Am Dienstag waren Leute von Norran, der lokalen Zeitung Skellefteås da, um mich zu interviewen und zu fotografieren. Sie finden es wohl interessant, dass ein Deutscher nach Skellefteå kommt, um hier zu arbeiten. Nach einem kurzen Interview hat der Journalist dann beschlossen, heute mit mehr Zeit noch einmal wiederzukommen.
Mehr Zeit heißt zum einen ein kurzes Fotoshooting am Vormittag bei bestem Wetter, erst vor einem der Holzhäuser in der Bonnstan, dann auf der Lejonströmsbron, der ältesten Holzbrücke Schwedens, die 1737 erbaut wurde. Ich muss zugeben, dass ich schon ein bisschen zusammenzucke, wenn der Fotograf keine Verschlusskappen auf den Objektiven hat und die Linsen mit dem T-Shirt sauber reibt.
Mehr Zeit heißt zum anderen dann ein neunzigminütiges Interview auf Englisch nach der Arbeit. Ich frage mich, was der junge Journalist mit den vielen Seiten Notizen anfangen will. Leider wird durch den intensiven Kontakt mit der schwedischen Sprache mein Schwedisch nicht besser, wohl aber mein Englisch schlechter. Aber ich werde bestimmt bald lesen können, was ich gesagt habe.
Heute morgen ist der Artikel über mich ich in der Zeitung erschienen. Daniel, der Redakteur hat sich ins Zeugs gelegt und fast eine ganze Seite vollbekommen – ziemlich viel dafür, dass ich keinen Nobelpreis gewonnen, keinen Pop-Star geheiratet und auch keine Drogen verkauft habe. Auch wenn mir der Artikel ziemlich egal ist, eine Zeitung für meine Eltern und eine als Andenken habe ich doch gekauft.
Was ist sonst heute noch passiert? Ich habe ein Bankkonto eröffnet. Dazu habe ich ein kleines Gerät erhalten, welches Transaktionsnummern für das Onlinebanking generiert. Ich bin gespannt, wie lange ich für die erste Überweisung brauche, denn der Prozess ist doch recht aufwändig.
Dann habe ich zum ersten Mal in einem Meeting zu einem auf schwedisch formulierten Problem auf schwedisch etwas gesagt. War ich stolz! Den Rest habe ich dann leider wieder kaum verstanden, aber das wird schon. Hoffe ich.
Und – hurra! – ich habe ein Leih-Fahrrad. Das alte Mountainbike von Jonas ist mit geflickten Reifen und reparierten Bremsen aus der Werkstatt zurück und ich konnte nach Hause radeln. Toll! Ich habe dann auch gleich die eine Straße verpasst, weil ich viel schneller als zu Fuß war. Und ich weiß jetzt wieder, wofür ich aus München Handschuhe mitgenommen habe (Skellefteå: 3.2 °C).
Die kommunale Zeitung, die „Skellefteå tidningen“ hat in der aktuellen Ausgabe das Thema „inflyttare“, zu deutsch Einwanderer. Auf Seite 8 liest man als Überschrift „Olaf gillar kyla och mörker“ – Olaf mag Kälte und Dunkelheit (nun ja, über das letzte lässt sich ein wenig streiten …).
Ich stehe jetzt zum dritten Mal in der Zeitung, seitdem ich hier lebe. Ich frage mich, ob ich jetzt berühmt oder berüchtigt bin. Aber eher glaube ich, dass das Leben hier im Norden zum einen beschaulicher ist und Zeitungen sich ihre Themen daher eher suchen müssen, als dass sie mit News überschüttet werden. Zum anderen ist der Fokus aber auch lokaler (bei einer kommunalen Zeitung ist das ja auch kein Wunder) und so findet man in der gleichen Zeitung Artikel über ein lokales Jobprojekt für Jugendliche oder ein Portrait über eine fußballbegeisterte Bloggerin.
Der Text selbst über mich ist allerdings keine Überraschung, da Lasse, der mich interviewt hat (und auch gut kennt) den Text vorher noch einmal zur Korrektur gegeben hat.
Nachtrag (3. April)
Danke an René, der festgestellt hat, dass man die aktuelle Ausgabe der Skellefteå tidningen im Internet als pdf bekommt.
In Bergsbyn, das ist zwischen Skellefteå und Skelleftehamn, hat sich unser Verein Dark & Cold mit der Zeitung Norran und einigen Erstwinterbadern getroffen. Der Wetterdienst lag wieder einmal total daneben, denn statt der vorhergesagten trüben -9 °C hatten wir sonnige -18 °C. Genau das richtige Wetter zum Eisbaden. Den Anfang haben einige Mädels und Frauen gemacht, die zum ersten Mal in ihrem Leben eisgebadet haben. Sie wurden kräftig fotografiert und anschließend interviewt. Aber zum Schluss habe auch ich die Eisbadesaison eröffnet. Herrlich!
Heute Nachmittag und Abend ist dann das Thermometer von -14 °C auf -3 °C gestiegen (ein Grad alle 40 Minuten) und es schneit. Also hat der Wetterdienst sich nicht mit dem Wetter, sondern nur mit der Zeit vertan. Uns hat’s gefreut.
Vielen Dank an Delle, der das letzte Foto gemacht hat.
Vielen Dank auch an das Wetter. Wie herrlich, mal einige sonnige Tage hintereinander zu haben!