Zum Inhalt

Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

Zu den Funktionen

Samstag morgen

… sollte das Wetter eigentlich mäßig sein. Aber Überraschung: Klarer Blauer Himmel und kurz vor Sonnenaufgang. Also habe ich kurz vor dem Frühstück noch ein paar Fotos in der Umgebung gemacht.

Gleich geht’s raus in die Natur, zusammen mit einer Freundin wandern.

Samstag tagsüber

Heute war ich mit Elisabet – schön, wenn man hier Leute kennt, die auch so gerne wie ich in der Natur sind – auf der Halbinsel Bjuröklubb. Da war ich zwar schon einige Male, aber jedes Mal entdecke ich wieder etwas Neues. Vor allem, wenn Elisabet noch ein paar schöne Stellen kennt. Und als es anfing, richtig zu regnen, saßen wir schon wieder im Auto und fuhren auf der E4 zurück. Das nenne ich gutes Timing.

Ich finde es beeindruckend, wie viele unterschiedliche Landschaftseindrücke man hier auf kleinstem Raum versammelt hat. Zum Beispiel solche:

Licht

Wo viel Schatten ist, ist auch viel Licht.

Das geht schon mit den fantastischen Morgenstimmungen los, die wir hier so manchen Tag haben. Schon beim Blick durch die von Reif bedeckten Fenster meines Wintergartens haben gezeigt, dass es an der Ostsee bestimmt schön aussieht. Also habe ich heute das Auto genommen und einen kleinen Abstecher zum Fotografieren gemacht.

Nach der Arbeit war es draußen natürlich stockdunkel. Aber seit einigen Tagen ist die gesamte Innenstadt mit Licht geschmückt. Breite Bündel von Lichterketten hängen über einem Teil der Fußgängerzone, Die wenigen Alleebäume sind komplett in Licht gekleidet sind und auch ein großer Weihnachtsbaum steht auf dem Torget, dem Marktplatz.

Die mit gelblichem Licht ummantelten Bäume wirken richtig warm und gemütlich. Man denkt an Kerzen und Kamin. Leider macht das kalte Licht, mit dem Lichterketten und Weihnachtsbaum bestückt sind, einiges an Gemütlichkeit wieder zunichte. Wer, bitte schön, denkt sich so etwas aus!

Auch am Fluss holt man sich Licht in die dunkle Stadt. Und bei den gestaffelten Sitzreihen am Fluss mit ihrer strengen Linienführung darf das Licht auch gerne kalt-blau sein. Dort passt es. Die Solaranlage in der Stadt hat nicht viel zu tun, denn viele Sonnenstunden haben die Tage nicht mehr.

Gefallen hat mir dann wieder Bonnstan, die alte Kirchenstadt mit ihren Blockhäusern. Die Wege sind nur teilweise beleuchtet und lassen die Holzhäuser geheimnisvoll aus ihren Schatten treten.

Zum Winter? Drei Meilen westwärts.

Seit Donnerstag schneit es ziemlich viel und der SMHI hat für weite Teile des Landes Schneewarnungen ausgesprochen. In meinem Garten liegen jetzt 17 cm Schnee. Nicht soo viel. Der ist allerdings nicht so leicht und fluffig wie im letzten Jahr, sondern wegen der leichten Plustemperaturen nass und – wie ich beim Schneeschaufeln feststellen musste – sackschwer. Die Bäume sind schneefrei, denn gestern Abend war es hier sehr windig und den Rest hat das leichte Tauwetter gemacht.

Ich war neugierig, wie weit ich ins Inland fahren muss, bis ich richtiges „Winterwunderland“ habe. Davor musste ich aber erst einmal tanken. Dort stand ich in tiefen, braunen von nassen Schneematsch umrahmten Pfützen, während mein Saab sich vollaufen ließ. Also – so einen Winter kenne ich, ich habe elf Jahre im Ruhrgebiet gelebt.

Der erste Halt wie schon vor drei Wochen ist die Bucht bei Ursviken, wo auch der Kanuklub ist. Tatsächlich ist jetzt die ganze Bucht zugefroren und mehr oder minder schneebedeckt. Allerdings sieht man am Ufer sehr deutlich, dass das Eis an manchen Stellen dünn und nass ist.

Das Autofahren auf der nassen, mit Spurrillen versehenen und noch nicht geräumten 372 in die Stadt macht keinen Spaß, aber schon direkt nach der Stadt in Medle ist die Stimmung eine ganz andere. Die Straßen sind weiß, die Wiesen, die Bäume und der Himmel sind weiß und es schneit.

