Es schneit, und das seit Tagen. Jetzt kommen zwar keine Massen mehr herunter, aber ein guter halber Meter Schnee liegt jetzt im Garten. Die Schneewehen nicht mit gerechnet. Die Temperatur lag tagsüber bei -8 °C und jetzt bei -5 °C, da brauche ich keine Angst mehr zu haben, dass der Schnee in Sprühregen übergeht. Wie schön!
Heute Nacht um halb eins: Minus sieben Grad, sternklarer Himmel und die Nordhälfte ist mit blassem Polarlicht bedeckt. Der Schnee knirscht unter den Stiefeln, als ich im Garten stehe. Meine erste richtige Winternacht in dieser Saison.
Noch mal kurz schauen, ob das Polarlicht stärker wird, sonst geht’s ins Bett. Moment …
… wird nicht, also Bett. Gute Nacht.
Ich finde, das ist ein guter Anfang. Heute vor einem Jahr lag hier schon extrem viel Schnee und ich finde, da kann ruhig ordentlich was an Schnee runter kommen die nächsten Wochen.
Schweden ist toll. Aber es kann einem – wie alle anderen Länder der Erde auch – nicht alles bieten. Und so importiere ich gerne das eine oder andere „aus deutschen Landen“.
So zum Beispiel handwerkliche Hilfe. Hier im Norden dauert es etwa dreihundertundsieben Jahre, bis man einen kundigen Elektriker ins Haus kommt. Und ich bin riesig froh, dass mir Delle, der mich hier im September besucht hat, geholfen hat und einen Großteil der alten Elektrik aus den vierziger Jahren fachgerecht gegen moderne Kabel und Bauteile ausgetauscht hat. Seitdem schlafe ich wieder ein bisschen beruhigter, vor allem wenn man sich anschaut, welche prähistorischen Bauteile sich hier vorher in den Wänden versteckt haben.


Bei Delle möchte ich mich ebenfalls für das Brot bedanken, welches er mir letzte Woche geschickt hat. Da das Motto der schwedischen Brotkultur eher „weiß und weich“ ist, war es ein großes Vergnügen, mal wieder in ein herzhaftes Brot hineinzubeißen. Und nein – ich war bis jetzt noch zu faul zum Brot selber backen. Kein Foto hingegen gibt es von den beiden kleinen Nusskuchen, die meine Mutter gebacken und mir geschickt hat. Denn beide Male, als ich einen Kuchen gerade ausgewickelt hatte, war mein erster Gedanke „Essen!“ und nicht „Äh, da könnte ich jetzt eigentlich mal’n Foto für das Blog von machen.“ Aber Ihr wisst bestimmt, wie Nusskuchen aussieht, stellt ihn Euch einfach vor, ja?
Von meiner Mutter kam vor Wochen auch ein anderes Paket; ein großes flaches. Und ihn dem waren zwei Ihrer wunderbaren abstrakten Bilder, die, nachdem sie einige Monate in einer Ausstellung hingen, nun frei waren, mein Wohnzimmer zu schmücken. Und das tun sie! Vielen Lieben Dank noch einmal für dieses tolle Geschenk!

Und sonst? Schöner Job mit Klavier (ich) und Gesang (Martin) am letzten Freitag +++ Dort viele Bekannte getroffen +++ Auf meinem Auto sind wieder Winterreifen +++ Morgens ist es meist glatt und unter null, aber Schnee ist nicht in Sicht +++ Am Freitag geht’s nach Deutschland, Familie und Freunde besuchen +++ Die Tage sind schon recht kurz
„Matfesten“ heißt das viertägige Fest, welches gerade in Skellefteå stattfindet. Ich mag den herrlich nüchternen Namen der Veranstaltung, die übersetzt einfach „Das Essensfest“ heißt.
Um ein großes Zelt sind lauter Stände mit kleinen Küchen aufgebaut, wo man ganz unterschiedliches Essen bekommen kann. Da die Restaurants in Skellefteå nicht gerade – nun ja – besonders vielfältige Küche bieten, habe ich mich in unseren Mittagspausen am Donnerstag und Freitag begeistert auf die Stände mit äthiopischer und libanesischer Küche gestürzt. Und dabei ein bisschen wehmütig an die vielen, tollen Restaurants in München gedacht. (Und die vielen netten Freunde, mit denen man sich dort treffen könnte, aber das ist ein anderes Thema.)
