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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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F-skattebevis

Ich habe einen Brief vom skatteverket, dem schwedischen Finanzamt bekommen. In Deutschland durchzuckte mich bei solcher Post immer ein gewisser Schreck: „Was habe ich falsch gemacht?“. Über diesen Brief aber habe ich mich gefreut, denn er enthielt meinen F-skattebevis.

Das bedeutet, ich habe mal so eben ein Unternehmen gegründet! Das klingt hochtrabender, als es ist. Denn wenn man in Deutschland sagt, man sei selbständig, dann hat man in Schweden gleich ein „eget företag“, also ein eigenes Unternehmen.

Den Anmeldeprozess zur Unternehmensgründung macht man im Internet. Man loggt sich mit seiner Bank-ID ein, das ist eine digitale Identifizierung. Dann hangelt man sich von Formular zu Formular, bis man alle Daten ausgefüllt hat und den Auftrag abschickt. Ich musste bloß noch per Post einen Beweis vom deutschen Finanzamt schicken, dass ich beim deutschen Finanzamt schuldenfrei bin.

Und etwa drei Wochen später kam die Bestätigung, dass ich rückwirkend zum 25. August ein eigenes Unternehmen habe. In den Bereichen

  • 62010: Dataprogrammering (utveckling av programvaror, hemsidor och programmering)
  • 74203: Press- och övrig fotografverksamhet (även flygfotografering; ej porträtt eller reklam)
  • 90010: Artistisk verksamhet (fristående artister, föreläsare, konferencierer, körer, mannekänger, orkestrar, programledare m.fl.)
  • 90030: Litterärt och konstnärligt skapande (även frilansjournalistverksamhet)

kann ich jetzt nebenbei Geld verdienen.

Ich bleibe weiterhin angestellt und verdiene dort den Hauptanteil meines Einkommens. Aber ich kann jetzt auch kleinere Jobs nebenbei machen und richtig abrechnen. Mein Hauptfokus wird dabei auf der Musik liegen (90010), denn in meiner freien Zeit will ich nicht noch mehr Internetprogrammierung machen. Da reicht mir ein Fulltimejob vollkommen aus. Der erste Musikjob steht auch schon fest: Eine Stunde Klavierspielen beim Chemical Management Summit in Skellefteå. ♪|♫♫♩.

Mein Führerschein

Heute habe ich meinen Führerschein bekommen. Meinen alten deutschen, und ich habe mich gefreut!

Was war passiert?

Eine der Möglichkeiten, eine Art schwedischen Ausweis mit der so allgegenwärtigen Personennummer zu bekommen, ist es, seinen Führerschein in einen schwedischen zu tauschen. Ich habe zwar bei einer „Bearbeitungsgebühr“ von 600 Kronen (gut 65 Euro) geschluckt, aber dennoch am zweiten Mai das Geld überwiesen und einen Brief mit den benötigten Unterlagen an das Transportstyrelsen geschickt, unter anderem meinen alten, deutschen rosa Lappen im Original. Im Inland ist es kein Problem, ohne Führerschein zu fahren, da die Polizei beim Transportstyrelsen in Erfahrung bringen kann, ob ein Führerscheinwechsel in Gange ist.

Vor ein paar Wochen habe ich mal nachgehakt, wie lange es noch dauert, bis ich den neuen Führerschein bekomme, denn schließlich will ich nächste Woche nach Norwegen. Es hieß, ja der Fall sei in Bearbeitung, und man werde ihn versuchen zu beschleunigen. Klingt gut, oder? Nachdem ich wieder nichts gehört oder bekommen habe, habe ich letzte Woche nochmals angerufen. Dort hat man mir freundlichst mitgeteilt, dass sie ja noch die deutschen Behörden kontaktieren müssen, ehe sie mit meinem Fall beginnen können. Sprich, meine Sachen haben dort sieben Wochen herum gelegen, ohne dass überhaupt mal begonnen wurde, sich um diesen Fall zu kümmern. Daraufhin hat man mir angeboten, meinen Führerschein erst einmal wieder zurückzusenden, quasi für die Zeit, die ich in Norwegen unterwegs bin, zu leihen. Immerhin kam heute der Führerschein, mit einem beiliegenden Brief in einem Amtsschwedisch, wie ich es in meiner ganzen Zeit noch nicht erlebt habe.