Hier ist das Autofahren viel leichter und man sieht auch viel besser. Allerdings sehe ich auch, dass so manche Nebenstraße nicht geräumt ist. Da wüsste ich manches Mal noch nicht einmal, wo ich überhaupt hereinfahren sollte. Aber ohne Traktor oder Raupe ginge das ohnehin nicht. Und die sind heute alle, alle unterwegs und räumen Grundstücke und Straßen.

Ich möchte rechts in Richtung Svanström abbiegen, doch da versperrt so ein Schneeräumungetüm mit voller Breitseite die Straße. Eine junge Frau kommt auf mich zu, sagt, dass die Straße frei ist und fährt das baustellengelbe Fahrzeug weg, damit ich abbiegen kann. Und die Straße ist frei. Frei von Schnee und frei von anderen Autos. Fast! Den einem Auto fahre ich irgendwann hinterher. Und wenn man einem schwedischen Auto hinterher fährt, dann ist man oft zu schnell …

Irgendwann komme ich dann auf die 95 und biege wieder in Richtung Westen ab. Würde ich der Straße immer weiter folgen, wäre ich am Abend im norwegischen Bodø am Atlantik. Aber heute fahre ich nur ein Stückchen und freue mich über die schöne, frische Winterlandschaft. Die Landschaft wird hügelig, ich stelle mein Auto auf einer Parkbucht ab, schultere meinen neuen Kamerarucksack (gefüllt!) und laufe auf einem Forstweg in den Wald.

Der entpuppt sich allerdings als unfassbar matschig, denn der Boden ist nur oberflächlich gefroren und die überschneiten Pfützen sind oft nicht zu sehen. Wieder einmal bin ich über meine Gummistiefel sehr froh. Doch bald bin ich aus dem Gröbsten raus und laufe einen Hang hoch. Da bin ich, wie mir die vielen Spuren zeigen, nicht der erste, aber die anderen Fußstapfen sehen alle sehr nach Elch aus. Hinter dem bewaldeten Hang geht es noch ein bisschen höher. Und noch ein bisschen höher. Und noch ein bisschen höher. Ich bin überrascht, dass dieser kleine Buckel doch größer ist als angenommen. (Der Berg heißt übrigens Storberget und ist 298 Meter hoch. Stor heißt groß. Ja, Münchner, lacht ihr ruhig.)

Nach einer kurzen Schokoladenpause laufe ich einen anderen Weg wieder herunter. Ich finde das gar nicht so einfach, die Richtung beizubehalten, weil man doch ziemlich zickzack gehen muss, denn mancher Waldabschnitt ist fast undurchdringlich. Ich schaue zwischendurch auf Handy-Karte und Handy-Kompass, um mich abzusichern, denn es ist schon nach eins und bald wird es bei dem trüben Schneewetter dunkel werden. Ich hätte es zwar einfacher, über den kleinen See namens Bergtjärnen abzukürzen, aber ich habe keine Ahnung, ob das Eis trägt. Also stapfe ich durch den vierzig Zentimeter tiefen Schnee durch den Wald zurück, bis ich wieder am Auto bin.

So gegen drei bin ich wieder zu Hause. Ich wäre eher da gewesen, wenn nicht ein Autofahrer meinte, Tempo 50 sei auf der Tempo-90-Straße nach Skelleftehamn durchaus angemessen. Nicht alle Schweden fahren zu schnell.


Eigentlich hatte ich für heute geplant, noch einmal Kajak zu fahren, denn das wird nicht mehr lange gehen. Aber als ich gestern Abend die überraschend hohen Wellen gesehen habe, die sich am Ufer gebrochen haben, habe ich diesen Gedanken ganz schnell aufgegeben.

Ich habe gestern übrigens wieder einmal versucht, Schneesturm in der Nacht zu fotografieren. Mit verschiedenen Objektiven, mit und ohne Blitz, mit dicker 300-Watt-Leuchte und ISO-Werten bis 3200. Ich krieg’s nicht hin! Aber was macht man mit dem Fotomaterial? Zum Beispiel eine abstrakte Fotokollage:

Licht und Schatten

Heute hat es bei knapp ein Grad plus in großen Flocken weitergeschneit. In Skelleftehamn sind 5-10 cm heruntergekommen. Nun, die sind schnell weggeräumt, so dass ich danach noch Zeit für eine kleine abendliche Skitour habe. Ich bin zu meinem Sommerstrand Storgrundet gelaufen.

