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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Skitour auf den Dundret

Da auch heute alle Ballonplätze ausgebucht waren und es auch etwas bewölkt war, bin ich direkt nach dem Pilotenbriefing zu einem Parkplatz gefahren, habe meinen Rucksack gepackt, meine Skier untergeschnallt und bin auf den Dundret gelaufen.

von außen

Anfangs lief ich auf einem perfekt präparierten, sechs Meter breiten Weg. Das war fast ein bisschen langweilig. Doch nach einiger Zeit kam ein Abzweig zu einem kleineren Weg, der zu einer Hütte führte. Oberhalb der Hütte führte der Weg weiter und schon bald war ich über der Baumgrenze.

Wenig höher war ich auf der Hochebene des Dundret angelangt. Hier wachsen nur noch wenige kleine Bäumchen, die jetzt im Winter dick mit Schnee und Reif eingepackt sind.

Bis auf die kleinen aber auffälligen Bäume prägen Holzkreuze, die als Wegmarkierungen dienen, das Gelände. Der Rest ist Schnee.

Schnee, der vom Wind in Strukturen gepresst wurde und lockerer Schnee, der im Wind über die Ebene geblasen wird.

Ich laufe geradeaus, bis ich am Südende der Ebene ankomme. Es bewölkt sich und um die Sonne scheint ein Halo. Links in der Ferne sieht man einige weiße Gebäude.

Ich schwenke neugierig nach links und nähere mich den Hütten. Jedes Gebäude ist dick mit Eis und Schnee bepackt.

Inzwischen waren auch südlich des Dundret einige Ballone gestartet. Doch kaum waren sie in der Luft wurde das Wetter schlagartig schlechter, denn Wolken trieben über die Hochebene. Wenn es neblig wird, weiß man die Wegmarkierungen zu schätzen.

Doch in den Wolkenlücken konnte ich ab und zu ein paar der Heißlüfter erblicken

Ich hatte leider keine Karte dabei, aber mit den Wegmarkierungen, GPS mit Ersatzbatterien, Kompaß und Handy, ebenfalls mit Karte und GPS fühlte ich mich sicher genug, noch ein bisschen oben zu bleiben. Zwei dicke Paar Wollhandschuhe hielten meine Finger warm, in den Pausen auch die Daunenjacke, Studentenfutter hatte ich auch, nur Tee hatte ich leider nicht dabei und das Wasser, was ich dabei hatte, war zum Schluss mit Eiskristallen durchmischt.

Da man von den Ballonen nicht wirklich viel gesehen hat, habe ich mich dann aber bald auf den Rückweg gemacht (Zur Orientierung reichte die Sonne völlig aus, sie war noch nicht ganz in den Wolken verschwunden).

Auf dem Rückweg musste ich dann sehen, wie ich den Berg wieder herunterkomme. Ich bin kein toller Skiläufer und der Schnee war hart und damit schnell. Aber mit ein bisschen hin- und her fahren und einigen Bremsmanövern war ich bald wieder auf der breiten, schneebedeckten Straße angelangt. Die war zum Anfang noch recht steil und ich habe größere Teile der Strecke gebremst. Zum Schluss wurde es aber flacher und dann konnte ich die Ski einfach laufen lassen, mich ab und zu mit den Stöcken abstoßen, bis ich mit dem letzten Schwung am Kofferraum meines Autos zum Stehen kam.

von innen

Alles ist Reduktion: Man sieht Himmel, Schnee, Eis, weite Flächen und vom Wind geschaffene Strukturen und Texturen. Ohne die Landmarken, wie beispielsweise die typischen Holzkreuze, hätte man kein Gespür mehr für Entfernungen. Überall liegt Schnee, das Auge kommt zur Ruhe.

Dann der Klang. Auch hier: Reduktion. Man hört deutlich den Wind, der ab und zu an der Kapuze pfeift. Setzt man die Kapuze ab, so kann man das leise, kristallklare Rascheln des Schnees, der über die Ebene getrieben wird, hören. Aber wer setzt bei dem Wind schon die Kapuze ab. Der Wind bläst, das Ohr kommt zur Ruhe.

Dann die Bewegung. Man macht einen Schritt, noch einen, noch einen. Entweder von Holzkreuz zu Holzkreuz oder einfach quer über die weiten Schneeflächen. Schritt für Schritt. Die Bewegung hat etwas Ruhiges und Meditatives. Schritt für Schritt, der Körper kommt zur Ruhe.

Man ist eins mit der Winterlandschaft, eins mit sich selbst. Man kümmert sich nur um das, was hier und jetzt wichtig ist. Orientierung. Essen. Warm bleiben. Alles andere existiert nicht mehr. Die Gedanken kommen zur Ruhe.

Die Seele jubelt, sie möchte schreien vor Glück. Doch auch sie – überall Schnee, der Wind bläst, Schritt für Schritt, Einssein – reduziert sich und kommt schließlich zur Ruhe.


Ich bin kein Eremit, der zwanzig Jahre in den Bergen meditiert. Und ich bin auch gerne wieder mit dem Auto zur momentanen Wohnung gefahren, habe gegessen und einen kleinen Mittagsschlaf gehalten. Doch wenn ich leise horche, so bin ich wieder oben auf dem Fjäll. Und komme zur Ruhe.

