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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Ein Tag zu Hause

Heute habe ich mal wieder zu Hause gearbeitet, weil nochmals ein Mensch von Anticimex da war, um sich ein Bild zu machen. Ergebnis: Den Schaden am Dach muss ich wohl selbst übernehmen, weil Anticimex eine Selbstbeteiligung von 8000 Kronen (etwa 860 Euro) hat! Das finde ich schon sehr ärgerlich, weil Anticimex so für den eigenen Fehler nicht haften muss und ich schließlich viel Geld für die Besichtigung bezahlt habe, bei der dieser Fehler direkt hätte auffallen müssen.

Das Wetter war schön, der Rasen lang, also habe ich mir danach von dem Nachbarn von gegenüber zeigen lassen, wie ein Benzinrasenmäher geht und meinen Rasen gemäht. Über anderthalb Stunden habe ich den armen Mäher durch das hohe Gras gewuchtet, bis der Rasen um zwei große gehäufte Schubkarren Gras kürzer war.

Um sechs war das Wetter immer noch schon, wenn auch mit gut 12 Grad nicht wirklich warm. Aber ich wollte unbedingt noch einmal in der Ostsee schnorcheln. Ich habe vorsichtshalber meinen Neoprenshorti angezogen und ich musste leider feststellen, dass das Wasser wirklich schon wieder a****kalt ist. Die Kälte hat richtig am Kopf geziept und nach zwei Minuten war ich wieder draußen. Ich habe einfach eine Hose und eine Segeljacke über den nassen Shorti gezogen und bin so nach Hause geradelt. Ist ja nicht weit.

Allerdings habe ich an der Ecke noch einen Nachbarn getroffen, den ich noch nicht kannte und habe mich mit ihm unterhalten. Er wusste schon, dass ich einen Flügel habe und es stellte sich heraus, dass er früher Vibraphon gespielt hat und Fan vom Modern Jazz Quartet und Toots Tielemann ist. So langsam fing ich dann aber an zu frieren und musste mich verabschieden. Jetzt sitze ich wieder schön im Warmen.

Nachher muss ich noch ein Stunde arbeiten, so viel habe ich heute ja noch nicht am Rechner gesessen.

Olaf, the German …

… stand auf der Postkarte, die ich heute in meinem Briefkasten fand. Ich hatte mit meinem Schwager vor der Englandreise überlegt, ob so eine Postkarte wohl ankommt, und – sie tat es. Nun ist Skelleftehamn ja nicht soo riesig, aber gut 3000 Einwohner sind es doch und ich habe nicht wirklich damit gerechnet, die Postkarte zu bekommen.

Und sonst so?

  • Der Besuch ist leider wieder weg, aber morgen kommt neuer (nur für eine Übernachtung)
  • Das Wetter ist wieder schön (ich bin im T-Shirt nach Hause geradelt)
  • Telia bietet leider keinen Festnetzanschluss mit Flatrate nach Deutschland an. Schade
  • Mein neues Firmenhandy (iPhone 4) ist heute gekommen
  • Die Woche wäre noch schöner, wenn ich nicht dringend meine deutschen Steuererklärungen machen müsste

Nachtrag

  • Gestern habe ich ein altes und schraddeliges Kubbspiel für 35 Kronen gekauft. Gefällt mir.

Die Woche

Eigentlich hatte ich ja vor, heute über den Herbstanfang zu schreiben, aber was wirklich spannendes gibt es nicht zu berichten. Gut, es ist kühler geworden und um halb acht dunkel, aber das ist ja nicht soo aufregend.

Also, was ist sonst so passiert:

Mein kleines Bad im Erdgeschoss hat wieder einen Fußboden. Und eine heile Wand. Morgen suche ich Kacheln für den Boden und Tapete aus und warte auf den nächsten Schritt. Aber es geht langsam weiter.

Heute habe ich gelesen „Allt var väl“. Das ist der letzte Satz der siebenbändigen Harry-Potter-Reihe, die ich seit Juni mit Unterbrechungen gelesen habe. Nach geschätzt 4000 Seiten hat sich jetzt mein Schwedischwortschatz entscheidend erweitert: trollstav – Zauberstab, kittel – Kessel, drakskinn – Drachenhaut. Was braucht man mehr!

Im Oktober mache ich eine Woche Urlaub in Norwegen und besuche Freunde. Erst in Røkland bei Bodø und dann in Stokmarknes auf den Vesterålen. Ich reise per Bus, Zug, Schiff und Flugzeug und freue mich riesig auf Land und Freunde. Alles weitere schreibe ich später.

In meinem Wintergarten liegen 60 kleine Äpfel vom Bäumchen in meinem Garten. Da mir roh Äpfel nicht so gut bekommen, werde ich wohl Apfelmus daraus machen. Aber ich war bis jetzt noch zu faul zum Schälen.

