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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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München – von oben schön

München – von oben schön. Vorne Park und Hügel, am Horizont die Alpen. Dazwischen der Puls der Stadt. Autos höre ich, auch Vögel. Jogger laufen vorbei. Ein Hubschrauber. Pärchen streiten sich, umarmen sich. Fahrradfahrer. Das Knirschen von Joggingschuh auf Kies. Die Sirene eines Krankenwagens. Der Jubel von Fussballspielern. Ich bin von Menschen umgeben. Vielen Menschen. Zu vielen Menschen?

Vor drei Jahren habe ich meine Münchner Wohnung aufgelöst. Nun sitze ich auf dem Hügel des Luitpoldparkes im Schneidersitz im Gras. Ameisen krabbeln auf mir herum. Ich frage mich, wie es wäre, wieder in München zu leben. Nein, ich plane nicht, ich frage mich nur, wie es wohl wäre.

Der Hubschrauber startet wieder. ADAC. Ein Unfall. In der Stadt ist viel und es passiert viel. Gutes und Schlechtes. In einem Rhythmus, der mir zu schnell geworden ist und mich ein wenig atemlos zurücklässt.

Am Horizont, vor den blaublassen Bergketten, die Frauenkirche, zwischen Kirchenmacht und bayrischer Gemütlichkeit und drückender Macht der katholischen Kirche, halb verdeckt von einem Hochhausfeld in weißgrau. Dort leben die Menschen. Viele Menschen.

Mein linkes Bein sitzt auf dem Stuhl „Altes Zuhause“, mein rechtes auf dem Stuhl „Staunender Außenseiter“, der sich fragt, wie es wohl wäre, in München zu leben.

Mir gefällt es, hier zu sitzen und die Menschen wandern um mich herum. Dort unten dröhnt der Verkehr, saust die geschäft’ge Welt. Quellwolken hängen über den Alpen. Dahinter liegt Italien.

Ich schaue gerne weit, von Berg und über Meer. Über mir der Himmel, der weite Himmel. Sonne, Wolke, Sterne.

Dort hinten ist ein Heißluftluftschiff gestartet, der Jogger neben mir macht Dehnübungen. Eine Ameise wandert innen das Hosenbein hoch.

Ein Luftschiff zwischen den Türmen der Sankt-Paul-Kirche

Ich hätte es schwer, mich wieder an die Enge der Großstadt zu gewöhnen. Aus dem Handy des Mädels hinter mir tönt Teeniepop. Klack – aus. Hat sie meine Gedanken gehört? Das Luftschiff steuert westwärts. Der Pilot schwebt über dem Voralpenland. Über der Stadt schwebend zu leben, zu wohnen, zu schlafen, das könnte ich mir vorstellen. In der Stadt hingegen klingt für mich wie unter der Stadt zu eng, das würde nicht gut sein.

Das Luftschiff fährt jetzt nordwärts. In einer Woche werde ich ihm gleichtun und wieder nordwärts reisen. Nach Hause.

Ich werde meine Münchner Freunde vermissen. Auch die Berge, die Kultur. Aber ich wäre auch gerne manchmal in Amsterdam, in New York, auf einer Hallig im Herbststurm. Man kann nicht überall sein. Zumindest nicht gleichzeitig. Das ist eine der kleinen Enttäuschungen des Lebens.

In einer Woche werde ich wieder in Skelleftehamn sein und es wird gut sein. Ich werde dort gewiss noch so manches Jahr verbringen. Aber irgendwann, irgendwann, wird mich vielleicht eine Stadt rufen und ich werde gehen. Nordwärts, südwärts, ostwärts, westwärts?

Vorwärts.

Durchblick auf München

1. Juli 2013, 20:01

Nachtrag: Das Bild mit der „drückenden Macht der katholischen Kirche“ ist mir zu stark und dramatisch. Aber ich möchte den Text, der auf dem Hügel spontan entstanden ist, nicht mehr nachträglich ändern.

5 Kommentare für „München – von oben schön“

Annika schreibt:

„Erst wenn der Wiiiind siiiiich dreeeeht…“ Ich bin gespannt–und freue mich vorläufig über Post aus Schweden :-)

Ingela schreibt:

Jag är fortfarande fascinerad över hur fritt du tänker kring platser och annat i världen. Det är så långt från mitt eget liv som det kan bli och därför ganska lockande. Men jag är inte missnöjd med mitt, jag har det fint jag med. Men lite större frihet skulle inte skada.

Olaf Schneider schreibt:

Jag är inte missnöjd med att leva i Skelleftehamn heller. Tvärtom! Men jag har ingen aning om det är fortfarande rätt platsen för mig om fem år, tio år, 20 år. Vad fint är: jag behöver inte funderar eller även bestämma nu.

Sandra schreibt:

Super geschrieben!

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