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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Skitour auf den Dundret

Da auch heute alle Ballonplätze ausgebucht waren und es auch etwas bewölkt war, bin ich direkt nach dem Pilotenbriefing zu einem Parkplatz gefahren, habe meinen Rucksack gepackt, meine Skier untergeschnallt und bin auf den Dundret gelaufen.

von außen

Anfangs lief ich auf einem perfekt präparierten, sechs Meter breiten Weg. Das war fast ein bisschen langweilig. Doch nach einiger Zeit kam ein Abzweig zu einem kleineren Weg, der zu einer Hütte führte. Oberhalb der Hütte führte der Weg weiter und schon bald war ich über der Baumgrenze.

Wenig höher war ich auf der Hochebene des Dundret angelangt. Hier wachsen nur noch wenige kleine Bäumchen, die jetzt im Winter dick mit Schnee und Reif eingepackt sind.

Bis auf die kleinen aber auffälligen Bäume prägen Holzkreuze, die als Wegmarkierungen dienen, das Gelände. Der Rest ist Schnee.

Schnee, der vom Wind in Strukturen gepresst wurde und lockerer Schnee, der im Wind über die Ebene geblasen wird.

Ich laufe geradeaus, bis ich am Südende der Ebene ankomme. Es bewölkt sich und um die Sonne scheint ein Halo. Links in der Ferne sieht man einige weiße Gebäude.

Ich schwenke neugierig nach links und nähere mich den Hütten. Jedes Gebäude ist dick mit Eis und Schnee bepackt.

Inzwischen waren auch südlich des Dundret einige Ballone gestartet. Doch kaum waren sie in der Luft wurde das Wetter schlagartig schlechter, denn Wolken trieben über die Hochebene. Wenn es neblig wird, weiß man die Wegmarkierungen zu schätzen.

Doch in den Wolkenlücken konnte ich ab und zu ein paar der Heißlüfter erblicken

Ich hatte leider keine Karte dabei, aber mit den Wegmarkierungen, GPS mit Ersatzbatterien, Kompaß und Handy, ebenfalls mit Karte und GPS fühlte ich mich sicher genug, noch ein bisschen oben zu bleiben. Zwei dicke Paar Wollhandschuhe hielten meine Finger warm, in den Pausen auch die Daunenjacke, Studentenfutter hatte ich auch, nur Tee hatte ich leider nicht dabei und das Wasser, was ich dabei hatte, war zum Schluss mit Eiskristallen durchmischt.

Da man von den Ballonen nicht wirklich viel gesehen hat, habe ich mich dann aber bald auf den Rückweg gemacht (Zur Orientierung reichte die Sonne völlig aus, sie war noch nicht ganz in den Wolken verschwunden).

Auf dem Rückweg musste ich dann sehen, wie ich den Berg wieder herunterkomme. Ich bin kein toller Skiläufer und der Schnee war hart und damit schnell. Aber mit ein bisschen hin- und her fahren und einigen Bremsmanövern war ich bald wieder auf der breiten, schneebedeckten Straße angelangt. Die war zum Anfang noch recht steil und ich habe größere Teile der Strecke gebremst. Zum Schluss wurde es aber flacher und dann konnte ich die Ski einfach laufen lassen, mich ab und zu mit den Stöcken abstoßen, bis ich mit dem letzten Schwung am Kofferraum meines Autos zum Stehen kam.

von innen

Alles ist Reduktion: Man sieht Himmel, Schnee, Eis, weite Flächen und vom Wind geschaffene Strukturen und Texturen. Ohne die Landmarken, wie beispielsweise die typischen Holzkreuze, hätte man kein Gespür mehr für Entfernungen. Überall liegt Schnee, das Auge kommt zur Ruhe.

Dann der Klang. Auch hier: Reduktion. Man hört deutlich den Wind, der ab und zu an der Kapuze pfeift. Setzt man die Kapuze ab, so kann man das leise, kristallklare Rascheln des Schnees, der über die Ebene getrieben wird, hören. Aber wer setzt bei dem Wind schon die Kapuze ab. Der Wind bläst, das Ohr kommt zur Ruhe.

Dann die Bewegung. Man macht einen Schritt, noch einen, noch einen. Entweder von Holzkreuz zu Holzkreuz oder einfach quer über die weiten Schneeflächen. Schritt für Schritt. Die Bewegung hat etwas Ruhiges und Meditatives. Schritt für Schritt, der Körper kommt zur Ruhe.

Man ist eins mit der Winterlandschaft, eins mit sich selbst. Man kümmert sich nur um das, was hier und jetzt wichtig ist. Orientierung. Essen. Warm bleiben. Alles andere existiert nicht mehr. Die Gedanken kommen zur Ruhe.