Bei IKEA habe ich gefühlte 100 Meter IVAR-Regal für meine Kellerbibliothek und ein Gästebett bestellt. Das Bezahlen war nicht leicht, weil das System meine deutsche MasterCard nicht mochte, aber zum Glück habe ich dann nach sieben Mal Weiterverbinden telefonisch erfahren, dass ich das Geld auch überweisen kann.

Morgen ist noch mal ein Tag Arbeit dran und dann freue ich mich auch aufs Wochenende.

Gästezimmer und Bibliothek

Am Donnerstag habe ich eine große IKEA-Lieferung mit vielen hellen Holzteilen in unterschiedlichen Größen und Plastiksäckchen mit Schrauben, Holzzapfen und Inbusschlüssel erhalten. Heute habe ich deshalb den ganzen Tag im Keller verbracht und erst Regale gebaut, dann sämtliche Bücher recht unsortiert einsortiert und zum Schluss noch das Bett zusammengebaut, damit die komprimierte Matratze sich schon mal ein bisschen aufpusten kann. Das Bibliotheks-Gästezimmer ist also im Grunde fertig und wird ab Dienstag schon durch Thomas eingeweiht, der zwei, drei Tage bei mir ist, um die vielen, kleinen Dinge zu fixen, die im Haus gemacht werden müssen und für die ich zu ängstlich oder zu unerfahren bin, um sie selber zu machen.

Und was ist das? Musik? Nun – das war gestern:

Nächste Woche heiraten Kollegen und normaler­weise machen die Frauen vorher mit der zukünftigen Braut „möhippa“ und die Männer entsprechend „svensexa“. Dieses Mal ist aber alles etwas anders gewesen und unter dem Motto „Mösexa och Svenhippa!“ sind die Frauen mit dem Bräutigam losgezogen und wir mit seiner zukünftigen Frau. Beim Bowling war ich nicht dabei, denn wir haben geprobt. Die Kollegin hatte nämlich die Aufgabe, zwei Beatles-Stücke einzu­singen, eine Aufgabe, die sie gut gemeistert hat, wie man auch nachträglich auf dem Musik­video sehen konnte. Ich fand es interessant, wie viele Kollegen von 10 Merchant Street nicht nur ein Instrument spielen können, sondern auch die Beatles-Lieder souverän auswendig spielen. Die ganze Aktion war schon eine sehr lustige Sache. Ich habe die anschließende Party allerdings um halb zwölf verlassen, denn … siehe oben … .

Zwei Vögel

1. Der Seidenschwanz

Ich habe heute zu Hause gearbeitet und überall auf den Telefonleitungen (ja, die gibt‘s hier), den Bäumen und vor allem den Antennen haben sich Seidenschwänze gesammelt, die wohl meinen, bei diesem windigen Herbstwetter könne man auch gut ein Stückchen gen Süden fliegen. Ich kann es ihnen nicht übel nehmen, denn es ist trüb und bei dem Wind fühlen sich auch 10 °C ganz schön ungemütlich an.

2. Der Wasserhahn

Ach ist das toll, wenn Leute einfach so Sachen reparieren können. Thomas ist gestern Abend gekommen und ist drei Tage hier, um Dinge in Ordnung zu bringen. Und schon leckt der Wasserhahn nicht mehr, kann ich das Kellerlicht auch von oben anmachen, damit es auf der Treppe hell ist (Funk sei Dank), hat die Heizung im Gästezimmer einen Thermostat, steht die Badewanne wieder gerade und noch so manches mehr. Es ist ein tolles Gefühl, einfach Dinge auf meiner langen Im-Haus-Zu-Tun-Liste abhaken zu können. Und zugleich bekomme ich ein Schwedischintensivsprachtraining. Da ich aber heute einige Stunden mit Thomas unterwegs war, um alles einzukaufen, muss ich leider gleich noch ein bisschen arbeiten …

zu Hause

Minimum seit 15.10.: -6.2°. Heute 23:00: -2.9 °C. Schnee, aber nur stellenweise.

Ich bin wieder zu Hause. Gestern bin ich von Stokmarknes nach Bodø geflogen, habe dort im Vandrerhjem übernachtet und bin heute um 11 Uhr in den Bus zurück nach Skellefteå gestiegen. Der hat mich von der regnerischen Atlantikküste über das verschneite Fjäll an die nicht sehr verschneite Ostseeküste gebracht. Nach acht Stunden war ich in Skellefteå und eine Stunde später zu Hause.

Ich freue mich, dass ich die Norwegenreise gemacht habe. Wie schön die Landschaft dort ist, habe ich schon geschrieben, aber es war auch toll, entstehende Freundschaften vertiefen zu können. Danke an Susa und Sven, danke an Julia und René für Eure tolle Gastfreundschaft.