Aber ich bin ziemlich erleichtert, kann ich doch jetzt nach Norwegen fahren, ohne Angst vor einer drohenden Verhaftung durch die norwegische politi. Wenn ich zurück bin, schicke ich also den Führerschein wieder zurück und lasse mich überraschen, wie lange er dann noch in den Amtsstuben auf Bearbeitung wartet.

P.S.: Einigen hatte ich erzählt, dass ich vor elf Wochen die Sachen eingeschickt habe. Das war ein Irrtum, es waren nur sieben. Dennoch ganz schön lange, weil ich mich hier schon so schön daran gewöhnt habe, dass alle behördlichen Angelegenheiten schnell und reibungslos vonstatten gehen.

Grummel!

Nach Finnland · Teil 2: Winterschwimmmeisterschaft in Joensuu

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

Besonders gut geschlafen habe ich nicht in dem Hotel. Das lag nicht daran, dass man die Straße so gut hörte und auch das Zimmer war alt, aber OK. Aber irgendein Möchtegernpianist meinte, um halb zwei Uhr nachts auf dem kleinen Yamahaklavier herumdonnern zu müssen. Ich meine, er konnte schon spielen, aber eigentlich nur laut und das mitten in der Nacht. Aber weiter im Text …

Nach einem Frühstück in einem netten Café sind wir leicht verspätet über die Autobrücke zur Flussinsel Niskassari gelaufen. Dort hatte der Wettbewerb schon angefangen. In das Eis auf der runden Bucht war ein rechteckiges Loch mit sieben Bahnen à 25 Meter Länge hineingeschnitten worden. Um das Loch standen bestimmt vierzig Personen mit neongelben Warnwesten. Die haben den Schwimmern beim Entkleiden geholfen oder im Laufschritt die Kleidung zum anderen Ende gebracht, damit dort die Schwimmer sich schnell wieder ankleiden konnten. Sie haben mit langen Harken das Eis von der immer wieder anfrierenden Wasseroberfläche entfernt oder mit roten Fahnen signalisiert, wann die Schwimmer so weit waren. Am Rand standen auch zwei Taucher, die aber zum Glück keine größeren Rettungsaktionen durchführen mussten.

Der Wettbewerb geht im Grunde so von statten: Wenn alle Schwimmer am Start sind, wird das Kommando „Riisukaa vaatteet“ – das heißt „Zieht Euch aus“ gegeben. Sind alle fertig, kommt „Veteen“ – das heißt „Steigt ins Wasser“. Das letzte Kommando heißt „Paikoillenne“ und bedeutet, „Auf Eure Plätze“. Direkt danach wird der Startschuss gegeben.

Was mir gefällt ist, wie gemischt die Teilnehmer sind. Manche sind athletisch gebaut, die meisten nicht. Die Hälfte sind Frauen, die Hälfte Männer. Viele Teilnehmer sind über 60, der Älteste war 86.

Jeder Teilnehmer ist verpflichtet Mütze (und natürlich Badehose oder -anzug) zu tragen. Handschuhe oder Socken sind nicht erlaubt. Die Schwimmart ist Brustschwimmen, wobei der Kopf nie ganz untertauchen darf. Vor allem bei den Mützen leben die Schwimmer Ihre Kreativität aus. Wer außerhalb des Wettbewerbs teilnimmt, ist an diese Regeln nicht gebunden und wer keine 25 Meter schwimmen möchte, kann auch einfach einmal ins Wasser eintauchen. Ich hatte eine gute Ausrede: Fotografieren. Aber nächstes Jahr will ich zumindest mit ins Wasser.