Die Seele jubelt, sie möchte schreien vor Glück. Doch auch sie – überall Schnee, der Wind bläst, Schritt für Schritt, Einssein – reduziert sich und kommt schließlich zur Ruhe.


Ich bin kein Eremit, der zwanzig Jahre in den Bergen meditiert. Und ich bin auch gerne wieder mit dem Auto zur momentanen Wohnung gefahren, habe gegessen und einen kleinen Mittagsschlaf gehalten. Doch wenn ich leise horche, so bin ich wieder oben auf dem Fjäll. Und komme zur Ruhe.

Storgrundet

Erst war ich zu faul, aber dann habe ich doch meine Skier genommen und eine kleine Tour gemacht. Der Himmel ist seit Tagen bewölkt und es schneit ein wenig.

Im Wald ist das Skilaufen eher ein Stapfen, da die Fjällski immer wieder 20, 30 cm in den lockeren Schnee einsinken. Ein kleiner Wink der Natur, dass ich mir doch einmal die praktischen und schönen Holzski von Tegsnäs kaufen sollte.

In kleinen Bächen und in Zu- und Abflüssen von Seen kann das Wasser noch offen sein, denn fließendes Wasser braucht wesentlich länger, bis es fest zufriert. So sprudelte auch dieser Bach noch munter vor sich hin und ignorierte den Dauerfrost. Gemein sind die Stellen, wo das Wasser unter der Schneedecke fließt und man sollte genau hinschauen, wo die Schneedecke abgesenkt ist, wenn man keine nassen Füße bekommen möchte.

Bald stand ich am Ufer der Ostsee und hatte Blick auf die langgezogene Insel Storgrundet. Im Sommer und Herbst habe ich hier gebadet, doch jetzt ist das geschützte Ostseewasser zwischen Festland und Insel dick zugefroren. Und es gab mehrere Anzeichen, dass ich das Eis betreten und hinüber zur Insel laufen kann:

  • An mehreren Stellen waren Wege zur Insel mit Zweigen markiert
  • Eisfischer waren auf dem Eis
  • Skooter und Skispuren waren auch zu sehen

Das reicht mir als Sicherheit. Doch auch wenn das Eis dick ist, hänge ich mir immer die Isdbubbar um, sozusagen ein Springseil mit dicken Nägeln am Ende, mit deren Hilfe man sich, falls man eingebrochen ist, wieder aus dem Eis herausziehen kann. Einige Minuten später stand ich auf dem Ostseeeis und bald war ich auf der schmalen Insel Storgrundet angelangt. Die Insel ist nur zwei- bis dreihundert Meter breit und bietet dennoch drei völlig verschiedene Eindrücke:

  • Sommerhäuser Das dem Festland zugewandte Ufer ist teilweise mit Sommerhäusern bebaut. Sommerhaus heißt mindestens ein größeres Haupthaus, Nebengebäude, Sauna und Bootshaus. Es ist windgeschützt und ich fühle mich der Zivilisation nahe, selbst, wenn die Häuser gerade nicht bewohnt sind.
  • Wald Hundert Meter stehe ich mitten im Wald. Ich sehe die Häuser nicht mehr und das andere Ufer noch nicht. Ich habe kaum den Eindruck, dass ich auf einer Insel bin. Nur einige parallele Schneeverwehungen zeigen, dass es hier recht windig sein kann.
  • Offenes Meer Noch einmal hundertfünfzig Meter weiter stehe ich am Meer. Es gibt noch ein paar unbewohnte Inselchen, ansonsten ist fast alles mit Eis bedeckt. Etwas weiter weg ist offenes Wasser und auch das Eis am Ufer trägt noch nicht. Es ist sehr windig und der Schnee weht waagerecht vorbei. Ich bin über die zwei Kapuzen von Funktionshemd und Norrøna-Jacke genau so froh wie über die dicken Fäustlinge, die ich über die dünnen Handschuhe ziehe und die meine Hände wieder aufwärmen, nachdem ich ein Minivideo mit dem iPhone gedreht habe. Hier bin ich alleine in der rauh wirkenden Winterlandschaft und kann mir kaum vorstellen, dass ich kaum mehr als zwei Kilometer von meinem Haus entfernt bin.

Die gute Seite: Entsprechend schnell bin ich auch wieder zu Hause. Die ganze Tour hat vielleicht zwei Stunden gedauert und das auch nur, weil ich es ruhig angegangen bin. Ich hoffe darauf, dass irgendwann diesen Winter auch mal wieder die Sonne heraus schaut und freue mich auf die erste längere Tour bei blauem Himmel und glitzerndem Schnee.