Storgrundet

Erst war ich zu faul, aber dann habe ich doch meine Skier genommen und eine kleine Tour gemacht. Der Himmel ist seit Tagen bewölkt und es schneit ein wenig.

Im Wald ist das Skilaufen eher ein Stapfen, da die Fjällski immer wieder 20, 30 cm in den lockeren Schnee einsinken. Ein kleiner Wink der Natur, dass ich mir doch einmal die praktischen und schönen Holzski von Tegsnäs kaufen sollte.

In kleinen Bächen und in Zu- und Abflüssen von Seen kann das Wasser noch offen sein, denn fließendes Wasser braucht wesentlich länger, bis es fest zufriert. So sprudelte auch dieser Bach noch munter vor sich hin und ignorierte den Dauerfrost. Gemein sind die Stellen, wo das Wasser unter der Schneedecke fließt und man sollte genau hinschauen, wo die Schneedecke abgesenkt ist, wenn man keine nassen Füße bekommen möchte.

Bald stand ich am Ufer der Ostsee und hatte Blick auf die langgezogene Insel Storgrundet. Im Sommer und Herbst habe ich hier gebadet, doch jetzt ist das geschützte Ostseewasser zwischen Festland und Insel dick zugefroren. Und es gab mehrere Anzeichen, dass ich das Eis betreten und hinüber zur Insel laufen kann:

  • An mehreren Stellen waren Wege zur Insel mit Zweigen markiert
  • Eisfischer waren auf dem Eis
  • Skooter und Skispuren waren auch zu sehen

Das reicht mir als Sicherheit. Doch auch wenn das Eis dick ist, hänge ich mir immer die Isdbubbar um, sozusagen ein Springseil mit dicken Nägeln am Ende, mit deren Hilfe man sich, falls man eingebrochen ist, wieder aus dem Eis herausziehen kann. Einige Minuten später stand ich auf dem Ostseeeis und bald war ich auf der schmalen Insel Storgrundet angelangt. Die Insel ist nur zwei- bis dreihundert Meter breit und bietet dennoch drei völlig verschiedene Eindrücke:

  • Sommerhäuser Das dem Festland zugewandte Ufer ist teilweise mit Sommerhäusern bebaut. Sommerhaus heißt mindestens ein größeres Haupthaus, Nebengebäude, Sauna und Bootshaus. Es ist windgeschützt und ich fühle mich der Zivilisation nahe, selbst, wenn die Häuser gerade nicht bewohnt sind.
  • Wald Hundert Meter stehe ich mitten im Wald. Ich sehe die Häuser nicht mehr und das andere Ufer noch nicht. Ich habe kaum den Eindruck, dass ich auf einer Insel bin. Nur einige parallele Schneeverwehungen zeigen, dass es hier recht windig sein kann.
  • Offenes Meer Noch einmal hundertfünfzig Meter weiter stehe ich am Meer. Es gibt noch ein paar unbewohnte Inselchen, ansonsten ist fast alles mit Eis bedeckt. Etwas weiter weg ist offenes Wasser und auch das Eis am Ufer trägt noch nicht. Es ist sehr windig und der Schnee weht waagerecht vorbei. Ich bin über die zwei Kapuzen von Funktionshemd und Norrøna-Jacke genau so froh wie über die dicken Fäustlinge, die ich über die dünnen Handschuhe ziehe und die meine Hände wieder aufwärmen, nachdem ich ein Minivideo mit dem iPhone gedreht habe. Hier bin ich alleine in der rauh wirkenden Winterlandschaft und kann mir kaum vorstellen, dass ich kaum mehr als zwei Kilometer von meinem Haus entfernt bin.

Die gute Seite: Entsprechend schnell bin ich auch wieder zu Hause. Die ganze Tour hat vielleicht zwei Stunden gedauert und das auch nur, weil ich es ruhig angegangen bin. Ich hoffe darauf, dass irgendwann diesen Winter auch mal wieder die Sonne heraus schaut und freue mich auf die erste längere Tour bei blauem Himmel und glitzerndem Schnee.


Hier noch ein kleines Video, welches ich mit dem iPhone gemacht habe. Danach musste ich erst einmal meine Finger wieder auftauen.


Heute ist trotz des bewölkten Himmels die Temperatur, von keinem Wetterdienst vorausgesehen, von -3 auf -8 Grad gesunken. Hinten im Garten liegen jetzt 60 cm Schnee und man hat den Eindruck, der Winter ist jetzt wirklich angekommen. Letzten Winter war ich allerdings am 5. Dezember das erste Mal mit Skiern auf der Insel, also sieben Wochen früher und wir hatten schon im Dezember mehr als einen Meter Schnee. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Das verratet aber nicht meinen Nachbarn; es sind nicht alle solche Schneefans wie ich

Licht und Schatten

Heute hat es bei knapp ein Grad plus in großen Flocken weitergeschneit. In Skelleftehamn sind 5-10 cm heruntergekommen. Nun, die sind schnell weggeräumt, so dass ich danach noch Zeit für eine kleine abendliche Skitour habe. Ich bin zu meinem Sommerstrand Storgrundet gelaufen.