Und ein weiteres Gutes hatte die Reise: Ich bin zum ersten Mal in diesem Jahr wieder nach Hause gekommen.

  • Aber die Rückreise von schwedisch Lappland nach München im Februar?
    Nein, da wusste ich ja schon, dass ich nach Schweden ziehe. München war kein zu Hause mehr.
  • Und die Ankunft in Schweden im April?
    Nein, da war ich bei tollen Gastgebern, aber eben nicht zu Hause.
  • Im Juli nach München?
    Pustekuchen – die Wohnung aufgelöst habe ich.
  • Und dann Ende Juli ins eigene Haus?
    Ach, das war noch so ungewohnt, unbewohnt und noch so gar nicht richtig meines.

Aber jetzt: Ich bin von hier nach Norwegen gereist und wieder hier angekommen. Und fühle mich heimisch, und dass nicht nur, weil in meinem Haus Flügel, Badewanne und Waschmaschine stehen. Nur der Winter ist hier mit ± 2 cm Schnee ein bisschen zaghafter als im restlichen Västerbotten. Dazu ist die Ostsee noch zu warm, aber ehrlich gesagt, Olaf: Musst Du wirklich im Oktober schon tiefsten Winter haben? Das kommt doch noch früh genug, oder?

Das Photo links habe ich um 16:37 mit dem iPhone aus dem Bus geknipst. Wenn in einer Woche die Zeit umgestellt wird, geht die Sonne schon um 15:20 unter. Ich glaube, morgen kaufe ich Kerzen …

Hauseinweihung

Gestern war meine erste echte Einladung von in Schweden lebenden Schweden in Schweden. Ich hatte zum „Piano-Knytkalas“ eingeladen. Knytkalas bedeutet, dass jeder etwas zu essen (und zu trinken) mitbringt. Gleichzeitig war es aber auch Inflyttningsfest, also „Einzugsfest“ oder Hauseinweihung. Und ich war ganz schön nervös. Hoffentlich habe ich nichts vergessen und hoffentlich gefällt es allen bei mir. Zumindest alles zum Kaffee kochen hatte ich besorgt, denn ohne Kaffee geht in Schweden eigentlich gar nichts.

Was soll ich sagen – richtig schön war es! Ich hatte 26 Erwachsene (teilweise mit Kindern) eingeladen, gekommen sind dann zehn, da doch einige krank waren und andere bei einem Chick-Corea-Konzert in Umeå. Und ich glaube, dass es allen gefallen hat.

Viele der Eingeladenen sind sehr internetaffin und so gab es bei Twitter, Facebook und Gowalla einige Posts vor, während und nach dem Fest. (Nein, es gab keinen offiziellen Hashtag für den Abend, aber ich war kurz davor, einen auszurufen …). Das Foto links hat Paulina bei Gowalla online gestellt.

Nach dem sehr leckeren Essen habe ich Klavier gespielt. Erst alleine und dann mit Begleitung. Denn viele der Eingeladenen machen selber Musik und so gab es so manche Spontansession mit Klavier, Gitarre und Cajón und Per hat zum Schluss noch wunderschön „My Funny Valentine“ gesungen.

Gegen viertel nach sechs kamen die Gäste, und sechs Stunden später gingen die letzten drei nach Hause. Ja, gingen, denn sie wohnen alle in Skelleftehamn. In der letzten Stunde hatte ich leider keine Konzentration mehr und die brauche ich nach wie vor sehr, um dem Schwedischen zu folgen. Deswegen bin ich in Schweden immer noch wesentlich stiller als in Deutschland.

Nun liegt das erste wirklich freie Wochenende seit Ende August vor mir und das wird wohl ziemlich frei bleiben …

zum Wetter: In der Nacht hat es geschneit und die Straßen waren weiß. Heute morgen war aber schon alles wieder weggetaut. In Lappland, vor allem im Norden hingegen ist schon richtig Winter mit aktuellen Temperaturen von unter -10 °C und 30 cm Schnee, zu dem einiges noch hinzukommen wird. So gut mir Skelleftehamn gefällt; als Winterfan hätte ich lieber irgendwo dort meine Hütte.

Schnee am Abend

Früher als vorhergesagt ist es wieder ein bisschen kälter geworden und seit heute Nachmittag schneit es leise bei Temperaturen um null Grad vor sich hin. Zur Zeit liegen etwa drei Zentimeter und da es auch die nächsten Tage kaum über Null werden soll, bleibt der Schnee wohl auch liegen.

