Herbstsommer
Wenn im März die Tage wieder länger werden, Temperaturen nicht mehr ganz so frostig sind und dann am Besten noch klarer blauer Himmel die verschneite Landschaft überspannt, dann nennen die Schweden das „Vårvinter“, übersetzt Frühlingswinter.
Wenn wie heute die Sonne scheint, es aber nicht mehr richtig knallwarm wird, die ersten Blätter sich ins Gelbliche oder Rötliche verfärben und der ganze Wald nach Pilzen duftet, dann nenne ich das „Höstsommar“, übersetzt Herbstsommer. Der Begriff ist aber nicht gebräuchlich. Schade eigentlich.
Heute bin ich endlich mal wieder mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Über den steifen Gegenwind heute Morgen und mein angestrengtes Gestrampel schweige ich mal lieber.
Aber tatsächlich hat der Wind mal nicht gedreht, ist nur etwas abgeflaut und es war nach der Arbeit so warm und so schön, dass ich beschlossen habe, einen Umweg zu nehmen. Statt direkt ostwärts nach Hause zu radeln bin ich über verschlungene Wege in Richtung Norden gefahren und wollte eigentlich einen Weg durch den Wald nehmen, den ich letztes Jahr schon einmal gefahren bin. Dann habe ich aber gesehen, dass man noch weiter im Norden rechts nach Boviken abbiegen kann und damit ein Stück an der Küste radeln kann. Die Fahrt war herrlich entspannt, auch wenn manche Wege für mich und mein Fahrrad unpassierbar waren. Und wenn sich irgendein abwärts führender Geröllweg mit dicken Steinen die Strecke mit einem Bach teilt, dann schiebe ich auch gerne einmal ein wenig. Ich bin dann beim Fahrrad fahren ein bisschen vom Hölzchen aufs Stöckchen gekommen und habe immer neue Wege gefunden, bis irgendwann mal mein Magen signalisiert hat, dass er jetzt gerne Futter hätte und zwar ein bisschen dalli. Als ich gesehen habe, dass ich meinem Zuhause eigentlich noch keinen Meter näher gekommen bin, habe ich dann den einen schönen Weg einen schönen Weg sein lassen und bin bekannte Wege zurück geradelt.
Für solche Touren hätte ich gerne ein Mountainbike. Mit doppelt so breiten Reifen, mit drei Mal so vielen Gängen und ganz viel Federung, denn manche Wege sind so holperolperolperolperich, dass man fast nicht mehr sieht vor lauter Durchschüttelei.
Und zum Schluss habe ich im Wald sogar das erste Mal das Licht angemacht, denn auch kurz vor acht war es schon ein bisschen dämmerig. Es ist eben schon Höstsommar.
Diese Fotos habe ich alle mit dem iPhone 4 gemacht. Meine perfektionistische Seite sagt: „Um Gottes Willen! Die Rauschen, der Himmel ist ausgefressen, die Bäume fast schwarz und scharf sind sie Fotos zum Teil auch nicht.“ Meine pragmatische Seite sagt: „Meine Nikon hatte ich nicht dabei, das Handy schon. Und im großen und ganzen und ein wenig Hilfe von Lightroom und Photoshop sind die Fotos für das Blog doch allemal gut genug.“ Meine perfektionistische Seite grummelt noch ein wenig vor sich hin, aber die pragmatische Seite hat schon längst gewonnen.


