Heute ist es mir besonders aufgefallen: Das Wechselspiel zwischen hell und dunkel. Das gelb-orange Licht der vielen Natriumdampflampen wird von den schneebedeckten Straßen reflektiert und strahlt die tiefen Schneewolken an. Die wiederum werfen das abgeschwächte Licht zurück und strahlen andere Schneeflächen an. Deswegen kann man sich ein ganzes Stück von der Straßenbeleuchtung entfernen und dennoch ohne Lampe Ski laufen. Die Wolken über dem Wald und der Ostsee hingegen sind fast schwarz und oft ist der Himmel in orange und schwarze Bereiche unterteilt. Manchmal ist der Himmel hell und der Weg dunkler, manchmal ist es umgekehrt. Doch schaut selbst:

Vielleicht ist Euch aufgefallen, dass Äste und Zweige seltsam unscharf-neblig aussehen. Das liegt daran, dass es sehr windig war und bei Belichtungszeiten von mehreren Sekunden die bewegten Teile unscharf werden. Am meisten fiel mir das an der böig-windigen Küste auf, wo ein vom Scheinwerfer angestrahlter Baum mit funkelnden Tropfen in den Zweigen förmlich im Wind tanzte.

Für Fotografieinteressierte: Ich habe die Photos in Lightroom nachbearbeitet, aber keine Verlaufsfilter eingesetzt. Lediglich den von der Lampe angestrahlen Schnee auf dem Tanzender-Baum-Bild habe ich minimal abgedunkelt, damit er nicht ins Weiße absäuft


Nachtrag: 5. Januar, morgens. Es schneit noch immer, es ist noch immer windig. Auf der Straße schleicht ein Jeep vorbei. Wie letztes Jahr kommt der Schnee in Schüben. Vor einer Woche war es hier noch fast schneefrei, jetzt liegen gut 40 Zentimeter auf meinem Grundstück.

Winter

Macht die Musik aus und dimmt das Licht. Atmet langsam ein. Und wieder aus. Stellt Euch Stille vor. Einatmen. Ausatmen. Ihr seid allein. Draußen in der Natur.

Öffnet Eure Ohren. Lauscht. Ihr hört den Wind in den Bäumen rauschen und den Schnee, der auf die Kapuze prasselt. Ab und zu kommt eine Böe und schüttelt den Schnee vom Pelzrand. Ihr lauft. Die Skistöcke stechen in den Schnee, die Lederstiefel knarzen in der Riemenbindung. Die Skier gleiten mäßig, denn der warme Schnee klebt unter der Gleitfläche. Aber Ihr kommt vorwärts. Ihr verlasst den Fahrweg und folgt einer Skooterspur, die mitten durch den Wald führt. Die Stirnlampe ist aus, denn die tiefhängenden Schneewolken reflektieren genug Licht des nahen Skelleftehamn. Der verschneite Wald ist in dunkeloranges Licht getaucht. Ihr folgt der Skooterspur weiter und der Wald öffnet sich. Links liegt ein zugefrorener See. Die Bäume am anderen Ufer sind im Schneefall nur schemenhaft zu erkennen. Das Gelände ist offen, der Wind ist stärker. Die Spur ist verweht und irgendwann nicht mehr zu sehen. Ihr lauft einfach weiter. Mitten durch den Wald. Pock, der Skistock stößt auf einen Stein. Krzz, der Ski auf einen anderen. Der Wald wird dunkler. Ihr seid allein in der Natur. Ihr hört den Wind, den Schnee, Eure Bewegungen und Euren Atem. Bald stoßt Ihr wieder auf eine Skooterspur. Ihr folgt ihr und spürt, dass Ihr Euch wieder der Zivilisation nähert. Ihr stoßt auf einen geräumten Weg. Hier gleiten die Skier besser und mit Doppelstock-Zwischenschritt könnt Ihr schneller durch den Wald gleiten. Der Wald öffnet sich und gibt den Blick auf die Straße frei. Es duftet nach Holzofen. Die Straßenlaternen blenden Euch. Ihr gleitet die leicht abschüssige Straße herunter, biegt rechts in den Tallvägen ein und stoppt am drittletzten Haus. Es ist hellgrün. Ihr habt den Schlüssel. Drinnen ist es warm.

Davor: Ich schaufele 15-20 Neuschnee weg. Es schneit bei knapp unter Null Grad.

Davor: Ich sitze im Bus und fahre von der Arbeit nach Hause. Es schneit.

Davor: Mein erster Arbeitstag im neuen Jahr, es schneit den ganzen Tag. Mal mehr, mal weniger.

Davor: Ich wache auf und es sind gut fünf Zentimeter Neuschnee gefallen. Es schneit und es ist windig. Ein Streifen Schnee ist durch den Türspalt in den Wintergarten geweht. Das Auto ist weiß eingehüllt.

Davor: Neujahrsnacht. Wolken sind aufgezogen und es hat angefangen zu schneien. Laut smhi können bis zu 20 cm Neuschnee bis zum Montag Abend herunterkommen. Ich bin gespannt, wie viel wir in Skelleftehamn bekommen. Vielleicht kann ich ja bald meine Skier auspacken und durch den Wald gleiten. Dem Wind lauschen und dem Schnee, der auf meine Kapuze prasselt.


Nachtrag: Zwei Stunden später. Ich sitze gemütlich im Haus und arbeiten tun nur die Wasch- und die Spülmaschine. Der Wind und der Schneefall draußen haben noch zugenommen und es soll die ganze Nacht weiterschneien. Das Schneeräumen hätte ich mir sparen können und selbst auf der geschützten Treppe liegen einige Zentimeter Neuschnee. Es ist aber nur knapp unter Null und es steht auf des Messers Schneide, ob der Niederschlag morgen Vormittag als Schnee oder doch als Regen herunterkommt. Aber ich freue mich schon auf eine schöne Skitour im Inland am Wochenende. Da liegt bestimmt jetzt richtig viel!