Hier noch ein kleines Video, welches ich mit dem iPhone gemacht habe. Danach musste ich erst einmal meine Finger wieder auftauen.


Heute ist trotz des bewölkten Himmels die Temperatur, von keinem Wetterdienst vorausgesehen, von -3 auf -8 Grad gesunken. Hinten im Garten liegen jetzt 60 cm Schnee und man hat den Eindruck, der Winter ist jetzt wirklich angekommen. Letzten Winter war ich allerdings am 5. Dezember das erste Mal mit Skiern auf der Insel, also sieben Wochen früher und wir hatten schon im Dezember mehr als einen Meter Schnee. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Das verratet aber nicht meinen Nachbarn; es sind nicht alle solche Schneefans wie ich

Räuber, Tiefschnee und Birkhühner

Heute war ich mit Elisabet am Finnforsberget, der auch Räuberberg heißt, weil hier im 16. Jahrhundert Räuber ihr Unwesen getrieben haben. Während der Fall selbst in den Kirchenbüchern gut dokumentiert ist, gehört die Geschichte, die Räuber haben drei Jahre lang eine junge Frau gefangen gehalten, die auf einem Platz vor der Räubergrotte für sie tanzen musste, wohl eher dem Reich der Legenden an.

Entweder war die Grotte früher wesentlich größer, oder die Räuber gingen mir nur bis zum Knie. Ich musste für das zweite Foto in die Grotte hinein kriechen.

Danach sind wir weiter durch den Tiefschnee bergauf gestapft. Zum Anfang standen wir bis zum Knie im Schnee, weiter oben oft bis zur Hüfte. Es gibt vielleicht wenige, denen das Spaß macht. Elisabet und ich gehören dazu. Weit kommt man allerdings nicht.

Vor allem dann nicht, wenn plötzlich aus dem Schnee ein Schwarm Birkhühner auffliegt und im nahen Wald verschwindet. Als wir langsam weiter stapfen, bricht immer wieder ein einzelnes Huhn aus dem Schnee; manchmal nur wenige Meter von einem entfernt. Ich versuche, die Vögel zu fotografieren, aber sie sind zu schnell und meistens habe ich nur verschwommene Landschaftsstücke auf den Bildern.

Auf dem zweiten Foto sieht man gut das Loch, in dem es so ein Birkhuhn auch bei -40, -50 Grad noch recht gemütlich warm hat und daneben den streifenförmigen Abdruck der Federn, der beim Auffliegen entsteht.

Wir haben dann am Hang eine Brot-, Tee-, Keks- und Kakaopause im Schneefall gemacht, ehe wir wieder talwärts zum Auto zurückgelaufen sind. Eine schöne, kleine Zweistundentour.

Elisabet: Tack för idag.

Schwedischübersetzung des Tages:Tack för idag – Danke für heute. Das sagt man, um sich für eine Einladung, eine gemeinsame Tour oder was auch immer zu bedanken. Gibt es auch als Tack för igår (… gestern) oder Tack för senast (… letztens/neulich).

Winter

Macht die Musik aus und dimmt das Licht. Atmet langsam ein. Und wieder aus. Stellt Euch Stille vor. Einatmen. Ausatmen. Ihr seid allein. Draußen in der Natur.

Öffnet Eure Ohren. Lauscht. Ihr hört den Wind in den Bäumen rauschen und den Schnee, der auf die Kapuze prasselt. Ab und zu kommt eine Böe und schüttelt den Schnee vom Pelzrand. Ihr lauft. Die Skistöcke stechen in den Schnee, die Lederstiefel knarzen in der Riemenbindung. Die Skier gleiten mäßig, denn der warme Schnee klebt unter der Gleitfläche. Aber Ihr kommt vorwärts. Ihr verlasst den Fahrweg und folgt einer Skooterspur, die mitten durch den Wald führt. Die Stirnlampe ist aus, denn die tiefhängenden Schneewolken reflektieren genug Licht des nahen Skelleftehamn. Der verschneite Wald ist in dunkeloranges Licht getaucht. Ihr folgt der Skooterspur weiter und der Wald öffnet sich. Links liegt ein zugefrorener See. Die Bäume am anderen Ufer sind im Schneefall nur schemenhaft zu erkennen. Das Gelände ist offen, der Wind ist stärker. Die Spur ist verweht und irgendwann nicht mehr zu sehen. Ihr lauft einfach weiter. Mitten durch den Wald. Pock, der Skistock stößt auf einen Stein. Krzz, der Ski auf einen anderen. Der Wald wird dunkler. Ihr seid allein in der Natur. Ihr hört den Wind, den Schnee, Eure Bewegungen und Euren Atem. Bald stoßt Ihr wieder auf eine Skooterspur. Ihr folgt ihr und spürt, dass Ihr Euch wieder der Zivilisation nähert. Ihr stoßt auf einen geräumten Weg. Hier gleiten die Skier besser und mit Doppelstock-Zwischenschritt könnt Ihr schneller durch den Wald gleiten. Der Wald öffnet sich und gibt den Blick auf die Straße frei. Es duftet nach Holzofen. Die Straßenlaternen blenden Euch. Ihr gleitet die leicht abschüssige Straße herunter, biegt rechts in den Tallvägen ein und stoppt am drittletzten Haus. Es ist hellgrün. Ihr habt den Schlüssel. Drinnen ist es warm.