Ich finde es ganz schön schwer, den Schneefall in der Dunkelheit zu fotografieren. Belichte ich zu kurz, ist alles schwarz. Belichte ich zu lang, sieht der Schnee wie Regen aus. Gehe ich auf ISO 3200, rauscht das Bild. Ich habe mit Mehrfachbelichtungen und Stroboskopblitz experimentiert, aber so schön wie die Wirklichkeit sind die Fotos noch lange nicht. Wer das also in Natura sehen will, soll halt vorbeikommen …

… und Schnee am Morgen

Minimum -8.0 °C, Maximum -0.9 °C. 2 cm Schnee und bis mittags wolkenlos.

Heute war der erste so richtige Wintertag. Am morgen lagen die Temperaturen bei minus sieben, acht Grad. Der blaue Himmel und der frische Neuschnee sorgten für ein herrliches Licht. Was für ein Unterschied zu der nassen, braunen Erde vor ein paar Tagen, selbst wenn nur zwei Zentimeter Schnee gefallen sind. Es war auch der erste Tag, an dem die Höchsttemperatur unter null lag. Mein kleines Außenthermometer zeigte als Maximum heute – 0.9 °C. Ach, ist das schön, wenn der Schnee sich nicht gleich wieder in braunen Matsch verwandelt.

Laut Wettervorhersage bleibt es mindestens bis Mittwoch kalt. Allerdings ändert sich die Vorhersage für einen bestimmten Tag hier mindestens so häufig wie das Wetter selbst …

Deutschland – Schweden

Nein, ich schreibe hier nicht über das gestrige Fußballspiel; ich habe es noch nicht einmal gesehen. Ich wollte bloß kurz meinen letzten Tag in Bremen dazu nutzen, zwei kleine fotografische Vergleiche anzustellen: Wohnstraßen und das Weihnachtssortiment in Supermärkten. Bitteschön:

Drinnen und draußen

Drinnen: Ein Betrüger hat es geschafft, an einem Tag über 26000 Kronen von meinem Konto abzuräumen. Er ist wohl irgendwie an die Daten meiner neuen Visakarte gelangt. Also war ich heute bei der Bank und habe sie über den Vorfall informiert. Dann habe ich bei der Polizei Anzeige erstattet. Jetzt kann ich kaum etwas tun, als einige Wochen zu warten, während SwedBank und Visa überprüfen, was passiert ist, um mir dann hoffentlich das Geld restlos zurück zu erstatten. Grummel!

Nachtrag: Ein Kollege hat mir einen Link zu einem Artikel von Norran geschickt, nach dem mindestens zwei weitere Personen betroffen sind.

Draußen: Heute hatte ich es gut, denn Kollegen haben mich im Auto von der Stadt nach Skelleftehamn mitgenommen. Da der Winter Schweden fest im Griff hat, ist das Auto fahren nicht so einfach. Auf dem Neuschnee driftet man in den Kurven auch mit Spikes leicht aus der Spur und ist man dann auf der Bundesstraße, so wirbelt jeder Lastwagen Schneestaub (snörök) viele Meter weit auf, so dass man zeitweise gar nichts sieht. Aber über den Neuschnee schreibe ich am Wochenende mal weiter unten.

Drinnen: Nun ist es raus: Ich arbeite nicht mehr bei Artopod, sondern bei Hello Future. Mit den gleichen Leuten, aber einem erweiterten Background, da Internet heute mehr ist als Webseiten. Das sieht beruflich für mich nach einer sehr spannenden Zeit aus.

Draußen: Heute Abend bin ich mit dem Fahrrad zum ICA gefahren. Das Problem war nicht der Wind oder die -8 °C Kälte oder der Schneefall, sondern der Straßenuntergrund. Teilweise lässt sich gut fahren, doch zum Teil schlingert man wie in Sand oder die Räder drehen ganz durch. Gleichzeitig will das Licht nicht mehr richtig, die Gänge gehen nur noch teilweise rein und das Schloss ist auch eingefroren. Wenn das Wetter so bleibt, kaufe ich mir im Dezember eine Monatskarte für den Bus, den bei diesem Tempo bräuchte ich in die Stadt und wieder zurück wohl vier, fünf Stunden.

Draußen: Der Dramatik wegen sollte ich jetzt schreiben: „Draußen tobt ein Schneesturm!“. Zumindest nimmt der Wind immer weiter zu, heult ums Haus, weht meine Fenster und meine Eingangstreppe zu und beim Schnee kann man gar nicht mehr bestimmen, was von oben kommt und was vom Wind aufgewirbelt wird. Alle Schneeräumarbeiten sind fast überflüssig, die freigeschaufelten Wege sind eh wieder nach kürzester Zeit zugeweht.

