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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Wintersonnenwende

Sonnenaufgang heute: 09:41, Sonnenuntergang: 13:25. Heute ist Wintersonnenwende und damit der kürzeste Tag des Jahres. Ab morgen werden die Tage wieder länger!

Die letzte Zeit wirkte es besonders dunkel, weil wir seit über einer Woche eine geschlossene Wolkendecke hatten, aus der es dann auch noch munter herausregnete. Vorgestern und gestern sind aber die Temperaturen wieder ganz leicht unter Null gesunken und ein paar Zentimeter neuer Schnee lassen alles ein bisschen heller und freundlicher wirken. Und eben habe ich tatsächlich einen Stern gesehen, also gibt es heute Chancen, mal ein bisschen blauen Himmel und vielleicht sogar die Sonne zu sehen.

Aber momentan habe ich ohnehin das erste Mal seit meiner Ankunft in Schweden ein Projekt, was mich derart in Beschlag nimmt, auch die Abende und das letzte Wochenende, dass ich ehrlich gesagt vom Wetter so viel gar nicht mitbekomme. Und die meiste Zeit ist es ja dunkel.

Jetzt fahre ich ins Büro: Zwei Tage Endspurt bis zum viel zu kurzen Weihnachtswochenende. (Leider bin ich immer genau in den Jahren angestellt, in denen die Feiertage auf das Wochenende fallen.)

Herbstliches Polarlicht

Die letzten Tage war die Polarlichtvorhersage auf Stufe 4 „Active“ – nicht so schlecht.

Als ich gestern mit dem Auto zum Hotel Scandic Skellefteå gefahren bin, um dort auf dem Chemical Management Summit meinen ersten hiesigen Klavier-Solo-Job zu spielen, hatte ich Stativ und warme Jacke für den Rückweg schon im Kofferraum. Aber ich war schon kurz nach sieben fertig und da war es für Polarlicht noch zu hell.

Als ich um eins (halbgeplant) aufgewacht bin und aus der Tür geschaut habe, war tatsächlich schwaches Polarlicht über den halben Himmel bis zum Zenith zu sehen. Ich bin dann mit dem Auto zu Storgrundet gefahren, dem Strand, an dem ich vor einigen Tagen noch eine kleine Kajakrunde gestartet habe. Dort sind die folgenden Fotos entstanden:

Was war ich froh, eine warme Jacke dabei gehabt zu haben. Es war zwar nicht sonderlich kalt, aber sehr windig und ich sehr, sehr müde. Das Polarlicht ist noch recht fahl gewesen, aber ich freue mich über jede klare Nacht, an der man das Polarlicht hier sehen kann. Auch wenn der dringend benötigte Schönheitsschlaf darunter leiden sollte.

So, jetzt den Artikel schnell online stellen und weiterarbeiten, denn ich sitze gerade im Büro …

Tag- und Nachtgleiche

Heute war Tag- und Nachtgleiche. Theoretisch gesehen sollte es also heute an jedem Punkt der Erde zwölf Stunden Tag und zwölf Stunden Nacht geben.

Weil aber weder Sonne, noch Erde sich an so einfache Regeln halten, war heute in Skelleftehamn die Sonne schon zwölf Stunden und zwanzig Minuten über dem Horizont. Und sie hatte genug Kraft, um in der Stadt die Luft auf acht, neun Grad aufzuheizen und weißen Schnee in braune Pfützen zu verwandeln. Aber das ist ja für einen guten Zweck: Den Frühling, der heute astronomisch gesehen mit der Tag- und Nachtgleiche begonnen hat.

Ätschmodus an:
So – jetzt haben wir ein halbes Jahr lang mehr Licht als Ihr, Ihr Deutschen.
Ätschmodus wieder aus.