Hemavan – ein Wochenende im Fjäll

Skelleftehamn gefällt mir – hab ich schon geschrieben, oder? – sehr gut. Was mir hier aber manchmal fehlt, sind die Berge, oder wie man in Schweden sagt, das Fjäll. Und dorthin sind Elisabet und ich letzten Freitag Mittag gefahren. Unterwegs haben wir noch Sohn und Tochter von ihr aufgegabelt und um halb sieben haben wir unser Ferienhaus in Hemavan erreicht.

Man muss ein bisschen Geduld haben, wenn man 40 Meilen (400 Kilometer) in Richtung Westen fährt. Anfangs wollen die verschneiten Nadelwälder kein Ende nehmen, doch dann sieht man am Horizont die ersten Hügel und dann irgendwann das Kahlfjäll, also den Teil der Berge, der über der Baumgrenze liegt. In Hemavan habe ich dann an den Häusern gesehen, dass es doch Regionen gibt, wo noch einiges mehr an Schnee liegt als bei mir zu Hause (laut schneewelt.de 155cm). Würde man jetzt noch 50 Kilometer weiter fahren, wäre man in Norwegen.

Samstag: Skitour ins Fjäll: Ein kleines Stückchen Kungsleden

Am Samstag morgen haben sich Sohn und Tochter mit alpinen Tourenski auf eine Gipfeltour gemacht. Elisabet und ich wollten gerne in Richtung Viterskalsstugan, der ersten (oder letzten) Hütte auf dem 450 Kilometer langen nördlichen Kungsleden. Wir hatten „Backcountry-Ski“, das sind robuste Langlaufski mit Stahlkanten, die für lange Skiwanderungen ideal sind und ich hatte zum ersten Mal meine Pulka dabei. Gleich anfangs ging es ein gutes Stück bergauf und ich habe ganz schön geflucht, denn ich wollte hoch, die Pulka aber zurück ins Tal. Aber damit hatte ich gerechnet und deshalb hatte ich Steigfelle dabei. Damit gleitet es sich nicht mehr so schön, aber man kann auch mit Pulka einfach geradeaus laufen.

Anfangs sind wir noch durch das Skigebiet gelaufen doch bald verschwand der letzte Schlepplift hinter einem Bergrücken und wir waren auf dem Kahlfjäll.

Schon im Skigebiet ist wenig los. Kein Vergleich zu den Menschenmassen, die die Alpen jedes Winterwochenende heimsuchen. Ist man aber erst wirklich im Fjäll, so ist man völlig allein. Fast …

… denn in Schweden darf man auch im Fjäll Schneeskooter fahren. Und das machen viele. Ziemlich viele. In Gruppen rauschen behelmte Personen auf ihren Maschinen laut lärmend vorbei und hinterlassen vor allem den für Zweitakter typischen Gestank. Auch wenn man sich als Skifahrer über die Spuren freut, die machen das Laufen nämlich einfacher, wünscht man sich bei jedem Überholen, die Dinger wären wie in Norwegen größtenteils verboten.

Dazu eine Anekdote, die Elisabet erzählt hat: Eine Bekannte arbeitet im Kindergarten und war mit einer Gruppe Kinder draußen. Zwei nahe Mopedfahrer haben ordentlich Gas gegeben und die Kinder standen in einer Qualmwolke. Daraufhin meinte das eine „Det luktar fjället!“ – auf deutsch: Das riecht nach den Bergen. Da sind mir ehrlich gesagt lila Kühe als Bergklischee lieber!

Nachdem wir dann auch einen Skooter aus dem Schnee mit ausbuddeln durften – nicht alle Schweden können fahren – haben wir die Viterskalsstugan, eine bewirtschaftete Hütte, erreicht. Dort standen schon viele Schneeskooter, aber in der Hütte war es dennoch ziemlich ruhig. Wie in viele Hütten so hat auch diese einen Lebensmittelverkauf. So ist es möglich, lange Touren von Hütte zu Hütte zu machen, ohne für mehrere Wochen Proviant dabei haben zu müssen. Eine tolle Einrichtung!

So gemütlich es auch war – irgendwann muss man wieder zurück, auch wenn der Wind zunimmt und es zu schneien beginnt. Auch wenn wir beide ein bisschen müde waren, so ging der Rückweg doch schneller, da es größere Strecken abwärts ging. Als ich nach dem letzten Gegenanstieg die Felle abgenommen habe, konnte ich auch wieder richtig mit den Ski gleiten – herrlich. Nur auf dem allerletzten Stück ging es doch ganz gut abwärts und ich habe gebremst wie ein Weltmeister, um nicht mit der Pulka ins Tal zu schießen. Verzeiht mir diese Übertreibung. So steil war es nicht, aber ich bin kein toller Skiläufer und lasse es auf Abfahrten lieber ruhig angehen.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Nach Hause fahren · duschen · Essen machen · Abend essen · kurz nach neun ins Bett · Schlafen.

Mein kurzes Fazit: Das war ein toller Tag. Auch wenn die Anreise lang war, so ist es doch toll, dass man so eine Tour „eben mal“ an einem Wochenende unternehmen kann.