Schon die letzten Tage ist einiges an Schnee heruntergekommen. Waren es am Montag vielleicht 10 cm hier an der Küste, so haben wir jetzt gut 30 cm. Bei den Verwehungen lässt sich die Höhe aber nicht mehr bestimmen, denn an manchen offenen Stellen liegen der Schnee gerade knöcheltief, während man zwei Schritte weiter in einer hüfttiefen Schneewehe steckt.

Aber von mir aus soll noch ordentlich was herunterkommen, denn am Wochenende will ich hier Skilaufen!

Von der Autofahrt und den Tücken einer geschlossenen Schneedecke handelt dieses kleine LowFi-Video.

Ich wollte Winter und bekam ihn · Teil 1: Schnee

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Ich wollte Winter.

„Ich wollte Winter und bekam ihn“
1: Schnee
2: Der Morgen
3: Skitour
4: Trendsport

Noch am Montag dieser Woche legen vielleicht gerade zehn Zentimeter alter Schnee in Skelleftehamn. Nun, das hat sich geändert! Am Dienstag vor vier Tagen fing es an zu schneien und hat seitdem nicht mehr aufgehört. Ein recht frischer Wind hat zudem zu einigen Schneeverwehungen geführt, so dass sich gar nicht genau sagen lässt, wie viel Schnee jetzt eigentlich liegt, in meinem Garten sind es jetzt vielleicht durchschnittlich 65 cm; an manchen Stellen etwas weniger, an manchen über ein Meter.

Im Wald lagen heute 50 – 100 cm. Direkt an der Küste war durch den stürmischen Wind der Boden an der einen Stelle fast schneefrei und direkt daneben türmte sich eine über drei Meter hohe Schneewehe auf.

Interessant ist, dass der Schneefall so lokal ist. In Bureå (10 km südlich) wurden gestern 80 – 85 cm gemessen, in Skellefteå (18 km westlich) lag schon wesentlich weniger, und in Boliden (45 km im Inland) nur 10 cm! Ich vermute, dass dieses Phänomen eine Art Lake Effect ist, der an den großen Seen zwischen Kanada und den USA für große Schneemengen sorgen kann. Aber ich bin kein Meteorologe und weiß es nicht.

Spannend ist, wie lange dieses Wetter noch anhält, von den Wetterdiensten wurde es nämlich eher ignoriert und erst gestern hat der SMHI eine Warnung der Stufe 1 „Snöbyar som tidvis kan vara kraftiga, främst vid norra Västerbottenskusten.“ herausgebracht.

Bevor ich mich vielleicht an Teil 2 mache, muss ich erst mal Schnee schippen …

Für die Zahlenliebhaber:

Mittwoch morgen etwa 20 cm
Donnerstag morgen etwa 30 cm
Freitag morgen etwa 50 cm
heute früh etwa 60 cm
morgen früh vermutlich 70 cm

Ich wollte Winter und bekam ihn · Teil 2: Der Morgen

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Ich wollte Winter.

„Ich wollte Winter und bekam ihn“
1: Schnee
2: Der Morgen
3: Skitour
4: Trendsport

Nachdem ich die ganze Woche Skelleftehamn nur im Dunkeln gesehen habe, wollte ich heute endlich das Haus (links im Bild) im Hellen Fotografieren und dann eine schöne Skitour machen. Allerdings habe ich Intelligenzbolzen die Skier in der Garage (rechts im Bild). Und vor der Garagentür sind meterhohe Schneewehen, die ich gelassen habe, weil das auf Fotos so schön aussieht. Also war erst einmal Schneeschaufeln angesagt und das sah so aus:

Nachdem ich dann meine Skier endlich hatte, musste ich nur noch den fertig gepackten Rucksack und die Kamera aus dem Haus holen, die Skier im Garten unterschnallen und losfahren.

Ich wollte Winter und bekam ihn · Teil 4: Trendsport

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Ich wollte Winter.

„Ich wollte Winter und bekam ihn“
1: Schnee
2: Der Morgen
3: Skitour
4: Trendsport

Heute möchte ich über einige neue Trendsportarten berichten, für die ich in dieser Saison ein großes Potential sehe. Auf der einen Seite dienen sie der Verbesserung von Kondition, Kraft und Beweglichkeit, auf der anderen Seite bieten diese durch die attraktive Bewegung in der Natur einen starken „Fun-Faktor“. Daher können sie sowohl die Volksgesundheit verbessern, als auch die Tourismus- und Kleidungsbranche stärken.

I. Tiefsnow stapfing

Diese Sportart kann man alleine und in der Gruppe ausüben. Sie stärkt die Kondition sowie Kraft und Beweglichkeit in Hüfte und Beinen. Je nach dem Niveau des Sportlers braucht man Schnee. Viel Schnee.