Heute ist es mir besonders aufgefallen: Das Wechselspiel zwischen hell und dunkel. Das gelb-orange Licht der vielen Natriumdampflampen wird von den schneebedeckten Straßen reflektiert und strahlt die tiefen Schneewolken an. Die wiederum werfen das abgeschwächte Licht zurück und strahlen andere Schneeflächen an. Deswegen kann man sich ein ganzes Stück von der Straßenbeleuchtung entfernen und dennoch ohne Lampe Ski laufen. Die Wolken über dem Wald und der Ostsee hingegen sind fast schwarz und oft ist der Himmel in orange und schwarze Bereiche unterteilt. Manchmal ist der Himmel hell und der Weg dunkler, manchmal ist es umgekehrt. Doch schaut selbst:

Vielleicht ist Euch aufgefallen, dass Äste und Zweige seltsam unscharf-neblig aussehen. Das liegt daran, dass es sehr windig war und bei Belichtungszeiten von mehreren Sekunden die bewegten Teile unscharf werden. Am meisten fiel mir das an der böig-windigen Küste auf, wo ein vom Scheinwerfer angestrahlter Baum mit funkelnden Tropfen in den Zweigen förmlich im Wind tanzte.

Für Fotografieinteressierte: Ich habe die Photos in Lightroom nachbearbeitet, aber keine Verlaufsfilter eingesetzt. Lediglich den von der Lampe angestrahlen Schnee auf dem Tanzender-Baum-Bild habe ich minimal abgedunkelt, damit er nicht ins Weiße absäuft


Nachtrag: 5. Januar, morgens. Es schneit noch immer, es ist noch immer windig. Auf der Straße schleicht ein Jeep vorbei. Wie letztes Jahr kommt der Schnee in Schüben. Vor einer Woche war es hier noch fast schneefrei, jetzt liegen gut 40 Zentimeter auf meinem Grundstück.