Mikael (links)und Jarkko (rechts) haben es sich nicht nehmen lassen, 25 Meter zu schwimmen. Tapfer! Danach haben sie es sich, wie manche anderen vor ihnen, im warmen Wasser des Hot-Tubs gut gehen lassen.

Der neu gegründete Verein „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ – auf deutsch in etwa: „Verein der frohen Freunde von Kälte und Dunkelheit“, dem ich quasi schon angehöre, möchte das Winterschwimmen auch in Schweden populär zu machen und hat sich zur Aufgabe gesetzt, im nächsten Winter die erstmalig schwedische Meisterschaften auszurichten – natürlich in Skellefteå. Das Feedback der finnischen Organisatoren, mit denen wir nach dem Wettbewerb und abends gesprochen haben war ausgesprochen positiv und uns wurde umfangreiche Hilfe zugesagt neben dem Tipp, dass 2015 ein tolles Jahr sei, um nordische oder auch europäische Meisterschaften auszurichten. Zum Glück ging das alles auf schwedisch oder englisch, denn außer Jarkko spricht keiner von uns finnisch bis auf Worte wie beispielsweise „Kitoos“ für „Danke“.

Abends fand dann eine Gala statt. Es war glaube ich die erste Gala, bei der ich war, ohne selber Musik zu machen. Erstaunlich: Kaum erklingen zwei Noten Musik, schon ist das Parkett voll tanzender Finnen. Und die Musik ist wirklich melancholischer als auf deutschen Galas. Ja, und es gab auch finnischen Tango.

Währenddessen hatten einige draußen Nachtschicht: Die ganze Nacht muss das Wasser immer wieder von Eis befreit werden. Wir sind um elf wieder ins Hotel gegangen und haben dort noch einige Zeit gesessen. Dabei haben wir dann beschlossen, nicht am Montag, sondern direkt nach den letzten Wettkämpfen am nächsten Tag zurückzufahren.

Die Sache mit der Geduld …

Ich mag ein paar positive Eigenschaften haben, Geduld zählt leider nicht dazu. Und ich habe den Eindruck, dass ich diese noch mehr als in Deutschland brauche. Denn auf meiner Todo-Liste steht vor immer mehr Zeilen ein w und das bedeutet Warten. Warten darauf, dass die potentielle Schwedischlehrerin gesund ist, warten darauf, dass der Vorbesitzer auch die restlichen Dinge am Dach repariert. Warten darauf, dass langsam aus der kleinen Baustelle im Erdgeschoss wieder ein kleines Bad im Erdgeschoss wird. Warten darauf, dass ein Bekannter Zeit findet, kleinere Reparaturen vorzunehmen und warten darauf, dass der rörläggare, also der Installateur wieder gesund wird. Und seit heute auch warten darauf, dass Ikea auf meine E-Mail antwortet, warum die Bestellung von Bett und Regalen beim Bezahlen immer abbricht.

Ich weiß, ich bin erst seit sieben Wochen im neuen Haus, aber – habe ich schon erzählt, dass Geduld nicht meine Stärke ist – der Eindruck, dass nichts voran geht, ist dennoch vorhanden. Bin ich so deutsch? Ist das überhaupt ein Unterschied Deutsche—Schweden oder eher ein Unterschied Olaf—Schweden oder gar Olaf—andere Menschen. Ich weiß es nicht.

Und dann komme ich zu Dingen wie Äpfel im Garten ernten oder Geschirrhandtücher kaufen und dann stand das noch nicht einmal auf der Todo-Liste und ich kann wieder nichts durchstreichen. Doof.