II. Power snowangeling

Hier haben wir es mit einem Sport zu tun, der als typischer Funsport ausgeübt werden kann. Es wäre aber auch denkbar, die Athleten in der Disziplin des Kunst-Snowangeling von unabhängigen Richtern mit A- und B-Note bewerten zu lassen.

Nachtrag vom 13.12. für Nachahmer: Bitte testet vorher aus, was sich unter dem Schnee verbirgt, wenn Ihr Euren Rücken nicht auf einen Felsen rammen wollt. Ich habe vorher mit einem Trekkingstock ein bisschen sondiert und an einer Stelle auch einen hübschen Felsen gefunden.

Da die Bilder nur bedingt aussagekräftig sind, präsentiere ich beide Sportarten in einem kleinen Video, welches das letzte Wochenende hier in Skelleftehamn entstanden ist:

III. Schneeräuming

Die dritte neue Trendsportart, das Schneeräuming, findet eher im urbanen Umfeld statt. Ihr fehlt allerdings noch ein gewisses Marketingkonzept, um sie der breiten Bevölkerung schmackhaft zu machen. Dabei wäre sie eine ideale Ergänzung zum Tiefsnow stapfing, da sie eher die oberen Körperbereiche wie Arm und Schulter anspricht. Sportler, die das Schneeräuming einmal probieren möchten, dürfen sich gerne bei mir in Skelleftehamn einfinden.

Fensterbilder

Maximum tagsüber gestern -16.3 °C, Maximum seit einer Woche: -8.7 °C. Jetzt (11:00) -15.8 °C

Heute arbeite ich zu Hause und – ich sehe das schon – werde abends einiges nachholen müssen. Denn das warme Licht ist dermaßen schön, dass ich die ganze Zeit nur heraus schaue. Ich habe einfach in jede Richtung Knips gemacht und die Fotos ohne große Nachbearbeitung hier eingefügt:

Nachtrag:

Jetzt hat die Sonne eine orangefarbene Lichtsäule und Eisstaub in der Luft bricht das Licht in Regenbogenfarben auf. Ich verschiebe jetzt das Arbeiten komplett auf heute Nachmittag und Abend und gehe raus. Toll, wenn man so flexibel arbeiten kann.

Happy Holidays · The Lodge

Heute schreibe ich mal – entgegen meinen Gewohnheiten – ein bisschen was Berufliches.

Unsere „Hello Future“-Weihnachtskarte ist fertig. Wir haben diese Woche echte Postkarten (sowas gibt‘s noch!) an die Kunden geschickt und dazu ein Video produziert, in dem erklärt wird, wie man diese Weihnachtskarte bedient und was man damit alles machen kann. Da hatte ich einiges mit zu tun, denn erst wurde ich letzte Woche gefilmt, dann habe ich abends die Hinter­grunds­musik „Happy Holidays“ eingespielt und dann noch am Sonntag Abend den englischen Text aufgesprochen. Ich kann das Video zwar nicht mehr sehen und hören, aber es haben mich einige von The Lodge heute darauf angesprochen, denen es wohl sehr gut gefallen hat. Ihr könnt es Euch unter http://www.hellofuture.se/jul anschauen.

Und was ist The Lodge? The Lodge ist auf der einen Seite ein Produktionsnetzwerk aus Unternehmen verschiedener Fachrichtungen. Die Unternehmen sind hauptsächlich im Bereich Werbung, Internet, Fotografie oder Filmproduktion angesiedelt. Auf der anderen Seite ist es auch eine Art Branchenverband, der diese Bereiche verbindet. Und Hello Future ist natürlich auch mit dabei.

Ich komme gerade vom Weihnachtsfest von The Lodge bei North Kingdom, einer Werbeagentur, die in Skellefteå und Stockholm sitzt, wieder. Wir haben uns alle um sechs getroffen und erst Julskinka (Weihnachtsschinken) und Gröt (Haferbrei mit Zimt und Milch) gegessen und danach den offiziellen Teil eröffnet, in dem jedes Unternehmen sehr ehrlich dargestellt hat, wie das Jahr gelaufen ist. Dann wurden aber auch einige Sachen besprochen, die nächstes Jahr geplant sind und 2011 recht spannend aussehen lassen. Um acht begann der inoffizielle Teil, den ich allerdings eine gute Stunde später schon verlassen habe, weil ich so müde war.

Das hängt zum einen damit zusammen, dass ich heute wieder viel Schwedisch gehört und gesprochen habe – da ist nach spätestens fünf Stunden meine Konzentration im Eimer. Zum anderen habe ich aber auch leider noch keinen richtigen Winterschlafrhythmus gefunden. Ich bin sehr früh müde – oft schon um halb neun, komme dann über den toten Punkt und gehe um halb zwölf ins Bett. (Da war es dann schon neun Stunden lang dunkel). Gegen vier wache ich auf und bin wach. Das ist alles nicht so ideal und ich werde auch dieses Wochenende wieder Schlaf nachholen.