Davor: Ich schaufele 15-20 Neuschnee weg. Es schneit bei knapp unter Null Grad.

Davor: Ich sitze im Bus und fahre von der Arbeit nach Hause. Es schneit.

Davor: Mein erster Arbeitstag im neuen Jahr, es schneit den ganzen Tag. Mal mehr, mal weniger.

Davor: Ich wache auf und es sind gut fünf Zentimeter Neuschnee gefallen. Es schneit und es ist windig. Ein Streifen Schnee ist durch den Türspalt in den Wintergarten geweht. Das Auto ist weiß eingehüllt.

Davor: Neujahrsnacht. Wolken sind aufgezogen und es hat angefangen zu schneien. Laut smhi können bis zu 20 cm Neuschnee bis zum Montag Abend herunterkommen. Ich bin gespannt, wie viel wir in Skelleftehamn bekommen. Vielleicht kann ich ja bald meine Skier auspacken und durch den Wald gleiten. Dem Wind lauschen und dem Schnee, der auf meine Kapuze prasselt.


Nachtrag: Zwei Stunden später. Ich sitze gemütlich im Haus und arbeiten tun nur die Wasch- und die Spülmaschine. Der Wind und der Schneefall draußen haben noch zugenommen und es soll die ganze Nacht weiterschneien. Das Schneeräumen hätte ich mir sparen können und selbst auf der geschützten Treppe liegen einige Zentimeter Neuschnee. Es ist aber nur knapp unter Null und es steht auf des Messers Schneide, ob der Niederschlag morgen Vormittag als Schnee oder doch als Regen herunterkommt. Aber ich freue mich schon auf eine schöne Skitour im Inland am Wochenende. Da liegt bestimmt jetzt richtig viel!

Baden

Viele Eltern haben in jahrelanger Arbeit versucht, ihren Sprösslingen den Unterschied zwischen „mutig“ und „ziemlich bescheuert“ beizubringen. Vermutlich waren die Bemühungen meiner Eltern bei mir nur von mäßigem Erfolg gekrönt. Dies ging mir durch den Kopf, als ich heute in der Ostsee baden war. Meine Güte, war das frisch! Aber nun stehe ich schon halb drinnen im kalten Meerwasser, also kann ich auch untertauchen und ein paar Meter hin und her schwimmen. Gedacht, getan.

Als ich dann – abfrottiert und angezogen – auf das Badethermometer geschaut habe, welches ich vorher ins Wasser geworfen habe, wusste ich auch, warum ich das Wasser so kalt fand. Denn auf dem Display wurden schlappe 5.8 Grad angezeigt.

Mein erster Gedanke war: OK, Das war’s wohl mit dem Baden in diesem Jahr. Mein zweiter: Na, dann ist der Schritt zum Eisbaden ja gar nicht mehr so groß. Vi får se.

Schwedischübersetzung des Tages:vi får se – Wir werden sehen. Oder auch „Schaun wa ma“.

Oh, was für ein schönes rot*

Ist er nicht kleidsam, der Trockenanzug oder Überlebensanzug, den ich hier zum ersten Mal ausprobiere? So ein fesches rot, ein Anzug für alle Lebenslagen! Außer vielleicht für die Stadt, die Arbeit, zum Fahrrad fahren, am Computer sitzen, Klavier spielen, wandern, auf den Bus warten, Katzen streicheln, essen, DVD schauen, surfen (im Internet), schlafen, mit Freunden treffen, … aber ich schweife ab.

Ich war schon länger auf der Suche nach einem Trockenanzug zum Paddeln. Denn wenn das Wasser irgendwann nur noch 0 °C hat, möchte ich da nicht mehr mit normaler Kleidung hineinfallen. Leider kosten die richtigen, atmungsaktiven Trockenanzüge 600 Euro und mehr. Zu teuer für mich. Diesen Überlebensanzug habe ich für einiges weniger bei Ebay ersteigert. Er ist bestimmt nicht für lange Touren geeignet, dazu ist er zu klobig, aber um mal zur Insel Storgrundet herüberzupaddeln ist er allemal gut genug.