Polarlicht – na endlich :)

Die letzte Nacht -8 °C, tagsüber +2 °C, jetzt in der Nacht +1 °C, aber windig

Viereinhalb Monate habe ich warten müssen, seitdem ich das letzte Polarlicht in Skelleftehamn gesehen habe. Ich habe immer wieder die Polarlichtvorhersage der Universität Fairbanks in Alaska aufgerufen. Meistens war die Aktivität „Quiet“ (Stufe 1) oder „Low“ (Stufe 2). Und wenn dann mal „Moderate“ (Stufe 3) angesagt war, hatten wir Wolken über Skelleftehamn. Freunde in Norwegen und anderswo in Schweden haben diesen Winter schon einige Polarlichter gesehen und immer wieder schöne Aufnahmen bei Facebook gezeigt und wir hier – hatten viele Wolken über Skelleftehamn.

Heute wurde aus der Stufe 3 in der Kurzvorhersage plötzlich Stufe 5 – „High“ und tatsächlich haben sich heute Abend am klaren Himmel Polarlichter gezeigt. Und sind wieder verschwunden. Um halb elf habe ich noch mal herausgeschaut und: Der ganze Himmel war grün illuminiert. Schnell habe ich Kamera und Stativ eingepackt. Jacke und Skihose angezogen und bin zum nah gelegenen See gefahren. Und da saß ich dann die nächsten zwei Stunden und habe – immer wieder mit Phasen schwacher Aktivität – wunderschöne Polarlichter gesehen. Und ich habe diesen Winter schon fast nicht mehr daran geglaubt.

Genug der Worte. Fotos! Nicht groß optimiert, denn es ist mitten in der Nacht und ich will ins Bett. Aber erst, nachdem ich diesen Artikel online gestellt habe.

Für die, die noch keine Polarlichter gesehen haben: In Natura sind die Farben blasser und wirken transparenter. Außerdem bewegen sich die Lichter. Manchmal sogar überraschend dynamisch.

Eine Stunde mehr

Keine drei Wochen nach der Wintersonnenwende ist es heute am 11. Januar schon eine Stunde länger hell. Die Sonne ist zwar auch nur 4 Stunden, 47 Minuten über dem Horizont, aber das macht schon einen spürbaren Unterschied aus, da es nach dem Mittagessen nicht mehr sofort dunkel wird. Und so ändern sich die Tageslängen in den nächsten Wochen:

21. Dezember 2010 3 Stunden, 47 Minuten
30. Dezember 2010 ca. 4 Stunden
11. Januar 2010 4 Stunden, 47 Minuten
13. Januar 2011 ca. 5 Stunden
23. Januar 2011 ca. 6 Stunden
2. Februar 2011 ca. 7 Stunden
11. Februar 2011 ca. 8 Stunden
19. Februar 2011 ca. 9 Stunden

Ich bin selber erstaunt, wie schnell die Tage jetzt länger werden. Ungefähr alle neun Tage ist es eine Stunde länger hell und heute in einem Monat ist die Sonne schon wieder acht Stunden über dem Horizont.

Dann kann ich auch mal wieder richtige Tagestouren machen – wenn ich denn früh genug aus dem Bett komme.

Einen graphischen Vergleich der Tageslängen zwischen München und Skelleftehamn habe ich übrigens vor einem halben Jahr in dem Artikel Hell und Dunkel gezogen.

Der „erste“ Wintertag

Heute war Wintersonnenwende, und damit der kürzeste Tag des Jahres. Für die Astronomen ist heute Winteranfang. Die Sonne ging um 9:42 auf, stand mittags gerade mal 2.1° über dem Horizont, um dann nach 3¾ Stunden Sonne um 13:27 wieder unterzugehen. Zum Glück ist die Dämmerung bei der flachen Sonnenbahn recht lang und verlängert die hellen Stunden, aber ich freue mich – so sehr ich Schnee und Kälte mag – dass die Tage wieder länger werden. Licht ist einfach etwas Tolles!