@Peter: Du, siehst, die Pulka, die ich gebraucht von Dir gekauft habe ist im Einsatz, wenn auch ohne Hund.

Sonntag: Slalom

… so heißt hier der Abfahrtslauf. Und nachdem ich mir Ski, Stöcke und Schuhe geliehen und meinen Eintages-Skipass bezahlt habe, sind Elisabet und ich mit dem Lift zu einer leichten Piste gefahren. Das war auch gut so, denn ich habe in meinem Leben kaum Abfahrtslauf gemacht und bin anfangs immer ängstlich, bis ich mich wieder an einige Grundlagen erinnere. Die meisten Fünfjährigen hier fahren zwar um Längen besser als ich, aber zumindest reicht mein Niveau aus, um auf einfachen Pisten Spaß zu haben und keinen Stress. Wie auch am Vortag war das Wetter eher bescheiden und auf der Abfahrt vom höchsten Punkt aus hat man nur noch ein paar rote Stecken und ein großes weißes Nichts gesehen. Das war dann wieder ein bisschen anstrengend, weil ich nicht sehen konnte, wie steil es wird.

Was ich hier einfach mag, ist wie ruhig es hier ist. Man muss fast nie am Lift anstehen, auf den Pisten ist man fast alleine und es gibt auch keine Außenlautsprecher, die einen mit volkstümelnden Alpenschlagern vollbrüllen. Das ganze kommt meiner Mentalität schon viel näher als so ein großer Skizirkus in den Alpen. In den Osterferien hingegen ist halb Schweden im Fjäll, dann wird es auch in Hemavan voll.

Vielen Dank an Elisabet, die mit mir so manchen „Idiotenhügel“ gefahren ist, mir Skiabfahrt wieder gezeigt hat und auch die gesamte Strecke Skellefteå—Hemavan—Skellefteå gefahren ist.

(NB: Über die Erfahrungen mit der Pulka)

Über die Pulka ist man mit einem Zuggestänge verbunden, daher läuft sie im gleichen Tempo mit einem mit.

Auf ebenem Gelände und wenn der Schnee nicht zu tief ist, ist das Ziehen phantastisch leicht. Hier spielt der Schlitten ganz klar seine größten Stärken aus.

Geht es aufwärts, möchte die Pulka abwärts. Wenn man nicht zickzack laufen oder die ganze Zeit im V-Schritt laufen möchte, so sind hier Steigfelle extrem praktisch.

Geht es abwärts, so kann man ohne Anstrengung bergab gleiten. Allerdings hat man mehr Schwung und ist nicht so manövrierfähig wie ohne.

Geht es steiler abwärts, so könnte man die Steigfelle benutzen, die ein bisschen bremsen (nicht probiert) oder einfach die kleine Etappe abschnallen und ohne Skier gehen (probiert). Steiles und vereistes Gelände ist glaube ich extrem eklig!

Quert man – also läuft man parallel zum Berg – so kann die Pulka schon mal umkippen. Einmal konnte ich sie mühelos aufrichten, das andere Mal hat sie sich ein bisschen in den Schnee eingegraben und ich musste mich aus dem Gestänge ausklinken, um sie wieder aufzustellen. Kein Drama, aber kostet Zeit.

Das Laufen mit Pulka macht aber Spaß und Lust auf mehr, zumal man ja auch Zelt und Schlafsack mitnehmen kann, Proviant, alle Objektive und ein schweres Stativ, fünf Jacken und … und … . Bei der ersten Tour mit Pulka wird es bestimmt nicht leicht, vernünftig zu bleiben, denn es passt einfach so viel hinein.

Vårvinter

Dieses Wochenende war ich nach sechs Wochen mal wieder in der nahen Umgebung unterwegs.

Gestern am Samstag habe ich meinen Rucksack gepackt, meine Skier untergeschnallt und bin quer durch den Wald zur Ostsee gelaufen. Erst war ich auf Norrskär. Von dieser hügeligen Insel konnte man am Horizont einen breiten dunkelblauen Steifen ausmachen. Blankes Eis oder offenes Wasser? Ich beschloss, in die Richtung zu laufen um näher zu schauen, musste aber bald feststellen, dass diese Stelle viele Kilometer entfernt lag. Statt weiter auf die See hinaus zu laufen, bin ich dann nach links abgebogen und habe erstmalig die Insel Medgrundet angesteuert. Mit einem Abstand von 2400 Metern liegt diese Insel in der Hålfjärden genannten Bucht am weitesten vom Festland entfernt. Nach einer längeren Pause habe ich dann den Rückweg angetreten und war um kurz vor drei wieder zu Hause.

Was war nun anders als die Skitour vor sechs Wochen?

  • Die Sonne hat viel mehr Kraft. Sie wärmt und ich bin teilweise ohne Jacke gelaufen.
  • Es ist viel länger hell. Man muss nicht sofort nach dem Frühstück losbürsten und als ich zu Hause war, war es immer noch ein paar Stunden hell.
  • Sonnenbrille und -creme gehören jetzt in den Rucksack. Die dicke Daunenjacke kann zu Hause bleiben.
  • An manchen Stellen ist der Schnee weggeweht und das blanke Meereis zu sehen.
  • Pausen machen mehr Spaß, weil es einfach wärmer ist.