Noch ’ne Herbstfarbe: grau

Der Sonntag verregnet
ist dir schon oft begegnet¹

Wozu dient ein grauer, nieselregnerischer Sonntag, an dem es nicht richtig hell wird? Er bietet die ideale Kulisse für die Steuererklärungen 2009. Inzwischen bin ich so routiniert, dass ich nur noch etwa sechs Stunden brauche, um die acht verschiedenen zwei- bis vierseitigen Formulare ESt, EÜR (2×), Anlage G, Anlage S, GewSt, USt und Anlage Vorsorgeaufwand auszufüllen, deren schwarz-weiß wieder ganz prima zu dem farblosen Wetter da draußen passt. Gegen fünf habe ich dann den Brief zu ICA² gebracht, der erstens auch am Sonntag geöffnet hat und zweitens auch Briefmarken verkauft. Allerdings nur für inländische Briefe à 6 Kronen. So mussten dann also 8 Briefmarken auf den dicken Brief nach Deutschland. Und schon sah alles wieder bunt aus, denn die schwedischen Marken können – im Gegensatz zu deutschen Steuererklärungen – dem trüb-tristen Wetter Paroli bieten.

Freiberufler werden es in Schweden auch nicht völlig formularlos haben, aber die Nachbarin von gegenüber macht die Steuererklärung per SMS!

___
¹ aus „So ein Regenwurm hat’s gut“
² der örtliche Lebensmittel-und-alles-mögliche-Laden

Umzug von München nach Skelleftehamn

Seit Montag ist viel passiert und so ist dieser Blogartikel ein bisschen länger geworden. Viel Spaß beim Lesen!

Teil 1: München

Also. Die Kisten waren gepackt und am nächsten Tag kam dann Xxxxx mit dem Möbelwagen. Wer nicht kam, waren die drei Packkräfte, die er in München gemietet hat. Nach einer Stunde haben wir dann herumtelefoniert und schließlich zwei Packkräfte bekommen. Und die haben ordentlich herangeklotzt, so dass nach einigen Stunden Keller und Wohnung leer und alle Sachen verladen waren.

Da ich die letzten Nächte nicht so toll geschlafen habe, war ich todmüde. Zum Erholen blieb aber keine Zeit, denn direkt danach war schon das Malern dran. Gut, dass einige Freunde geholfen haben, denn alleine hätte ich dreihundert Mal so lange gebraucht und Spaß hätte das auch nicht gemacht. Nun, ein Hobby wird das Streichen für keinen von uns. Desto mehr gilt mein Dank fürs Helfen an alle.

Nach einer Übernachtung und einem ruhigen Frühstück bei Freunden bin ich wieder in meine Wohnung gefahren, um sauberzumachen. Und das hat viel, viel länger gedauert als veranschlagt. Am liebsten hätte ich den Vermieter, der um sechs kam, wieder für zwei Stunden nach Hause geschickt. Aber weil er nett und entspannt ist, haben wir die Übergabe dann doch gemacht und ich habe danach erst den Rest geputzt und dann die Schlüssel bei ihm vorbeigebracht. Also geht auch ein Dank an meinen Vermieter für sein Vertrauen.

Die letzte Nacht durfte ich bei einer guten Freundin schlafen. Die hatte die tolle Idee, am Donnerstag vor meinem Abflug noch ein Weißwurstfrühstück zu machen. Super, auch wenn wir dafür um fünf aufstehen mussten. Aber es war einfach schön, noch einmal zusammen draußen auf dem kleinen Balkon zu sitzen, bevor ich mich auf den Weg zum Flughafen gemacht habe. Einen Riesendank für das Abschiedsweißwurstfrühstück!

Und um neun Uhr saß ich auch schon im Flieger in Richtung Kopenhagen …

Teil 2: Abschied

Vem kan segla förutan vind?
Vem kan ro utan åror?
Vem kan skiljas från vännen sin
Utan att fälla tårar?

Jag kan segla förutan vind,
Jag kan ro utan åror.
Men ej skiljas från vännen min
Utan att fälla tårar.

Wer kann segeln ohne Wind?
Wer kann rudern ohne Ruder?
Wer kann scheiden von dem-Freund seinen
Ohne dass fallen Tränen?

Ich kann segeln ohne Wind,
Ich kann rudern ohne Ruder.
Aber nicht scheiden von dem-Freund meinen
Ohne dass fallen Tränen.