Vor einem halben Jahr hat mir Sonya die Idee gegeben, am längsten Tag mitten in der Nacht, wenn die Sonne am tiefsten steht, ein Foto zu machen. Da ich heute an meinem letzten Arbeitstag in diesem Jahr ohnehin nicht arg produktiv war, bin ich kurz vor dem Sonnenhöchststand um 11:35 zum Fluss gelaufen, um jetzt ein Foto am kürzesten Tag zu machen, wenn die Sonne am höchsten steht. Wenn man denn die Sonne sieht …

… aber ich hatte Glück: Nach dem tagelangen Schneefall ist heute die Sonne wieder herausgekommen und hat die Teile der Stadt, die sie erreichen konnte, in warmes Licht getaucht. Das meiste allerdings liegt im Schatten. Passend zu dem klaren Himmel ist die Temperatur in der Stadt von anfangs -17 °C auf -19.5 °C gesunken und jetzt zeigt das Alkoholthermometer -23 °C.

Wenn man einfach nur draußen ist, fühlen sich die Temperaturen gar nicht so kalt an, aber beim Schnee schippen habe ich schon durch die Nase geatmet, weil sich sonst die eiskalte Luft ziemlich unangenehm anfühlt. Ich frage mich, ob der Mann, der auf Dach des Nachbarhauses der Agentur Schnee geräumt hat, das auch so kalt fand, aber er macht das bestimmt öfter und kommt dabei nicht so ins Schwitzen wie ich.

Der Schnee auf meinem Grundstück ist übrigens schon gut 10 cm in sich zusammengesunken, der Meter ist also wieder unterschritten. Die nächsten Tage ist es wohl wieder sonniger und das sieht bestimmt toll aus nach dem vielen Neuschnee. Da morgen mein erster Urlaubstag ist, werde ich mir das mal genauer anschauen. Sonya, die gerade bei mir zu Gast ist, muss leider morgen noch einen Tag arbeiten.

Der letzte „Herbsttag“

Geht es nach den Astronomen, dann ist heute am 21. Dezember der letzte Herbsttag, denn in der kommenden Nacht um 0:58 ist Wintersonnenwende und damit morgen astronomischer Winteranfang. Ich finde das ein bisschen lustig, denn der erste Schnee ist hier vor knapp zehn Wochen gefallen und die letzten 40 Tage hatten wir pausenlos Dauerfrost und Temperaturen bis -20 °C.

Während in Südschweden über 150 Jahre alte Tiefsttemperaturrekorde gebrochen wurden, ist es hier eher der Schnee, der dieses Jahr früh und viel kam.

Wir haben jetzt wieder eine ähnliche Situation wie vor vier Wochen. Vor fünf Tagen hat es angefangen zu schneien und seitdem sind fast pausenlos Flocken vom Himmel gefallen. Mal mehr, mal weniger; mal mit viel Wind, mal mit weniger. Ich habe ein hochwissenschaftliches Schneehöhenmessystem auf dem Grundstück installiert (Drei Zollstöcke stecken an unterschiedlichen Stellen im Schnee) und heute Abend lag die gemittelte Schneehöhe bei 107 cm (97 cm, 108cm, 116cm). Die 90 cm lange Metallstange, die ich vor dem Zollstockkauf zum Messen benutzt habe, habe ich heute morgen nicht mehr gefunden. Sie steckt noch irgendwo im Vorgarten.

Der Nachbar, der vorhin vorbei kam, kann sich nicht entsinnen, hier jemals soviel Schnee gesehen zu haben. Jetzt schneit es zwar mit mehr Pausen noch weiter, aber heute Abend hat der schwedische Wetterdienst zum ersten Mal seit sechs Tagen keine Wetterwarnung mehr für die Region herausgegeben. Aber wer weiß, was diesen Winter noch alles herunterkommt. Und ich frage mich langsam, wo der ganze Schnee bleiben soll.

Ich als extremer Schneefan versuche aber, meine Begeisterung nicht allzu offensichtlich zur Schau zu stellen¹, denn die meisten Schweden denken bei Schnee hauptsächlich an die zusätzliche Arbeit wie Schneeräumen oder die Probleme im Zug- und Flugverkehr. Ich hingegen sehe hauptsächlich tolle Motive (leider meist im Dunkeln) und viel Schnee für die nächste Ski- oder Schneeschuhtour. Und weiteren Schnee für Tiefsnow stapfing und Power snowangeling.