Heute habe ich in der Ostsee getestet:

1. Der Anzug alleine: Er ist wirklich perfekt wasserdicht, hält warm und gibt genug Auftrieb, dass man mühelos im Wasser treiben kann. Und mit den angesetzten Handschuhen lässt sich sogar die Kamera bedienen.

2. Mit Schwimmweste: Noch bunter, noch mehr Auftrieb. Sehr entspannend. Da muss man aufpassen, dass man nicht einschläft und sich am nächsten Morgen in Finnland wiederfindet …

3. Ohne alles, nur Badehose: Brrr ist das Wasser kalt jetzt. So um +10.5 °C. Also, im Anzug war’s wärmer! Noch schwimme ich meine zwanzig Meter oder so, aber wenn das Wasser noch weiter abkühlt, wird das Baden bald eher ein kurzes Eintauchen.

Nach dem Baden habe ich noch kurz die herrlich intensiv von der untergegangenen Sonne bestrahlten Wolken angeschaut. Einfach schön!

* Ein Zitat aus dem Asterixband „Kampf der Häuptlinge“

Einmal um Storgrundet

Heute war das Wetter richtig schön und heute Vormittag habe ich – wie die meisten Nachbarn auch – im Garten gearbeitet. Aber am Nachmittag habe ich mein Kajak auf den Bootswagen gestellt und bin zu meinem Hausstrand gelaufen. Das Kajak lässt sich prima mit einer Hand hinter sich herziehen, auch wenn es rauf oder runter geht.

Dann bin ich einmal um die Insel Storgrundet gefahren. Das ist eine kleine Tour von nicht einmal vier Kilometern, aber ich fand sie sehr spannend, da ich die Gegend ziemlich gut von meinen Skitouren im Winter kenne, aber im Sommer noch nie dort war.

Was für ein Kontrast zu den Wintertouren, in denen manchmal alles im weißen Nichts verschwimmt. Jetzt fahre ich im knallroten Boot sitzend durch das tiefblaue Wasser und schaue auf die Inseln mit den teils grün, teils gelb gefärbten Herbstbäumen.

Und es ist warm. Heute Vormittag bin ich sogar draußen im T-Shirt herumgelaufen und unter der dicken Schwimmweste friert man eh nicht so schnell. Und selbst auf dem offenen Meer östlich der Insel rührt sich praktisch kein Windhauch.

Keine Stunde später bin ich wieder am Strand und nur noch ein paar Schleifspuren verraten, dass ich dort, wo ich sonst bade, eben ein Kajak an Land gezogen habe. Fazit: Eine schöne Nachmittags- oder Feierabendstour.

Sommer in Norwegen · Teil 4: Fjelltour

Dies ist der vierte Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Wir sind jetzt in Innset und haben auf Björn Klauers Huskyfarm übernachtet. Jetzt, am nächsten Morgen beginnen wir unsere Mehrtagestour.

Und die Tour beginnt ganz schön anstrengend. In unseren Rucksäcken sind Zelt, Schlafsack, Isomatte, Ersatzkleidung, Kocher, Lebensmittel und erste Hilfe untergebracht. Ich beschwere mich noch zusätzlich mit Stativ und zwei zusätzlichen Objektiven und habe damit in etwa 24 Kilo Gepäck auf dem Rücken. Puh!

Ich finde Orientierung in der Natur eigentlich nicht schwer, aber in der Zivilisation manchmal schon. Wo ist denn jetzt die zweite Brücke über den Fluss? Die Brücke ist bald gefunden und bei recht grauem Wetter laufen wir den steilen Traktorweg bergauf. Da auf uns mindestens 800 Höhenmeter warten, gehen wir die Tour langsam an und machen mehrere Pausen. Der Weg führt an einer Schlucht vorbei und durch Birkenwald immer höher. Den Fluss Dittiskardet müssen wir irgendwann mal furten.