Zwei Fotografen. Ein Selbstinterview

Olaf I:
Heute Abend möchte ich gerne Olaf S und Olaf P interviewen, die Fotos für das Blog Nordwärts machen. Guten Abend.
Olaf S:
Hallo.
Olaf P:
Guten Abend.
Olaf I:
Manche Leser fragen, was Ihr für eine Kamera verwendet und was für Zubehör.
Olaf P:
Ich verwende eine Nikon D300s und mein Meistens-Drauf-Objektiv ist ein Sigma 18-50mm/ƒ2.8. Ein Tokina 12-14mm/ƒ4.0 und ein Tamron 90mm Makro/ƒ2.8 kommen auch oft zum Einsatz. Meistens habe ich ein Stativ dabei, weil nur dann …
Olaf S:
Als ob die Kamera wichtig wäre. Wenn ich nur mein iPhone dabei habe, dann mache ich halt damit Bilder.
Olaf P:
… die sehen dann auch dementsprechend aus.
Olaf S:
Für spezielle Situationen mag das stimmen, aber oft reicht die Handykamera aus.
Olaf P:
Spätestens beim Polarlicht hat man doch mit dem iPhone keine Chance. Und mit der Nikonkamera benutze ich das RAW-Format und kann so in Lightroom noch viele Unzulänglichkeiten korrigieren. Schließlich ist Fotografie ein Handwerk, welches man …
Olaf S:
So ein Quatsch! Fotografie ist Kunst! Optische Kunst. Das Auge, das Motiv, der Moment, das ist was zählt und nicht der optimale Weißabgleich.
Olaf P:
Ich knipse nicht einfach drauf los. Bevor ich ein Foto mache, schaue ich, wo ich am Besten stehe, welches Objektiv ich nehme, wo die Sonne steht, welchen Bildausschnitt ich wähle und …
Olaf S:
Schön und gut. Aber als der ganze Himmel über Skellefteå rosa war, da hatte ich halt keinen Rucksack voller Equipment bei mir. Und das Handyfoto zeigt auch schön die Stimmung.
Olaf I:
Vielleicht kommen wir zu …
Olaf P:
Spätestens bei Landschaftsaufnahmen möchte ich die Systemkamera nicht missen, selbst wenn die Fotos bis jetzt nur auf dem Blog gezeigt werden.
Olaf S:
… und denen ein wenig Spontanität mal ganz gut tun würde. Einfach mal aus der Hüfte schießen, mit geschlossenen Augen, mit schiefer Kamera!
Olaf P:
Damit ich zu Hause den ganzen Schrott wieder löschen darf. Ich danke!
Olaf S:
Gelöscht wird doch so oder so jede Menge. Wie viele Male drückst Du auf den Auslöser, wie viele Fotos behältst Du und wie viele sind wirklich gut?
Olaf P:
Es stimmt schon. Auf jedes halbwegs gute Foto kommen zwanzig akzeptable, auf jedes akzeptable kommen fünf schlechte, die sofort gelöscht werden. Von daher ist Fotografie eigentlich ein Wohnzimmerjob.
Olaf I:
Wenn ich vielleicht …
Olaf S:
… moment bitte. Wohnzimmer schön und gut. Aber die Fotos selbst entstehen draußen. Und mich trifft halb der Schlag, wenn Du mit der teuren Kamera ohne Schutz mit Wathose bekleidet im hüfttiefen Wasser auf irgendwelchen glatten Steinen herumbalancierst. Wie wäre es vielleicht mal mit ner kleinen, wasserdichten?
Olaf P:
Die kostet aber Geld. Und lichtstark ist die auch nicht. Und RAW kann die auch nicht.
Olaf S:
Du bist und bleibst ein Perfektionist.
Olaf P:
Und Du ein spontaner Chaot.
Olaf S:
Den Du aber kaum zu Worte kommen lässt. Lieber schleppst Du Dich mit der Ausrüstung ab. Meine Güte, wer bitte schön nimmt fünf Kilo Kamerazeugs mit auf eine Zelttour ins norwegische Fjäll!?
Olaf P:
Ich. Und mit manchen Fotos bin ich ziemlich zufrieden. Und die Rentiere wären auf der Handyknipse nur kleine Pünktchen gewesen
Olaf S:
Stimmt schon, aber …
Olaf I:
Danke, jetzt möchte ich aber mal wieder etwas sagen. Was, denkt Ihr, ist noch wichtig beim Fotografieren
Olaf S:
Die Story. Was will ich zeigen, was möchte ich erzählen. Gerade in Verbindung mit einem Blogartikel ist es nicht die dreihundertste Landschaftsaufnahme, sondern vielleicht mal der Blick durch das dreckige Busfenster, was interessant ist.
Olaf P:
Die Perspektive. Vor allem die Froschperspektive verleiht den Fotos oft etwas besonderes und gleichzeitig kann ein Stein dazu dienen, etwas zu verdecken, was man nicht im Bild haben möchte.
Olaf S:
Wenn man wie Olaf P fotografiert, Klamotten, die nass und dreckig werden dürfen. Und eine wasserdichte Hülle, in der man die Kamera transportieren kann.
Olaf P:
Ich habe eine von Ortlieb, die allerdings nur zum Transport gedacht ist
Olaf S:
… und ich warte auf meine wasserdichte Hülle, mit der man auch unter Wasser fotografieren kann, denn das letzte iPhone ist mitsamt Hülle bei der letzten Kajaktour leider verschütt gegangen.
Olaf I:
Ich höre, es gibt viel zu erzählen und manches zu disputieren. Ich denke, wir setzen dieses Gespräch ein andermal fort. Vielen Dank.
Olaf P:
Es war mir ein Vergnügen.
Olaf S:
Gerne. Bis zum nächsten Mal.

Wer schön länger das Blog verfolgt, weiß, dass die meisten Bilder hier von Olaf P stammen. Aber Olaf S sollte in Zukunft hier mit seinen Ideen vermehrt zu Wort kommen und so einen hoffentlich spannenden Kontrast zu den Landschaftsaufnahmen von Olaf P bilden.

Was denkt Ihr? Was ist Euch wichtig, wenn Ihr ein Foto seht? Was ist Euch wichtig, wenn Ihr ein Foto macht? Bei welchen Aussagen findet Ihr Euch wieder? Wo nicht? Ich freue mich auf Eure Kommentare.

Schwarzweiß I

Warum nicht mal Schwarzweiß dachte ich gestern, als als grauem Himmel weißer Schnee auf graues Wasser fiel und grau-schwarze Steine bedeckte. Seit gestern schneit es ununterbrochen und nach und nach wurde aus einer sonnigen Pfützenlandschaft wieder eine weiße Winterlandschaft. Verschwunden ist mein Vorgartenrasen, der Kies auf der Auffahrt, die Holzterrasse und auf der Straße liegen zehn Zentimeter nasser Neuschnee. Es schneit immer noch, wird aber gleichzeitig heller und eigentlich sollte der Schneefall in den nächsten Stunden aufhören.