Ja, ich mag auch den knackigkalten Winter im Januar und Februar, aber der Vårvinter, auf deutsch Frühlingswinter ist auch toll. Und ich kann mir kaum noch vorstellen, dass ich vor drei Wochen noch mit meinem Canada-Goose-Parka herumgelaufen bin.

Heute war ich kurz in der Stadt und habe mit Elisabet einen Abendspaziergang auf den Huvudberget gemacht, der jetzt nicht dramatisch hoch ist, aber eine schöne Aussicht über die Stadt bietet. Nun bin ich wieder zu Hause und es hat sich leider ein bisschen zugezogen. So wird es also auch diese Nacht mit nicht mit Polarlichtbeobachtung. Macht aber nichts, denn so kann ich mein Kinderbuch „Agaton Sax och den ljudlösa sprängämnesligen“ weiterlesen.

Vårvinter

Vårvinter heißt auf deutsch Frühlingswinter. Und obwohl der Frühling noch weit weg ist, hatte der heutige Sonntag schon einen „frühlingswintrigen“ Charakter.

Die Wärme der letzten beiden Tage und der lebhafte Wind, der die letzte Nacht im Schornstein heulte, haben alle Bäume vom Schnee befreit. Da neben einigen kahlen Birken hier hauptsächlich Nadelbäume wachsen, wirkte der Wald lichter und grüner als sonst. Dort konnte ich bei Temperaturen um -5 °C auch ohne Mütze und Handschuhe laufen, bloß auf der Ostsee waren die Sachen doch sehr angenehm, da es doch immer ein bisschen windig ist.

Eigentlich wollte ich heute hinter den Inseln weiter auf das Meer hinauslaufen, aber zum einen war am Horizont ein breiter dunkelblauer Streifen zu sehen – offenes Wasser?, zum anderen war meine linke Wade vom Badmintonspiel am Mittwoch immer noch leicht beleidigt und wollte an einer längeren Tour nicht teilhaben. So bin ich nur ein bisschen um ein paar Inseln gelaufen und habe mich über das Licht und über hohen Eiswände vor den Inseln gefreut. Aber erst zu Hause ist mir beim Betrachten der Fotos bewusst geworden, wie hoch sich das Eis an manchen Stellen so aufgetürmt hat.

Einige Stunden später zu Hause: Was ist das? Ist da jemand im Schnee verschüttet? Muss jemand ausgebuddelt werden? Habe ich es beim Tiefsnow stapfing übertrieben?

Nein, ich kann beruhigen: Ich habe heute das Dach vom Wintergarten so weit es ging vom Schnee befreit. Ich habe mir vom Nachbarn eine Leiter geborgt und sie ringsherum angelehnt. Die ersten beiden Schritte haben nicht mich hoch befördert, sondern die Leiter in den tiefen Schnee gedrückt. Dann konnte ich hochklettern und mit dem Schneeschieber von der Leiter aus den meisten Schnee vom Dach wegräumen. Und das war doch eine Menge. Hm, mal ausrechnen: ca. 3 Meter × ca. 6 Meter × ca. 40 Zentimeter sind ca. 7 Kubikmeter. Bei einer angenommenen Dichte von 200 Kilo pro Kubikmeter sind das also knapp anderthalb Tonnen, von denen jetzt bestimmt eine Tonne um den Wintergarten herum liegt. Kein Wunder, dass ich ins Schwitzen geraten bin und die Jacke irgendwann in den Schnee geworfen habe. Ja, und da hat sie dann doch noch einigen Schnee vom Dach abbekommen. Also: Keiner verschüttet, alles ist gut! Und auch dem Kunststoffdach des Wintergartens tut es bestimmt gut, einen Großteil seiner Last losgeworden zu sein.

Ein herrlicher Wintertag

So mag ich das. Am Freitag klart es auf und es wird kälter. Der Samstag präsentiert sich dann in herrlichster Winterlaune: Das Thermometer zeigt -24 °C ¹, es ist windstill und über Skelleftehamn spannt sich ein klarer, blauer Winterhimmel. Um zehn vor neun sind meine üblichen Dinge im Rucksack verstaut und ich breche auf. Im und am Rucksack befinden sich neben Kleinkrams:

  • Mein Fotoapparat. Ersatzakkus sind in der Hosentasche
  • Erste Hilfe und Biwaksack. Zum Nichtbenutzen
  • Tee aus frischem Ingwer und Proviant
  • Ein Fotostativ
  • Meine Isdubbar
  • Heute mal ein GPS zum Weg mittracken
  • Karte und Kompaß. Benutze ich aber fast nie
  • Ersatzhandschuhe und -socken
  • Ein kleines Thermometer
  • Eine warme Daunenjacke (heute nicht gebraucht)

Im Wald sitzt ein Baum voller runder Vögel. Ich könnte ein Foto machen. Aber zum einen habe ich kein Tele dabei, zum anderen zieht es mich auf die Ostsee. Also laufe ich weiter und die Vögel fliegen auf. Bald bin ich schon am Ostseeufer und laufe quer über das Eis zur Insel Klubben, von da aus weiter nach Flottgrundet, ein bisschen weiter nach Gråsidan, dort nach einer kleinen Teepause am gesamten Nordostufer entlang und dann wieder auf dem Rückweg nach Bredskär.