Bald sind wir über der Baumgrenze und der Weg führt in kleinen Buckeln immer höher. Es wird dunkler und immer wieder gibt es kleine Regenschauer. Wir sind nicht sicher, wo man am besten über den Fluss kommt und finden, nachdem wir schon recht weit sind eine akzeptable Stelle. Dort wechseln wir von Wanderstiefeln zu Sandalen und kurzen Hosen und laufen durch das knietiefe Wasser ans andere Ufer. Knietief heißt bei der starken Strömung, dass man sich gut konzentrieren muss und Füße und Treckingstöcke mit Kraft gegen die Strömung führen und setzen muss, um nicht umgeworfen zu werden. Nachdem wir beide erfolgreich auf der anderen Seite angelangt sind, merke ich, dass ich drüben die Karte vergessen habe …

Die Karte ist geholt und wir laufen weiter. Das Gelände wird immer karger. Bald sind die nassen Wiesen verschwunden und das Gelände wird von mit Flechten bewachsenen Steinen und kleinen Schneefeldern geprägt. Zwischen den Steinen wächst Gras, Moos und kleine Blumen. Wir haben nun den 1106 Meter hohen See Dittivatnet erreicht. Und hier erleben wir einen Wolkenbruch, wie ich ihn selten erlebt habe. Ich suche einen Zeltplatz, was in dieser scharfkantigen Steinwüste nicht einfach ist. Aber irgendwo finde ich doch ein hubbeliges Stück Wiese, wo wir das Zelt aufbauen.

Nach einem heißem Kakao und extrem ekligen Spaghetteria Bolognese von Knorr schlüpfen wir in unsere trockenen Schlafsäcke und schlafen. Am nächsten Morgen ist das Wetter wie ausgewechselt. Der klare blaue Himmel spiegelt sich im See und wir frühstücken in Ruhe. Wir haben beschlossen, ohne Zeitplan unterwegs zu sein, da wir ja auch nachts laufen können, wenn wir wollen.

Unsere Rucksäcke sind wieder gepackt und geschultert. Nun geht es über die Steine noch höher und bald liegt das Dittivatnet hinter uns. Irgendwann haben wir den Gipfel des Čorrovárri (1324) und damit den höchsten Punkt unserer Tour erreicht. Gelegenheit für eine Kekspause.

Nun gehen wir im großen Bogen abwärts, um zu einem kleinen Gletschersee zu stoßen und der ist auch wirklich sehenswert. Es ist eigentlich nicht kalt, aber die Fotos sehen anders aus.

Nach einer Pause laufen wir in Richtung Osten. Es klart auf und es tut gut, blauen Himmel zu sehen. Der Boden ist sehr nass. Immer wieder überqueren wir sumpfige Wiesen und aberhunderte kleiner Rinnsale. Bald stoßen wir auf den Nordkalottleden, dem wir in Richtung Süden folgen.

Nach einigen Kilometern Strecke stoßen wir auf einen herrlichen Zeltplatz und beschließen sofort, das Zelt aufzubauen. Von Süden her laufen einige Rentiere mit Kälbern durch das breite Tal und wir freuen uns, die Tiere beobachten zu können. Ein bisschen später kommt von Norden eine große Herde mit bestimmt sechshundert Tieren her und zieht durch das Tal. Auch oberhalb des Zeltes grasen die Tiere, sind aber ein bisschen misstrauisch und kehren bald wieder um.

In der Nacht wird Sonya krank. Wir beschließen, einen Pausentag zu machen und die Tour zu verkürzen. Sonya nutzt den Tag, um sich auszukurieren. Ich laufe am Nachmittag auf den Skadjoaivi, wo ich einen herrlichen Blick in alle Richtungen habe.

In der Nacht ziehen Wolken durch das Tal und es hat angefangen zu regnen. Und es wird den ganzen Tag weiterregnen. Pausenlos. Wir kochen im Regen, wir packen im Regen und wir laufen weiter im Regen. Die Funktionskleidung kommt an ihre Grenzen und wir überqueren so viele Flüsse, dass wir zum Schluss beide von Kopf bis zu den Zehen klatschnass sind. Bei diesem Wetter haben wir keine Lust, einen Zeltplatz zu suchen und da sich Sonya wieder gut fühlt, laufen wir die ganze Strecke zu Björns Huskyfarm zurück. Mein Regenschutz hat mal so garnichts gebracht und auch alles im Rucksack ist nass. Ich bin froh, dass wir nicht mehr im Zelt sind und ich alle Sachen trocknen kann.

Sonya ruft Julia und René an und wird still. Wir erfahren von dem fürchterlichen Bombenattentat in Oslo und dem Bludbad in Utøya. Was für ein Schock!

Wir machen noch einen Tag Pause bei Björn und fahren dann nach Tromsø weiter, aber das ist eine andere Geschichte …

Danke an René für den schönen Tourenvorschlag. Danke an Julia für die Fernberatung per Telefon, als Sonya krank war.

Sommer in Norwegen · Teil 3: Vesterålen

Dies ist der dritte Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Inzwischen sind wir auf den Vesterålen, wo wir bei und mit Freunden herrliche Tage zwischen Entspannung (und gutem Essen!) und Bergtour erleben.