Man konnte auch Lebensmittel kaufen, vor allem Beeren und Pilze. Ich empfinde das aber immer ein bisschen als Schummeln, wenn man Pfifferlinge oder Heidelbeeren kauft, wenn die Dinger im Wald auf einen warten, selbst, wenn ich hier noch keine Pfifferlingstellen kenne.
Heute hatte ich aber mein kleines eigenes Matfest, denn ich habe angefangen, in meinem Garten zu ernten. Ich weiß noch nicht, was ich mit den Unmengen an Äpfeln mache, unter deren Last sich die Zweige des kleinen Apfelbäumchens biegen, denn roh bekommen mir die nicht, aber über die süßen Pflaumen, die langsam reif werden, habe ich mich riesig gefreut. Die kann man auch direkt vom Baum essen.
blühen jetzt überall. Auch auf meinem Grundstück. Allerdings nicht nur die vom Vorbesitzer gepflanzten, sondern hauptsächlich Wildblumen – an der Hecke, auf dem Kiesweg oder mitten auf dem Rasen.
Ich habe mal alle Blüten, die ich heute gefunden habe fotografiert und festgestellt, dass ich gerade bei der Hälfte weiß, um was es sich handelt oder zumindest nachschauen konnte. Die Hälfte der Blütenpflanzen heißt deswegen ??? – und ich bin für jeden Tipp dankbar. Botaniker vor!
Nein, viel blüht nicht in meinem Garten, um den ich mich auch noch nicht groß gekümmert habe. Aber wenn man ein bisschen schaut, dann findet man doch ein paar Blümchen, die sich unter einem Busch, im Gras des Vorgartens oder auch vor der dornigen Hecke verstecken.
Heute lag die Höchsttemperatur bei 7.7 °C! Das heißt, keine Mütze mehr, keinen Schal mehr, keine Handschuhe mehr. Und die dicke Jacke und Skihose hängen ohnehin schon die ganze Woche ungenutzt in der Garderobe.
Eigentlich wollte ich schon seit zwei Wochen das Garagendach vom Schnee befreien, bin aber nie dazu gekommen. Heute haben Wind und Sonne das für mich übernommen. Nur die Tür zur Garage und einen kleinen Teil des Outdoorpools musste ich freigraben. Manches erledigt sich eben auch von selbst.
Heute morgen -9.3 °C, jetzt -21.3 °C und weiterhin abnehmend.
Eigentlich wollte ich meinen Outdoorpool ja verkaufen, denn was der an Energie frisst, um das Wasser auch im Winter konstant auf 39 Grad zu heizen, da reden wir lieber nicht drüber.
Aber so lange ich ihn noch nicht verkauft habe, kann ich ihn ja auch nutzen, denn das macht doch mehr Spaß, als ich ursprünglich gedacht habe.
Auch heute habe ich den Pool aufgeklappt, mich drinnen von Wohnungskleidung auf Badehose umgezogen und bin barfuß durch den kalten Schnee zum Pool gelaufen. Dann schnell rein, ehe die Füße abfrieren. Herrlich! Entgegen der Wettervorhersage war der Himmel klar und ich konnte vom Pool aus die Wintersternbilder betrachten. Orion stand im Süden und der Löwe war auch schon aufgegangen. Allerdings dampfte der Pool ganz schön, denn heute war erstmalig die Temperaturdifferenz 60 Grad: -21 °C Luft, +39 °C Wasser.
Das Licht benutze ich nicht, das ist mir alleine zu dämlich, aber die Massagedüsen sind toll. Und wenn einem zu warm ist, dann liegt ja massig Schnee in Reichweite. Der Kopf bleibt dank meiner 99-Kronen-Polyesterfellmütze mit Ohrenklappen schön warm und sowohl das Gefühl im Pool als auch das danach ist immer herrlich.
Vor dem Gefühl danach kommt aber noch meine kleine Übung: Nass und barfuß den Pool wieder abdecken. Heute wollte die Abdeckung nicht richtig und meine Füße waren dann so kalt, als ich wieder im Haus war, dass ich sie erst einmal wieder unter heißes Wasser halten musste.