Lerneffekte

Heute Morgen habe ich gelernt, dass Eisblumen auch auf meiner Holztreppe gedeihen, wenn es feuchtkalt ist. Ob da die Schweden ihre schönen Tapetenmuster herhaben? Leider hatte ich nur zwei Minuten für ein paar Schnappschüsse ohne Stativ, denn ich wollte meinen Bus nicht verpassen.

Heute Abend habe ich gelernt, dass es nichts heißt, wenn der Schnee vom Sonntag wieder weggetaut ist. Um sieben begann es in dicken Flocken zu schneien und jetzt ist schon wieder alles weiß. Innerhalb von drei Stunden sind so etwa fünf Zentimeter Schnee gefallen und die Terrasse, die Straße, die Autos, die Dächer sind wieder schneebedeckt. Nachtrag: Der nächste Morgen – ca. 15 cm Schnee sind gefallen und es schneit weiterhin. Das zweite Schwarzweißfoto zeigt die Treppe zum Haus. Die gleiche Stelle übrigens, an der ich am Vortag die Holzeisblumen fotografiert habe.

Aber ich habe auch gelernt, dass die Fotos, die in Farbe die ganze Szenerie im orangen Licht der Neonlampen zeigen in schwarzweiß viel schöner aussehen.

Was sagt denn das Wetter bei Euch? Noch Winter, schon Frühling oder auch mittendrin?

Zwei Jahre Schweden – Jahr I

Heute vor zwei Jahren bin ich von Deutschland nach Schweden aufgebrochen. Ich sitze seit Stunden am Computer, höre unalte¹ Keith-Jarrett-Aufnahmen, und schaue tausende Fotos durch, die ich im ersten Jahr hier gemacht habe. Sechzehn Fotos, die ich noch nicht im Blog veröffentlicht habe, zeige ich hier. In Schwarzweiß, denn das gehört ja zu Rückblenden irgendwie dazu.

___

¹ das sollte eigentlich uralte heißen, aber das Wort unalt gefällt mir so gut, dass es hier stehen bleibt.

Zwei Jahre Schweden – Jahr II

Heute lebe ich seit zwei Jahren in Schweden. Morgen beginnt mein drittes Jahr und da freue ich mich drauf!

Gestern habe ich sechzehn Schwarzweißfotos vom ersten Jahr online gestellt – von jedem Monat mindestens eins. Heute wollte ich das gleiche mit dem zweiten Jahr machen, aber ach, die meisten schönen Fotos hatte ich schon vorher hier im Blog veröffentlicht. Also gibt es heute nur zwölf Fotos und nicht von jedem Monat eins.


Na gut, ein Foto habe ich noch. Die Nummer dreizehn passt ganz gut, denn als ich vorletzte Woche bei starkem Tauwetter Fotos gemacht habe, da war der Schlamm an der einen Stelle neben den wegtauenden Schneehaufen doch wesentlich tiefer als erwartet und ich durfte den Rest des Spaziergangs mit nassen Füßen machen. Und das ganze für ein Fotomotiv, welches dann doch nichts taugte. Wie gut, dass ich nicht nur eine Waschmaschine, sondern auch Stiefeltrockner habe.

Heute an der Küste

Nach stundenlangem Pladderregen klarte es heute nachmittag ein wenig auf. Zeit, an der Küste mal ein bisschen mit Filtern herumzuspielen. Ein erster Test:

Baustellenbegehung

Es wird herbstlich. Die letzten Tage war ich viel mit dem Auto unterwegs und konnte sehen, wie die Birken und Espen gelbe Blätter bekommen und von der Sonne in goldenes Licht getaucht wurden.

Heute nachmittag war aber nix mit Sonne, stattdessen hüllte Sprühregen die Landschaft in die dunkle Seite des Herbstdaseins, während Windböen die ersten Blätter von den Bäumen fegten.

Ich habe die Gelegenheit genutzt, auf der 372 – der Verbindungsstraße Skellefteå—Skelleftehamn einmal anzuhalten. Dort ist nämlich eine große Baustelle, denn die eine Kreuzung soll aufgrund des Verkehrsaufkommens in einen Kreisel mit Fahrradunterführung verwandelt werden. Weitere Kreisel sollen folgen.

Ich muss ja ein bisschen lächeln, denn ich finde das Fahren auf der Straße ziemlich entspannt, da dort eigentlich nie viel los ist. Zumindest mit deutschem Maß gemessen. Es kann einem höchstens mal passieren, dass man hinter einem langsamen Auto hinterher tuckert, aber da hilft ein Kreisel ja auch nicht weiter.