Nachdem wir mit der Fähre nach Melbu übersetzt haben und nun auf den Vesterålen waren, hatten wir es nicht mehr weit zu Julia und René. Die beiden sind letztes Jahr nach Norwegen gezogen und haben ziemlich schnell einen Hof gekauft, den sie jetzt renovieren. Vor dem Haus läuft die Straße, direkt dahinter liegt das Ruderboot alten Stils am Hadselfjorden. Hinter dem Haus liegen Moore, Wälder und Berge, die meisten gut zu Fuß erreichbar.

Schon gleich am ersten Tag sind wir – nachdem wir für eine Besorgung Renés mit dem Auto um fast die ganze Insel gefahren sind – bei recht grauem Wetter eine schöne, große Abendrunde über Moor und durch Wald gelaufen. Danach habe ich mich erst einmal mit Fieber ins Bett gelegt und einen Tag Auszeit genommen. Aber am Abend des zweiten Tages ging es mir schon wieder gut genug, um mit Sonya von René über das Meer gerudert zu werden. Was für ein Luxus!

Abends klarte es dann auf und der Vollmond leuchtete über den wolkenumhangenen Bergen der benachbarten Lofoten. Was für eine herrliche Stimmung, die ich leider mit der Kamera nicht wirklich einfangen konnte.

Die nächsten beiden Tage hatte Julia frei und wir konnten zu viert zwei sehr schöne Tagestouren machen. Am Samstag sind wir auf den Dalbotntinden gelaufen. Schon bald waren wir am Fuß des ersten hügeligen Berges, wo wir auf einem kleinen, fast unsichtbaren Pfad an einem Bach aufwärts stiegen. Julia und René waren über die Bartflechten begeistert, die hier auf einigen Birken wuchsen, daraus kann man nämlich Suppe machen, die dann nach Pilzen schmeckt. Denn Pilz ist ja der Hauptbestandteil des Doppelwesens Flechte.

Bald waren wir über der Baumgrenze, die liegt ja in diesen Breiten nicht sehr hoch und haben an einem herrlichen See Pause gemacht. Julia war in dem eiskalten Wasser baden, ich hatte als gute Ausrede, dass ich ja am Vortag noch krank gewesen sei. Über den heißen Kakao, den René an Ort und Stelle gekocht hat, haben wir uns aber alle gefreut.

Nach der Pause ging es höher und höher, bis wir schließlich auf dem breiten und bequemen Grat den Gipfel erreicht haben. Während die eine Seite ganz sanft abfällt, geht es auf der anderen Seite senkrecht in die Tiefe. Ein Berg mit zwei Gesichtern.

Auf dem Rückweg haben unsere Gastgeber dann Gelegenheit gehabt, Flechten für die nächsten zwanzig Suppen zu ernten, so viele wuchsen an den kleinen, krummen Birken. Auf der Insel gibt es auch keine Rentiere, denen man das Futter streitig macht. Da wir erst recht spät losgekommen sind, war es später Abend, als wir wieder zu Hause waren. Aber das macht ja nichts, denn die Sonne scheint 24 Stunden. Leider wieder hinter dichten Wolken.

Am Sonntag schien die Sonne, ein herrlicher Tag. Da wir dieses Mal noch später losgekommen sind, haben wir uns eine kürzere Tour ausgesucht und sind auf den Hallartinden gestiegen. Wir hatten einen herrlichen Blick, Sonnenschein und genug Schokolade. Da kann man schon einmal länger oben bleiben.

Und das ganze als scrollbares Panorama:

Aber irgendwann ging es wieder heimwärts, wo Julia Pizza im heißen Wohnzimmerofen gemacht hat. Und dies war eine der besten Pizzen, die ich jemals gegessen habe. Wahrscheinlich fühlte sich auch der Ofen verpflichtet, der kam nämlich aus Italien.

Sonya und ich haben inzwischen beschlossen, die Gastfreundschaft unserer Freunde noch einen Tag länger in Anspruch zu nehmen. Nach zwei Tagen Bergen wollte ich noch einmal ans Meer. Muscheln sammeln und Vögel fotografieren. (An alle, die Austernfischer fotografieren wollen: Nehmt einen guten Gehörschutz mit, die Vögel sind extreme Schreihälse.)

Nachdem ich am Meer war, wollte ich nochmal ins Meer. Mit Neoprenanzug, Schnorchel und Renés Unterwassergehäuse für die Kamera. Die Aktion war eher lustig als erfolgsgekrönt. Zum einen hat der Neoprenanzug einen so starken Auftrieb, dass ich überhaupt nicht abtauchen konnte. Zum anderen konnte ich mit der Tauchermaske durch den Kamerasucher rein gar nichts erkennen und habe nur blind abgedrückt. Aber wie gesagt – lustig war’s und so ist der im Auto mitreisende Overall wenigstens zum Einsatz gekommen.