Wie immer begeistert mich das Licht auf der Ostsee und die schneebedeckten Flächen, in die der Wind verschiedene Strukturen und Texturen hinein geblasen hat. Dieses Mal komme ich aber auch in Gebiete, wo die Inseln von bis zu zwei Meter hohen Eisformationen umgeben sind. An manchen Stellen haben sich kleine Tropfsteinhöhlen gebildet. Ich komme mir vor wie einer Ausstellung mit sorgfältig von der Natur geformten Skulpturen. Am Ufer von Gråsidan hat man Blick auf das zusammengefrorene Packeis und später auf weitere Eisformationen. Es erfordert einiges an Disziplin, nicht jede einzelne Skulptur, jeden Eiszapfen und jeden Felsen fotografisch zu kartografieren, sondern sich in der Motivanzahl zu beschränken. Nachdem ich zu Hause aber gerade fast 30 Gigabyte überflüssiger Fotos auf dem Rechner gelöscht habe, gelingt mir das recht gut. Zumal ich weiß, dass mir manche Motive auch nicht wegrennen.

Auf Bredskär passiert es dann! Ich sehe einen anderen Skiläufer! Und ich dachte schon, dass ich der einzige bin, der bei jedem Wetter in der Natur unterwegs ist. Wir sind wohl beide neugierig und steuern aufeinander zu. Ich treffe auf einen Lehrer, der weiter draußen auf der See Blankeis suchen möchte, damit er dort Schlittschuh laufen kann. Nach fünf Minuten Gespräch lädt er mich schon im Sommer zu einer gemeinsamen Kajaktour ein, er hat zwei Seekayaks. Wir laufen dann gemeinsam einen guten Kilometer auf das offene Meer hinaus und man sieht nur Eis, Eis, Eis. Blankes Eis finden wir allerdings nicht und wir kehren um. Ich habe echte Mühe, Schritt zu halten, denn der Lehrer hat eine extrem gute Kondition, ist ziemlich schnell in diesem Gelände und benutzt dabei noch nicht einmal die Stöcke. Wie macht der das?

Bei einer Kaffeeeinlandung in sein Haus wird es mir klarer: Zum einen ist das Haus voller Sportgeräte und Outdoorausrüstung, zum anderen erzählt er von den vielen Touren, die er schon gemacht hat. Ich komme mir ziemlich unsportlich vor, freue mich aber riesig, dass es hier Gleichgesinnte gibt und dass man sie auch trifft. Und vielleicht ergibt sich ja wirklich mal etwas. Ich bin mir nämlich nicht immer so sicher, wie schnell man Einladungen zu einer eventuellen Kajaktour hier in Nordschweden auch annehmen darf.

Zu Hause ziehe ich mir erst einmal trockene Sachen an und hänge den Rest der Kleidung zum Trocknen auf. Heute hatte ich an:

  • Woll-Funktionsunterwäsche von Aklima. Genial! Das Oberteil hat eine Sturmhaube als Kapuze
  • Pullover aus Powerstretch-Fleece. Anfangs zu warm, später war ich froh, ihn anzuhaben
  • Dünne winddichte Mikrofaserjacke mit Kapuze und Fellrand. Hat man die Kapuze auf, vereist sie. Sonst vereisen Haare, Nase und Wimpern
  • Ein Schlauchschal (Buff) vor dem Mund
  • Zweilagige Fingerhandschuhe. Heute gerade noch warm genug. Nächstes Mal Fäustlinge
  • Eine x-beliebige Skihose
  • Warme Socken
  • Zur Skibindung passende Lederstiefel. Die sind leider nicht sehr warm und der schwächste Ausrüstungsgegenstand

Als ich dann um sechs einkaufen wollte, waren draußen immer noch -24 °C. Ich hatte aber eigentlich mehr Lust auf gemütliche Wärme und habe deshalb zum ersten Mal hier meine Canada Goose Daunenhose und den passenden antarktistauglichen Daunenparka dazu getragen. Das ist so, als ob man sein eigenes Heizkraftwerk mit sich herumträgt und man sollte keine großen Strecken laufen, weil es einem sonst zu warm wird. Egal bei welcher Temperatur! Jetzt sitze ich aber wieder schön im Warmen; das hat doch auch was!

¹ Wer meint, das sei kalt: Bei einem Freund, der 50 km landeinwärts wohnt, waren es heute -34 °C. Wem immer noch kalt ist: In der letzten Stunde ist die Temperatur hier um 5 Grad angestiegen. Morgen Nachmittag sollen es nur noch -6 °C sein und es soll 10-20 cm Neuschnee geben. Mal schaun …

Kurztrip nach Storgrundet

Oh, schon viertel nach zwölf! Dann habe ich keine zwei Stunden Tageslicht mehr. Also schnell Skiklamotten anziehen, meine lädierte¹ Nikon einpacken und los geht es.

Auf geräumter Straße mit ein paar Zentimeter Neuschnee gleitet es herrlich schnell zur sommerlichen Badestelle. Von da aus kann ich dann auch Storgrundet ausmachen. Obwohl das andere Ufer keine 200 Meter entfernt ist, kann man im starken Schneefall nur einen Teil der Insel sehen. Mein Teleobjektiv zeigt auf dem Bild überraschend viele Details, die ich mit bloßem Auge nicht sehen konnte.