Vårvinter heißt auf deutsch Frühlingswinter. Und obwohl der Frühling noch weit weg ist, hatte der heutige Sonntag schon einen „frühlingswintrigen“ Charakter.
Die Wärme der letzten beiden Tage und der lebhafte Wind, der die letzte Nacht im Schornstein heulte, haben alle Bäume vom Schnee befreit. Da neben einigen kahlen Birken hier hauptsächlich Nadelbäume wachsen, wirkte der Wald lichter und grüner als sonst. Dort konnte ich bei Temperaturen um -5 °C auch ohne Mütze und Handschuhe laufen, bloß auf der Ostsee waren die Sachen doch sehr angenehm, da es doch immer ein bisschen windig ist.
Eigentlich wollte ich heute hinter den Inseln weiter auf das Meer hinauslaufen, aber zum einen war am Horizont ein breiter dunkelblauer Streifen zu sehen – offenes Wasser?, zum anderen war meine linke Wade vom Badmintonspiel am Mittwoch immer noch leicht beleidigt und wollte an einer längeren Tour nicht teilhaben. So bin ich nur ein bisschen um ein paar Inseln gelaufen und habe mich über das Licht und über hohen Eiswände vor den Inseln gefreut. Aber erst zu Hause ist mir beim Betrachten der Fotos bewusst geworden, wie hoch sich das Eis an manchen Stellen so aufgetürmt hat.
Einige Stunden später zu Hause: Was ist das? Ist da jemand im Schnee verschüttet? Muss jemand ausgebuddelt werden? Habe ich es beim Tiefsnow stapfing übertrieben?
Nein, ich kann beruhigen: Ich habe heute das Dach vom Wintergarten so weit es ging vom Schnee befreit. Ich habe mir vom Nachbarn eine Leiter geborgt und sie ringsherum angelehnt. Die ersten beiden Schritte haben nicht mich hoch befördert, sondern die Leiter in den tiefen Schnee gedrückt. Dann konnte ich hochklettern und mit dem Schneeschieber von der Leiter aus den meisten Schnee vom Dach wegräumen. Und das war doch eine Menge. Hm, mal ausrechnen: ca. 3 Meter × ca. 6 Meter × ca. 40 Zentimeter sind ca. 7 Kubikmeter. Bei einer angenommenen Dichte von 200 Kilo pro Kubikmeter sind das also knapp anderthalb Tonnen, von denen jetzt bestimmt eine Tonne um den Wintergarten herum liegt. Kein Wunder, dass ich ins Schwitzen geraten bin und die Jacke irgendwann in den Schnee geworfen habe. Ja, und da hat sie dann doch noch einigen Schnee vom Dach abbekommen. Also: Keiner verschüttet, alles ist gut! Und auch dem Kunststoffdach des Wintergartens tut es bestimmt gut, einen Großteil seiner Last losgeworden zu sein.
Immer wärmer, Maximum heute bei -3.5 °C, jetzt -4 °C. Seit gestern starke Schneeschauer und etwa 10 cm Neuschnee.
Heute ist mit Sonya der letzte Besuch aus Deutschland abgereist und ich muss mich erst einmal wieder daran gewöhnen, alleine zu sein. Das Haus kommt mir plötzlich so riesig vor. Vor ein paar Tagen waren wir noch zu acht und jetzt gehört der ganze Platz wieder mir alleine und ich frage mich, wie ich ihn nutzen soll.
Aber die Antwort ist ja ganz einfach: Um jederzeit wieder Gäste beherbergen zu können!
Das Bild zeigt nicht mein leeres Haus, sondern die Ostsee, wie sie heute bei starkem Schneefall aussah. Sonya und ich haben eine letzte gemeinsame Schneeschuhtour zu Björkskär, einer ufernahen Insel gemacht. Da wir immer in Ufernähe waren, habe ich den Kompass nicht gebraucht. Aber war ich bei diesem Wetter froh, ihn dabei zu haben.
Schon schade, dass der Himmel die letzten Wochen oft eher trübe war. Die Landschaft sieht bei Sonne einfach schöner aus und man hätte auch vermutlich einige Male Polarlicht sehen können. Hoffentlich klappt‘s nächstes Mal …