Teil 3: Skelleftehamn

… und um neun Uhr saß ich auch schon im Flieger in Richtung Kopenhagen.

Der Rückflug war entspannt, da ich dieses Mal sowohl in Kopenhagen als auch in Stockholm mehrere Stunden Aufenthalt hatte und so haben ich und mein Gepäck die Anschlüsse nach Stockholm und Skellefteå bekommen und gegen neun war ich in meinem Haus.

Das war vielleicht komisch. Jetzt, wo das Haus so leer stand wirkte es so klein und so fremd und erinnerte an eine neue Zahnfüllung, die sich noch so komisch im Mund anfühlt und wo die Zunge immer wieder testet, ob alles seine Ordnung hat. Habe ich das richtig gemacht mit dem Hauskauf? Ich weiß nicht.

Da im meinem Haus kein Bett stand, habe ich die letzte Nacht noch in meinem alten Zimmer übernachtet. Am nächsten Tag bin ich dann nach Skellefteå gefahren, um bei der Bank die letzten Papiere zu unterzeichnen. In der Stadt habe ich dann alle Kollegen getroffen, die schon einige Stunden vor dem Telia-Laden kampierten, um das neue iPhone zu bekommen. Nach der Bank bin ich dann mit dem Taxi zum Haus gefahren, wo Xxxxx schon mit dem Möbelwagen wartete. Zu der Schwierigkeit, in Skellefteå ein bestelltes Taxi auch zu bekommen, schreibe ich hier mal nichts …

Nach einer halben Stunde kamen dann zwei Männer von Skellefteå Stadsbud, die schnell und routiniert den Flügel entladen und in meiner Wohnung aufgestellt haben. Für die sechs Jahre Lager ist er auch gar nicht so arg verstimmt. Dann kamen die restlichen Möbel und Kartons dran. Um drei waren wir fertig und Xxxxx konnte sich wieder auf den Weg nach Xxxxx machen.

Und jetzt, wo der weiße Yamahaflügel seinen Platz gefunden hat, mein Bett steht und viele Bücherkisten klarmachen, dass ich jetzt hier wohne, da war das so fremde Häuschen von gestern plötzlich mein Haus und es fühlte sich gut an!

Dann habe ich Internet bestellt und drei Minuten später war ich online. (@Deutsche-Internet-Provider: Schaut Euch mal an, wie einfach und schnell das gehen kann.) Und dann habe ich erst einmal geschlafen.

Heute, am Tag danach ist das Wetter fies: Es ist stürmisch und regnet. Also werde ich einiges wegschaffen. Die Küche ist schon eingerichtet.

Doch nun, wie gewünscht, einige Fotos:

Ich habe außerdem gestern ein kleines Rundgang-durch-das-Haus-Video gedreht. Die Qualität ist unter aller Sau und YouTube schlägt mir als Schlagworte „horror movie“ und „weapons“ vor. (Schluck!). Aber für einen kleinen Eindruck ist es vielleicht doch ganz nett.

Nachtrag (23. März 2011)

Da ich mit dem Menschen, der den Umzug gemacht habe, im nachhinein riesigen Ärger hatte – er schuldet mir bis heute Geld – habe ich mich entschlossen, den Namen unkenntlich zu machen. Tja, es gibt auch Menschen, die nicht gut sind.

Der Führerschein

Erster Tag: Da rief ich also beim Kreisverwaltungsreferat – Kraftfahrzeugzulassung und Fahrerlaubnisbehörde an.
Ich: „Ich möchte einen EU-Führerschein.“
Sie: „Wofür brauchen Sie den denn?“
Ich: „Ich lebe jetzt in Schweden und denke, dass das einfacher so ist. Außerdem habe ich früher noch eine Brille getragen und die brauche ich nicht mehr. Einen Sehtest habe ich gemacht.“
Sie: „Dann brauchen Sie den alten Führerschein, einen Ausweis und die Sehtestbescheinigung.“
(Prima, klingt einfach.)
Sie: „Wo wurde der Führerschein ausgestellt?“
Ich: „In Bremen.“
Sie: „Dann brauche ich eine Karteikartenabschrift aus Bremen, die an die Faxnummer 233-undsoweiter gefaxt werden kann.“
(Aha.)