Abends gab es dann eine Suppe aus Flechten. Nach traditionellem samischem Rezept gehört Rentiermilch dazu, wir haben uns mit Sahne beholfen. Es ist schon faszinierend, wie sich die gekochten Flechten von komischer Pampf zu leckerer Suppe verwandelt haben.

Am nächsten Morgen haben wir in Ruhe gefrühstückt, unsere tausend Sachen gepackt und weiter zu Björn Klauer in Innset gefahren. Auch dieser Weg – wunderschön. Spät am Abend gab es einen herrlichen Regenbogen, der sich über die schönen, grasgedeckten Häuser von Björns Huskyfarm erstreckte. Am nächsten Tag sollte unsere Wandertour losgehen, aber das ist eine andere Geschichte …

Vielen Dank an Julia und René für ihre Gastfreundschaft, die gemeinsam erlebte Zeit und auch für das gute Essen.

Sommer in Norwegen · Teil 2: Lofoten

Dies ist der zweite Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Nun sind wir auf dem Weg nach Bodø, um uns die Lofoten anzuschauen und dann die Vesterålen zu erreichen, wo wir Freunde besuchen.

Früh aufgestanden sind wir, damit wir auch ja die Zehnuhrfähre von Bodø nach Moskenes auf den Lofoten erwischen. Die Fähre haben wir zwar erwischt, aber leider war kein Platz mehr für uns frei. Also haben wir uns ein paar Stunden Bodø angeschaut (Mit Schwerpunkt auf das Kafé Kafka) und dann die 15:30-Fähre genommen. Auf der mehrstündigen Überfahrt war es zwar kühl, aber wir waren die ganze Zeit draußen, zu schön war der Blick auf die immer näher kommenden Lofoten, die man schon von Bodø aus sehen konnte.

Als wir an Land waren, sind wir nach Süden zur Stadt Å gefahren (ja, die heißt wirklich so). Dann habe ich wieder das Steuer übernommen und teilweise ganz schön geschwitzt, denn auf den engen, kurvigen und bergigen Strässchen fahren die Einheimischen ganz schön schnell und ich war froh, dass die Hauptstraße E10 doch ein bisschen breiter war.

Schade war, dass die Wolkendecke teilweise so niedrig war, dass die meisten Bergspitzen verhüllt waren und bei den Regenschauern habe ich die vielen Reiseradler nicht wirklich beneidet. Auf einen Tipp von René haben wir einen sehr schönen Campingplatz in Utakleiv im Westen der Insel Vestvågøya gefunden, von dem wir eine herrliche Sicht auf die Mitternachtssonne haben sollten. Aber die Wolken hatten auch hier ein Wörtchen mitzureden …

Auf dem schönen Campingplatz am türkisblauen Meer waren nicht nur Menschen, auch die Schafe schienen sich hier sehr wohl zu fühlen.

Ein paar Worte zwischendurch zur Landschaft: Ich war noch nie zuvor auf den Lofoten und versuche gar nicht erst zu beschreiben, wie sehr mich Landschaft und Kultur beeindruckt haben. War für eine herrliche Region für Fotointeressierte wie mich! Ich werde bestimmt nächstes Jahr mit mehr Zeit zurückkehren, bin aber unschlüssig, ob ich dann mit dem Auto oder mit dem Rad unterwegs sein sollte. Aber bis zum nächsten Jahr ist ja noch ein bisschen hin.

Das Gute: Ich weiß jetzt, dass mein neues Zelt auch dann dicht hält, wenn es die ganze Nacht regnet. Und wir konnten sogar ohne Regen in Ruhe alles einpacken. Den Rest des Tages sind wir bei sehr wechselhaftem Wetter weiter nordwärts gefahren. Wechselhaft heißt aber auch, dass es teilweise richtig schön war, wie zum Beispiel, als wir im schönen Städtchen Henningsvær Pause gemacht haben. Dort haben wir auch bestätigt bekommen, dass man in norwegischen Restaurants sehr viel Geld lassen kann, selbst, wenn man nur ein Getränk bestellt … .

Nach der ausgiebigen Pause sind wir dann weiter Richtung Norden gefahren und abends in Fiskebøl angekommen, wo wir eine Stunde später mit der Fähre nach Melbu auf den Vesterålen übergesetzt haben. Aber das ist eine andere Geschichte …

Zum Abschluss noch ein paar Fotos, die ich in diesen zwei Tagen auf den Lofoten gemacht habe. Unsortiert, einfach für einen kleinen Eindruck.