____
¹ Danke an Sonya für die schöne Formulierung.

Licht

11:00: -15.8 °C · 14:45: -14.6 °C · 15:20: 9.9 °C (!) · 19:10: -7.8 °C

Kurz nachdem ich heute die Fotos aus den Fenstern gemacht habe, beschien auch die Sonne die Straße. Über der Sonne war eine wunderbare (und fast unfotografierbare) Lichtsäule zu sehen und in dem feinen Eisstaub, der in der Luft langsam vorbei trieb, bildeten sich regenbogenfarbene Lichtbrechungen.

Meine berufliche Konzentration inzwischen: -0. Außerdem zog mich das Licht fast magisch an, denn den größten Teil der vierundzwanzig Stunden ist es ja dunkel. Also habe ich kurz geklärt, ob ich die Arbeit verschieben kann – kein Problem – und war zwei Stunden draußen.
Die Sonne stand heute um 11:30 im Süden und hatte dann eine Höhe von gerade Mal 2.3°, das sind etwa vier, fünf Sonnendurchmesser. Die ganze Zeit ist der Himmel klarblau, aber die Farben der Sonne auf dem Schnee gehen von gelb schnell wieder in Orange- und Rosatöne über.

Wenn man den Wettervorhersagen Glauben Schenken darf, dann war es das erst mal mit blauem Himmel. Ab morgen soll es bei Temperaturen um -5 °C schneien. Und ziemlich windig sein. Und weiter schneien. Tagelang. Und Tag für Tag wieder kälter werden. Alleine für morgen werden bis zu 20 cm Neuschnee erwartet. (Warnstufe 1). Mal schauen, ob‘s stimmt …

Übrigens: Wer ort- und zeitbezogene Sonnendaten braucht, kann unter Mac OS X dafür The Photographer’s Ephemeris benutzen. Ein sehr feines Tool! Danke an René für den Tipp.

Zeitumstellung

In Schweden hört am letzten Oktoberwochenende – genau wie in Deutschland – die Sommerzeit auf und die Uhren werden auf Normalzeit zurückgestellt. Heute hatten wir also dieses zweifelhafte Vergnügung der Zeitumstellung und jetzt ist es um vier Uhr nachmittags dunkel und jetzt – um fünf – stockfinster. Nun hoffe ich auf Schnee, denn der reflektiert doch so viel Stadtlicht, dass die Dunkelheit nicht mehr so absolut ist.

Heute war ich das erste Mal wieder mit dem Fahrrad unterwegs, denn alles Eis ist weggetaut. Allerdings sind die Wege jetzt alle ein bisschen matschig und das Fahrrad sieht aus wie Sau. Die Laubbäume sind schon lange kahl und die ganze Landschaft besteht nur noch aus verschiedenen Brauntönen, dem milchigen Weiß des Eises auf den sumpfigen Wiesen und dem dunklen Grün der Nadelbäume. Und über allem wölbte sich heute – ganz entgegen der Vorhersage – ein trüb-grauer Himmel. Spätherbstfarben. Nur das Torfmoos leuchtet, als habe es damit nichts zu tun.

Hell und Dunkel

Ich habe vor ein paar Tagen die php-Funktionen date_sunrise() und date_sunset() gefunden, mit denen man für beliebige Orte Sonnenauf- und untergangszeiten berechnen kann. Das habe ich verwendet, um die Tageslängen in München und Skelleftehamn übers Jahr gesehen zu visualisieren.

Die drei Blautöne stehen für die verschiedenen Dämmerungsphasen (bürgerliche, nautische und astronomische Dämmerung).

Man sieht sehr schön, dass durch den flacheren Tagbogen der Sonne im Norden die Dämmerungsphasen länger dauern. Vor allem die recht lange bürgerliche Dämmerung führt dazu, dass es im Sommer zwar die ganze Zeit hell, im Winter aber nicht die ganze Zeit dunkel ist.

Nachtrag: Die Zeiten sind MEZ, die Sommerzeit ist also nicht berücksichtigt.