Es ist natürlich schade, dass ich früh gehe und damit vielleicht einige Kontakte verpasse, aber seien wir ehrlich, ab dreißig Leuten waren mir solche Treffen in Deutschland auch nicht so mein Ding.

Und sonst …

… habe ich jetzt auch wieder Licht im Bad. Jetzt muss nur Kleinkrams an die Wände und das kann ich selber machen. Endlich ist nun mein kleines Bad im Erdgeschoss nach vier Monaten wieder benutzbar. Toll!

Und das Wetter? Vorgestern tagsüber waren es noch -15 °C, am Abend nur noch -3 °C und Schnee sollte kommen. Kam aber nicht. Gestern lagen die Temperaturen bei minus ein, zwei Grad und am Nachmittag fing es an zu schneien. Der Schneefall nahm dann immer weiter zu, genau so wie der Wind, der die halbe Nacht im Schornstein geheult hat und Schnee an das Schlaf­zimmer­fenster geworfen hat. Heute morgen lagen dann 15 – 20 cm Neuschnee. Aber wie soll man feststellen, wie viel es wirklich war, wenn auf der in Windrichtung gelegenen Straße nur 10 cm liegen, aber an der Leeseite des Hauses der noch am Vorabend geräumte Weg halbmeterhoch mit Pulverschnee bedeckt ist und die meisten Zäune und Hecken wieder fast verschwunden sind. Heute ist tagsüber nicht mehr viel heruntergekommen, aber im Garten liegen jetzt wieder etwa 60 cm Schnee. Temperatur 22:50: -6.6 °C.

Schnee schieben

skotta snö – Schnee schaufeln oder Schnee schieben, das hört man hier sehr häufig. Und wenn sich, wie jetzt zum zweiten Mal in diesem Winter, ein kleines Schneefallgebiet just über Skelleftehamn vor Anker geht, so ist auch einiges zu tun.

Stufe 1: Die normale Schneeschaufel

Wie in Deutschland hat auch jeder in Schweden eine Schneeschaufel. Ich habe es allerdings noch nicht erlebt, dass die jemand benutzt. Die Eingangsstufe für att skotta snö ist hier:

Stufe 2: Die „Snösläde“

(zu deutsch in etwa Schneeschlitten). Dieses Ding ist schon eine Ecke breiter und auf die große Lade passt auch viel mehr Schnee. Ich durfte einen Nachbarn heute bei der Anwendung fotografieren.

Eine Snösläde benutze ich auch, aber da ich kein Auto habe, habe ich auf dem Grundstück auch nicht so viel zu tun. Viele, die mehr zu räumen haben, gehen deswegen über zu:

Stufe 3: Die Schneefräse

Wenn der Benzinmotor erst angeworfen ist, fräst sie sich buchstäblich durch den Neuschnee und wirft den Schnee im hohen Bogen auf das Grundstück. Der Nachbar war heute damit zu Gange und auch ihn durfte ich fotografieren. Tack!

Allerdings gibt es auch manche, die einfach mehr zu räumen haben oder vielleicht auch nur Spaß daran haben, Fahrzeuge zu besitzen und die gehen über zu:

Stufe 4: das eigene Räumfahrzeug

Das kaufe ich mir dann später …

Der letzte „Herbsttag“

Geht es nach den Astronomen, dann ist heute am 21. Dezember der letzte Herbsttag, denn in der kommenden Nacht um 0:58 ist Wintersonnenwende und damit morgen astronomischer Winteranfang. Ich finde das ein bisschen lustig, denn der erste Schnee ist hier vor knapp zehn Wochen gefallen und die letzten 40 Tage hatten wir pausenlos Dauerfrost und Temperaturen bis -20 °C.

Während in Südschweden über 150 Jahre alte Tiefsttemperaturrekorde gebrochen wurden, ist es hier eher der Schnee, der dieses Jahr früh und viel kam.

Wir haben jetzt wieder eine ähnliche Situation wie vor vier Wochen. Vor fünf Tagen hat es angefangen zu schneien und seitdem sind fast pausenlos Flocken vom Himmel gefallen. Mal mehr, mal weniger; mal mit viel Wind, mal mit weniger. Ich habe ein hochwissenschaftliches Schneehöhenmessystem auf dem Grundstück installiert (Drei Zollstöcke stecken an unterschiedlichen Stellen im Schnee) und heute Abend lag die gemittelte Schneehöhe bei 107 cm (97 cm, 108cm, 116cm). Die 90 cm lange Metallstange, die ich vor dem Zollstockkauf zum Messen benutzt habe, habe ich heute morgen nicht mehr gefunden. Sie steckt noch irgendwo im Vorgarten.