Ich: „Wie lange dauert es, bis der Führerschein fertig ist?“
Sie: „Vier bis sechs Wochen“
Ich: „Kann das ein Bevollmächtigter abholen?“
Sie: „Ja, aber nur mit Ihrem Originalausweis“.
(Bitte was?)
Sie: „Sie können auch den Reisepass verwenden“
(Den brauche ich in Schweden, also soll mein Perso jetzt ein, zwei Monate bei einem Freund herumliegen. Na toll.)

Mit der Führerscheinstelle Bremen kann man sich nur über die Telefonzentrale verbinden lassen, sie hat keine öffentliche Rufnummer. Dumm nur, wenn den ganzen Tag keiner dort abhebt. Ich erhalte dann aber den heißen Tipp, am nächsten Tag noch einmal zwischen zwei und drei anzurufen, da am Nachmittag kein Publikumsverkehr ist. Um 14:00 ist die Mittagspause zu Ende, um 15:00 die Kernarbeitszeit. Dazwischen sei gut.

Nächster Tag 14:43: Tatsächlich, ich erreiche einen extrem netten Mitarbeiter, der auch nach kurzer Plauderei direkt die Karteikartenabschrift nach München faxt.

Heute: Der Wecker klingelt um 6 (in Worten sechs). Ich suche meine Sachen zusammen, finde aber meine wunderbaren biometrischen Passbilder nicht. Also setze ich mich verspätet ohne die Passbilder aufs Fahrrad und fahre durch den Regen zur Führerscheinstelle des KVR. Um 7:25 bekomme ich die Wartenummer 50 und mache neue Passfotos. Dann laufe ich nach oben und sehe auf der Anzeigetafel die Nummern 12, 380, 381 und 538 oder so ähnlich. Hmm. Nach zwei Stunden wird dann tatsächlich die 50 angezeigt. Toll! Selbstbewusst und mit allen Dokumenten ausgestattet öffne ich die Tür, um den neuen Führerschein zu beantragen. Dort erfahre ich dann, dass ich ja gar nicht mehr in Deutschland gemeldet sei (ach was) und den nur in Schweden bekäme. Das sei eine EU-Regelung und sie könnte nichts tun. Mist!

Wenn die freundliche, aber schusselige Telefondame am ersten Tag zugehört hätte, hätte sie mir das auch telefonisch mitteilen können und ich hätte mir die dreieinhalb Stunden mit Anfahrt heute sparen können. Also einmal kurz und heftig mit dem Ärger kämpfen, bis sich dieser in ein kleines, blasses Rauchwölkchen aufgelöst hat und wieder nach Hause fahren. Wie schön, es regnet wenigstens kaum noch.

Und jetzt: Kisten packen!!!

Personennummer

Heute habe ich Post vom Skatteverket bekommen. Ich habe eine Personennummer! Ab jetzt kann ich wie jeder Schwede auch ein Konto eröffnen, einen Telefonanschluss bekommen und habe es auch leichter, eine Wohnung zu mieten. Zusätzlich kann ich nun an den kostenlosen Schwedischkursen (SFI – Svenska för invandrare) teilnehmen und damit endlich richtig beginnen, Schwedisch zu lernen. Genial!

Mein erster Tag

Zu Fuß sind es etwa drei Kilometer von meinem Zimmer in die Stadt. Keine Entfernung, wenn die Sonne aus einem strahlend blauen Himmel scheint und ich ziehe ganz schnell meine Jacke aus, weil es so warm ist. Beim Weg in die Stadt bin ich kurz beim ICA eingebogen um ein bisschen Frühstück zu kaufen. Danach bin ich am Skellefteälven ins Zentrum gelaufen. Der Fluss war im Februar noch komplett zugefroren. Nun fließt Wasser, die Krokusse blühen, Schmetterlinge flattern umher – der Frühling ist da.