Ich finde, Baustellen haben ihren Reiz beim Fotografieren. Das, was zuerst wie eine riesige Fläche aus nassem Lehm und Dreck aussieht …

… entpuppt sich bald als spannender Platz für eine eher abstrakte Motivsuche, …

… vor allem, wenn man Schwarzweißbilder macht.

Natur und Kunst

Seit gestern haben wir kaltes, aber herrlich sonniges Herbstwetter. Gestern morgen waren es -4.2 °C und heute sind das erste Mal die gefrorenen Pfützen den ganzen Tag nicht aufgetaut, denn hier bei mir hat es das Thermometer gerade mal kurz auf +2.6 °C gebracht, um schon am Nachmittag wieder in den Frostbereich abzusinken. Kaum vorstellbar, dass es in Deutschland heute zwanzig Grad wärmer ist.

Nach einem kurzen Frühstück habe ich meine Kamera geschnappt und bin eine Runde gelaufen. Die Sonne beschien den Raureif, die gefrorenen Pfützen und die letzten bunten Blätter des Herbstes. Auch am Rand des Sees bildeten sich schon die ersten Eisnadeln.

Einige der Bilder, die ich gemacht habe, sind mehr abstrakte Strukturen als Landschaftsfotografien, vor allem das Eis auf den ausgetrockneten Pfützen bildet wunderbare Formen und Strukturen. Ich habe mir bei den nächsten Bildern die Freiheit genommen, die Fotos bewusst zu verfremden und nicht die Wirklichkeit abzulichten.

Während man bei dem zweiten Foto noch klar Holz und Stein erkennen kann, sind die nächsten beiden Fotos schon abstrakt. Eines der beiden ist aber aus einem der oberen Eisfotos entstanden.

Novemberwetter

Novemberwetter, das können wir hier auch. Im Gegensatz zu vor zwei Jahren, wo der Schnee Anfang November kam und ein halbes Jahr liegen blieb, zeigt sich der diesjährige November von seiner nass-kalten und grauen Seite. Während heute Dauerregen das Eis wegschmolz und die Wege auftaute und matschig werden ließ, war es gestern zumindest noch so kalt, dass man über den gefrorenen Boden durch den Wald laufen konnte. Manche Senken sind noch mit Eis bedeckt, unter dem Eis hängen lauter gefrorene Wassertropfen. Überraschenderweise sind trotz des nicht sonderlich kalten Wetters einige flache Bereiche einer geschützten Ostseebucht schon zugefroren und sogar an einem steileren Ufer vor Storgrundet zeigt sich das erste dünne Eis.

Eigentlich wollte ich heute ja Kajak fahren, aber der smhi, der schwedische Wetterdienst, hat vor Wind auf der Ostsee gewarnt. Warnstufe 1. Das bedeutet Windgeschwindigkeiten von 50 km/h und mehr. Da bleibt das Kajak in der Garage und ich lasse mich lieber auf dem Festland nass regnen.

Und weil es gestern so grau war, noch zwei Schwarzweißbilder von gestern. So groß ist der Unterschied nicht.

Schnee scheint weiterhin nicht in Sicht zu sein. Es bleibt vermutlich weiterhin trüb-grau-nass-feucht-kaltes Gummistiefelwetter. Ich glaube, ich werde noch ein Fan der Schwarzweißfotografie.

Plötzlich Polarlicht

Welch schöne Überraschung: Für heute Abend waren dicke Wolken vorhergesagt, doch viertel vor Acht schaut der Mond durchs Fenster. Ein Blick aus der Haustür, die nach Nordnordwest zeigt: Polarlicht! Ein heller grüner Bogen am nördlichen Horizont und einige Girlanden.

Packen in Rekordzeit: Kamera, Stativ, Stiefel, warme Jacke, Handschuhe, Mütze, Stirnlampe. Auto frei kratzen und auf nach Näsgrundet, wo weniger Licht und mehr Sicht ist.

Die Kamera auf’s Stativ · Weitwinkelobjektiv manuell auf unendlich stellen · ISO 800, 20″ … 30″, ƒ4.0 … ƒ5.6 · Bei einigen Fotos den Vordergrund mit Taschenlampe und Rotfilter etwas aufhellen.

Bald bewölkt sich der Himmel, das Polarlicht gibt noch einmal alles und scheint durch die Wolkendecke durch. Aber bald sind die Wolken zu dicht, die Aurora zu schwach.