Der Nachbar, der vorhin vorbei kam, kann sich nicht entsinnen, hier jemals soviel Schnee gesehen zu haben. Jetzt schneit es zwar mit mehr Pausen noch weiter, aber heute Abend hat der schwedische Wetterdienst zum ersten Mal seit sechs Tagen keine Wetterwarnung mehr für die Region herausgegeben. Aber wer weiß, was diesen Winter noch alles herunterkommt. Und ich frage mich langsam, wo der ganze Schnee bleiben soll.

Ich als extremer Schneefan versuche aber, meine Begeisterung nicht allzu offensichtlich zur Schau zu stellen¹, denn die meisten Schweden denken bei Schnee hauptsächlich an die zusätzliche Arbeit wie Schneeräumen oder die Probleme im Zug- und Flugverkehr. Ich hingegen sehe hauptsächlich tolle Motive (leider meist im Dunkeln) und viel Schnee für die nächste Ski- oder Schneeschuhtour. Und weiteren Schnee für Tiefsnow stapfing und Power snowangeling.

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¹ Danke an Sonya für die schöne Formulierung.

Acht Freunde

Und plötzlich ist es wieder ruhig im Haus. Ich hatte am 30. Juni letzten Jahres unter dem Motto „6 Monate noch …“ neun Freunde aus Deutschland eingeladen und sieben waren tatsächlich über den Jahreswechsel bei mir zu Besuch. Zwei sind gestern schon abgereist, vier sitzen jetzt im Nachtzug nach Stockholm, Sonya ist noch für ein paar Tage da.

Für mich ist es Reichtum, ein Haus zu besitzen, in dem man ohne Probleme sieben Menschen unterbringen kann. Und es ist ein großes Glücksgefühl, wenn das Haus dann wirklich voller Freunde ist. Tatsächlich ist mein Haus so groß, dass keiner im Wohnzimmer schlafen musste und jeder sich mal zum Lesen, Schlafen oder Computern zurückziehen konnte.

Ich könnte vermutlich drei Blogartikel alleine über die kulinarischen Höhepunkte der letzten Tage schreiben. Eine große Küche, Freunde die gerne – und hervorragend – kochen und mein Appetit passen einfach toll zusammen! Es gab Lussekatter, Pilzrisotto, Eis mit warmen Moltebeeren, Elchbraten zu Silvester, Couscous mit Huhn und Tahina, Blaubeerpie und Kanelbullar, um hier nur eine Auswahl der letzten Tage zu nennen. Ich werde mich die nächsten Wochen definitiv nicht auf die Waage stellen.

In der Neujahrsnacht haben wir zu acht in meinen Outdoorpool, den ich alleine eigentlich nie benutze, gesessen, uns über die wechselnden Farben amüsiert und über den Whirlpool gefreut. Acht Deutsche mit Mütze im Pool bei Schneefall gaben bestimmt ein lustiges Bild ab und vermutlich weiß halb Skelleftehamn davon. Eine Freundin hat beim im Schnee rollen einen weißen Badelatschen verloren, den ich vor April nicht suchen muss, denn hier liegen immer noch gut 70 Zentimeter Schnee und ein wenig Neuschnee kommt auch gerade dazu.

Das könnte jetzt so klingen, als seien wir nur zu Hause gewesen. Aber natürlich haben wir auch schöne Touren hier in der Umgebung gedreht, sind gemeinsam zu Fuß zur Insel Storgrundet gelaufen, mit Schneeschuhen durch den Wald gestapft oder haben einen Spaziergang durch Skelleftehamn gemacht. Bei fünf Spiegelreflexkameras auf acht Personen gab es so manche Fotopause mit lustigen fotografischen Verrenkungen. (Das kann ich aber auch ganz gut …)

Am letzten gemeinsamen Tag sind wir zum Snesviken, dem nah gelegenen See gelaufen und haben auf der Eisfläche Kubb gespielt. Erst haben wir mit den mitgebrachten Schneeschiebern den Schnee geräumt und dann vier lange Runden gespielt, ehe einige kalte Zehen bekommen haben und wir wieder nach Hause gelaufen sind.

Leer wird das Haus sein, wenn am Freitag auch Sonya wieder nach München zurückkehrt und meine Freunde wieder zwei-, zweiein­halb­tausend Kilometer entfernt sind. Ich bin ein bisschen traurig darüber, freue mich aber auch über die gemeinsame Zeit und die schönen Erlebnisse, die wir hier miteinander teilen konnten.

Liebe Freunde: Vielen Dank für die schöne Zeit, die wir hier hatten. Liebe Freunde, die ihr nicht kommen konntet: Ja, Ihr habt gefehlt.