In der Stadt war ich im Buchladen, um Karten von der Umgebung zu kaufen. Einen Stadtplan hat es auch gegeben. Dann war ich lange im überraschend großen Antiquariat, wo ich tatsächlich „Bilbo, en Hobbits äventyr“ gefunden habe. Das Buch hatte ich im Urlaub im Februar geliehen und kann es jetzt zu Ende lesen. Um halb zwei war ich bei Artopod und wir haben ein paar erste Dinge geklärt. Ein MacBook Pro steht schon bereit, die (deutsche) Tastatur bringe ich mit und als Telefon bekomme ich wohl ein Android. Mein erstes Projekt kenne ich auch schon ein bisschen. Gut die Hälfte haben wir schon auf Schwedisch gesprochen und wenn ich mich sehr konzentriere, verstehe ich doch so einiges. Das hat sich dann allerdings bei der Fika – der schwedischen Kaffeepause – geändert, als zehn Kollegen aus der Bürogemeinschaft munter durcheinander geplaudert haben. Das wird noch ein Weilchen brauchen, bis ich da mitkomme, aber ich bin ja froh, dass nicht die ganze Zeit englisch geredet wird und ich so die Sprache lernen kann.

Danach war ich beim Skatteverket wo ich als erstes natürlich eine Wartenummer gezogen habe. Dann musste ich aber nur einige Minuten warten, um dann auf Anders zu treffen, der für mich die Formulare ausgefüllt hat, die ich brauche, damit ich eine Personennummer bekomme. Und die bekomme ich wohl in so zwei, drei Wochen.

Die Personennummer ist entscheidend, um irgendwelche Verträge abzuschließen. Ob Telefon, Bankkonto, Miete oder was auch immer, man braucht seine Personennummer. Und da ich die auch für die SFI-Kurse (Svenska för invandrare = Schwedisch für Einwanderer) brauche, freue ich mich, wenn sie bald da ist.

Ich bin langsam zurück geschlendert und habe mich erst einmal eine Stunde hingelegt. Danach war ich noch zwei Stunden die Umgebung erkunden und habe meine Schneeschuhe vermisst. In den Wäldern liegen nämlich noch gut 40 cm fester Altschnee und bei jedem dritten Schritt bricht man durch, manchmal bis weit übers Knie. Für die wunderschöne Landschaft, die sich hier gleich hinter dem Haus anschließt, hat sich der anstrengende Gang aber gelohnt. Allerdings kann es im Moor schon ganz schön nass sein …

Morgen geht‘s los

Post-its am Fenster zeigen meine Aufgaben für den letzten TagMorgen Heute ist mein letzter Tag in München, bevor ich am Mittwoch morgen in den Zug nach Schweden steige. Und es gibt noch einiges zu tun. Das kommt davon, dass ich heute gestern eher faul war.

Ich denke aber, dass ich das morgen heute alles gut und stressfrei schaffe. Das Packen braucht wahrscheinlich die meiste Zeit. Weniger stressfrei wird wohl das Umsteigen mit Gepäck übermorgen, denn ich schätze, dass sich in den beiden Rollkoffern und der Reisetasche so um die 50 Kilo Sachen befinden. Und die Koffer und Tasche wiegen zusammen auch nochmal so um die sieben Kilo. Uffs!

Heute Gestern habe ich die letzten Bücherkartons im Keller gesichtet; unglaublich, was sich die Jahre über so angesammelt hat. Auch unglaublich, wie viele Bücher ich über die Jahre nicht vermisst habe. Da werde ich im Juli jede Menge an Oxfam abgeben, vorher aber – vielleicht schaffe ich es morgen heute noch – eine Liste hier einstellen, für alle, die sich vorher das eine oder andere Buch sichern wollen …