Ich hätte ja auch zum nahen Ufer paddeln können und dort das Kajak entleeren, aber dazu hatte ich keine Lust.

Sandra schreibt:

Boah… das liest sich ja ganz schön stürmisch und hinterlässt ein fahles Gefühl in der Magengegend… nur gut bist du heil wieder angekommen! Bewundernswert dein Mut bei diesem Wetter rauszufahren…

Wünsche dir einen guten Wochenstart!

Olaf Schneider schreibt:

Bei der einen Stelle war mir auch nicht ganz wohl, aber hinter den Inseln kann man vermutlich selbst bei Sturm noch paddeln, da das Wasser so vom offenen Meer getrennt ist, dass ich dort noch nie wirklich Wellen gesehen habe.

Ich hatte mehr Angst um mein Kajak und vor allem das Steuerruder, welches noch ausgeklappt war als um mich. In meinem Neoprenanzug kann ich lange im Wasser treiben, ehe es kalt wird, das Ufer war immer nah und die Winde auflandig.

Ma HB schreibt:

Kajak im Schnee/Kajak im Sturm!
Einem Einheimischen würde diese Novembertour wahrscheinlich im Traum nicht einfallen. Aber diesem Zugewanderten!
Nach diesen Erfahrungen wirst Du Deinen Kajak hoffentlich bis zum Frühjahr erstmal „einmotten“!

Gruß Ma

Olaf Schneider schreibt:

So ist das mit den Zugewanderten … :-)

Ich hoffe noch auf mehr Schnee, blauen Himmel, kalt, die Ostsee ein bisschen angefroren und komplett windstill. Dann will ich noch einmal paddeln, vermutlich mit einem Freund.

Jochen schreibt:

Klasse Olaf!

Ich finde es immer wieder schön, zu sehen, wie du dir „das Abenteuer“ in deinen Alltag holst. Eine schöne „Philosophie“ :-)

Liebe Grüße,
Jochen

Olaf Schneider schreibt:

Ich brauche die Outdoor-Erlebnisse für mein Wohlbefinden. Ich hätte aber nichts dagegen gehabt, weniger Wind zu haben.

Es hat immer noch etwas besonderes, solche kleinen „Nordland-Ausflüge“ zu machen und danach nicht ins Zelt, die Pension oder das Vandrarhem, sondern in die eigenen vier Wände zurückzukehren.

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