Zu Hause die Fotos in Lightroom importieren und aus dem grellen Giftgrün wieder natürlichere Farben machen. Fluchen, dass die D300s bei ISO 800 schon so rauscht. Sich über den Rauschfilter freuen. Doch eine Vollformatkamera kaufen?

Es hat schon einige Male diesen Herbst Polarlicht gegeben, aber heute war die erste Gelegenheit zum Fotografieren da.

Winteranfang

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

Heute ist für die Meteorologen Winteranfang. Und das schwedische Wetter hält sich daran. So kalt wie in Vittangi im Norden, wo in der letzten Nacht -33,5 °C gemessen wurde, ist es hier mit fünf Grad unter null zwar nicht, aber der kräftige Wind, der schon die ganze Nacht am Haus gerüttelt hat, lässt einen draußen die Kälte deutlich spüren. Dieser Wind bringt Wolken mit sich und die haben Schnee im Gepäck. Erst fegte der Neuschnee nur die Straßen und Wege entlang, jetzt – um ein Uhr mittags – bleibt er auch überall liegen. Es ist schon ganz schön dämmrig, mit Schnee, Wolken und der Sonne gerade noch 1.5 °C überm Horizont. Daher mache ich die nächsten Fotos erst morgen.

Ein paar Fotos vom Vormittag:

Bei den Wetterwarnungen des smhi liest sich das so:

Warnstufe 1 Schneefall […] An der Küste Schneeschauer die kräftig sein können. Es kommen 10-20 cm Neuschnee und es besteht Gefahr von Schneewehen […] · Warnstufe 1 mäßige Eisbildung (auf der Ostsee) · Warnstufe 1 Starker Wind. Ost oder Nordost ca. 15 m/s[…]

Der Winter ist da

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

„Daher mache ich die nächsten Fotos erst morgen.“ habe ich heute Mittag geschrieben. Ha ha ha! Am Nachmittag ging es erst richtig los: Der Wind hat zwar etwas nachgelassen, dafür ist die Temperatur auf -9 °C gefallen. Und seitdem schneit es. Teilweise so stark, dass man nicht einmal die halbe Straße entlang schauen kann. Dazu kommt das starke Schneetreiben. Und alles ist weiß. Nein, eigentlich orange, von den Neonlampen beschienen, die hier alle Straßen beleuchten. Heute Abend um neun lagen so um die 20 cm Schnee und es schneit noch weiter. Und wenn es so weiter schneit, dann haben wir morgen … aber erst mal abwarten, wie sich das Wetter entwickelt.

Wie schon heute Mittag wieder vier Schwarzweißbilder: Drei vom Schnee, eins von mir.

Meine Kameras fanden die Idee, bei diesem Wetter zu fotografieren, eher dämlich: Bei der Nikon D300s funktionierten zum Schluss das hintere Modusrad und die Cursortasten nicht mehr. Das iPhone, mit dem ich das letzte Bild gemacht habe, hat sich nach ein paar Dutzend Fotos einfach ausgeschaltet. Kein Bock mehr. Aber meine Fingerspitzen waren gar nicht böse. Jetzt ist allen wieder warm. Den Kameras und auch meinen Fingern.


Und vor einer Woche hat es noch bei 4 °C geregnet …

Eisblumen

Ein Wintergarten im Winter ist eine schöne Möglichkeit, kurz vor dem ins Bett gehen noch einmal ein paar Eisfotos zu machen, ohne sich komplett in seine warmen Klamotten zu werfen. Praktisch!

Langer Donnerstag

Was war ich aufgeregt: Meine erste Bilbesiktning – das schwedische Pendant zum TÜV. Um 8:20 hatte ich den Termin und war natürlich viel zu früh da. Als ich dran war, hat mir eine junge Frau das Auto weggenommen und Licht, CO₂-Ausstoß, Bremsen, Unterboden und was weiß ich noch alles überprüft. Nach Ihrer abschließenden Probefahrt habe ich dann ein „Godkänt“ bekommen, also ein „Anerkannt“ – wie schön!

Dann bin ich zur Arbeit gefahren. Als ich über die Brücke gefahren bin, habe ich gesehen, dass ein großer Teil des Flusses Skellefteälven schon zugefroren ist. Also musste ich, statt sofort loszuarbeiten noch einmal zum Fluss laufen und ein paar Bilder machen. Wenn man sich die Fotos ansieht, kann man kaum glauben, dass ich mitten in Skellefteå stehe, welches ja immerhin 33000 Einwohner hat.