Schnell hatte ich das Eis überquert und war auf der schmalen Insel. In dem Waldstreifen empfängt mich Windstille und tief verschneite Bäume. Ein paar hundert Meter an der Küste bläst mir der steife Wind mit 40 Stundenkilometer den Schnee ins Gesicht. Ich habe mit bloßen Fingern zwei kurze Videos auf dem iPhone gedreht und eines hochgeladen – aua, taten mir die Finger weh! Die Kuppe des linken Ringfingers ist immer noch ein wenig beleidigt. Fazit: Keine iPhonevideos mehr im Schneesturm.

Das Video, welches ich mit der Nikon gemacht habe, ist eh besser geworden. An dem Gewackel bei 0:13 ist übrigens der Wind schuld.

Nach einer kurzen Tour auf der Insel und dem Ostseeeis habe ich wieder die Bucht überquert und bin nach Hause gelaufen, wo ich neunzig Minuten nach Aufbruch wieder angekommen bin.

¹ Den verstaubten Sensor meiner Nikon D300s habe ich zumindest wieder so reinigen können, dass die bösesten Flecken weg waren und man die anderen nur bei kleiner Blende sieht. Allerdings hat mir eine Sturmböe gestern das Stativ umgeworfen und ich war froh, dass die dabei zerstörte Gegenlichtblende weiteren Schaden verhindert hat. Leider hat es neben dem Gewinde meines UV-Filters auch die Arretiertaste des linken Modusrades erwischt. Sie ist jetzt dauerhaft eingedrückt, so ein Mist! Ich scheue nicht so sehr die Kosten einer Reparatur, sondern eher eine Zeit ohne Spiegelreflexkamera. Ich bin ja schon halb am Überlegen, auf die D700 umzusteigen und die D300s als Zweitkamera zu behalten. Aber dann brauche ich auch zwei neue Objektive und es wird alles ziemlich teuer … . Da muss ich noch ein paar Nächte drüber schlafen. Oder im Lotto spielen.

Björkskär,

Mininum in der Nacht -17.2 °C, tagsüber um -11 °C. Damit ähnlich wie die letzten Tage.

so heißt die kleine Insel, auf der ich heute bei meiner Skitagestour gelandet bin. Tagestour heißt, solange richtig Licht da ist, also so etwa von neun bis zwei.

Auf dem nahen See lässt sich jetzt hervorragend laufen. Dort bin ich auf eine andere Skispur gestoßen, der ich einige Zeit gefolgt bin. Sie führte durch Wald zu einem Bootsanleger an der Ostsee und von dort aus ufernah auf der Ostsee weiter. Irgendwann bog sie wieder in Richtung Land und durch dichtes Gestrüpp wieder in den Wald. Irgendwann stieß sie dann auf eine Straße, die wiederum zu einem anderen Bootsanleger an der Ostsee führte.

Hier überlege ich dann, ob ich zu der kleinen Insel, die keine 200 Meter entfernt war, laufen soll. Kleine Bäumchen als Markierung waren gesteckt, Fußspuren auch zu sehen und vor der Insel läuft ein Mann zu Fuß über das Eis und winkt mir zu. Das ist mir sicher genug und ich gleite mit meinen Ski über die schneebedeckte Eisschicht zur Insel, wo ich auf den Mann treffe, der gerade von seinem kleinen Spaziergang auf dem Eis zurückkommt. Nach drei Sätzen lädt er mich direkt zum Kaffee in seine Sommerstuga auf der Insel ein und ich nehme gerne an, auch wenn ich auf den Kaffee selber gut hätte verzichten können.

Zu recht ein wenig stolz zeigt mir der Schwede das Bootshaus mit Sauna, das in diesem Sommer gebaute Gästehäuschen, den snickarboden, zu deutsch Tischlerschuppen mit Kajak und Dusche und zum Schluss sein Sommerhäuschen, welches ich bei 50 Quadratmeter Grundfläche gar nicht mehr Häuschen nennen möchte. Wenn ich da an mein Einzimmerapartment in München zurückdenke, das war um einiges kleiner. Nach einem netten Gespräch, bei dem ich erfahren habe, dass die Insel Björksjär heißt und auch, dass mein Gastgeber mir zugewunken hat, weil er mich mit seinem Nachbarn verwechselt hat, habe ich mich bedankt und verabschiedet und bin mit den Skiern einmal um die ganze Insel gefahren. Sozusagen meine erste Inselumrundung mit Ski auf dem Meer. Das habe ich mich aber auch nur getraut, weil der Schwede wusste, dass das kein Problem ist. Danach bin ich relativ geradeaus wieder zurückgelaufen und war überraschend schnell wieder zu Hause. Im Winter kann man hier so schön über Meerbucht, See und Sumpf abkürzen; im Sommer hätte das länger gedauert.

Dadurch, dass die Sonne jetzt so tief steht, hat man den ganzen kurzen Tag ein wunderschönes Licht. Die Morgendämmerung geht quasi in die Abenddämmerung nahtlos über. In Sonnenrichtung leuchtet der Himmel warm orangegolden, während die ganze Gegenseite in zarte rosaviolette Pastelltöne getaucht ist. Die Fotos beispielsweise sind um elf und halb eins gemacht. Allerdings werfen die Bäume so lange Schatten, dass man direktes Sonnenlicht nur auf den Baumkronen oder weit draußen auf dem Meer hat. Oder eben in einer schicken Stuga auf der Insel Björkskär.