Nach der Arbeit hatte ich noch ein bisschen Zeit zum nächsten Termin. Also bin ich in die Bonnstan gefahren und habe dort ein paar Fotos gemacht. Leider war der Himmel bewölkt und ist deswegen auf den Fotos viel zu hell. Ich muss dort noch einmal hinfahren, wenn der Himmel klar und Neuschnee gefallen ist. Ich habe mich dann in den Schnee gesetzt, auf den Fluss hinuntergeschaut und ein kleines Abendbrot gegessen.

Dann ging es aber weiter zur Probe, denn nächste Woche bin ich auf der Bühne. Nicht als Schauspieler – das kann ich gar nicht! – sondern als Pianist. Ich bin gefragt worden, ob ich bei dem Stück „Julstämningen“ – Weihnachtsstimmung mitwirken möchte. Es ist eigentlich ein Einpersonenstück in vier Teilen, aber mit auf der Bühne steht ein Chor, der auch szenisch eingesetzt wird und ich spiele Klavier.

Das macht Spaß, auch wenn mir momentan alles ein bisschen viel ist. Denn am Dienstag Abend hatten wir unser wöchentliches Treffen mit Dark & Cold, mit dem wir unter anderem die nächste Winterschwimmmeisterschaft im Februar 2013 organisieren. Da ist viel zu tun und am Wochenende muss ich die Visitenkarten für uns machen. Gestern war der „Creative Summit Winter“ – eine halbtägige Konferenz unter dem Motto „Drive, Talent & Innovation“ mit anschließendem Dinner und Beisammensein. Sehr nett, aber ich habe das Lauterwerden der Musik zum Anlass genommen, früh zu gehen. Denn Schnee schaufeln musste ich ja auch noch fast jeden Morgen und Abend, auch wenn keine Massen mehr herunterkommen. Aber über Schnee, Kälte und all so was schreibe ich das nächste Mal wieder.

Einen Nachteil hatte mein langer Donnerstag heute: Ich konnte nicht das Nikolauspaket abholen, welches seit heute beim ICA auf mich wartet.

Ein Wintermorgen

Gestern war es klar – und damit recht kalt. So um -17 °C. Dann kamen abends die Wolken und es wurde wärmer. Heute morgen schaue ich aus dem Fenster, schaue zwei Mal. Viel ist nicht zu sehen, denn der Wind, den ich nachts schon gehört habe, treibt Schnee vorbei. Und der smhi hat ganz plötzlich Warnstufe 1 wegen 10 cm Neuschnee mit Verwehungen ausgerufen, die im Laufe des Tages kommen sollen. Wenn ich mir die Straße so anschaue, würde ich sagen, dass das Meiste davon schon angekommen ist.

Vorgestern hat hier ein Räumfahrzeug die Schneeberge am Straßenrand und auf den Fußwegen weggenommen und plötzlich ist die Straße doppelt so breit. Dabei hat das Räumfahrzeug den Schnee wohl weggefräst, denn die Kante am Rand sieht aus wie mit dem Stahllineal gezogen. Nun weht die Straße langsam wieder zu und vor allem am Rand sammelt sich der Pulverschnee.

Mein Auto hat wie die meisten Fahrzeuge einen Motorwärmer und ich schließe es nachts an die Steckdose an, damit der Motor morgens warm ist. (Das Auto springt aber auch bei -26 °C noch ohne Motorwärmer an, selbst getestet.) Jetzt hat man die Wahl: Im Fußraum ist ein kleiner Heizlüfter. Schließt man den an, so hat man es morgens schön warm im Auto und die Scheiben beschlagen nicht. Allerdings ist dann auch das Auto warm genug, dass außen der Schnee schmilzt, dann festfriert und man ganz ordentlich Eis kratzen muss. Lässt man ihn aus, so sitzt man in einer Wolke von gefrierender Atemluft. Ich halte es da mehr mit dem Kratzen.

Und Schnee geschaufelt, damit ich losfahren kann und freigekratzt habe ich schon. Als ich allerdings die Windschutzscheibe freigelegt habe, war die Heckscheibe schon wieder komplett zugeschneit. Also muss ich direkt vor dem Losfahren noch mal Schnee von den Scheiben fegen und dann aber los …!


Facebookkommentare heute mogen:

„Skitväder, igen.“ (Sch***wetter, wieder.)

„Trotsar snökaoset :)“ (Trotze dem Schneechaos).